angelaochel.de

 

 

 

Der Blog


     


18. September 2018, 09:42

Was das Aussehen mit Erfolg zu tun hat

Hallo Mädels,

ich gebe Absolution. Und zwar: Es hilft nicht, ins Biobuch zu gucken, wenn wir die menschliche Seele verstehen wollen.

In der Natur (und im Biobuch) bestimmt das Aussehen sehr genau, mit wem wir uns paaren dürfen.
Und das Paaren ist der einzige Erfolg, den es zu haben lohnt in der Natur.

Als Mensch hat man das mit dem Paaren zwar weiterhin ziemlich weit oben auf der Agenda...
und...
blöderweise steht auch sehr oft oben auf der Wunschliste das mit dem guten Aussehen...

Aber wir sind nun mal Menschen.
Und obwohl wir auch Tier sind, da hört es nun ml auf mit der Übereinstimmung.

Wir suchen keine Nahrung, wir kaufen ein.
Wir paaren uns nicht, wir lieben.

Ein Zusammenhang besteht daher nicht mehr zwischen Erfolg und Aussehen.
Es ist eben garantiert nicht mehr so, dass ein gutaussehender Mensch Erfolg hat!

Es wird bloß in den unzähligen hübschen und unterhaltsamen Frauenzeitschriften und den beefigen Männerblättchen vorgegaukelt, dass man nur über den vermeintlich attraktiven Körper erfolgreich sein kann.

Okay, wir spüren gerade ALLE beim Lesen den Ur-Reflex, dass wir das auch irgendwie glauben...

ABER!!!!
Es ist ein ausgesuchter Blödsinn einem Ideal von perfekten Muskeln, Fettgehalt und Busenumfang hinterher zu joggen!


Das macht uns nicht attraktiver, liebe Mädels,






sondern bloss angepasst.

Lest lieber ein gutes Buch und vor allem LACHT EUER GEGENÜBER MAL AN! DAS HILFT WIRKLICH
(probiert es!).



In diesem Sinn
Das Übergelache

Redakteur




09. September 2018, 08:22

Lesebrille

Hallo Mädels,

am Tag der Erkenntnis wusste ich plötzlich: zum Lesen bräuchte ich entweder einen längeren Arm oder eine Lesebrille!
Denn ich kann die Buchstaben kaum noch baräugig erkennen.

Diese Wahrheit birgt natürlich katastrophales Frustpotenzial, denn es sagt nichts anderes als:
Du bist alt.

Altsein will niemand, aber jung sterben auch nicht. Ich will mich also fügen und noch älter werden.
Daher erwarb ich im Fachhandel eine Lesehilfe.

Und da kamen die Buchstaben wieder allesamt zum Vorschein!
Welch Wiedersehensfreude!

Und es ward augenblicklich das Lesen wieder eine Freude!
Halleluja, meine müden Augen dankten es mir sogleich. Sie vermittelten nun wieder sinnstiftende Sätze und hielten einem abendlichen Lesevergnügen länger stand.

Und dann kam das Unvermeidliche...

Das Gesuche nach der Brille.

Wo ist sie bloß?
Hier? Oder hier? Im Sessel? In der Schublade? In der Handtasche?

Gleich nachdem die kluge Brille gewahr wurde, welche Abhängigkeit ich zu ihr aufgebaut hatte, ließ sie es mich spüren und verschwand wortlos.
Mal dahin, mal dorthin.
Mit Vergnügen wurde sie Zeuge wie ich jämmerlich hinter ihr her rief.

"Das ist wie bei den Männern!" sagte meine Freundin, als sie mich mal bei meinem etwas absonderlichen Such-Ritual beobachtete. "Besorge dir schnell eine zweite Brille!"

Gesagt, getan.
Und hat es genützt?
Aber jaaaaa!

Nun suche ich jeden Tag hinter zwei Brillen her...


