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Der Blog


     


03. März 2018, 08:55

Zu viel Stolz und zu viel Vorurteil

Hallo Mädels,

ich lese gerne schwierige Kost. Vermutlich ein Tick, den ich mir aneignete, weil ich in der Schule nie eine Deutschlektüre las und daher in den Deutscharbeiten über eine 4+ nie wirklich hinauskam. Meinem Lehrer war nur allzu klar, dass die liebe Angie zwar mit aller Eloquenz VORAN stürmte, aber nie wusste WOHIN. Wie auch - mir ist erst heute klar, warum Effie Briest so viel Kummer mit ihrer Familie hatte und warum mir das hätte eine Lehre sein sollen.

Leute, die in meinem Heim herumlungern oder zu einer Stippvisite das Wohnzimmer diametral perforieren, wissen, was zu lesen ich mittlerweile bereit bin.
Geheimrat Goethe, den wilden Schiller als angeberische Aufwärmübung, dann Biografien von Byron und Balzac (wegen der Alliteration). Dazu Proust und Schopenhauer wegen der dekorativen Ausgaben. Rilke jammert sich lyrisch durch mein Lesestudium, Poe und Kafka verbreiten derweil Schrecken und Düsternis, bevor ich meine Leselampe anschalte und mit Mao-Biografie und Dalai Lama versuche, meine asiatische Gelassenheit zu dekorieren.
Dazwischen durchstolpere ich eine peanuts-eske Welt und komme zur Ruhe mit deutschem Jugenstil und verwühle mich sogleich mit dem französischem Enfant Terrible Frederic Beigbeder ( und weil man den Namen nie richtig aussprechen kann, auch: Houellebecq).

Ich liebe einen Mann. Thomas Mann. Er ist für mich das Herzstück meiner selbst. Er liebte Männer, so wie ich, er wurde enttäuscht und dadurch erfolgreich, er war ein Versager und doch haben alle ihn lächelnd angesehen und gedacht: Der macht das toll.

Letzteres ist übrigens sicher deprimierender als zu sagen: Du bist ein Versager.

Wenn der Kummer kommt, nehme ich mir ein Buch.
Momentan schaffe ich bis zu drei Bücher an einem Tag.
Für den Zauberberg allerdings brauchte ich dann doch zwei Tage.
Tod in Venedig, Verstand und Gefühl, Ulysses, Blechtrommel, diverse Brechts.

Momentan hole ich schwer auf im Bereich Allgemeinwissen.

Und zwischen durch Jane Austen fürs Herz und die Hoffnung.
Für etwas Stolz und gegen Vorurteil.

Ich liebe es, wenn ich mir schwere literarische Kost selbst vorlege. Es wirkt immer so, als würden ich von mir selbst denken, ich wäre gebildet.

Ich bin von außen tiefsinniger als von innen.

Denn was mein Hirn wirklich liebt, sind neben Unerreichbarem einfach so simple Sachen wie Handyspiele.
Ich bin quasi die fleischgewordene Adhäsionskraft der Generation „gebeugt über Handys-Herumlaufender“. Ich falle auf die dümmste psychologischen Belohnungssysteme rein. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn ich kleine Candy-Stücke in die richtige Reihenfolge schiebe.

Ich bin ein Volltrottel.
Aber immerhin mit viel Drama.

Zum Glück kaufe ich nie ein Online-Spiel, ich beziehe nur Unmengen Strom und fülle meine WLAN-Verbindung voll aus.
Und schon wird mein Hirn geflutet mit Dopamin-Tsunamis und ich singe „Jippijajajippijippijäh!“.


Wo ist bloß mein Hirn geblieben?
Und wo ist Mister Darcy? Kommt er doch zum Tee?


In diesem Sinne
Alt gewordene Elizabeth Bennet

Redakteur




28. Februar 2018, 08:59

Wortsinn

Hallo Mädels,

Unwort des Jahres, Trendworte, Lieblingsworte, Fremdworte.
Ach, Sprache ist ja was Schönes!
Hier mal was zum Nachdenken:


Ernährer.

Oder wie ich gerne mal sage: Konsequente Fehleinschätzung.


Lassen wir das...


In diesem Sinne
Wortort




Redakteur




28. Februar 2018, 07:55

Mach es mir französisch

Hallo Mädels,

es gibt eine Menge Diskussionen in Deutschland, die zeigen, dass diese Nation in der Lage ist, auf ganz hohem Niveau Hirnlosigkeiten abzusondern. Führend in intellektueller Dominanz auf dem Spielfeld der Sinnlosigkeit sind aber ganz klar die Politiker.

