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11. Mai 2018, 10:07

Läuft

Hallo Mädels,

manchmal, wenn man einen Lauf hat, merkt man das gar nicht. Wenn alles glatt geht, dann kommt es einem eher so vor, als habe man keine Zeit. Und ist etwas in Eile.
So geht es mir gerade.

Sitze am neuen Mansukript. Bald wieder eine Lesung. Dazu das Herz voller schöner Flausen und im Sinn nur Unsinn. Schreiben und Fühlen. Gut eingeteilt, gut geplant, für gut befunden.
Ja, es läuft.
Aber genießen kann ich es nicht richtig.
Warum nur so umständlich, Angie?

Gestern Abend auf dem Balkon, ich brauchte Rat und sah den Flugzeugen zu, wie sie der sicheren Landung entgegenströmten, las ich ein wenig Robert Gernhardt.
Gernhardt ist immer eine gute Idee, denn bei ihm weiß ich, dass er mir den Kopf zurecht rückt, wenn er allzu


verrückt, verzückt, verzickt


ist.


Folgendes Gedicht:


Vor zehn jahren waren wir
alle zehn jahr jünger.
In zehn Jahren sind wir vielleicht
allesamt schon Dünger.

Darum, Freunde, pflückt den Tag,
feiert seine Süße.
Dem, der euch entgegenritt
tretet auf die Füße.


So ist es.
Es läuft.


In diesem Sinne
Die Schreibende

Redakteur




04. Mai 2018, 14:40

Puffärmel

Hallo Mädels,

kennt Ihr das? Es ist Ende des Winters, dann Frühling und Ihr denkt immer so vor Euch hin: Oh, meine Söhne haben keine passenden Jacken mehr für den Sommer.
Und man denkt das so.
Und macht nichts.
Weil Klamotteneinkaufen mit Söhnen doch...sagen wir mal...sehr speziell ist.

Und dann muss man nun endgültig in den Sauren Einkaufskorb beißen, denn die Kinder kommen mittags mit knallroten Kopf heim, weil die SkiJacke bei zwanzig Grad Außentemperatur nun doch irgendwie gesundheitliche Risiken birgt...

Also los.
Anfangs versucht man noch zu beraten und gibt es dann schnell auf. Totenkopf hin oder her, tiefschwarze Trauerkleidung oder zu flippig, es ist ja schon fast alles egal, Hauptsache eine Jacke die den Regen ein bisschen fern hält...

Und dann schaut sich die Mutti doch gerade mal gaaaaaanz kurz selber um. Begleitet von kritisch-genervten Teenagerblicken.
Derart unter Druck gesetzt, kommt es wie es kommen muss.

Zum Impulskauf.

Ganz falsch!
Quasi der klassische Anfängerfehler einer Mutter!!!
Nichts kaufen, nur damit man mal auch was Neues auf der Haut hat!!!
Bloß nicht.

Zu spät. Zuhause habe ich mir dann meinen Kauf mal näher angesehen.

Ein süßes T-Shirt. Nur leider mit Puffärmeln!
Ich mit Puffärmeln?
Ich habe Oberarme wie ein Preisboxer!!!!

...und den Kassenbon hab ich auch nicht mehr...klassisch...


In diesem Sinne
Die Kauflaune

Redakteur




03. Mai 2018, 08:18

Sie sind Vater eines gesunden BMW geworden


Hallo Mädels,

Hochzeiten und geburten sind Dinge, die innerhalb einer Ehe auch noch nach 15 Jahren die wenigen verlässlichen Gesprächsthemen sind. Vor allem dann, wenn es Pannen gegeben hat. Perfekte Feiern vergisst man doch eher schnell.