In diesem Sinne
Die Aushilfsssehhilfe

Redakteur




31. August 2018, 10:12

Freitag


Hallo Mädels,

damit das ein für alle Mal geklärt ist:

"Die größten Schwierigkeiten liegen da,

wo wir sie suchen."

Wenn wir so ins Wochenende starten, kann nichts mehr schief gehen.


In diesem Sinne
Frau Freytag

Redakteur




27. August 2018, 08:38

Das Parfüm von Othello



Hallo Mädels,

meine Freundin bescherte mir einen Besuch in der Oper Frankfurt, dem großen, gläsernen Kubus im Herzen der Stadt - draußen wie drinnen beeindruckende Kulisse.

Heute: Othello. Wir alle haben sofort den geschwärzten Placido Domingo vor Augen (Othello war ein afrikanischer Sklave bis er sich zum Feldherren der Republik Venedig hocharbeite). In modernen Zeiten hat sich das Anmalen von Tenören übrigens nicht weiter durchgesetzt.

Bühnenbilder sind ja so eine Sache. Sie sind Ausdruck besonderer Kreativität des Bühnenbildners, aber auch ein Kompliment an das Publikum, dem man ohne Weiteres unterstellt zu verstehen, was man mit einem schiefen Holzboden und knapp fünf Dutzend Soldatenstiefeln meinen könnte. Bravo dafür, dass man in dieser Inszenierung ganz ohne blanke Busen, Theaterblut und Nazi-Uniformen auskommt.

Guiseppe Verdi ist und war einer der ganz Großen. Die Musik, zumal hier in Frankfurt wunderbar dargeboten, ist einzigartig. Der musikalische Höhepunkt meiner Meinung nach immer noch der gesungene Dialog zwischen Othello und Jago. Und natürlich der Schluss zwischen Othello und Desdemona. Leider nutzt der Dame ihre unschuldige Liebe und ihre Gesangskunst nichts, denn Othello hat sie auch dieses Mal wieder erwürgt.

Shakespeares Vorlage ist natürlich ein Leckerbissen. Seine Schurken sind nie blutleere Zerstörer, sondern bewundernswert einfallsreich. Jago ist ein durchtriebener Zeitgenosse, mit einem Plan. Ja selbst die Unschuld in Person, Desdemona, ist für ihren Untergang mitverantwortlich. Das Gerede über Cassio bringt sogar den Geduldigsten im Publikum fast dazu, auf die Bühne zu rufen: „Nun hör doch auf von Cassio zu reden, du bringst dich in Teufels Küche!“
Es kommt wie es kommen muss. Othello erdrosselt seine Frau. Er liebt sie so sehr, dass er das Gefühl hat, er sei es gar nicht wert, von ihr geliebt zu werden. Auch eine sehr spezielle Shakespeare-Logik mit einem entzückenden Charme.
Ich war begeistert!

Und so bleibt Othello weiterhin der Feldherr, der nicht damit berühmt wurde, große Schlachten zu schlagen, sondern dadurch, die Ehefrau im Ehebett erdrosselt zu haben, die übrigens dabei noch lange weitersingt und sich sehr höflich verabschiedet.

Ein gelungener Abend. Auch wenn manche Damen in der Reihe vor uns, mit dem Auftragen von ihrem Parfüm durchaus etwas sparsamer hätten sein dürfen, aber egal. Die Musik entschädigt für so manches.

Am allerbesten gefiel mit der Spruch meiner Freundin, die augenzwinkernd meinte: „Ach, das war so romantisch zum Schluss, da hab ich echt kurz gehofft, dieses Mal überleben beide!“

In diesem Sinne
Die kleine Opernführerin

Redakteur




04. August 2018, 12:12

BMW ohne Blue Efficiency und wie ich meine eheliche Fahrerlaubnis aufs Spiel setzte


Hallo Mädels,

in einem brisanten Moment rief ich im Büro meines Gatten an, inmitten seiner Kollegen, die ihm das Gefühl von automobiler Stabilität geben, und sagte: „Du, Schatz! Das Licht ist, glaube ich, kaputt.“
„Welches Licht?“
„Na, das Licht. Vorne.“
„Bei meinem neuen BMW?“ Typisch Mann. Hat irgendjemand anderes sonst noch vorne Licht? Den Kühlschrank konnte ich ja wohl kaum meinen.

