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26. Dezember 2018, 12:22

BMW ist Weihnachten

Hallo Mädels,

die Liebe in einer Ehe schwindet, die in einem BMW nicht.
„Hello, this ist your Captain speaking!“ brülllt mein Gatte so enthusiastisch, dass ich fast in das Handschuhfach springe. Von den hinteren Plätzen brandet tosender Applaus auf. Dann schwebt es aus dem Hangar. Das weiße Raumschiff. Der Jungfernflug. Da, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Im deutschen Straßenverkehr.

Es ist Weihnachten.
Mein Gatte hat einen neuen BMW.
Und ich bin froh, dass er überhaupt was liebt.

Es ist der Wechsel.
Papa hat eine neue Liebe, die andere hat er gerade beim stabil gebauten Mann vom TÜV abgegeben. Hartherzig lässt er die alte Liebe ziehen. Eine neue Zeit bricht heran, so kurz vor Weihnachten. Nicht mehr Schaltung sondern Automatik. Die neue Liebe hat einfach mehr zu bieten.
Er hat jetzt ein Raumschiff. Star Trek Next Generation BMW.
330td.
Der Innenraum fürwahr ein Cockpit. Es blinkt, es summt. Es ist so viel auf einmal, dass mit angst und bange wird um die Verkehrssicherheit der begleitenden Fahrtüchtigkeit. Es ist überbordend an Bord.

Der Kundenbetreuer (bei BMW verkauft man nicht, bei BMW betreut man!) hatte uns soeben in einer mehrstündigen Zusammenfassung einen zaghaften Überblick gegeben, was dieses weiße DING alles kann. Es kann alles. Nur nicht auf Sommerzeit umschalten.

Die Neue ist wie erwähnt eine Automatikerin.
Das Automatikgetriebe ist ja nicht nur einfacher Schnickschnack. So viel ich in Erfahrung bringen konnte, ermöglichen es aufgrund speziell abgestimmter Fahrprogramme der Getriebesteuerung die Kombination von erhöhtem Fahrkomfort mit der Wirtschaftlichkeit durch reduzierten Kraftstoffverbrauch und verringerte Emissionswerte. In der Regel ist es einfach mal ein bisschen leiser.

Leise?
Wie bitte?

Das wäre natürlich völlig am Kundenwunsch vorbei konzipiert. Der betreute BMW-Nutzer (besser: BMW-Passagier) will Motorengeräusche! Es ist ja der Lebens- und Liebesbeweis seines Lieblings! Er braucht dieses aufwallende Wummwuuuuuuuuuuuuuummmmmm.

Dann werde ich Zeuge des ersten Geräusches im All.
Ich staunte nur kurz, zu lange bin ich auf dieses Ereignis hin ausgebildet worden durch Eheschließung und Beifahrertum. Ich bin einfach immer und überall das perfekte Publikum. Ich höre zu und ich staune. Zwar nur kurz, aber vernehmlich.

DYNAMIK UNTERSCHIEDLICH INTERPRETIERT

Bitte?
Wer soll denn den ganzen Unsinn eigentlich interpretieren, wenn man doch sofort SEHEN kann, wie ein Mann es FÜHLT. Adaptives Fahrwerk, TwinPower Turbo Motor (solange es sich nicht um TwinTower handelt, soll es mir recht sein) Efficient Dynamics (wer kennt schon den Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität?) Auto Start Stop Funktion (was mich mal wahnsinnig macht an einer Ampel), Bremsenergierückgewinnung (klingt wie nach Gold zu schürfen), 8-Gang-Sport-Automatik mit Launch Control (hört sich schwer nach einem super Abendessen an) und Aerodynamik (das muss ja immer sein. Schon seit dem VW Käfer redet man darüber).

Alles ist mir recht, wenn man Gatte nur nicht wieder schlechte Laune bekommt.
Es ist doch Weihnachten.
Ich bin zufrieden und sortiere meine Beine und mein Handtasche ganz nach dem Raumangebot, das mir auf meiner Seite bleibt.

Mein Gatte flüstert: „Hör mal!“ Dann drückt er ein unscheinbares Knöpfchen.

Es macht tatsächlich dieses aufwallende Wummwuuuuuuuuuuuuuummmmmm.

Wie das?
Es ist das Knöpfchen zum Austricksen der Automatik.

Sinnvoll?
Im Leben nicht.

Freudvoll?
Aber ganz klar.

Geräusche eines Raumschiffs. Da staunen die herumeiernden Astro- und Kosmonauten aber nicht schlecht.

Ich aber sage nur: „Captain, bringen Sie uns nach Hause.“
Wo immer das auch sein mag.
Für ihn ist es der BMW.
Für mich gearde auch.

Und er macht: Wummwuuuuuuuuuuuuuummmmmm.


In diesem weihnachtlichen Sinn
Die Raumgleiterin


Für Jungs: 3,0 Liter, 6 Zylinder, Länge: 4,62 Meter, Breite: 1,81 Meter (2,03 Meter mit Außenspiegeln),
Höhe: 1,43 Meter, Radstand: 2,81 Meter, Kofferraumvolumen: 495 – 1.500 Liter 3,0-Liter-R6-Diesel; 190 kW/258 PS, maximales Drehmoment: 560 Newtonmeter bei 1.500 – 3.000 U/min, 0-100 km/h: 5,6 s, Vmax: 250 km/h (abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: 5,1 Liter je 100 Kilometer,
CO2-Ausstoß: 135 g/km, Effizienzklasse: A, Testverbrauch: 7,2 Liter
Für Mädels: www.angelaochel.de

Redakteur




04. August 2018, 12:12

BMW ohne Blue Efficiency und wie ich meine eheliche Fahrerlaubnis aufs Spiel setzte


Hallo Mädels,

in einem brisanten Moment rief ich im Büro meines Gatten an, inmitten seiner Kollegen, die ihm das Gefühl von automobiler Stabilität geben, und sagte: „Du, Schatz! Das Licht ist, glaube ich, kaputt.“
„Welches Licht?“
„Na, das Licht. Vorne.“
„Bei meinem neuen BMW?“ Typisch Mann. Hat irgendjemand anderes sonst noch vorne Licht? Den Kühlschrank konnte ich ja wohl kaum meinen.