Es geht um Sprache.
Oh ja, es nervt, wenn jemand in einem normalen Satz plötzlich englische Worte einfügt und damit nicht nur den Syntax durcheinander wirft, sondern offenbar sagen will: Ich hip, du doof.

Vielleicht sollte man unterscheiden. Zwischen „Denglisch“ und Anglizismus. Obwohl es für beide Worte keine genaue, wissenschaftliche Beschreibung gibt, so würde ich vom Gefühl her sagen: „Denglisch“ soll cool klingen, egal ob es klappt. Ein Anglizismus ist der Versuch, etwas zu beschreiben, von dem man meint, dass das deutsche Wort das nicht genau hergibt.

Beides kann nervig sein, ohne Frage.
Aber da wir allesamt auf einem Planeten leben, bleibt es nicht aus, dass Sprachen sich vermischen und verändern. Außerdem entwickelt sich Sprache immer weiter.
Außer Latein. Außer ein paar Lateinlehrern wird es keine Lateinmuttersprachler mehr geben...

Wir alle sprechen nicht wie Goethe. Ich persönlich bin da ganz froh drum, habe aber da aber wenig zu beigetragen. Goethe lebte vor zweihundert Jahren! Wie traurig wäre es, wenn die Sprache sich nicht seit dem veränderte? Und den „Pudels Kern“ haben wir uns ja bewahrt.

Damals webte man übrigens ganz gerne ein bisschen Französisch ein.
Nur mal so als Leitfaden. Unsere, deutsche, teutonische, ützlützbergische Sprache ist zu 20% von Französischen und Griechischen Worten durchsetzt. Selbst das Wort „Nase“ entstammt dem Französischen.
Nur 1% lausiger Prozent auf Goethes Spielwiese ist ein Anglizismus.

Das wären dann so Worte wie „Handy“ und „Public Viewing“, die übrigens kein Engländer verstehen würde. Beim zweiten würde er doch eher ein Begräbnis (genauer: Leichenbeschau) vermuten.

Den Vogel abgeschossen haben aber wie immer die Ösis. Das Land mit dem kindlichen Kanzler Kurz. Ach, was kann man da für schöne Wortspiele mit machen!
Egal.
Die Habsburger sind fix und fertig, weil ihre schöne, verschnörkelte Sprache von teutonisch-deutschen Worten durchsetzt wird. Das Wiener Bildungsministerium schlägt Alarm, da das österreichische sprachliche Selbstbewusstsein im Sinken begriffen wäre.

Zur Hülfö!
Alles, aber bloß das nicht!

Was würden die Welt ohne den Schmelz Mozarts tun?
So ein Schmarren. Wieso sollten die Ösis auf lange Sicht die Fähigkeit freiwillig aufgeben, wüste Beschimpfungen so melodiös zur Gehör zu gebe, wie es nur die Sprache Mozarts zuwege bringt? Solange die Sissi-Filme nicht nachsynchronisiert werden, ist da sicher Entwarnung zu pfeiffen.
Ein Berliner wird ja wohl nie auf die Idee kommen, die deutsche Sprache charmant zu nutzen, oder?

Bei uns, wo wir alle aus Bielefeld wech kommen, wird man von der Diskussion nichts halten.
Kärr, Kärr, Kärr!
Die Erwachsenen werden abwinken, zum Buer schluffen, aufpassen, keinen fickerichen Pömpel umzumöllern und dann „in die Erdbeeren“ gehen. Die Bielefelder Kinderchen werden herumdölmern und Fangen spielen bis sie rammdösig werden und sich dabei in „Otte“ in Sicherheit bringen. Während die noch zugange sind, werden die Erwachsenen endlich mal aus den Puschen kommen und ihre Klotten zusammensuchen, den Schnotten aus dem Gesicht wischen und die Mauken in die Hand nehmen. Dann geht es im Schlürschritt los.
Bielefelder sind auf Fremdsprachen nicht so bullerich, stimmt schon, aber zum Nölen gibt es auch anderes zu sabbeln.
Nur kein Dahlschlag bitte. Müsste doch mit dem Deubel zugehen, wenn wir solche Kinkerlitzchen nicht betüddern können. So was Usseliges!

Angst vor Anglizismus? Keine Ahnung, da frage ich einen Whistleblower, der soll mir facedown Big Data instagramen mit Hashtag. Davon mache ich dann von mir und dem kurzgeschlossenen Kanzler ein Selfi und poste das.

Zum Beömmeln.