Nun steht also wieder eine Geburt an, aber die sollte doch bitte so perfekt sein, wie die Erde rund. Im Büro meines Gatten, in dem traditionell die gefühlsgeladenen Momente im Leben eines Mannes mit den entsprechend involvierten Kollegen vorbesprochen werden, hatte man wahrscheinlich dazu geraten, ein Notfallköfferchen zu packen, wenn das bayerische Werk plötzlich anruft und sagt: „Ihr BMW wäre dann jetzt geboren.“

Diese Kollegen, die sich mit allem Verkehrsrecht der Welt als Geburtshelfer fühlen dürfen, haben alle Details zuvor mit meinem Gatten abgeklopft. Man darf da ja bei der Bestellung des neuen Bankwagens keine Experimentierfreudigkeit beweisen. Da sind die Leistungstabellen der entsprechenden Bereifung streng zu prüfen, da muss nicht zuletzt der Motor garantieren, dass man notfalls mit seiner Kraft ganze Panzerdivisionen aus dem Graben ziehen kann.

Reifen die auch im defekten Zustand fahren wie auf Schienen. Man kennt das ja.
Und Hauptsache der Motor ist groß.
Warum auch immer.
Innenausstattung wie ein Zierstreifen mit schwarzem Klavierlack soll die Ansprüche der Gattin beruhigen, und das Radio darf nicht nur unglaubliche Klangfreuden bereit halten, man muss dem Display Außentemperaturen, den DAX, die Regenwahrscheinlichkeit und Bankkrisen entnehmen können.

Nachdem das gesamte Büro meines Gatten nicht nur mit der bevorstehenden Niederkunft wuschig gemacht wurde, singen hoffentlich bald die Bayerischen Engel: „Freude schöner Gattenfunke - Motoren im Dilirium“.

Ich frage mich ganz ehrlich:
Wieso liebt der Kerl das Auto eigentlich mehr als mich?
Ich bin doch auch ganz nett. Sicher, ich schlafe nicht klaglos in der Garage, aber ich bin zuverlässig und auf Wunsch komme ich überall mit hin. Ich habe gerade letztens erst auf eienr Feier bewiesen, dass ich in Weiß einen tadellos überdimensionierten Eindruck mache. Aber nie, wirklich nie tätschelt mich mein Gatte so wie dieses blöde Auto.
Nur weil ich nciht aus Bayern stamme?
Hmpf.

Wart es nur ab, Bürschchen, wenn du im Stau stehst, kannst du mit dem Lenkrad knutschen - aber nicht mit mir...


In diesem Sinne
Vorfahrt gewähren

Redakteur




29. April 2018, 17:16

Warum sind mir manche Menschen so wichtig?

Hallo Mädels,

was mich seit jeher fasziniert, warum mir manche Menschen wichtiger sind als andere. Schon in der ersten Sekunde weiß ich es: DER Mensch ist mir wichtig.
Mit einem Blick ist es klar.
Es ist so ein einschüchterndes Kribbeln. Ich werde ganz starr und versuche hochkonzentriert bereits in der ersten Sekunde hellwach zu sein im Umgang mit diesem Menschen.

Ich lese ja viel über Evolution. Ihr wisst schon, die Lehre über die erfolgreichste Geschichte aller Zeiten über Kopierfehler bestimmter DNA. In dem Fall, der der Menschen.
In Wahrheit ist Evolution die Lehre vom Überleben.
Da meine Entscheidung, ob mir jemand wichtig ist, in weniger als dem Bruchteil einer Sekunde von mir getroffen wird, gehe ich als kleiner Evolutionsforscher-Anfänger davon aus, dass das Instinkt ist.
Also ist mir jemand NUR DESHALB wichtig, weil er mir mein Übeleben sichert, richtig?
Er ist mir nur aus total egoistischen Gründen wichtig.

Oh nö! Wie fies!

Bei manchen mag das stimmen. Eltern zum Beispiel. Oder die eigenen Kinder.
Aber warum sind mir Leute wichtig, die eigentlich nur Stress und Arbeit bedeuten? Warum ist es mir wichtig, sie um mich zu haben? Was HABE ich davon?

Ich weiß es nicht.
Um ganz ehrlich zu sein.
(Ehrlichkeit hat mal so gar nichts mit Evolution zu tun, fürchte ich)
Klar, dieser eine Typ mit der Frau, die beide sind einfach spitze. Das ist klar, warum die mir sofort wichtig sind. Sich an die zu halten, ist clever. Die haben es raus. Das fühlt man sofort. Die wissen, wo der Hase herläuft und zugleich bringen sie mich zum Lachen. Lachen! Lachen ist Leben! Das ist das pure Leben, das mich an den beiden fasziniert! Wer das nicht checkt, hat in der Evolution mal gerade einen Stehplatz in Fahrtrichtung gewonnen und ist RAUS!