Die Schlussfolgerung, dass das Licht seines geliebten BMWs eine eklatante Fehlfunktion aufwies, entsprang meinen unprofessionellen Beobachtungen bei der letzten Tiefgaragennutzung. Ich hatte diese empirischen Ergebnisse leider bis dahin von keinem Fachmann gegenchecken lassen, sondern hatte direkt meinen obersten BMW-Boss, sprich meinen Gatten, mit meiner zugegeben unausgegorenen Beobachtung konfrontiert.

Gatte holte tief Luft: Also ganz ruhig. „Das Licht? Kaputt? Das Auto ist brandneu!“
Ich schwieg. Ich hatte in einer Tiefgarage geparkt und festgestellt dass beim BMW andauernd das Licht an ist, obwohl es ausgeschaltet war. Und als ich an den Schaltern herumdrehe, dann wurde es noch schlimmer.
Ich versuchte diese Erfahrung mit meinem ehelichen Kutscher zu teilen, aber irgendwie war er nicht bereit dafür.
„Wie kann es noch schlimmer werden?“
„Schwächer.“
„Schwächer? Ich rufe wieder an.“ Gatte legte auf. Wahrscheinlich ein Schwächeanfall auf seiner Seite. Konsultierte er schnell eine Notfall-Büroberatung für Automobilfreunde? Würden die ihn stabilisieren können?

Ich hatte die ganze Lichterscheinung schon fast wieder vergessen, als mein liebster Schatz schließlich zurückrief. Erst freute ich mich über seine telefonische Aufmerksamkeit, doch ich merkte schnell, dass es nicht um mich ging. Seine Stimme war eine Spur unentspannt. Und offenbar hatte er sich eine Liste an Fragen zurecht gelegt, die er nun an mir abarbeitete.
„Welches Licht?“
„Na, welches wohl. Nicht das am Ende eines Tunnels!“ Meine Pampigkeit machte es nicht besser. Wie ich darauf käme? Ob ich noch ganz bei Trost sei? Ob ich irgendwo gegen gefahren sei?

Ich bemühte mich redlich, die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten und versuchte noch einmal mit mehr Worten zu beschreiben, wie ich auf diese geniale Schlussfolgerung gekommen war, dass das Licht am BMW kaputt wäre.

Mein Gatte schwieg. Man muss wissen: Mein Gatte schweigt wie ein Ehemann nun einmal schweigt. Es ist ein bisschen leiser als das Schweigen eines anderen Menschen.

Er seufzte. „Ach“, sagte er schließlich ganz laaaaaang gezogen.
Ich interpretierte das prompt falsch und triumphierte: „Siehst du, Schatz, ich hab recht, oder? Schon kaputt. Einfach keine Qualität mehr in Bayern!“

Pause. Man muss wissen: Mein Gatte macht Pausen wie ein Ehemann nun einmal Pausen macht. Er pausiert einfach ein bisschen mehr als bei anderen Pausen.

„Du bekommst Fahrverbot, wenn du mir nochmal so einen Schrecken einjagst. Der BMW hat Tagfahrlicht, du Knalltüte!“
Ups!
Aber ich gab nicht auf: „Entschuldige mal, es ist wohl jetzt die richtige Zeit für eine Empörung. Ich denke, das soll Energie sparen oder so. Aber immer das Licht anhaben, scheint mir da kontraproduktiv. Heißt das nicht Blue Efficiency?“
„Gott, nein! Das ist was ganz anderes! Das ist von Mercedes. Bei UNS heißt das Efficiant Dynamics.“
Oh. Ich schwieg.
„Ich leg jetzt auf. Ich muss schließlich noch arbeiten und du fasst zuhause nix mehr an. Keine Lichtschalter zumindest.“
Hm.
„Alles klar, Chef.“



In diesem Sinne
Erfischend efficant.

Redakteur




20. Juli 2018, 14:39

Der neue BMW ist da. Ich brauche dringend BMW M Performance.

Hallo Mädels,

bekanntlich teile ich die Liebe meines Gatten mit einem BMW. Der BMW wechselt zwar alle zwei Jahre, aber die Liebe zu ihm nicht.

Autos wie auch Geld sind in meinen Augen die schlimmste Zeitverschwendung aller Zeiten. Menschen, die zu viel von dem jeweiligen Zeug (denn mehr sind Autos und Geld nicht) besitzen, um so mehr werden diese Dinge geschont und sich der krause Kopf zerbrochen, wie man sie noch größer bekommt.

Autos werden liebevoll gewaschen und zart gestreichelt. Das wird von der ehelichen Zuwendung eins zu eins gestrichen.
Statt Hochzeitstagsgeschenk und/oder romantisches Wein-auf-dem-Balkon-Trinken, wird mir in unserer kalten Tiefgarage ins Ohr genuschelt: „Schau! Diese futuristische Carbon-Optik, sportliche Edelstahl-Interieurs und diese edle Titan- und Alcantara-Oberflächen setzen individuelle optische Highlights und unterstreichen die Dynamik und Sportlichkeit meines BMW. Ist das nicht heiß, Schatz?