In diesem Sinne
Pinöckel-Superstar

Redakteur




27. Februar 2018, 10:18

Tod in Venedig

Hallo Mädels,


ganz dem Grundsatz verkritzelt, halte ich es wie meine Tante: Wenn man ausreichend informiert ist, ist es plötzlich ganz einfach, sich mit anderen Menschen zu unterhalten, ohne andauernd die Wettersituation verbal überzustrapazieren.

Informieren geht am besten durch Lesen!
Leeeeeesssssseeeeeen!
Kennt das noch eine von Euch?

Ich lese aus Leidenschaft.
Leidenschaft fürs Buch.
Und Leidenschaft für die Liebe.

Auch versuche ich tapfer meinem "Erwähnungszwang" mit literarischen aber weitgehend ohne toxischen Mitteln beizukommen, und nicht andauernd von jenem zu reden und zu denken, der mein Herz gerade zu seinen Füßen so stoisch übersieht.

Ich opfere also im Stillen einer Bildsäule! ...wie Thomas Mann so treffend beschreibt in seiner Novelle:

"Der Tod in Venedig"

Herrlich!
Freunde des klugen Wortes! Nun lest doch mal dieses Buch! Das ist großartig!
Und kurz.
Genau das Richtige für die Bahn (und ruhig mal das Aussteigen dabei vergessen!)
Hier einer der Sätze die mir nicht mal dann selbst einfallen würden, wenn sie mir eine kecke Souffleuse direkt ins gesunde Ohr geschrien hätte:

"Heikler ist nichts
als das Verhältnis von Menschen,
die sich nur mit dem Auge kennen.
Die täglich, ja stündlich einander begegnen und beobachten
und dabei den Schein gleichgültiger Fremdheit
grußlos und wortlos zu halten
durch Sittenzwang
oder eigner Grille
genötigt sind."


Das nenne ich mal treffsicher.

In diesem Sinne
Verliebt in einen Mann




Redakteur




26. Februar 2018, 12:03

Er! oder: Was genau war noch mal der Sinn meines Lebens?

Hallo Mädels,

kommen wir gleich mal auf das Thema: Was treibt unser weibliches Leben wirklich um?
a) er
b) er
Diese hochkomplexen Themen spalten sich noch mal in drei Untergruppen:
a) Geld
b) Sex
c) Erziehung und Gedöns

Das ist insgesamt derart übersichtlich, dass wir die Themen so sanft und einstimmig abarbeiten können, dass man sich fragt, warum machen wir uns eigentlich allesamt die Mühe, verschiedene Leben zu leben, wenn uns doch immer das selbe passiert?

Der Mann:
Er, der es zu sagen hat
Er, der das Geld bringt (auch wenn wir selber Geld ran schaffen)
Er, der den Haushalt nicht machen muss (und wenn nur in der Theorie und dann sowieso besser)
Er, der genau weiß, was bei der Erziehung und Schulleistung der Kinder falsch läuft – und unfassbar enttäuscht ist, dass wir es nicht wissen (aber netterweise, will er da nicht in unsere Praxis eingreifen, sondern meckert nur aus der Distanz, die zwischen Arbeitsstätte und seinen Puschen liegt)
Er, der die Welt ist
Er, das Alles
Er, die Säge an unseren Nerven

Er, der …. ach er hat übrigens zugenommen und die Haare werden weniger!

Dieser Universal-Mann geht also morgens auf diese unvorstellbar zivilisierte Jagd und lässt Frauchen zurück im Geltungsbereich seiner wohlwollenden, großherzigen Vollversorgung. Wie überaus nett.
Wir (= Frauen, Jammerweiber, Nichtmänner, Hilfskräfte im häuslichen Lebensbereich) können uns glücklich schätzen, das uns die ER-Welt erträgt.
Wir wischen seinen Staub, vielleicht waschen wir ein bisschen seine Wäsche, aber das ist ja eh NIX. Und, klar, wenn die Kinder heim kommen, krank werden, Arbeiten schreiben, Elternabende kommen, klar...wir sind da.

Last Line of Defence!

Jahaaa! Das sind wir. Wir Frauen. Wir reiben uns in der Regel in jenem Kampf es Lebens vollständig auf, dass wir umfallen. So muss das sein. Das war schon immer so!

Aber eigentlich machen wir NIX.

Warum gibt es uns eigentlich? Die Männer brauchen uns nicht! Und es scheint sie so unfassbar Mühe zu kosten, uns in ihr Semi-Single-Leben zu integrieren.

Die Ehe gilt bei Männern DAS Thema, wenn man coole, herablassende Witze reißen will. Da kann man in einer Männerrunde gut punkten.
„Warum ist eine Scheidung so teuer? Weil sie es wert ist. HARHARHARHAR!“

Wir Frauen haben das so verinnerlicht, dass es selbst bei reinen Frauentreffen anfangs immer dazu kommt, dass einige, sich für ihr Dasein entschuldigen.

