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15. März 2018, 11:44

Hüte dich vor Männern, die lesen

Hallo Mädels,

Ihr wisst, was schlimm ist, nicht wahr? Vorurteile.
Und vor allem, wenn Vorurteile vor unseren Augen zusammen brechen. Oh, da ist das Gezeter aber groß. Vorurteile sind so schön gemütlich. So kuschelig!
Und vor allem lässt sich eine Menge Geld damit verdienen und eine ganze Menge Menschen damit verunsichern (was zum Teil das selbe ist).

Im Zeitschriftenfachhandel erwerben wir gerne die Fachzeitschriften im Bereich Sport. Direkt neben dieser Bildungslektüre liegen auch von mir präferierte Hinweishefte über Landhausdeko-Must-Haves aber darum soll es heute nicht gehen:

Heute geht es um DAS Schnöselheft für den großen Mann von Welt.
Der Name des Magazins heißt zu deutsch "Männergesundheit". Was für ein Knaller!
Okay, in englisch klingen ja die ulkigesten Namen besser:
Hier auch, nämlich:

Men's Health.

Man wählte sicher aus guten Gründen den außerdeutschen Namen, um Verwechslungen mit der Apotheken-Umschau zu vermeiden.

Große Überschriften buhlen mit Schlagzeile wie:
Leckere Grillbeilagen und ...?
Holla!
Das ist doch mal ein Versprechen!
Mit Konsum dieses Magazins wird nämlich diese Woche Mann zum Frauenflüsterer.
Oder wahlweise zum Eremit, Eunuch, zur kommunikationsarme Wurst. Wie auch immer, ich musste das Ding erstmal durchblättern, auch wenn man das nicht darf.
Aber, ey, wenn eine Frau meines biblischen Alters das durchblättert, wird niemand glauben, oh die hätte sich das Dinge bestimmt beinahe gekauft! ... oder?

Zurück zum volltönenden Inhalt: Nie wieder Stress mit Frauen.

Nach einem dreiminütigen Lachanfall konnte ich dann wieder meine Lesebrille auf der Nase balancieren und dachte resigniert:

Mann kann nicht KEINEN Stress mit Frauen haben.
Das ist nicht möglich. Das ist einfach nicht in dieser Realität vorgesehen!
Okay.
Frauen können auch nicht KEINEN Stress mit Männern haben.
Warum?
Ganz einfach: KEINE Ahnung.
Eins steht fest:
Wäre das möglich, hätten wir Weltfrieden.

Ich schmökerte weiter in den wegweisenden Männergsundheits-Sparten: Fitness, Health, Food, Love (man beachte, Liebe kommt nach dem Essen), Style, Tech, Life, Community. Unter dem gestrengen Blick eines Regaleinräumers versuchte ich meine Amüsement etwas weniger expressiv zur Schau zu stellen.
Aber das war schwer. Sehr schwer.
Ganz ehrlich, bis zu diesem Blättererlebnis dachte ich wirklich, nur Frauenzeitschriften wären leicht bekloppt.

Aber es wurde noch mehr im Männerlesezirkel angeboten. ich sah staunend das Sortiment duch. Alles natürlich hochwichtig für den Mann von heute.
So musste ich höchst alarmiert und erstaunt feststellen, dass ohne Stress, also ohne Frau die maskuline Leserschaft auch nicht auszukommen wünscht. Es wurde versprochen, dem Käufer dieser Zeitung beizubringen, wie man eine Frau erst mal anspricht. Was denn nun? Ansprechen oder keinen Stress?

Ich gebe zu, ich bin mir nicht ganz sicher, wie der Mann gestrickt ist, der sich so eine Zeitung kauft. Ist er ein Hetero oder nicht? Ist er der Typ: Duschen-und-ab-zur-Arbeit.
Oder der 10-Stunden-im-Bad-alle-Pflegemittel-der-Nivea-Man-Jogi-Löw-Schönheitsserie-über-den-Kopf-giessen?
Ist der Mann, der das kauft im Kopf ganz gesund? Single? Familienvater? Sportler? Denker? Modeinteressiert? Von dieser Welt?

Mein Gatte kam mal mit diesem Hochglanzmagazin an. Er trug es zwischen Zeigefinger und Daumen, was insgesamt wenig entspannt aussah. Er beteuerte jedem, der in traf, dass er die Zeitung geschenkt bekommen hätte, da in Frankfurt sie aus Werbegründen verteilt worden wäre. Und da auf dem Titelbild Bond-Darling-Darsteller Daniel Craig platziert worden war, müsste er das Teil nach Hause zu seiner Gattin schleppen.
Offenbar hält sich mein Mann nicht für die Zielgruppe dieser Zeitschrift. Aber mich!
Merkwürdig. Ob er keinen Stress mit Frauen hat?