Die Schlussfolgerung, dass das Licht seines geliebten BMWs eine eklatante Fehlfunktion aufwies, entsprang meinen unprofessionellen Beobachtungen bei der letzten Tiefgaragennutzung. Ich hatte diese empirischen Ergebnisse leider bis dahin von keinem Fachmann gegenchecken lassen, sondern hatte direkt meinen obersten BMW-Boss, sprich meinen Gatten, mit meiner zugegeben unausgegorenen Beobachtung konfrontiert.

Gatte holte tief Luft: Also ganz ruhig. „Das Licht? Kaputt? Das Auto ist brandneu!“
Ich schwieg. Ich hatte in einer Tiefgarage geparkt und festgestellt dass beim BMW andauernd das Licht an ist, obwohl es ausgeschaltet war. Und als ich an den Schaltern herumdrehe, dann wurde es noch schlimmer.
Ich versuchte diese Erfahrung mit meinem ehelichen Kutscher zu teilen, aber irgendwie war er nicht bereit dafür.
„Wie kann es noch schlimmer werden?“
„Schwächer.“
„Schwächer? Ich rufe wieder an.“ Gatte legte auf. Wahrscheinlich ein Schwächeanfall auf seiner Seite. Konsultierte er schnell eine Notfall-Büroberatung für Automobilfreunde? Würden die ihn stabilisieren können?

Ich hatte die ganze Lichterscheinung schon fast wieder vergessen, als mein liebster Schatz schließlich zurückrief. Erst freute ich mich über seine telefonische Aufmerksamkeit, doch ich merkte schnell, dass es nicht um mich ging. Seine Stimme war eine Spur unentspannt. Und offenbar hatte er sich eine Liste an Fragen zurecht gelegt, die er nun an mir abarbeitete.
„Welches Licht?“
„Na, welches wohl. Nicht das am Ende eines Tunnels!“ Meine Pampigkeit machte es nicht besser. Wie ich darauf käme? Ob ich noch ganz bei Trost sei? Ob ich irgendwo gegen gefahren sei?

Ich bemühte mich redlich, die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten und versuchte noch einmal mit mehr Worten zu beschreiben, wie ich auf diese geniale Schlussfolgerung gekommen war, dass das Licht am BMW kaputt wäre.

Mein Gatte schwieg. Man muss wissen: Mein Gatte schweigt wie ein Ehemann nun einmal schweigt. Es ist ein bisschen leiser als das Schweigen eines anderen Menschen.

Er seufzte. „Ach“, sagte er schließlich ganz laaaaaang gezogen.
Ich interpretierte das prompt falsch und triumphierte: „Siehst du, Schatz, ich hab recht, oder? Schon kaputt. Einfach keine Qualität mehr in Bayern!“

Pause. Man muss wissen: Mein Gatte macht Pausen wie ein Ehemann nun einmal Pausen macht. Er pausiert einfach ein bisschen mehr als bei anderen Pausen.

„Du bekommst Fahrverbot, wenn du mir nochmal so einen Schrecken einjagst. Der BMW hat Tagfahrlicht, du Knalltüte!“
Ups!
Aber ich gab nicht auf: „Entschuldige mal, es ist wohl jetzt die richtige Zeit für eine Empörung. Ich denke, das soll Energie sparen oder so. Aber immer das Licht anhaben, scheint mir da kontraproduktiv. Heißt das nicht Blue Efficiency?“
„Gott, nein! Das ist was ganz anderes! Das ist von Mercedes. Bei UNS heißt das Efficiant Dynamics.“
Oh. Ich schwieg.
„Ich leg jetzt auf. Ich muss schließlich noch arbeiten und du fasst zuhause nix mehr an. Keine Lichtschalter zumindest.“
Hm.
„Alles klar, Chef.“



In diesem Sinne
Erfischend efficant.