Ja, er arbeitet hart.
Ja, wenn er nach Hause kommt, dann will er ja nicht gleich selber Haushalt machen.
Ja, er verdient ja das Geld.
Ja, er ist nun mal ein Mann.
Ja, er braucht auch mal Freizeit.

Wir bringen es sogar fertig, uns über Frauen zu ärgern, die ihre Männer dazu bringen, selber zu putzen, auf die Kinder aufzupassen - während die Frauen regelmäßig Sport machen oder zum Friseur gehen

(um letztendlich für wen wieder schön auszusehen nach den struppigen pränatalen Horrorfigurjahren?) ...

- oder überhaupt, die machen einfach ein Mädelswochenende!
Pfui! Wie Pflichtvergessen! Wissen diese Frauen nicht, wie uns Hühner das trifft?

Hilfe, wo ist Alice Schwarzer, wenn ich sie mal brauche!

In unserer Mädels-Runde dauert das Gefühl des Dauerzweitplatzierten nicht lange und uns wird sonnenklar, das ist Quatsch. Klar, ist eine Ehe eine Partnerschaft, klar, da werden Kompromisse geschlossen und klar, gibt es Regeln. Aber Kompromisse auf zwei Seiten und nicht nur auf der Seite der Frau, verdammt!
Der Mann ist nicht der Chef - und das Weib ist ganz sicher nicht der großzügig mit Geld und Freizeit versorgte, unkündbare Angestellte.

Die Frau ist nicht das Problem - sondern sie ist Teil der Lösung.

Und wie käme ich jetzt dazu aufzulisten, was eine Mutter, die zuhause bleibt, zuhause arbeitet oder halbtags oder ganztags woanders arbeitet, zuhause LEISTET, nur um klar zu machen, ihr gehört OHNE WENN UND ABER DIE HÄLFTE DESSEN WAS DER MANN VERDIENT. Und sie hat die Hälfte aller Stimmrechte.
Man kann sie nicht einfach umpflanzen!
DAS WEISS DOCH JEDER!

Und wir wissen selber genug von Physik, dass sich Ordnung nicht selber herstellt, sondern eine unnatürliche, künstliche Form des Daseins ist!

Ernährer.
Warum wird das nie Unwort des Jahres?

Von vielen Hirnrissigkeiten momentan auf dieser Erde, sollten wir als aller erstes dieses Problem lösen, dann stellt sich der Weltfriede ganz von alleine her!


In diesem Sinne
Emma Emanze

Redakteur




21. Februar 2018, 07:33

Meine Freundin und ihr wildes Auto

Hallo Mädels,

wir brauchen in dieser kalten Zeit alle etwas Erheiterung, daher noch einmal diese wunderbare Geschichte über meine zauberhafte Freundin und ihr Auto:

Meine Freundin kenne ich schon seit Kindergartenzeiten. Mittlerweile fährt sie statt Puppenwagen einen Kleinwagen.
Letztens war die Batterie aus dem Fernbedienungsschlüssel am Ende. Ihr wisst schon. Das Ding, das so aussieht wie ein Schlüssel, aber nicht so benutzt werden will. Sie sagt, wenn das blöde Ding leer ist, dann kann man ihren Wagen zwar mit einem normalen Schlüssel aufschließen, aber nicht die Alarmanlage ausschalten, dann gibt es immer ein irres Hupkonzert - bis man den Kleinwagen entweder wieder zugeschlossen hat oder mit der Fernbedienung geöffnet.
Meine Freundin ist sehr praktisch veranlagt.

Meine Freundin ist gerade im Tierfutterfachgeschäft, um ihre Hauskatzen und die Vögel im Garten glücklich zu machen, als die Fernbedienung aufgibt.
Mist, denkt da meine Freundin. Sie öffnet den Kofferraum mit dem langweiligen Normalschlüssel und schon geht es los.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH​UPHUPHUPHUP.

Das kann ihr Auto mit Inbrunst und Ausdauer.
Das Dauerhupkonzert spült die Freßnapffachkraft auf den Parkplatz. Meine Freundin beruhigt den jungen Mann, dass es sich bei ihr nicht um eine Autodiebin sondern um die Autoeignerin handele. Die Hauptstrasse runter sei ihre Werkstatt, da führe sie jetzt hin, brüllt sie den Vogelfreund an.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH​UPHUPHUPHUP.

