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18. Januar 2014, 14:44

Gibt es was Schöneres als edle Bettwäsche aus Bielefeld?

Hallo Mädels,

ich meine jetzt echte Bettwäsche. Solche, mit denen auch unsere anspruchsvollen Großmütter zufrieden gewesen wären. Nicht dieser fadenscheinige Mist, den man in Kaffeehäusern zusammen mit Nasenhaarschneidern kaufen kann, und der seine Bestimmung nach dem ersten Waschgang von Bettwäsche in Putzlappen umfirmiert.

Mein Vater, ein Veteran in Sachen Linnen-und-Wirkwaren-Nutzung­, betätigt sich heute als Mäzen. Ich bekomme mein Weihnachtsgeschenk: Einmal Einkaufen bei Betten-Kirchhoff!

Man muss wissen, dass so ein Einkauf ein Global-Event darstellt. Erst Bielefelder Stadtbahn fahren, aussteigen am Rathaus der 800jährigen Stadt und dann geht’s durch die Rathausstraße. das ist die westfälische Flaniermeile (mit einigen der besten Geschäfte Bielefelds (800 Jahre!​)).
In der Goldstraße dann endlich das Bettenfachgeschäft, ausgezeichnet mit einem Leineweber der Stadt Bielefeld (1214 erstmalig als Stadt erwähnt, also vor 800 Jahren).

Es empfängt uns meine persönliche Verkäuferin des Jahres, was sag ich, Jahrzehnts. Nennen wir sie Frau N.
Frau N. ist groß, gepflegt, hat dunkles Haar und sensationell blaue Augen. Sie ist Bielefelderin. Sehe ich gleich. Durch und durch. Kein Schnickschnack, kein aufgeregtes Herumgesäusel. Hier entscheiden Fakten. Sehr sympathisch.

Mein Vater kauft nur Qualität. Er ist dem Haus daher bekannt und wird entsprechend begrüßt. Er legt augenblicklich das Problem dar: „Das ist meine Tochter. Die hat keine vernünftige Bettwäsche. Ändern Sie das.​“
Frau N. wirkt einen Augenblick erschüttert und scheint mich sofort zu durchschauen. Als würden wir uns dreißig Jahre kennen, hätten zusammen in einem gefühlt 800 Jahre alten Sandkasten gespielt, ja, wären sogar gemeinsam zur Tanzschule Klaus Gursch (Inh. Angelika, in der Innenstadt von Bielefeld – 800 Jahre) gegangen.