Was soll ich tun? Mir die M Performance-Verstärker-Hupen vorne einbauen lassen, damit er mich auch mal wieder so ansieht?

Beim Geld verhält es sich auch nicht besser. Wenn man es nicht hat, sagt man immerzu: „Ach, wenn ich mehr Geld hätte, dann würde ich dies oder jenes tun. Mimimimimi, jammerjammer...“
Und zu mir wird gesagt: „Was brauchst du eine neue Hose? Nimm ab, dann sieht alles an dir gut aus!“

Nun haben wir also wieder einen neuen BMW, der bezeichnenderweise genauso aussieht wie der vorherrige (den ich immerhin EINMAL gefahren bin).
„Aber nein! Der ist doch ganz anders, Schatz!“
Ich verdrehe die Augen. „Darf ich den jetzt fahren?“
„Vielleicht.“ Heißt: Nein, du bist nicht würdig.
„Warum nicht?“
„Ach schau, ist er nicht schön, wenn er nur herumsteht? Schau doch! Bei diesem Modell leuchten die Türgriffe.“

...wozu auch immer...

Fahren mit meinem Gatten geht übrigens genau wie vorher:

Wenn mein Gatte 100 km/h fährt, schau ich auf die vorbeiziehende Landschaft.
Wenn mein Gatte 200 km/h fährt, schau ich deutlich schneller auf die deutlich schneller vorbeiziehende Landschaft.
Wenn mein Gatte 300 km/h fährt, bemerke ich, dass Zeit und Raum nur Ermessenssache sind.
Wenn mein Gatte 400 km/h fährt, entspanne ich mich mit Hilfe hochtoxischer Mittel.
...
Wenn mein Gatte 600 km/h fährt, werden wir von russischen Abfangjägern zur Landung gezwungen.


In Anbetracht dieser Gedanken, könnt ihr Euch vorstellen, dass ich kein gutes Verhältnis zu unserem neuen BMW aufbauen werde.
Und ich überlege, meine Ehe damit zu erweitern, dass ich noch zwei linke Spuren eröffne…


In diesem Sinne
Die Überholende

Redakteur




03. Mai 2018, 08:18

Sie sind Vater eines gesunden BMW geworden


Hallo Mädels,

Hochzeiten und geburten sind Dinge, die innerhalb einer Ehe auch noch nach 15 Jahren die wenigen verlässlichen Gesprächsthemen sind. Vor allem dann, wenn es Pannen gegeben hat. Perfekte Feiern vergisst man doch eher schnell.

Nun steht also wieder eine Geburt an, aber die sollte doch bitte so perfekt sein, wie die Erde rund. Im Büro meines Gatten, in dem traditionell die gefühlsgeladenen Momente im Leben eines Mannes mit den entsprechend involvierten Kollegen vorbesprochen werden, hatte man wahrscheinlich dazu geraten, ein Notfallköfferchen zu packen, wenn das bayerische Werk plötzlich anruft und sagt: „Ihr BMW wäre dann jetzt geboren.“

Diese Kollegen, die sich mit allem Verkehrsrecht der Welt als Geburtshelfer fühlen dürfen, haben alle Details zuvor mit meinem Gatten abgeklopft. Man darf da ja bei der Bestellung des neuen Bankwagens keine Experimentierfreudigkeit beweisen. Da sind die Leistungstabellen der entsprechenden Bereifung streng zu prüfen, da muss nicht zuletzt der Motor garantieren, dass man notfalls mit seiner Kraft ganze Panzerdivisionen aus dem Graben ziehen kann.

Reifen die auch im defekten Zustand fahren wie auf Schienen. Man kennt das ja.
Und Hauptsache der Motor ist groß.
Warum auch immer.
Innenausstattung wie ein Zierstreifen mit schwarzem Klavierlack soll die Ansprüche der Gattin beruhigen, und das Radio darf nicht nur unglaubliche Klangfreuden bereit halten, man muss dem Display Außentemperaturen, den DAX, die Regenwahrscheinlichkeit und Bankkrisen entnehmen können.

Nachdem das gesamte Büro meines Gatten nicht nur mit der bevorstehenden Niederkunft wuschig gemacht wurde, singen hoffentlich bald die Bayerischen Engel: „Freude schöner Gattenfunke - Motoren im Dilirium“.

Ich frage mich ganz ehrlich:
Wieso liebt der Kerl das Auto eigentlich mehr als mich?
Ich bin doch auch ganz nett. Sicher, ich schlafe nicht klaglos in der Garage, aber ich bin zuverlässig und auf Wunsch komme ich überall mit hin. Ich habe gerade letztens erst auf eienr Feier bewiesen, dass ich in Weiß einen tadellos überdimensionierten Eindruck mache. Aber nie, wirklich nie tätschelt mich mein Gatte so wie dieses blöde Auto.
Nur weil ich nciht aus Bayern stamme?
Hmpf.

Wart es nur ab, Bürschchen, wenn du im Stau stehst, kannst du mit dem Lenkrad knutschen - aber nicht mit mir...


In diesem Sinne
Vorfahrt gewähren

Redakteur




28. Juli 2017, 10:21

Stau und wie man ihn korrekt verursacht

Hallo Mädels,

Unfälle sind schrecklich. Rettungsgassen werden ja bekanntlich nicht richtig gemacht, weil die Insassen leider ihren Wagen direkt mittig der Fahrbahn platziert haben, weil man so den besten Blick nach vorne hat. Das Martinshorn konnte man leider nicht hören, weil man entweder ein intensives Handygespräch führen musste und/oder das Geschen knipsen, um es auf Facebook stellen zu können oder weil man stereotechnisch Justin Timberland das Hörfeld komplett überlassen hat.