Es macht natürlich irre Eindruck, wenn man Bielefelds meistgefahrene Straße dauerhupend entlangfährt! Ich vermute, der Verkehr in OWL kommt komplett zum Erliegen, weil alle rechts ran fahren und Platz machen.
Schimanski in Duisburg mit Blaulicht ist nix dagegen.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH​UPHUPHUPHUP.

Mit dieser Soundeinlage erreicht sie die Werkstatt. Alerte Werkstattblaumänner stürmen aus ihren Garagen herbei, um zu sehen, was los ist.
Meine Freundin entsteigt dem Wagen, legt einem knackigen Mechaniker den Fernbedienungsschlüssel in die Hand und schreit: „Eine neue Batterie bitte!“
Und was tut der?
Klar.
Er ist schließlich ein Mann. Er versucht zu denken. Er denkt: „Die hat keine Ahnung.“
Meine Freundin seufzt über diese vollendete Hirnlosigkeit und begibt sich in den Wartebereich der Marken-Werkstatt. Dort zieht sie sich in aller Gemütsruhe einen Cappuccino, während sich nebenan in der Werkelei ihr Auto laut wehrt.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH​UPHUPHUPHUP.

Nach wenigen Minuten erscheint der Mechaniker. Er brüllt oberwichtig: „Das Türschloss ist kaputt, daher wird die Alarmanlage nicht ausgeschaltet.“
Ach, denkt da meine Freundin, erzähl mir mal was Neues.
Zur Strafe schaut sie dem Mann auf den Knackpo und schüttelt den Kopf.
„Neue Batterie bitte!“ schreit sie zurück.
Nebenan:

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH​UPHUPHUPHUP

„Nein, nein!“ brüllt der Blaumann in der Gewissheit, dass er die Ahnung im Schraubstock gefangen hält, „Neues Schloss in der Tür! Müssen die ganze Türverkleidung abmachen! Das wird wohl knapp 6.000 Euro kosten!“
Ihr Auto sagt dazu nur:

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH​UPHUPHUPHUP

Und meine Freundin nippt am Cappuccino. „Nur eine Batterie bitte!“
Der Mechaniker hampelt noch einen Augenblick vor ihr herum und murmelt Dinge, die dank des frauenfreundlichen Hupens niemand petzen kann. „Frauen haben keine Ahnung von Technik“ dürfte noch das Netteste gewesen sein. Statt sich über den Hosenlatz-Matz aufzuregen, zieht sie sich einen zweiten Cappuccino. Das kann ja dauern, wenn der Mechaniker weiterhin so dusselig ist.
Noch einmal versucht es der Schraubermeister (dessen Oberarme sehr adrett das T-Shirt füllen) mit einem mündlichen Sechs-Mille-Kostenvoranschlag, aber da sie nicht reagiert, trollt er sich.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH​UPHUPHUPHUP

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben!
Denn dann passiert folgendes:

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH​UPHUPHUPHUP

stillestillestillestillestil​lestillestillestillestillest​illestillestillestillestille


Der Mechaniker erscheint. In der Hand hält er den Fernbedienungsschlüssel. Er kratzt sich verlegen am Kopf und legt den Schlüssel auf den Tisch.

„Das macht dann vier Euro,“ sagt er leise.
Und das Auto schweigt.


„Aber einen süßen Knackarsch hatte die Hohlbirne“, meinte meine Freundin später.



In diesem Sinne
Die Fahrprüfung

Redakteur




20. Februar 2018, 12:04

Und jetzt ein kleines Gebet


Hallo Mädels,

dieses kleine Gebet las ich vor kurzem und es ist so zauberhaft, dass ich es euch nicht vorenthalten kann. Leider weiß ich nicht, wer es schrieb:

Was ist los mit mir?
Ich bat DICH, mein Herz zu beschützen. Und DU tatest es. Denn ich hatte Angst, mich zu verlieben. Ich war auf dem besten Weg dahin. Das Herz, verzagt, einsam, schutzlos, öffnete sich einen Spalt. Nicht sofort. Erst sagt es: Oh, wie gut, dieser Mann ist nichts für mich! Hurra! Ich bin sicher.
Und dann genau das Gegenteil.
Ich konnte nicht an etwas anderes denken.
Mein Herz hatte nur einen Hauch von ihm gesehen und doch reichte das, um ein Wehen zu spüren, ein Wehen, das einen Sturm bedeuten kann.
Ich will nicht. Ich stemme mich dagegen. Kein Sturm! Nie mehr!