Aber warum sind mir auch andere Menschen wichtig. Warum gehen mir auch andere Leute nicht aus dem Kopf? Warum SORGE ich mich. Sorge, sie könnten mich nicht mögen, SORGE, diesen Menschen könnte was fehlen? SORGE, sie niemals wieder zu sehen oder zu sprechen?
Was hab ICH davon?
Himmel, warum ist mein Leben so wundervoll kompliziert?

Nun denn.
So sitze ich auf meinem Balkon in der Sonne, genieße die Zeit an einem warmen April und zerbreche mir über diesen einen ganz besonders wichtigen Menschen den Kopf.

Und denke:
Hey, Wichtiger Mensch, geht es dir gut? (ich dutze ihn einfach mal)
Hey, kann ich irgendwas helfen? (ich gehe natürlich davon aus, dass ich evolutionär gesehen eine Art Wonderwoman bin und er ein armer hilfloser Wurm - vereinfacht viel)
Hey, kannst du mal aus meinem Sorgenkatalog hüpfen? ICH HAB AUCH NOCH ANDERE DINGE ZU BEDENKEN!

Klappt nicht.
Und irgendwie...
...irgendwie...
...irgendwie ist das nett vom ihm. Von diesem wichtigen Mensch. Er bleibt hartnäckig in meinem Kopf.

Schön hier auf meinem Balkon.
Schön, dass es so viele Menschen in meinem Leben gibt.


In diese Sinn
Die Sorgenfrohe

PS Evolution wird gerne zusammengefasst als die Überlebensstrategie der Fittesten. Das kann sein, dass ein Tier eine clevere Strategie beim Überleben hat, es kann sein, dass die Art einfach nur so viele Nachkommen erzeugt, dass einige immer übeleben werden oder es kann sein, sie sind die Klügsten.

Mit klug sind laut Definition wir gemeint. Die Menschen.
Ich bin auch ein Mensch.
Ab und zu.

Redakteur




27. April 2018, 12:00

Neues Bildmaterial eingetroffen

Hallo Mädels,


schaut bloß nicht in meine Bildergalerie! Hilfe! Das sind ja Fotos, mit denen man kleine Kinder erschrecken kann.
Argh...
Aber trotzdem sieht man, dass es mir Spaß gemacht hat.
In Heppenheim hatte ich den pinken Vogel auf dem Tisch sitzen, den mein Sohnemann mit als Glücksbringer mitgegeben hat...
Lesung in der Bahnhofstrasse und das Foto von der Lesung in Heppenheim (aus der Online-Zeitung "Echo").

Liebe Grüße aus der Nähe

In diesem Sinne

Die, die auf Fotos immer etwas doof aussieht

Redakteur




25. April 2018, 07:32

Lesung in Bahnhofstraße in Mühlheim


Hallo Mädels,

Tag des Buches.
Bei mir ist das fast jeden Tag, ehrlich gesagt, aber am Montag war es fast überall.

Unser umtriebiger Buchladen hatte dazu mit einigen anderen Geschäften in unserer Einkaufsstraße was sehr Schönes geplant.
Kurzlesungen.

Also habe ich mit einem Mikro ausgerüstet in der Einkaufsstraße gelesen aus meinem Roman "Ziemlich beste Mütter".
Schön war es. Ein leises Gewitter grummelte bei sommerlichen Temperaturen. Fröhliche Schauustige. Zwischendurch gab es eine Alarmanlage, die offenbar mitrden wollte und punktgenau zum Schluss fing es an zu regnen.
Eine schöne Aktion.
Gerne wieder!

Als Dank habe ich von Frau Roth aus dem Blumengeschäft eine wunderschöne weiße Rose bekommen. Sie steht nun hier in meinem Zimmer.

In diesem Sinne
Frau Simon

Redakteur




18. April 2018, 18:14

Heppenheim - Lesen macht schlau

Hallo Mädels,

frisch daheim aus Heppenheim.