Ein Dummer reicht, um alles lahm zu legen. Diese fraternisierenden Autopopos anzusehen kann auch dem revolutionärsten PS-Verliebten zu Fuß gehen lassen!
Wir haben Stau.
Beliebteste Ursache von zähfließendem Verkehr (früher dachte ich, dass hieße c-fließender Verkehr und demzufolge gäbe es auch a-fließenden und b-fließenden) sind Brummirennen (REWE gegen EDEKA) auf ansteigender Strecke oder aber gerne das blitzschnelle wie sinnfreie Wechseln der Fahrbahn, was den Hintermann zu Bremsungen veranlasst … und den dahinter und den dahinter und den dahinter.

MEINE GÜTE! HABT IHR DENN NIE DEN 7. SINN GESEHEN???

So gibt es das Ich-will-schnell-voran-kommen-Wechseln. Ein wildes Hin und Her. Solche Fahrer trifft man in der Regel nach wenigen Kilometern wieder. Sie sind dann meist völlig erschöpft von ihrer Aktion. Oder sie mussten Pinkeln.
Dann ist da noch das SOFORTIGE Wechseln der Fahrbahn beim ersten ERAHNEN eines Schildes, auf dem stehen KÖNNTE, dass auf dem nächsten Kontinent sich die Fahrbahn von vier auf drei verengt.
Zack.
Alles ist plötzlich auf einer Spur und steht sich einen Wolf, weil man auf diese Weise eine Fahrbahn kilometerlang ungenutzt lässt.
Sehr, sehr clever...

Kurze Zeit nachdem man im Stau steht, kann man dann auch endlich mal in Ruhe das Radio anmachen und nachhören, in welcher Rangordnung sich der Stau befindet, an dem man gerade teilnimmt.
Daumendrücken, dass wir schon 3km haben, den oftmals werden nur Staus von 3km und mehr genannt. Wäre ja ärgerlich, wenn man feststellt, dass man sich ganz ungenannt abmüht. Erster Gang, rollen, warten, Baum ansehen, warten, anhalten, Gang raus...usw.

Meine Söhne kommentierte in unbeirrbarer Diskutier- und Meckerlaune jegliche Automarken, die wir überholten und anhand dieser vorbei surrender Kraftfahrzeuge die blödsten Zierleisten, Farbe, und Verchromungen (= Anteil der verchromten Teile, die einen unmittelbare Rückschluss auf die Anzahl der Zylinder zulässt) erklären dann, was sie später fahren werden und lassen offen, wie sie die gewünschten PS jemals ausfahren wollen. Bauen sie sich dann eine eigene Rennstrecke???

Ich starre schweigend hinaus auf die übrigen Verkehrsteilnehmer, überhöre die Flüche, die mein Gatte auf alle anderen wirft und betrachte insbesondere die informativen Automobil-Rückseiten. Was einen wohl dazu bringen kann, das Heck seines Autos exzessiv zu bekleben?
Sicher, es wäre ganz hübsch, wenn man die Feinstaubplaketten der anderen Fabrikate studieren könnte. Dann könnte man herzlich in Lachen ausbrechen, aber das hier?
Auch der Rückspiegel ist ein Quell unerwartet hässlicher Accessoires, die mich beim Überholen allzu ungläubig in das neben uns liegende Auto starren lässt.

Ich unterschied schließlich nach folgenden Kategorien:

A) Kleber
B) Hänger

Der "Hänger" hängt alles, was er unmittelbar vor der Nase haben will (und was ihm offensichtlich wichtiger ist als die lebenserhaltende Beobachtung des Straßenverkehrs) an den Rückspiegel.
Besonders nachdenklich machen mich diejenigen (meist junge Frauen um die zwanzig) die indianische Traumfänger an den Spiegeln baumeln haben. Tschuldigung, aber schlafen die etwa gelegentlich ein? Oder warum haben sie Angst vor Albträumen???
Der Hänger hat aber auch gerne mal Duftbäume und Bärchen mit Pilotenbrille im frontalen Sichtbereich seiner Fahrgastzelle.

Dann ist da noch der "Kleber". Den wiederum muss man in Untergruppen aufteilen.

A) Werbekleber
B) ABI-Kleber und Kindnamenkleber
C) Proletenpack-Kleber
D) Urlaubsortaufkleber oder Freizeitparkkleber
E) Bundeligavereinzugehörigkeit​skleber

Kategorie A ist klar. Darunter findet man entweder einen Firmennamen und deren Dienstleistungen oder eine simple Internet- oder E-Mail-Adresse vor und wird kaum wahrgenommen. Böse Onkels können übrigens immer noch nicht richtig schreiben...

Kategorie B ist da schon etwas wilder, denn die wichtige Mitteilung, dass jemand (vorzugsweise der Fahrer) sein ABI gemacht hat, scheint mir persönlich ein etwas seltsamer Grund, um sich die gesamte Rückscheibe mit Buchstaben vollzukleistern.
Mit etwas Mühe kann man dann auch das Jahr dieses Großereignis deutscher Bildung entziffern. Bereits die Abiturienten des vergangenen Jahres haben offenbar Schwierigkeiten mit der Haftkraft der Folien, denn zuweilen steht nur noch "AB 2016" oder "A I 2 2", was mir meine gesamte Phantasie abringt, um erkennen zu können, dass es sich bei dem Verkehrsteilnehmer um einen jungen Menschen mit einer abgeschlossenen Schulausbildung mit Fachhochschulreife der letzten fünfzehn Jahre handelt. Nun denn. Wenn es so wichtig ist, das anderen Menschen mitzuteilen, dann mal zu.