Und da bat ich DICH, mein Herz zu versiegeln. Nicht dieses letzte leise Öffnen des Herzens zuzulassen. Nicht das herz fühlen lassen, was es zu fühlen fähig ist. Bitte nicht! Dieses merkwürdige Gefühl, das einen von oben nach unten durchströmt, halb schmerzlich, halb zuckersüß.
Ich bat DICH inständig: bewahre mein Herz davor, oh Herr, nimm es in DEINE Hände und wehre dieses Gefühl ab.

Und Du tatest, wie ich DICH bat.

Und ich bat noch mehr: Nie mehr will ich ihm begegnen. Sorge dafür. Denn bei unserer letzten Begegnung warf er mir einen freundlichen Blick zu. Freundlich, lang, aber nicht zu lang. Lang genug, um Angst zu bekommen, zu kurz für einen anderen Gedanken als Freundlichkeit von seiner Seite.

Alles gut, ruft mein Herz, weich gebettet in DEINEN Händen, ist es sicher. Das letzte Öffnen bleibt aus, es ist sicher, spürt nur die Möglichkeit einer Leidenschaft aber sie ist nicht entfacht, schwelt nur sanft und erlischt sicher bald ganz.
Ich bin sicher in DEINER Hand.

Und doch spüre ich DEINEN Humor, DEIN freundliches Lächeln, wenn DU DEINEN Blick auf mich und mein Herz senkst.
Ich höre, wie DU mich rufst: „Ich sende dir Liebe, und du verkriechst dich. Glaubst du, ich habe es mir nicht gut überlegt, was ich dir sende? Glaubst du, ich schicke dir ein anderes Herz, wenn ich glaubte, du würdest damit nicht zurecht kommen? Verstehe doch, Mensch, es gibt kein Scheitern. Ich sehe alles, und alles ist gut!“

Aber ich stehe vor DIR und bitte Dich zitternd noch immer: Beschütze mein Herz. Ich bin nicht bereit für dieses Gefühl. Ich bin zu alt. Zu zerbrechlich. Bitte, lass mich nicht in ihn verlieben. Bitte.

Und du lachst. Und sendest mir DEINE Liebe. Und doch: es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke und kein Tag, an dem DU mir nicht durch andere von ihm berichtest.
Jeden Tag spüre ich: er ist da.

Aber mein Herz ist in DEINER Hand. Und sicher, vor der Liebe, die du mir schickst.
DU bist mein einziger Schutz vor DEINER Herrlichkeit.

Hilf mir.
Ich will ihn nicht lieben, er ist zu sehr das, was ich mir ersehne.

(Anonym)


In diesem Sinne
Die Verzückte

Redakteur




18. Februar 2018, 15:30

Wenn die Erinnerung dein Feind wird


Hallo Mädels,

heute hat mein Ex Geburtstag. Nicht, dass das irgendeine Bedeutung hat für mich, denn ich habe ihn das letzte mal vor 18 Jahren gesehen, aber ich kann mir das Datum unfassbar schlecht aus dem Kopf schlagen.

Ich bin momentan sowieso der unerwarteten Rückkehr in meine Vergangenheit machtlos ausgeliefert. Warum?
Ich erinnere. Ich erinnere mich.
Und das mit solcher Wucht, wie man sie nicht für möglich hält in einem Gefäß das Hirn heißt.

Manchmal kann man seinem Gehirn beim Denken zusehen. Beispiel: Ich suchte den Namen des Künstlers, der das berühmte Gemälde „Goethe in der Campagna“ fabriziert hatte. Ich suchte also den Namen Johann Heinrich Wilhelm TISCHBEIN. Ich dachte aber immerzu an das Bild von Van Gogh, das der von seinem kleinen Schlafzimmer in Arles gemalt hatte.
Warum? Da war mittig ein Tisch zu sehen.

Gut soweit. Also mein Hirn weiß mehr als mein „ich“. Alles okay.
Es gibt demnach nichts, was in unserem Leben geschieht, was wir nicht abspeichern. Ohne Erinnerung ist eine persönliche Identität nicht möglich. Leider.
Ja, leider. Mich quält Erinnerung. Ich leide am Erinnern.

Mit dem „Gedanken machen“, übertreibe ich es ja gerne. Wie oft sagen gerade Männer zu mir: „Mach dir nicht so viele Gedanken!“ oder „Worüber du dir einen Kopf machst! So ein Blödsinn!“
Ich kann damit nicht aufhören, mir Gedanken zu machen. Ich merke mir auch garantiert immer die falschen Sachen. Wie zum Beispiel den Geburtstag meines Ex, oder was ich Dummes mal hier oder da zu diesem oder jenem gesagt habe. Was ich Hirnrissiges getan oder was ich unverzeihlicherweise unterlassen habe.
Meine Erinnerungen sind gnadenlose Quälgeister. Sie tauchen auf, wann es ihnen passt. Sie täuschen vor, verloren gegangen zu sein, aber dann sind sie da. Quälen, schmerzen, lassen mich ratlos zurück.
Ich leide so sehr, dass meine gesamte Gehirnleistung zurück geht. Ich funktioniere nicht mehr. Ich dreh mich im Kreis.