Jaaaaaa, die neuste Attraktion dieser Stadt ist nämlich nicht mehr ein andauernd im Kreis fahrender Sebastian, sondern Angie, die Autorin, also Hanna. Hanni. Oder...ich erzähl mal von vorne...

Letztes Jahr bekam ich einen Vertrag für eine Lesung in Heppenheim.
Liegt nicht weit von mir entfernt, dauerte nur 45 Minuten mit dem Auto. Allerdings ist meine Agentin gefahren, zum Glück! Ich war viel zu aufgeregt! Und in dem zauberhaften Dschungel voller hübscher roter Fachwerkhäuschen und engen Gässchen hätte ich wahrscheinlich das Auto aus Versehen hochkant geparkt.

Heppenheim ist echt schön, liegt an der Bergstraße am Rande des Odenwaldes und ist sehr malerisch. So hatten wir uns früh aufgemacht, um ein bisschen von dieser süßen Stadt zu erkunden. Das Hotel "Der Goldene Engel" lag promt an der allerschönsten Stelle des Heims aller Heppen, nämlich an dem Marktplatz. Das schon ein Sechser im Lotto!

Als Belohnung für so viel bewiesenes Fahrgefühl (das Navi hatte uns zwar theorethisch richtig gelotst, aber dem Navi war nicht klar, dass uns auf den letzten Metern zum Ziel vier große Poller den Weg versperrten ) bekam meine Agentin erstmal ein dickes Stück Schokoladensahnetorte.
Lecker. Das weiß ich, weil ich sie das ja unmöglich alleine essen konnte...

Während unserer geradezu kontemplativen Konzentrationsübung (wir saßen draußen und redeten ohne Strich, Komma oder Luftholen) beobachteten wir eine sehr, sehr niedliche männliche, bärtige, blauäugige Bedienung eines spanischen Restaurants. Der lächelte so nett zu uns rüber.

"Wir essen heute Abend da!" sagte meine Chefin nur. Klar. Dazu hat man eine Agentin, die sagt, was Sache ist.
Außerdem sollte man so viel blauäugige, bärtige, lächelnde Geschäftstüchtigkeit belohnen, oder?

Dann die Lesung. In dem schönen Gebäude der Sparkassenstiftung im Saal "Stemmler" (was immer das auch bedéutet) habe ich dann ab 20 Uhr gelesen. Das war schön. Gute Akkustik, viel Besuch und die Zeitungen waren informiert. Jetzt kann man unter Hanna Simon tatsächlich auch MEIN Gesicht sehen beim Googlen, denn nun bin ich online sozusagen präsent.
Berühmt! Hurra!
Ok, dass ich Hanna Simon bin, hab ich zwischenzeitlich imemr wieder vergessen und musste zuweilen angestupst werden, aber ich hatte ja eh mein unfassbar professionelles Bank-Präsentations-Gesicht aufgesetzt (in einer Sparkasse durchaus sinnvoll).

Also las ich meine Geschichte von der sympathischen, alleinerziehenden Marie vor, die nette Freundinnen hat und einen süßen Sohn. Das weibliche Publikum, das sogar ein Selfie mit mir machte - machen musste - hat sich offenbar gut amüsiert und war zauberhaft. Es war super.
Ich war schon Wochen vorher aufgeregt gewesen, und dann war es sooooo entspannt und einfach schön.

Als Belohnung gingen wir dann in das von meiner Agentin ausgesuchte Restaurant. Klar.
Grins.
Was für eine Bedienung. Ui. Immer sich plötzlich neben uns materalisierend stand er da und fragte, ob wir noch irgendwelche Wünsche offen hätten.
Äh, ja, aber wir können wohl kaum...lassen wir das...

Ich wählte sehr wortreich und umständlich einen Heppenheimer Wein aus während meine Agentin so ihre Freude daran hatte, fast einen "Sex on the Beach" zu bestellen.
Kicher, quietsch, albern, Mädchen, mussjaauchmalein.
Himmel, wir sind ja noch soooo jung. Leider weiß das unsere Geburtsurkunde nicht.
Mnjam.
Ich meine jetzt das Essen.