Frau N. bittet mich um die Darstellung meiner Bettwäschen-Vision. Ich sage sowas wie: „Ich mag es konservativ, glatt, kein Biber, gerne im Landhaus-Stil. Aber ich müsste mustertechnisch auf meinen Gatten Rücksicht nehmen.​“
„Aha.​“ sagt sie und mustert meinen Strickschal, auf dem HANSI HANSI steht. Sie zieht kaum merklich eine Augenbraue hoch. Mit einer formvollendeten Geste führt sie uns zu den Regalen, in denen die Bettwäschepakete wie wertvolle Exponate im Show Room der Herzogin Anna Amalia Bibliothek drapiert sind. Ich stürze augenblicklich drauf los und packe das erste Stück. Breche in Entzückungslaute aus.
Frau N. ist sofort bei mir. Wie sie das gemacht hat, ist mir schleierhaft, denn sie hat zuvor meinem Vater den Hut abgenommen, mit ihm über das Wetter geplaudert und ein Musterbuch zurecht gelegt. Sie entwendet mit elegant das Paket.
„Welche Größe haben Sie?​“
„Ich? Ist das nicht eine sehr persönliche Frage?​“
„Ich meinte die Ausmaße ihrer Bettdecke.​“
„Bitte?​“
Mein Vater antwortet für mich: „Sie hat noch 135 x 200.​“
„Ach.​“ Das klang doch eher enttäuscht. „Das hat man heute selten, aber ich kann Ihnen das bestellen. Hier haben wir sogar etwas in der Größe vorrätig.​“
Mir wird klar: Ich habe so gar keine Ahnung.
„Das Amöbenmuster hier ist toll!​“ Ich wieder.
„Sagte Sie nicht, nicht zu stark gemustert? Ihrem Gatten wäre da eventuell Paisley, so nennen wir das übrigens, nicht genehm.​“
„Sie haben recht. Und das hier? Das ist ja schöööön!​“
„Mir scheint, das ist noch stärker gemustert.​“ Sie breitet es geduldig vor mir auf einer gigantischen Theke aus. Mein Vater brummt amüsiert und vergnügt sich mit der Betrachtung eines Glitzerhirschen-Deko-Kissen.
„Okay. Dann aber das hier?​“ frage ich, als müsste sie mir alles erst genehmigen.
„Das ist Biber, fürchte ich.​“ Wieder zieht sie die Augenbrauen hoch. Mein Vater macht die Sache nicht einfacher, als er mit einem gespielten Überbiss und einem Nage-Geräusch das Gesagte visualisiert. Frau N.​entgeht das natürlich nicht.
„Dann das?​“
„Ausgezeichnete Qualität. Macco, ägyptische Baumwolle. Damast. Ich sehe schon, Sie haben Geschmack!​“
„Ja, wirklich?​“ Ich bin ja sooo stolz.
„Bielefelder Ware. Sie kennen die Firma elegante bed-linen fashion GmbH – seit über vierzig Jahren als Bettwäsche-Konfektionär erfolgreich am Markt. Oben an der Elpke.​“ Letzteres war an meinen Vater gerichtet. Der kennt das. Klar. Und ich bin so was von ahnungslos, denke ich, gebe aber nicht auf. Ich beschreibe Frau N. die Wandfarbe unseres Schlafzimmers. Sie nickt und schaut skeptisch auf die pinke Bettwäsche in meiner Hand.
„Dann wäre diese Farbe nicht zu empfehlen.​“
„Wohl nicht.​“ Ich lege es lieber gleich selber zurück. Um mich moralisch aufzurichten erklärt mir Frau N. etwas zu langstapeliger, gekämmter Baumwolle, beschreibt die Pflegeleichtigkeit von Baumwollzwickel, der mit besonders langen Fasern, Elastan, Aloe Vera und Seidenproteinen gefertigt wurde. Sie lässt mich Stoffe befühlen und auch dran riechen. Ich bin lernbereit und zupfe unschlüssig an meinem Hansi-Schal.
„Ach, Kleines“, ruft da mein Vater, der halb im Schaufenster von Betten Kirchhoff, im Herzen Bielefelds (800 Jahre), steht, „Hier! Guck mal!​“
„Ihr Vater hat recht. Dort haben wir mal etwas für unsere Kunden dekoriert. Wenn Sie mal schauen wollen?​“
„Wow! Gibt es was Schöneres als edle Bettwäsche?​“ quietsche ich.
Ein großer, schlanker Mann kreuzt den Raum und grüßt meinen Vater. Ich erkenne Ihn und zischele verschwörerisch zu Frau N. hinüber: „Ist das nicht Herr Betten-Kirchhoff?​“
Frau N. bleibt ganz ruhig. „Das ist tatsächlich der Senior-Chef.​“ Sie hat aufgegeben meine konfusen Aussagen zu korrigieren. „Diese Bettwäsche sagt Ihnen also zu?​“
Ich war versucht zu entgegnen, dass ich sehr hoffe, dass sie mir die erlaubt und sage: „Das ist dieses ägyptische Brokat oder?​“
„Sie meinen eventuell Damast?​“ Sie neigt den Kopf. Wow, sie wird Verkäuferin des Jahrhunderts mit dieser Engelsgeduld!
„Damast?​“ wiederholt mein Vater von einer Ecke des Raumes, wo er an einem Raumduft geschnüffelt hat, „das kann man sich notfalls auch an die Wand hängen!​“
Sehr hilfreich, Papa, denke ich. Und Frau N. sieht aus, als halte sie uns für verrückt, aber harmlos.
„Wir nehmen aber diese Farbe, nicht wahr? Das passt dann zur Wand.​“ Frau N. kennt sich deutlich besser aus in meinem Zuhause als ich. Ich nicke dankbar.

Während mein Vater das Portemonnaie zückt, konstruiert Frau N. einen gigantischen Turm aus zwei Paketen plus passendem Spannbettlaken ("Die Betttuchecke mit dem Einnähetikett gehört über die rechte obere Ecke der Matratze!​") plus einem Zierkissen mit dem Wappen (eher ein Look-a-like) von Bielefeld (800 Jahre).
Wir gehen zur Kasse.
„Super tolle Bettwäsche, Papa!​“ Ich gebe meinem Vater einen lauten Dankes-Schmatz, „kaum zu toppen!​“
„Na dann.​“
„Höchstens, wenn Hansi Flick drin sitzen würde!​“ kichere ich und werde rot. Frau N. schiebt die Ware in eine riesige Tragetasche und kommt auf mich zu.
„Lass das mal nicht deinen Mann hören, Süße!​“ Sie knuddelt mich und wir hüpfen einen kurzen Augenblick wie kleine Mädchen herum. Mein Vater schmunzelt.
„Freut mich aber“, sagt sie und zeigt auf den Schal, „dass dir mein selbstgestricktes Geschenk so gut gefällt.​“
„Ihr beide seid noch genau wie früher. Furchtbar albern.​“ Mein Vater lacht.

Ja, genau wie früher. Zum Beispiel in der Tanzschule. Vor dreißig Jahren. Da hat mir meine Freundin auch immer gesagt, wie der Hase läuft.


In diesem Sinne
Durch und durch Biofaser


Na? Nicht auch mal schön schlafen wollen? Auf zu Betten-Kirchoff in die Goldstraße in Bielefeld! Ja, in Bie-le-feld! Meine Heimatstadt wird übrigens 800 Jahre alt – falls das noch jemandem entgangen sein sollte.
Das gibt’s doch gar nicht!
Und dann im Bett was Gutes lesen: Vielleicht was von M I R?

Redakteur



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"Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen." (T'ien Yi-Heng)