Warum gibt es Erinnerungen überhaupt? Warum kann nicht gestern auch gestern bleiben?
Ich werde doch deswegen kein schlechterer Mensch, nur weil ich vergessen habe, wie schlecht es mir mal ergangen ist! Warum kommen die Erinnerungen so daher, als wären sie nicht ein Teil von mir, sondern mein ärgster Feind?

Und warum wird nicht nur das reine Geschehen abgespeichert? Das war doch schlimm genug! Der körperliche Schmerz!
Warum kommen dazu Schuldgefühle, Hilflosigkeit, Hass, Trauer, Wut.
Warum lassen mich diese Gedanken nicht in Ruhe, seit die fragliche Situation vorbei ist!

Eine Erinnerung ist eine Wiederbelebung von etwas längst Vergangenem. Ja, Scheiße, denn ich bin leider in der Lage durch mein eidetisches Gedächtnis, mir ziemlich viel ziemlich detailreich wiederzubeleben.
Zum Beispiel das Aussehen von Personen, die mir wichtig sind. Gott sei es gedankt, dass diese Leute gar nicht wissen, wie genau ich sie im Gedächtnis behalte. Ich sehe sie manchmal gar nicht lange an und sie denken vielleicht: „Na, heute hat Angie mich aber nicht richtig angesehen.“ Falsch. Ich weiß was sie anhatten – von oben bis unten -, wie sie gerochen haben, welchen Stift sie benutzten, welches Getränk sie tranken und was sie gesagt haben. Ich taube Nuss kann ihre Stimme so gut im Hirn reproduzieren, dass ich ihnen sogar andere Worte in den Mund legen und sie mit der richtigen „Synchronstimme“ abspielen könnte.
Warum kann ich das? Was für einen Nutzen hat meine Seele davon?
Wissen andere Menschen eigentlich, wie gesund ihre Vergesslichkeit ist?

Sport. Die Rettung heißt Sport. So viel und so lange bis der ganze Körper brennt und die Fettpölsterchen leise wimmern. Und dann schlafen.
Aber nein. Schlaf und Erinnerungen? Das ist das Duo Infernale. Entweder Erinnerung und kein Schlaf oder im Schlaf alle Erinnerungen auf einmal.

Ich habe vor einigen Jahren ein paar Gespräche mit Menschen geführt, die sich mit so was auskennen und man empfahl mir die Technik des Gedankenstopps.
Ja, ich weiß, es klingt doof und ich hätte mal die Hände davon lassen sollen, denn es IST auch doof.
Es geht so. Man lässt die schlimmen Erinnerungen zu und sorgt dann mit einem äußeren Reiz (z.B. laut „Stopp!“ rufen) dafür, dass man sich selbst aus dem Zustand „erweckt“. Etwas Seltendämlicheres hab ich nun wirklich nie mehr wieder gehört.

….höchstens noch die Sache mit der ozeanischen Selbstentgrenzung….

Also es kam, wie es kommen musste. Ich „erlernte“ die Technik und sie erweckte mich natürlich KEIN BISSCHEN. Stattdessen hab ich an einer Fußgängerampel gestanden, als meine Gedanken mich nicht in Ruhe ließen. Da rief ich laut „Stopp“ (und hab die Fäuste geballt) und alle blieben auf der Straße stehen und guckten mich merkwürdig an.
Super.
Ich bin also momentan nicht nur „Lost in Erinnerung“, ich bin auch noch ein rumlaufender Psychopath. Gut dass ich mir nicht antrainiert habe, laut „Peng!“ zu rufen.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit hat einer meiner Lieblingsschriftsteller Marcel Proust geschrieben. Ich liebe es. Aber mein Leben ist nicht poetisch. Es ist sinnloses Zermartern des Hirns. Welchen Wert soll das haben? Was bringt mir das? Warum gibt es keine Entfernen-Taste dafür?

Ja, mag sein: Könnten wir nicht erinnern, gäbe es keinen Sinn für Vergangenheit. Und wäre alles Gegenwart, hätte wir kein Gefühl für Zukunft.
“Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken”, sagte schon Marc Aurel.
Ist mein Leben also nur eine Qual? Und für wen außerdem als nur für mich? Und ist meine Fähigkeit dieser intensiven Erinnerung nicht die beste Voraussetzung eine brillante Schriftstellerin zu sein?