Um 23 Uhr war letzte Runde. Wir bestellten schon wieder fast einen Sex on the...ok...der Witz ist jetzt mal komplett durch... Also doch bitte noch einen Weißwein, der sich dank eines knackigen Hipsters mit hochgesteckten Haaren an der Theke AUGENBLICKLICH neben mir materalisierte und für die Chefin ein Babylove.
"Warum heißen die eigentlich immer so doof?" fragte Chefin.
Ich sah irritiert zu, wie der Hipster mir zunickte während sein Kollege sich an dem Polieren eines komplett sauberen Glases abarbeitete und versuchte, Blickkontakt mit meiner Chefin aufzunehmen, die sich über dusselige Cocktail-Namen ausschüttete vor Lachen.
Und ich auch.
Himmel, wie albern, und die beiden an der Theke standen da, grinsten und polierten ihre Gläser...sehr anzüglich, oder?

"Wir sind etwas eingerostet!" sagte meine Chefin später auf unserem Doppelzimmer (wir mussten ja schließlich die lesung noch nachbesprechen und und und) als sie aus der coolen Dusche kam und unter dem flauschigen Handtuch hervor lugte.

"Tja..." machte ich und verdrehte die Augen.

Denn...
...wir hatten auf das zauberhafte Angebot, doch noch etwas zu bleiben, auch wenn gleich geschlossen würde, nicht reagierte...

"Nein," sagte meine Chefin nach einer heilsamen Minute des Nachdenkens, "wir sind verantwortungsbewusst und kopfgesteuert und nicht eingerostet..."

und ich vollendete den Satz: "...Quatsch...wir waren doppelt so alt wie die beiden..."

Und dann kam aus Zimmer 20 nur noch Gelächter!

(nur morgens wurde NOCH mehr gelacht, als ich versucht habe, den uminösen Knopf der super spacigen Dusche zu untersuchen und eiskaltes Wasser aus der Decke auf mich einströmte)

Vorsicht! Lesen macht schlau!!!!


In diesem Sinne
Autorin ist anwesend

Redakteur




11. April 2018, 08:22

Zeitversetzte Zeitverschwendung

Hallo Mädels,

es passiert ja so viel Überflüssiges in unserem hübschen Mitteleuropa und damit in unserem zeitweiligen Leben.
Manche Dinge nennt man Zeitverschwendung.
Männer zum Beispiel sind mitunter die schlimmste. Aber auch Geld.
Aber davon will ich HEUTE gar nicht reden. Diesmal meine ich die Uhrenumstellung, die nun ein paar Wochen zurück liegt, aber immer noch die zeitlosen Gemüter bewegt.
Für viele ist die halbjährliche Zeitumstellung ein Ärgernis. Deshalb soll die EU-Kommission nun die Vor- und Nachteile genau untersuchen.

Ein zeitgeistiges Thema, möge man erst meinen. Nein, es ist ein zeithaftes Thema.
An Sinnlosigkeit kaum zu überbieten stellt sich zumindest mir armen Zeitreisenden die Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit dar.

Winterzeit ist übrigens schon mal ganz falsch, das heißt nämlich Normalzeit.

Also der Sommerzeit hauten wir vor einigen Wochen die Zeiger um die Ohren.
Eine Stunde zurück, bedeutet eine Stunde mehr am Sonntag. Der Tag hatte also wirklich 25 Stunden.
Erklärung hierzu (unvermeidlich, auch in der Kürze der Zeit): Die MESZ, wie man das zwanghaft Unzeitgemäße während der warmen Jahreszeit so hübsch unhandlich abkürzt, ist eine Vorverlegung der Tageszeit-Zählung um eine Stunde vor der Zonenzeit von 15 Grad östlicher Länge. Will sagen, das ist die Sache mit Greenwich, die sich mir noch nicht ganz erschloss.
Hinweis von mir als Zeitzeuge: Das mit der östlichen Länge gefällt dabei besonders. Mein östlicher Gatte mag das gar nicht, wie ich anzüglich dabei grinsen kann.