In diese Kategorie gehört auch der allseits auffindbare "Baby-Kleber".. Ihr wisst schon, der mit "X an Bord".
Leute die offenbar nach dem Einkauf an ihren Kofferraum treten und sich fragen: „Hm. Nach all diesem Einkaufstress hab ich doch glatt vergessen wie mein Kind heißt...ach ja, hier steht es ja! Glück gehabt!“
Kategorie C sind jene Mitmenschen, die sich Werbungen von Phonogeräten hinten drauf klatschen. Meist über eine fast schwarz verdunkelte Scheibe, durch die wirklich NIEMAND mehr den rückwärtigen Verkehr erkennen kann. Wahrscheinlich dient diese Folie (gerne an VW-Fabrikaten) dazu, dem Fahrer den irrigen Glauben zu erhalten, er habe den BMW abgehängt...

Über die Sprüche von der Kategorie D, der ausgesprochenen dämlichen Witzen und beurlaubter Alleinunterhalter (Syltvariationen etc.) auf Deutschlands Straßen kann man ganze Bücher verfassen, so fürchte ich, denn nur selten ist mal ein Aufkleber dabei, den man ertragen kann. Witze über Politik, Witze über das Sponsoring des Vehikels und folgenden: "Wenn Sie das hier lesen können, sind Sie zu nah aufgefahren............"

Dann ist da noch E: In Hessen habe ich bisweilen eine Vielzahl von motorisierten Schalkefans entdecken können. Die Bayernfans sind ebenfalls dezent vorhanden und natürlich auch die Eintrachtanhänger (und klar bei uns auch Kickers Offenbach).

Das ist doch schon traurig genug, muss man sich da noch den Lack ruinieren?

Ich bin sprachlos und reiche Kekse nach hinten durch.
Mein Mann sieht stumpf auf das Auto vor sich und scheint sich eher nicht darüber den Kopf zu zerbrechen, was diese Kleberei soll.

„Schatz, siehst du auch die Aufkleber da?“ frag ich ihn, um ihn aufzumuntern.
Erstaunlicherweise klappt das! Nanau? Eigentlich ist sein Staugroll schlimmer als die Sintflut als Strafe Gottes.
„Ist es dir auch aufgefallen?“ fragt er strahlend. Ich nicke und freu mich.
Ungefähr fünf Sekunden. Dann sagt er:
„Der hat die falsche Typenbezeichnung auf seinem Kofferraum. Alter Angeber, aber das sieht ja jeder, dass das nicht stimmt, was der da dran stehen hat!!!
Hä? will ich machen, aber ich komme nicht dazu. Die fachkundigen Jungs von hinten sind voll im Thema: „Jau! Guck dir das an, Papa! Was soll denn der Käse!? Der V8-Motor von AMG hat doch nie und nimmer die im Typenkürzel >63 AMG< angegebenen 6,3 Liter Hubraum - egal ob in der blöden C-Klasse, in der langweiligen E-Klasse oder im ML!“
Gatte nickt: „Früher waren es 6,2, jetzt sind es 5,5 Liter. Aber es gibt das Teil auch in verschiedenen Leistungsstufen - von 457 bis 571 PS!“ Dann wendet er sich an mich, „Schön, dass dir das auch gleich aufgefallen ist!“ Gatte klopft sanft meinen Oberschenkel.
„Oh. Ja. Und außerdem wollte ich noch sagen: Die wenigsten haben noch ein Länderkennzeichen an ihrem Wagen…“


WARUM VERSTEHE ICH SOVIEL NICHT IN DIESEM LEBEN?


In diesem verwirrten Sinne
Die alte Staustufe

Redakteur




02. November 2016, 11:49

BMW – Streber sind schwer vermittelbar


Hallo Mädels,

alternativlose Zweifel hege ich an der ethischen Brillanz, wenn Familienwagen Geschwindigkeitsrekorde brechen können. Und das mit katholisch klingenden Architekturanleihen.

Wisst Ihr, was eine Domstrebe ist? Das ist ein Duschgriff in der Moterhaube. mein Gatte erwarb ihn und baute ihn ein.
Leider blieb es dabei nicht.

„Wir werden nun den Raum krümmen!“ kündigt mein Gatte unsere Testfahrt ergriffen an.

„Nochmal zum Mitschreiben,“ beginne ich und merke sogleich, dass ich mich bereits in Talfahrt auf unwiedergutmachbare Blasphemie befinde. Denn ich traue diesem merkwürdigen Einbauteil nicht. „Du hast ein Carbon-Dings vorne in die Motorhaube geschraubt und davon wird dein Auto schneller?“

„Du kannst Fragen stellen!“

„Ja. Und hier noch gleich zwei weitere Fragen. Erstens, warum wird das Ding nicht gleich eingebaut, wenn es so wichtig ist? Und Zweitens: Wie viel kostet das?“

Schweigen. Dann wird zähneknirschend etwas von einem Betrag genuschelt, der bis zu 1.030 Euro hätte sein können.

„Bitte?“

Man bedeutet mir von allen Seiten, ich solle nun den Mund halten. Was ich tue, denn kurz, nachdem der Schneepfeil (der Silberpfeil ist ja von der Konkurrenz) die Garage verließ, hörten wir:

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Äh, was ist das?“ Breche ich das Schweigegebot.

„Nix, nix!“

Zwei Kilometer in mäßigem Tempo begleitet uns das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Da ist doch was?“ Ich wieder.

„Nix, nix!“

Zwei weitere Kilometer in mäßigem Tempo und immer noch das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Meine Ohren summen schon!“ meckere ich.

