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16. November 2018, 14:19

Sprache sprechen


Hallo Mädels,

ich liebe Sprache! Es geht doch nichts über die erfrischende Konnotation und Denotation unserer deutschen, lateinischen, griechischen, englischen und französischen Lehnworte!

Symbiont!
Das klingt doch schon nach Adel, nach Edelmut!
Stimmt ja auch. Ein bisschen. Ein Symbiont ist jemand, mit dem man zusammen lebt und dieses Zusammenleben hat nuuuur Vorteile.
Lass mich mal überlegen, ob ich so eine Lebensgemeinschaft kenne...hm…

(Angie grübelt angestrengt….das dauert ein paar Minuten)

Also schön, dass dieses schöne griechische Wort so gar nicht klingt wie das kleine Wort EHE ist klar.

(„Ehe“ hat ja eher was von: „Ehe ich das tue, erschieße ich mich…“ - aber das führt nun zu weit).

Das Wort Schmarotzer hingegen ist was ganz und gar Gemeines. Jemand, der den anderen nur ausnutzt.
Schma-rotzer!
Herrlich. Das klingt nach Pfui und irgendwas aus der Nase.

Diesen gerade so anschaulich-bunt beschriebenen Beiklang nennt man übrigens Konnotation.

Die Denotation, als der engere Sinn des Wortes Symbiont ist ein kleiner Partner, der mit dem Größeren eine Vergesellschaftung anstrebt, die für beide Partner vorteilhaft ist.
Die Konnotation wäre also demnach: Schönes Leben, einfaches Leben, Frieden, Freundschaft, Erfolg…

Interessanterweise ist unser Leben voll von Konnotationen. Wir interpretieren viel in jedes gesagte und geschriebene Wort hinein. Dumm nur, wenn wir alle zwar wissen, was das Wort im engeren Sinn bedeutet - uns aber zwei völlig konträre Konnotationen dazu im Köpfchen herum schwirren. Dann kommt es zu Dissonanz. Zu Streit, Unmut, Ärger.

Ich arbeite mich übrigens momentan an der Konnotation eines anderen Wortes ab.
Dem Wort unheimlich.

Es ist negativ besetzt. Wenn ich also damit einen bestimmten Menschen bezeichnet habe, so finden das viele in meiner Umgebung als extrem gemein.
„Hey, der ist doch total nett und lieb und wie kommst du denn darauf?“
Keine Ahnung.
Mir kann auch jemand Nettes unheimlich sein. Ich bin da ja ganz frei von Sinn und Unsinn.

Heimlich oder besser gesagt Heimelig bezeichnet ja etwas, das einem vertraut ist.
Unheimlich ist also etwas, mit dem man so gar nicht gerechnet hat.
Vielleicht jemand, der furchteinflößend aussieht, aber freundlich ist.
Oder jemand, von dem man annimmt, dass er die geistige Tiefe einer Grundlinie hat und in Wahrheit beneidenswert klug ist.
Jemand, der zwei Dinge hat, die ich gerne hätte.


Wollen wir Symbionten sein?



In diesem Sinne
Das vorlaute Wörterbuch

Redakteur




29. Oktober 2018, 10:37

Männergrippe - das T steht für Tapferkeit



Hallo Mädels,

aus aktuellem Anlass wird heute Abend ein ZDF-Spezial gesendet:
„Männerschnupfen – Deutschland am Ende?“
Alle nachfolgenden Sendungen entfallen für immer.

Tatsächlich versucht man mittels Immunologen-Zitaten und an der Rotzfahne herbei gezerrten, wissenschaftlichen Erkenntnissen (von denen keine Wissenschaft jemals was gehört hat) zu begründen, warum Männer mehr gequält werden von Erkältungserkrankungen als Frauen. Manche Artikel sprechen sogar von einem soziokulturellem Phänomen, dass Männer mehr erleiden MÜSSEN.

Ich halte das für etwas ganz Großes, das ich hier nicht schriftlich darlegen möchte, aber das mit „B“ anfängt und mit „-ullshit“ aufhört.

Ich habe einen unfassbar stabil gebauten Ehemann, ausgebildet von der NVA. Abends albert er gerne mal mit 10-Kilohanteln herum und ist anerkanntermaßen der große Held seiner heranwachsenden Buben. Ein Mann, der seinen geliebten BMW notfalls aus einer Eiswüste mit den Zähnen herausziehen würde. Er öffnet verkantete Radmuttern an seinen Winterreifen schon mal ohne 17er Ringschlüssel - einfach mit purer Willenskraft.