Lachhaft.


Ich kenne seine Frau.


In diesem Sinn
Men's Destruction

Redakteur




06. März 2018, 11:54

Krieg oder Krieg


Hallo Mädels,

der Mensch ist ein gar merkwürdiges Wesen. Das wissen wir.

Offiziell ist er im Frieden, privat allerdings immer fleißig im Manöver. Er beendet Friedensgespräche tonusmäßig mit „bis zum nächsten Mal“.

Wenn der Mensch nicht beständig seine Grenzen und anderen die Knochen brechen würde, säße er noch auf Affenbrotbäumen und wäre beim Shoppen für einen Löwen nur ein McMensch-Menü to go.
Die Menschheit hat mittags die Atombombe erfunden und abends gezündet. Mann und Frau führen Krieg, wobei ihnen das Töten weniger Schwierigkeiten bereitet, als das Erfinden einer plausiblen Kriegserklärung.

Mal führt der Mensch Krieg wegen Hunger, mal wegen Luxusgütern, mal wegen der Grundstückspreise. Spanier bekriegen sich wegen der Erbfolge, Engländer, weil sie Schotten doof finden und Russen, weil sie keine Insel sind. Weshalb Deutsche so ausgiebig Krieg führten, wissen nur die Österreicher. Und die Amerikaner machen das, weil ihre schicken Uniformen gelüftet werden müssen.
Der ewige Dauerbrenner an Kriegsgründen ist und bleibt die Religion (also Macht).
Irgendwann, irgendwo wird immer ein Krieg mit „Selber doof!“ begonnen.

Um sich nicht die Blöße geben wegen dieser ausgefuchsten Idiotie und um den Daheimgebliebenen was zu tun zu geben, hat man das Thema Sicherheit erfunden.
Sicherheit im Straßenverkehr, Sicherheit im Netz, Sicherheit im Haushalt. Alles wird gesichert, abgesichert, versichert und zugesichert.

Nachdem ich diesen Gedanken gelangweilt in meinem Hirn vor und zurück geschoben habe, ging ich an einer gar hübschen, mir wohlgefälligen Reihenhausfront entlang. Giebelchen, Vorgarten mit Tulpen, Getschilpe vom Mandelbäumchen.
Und da war sie: Die Sicherheit des Mülleimers.
Eine Horde bunter Reststofftonnen warteten artig umgrünt in einem Käfig verschlossen auf die emsige Hausfrau. Die Abfallbehältnisse sind wie gefährliche Raubkatzen eingepfercht, als könnte die freilaufende Biotonne einen Vorbeigehenden anspringen, um ihm die handgeknüpfte Wolljacke zu entreißen. In Wohnblocks wird das Müllrausbringen von Sondereinheiten erledigt! Da sind die riesigen Mülleimer mit Karten, Schlüsseln oder Nummernschlössern gesichert. So ist es nicht selten, dass statt mit dem Müllbeutel zu rascheln plötzlich digitale Pieptöne von sich gegeben werden.
Müll muss gesichert werden. Sonst stellt noch jemand was dazu. Müll ist teuer, hat also einen Wert. Vor allem sein Nichtvorhandensein ist begehrt.

Man kommt erstaunlich schnell auf den Gedanken, dass der Mensch sich zum Müll ebenso undurchsichtig verhält wie zum Frieden.
Wegschließen und immer so tun, als ob er nicht da ist. Und zuweilen stinkt er einem, der Frieden. Dann muss man was dagegen tun.

Der Mensch ist offenbar jemand, der sich die Forderungen an den Krieg nie abkaufen lässt. Schon gar nicht vom Müllmann.


In diesem Sinne
Kriegsgöttin auf Urlaub

Redakteur




27. Februar 2018, 10:18

Tod in Venedig

Hallo Mädels,


ganz dem Grundsatz verkritzelt, halte ich es wie meine Tante: Wenn man ausreichend informiert ist, ist es plötzlich ganz einfach, sich mit anderen Menschen zu unterhalten, ohne andauernd die Wettersituation verbal überzustrapazieren.

Informieren geht am besten durch Lesen!
Leeeeeesssssseeeeeen!
Kennt das noch eine von Euch?