Weitere Kilometer in mäßigem Tempo. Die Geräuschkulisse bleibt.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Hat das was mit dieser neuen Kirchenspeiche zu tun?“ Erkundige ich mich schnippisch.

„Domstrebe, es heißt DOMSTREBE!“

„Sag ich ja. Hat es damit zu tun?“

„Öh.“ Er schaltet. Was immer wieder faszinierend ist, weil wir ja eigentlich einen Automatikwagen haben.

„Das heißt: Ja?“ Ich lasse nicht locker.

„Äh, warte, gleich sind wir auf der Autobahn.“ Und tatsächlich. Wir erreichen die leere Autobahn. Gatte beschleunigt kaum merklich und jubelt schließlich. „Schau! Bei dieser Geschwindigkeit ist das Geräusch weg! Und wie er nun fährt! Wie sich das anfühlt.“

...

Nun ja.
Liebe Mädels, ich will hier mal für Euch ein Resümee ziehen:

a) dieser Duschgriff ist aus Carbon, einem industriell hergestellten Werkstoff aus kohlenstoffhaltigen Ausgangsmaterialien
b) schweineteuer
und
c) das Ding macht Geräusche bei normaler Stadtgeschwindigkeit.

Bitte?

Und NEIN!
Nein, es überzeugt mich nicht, dass das Geräusch irgendwann aufhört. Und warum?

BEI SCHALLGESCHWINDIGKEIT HÖRT MAN JA AUCH NICHT MEHR SEINEN EIGENEN PUPS!


In diesem Sinne
Eure Denise Karbon aus Südtirol

Redakteur




04. Mai 2016, 09:41

Der Deutsche Krimi, das german Overacting, und es ist immer Heino Ferch


Hallo Mädels,

wie Ihr wisst, hasse ich den deutschen Krimi, sofern es sich NICHT um

a) Tatort Münster
b) Tatort Weimar
oder
c) den Mainzelmännchen-Minikrimi

handelt.


Ich mag das sogenannte german Overacting nicht.
Dieses Drama, wo es gar nicht hingehört. Dieses Streberhafte: Schau mal, ich kann Gefühle so klar darstellen, dass es selbst der blindeste unter den Diplomzuschauern (der sich gerade ein gutes Glas Rotwein (ächz) aus dem Kühlschrank holt) mit dem linken, dicken Zeh erspüren kann!

Manchmal habe ich das Gefühl, in deutschen Schauspielschulen wird ein Kurs angeboten, in dem die Teilnehmer Kaffeetassen in einem Küchenschrank durch reine Selbstsuggestion darzustellen erlernen.

Egal jetzt. Vorspann.

Berlin.
- Es ist immer Berlin!

Also es ist Berlin und da taucht wer auf?
Richtig: Heino Ferch.
- Es ist immer Heino Ferch!
(Haben wir eigentlich nur diesen einen Schauspieler?)


Also nochmal auf Anfang.

Krimi. Berlin. Heino Ferch.
Unbegabte aber sehr stark instruierende Dialoge, die dem Zuschauer möglichst einfach darlegen, was Sache ist.
Das geht so:

a) Hier ein handlungsrelevanter Toter (gezeigt wird: unappetitliche Erschießung)
b) Das Unrecht (kenntlich gemacht durch: Dramamusik).
und
c) Da schiebt sich ein bekanntes Gesicht ins Bild, um das begangene Unrecht zu tilgen!

Es kommt zur Heino-Ferch-Totale.


Berliner Wohnung (Kenntlich gemacht durch: Fahrrad im Wohnzimmer).
Heino Ferch entschließt sich, das Rätsel um den oben beschriebenen Mord zu lösen.

Schnitt. Berliner Vorortvilla.
Es kommt zum Äußersten, es kommt zum Dialog.


„Hallo.“ Ein Unbekannter.

„Hallo.“ Heino Ferch.

„Du kommst, um das Rätsel zu entschlüsseln, das niemand entschlüsseln kann?

„Ja, ich entschlüssle alles. Auch Mordrätsel. Aber leider kann niemand dieses Rätsel entschlüsseln. Trotzdem ist es meine Mission.“

„Das wird schwierig.“

„Ja, das weiß ich, daher schaue ich so ernst. Ich bin außerdem sehr betrübt.“

„Warum bist du betrübt. Etwa, weil das Rätsel unlösbar ist?“

„Nein, weil man glaubt, ich sei der Mörder. Und es geht um meine Ehre.“

„Verstehe. Wenn du das Rätsel löst, ist deine Ehre wieder hergestellt.“

„Ja. Die Lösung bringt Ehre.“

„Verstanden. Lösung und Ehre sind dir wichtig. Du schaust außerdem so ernst wegen dieses unlösbaren Rätsels.“

„Ich bin ein bekannter Ernstgucker und ein begnadeter Rätsellöser. Und gut ist, der Zuschauer ahnt noch nicht, wie das Rätsel zu lösen ist.“

„Aha. Dann will ich kurz erklären, dass ich des Rätsels Lösung weiß, aber sie nicht sage.“

„Warum sagst du mir nicht die Lösung dieses unlösbaren Räsels, die mir Ehre bringen würde?“

„Weil ich der Böse bin. Und weil der Krimi dann zuende wäre.“

„Dann frage ich dich jetzt nach der Lösung.“

„Ich bin aber der Böse und habe kein Interesse daran, dass du das Rätsel löst.“

„Aber ich bin der Held.“

„Ach so.“

„Sag mir also die Lösung.“

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

„Na gut.“


Dann weitere Dialoge, die Silbe für Silbe erklären:

a) Heino Ferch ist der Tolle (hier hilft auch, dass er eine original Schimanski-Jacke trägt)
b) Heino Ferch hat die Hauptrolle inne (leicht zu erahnen, er ist IMMER im Bild)
und
c) er muss einen Mörder suchen (er fragt andauernd danach, wer der Mörder ist).