Aber dann kommt der Schnupfen.
In der Regel ist er der Letzte in der Familie, der sich an der Grippe abarbeitet, die gerne mal aus dem Schulbetrieb als „Hausaufgabe“ mitgebracht wird. Er hilft uns dann nach Kräften mit Ratschlägen wie:
„Wird schon!“- „Zieh dich einfach mal wärmer an!“- „Reiß dich mal zusammen!“ oder auch „So was geht von alleine wieder weg!“

...wenn es ihn selbst betrifft, ist es allerdings anders.
Da gilt die alte Faustregel: ab 36 Grad Körpertemperatur wird aufgerundet.
Komplette Handlungsunfähigkeit, theatralische Triefnase, Niesen mit anschließender Nahtoderfahrung, bedingungslose Bettruhe und mörderische Hungergefühle.

Weib, oh, rette mich! Hilfe!

Eventuell sind die Dinosaurier auch nur ausgestorben, weil die Dino-Damen die Männergrippe verharmlost haben?

Männergrippe! Das T steht für Tapferkeit!


Ach, ich habe übrigens 40 Grad Fieber, aber geh mal aus dem Weg, ich muss wischen.


In diesem Sinne
Finaler Hustensaft

Redakteur




22. Oktober 2018, 13:41

Sei nicht beleidigt, Mann!


Hallo Mädels,

es gibt zwei Kulturkonstanten in unserem Leben als Frau: 1. wir werden immerzu von Männern verarscht; 2. wir wissen das, aber die Männer wissen nicht, dass wir es wissen.

Es beginnt ganz harmlos, wenn sie uns heiraten. Dann tun sie so, als wollten sie das Leben mit uns verbringen, das Leben mit uns teilen.

In Wahrheit leben sie ihr eigenes Leben.
Ihr ganz, ganz eigenes Leben.
Wir Frauen (und später die vom Mann eigens gemachten Kinder) leben nur zufällig in ihrer unmittelbaren Umgebung, mehr nicht.

Erst merkt Frau es nicht so. Aber in der Rückschau ist es doch alles sofort ziemlich klar.
Männer erschöpfen sich voll damit, ihr Leben zu leben, wir Frauen räumen hinter ihnen auf, bereiten alles vor, damit die Männer bei voller Fahrt voraus nicht ins Trudeln geraten (durch leere Klorollen, volle Spülmaschinen, dreckige Unterhosen etc etc etc).
Wenn dann die Kinder kommen, sind Männer ganz entzückt, zeigen überall herum, was sie Dolles gezeugt haben (hoho! Was für ein Mann!) und dann gehen sie arbeiten und das Weib sitzt daheim oder vertrödelt die Zeit an der Fleischtheke. Vergessen sind ihre hervorragende Ausbildung, ihr soziales Können, ihr großer Mut, ihr alles.

Was zählt, ist nur noch: Bereite deinem Mann ein schönes, oder zumindest sauberes, glattes Leben.

Klingt jetzt ziemlich verzweifelt, ich weiß, aber in Wahrheit nehme ich es mehr und mehr mit Gelassenheit. Weiß ich doch immerhin, dass ich beides kann: Leben und Arbeit.
Er kann nur Er-sein. Und das nur mit meiner Hilfe.


In diesem Sinne
Frau

Redakteur




31. Juli 2018, 13:22

Sommerpause der Intelligenz

Hallo Mädels,

dass mit der Sommerzeit hab ich ja schon nicht verstanden, aber Sommerpause bei meinen Lieblingssendungen, das geht doch nun wirklich zu weit!!!

Auch ich muss arbeiten und denken – auch wenn dies zeitlich nicht immer zusammen fällt!
Also ehrlich, ich kann doch bitteschön erwarten, dass die wenigen, intelligenten Sendungen, die mich daran hindern, geistige Abkürzungen zu nehmen oder in Panik wegen „Welt“ zu geraten und mich am hirnigen Überleben halten(!), mich durch die Hitze bringen!