Was aber, wenn ich lieber vergessen und schweigen würde als erinnern und schreiben?


Bei meinem nächsten Erinnerungsstopp werde ich rufen:
„Hug me!“



In diesem Sinne
Das Reminiszenzchen

Redakteur




13. Februar 2018, 13:28

Fast Nacht


Hallo Mädels,

und da ist er schon wieder! Fastnacht. Der Fasching. Um mich herum Feindesland. Hessen.
Ich habe davon keine Ahnung. Weder von Hessen noch von Karneval.
Ich komme ja, wie Ihr Lieben wisst, aus einem protestantischen Teil Ostwestfalens und kann mit derlei Verkleidungsfreuden nicht viel anfangen. So bin ich natürlich jedes Jahr wieder von Neuem völlig komplett überfordert.

Wir Ostwestfalen kennen Karneval oder Fastnacht GAR NICHT.
Wir sind gezwungen immer albern zu sein. Nur lassen wir das mit der Verkleidung dabei gleich weg.

Hilfe! Alaaf!

Es handelt sich hierbei ganz klar - wie fast alles in unserer zivilen Welt – um Prägung.

Gleich nachdem der moderne Mensch auf die Idee kam, die Menschheit in Mann (als einfach nur der Herrscher über das Ganze) und Frau (als beseelte Hüterin der Kinder und des Feuers und zuständig dafür, dass alles läuft, wie Mann das will) einzuteilen, hat man auch die Sache mit dem Karneval erfunden.
Das eine so sinnfrei wie das andere.

Karneval. Es ist bestimmt lustig. Ganz bestimmt.
Aber nicht bei mir.
Lasst mich einfach dabei raus!

Was also ist das, was Karneval, Fastnacht, Fasnacht, Fasching, Fastelovend, Fasteleer oder dusseliger Weise 5. Jahreszeit genannt wird? Und bei dem es Brauchtum ist, die Zeit vor der sechswöchigen Fastnacht so zu feiern, dass man die sechs Wochen komplett zum Ausnüchtern benötigt, bis man an Ostern die erste Likörpraline wieder vertragen kann?

Ganz ehrlich.
Für mich ist das DAS Streichergebnis des Jahres!

Was soll das eigentlich?
Man MUSS sich offenbar von Donnerstag bis Dienstag bis zur Besinnungslosigkeit besaufen und man MUSS an Karneval ALLES lustig finden. Als ob das nicht schwierig genug wäre, MUSS man sich auch noch ein lustiges Kostüm zwängen, setzt sich in eine miefige Mehrzweckhalle und tut so, als wäre der vorgetragene Blödsinn, die politischen Witze, Pointen und Lieder das Lustigste seit der Ernennung von Martin Schulz als Messias der SPDler.
Man schunkelt, man lacht, man schmunzelt und grölt gelegentlich irgend einen regionstypischen Karnevalsgruß.

Welchen frustrierten Alltag muss man eigentlich haben, um noch unterhalb der geistigen Nebelschlussleuchte durchzupassen und das als Spaß zu empfinden? Wie wenig Humor kann man haben, um über fünf Minuten abgedroschene Gags der letzten Legislaturperiode zu kichern – und das jedes Jahr aufs neue? Was ist da im Hirn falsch verlötet?
Auch im Fernsehen.
Wo vorher Volksmusik lief, läuft jetzt Volksgereime und Volkstätää.
Statt Helene Fischer steht da einer mit Parücke auf der Bühne (hinter ihm ein Orchester mit besagtem Tätäätätääää) und redet gereimt in einem Dialekt, der auch so schon nicht komisch ist.

Ich mag es nicht.
Aber.
Ich mag Humor.
Und ich mag es, wenn man sich selbst nicht ernst nimmt.
Aber.
Das hier ist FURCHTEINFLÖSSEND!

Bitte macht, dass es morgen alles vorbei ist!


In diesem Sinne
Aschermittwoch

Redakteur




07. Februar 2018, 07:46

Nachtrag zu gestern


Hallo Mädels,

was ich zu gestern noch mal sagen wollte.

"Viel Kälte ist unter den Menschen,
weil wir es nicht wagen,
uns so herzlich zu geben,
wie wir sind."

sagte schon Albert Schweitzer
(1875 - 1965), deutsch-französischer Arzt, Friedensnobelpreis 1952


Und der musste es wissen, der war schlau.


In diesem Sinne
Herzchen

Redakteur



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