Ganz wichtig im deutschen Krimi: Die Guten sind später doch die Bösen und der unfassbar sprachunbegabte Böse ist nach kurzer Diskussion (siehe oben) zur Kooperation bereit. Warum er das ist, ist ein Geheimnis, das der Drehbuchautor voraussichtlich mit ins Grab nehmen wird.

Die gezeigten Automobile sind aufsteigend nach der Unwichtigkeit ihres Erscheinens:

a) Audi
b) Mercedes
c) BMW

Ich vermute der Verkehrsminister, der Familienminister und der Minister für Wirtschaft und Finanzen haben hier eine ausgewogene Bildgebung veranlasst.


Heino Ferch ist weiterhin andauernd im Bild.

Obacht!!! Nicht dass jemand auf den Gedanken kommt, ich mag den Mann nicht. Im Gegenteil. Er hat einen ansprechenden, nicht zu schmalen Körperbau, eine schiefe Nase und wenig Haare. Also ganz nach meinem Geschmack.
Alles gut.
Tja...

Nur ein bisschen viel Heino Ferch in allen deutschen Produkten, fürchte ich.


Ich hab schon Angst, eine Kinderschokolade zu öffnen – es könnte ja Heino Ferch rauspurzeln...



In diesem Sinn
Ich-werde-auch-mal-ein Drehbuch-schreiben

Redakteur




11. November 2014, 08:10

BMW – Streber sind schwer vermittelbar

Hallo Mädels,

alternativlose Zweifel hege ich an der ethischen Brillanz, wenn Familienwagen Geschwindigkeitsrekorde brechen können. Und das mit katholisch klingenden Architekturanleihen.

Ihr erinnert Euch an die Domstrebe von gestern? Der Duschgriff in der Motorhaube unseres bayerischen Präzisionsfahrgerätes?

„Wir werden nun den Raum krümmen!​“ kündigt mein Gatte unsere Testfahrt ergriffen an.

„Nochmal zum Mitschreiben,​“ beginne ich und merke sogleich, dass ich mich bereits in Talfahrt auf unwiedergutmachbare Blasphemie befinde. Denn ich traue diesem merkwürdigen Einbauteil nicht. „Du hast ein Carbon-Dings vorne in die Motorhaube geschraubt und davon wird dein Auto schneller?​“

„Du kannst Fragen stellen!​“

„Ja. Und hier noch gleich zwei weitere Fragen. Erstens, warum wird das Ding nicht gleich eingebaut, wenn es so wichtig ist? Und Zweitens: Wie viel kostet das?​“

Schweigen. Dann wird ein Betrag genuschelt, der bis zu 1.​030 Euro hätte sein können.

„Bitte?​“

Man bedeutet mir von allen Seiten, ich solle nun den Mund halten. Was ich tue, denn kurz, nachdem der Schneepfeil (der Silberpfeil ist ja von der Konkurrenz) die Garage verließ, hörten wir:

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Äh, was ist das?​“ Breche ich das Schweigegebot.

„Nix, nix!​“

Zwei Kilometer in mäßigem Tempo begleitet uns das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Da ist doch was?​“ Ich wieder.

„Nix, nix!​“

Zwei weitere Kilometer in mäßigem Tempo und immer noch das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Meine Ohren summen schon!​“ meckere ich.

Weitere Kilometer in mäßigem Tempo. Die Geräuschkulisse bleibt.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Hat das was mit dieser neuen Kirchenspeiche zu tun?​“ Erkundige ich mich schnippisch.

„Domstrebe, es heißt DOMSTREBE!​“

„Sag ich ja. Hat es damit zu tun?​“

„Öh.​“ Er schaltet. Was immer wieder faszinierend ist, weil wir ja eigentlich einen Automatikwagen haben.

„Das heißt: Ja?​“ Ich lasse nicht locker.

„Äh, warte, gleich sind wir auf der Autobahn.​“ Und tatsächlich. Wir erreichen die leere Autobahn. Gatte beschleunigt kaum merklich und jubelt schließlich. „Schau! Bei dieser Geschwindigkeit ist das Geräusch weg! Und wie er nun fährt! Wie sich das anfühlt.​“



.​.​.




Nun ja.
Liebe Mädels, ich will hier mal für Euch ein Resümee ziehen:

a) dieser Duschgriff ist aus Carbon, einem industriell hergestellten Werkstoff aus kohlenstoffhaltigen Ausgangsmaterialien
b) schweineteuer
und
c) das Ding macht Geräusche bei normaler Stadtgeschwindigkeit.

Bitte?

Und NEIN!
Nein, es überzeugt mich nicht, dass das Geräusch irgendwann aufhört. Und warum?

FRAGT EINSTEIN: BEI LICHTGESCHWINDIGKEIT HÖRT MAN JA AUCH NICHT MEHR SEINEN EIGENEN PUPS!



In diesem Sinne
Eure Denise Karbon aus Südtirol

Redakteur




10. November 2014, 10:06

BMW – Dom zu Bayer


Hallo Mädels,

wir müssen reden. Über Glauben.