Aber nix!
Die sind fahnenflüchtig!
Am Ende einer Sendung sagen sie alle fröhlich und ohne Frühwarnsystem: „Wir verabschieden uns in die Sommerpause und sind dann im September/Oktober/nächstes Jahr wieder für Sie da!“

Wenn das so Sendungen wären, wie, sagen wir mal, wie
Bauer sucht Irgendwas,
Frauenflausch,
oder
die schönsten Weltkriege des letzten Jahrhunderts,
wäre mir das ja alles ziemlich schnuppe! Der dort gebotene eindimensionale Realismus dürfte für immer in Ganzjahrespause gehen! Aber muss das denn gerade bei jenen (sehr wenigen) intelligenten Sendungen sein?
Wo fahren Deutschlands Elite-Satiriker denn alle hin? Wo macht die Redaktion von QUER und NDR-INTENSIVSTATION Urlaub?
Es ist ja nicht nur so, dass ich mich kolossal isoliert fühle, wenn meine Sendungen nicht mehr zu erreichen sind. Niemand da, der meine Ängste mit spitzen, genialen Wortgranaten zersplittert!
Es ist ja leider so, dass in den Sendeanstalten nur noch irgendwelche Praktikanten rumlungern, die dann die Sende-Löcher mit Dokumentationen auffüllen, während sie selbst vergessen haben wie man einen Haupt- und einen Nebensatz sinnreich verknüpft, ohne dabei das Handy aus der Hand zu legen.

Fakt ist. Im Sommer kommen besonders viele alte Dokus. Solche wie:

Die schönsten Bilder der Tschernobyl-Explosion
Oder:
Das flotte Fischsterben an Fukushimas Küste

Aber (!) was auf jeden Fall kommt ist:

HITLER (in allen Variationen, auch in Farbe)

Der olle Führer geht ja immer. Komplette, visuelle Präsenz bei dem meist bestgehasstesten Toten der westlichen Welt. Irgend einen bislang ungesendeten Zentimeter Super8Film vom Obersalzberg findet sich ja immer! Damit die Mittelschicht sich mal wieder ordentlich gruseln kann und dabei so historisch gebildet wirkt.

Ich sag es ganz klar.
#Sommerpause
#ganzganzbitter
#SoBoring
#MeinHirnbefindetsichinAuflö​sung.
#UndnichtnurwegenderHitze.


In diesem Sinne
House of the rising Ice

Redakteur




09. März 2018, 09:28

Die Farbe Blau

Hallo Mädels,

mein ehemaliger Arbeitgeber hat sich nicht unbedingt als Sonnenschein gezeigt. Aber ich hab viel gelernt, vor allem, wie merkwürdig Menschen ticken, wenn sie ein bisschen Macht bekommen – und sei es nur den Schlüssel zum Klo...
Zu den extrem wenigen, erfreulichen Seiten dieses Unternehmen gehören: Ihr, meine Mädels. Jawohl. Aber auch nette und schöne Männer, die ich entweder anstarren oder heiraten durfte, Chefinnen, die Freundinnen wurde und noch eine Reihe handverlesener supernetter Kollegen.

Damals, als ich noch Single war und das Lieblingsmobbingziel meines adipösen Chefs, wurde ich nach Frankfurt zu einer tendenziell nervenaufreibenden Projektarbeit abkommandiert.
Da sich niemand um den Job riss, suchte man ein weiteres Projektmitglied, das man mir zur Seite stellen könnte und fand einen riesigen Mann mit blauen Haaren. Vermutlich hatte mein Chef Angst vor dem und dachte, diese Aktion käme dem Klatschen zweier Fliegen gleich.

Der Mann mit den blauen Haaren schien mir respekteinflößend, etwas rebellisch, punkig. Tätowiert wie ein Maori-Krieger stand er in einem Türrahmen vor mir und sagte: „Ich komm dann mal mit.“
Den Bruchteil einer Sekunde dachte ich, der Türrahmen würde zusammenkrachen, wenn er ihn nicht stützte.