Redakteur




31. Juli 2018, 13:25

Von der Liste der Lieblingstätigkeiten gestrichen


Hallo Mädels,

heute schon den Bio-Müll rausgebracht?
In das Müllhäuschen mit 1000 Grad Hitze?
Wo die Fliegen ohnmächtig um die braune Tonne herum liegen?

Ich schon. Und so sage ich Euch aus den Tiefen meines Erfahrungsschatzes:

LASS ES!!!!


In diesem Sinne
Biologisch ablesbar

Redakteur




31. Juli 2018, 13:22

Sommerpause der Intelligenz

Hallo Mädels,

dass mit der Sommerzeit hab ich ja schon nicht verstanden, aber Sommerpause bei meinen Lieblingssendungen, das geht doch nun wirklich zu weit!!!

Auch ich muss arbeiten und denken – auch wenn dies zeitlich nicht immer zusammen fällt!
Also ehrlich, ich kann doch bitteschön erwarten, dass die wenigen, intelligenten Sendungen, die mich daran hindern, geistige Abkürzungen zu nehmen oder in Panik wegen „Welt“ zu geraten und mich am hirnigen Überleben halten(!), mich durch die Hitze bringen!

Aber nix!
Die sind fahnenflüchtig!
Am Ende einer Sendung sagen sie alle fröhlich und ohne Frühwarnsystem: „Wir verabschieden uns in die Sommerpause und sind dann im September/Oktober/nächstes Jahr wieder für Sie da!“

Wenn das so Sendungen wären, wie, sagen wir mal, wie
Bauer sucht Irgendwas,
Frauenflausch,
oder
die schönsten Weltkriege des letzten Jahrhunderts,
wäre mir das ja alles ziemlich schnuppe! Der dort gebotene eindimensionale Realismus dürfte für immer in Ganzjahrespause gehen! Aber muss das denn gerade bei jenen (sehr wenigen) intelligenten Sendungen sein?
Wo fahren Deutschlands Elite-Satiriker denn alle hin? Wo macht die Redaktion von QUER und NDR-INTENSIVSTATION Urlaub?
Es ist ja nicht nur so, dass ich mich kolossal isoliert fühle, wenn meine Sendungen nicht mehr zu erreichen sind. Niemand da, der meine Ängste mit spitzen, genialen Wortgranaten zersplittert!
Es ist ja leider so, dass in den Sendeanstalten nur noch irgendwelche Praktikanten rumlungern, die dann die Sende-Löcher mit Dokumentationen auffüllen, während sie selbst vergessen haben wie man einen Haupt- und einen Nebensatz sinnreich verknüpft, ohne dabei das Handy aus der Hand zu legen.

Fakt ist. Im Sommer kommen besonders viele alte Dokus. Solche wie:

Die schönsten Bilder der Tschernobyl-Explosion
Oder:
Das flotte Fischsterben an Fukushimas Küste

Aber (!) was auf jeden Fall kommt ist:

HITLER (in allen Variationen, auch in Farbe)

Der olle Führer geht ja immer. Komplette, visuelle Präsenz bei dem meist bestgehasstesten Toten der westlichen Welt. Irgend einen bislang ungesendeten Zentimeter Super8Film vom Obersalzberg findet sich ja immer! Damit die Mittelschicht sich mal wieder ordentlich gruseln kann und dabei so historisch gebildet wirkt.

Ich sag es ganz klar.
#Sommerpause
#ganzganzbitter
#SoBoring
#MeinHirnbefindetsichinAuflö​sung.
#UndnichtnurwegenderHitze.


In diesem Sinne
House of the rising Ice

Redakteur




20. Juli 2018, 14:39

Der neue BMW ist da. Ich brauche dringend BMW M Performance.