Warum also das wilde Gefuchtel mit der stündlichen Vorverlegung?
Antwort: Man will damit im Sommer den frühen Sonnenaufgang nutzen und gleichzeitig die Tageslichtdauer am Abend künstlich verlängern.
Was nachgewiesenermaßen eines der dümmsten Ideen seit der Zeitdilatation ist. Und vor allem, wenn man das Licht nutzen will, warum lässt man dann im Winter nicht die falsche Zeit einfach weiterlaufen?

Ach, Kinder, das geht jetzt alles von Eurer Zeit ab!

Schlussfolgerung - das Umstellen auf Sommerzeit ist kompletter Unsinn, da es ungeeignet ist zur Energieeinsparung – zumal es unglaubliche Summen kostet, all die Chronographen nicht nur hin- und her- sondern auch umzustellen.
Deshalb denkt jetzt das EU-Parlament darüber zeitnah nach.

Aber was ist mit unserer inneren Uhr?

Die kann man sogar biologisch nachweisen, ich finde das erfrischend.
Nachweisen! Herrlich. Aber Zeitverschwendung. Jeder Eumel hat im Herbst an dem Sonntag, der der Zeitgleichung folgt, bereits eine Stunde früher Hunger und sagt beim Anblick des vollständig verdunkelten Abendhimmels um 18 Uhr 30: "Huch, das ist aber mal schnell dunkel geworden!"
Aber sicherer ist es schon, wenn – wie hießen die noch gleich? – Chronobiologen sich der Sache noch mal annehmen. Oder?

Also sie fanden heraus: Wenn man die Uhr eine Stunde vordreht, dann fehlt dem Menschen hinterher eine Stunde.
Hervorragend. Das hat echten Zeitwert.

Ich ergötze mich allerdings später einige Zeiteinheiten lang ausgiebig an den im Fernsehen dargebotenen Interviews erschreckter Einkaufsstraßenpassanten, die nach dem Hinhalten des Mikrofonpuschels hektisch zugaben, nicht genau zu wissen, ob man die Uhr vordrehe oder zurückstelle. Manche wussten nicht mal, was das eine oder andere für sie stundentechnisch bedeute.

Kein Problem: In knapp zwei Monaten werden die selben Reporter-Zeitlupen die selben Passanten befragen, was man eigentlich Weihnachten feiere und eben solche sinnfreien Antworten bekommen.

Egal. Wir haben es ja hinter uns mit den Uhren.
Und dem Umstellen.
Und die vom EU-Parlament sollen weiter debattieren, sie haben ja alle Zeit der Welt dafür...


In diesem Sinne
Eure Zeitzünderin

Redakteur




04. April 2018, 09:44

Frisch daheim

Hallo Mädels,

frisch daheim. Lange weg gewesen. Nicht nur physisch sondern auch psychisch. Den Kopf in den Wolken gehabt. Anderes gesehen, anderes gehört.
Sprich: man war einfach mal im Urlaub.
Und dann kommt dieser Punkt der Heimkunft. Dieser ganz knifflige Augenblick.

Ja, man freut sich schon auf zuhause, aber...

...man hat den Schlüssel in der Hand und...

...man stellt sich den Alltag vor. Vertraut, sehr vertraut, zu vertraut...

...und dann denkt man: aber wenn er nicht vertraut ist??? Wenn er anders ist??? Wenn was PASSIERT ist? Was dann?

Ihr kennt das.

Man öffnet die lange verschlossene Haustür und fragt sich: Welche Katastrophen lauern auf dem Anrufbeantworter? Wieviele Pflanzen haben überlebt? Wie sieht es im Kühlschrank aus? Ist da eventuell neues Leben entstanden?

Und dann der Geruch einer unbenutzten Wohnung. Irgendwie ein Hauch von Neu. Nach Teppich, Polstern und auch ein wenig nach Farbe. Ungewohnt.

Man schnüffelt wie ein Hund und denkt plötzlich: Ach deshalb macht das die Hunde nervös - weil sie etwas anderes riechen und nicht sich selbst. Es fehlt ihnen ... sie selber...
Eine ganz neue Seite von Egozentrik!