Projektarbeit ist nicht jedermanns Sache. In der Regel beschäftigt sie sich mit Dingen, die zwischen allen anderen, geregelten Abläufen hängt. Das ist schwierig. Denn niemand fühlt sich zuständig und wenig Verständnis kommt einem entgegen. In einer Bank sind alle darauf trainiert, den Tellerrand zu verteidigen, als sei er das letzte Stückchen Brot.
Man bekommt außerdem für diese Arbeit fremde Menschen zugeteilt, muss abschätzen, welche Aufgaben ihnen liegt und dann versuchen ein nur vage sichtbares Ziel zu erreichen. Schwer. Viele Variablen, wenig Leitplanken, die einem vor dem Absturz sichern. Und schnell muss man arbeiten. Und zwar so schnell, dass die Zeit dich nicht einholt.
Mit Neugierde und Freude machten wir uns also auf den Weg mit diesem wundersamen Begleiter. Ich mit Visionen, er mit blauen Haaren.
In der Schnöselhauptstadt Frankfurt dann sofort der erste Erfolg. Wir bestiegen einen Lift und die darin enthaltenen, komplex frisierten Anzugträger machten einen alerten Eindruck. Sie drückten sich an die Rückwand, und wir beide hatten plötzlich einen komfortablen Stehplatz in Fahrtrichtung.
Im Vorzimmer der Sekretärin des Chefprojektleiters machte Mister Blue Hair so viel her, dass die Sekretärinnen auf eine lange Verweildauer verzichtete und wir gleich zum Chef durchgehen durften. Und der war supergruselig. Ich gefror augenblicklich vor Ehrfurcht. Ich bekam die Aufgaben diktiert und Mister Blue Hair einen eigenartig beeindruckten Blick zugeworfen.
„Muss ich mir jetzt etwa so einen bescheuerten Anzug kaufen?“ fragte Mister Blue Hair, als wir das Büro verließen.
Er kaufte. Und was soll ich sagen? Anzug und blaue Haare machen himmelherrgottscheißdiewanda​n schwer was her. Wir hatten fortan die halbe Kantine für uns alleine.

Das Projekt bekamen wir irgendwie hin. Und es hat uns beide irgendwie verändert. Nicht nur privat, nicht nur, dass wir das Leben in Hotels plötzlich unfassbar präzise kannten und ein Frühstücksbuffet nicht genutzt sondern beherrschten, es war mehr.
Ein mehr bis heute. Ohne dass es viel war.
Und das ist gut so.
Männer und Frauen können wirklich gute Freunde sein. Fast mehr als alle anderen Kombinationen.
Nun weiß ich: Menschen mit blauen Haaren haben ein Herz aus Gold. Auch wenn sie nun wieder Naturfarbe tragen.
Mögen seine Haare auch heute, nach all den Jahren, tief in seinem Inneren immer noch blau sein.

Die Welt braucht mehr solcher Menschen!
Alles Gute zum Geburtstag!



In diesem Sinne
Angie, stehend am Hamburger Kai und winkend

Redakteur




28. Februar 2018, 08:59

Wortsinn

Hallo Mädels,

Unwort des Jahres, Trendworte, Lieblingsworte, Fremdworte.
Ach, Sprache ist ja was Schönes!
Hier mal was zum Nachdenken:


Ernährer.

Oder wie ich gerne mal sage: Konsequente Fehleinschätzung.


Lassen wir das...


In diesem Sinne
Wortort




Redakteur




23. Dezember 2017, 14:28

Wünsche zu Weihnachten

Liebste Mädels,

hiermit wünsche ich Euch

FREIE WEIHNACHT UND EINEN GESUNDEN RUTSCH !

Und mir wünsche ich das auch, klar.
Aber mein eigener Wunsch wird sich wohl nicht so leicht erfüllen lassen, denn mein Wunsch ist groß und kräftig, etwas schwierig und sehr sensibel, leicht beleidigt aber lacht auch mal über meine Scherze.
Ich wäre schon froh, wenn mein großer Wunsch nur einfach bei mir bleibt und mich mag.

Wir werden es sehen, was außerdem passiert.
Eilt ja nicht.
Wünsche dürfen ruhig etwas trödeln bei ihrer Erfüllung.


Und Ihr, liebe Mädels, bleibt mir treu, bitte! Ohne Euch, macht es doch keinen Spaß!

Bis bald.


Eure Angie

PS Und vergesst nicht meine Lesung in Heppenheim! Ich zähle auf Euch!

Redakteur




14. Dezember 2017, 10:44

Männergrippe (Mimimimimimimi)


Hallo Mädels,

aus aktuellem Anlass wird heute Abend ein ZDF-Spezial gesendet:
„Männerschnupfen – Deutschland am Ende?“
Alle nachfolgenden Sendungen entfallen für immer.