Fangen wir mal ganz einfach an. Meine Mutter hatte ein schönes Hobby. Baustile. Sie kannte sich aus mit Sakral-Architektur, Kunstgeschichte und Heiligenfiguren. Auf diversen Reisen angeeignetes und angewandtes Wissen. Oft stand sie da, breitete die Arme aus und flüsterte beeindruckt: „Mein Gott, ist das scheußlich!​“

Was genau hätte sie über DOMSTREBEN referiert?
Sie hätte wahrscheinlich Folgendes gesagt: „In der Gotik baute man Kathedralen, die trotz ihrer Größe eine überirdische Leichtigkeit ausstrahlten. Baumeister ließen außen an der Kathedrale Bögen anbringen, um die gewaltige Last des Gewölbes von den Mauern zu lenken. Großartige Statik!​“
Und sie konnte sich sehr über Statik auslassen! Hollaholla! Anfangs dachte ich, es gäbe einen Herren mit Namen Statik, den sie ähnlich wunderbar fand wie Gilbert Bécaud, einem französischen Chansonnier (wegen seines Temperaments auch „Monsieur 100.​000 Volt“ genannt) mit einer weiß gepunkteten Krawatte zum blauen Anzug.

Ein Missverständnis.

„Lieber Gatte, da ist ein großes Paket für dich angekommen!​“
„Das ist die Domstrebe!​“ Er, begeistert.
„Wie schön, du interessierst dich also für Architektur?​“ Ich, hoffnungsvoll.
„Aber nein! Ich muss jetzt dringend in die Garage!​“ sprach er, nahm das Paket und die Jungs und wollte aus der Wohnung stürzen.
„Halt, halt. Will diese Kirchenspeiche sehen.​“ Ich, uninformiert.
„Mama, das ist eine DOMSTREBE!​“ Jüngster, verständnislos.

Das besagte Teil, das man auch Federbeinbrücke nennen darf, wenn man überhaupt darüber reden will, schien mir ein elegantes Stück Leichtmetall, sanft gebogen und am Ende zum Verschrauben zu sein. Nichts Digitales, nichts Elektronisches, nicht Motorisiertes.

Was zum Henker wollte mein Gatte damit?

„Ist für den BMW!​“ speiste mich mein Sohn ab und drängelte. Sie verschwanden.

Domstrebe klingt so elegant, so himmelstürmend. Sicher sieht der BMW damit gut aus, dachte ich und widmete mich anderen Dingen.

Das Telefon klingelte. Es kam direkt aus dem Inneren unseres BMW.
„Komm schnell in die Garage! Die Domstrebe ist so toll!​“ Und ähnlicher Unsinn riefen sie mir durchs Telekommunikationsgerät zu.

„Und?​“ frage ich und stand mittlerweile vor unserem Bayern. Der sah aus wie immer. Ich schritt langsam drum herum.
Es hatten sich bereits männliche Nachbarn eingefunden und bestaunten atemlos diese ominöse Domstrebe.

Aber wo war diese Strebe vom Dom?

Einen Augenblick wartete ich, in der Hoffnung, dass einer der anwesenden Männer oder Jungs mir den entscheidenden Hinweis gab. Nichts. Statt dessen vernahm ich Dinge wie:

- Torsionsfestigkeit der Karosserie erhöhen
- Verzugserscheinungen der Spur vermindern
- das Fahrverhalten bei Kurvenfahrt direkter

Bitte?

„Schatz!​“ mischte ich mich nun in das Fachmurmeln ein. „Nun sag mal, wo ist denn diese achsotolle Kirchenstütze jetzt? Ich sehe gar nichts.​“
Es wurde still in unserer Großraumgarage. Die anwesenden Männer schüttelten erschüttert über so viel Unwissenheit den Kopf. Gatte sah mich an, als hätte ich nicht alle Zylinder beisammen.
Und öffnete die Motorhaube.

„Da.​“ Er zeigte hinein. Und dann mit der Stimme eines Killers: „Aus der BMW Performance Produktlinie die Domstrebe Carbon.​“

Mein gigantisches Erstaunen darüber, dass dieses merkwürdige Teil IN DAS AUTO gebastelt wurde, überspielend, blickte ich auf diesen designten Handtuchhalter hinab, der nun in der Motorhaube ein unsichtbares Dasein fristen muss.

„Ach.​“ Und da fiel es mir wieder ein: Glaube ist das Vertrauen auf Unsichtbares.


In diesem Sinne
Misses L.​O.​W. Performance

Redakteur




07. November 2014, 11:44

Streik und Straßenverkehr

Hallo Mädels,

aufgrund des Bahnstreiks ist mein Gatte mit dem Rad die 3000 Kilometer vom Homeland nach Frankfurt gefahren.

Daher muss ich zusammen mit unserem begabten Verkehrsminister (wie heißt der noch gleich: Mister Maut?​) auf die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung bestehen.

Das heißt:

An die Radfahrer:

KEIN Telefonieren mit eigenem oder Fremd-Handy
KEIN Essen von gekauftem oder mitgebrachtem Fast- oder Slowfood
KEINE Gespräche mit Mitreisenden
KEIN Fahren auf der Gegenfahrbahn
LICHT an


An die Autofahrer:

KEIN Telefonieren mit eigenem oder Fremd-Handy
KEIN Essen von gekauftem oder mitgebrachtem Fast- oder Slowfood
KEINE Gespräche mit Mitreisenden
KEIN Fahren auf der Gegenfahrbahn
LICHT an (aber nur außen)

zudem:
KEINE vom Rad- oder Autofahren ablenkende Streitgespräche mit Beifahrern (Kindern, Ehefrauen, Kollegen, Haustiere)
KEIN Kartenlesen
KEIN Kartenspielen

ACHTEN Sie bitte auf radfahrene Banker!


Ich melde mich, wenn mein Gatte die Straßen wieder verlassen hat und wohlbehalten das Homeland erreichte.​.​.


In diesem Sinne
Die Luftpumpe

Redakteur



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