Hallo Mädels,

bekanntlich teile ich die Liebe meines Gatten mit einem BMW. Der BMW wechselt zwar alle zwei Jahre, aber die Liebe zu ihm nicht.

Autos wie auch Geld sind in meinen Augen die schlimmste Zeitverschwendung aller Zeiten. Menschen, die zu viel von dem jeweiligen Zeug (denn mehr sind Autos und Geld nicht) besitzen, um so mehr werden diese Dinge geschont und sich der krause Kopf zerbrochen, wie man sie noch größer bekommt.

Autos werden liebevoll gewaschen und zart gestreichelt. Das wird von der ehelichen Zuwendung eins zu eins gestrichen.
Statt Hochzeitstagsgeschenk und/oder romantisches Wein-auf-dem-Balkon-Trinken, wird mir in unserer kalten Tiefgarage ins Ohr genuschelt: „Schau! Diese futuristische Carbon-Optik, sportliche Edelstahl-Interieurs und diese edle Titan- und Alcantara-Oberflächen setzen individuelle optische Highlights und unterstreichen die Dynamik und Sportlichkeit meines BMW. Ist das nicht heiß, Schatz?

Was soll ich tun? Mir die M Performance-Verstärker-Hupen vorne einbauen lassen, damit er mich auch mal wieder so ansieht?

Beim Geld verhält es sich auch nicht besser. Wenn man es nicht hat, sagt man immerzu: „Ach, wenn ich mehr Geld hätte, dann würde ich dies oder jenes tun. Mimimimimi, jammerjammer...“
Und zu mir wird gesagt: „Was brauchst du eine neue Hose? Nimm ab, dann sieht alles an dir gut aus!“

Nun haben wir also wieder einen neuen BMW, der bezeichnenderweise genauso aussieht wie der vorherrige (den ich immerhin EINMAL gefahren bin).
„Aber nein! Der ist doch ganz anders, Schatz!“
Ich verdrehe die Augen. „Darf ich den jetzt fahren?“
„Vielleicht.“ Heißt: Nein, du bist nicht würdig.
„Warum nicht?“
„Ach schau, ist er nicht schön, wenn er nur herumsteht? Schau doch! Bei diesem Modell leuchten die Türgriffe.“

...wozu auch immer...

Fahren mit meinem Gatten geht übrigens genau wie vorher:

Wenn mein Gatte 100 km/h fährt, schau ich auf die vorbeiziehende Landschaft.
Wenn mein Gatte 200 km/h fährt, schau ich deutlich schneller auf die deutlich schneller vorbeiziehende Landschaft.
Wenn mein Gatte 300 km/h fährt, bemerke ich, dass Zeit und Raum nur Ermessenssache sind.
Wenn mein Gatte 400 km/h fährt, entspanne ich mich mit Hilfe hochtoxischer Mittel.
...
Wenn mein Gatte 600 km/h fährt, werden wir von russischen Abfangjägern zur Landung gezwungen.


In Anbetracht dieser Gedanken, könnt ihr Euch vorstellen, dass ich kein gutes Verhältnis zu unserem neuen BMW aufbauen werde.
Und ich überlege, meine Ehe damit zu erweitern, dass ich noch zwei linke Spuren eröffne…


In diesem Sinne
Die Überholende

Redakteur




19. Juli 2018, 11:58

Urlaubszeit. Wohin willst du reisen?

Hallo Mädels,


es ist Hochsommer und ich muss arbeiten. Ich arbeite, bis mein kleines Hirn kleiner und heißer ist und meine Seele kalt. So warte ich auf die erlösenden Worte meines Gatten, dass er jetzt wider Erwartung wisse, vorhin unsere Reise ginge. Bislang wurde sie aufgeschoben, da mir aufgrund des Arbeitsvolumens nicht nach Reisen war, ja selbst ein Termin zum Duschen nur schwer rein zu quetschen war.
Leider will mein Gatte sowieso immer nur „kurz mal in den Keller“ und ward nicht mehr gesehen… Was das Leben Übertage doch etwas langweilig werden lässt...