Tatsächlich versucht man mittels Immunologen-Zitaten und an der Rotzfahne herbei gezerrten, wissenschaftlichen Erkenntnissen (von denen keine Wissenschaft jemals was gehört hat) zu begründen, warum Männer mehr gequält werden von Erkältungserkrankungen als Frauen. Manche Artikel sprechen sogar von einem soziokulturellem Phänomen, dass Männer mehr erleiden MÜSSEN.

Ich halte das für etwas ganz Großes, das ich hier nicht schriftlich darlegen möchte, aber das mit „B“ anfängt und mit „-ullshit“ aufhört.

Ich habe einen unfassbar stabil gebauten Ehemann, ausgebildet von der NVA. Abends albert er gerne mal mit 10-Kilohanteln herum und ist anerkanntermaßen der große Held seiner heranwachsenden Buben. Ein Mann, der seinen geliebten BMW notfalls aus einer Eiswüste mit den Zähnen herausziehen würde. Er öffnet verkantete Radmuttern an seinen Winterreifen schon mal ohne 17er Ringschlüssel - einfach mit purer Willenskraft.

Aber dann kommt der Schnupfen.
In der Regel ist er der Letzte in der Familie, der sich an der Grippe abarbeitet, die gerne mal aus dem Schulbetrieb als „Hausaufgabe“ mitgebracht wird. Er hilft uns dann nach Kräften mit Ratschlägen wie:
„Wird schon!“- „Zieh dich einfach mal wärmer an!“- „Reiß dich mal zusammen!“ oder auch „So was geht von alleine wieder weg!“

...wenn es ihn selbst betrifft, ist es allerdings anders.
Da gilt die alte Faustregel: ab 36 Grad Körpertemperatur wird aufgerundet.
Komplette Handlungsunfähigkeit, theatralische Triefnase, Niesen mit anschließender Nahtoderfahrung, bedingungslose Bettruhe und mörderische Hungergefühle.

Weib, oh, rette mich! Hilfe!

Eventuell sind die Dinosaurier auch nur ausgestorben, weil die Dino-Damen die Männergrippe verharmlost haben?

Männergrippe! Das T steht für Tapferkeit!

Der richtige Umgang mit Betroffenen will gelernt sein!
ABER…
...wir Frauen und Mütter haben ihn NIE gelernt.
Wir machen es IMMER falsch. Schon seit Generationen, in denen wir selber (als die helfende Hausfrau und letzte Verteidigungslinie) herangezüchtet wurden und auch entsprechend bis heute funktionieren. Unsere Mütter haben unsere Brüder anders erzogen als uns.
Während kranke Männer wie ein kaputtes Haushaltsgerät behandelt und damit sofort geschont und repariert werden, werden kranke Frauen als unnötiger Störfaktor angesehen. Richtig gelesen. Störfaktor. So empfinden es vor allem wir selbst. Wir müssen funktionieren.
Der Mann wird also früh daran gewöhnt, dass sich gekümmert wird, die Frau legt sich mit 40 Grad Fieber erst mal auf die Coach und guckt ob es in einer Viertelstunde wieder geht.

Das ist weder Tapferkeit noch medizinisch zu verstehen.
Das ist Erziehung.
Oder sagen wir zivilisatorische Konditionierung!
Nein! Es hat nichts mit Östrogenen zu tun, wie manche Immunologen und Rotz-Sachverständige meinen, die eine Frau leidensfähiger macht (wegen Geburten blablabla).

Meinem Gatten ist seine Enttäuschung anzusehen, wenn er mich gebeten hat, zu fühlen, wie hoch sein Fieber ist. Ich brauche ihn nur kurz anzufassen und spüre sofort: Kein Fieber.
„Was?“ Er legt sich selber die Hand an die Stirn. Süß, oder?
Okay, am zweiten Tag nervt es gewaltig, aber den einen Tag lasse ich ihm durchgehen!

Da mein geliebter Gatte in der DDR sozialisiert wurde, ist er nicht religiös erzogen – sonst würde er erwarten, dass ich den Pastor rufe.