Also Fenster geöffnet - und Koffer auf. Wir haben ja viel Eigengeruch mitgebracht...

In diesem Sinne
Die Nase


Redakteur




23. März 2018, 09:58

Pronation. Tennislehrer mit abgeschlossenem Physikstudium


Hallo Mädels,

ich liebe es, wenn Sport in elegante Syntax gekleidet wird, wenn die Könige des journalistischen Tastentippens ein sterbenslangweiliges Fußballspiel in eine Verbal-Festivität umgestalten und ich atemlos die Zeilen entlang segele, um bis zur letzten Silbe das nachzuverfolgen, was ich live vor lauter Langeweile nie durchgestanden hätte.
In der Regel sind die Sportausführenden (Fußballer, Trainer, Tennisspieler) allerdings nie in der Lage, das Geschehen in halbwegs sinnstiftende Sätze zu fassen. Siehe diverse Pressekonferenzen.
Dann trat jener Sportaktive auf den Plan, vom dem ich unlängst schon schockiert berichtete. Ihr wisst schon. Der Mann mit der Winkelhalbierenden. Wir erinnern uns.

Es passierte diesmal folgendes: Ich bin beim Tennis, verhaue die Rückhand, verziehe die Vorhand und denke: „Ach, wie schön, dass ich so gesund bin, dass ich noch Sport treiben kann!“ und bin mit meiner latenten Unfähigkeit komplett im Reinen. Mut zur Lücke.

Ich stehe an der Grundlinie. Ich sortiere sorgfältig meine Füße, nehme den Ball in die linke Hand, atme durch, schaue auf das Netz. Ich blicke zum gegenüberliegenden Feld. Da muss der Ball hin. Ich umfasse den Schläger, wie Eva es mir beigebracht hat.
Heute steht jedoch nicht meine Trainerin neben mir sondern ihr Chef. Da muss ich mich anstrengen. Will ihr ja keine Schande machen!
Ich schlage.
Dann Stille in der Halle.
Chef brummt leise, tritt dann neben mich und sieht versonnen auf den Ball, wie er vor dem Netz leise auf und ab hüpft, um dann kraftlos liegen zu bleiben.
„Wenn man ins Netz geschlagen hat, hat man es total versiebt. Besser ist hinten ins Aus.“
Ich nehme einen zweiten Ball und schlage.
Er geht hinten ins Aus.
Trainer schweigt und nimmt seinen Schläger, hält ihn vor sich und dreht ihn. Ich bin mir nicht sicher, was er jetzt damit sagen will, aber ich verharre ehrfürchtig.
Dann spricht er wie folgt: „Um hohe Schlägerkopfgeschwindigkeite​n zu erzielen, solltest du eine gezielte Unterarmdrehungen einsetzen.“

Ja, ehrlich. So was sagt er. Einfach so. Zu mir!

Ich schweige, denn ich habe gerade den Tennis-Knigge nicht zur Hand, wo drin steht, was man darauf erwidern soll. Zum Glück ist der Chef längst Experte im entschlüsseln meines eher geistlosen Gesichtsausdruckes ob meiner Perplexität bezüglich Eröffnungen zum Thema „Optimierung von Angies Aufschlag“.
Er greift sich eine Handvoll Bälle und vollführt zunächst eine Trockenübung. Da der Mann so groß ist wie ein hessischer Sendemast, lege ich meinen Kopf in den Nacken und beobachte seine Bewegung in der Höhe.
Der Riese, der neuerdings einen Bart trägt, der mich spontan an James Brolin aus der Serie HOTEL (1983) denken lässt, steht seitlich zur Grundlinie. Er wirft den gefühlt erbsengroßen Ball mit drei Fingern federleicht vor sich in die staubfreie Luft. Da der Ball nichts anderes zu tun hat, schwebt er einfach. Dann führt der sonst völlig entspannt dastehende Mann eine Schleifenbewegung mit seinem Schläger aus. Dieser entwickelt dabei eine erstaunliche Geschwindigkeit, findet den schwebenden Ball und sendet ihn mit einem Zischen auf die andere Seite des Spielfeldes.
Wo genau ich zuerst hingucken soll, weiß ich nicht. Wahrscheinlich kann sowieso nichts meine Verwirrung mindern.
Chef spricht: „Erst Strecken der Beine, danach die Rotation des Oberkörpers und schließlich Kippen des Handgelenks.“
Ich nicke, denn außer Nicken bleibt mir wahrscheinlich nur die Option „Frustriert die Halle verlassen“, aber ich will ja was lernen.
Brav hole ich tief Luft, positioniere mich und schlage noch mal auf. Immerhin ist er „drin“. In der Hoffnung, es nun besser gemacht zu haben, sehe ich hoch zum Chef.
Er brummt. „Hmhm.“
Ist das gut? Will ich das so genau wissen? Ja doch, ich will ja besser werden!
Zum Glück nickt er. „Das ist ja schon mal ganz gut soweit. Um noch mehr Kraft auszuüben, braucht es die Torsion des Unterarms gegen den Uhrzeigersinn, bevor du den Ball triffst.“