Nun warte ich also aufgeregt auf den vermählten Reisestartschuss.

Wozu reist man eigentlich?

Eigentlich ist es schön zuhause, und mit so fabelhaftem Südhessenwetter mit blauem Himmel nicht mal so, dass man in sonnigere Gefilde entfliehen muss, um kalte Füße und alte Liebe aufzuwärmen,
Gerne zieht es einen dahin, wo es eigentlich exakt so ist wie zuhause. Gutes Bett, schöne Klos, leckere Küche.
Aber bitte ohne aufzugeräumt. Dafür mit zerknitterten Klamotten aus dem Koffer.
Genau. Es soll sein wie zuhause, aber völlig anders.
Es soll sozusagen ungelauerter Frohsinn herrschen dort, wo man hinwill.
Und Wetter.
Und Gegend.
Und was für die Kinder und etwas Kultur.
Und natürlich muss das, wo man hinfährt einen stattlichen Namen haben, damit man nicht nach dem Urlaub erst stundenlang den Heimgebliebenen erklären muss, wo man war und was man da wollte.

Das Wegsein ist also vordergründig für mich sehr von Vorteil.
Die Arbeit, die hier ist, findet mich nicht und wenn ich fort bin, dann denk ich nicht an sie. Aber meist denkt auch kein anderer mehr an mich. Nur die Leute, die mir Rechnungen schreiben.
Und vor das Reisen hat der Reisgott Onkel Benz das Packen und das Fahren gestellt. Das heißt, dort, wo ich die Erholung nach langer Suche zu finden glaube, komme ich nur hin, wenn ich vorher einen irren Aufwand treibe, und dann auch noch die schlechte Laune von den Mitreisenden aufhellen muss.
Na, toll. Es klingt nach einem Nullsummenspiel, aber was soll es.

Sturm und Drang. Wind und Wetter. Ernie und Bert. Berge und Meer.

Ich würde ja zu gerne dahin reisen, wo ich noch nicht war, aber weiß, dass andere dort waren und genau deshalb eine gute Zeit hatten.
Mein Gatte (der annähernd so leicht zu bewegen ist wie sein neuer BMW mit angezogener Handbremse) will immer dahin wo er schon mal war. Also Ostblock.
Nicht sooooo wirklich mein Zielgebiet.
Aber zunächst muss man ihm den Sinn vom Wegsein erklären. Wenn es nach ihm ginge, wäre die Kontinentaldrift schon genug Reiseunternehmung.
Zuweilen gebe ich nach. Und wir fahren in so Ortschaften wie Zingst, Klink, Schmöckwitz. Und ich frage mich anschließend, warum er da zum Kuckuck noch mal hinwollte?

Entdeckungen, das wäre dann das Stichwort für meinen Urlaub in jene Richtung, wo wir noch nicht waren. Wo er aber nicht hin will, weil er da ja noch nie war.
Mist, wir drehen uns im Kreise.


Auch gut.
Denn: Wer sich im Kreise dreht, kommt immer wieder gut nach Hause.


In diesem Sinne
Die Dame aus dem Reisebüro (ruft nie zurück)

Redakteur




17. Juli 2018, 11:06

Bevor du mir sagst, ich soll still sein


Hallo Mädels,

oft rede ich. Oft ist es auch ganz unterhaltsam, wenn ich rede. Aber oft rede ich, weil man das von mir erwartet. Und dann gibt es sehr vornehme Menschen, die sagen: "Halt den Mund, du vorlautes Kind, wer so viel redet, hat nicht viel im Kopf."

Na ja.
Ich sag mal so:

Nicht immer sind die Stillen auch die Weisen. Es gibt verschlossene Truhen, die leer sind.



In diesem Sinne
Schatzsucherin

Redakteur



Seite 1 von 71