Könnte ein Bällebad helfen?
So ungefähr.
Selbstverständlich lasse ich ihm das alles durchgehen. Wie auch seinen Söhnen, damit sich die nächste Generation auch an Männergrippe erfreuen kann!
Mein Gatte muss sich allerdings ein paar kleine Sticheleien gefallen lassen (höhöhö – „ein paar“ ist sportlich abgerundet!).
Aber er sieht mich so wunderbar leidend an, weil er ja weiß, dass ich ihm gleich seinen Tee bringen werde und auch ein dick belegtes Käsebrot, wie er es gerne hat mit kleinen Paprikastreifen dazu. Und ich hole ihm auch frischen Ingwer aus dem Biomarkt, keine Frage.

Mimimimimimi.


Mein Mann hat es gut. Er hat ja MICH.



In diesem Sinne
Florence Nightingale

Redakteur




10. Dezember 2017, 12:11

Treppauf – treppab in Downton Abbey (2. Advent)


Hallo Mädels,

als ich klein war, guckte meine Mutter am liebsten „Haus am Eaton Place“ (Originaltital „Upstairs, Downstairs“). Eine wunderbare englische Serie über das Leben der eleganten Familie Bellamy und deren Dienstboten in London zwischen 1903 und 1930.
Ich liebe englische Serien! Denn nur sie sind mit dieser wunderbaren Detailgenauigkeit gedreht mit viel Sinn für historische Zusammenhänge.
Ein bisschen für mich wie Weihnachten, wahrscheinlich weil in jedem britischen Kulturschaffenden etwas von Charles Dickens steckt?
Vor einigen Jahren jubelte die Fernsehgemeinde auf. Nach mehr als dreißig Jahren Abstinenz vom Haus am Eaton Place kam:

Downton Abbey!

Man titulierte es als die „erfolgreiche Rückkehr des britischen Kostümdramas“. Ich hätte es nicht besser schreiben können! Und meine Mutter hätte ebenfalls gejubelt.

Auch hier ein Oben und ein Unten. Ein Treppauf – und ein Treppab.
„Oben“- das ist der britische Adel, der sich edel im Charakter und nobel mit der Geldbörse verhält, wo Loyalität kein reiner Etikettenschwindel ist. Aber immer schön getrennt von den anderen, bitte schön!
„Unten“- das sind die kleinen Leute, die fleißigen, die Arbeiter, die stolz (fast etwas calvinistisch im Denken) sind auf ihr Können. Ein gut organisiertes Rudel an hilfreichen Geistern, die unfassbar geduldig und auch ganz gerne die Fehler derer von Oben auffangen.

Ich sag ja: Es ist immer etwas Charles Dickens.

Ganz wunderbar erzählt. In perfekten Bildern! Dazu herrliche Dialoge. Beide Klassen haben selbstverständlich die selben Probleme. Wer liebt wen, wer hasst wen und warum oder warum nicht? Wer hat hier mehr Stil, mehr Charakter, mehr Stolz? Wer will frei sein? Und warum ist es offenbar niemand?
Gehören eigentlich die von Unten, zu denen da Oben - oder eher anders herum?

Warum fasziniert das Thema der Klassenaufteilung über Generationen hinweg?
Sicher, es ist bezaubernd inszeniert. Die Ausstattung vom Feinsten, die sensationelle Kleidung, pompöse Möbel, betörende Räumlichkeiten. Und diese Darsteller!
Es braucht allerdings ein paar Folgen, bis man herausfindet, wer eigentlich die brillanteste Figur ist. Tendenziell sucht man sie im „Oben“, aber sie ist im „Unten“.

Es ist John Bates.
Der Urtyp des englischen Helden. Nicht überirdisch aber beeindruckend, nicht aufrührerisch sondern geduldig, bescheiden, unantastbar, aufrichtig. Ehrenvoll.
Er ist der Oberster Kammerdiener des Lords.
Gehandicapt durch eine alte Verletzung aus dem Burenkrieg (in dem er seinem Herren das Leben gerettet hat) geht der beeindruckend große Mann stilvoll am Stock. Diese Verletzung gibt ihm was Unzerstörbares und merkwürdigerweise auch was Adeliges. Perfekt gekleidet im schwarzen Livree, die aussieht wie eine Mischung aus Uniform und Dinnerjacket. Kurzum, er hat alles, was ein wahrer Charakter, ein echter Held haben muss.

Erwähnte ich schon Charles Dickens?
Märchen von Edelmut, die Schutzzone für unsere Herzen, Urlaub für traurige Gemüter? Selbstverständlich.