Das! Ja DAS! Genau DAS sind so Momente, wo man sich fragt, wann man eigentlich gestern Abend zu viel getrunken hat, dass das eigene Sprachzentrum seine Arbeit verweigert.

„Ähem, „ räuspere ich mich und verkneife mir: „Was genau soll ich um welche Uhrzeit machen?“ Besser nicht anmerken lassen, dass das Gehirn noch an der Dekodierung dieser denkwürdigen Worte arbeitet. Ich mache schnell ein grübelndes Gesicht und tue so, als habe ich nach genauer Abwägung der Vor- und Nachteile beschlossen, seinem Rat Folge zu leisten.
Durch betont langsames Hervorkramen eines Balls gebe ich Chef Zeit, seiner kryptischen Aussage noch etwas Sinnstiftendes hinzuzufügen. Das tut er dann auch. Nämlich:
„Dass mit dem Rückhandgriff machst du ja schon ganz gut.“
Hurra! Eva sei dank! Ich bin erleichtert, doch auch sofort beunruhigt bei seinem Satz:
„Dieser Griff erleichtert die Pronation.“
Die...was? Die Nation ist erleichtert?
Ach ja? Ist das gut?
Er nimmt seinen Blick vom Feld und schaut zu mir runter. Offensichtlich wird ihm bewusst, dass er es hier mit sehr durchschnittlichem Personal zu tun hat und erklärt milde:
„Wie beim Auf-die-Uhr-Sehen.“
Ich gucke auf meine Uhr, dann auf seine. Meine ist schöner.
Lächelnd wiederholt er das Wort in der Hoffnung, es würde meine Erkenntnis erhöhen.
„Pronation.“
„Ach,“ sag ich lahm. „Pronation.“
Er holt langsam aus, hält den Schläger hinter seinem Rücken wie ein Hackebeil mit der Kante nach vorne und vollführt einen Schlag, der dann erstaunlicherweise doch volle Lotte den Ball treffen würde.
„Pronation,“ sagt er wieder. Wiederholungen sollen ja das Verständnis ersetzen können.
Ich nicke ehrfürchtig und schaue zu, wie er die Bewegung noch einmal ausführt. Er dreht das Handgelenk in letzter Sekunde.
„Um den Tennisball möglichst stark zu beschleunigen und möglichst viel Drall zu erzeugen.“ Wahrscheinlich hat er auch wieder was vom „Bürsten“ gesagt. Er sagt ja so vieles, was bestimmt klug ist, aber bei mir nur Rätsel aufwirft.
„Pronation?“ frage ich.
„Genau.“
Ich seufze. „Nee, is klaaar, Chef.“
Er atmet durch. Nicht enttäuscht, aber sicher mit der tiefen Erkenntnis, dass hier noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist, bevor die Nation die Pronation in ihrem Wesen erkennt.



Nach dem Unterricht habe ich mich für einen Fernuni-Lehrgang in theoretischer Tennis-Physik angemeldet.



In diesem Sinne
Angie Edberg



PS: Pronation ist die Einwärtsdrehung der Gliedmaßen. Sie ist damit die Gegenbewegung zur Supination. Sagt Wikipedia.

Redakteur



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