John Bates ist nicht von dieser Welt, daher kann er nur im „Unten“ erscheinen. Der ewige Traum, dass auch der Bauernsohn etwas Königliches in sich trägt, gleichzeitig ist er der Cherubim, der die Tore zum Adelshimmel bewacht.
Noch Gebäck zum Tee?
Ein großer, schweigsamer Mann, dunkles Haar, braune Augen, offenes Gesicht, sensibel, breite Schultern. Stattlich! Das personifizierte Rückgrat. Jemand, der auffällt, wenn er NICHT da ist, der beim Lächeln die Augen zu kleinen freundlichen Schlitzen werden lässt und bei Wut und Zorn einen kalten, klaren Blick behält.
Der das Unrecht erträgt wie jemand, der weiß, dass Unrecht nicht länger anhält, als er es ertragen kann, weil alles wieder gut wird, weil alles gut IST.
Und diese Höflichkeit! Kein Widerspruch, kein böses Wort, immer Lob und Zuspruch!
Märchenwelt.
Soll ich den Mantel rasch aufbürsten, Sir?
Nein, Sir, das macht mir keine Umstände, ich tue das gern.

Der Adel glänzt nur durch sie, durch Bates und seine Kollegen, die alle nicht sind wie Bates, aber fast. Die Oben sind durch die Loyalität eines aufrichtigen Butlers und seinesgleichen an eben diese gefesselt.
Bates ist unangreifbar, unantastbar. Er hält die Welt im Lot. Und das richtige Outfit für die feine Gesellschaft parat.

Wir wollen Bates selber haben! Wir wollen exakt so jemanden für unser Leben finden und festhalten! Wir wollen sein Adel sein.

Aber wollen wir auch so sein wie Bates?
Nein. Niemand ist wie Bates. Er ist der Erzengel, der auf ein kleines Bimmeln hin sofort aufrecht und aufmerksam in der schweren Eichentür erscheint. Er soll zu uns kommen. Helfen, da sein, wissen, was zu tun ist. Immer. Es ist nicht nötig, deswegen selbst heilig zu werden oder lange auf Knien zu beten. Bates ist verfügbar. Jemand, den wir gar nicht für uns gewinnen KÖNNEN, sondern ihn lediglich als Servicedienstleister vertraglich an uns zu binden versuchen. Spiel, Satz und Sieg, Bates.

Charles Dickens hätte seine Freude an ihm.
Wunderbar.

Ich könnte Stunden über ihn nachdenken. Über seine Wirkung, und vor allem über die Notwendigkeit, ihn zu erfinden.


WÜNSCHE EINEN SCHÖNEN ZWEITEN ADVENT!


In diesem Sinne
Carol Christmas (Dieses Wortspiel sollte mir gestattet sein)

Redakteur




17. November 2017, 08:44

Bambi-Verleihung der Hollywood-Selbsthilfegruppe

Hallo Mädels,

wenn Berlin eins NICHT ist, dann Hollywood.
Warum begreifen das die deutschen Fernsehmacher nicht? Ich glaube auch nicht, dass Bambi-Zuschauer an den Fernsehgeräten, die sonst an diesem Sendeplatz Volksmusik und ähnlich Weichgespültes friedvoll entgegennehmen, das verlangen.

Hollywood ist: Skandal und Busen und Kleider und Geschrei und viel, viel Geld.

Berlin ist: Berlin.

Die deutsche Filmszene ist sehr bodenständig und ansehnlich. Das freut den Krimi-Konsument und den Satire-Sachverständigen. Und Sportschau ist immer top.

Warum muss sich das Fernsehen derart überdimensioniert und artfremd inszenieren? Glitzer drüber und fertig? Nein. Es klappt nicht.
Da ist nämlich dieser distanzierte Unmut und ein mitteleurpäisches Mitschämen, wenn einer sich vor der Kamera zu sehr selber feiert oder einfach nur ein dämliches Kleid anhat.

Der Bambi. Wie man in den Wald ruft, schallt es eben NICHT heraus.
Hallo? Halloooo? Ist das wer?
Stille.
Aber wenn das Burda-Bistro eröffnet hat, scheint es nur noch eine Richtung zu geben: mit viel Glamour nach Hollywood. Da holt man sich notfalls einen österreichischen Gouverneur-Darsteller, der bei seiner Rede aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt werden muss; und der dabei derart glatt geliftet ist, dass er in Amerika nicht auffällt, aber in unseren Breitengerade aussieht wie ein Wachspuppe.
Wenn man Glitzer mit Glamour verwechselt, dann ist das anstrengend.

Natürlich hangelt sich von irgendwo wieder Helene Fischer von der Decke herunter und singt ein Lied mit einem üblich eingängigen Einzeiler: „Spürst du es?“
Da will man spontan zurück brüllen: „...aaaarghhhhhh!“

Der Silbereisen kann nie weit sein, wenn die Fischerhelene süß lächelt, und so muss er eingefroren grinsend ihr schlecht gestriptetes Dankessätzchen: "Für deine Liebe danke ich dir und dafür, dass du mein Zuhause bist." entgegennehmen, während sich die ganze Nation für diese beiden Sahnetörtchen-Tauben nur eins wünscht: Lasst sie aus ihrem goldenen Käfig raus, damit sie sich einmal im Leben richtig laut anpupen können!

Übrigens werden die beiden nie einen Bambi für Schauspielerei bekommen. Warum wohl?

Hugh Hackmann.Großafunahmen. Huuuuuuuuuu, wow! Sexy und hexy und huiii!
Oh, was sind die Burdisten alle froh, dass sie einen Hollywoodmenschen einkaufen konnten. Es ist, als würde man einen schönen Baum pflanzen und meinen, das wird schon bei der richtigen Belichtung wie ein WALD aussehen!
Hilfe!
Im klatschenden Publikum die übliche Prominenz. Ein Gewusel aus: Krimistars, Komödienlegenden und Restverwertern, die man gut kennt. Alle freuen sich etwas zu sehr über den Preis der anderen. Aber so ist das in Berlin.
Hier noch eine Fashion-Schönheit, von der man wenigstens den Namen weiß (denn diese Biester werden ja mittlerweile von Frau Klum in Serie gefertigt). Und dort noch ein Sportler.
Löw, klar. Der ist ja so ein Mittelding zwischen Sport, Schauspieler und Komödie mit viel Glamour und Haaren.
Die Klitschkos, die anders als der faltenlose Schwarzenegger wirklich nicht altern.
Heino Ferch. Selbstverständlich.
Da müsste ich jetzt was zu sagen, aber da fällt mir nichts zu ein. Erstens ist JEDER deutschsprachige Film mit Heino Ferch! Und zweitens ist er ja wirklich gut (wahrscheinlich, denn Konkurrenz gibt es ja nicht).
Ach, Gott, und den Gauck haben wir ja auch noch! Alle spitzen die Ohren und fragen sich, wie nennt man eigentlich den ehemaligen Bundespräsidenten? Ex-Präsi?

Berlin ist nicht Hollywood.
Es ist, als wollten Film-Beamte das Bambi-Business wie eine glitzernde Essensausgabe abwickeln. Es will einfach nicht überspringen, dieser vielbeschworene GLAMOUR.
Das liegt aber weniger an der Performance als an dem Fernsehpublikum. Das professionell vorgeschriebene, abendprogrammtaugliche Sich-selbst-Feiern ist für uns ein bisschen wie gelber Schnee: Das gibt es und ist auch natürlich, aber bloß nicht anfassen!

Dann kommt der Horror:
Das Bedanken.
Nichts ist so UNINSPIRIEREND wie die Danksagerei am Mikrofon. Danke an UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, garniert mit Tränchen für Oma, Opa und Frau, die die Kinder hüten muss (arghhhh!).

Am folgenden Tag wird die Bambi-Veranstaltung SELBSTVERSTÄNDLICH einhellig gelobt.
Schnarch.

Während ich wirklich glaube, dass unsere Presse relativ frei ist (so frei und objektiv, wie der Mensch als Teil seiner Umwelt nun mal ist), weiß ich wie unfrei sie ist beim Lobhudeln für eine Bambi-Berieselung des Burda.
Alle Print-Medien finden es geil. Toll. Glamourös! Schön. Tränenreich. Politisch. Umwelt.

Nächstes Jahr nehmt einfach die Bilder von diesem Mal!
Ferch ist immer. Fischer ist immer. Und der Jogi altert ja eh nicht.



In diesem Sinn
Klopfer

SCHÖNES WOCHENENDE!!!

Redakteur



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