Ich lese aus Leidenschaft.
Leidenschaft fürs Buch.
Und Leidenschaft für die Liebe.

Auch versuche ich tapfer meinem "Erwähnungszwang" mit literarischen aber weitgehend ohne toxischen Mitteln beizukommen, und nicht andauernd von jenem zu reden und zu denken, der mein Herz gerade zu seinen Füßen so stoisch übersieht.

Ich opfere also im Stillen einer Bildsäule! ...wie Thomas Mann so treffend beschreibt in seiner Novelle:

"Der Tod in Venedig"

Herrlich!
Freunde des klugen Wortes! Nun lest doch mal dieses Buch! Das ist großartig!
Und kurz.
Genau das Richtige für die Bahn (und ruhig mal das Aussteigen dabei vergessen!)
Hier einer der Sätze die mir nicht mal dann selbst einfallen würden, wenn sie mir eine kecke Souffleuse direkt ins gesunde Ohr geschrien hätte:

"Heikler ist nichts
als das Verhältnis von Menschen,
die sich nur mit dem Auge kennen.
Die täglich, ja stündlich einander begegnen und beobachten
und dabei den Schein gleichgültiger Fremdheit
grußlos und wortlos zu halten
durch Sittenzwang
oder eigner Grille
genötigt sind."


Das nenne ich mal treffsicher.

In diesem Sinne
Verliebt in einen Mann




Redakteur




26. Februar 2018, 12:03

Er! oder: Was genau war noch mal der Sinn meines Lebens?

Hallo Mädels,

kommen wir gleich mal auf das Thema: Was treibt unser weibliches Leben wirklich um?
a) er
b) er
Diese hochkomplexen Themen spalten sich noch mal in drei Untergruppen:
a) Geld
b) Sex
c) Erziehung und Gedöns

Das ist insgesamt derart übersichtlich, dass wir die Themen so sanft und einstimmig abarbeiten können, dass man sich fragt, warum machen wir uns eigentlich allesamt die Mühe, verschiedene Leben zu leben, wenn uns doch immer das selbe passiert?

Der Mann:
Er, der es zu sagen hat
Er, der das Geld bringt (auch wenn wir selber Geld ran schaffen)
Er, der den Haushalt nicht machen muss (und wenn nur in der Theorie und dann sowieso besser)
Er, der genau weiß, was bei der Erziehung und Schulleistung der Kinder falsch läuft – und unfassbar enttäuscht ist, dass wir es nicht wissen (aber netterweise, will er da nicht in unsere Praxis eingreifen, sondern meckert nur aus der Distanz, die zwischen Arbeitsstätte und seinen Puschen liegt)
Er, der die Welt ist
Er, das Alles
Er, die Säge an unseren Nerven

Er, der …. ach er hat übrigens zugenommen und die Haare werden weniger!

Dieser Universal-Mann geht also morgens auf diese unvorstellbar zivilisierte Jagd und lässt Frauchen zurück im Geltungsbereich seiner wohlwollenden, großherzigen Vollversorgung. Wie überaus nett.
Wir (= Frauen, Jammerweiber, Nichtmänner, Hilfskräfte im häuslichen Lebensbereich) können uns glücklich schätzen, das uns die ER-Welt erträgt.
Wir wischen seinen Staub, vielleicht waschen wir ein bisschen seine Wäsche, aber das ist ja eh NIX. Und, klar, wenn die Kinder heim kommen, krank werden, Arbeiten schreiben, Elternabende kommen, klar...wir sind da.

Last Line of Defence!

Jahaaa! Das sind wir. Wir Frauen. Wir reiben uns in der Regel in jenem Kampf es Lebens vollständig auf, dass wir umfallen. So muss das sein. Das war schon immer so!

Aber eigentlich machen wir NIX.

Warum gibt es uns eigentlich? Die Männer brauchen uns nicht! Und es scheint sie so unfassbar Mühe zu kosten, uns in ihr Semi-Single-Leben zu integrieren.

Die Ehe gilt bei Männern DAS Thema, wenn man coole, herablassende Witze reißen will. Da kann man in einer Männerrunde gut punkten.
„Warum ist eine Scheidung so teuer? Weil sie es wert ist. HARHARHARHAR!“

Wir Frauen haben das so verinnerlicht, dass es selbst bei reinen Frauentreffen anfangs immer dazu kommt, dass einige, sich für ihr Dasein entschuldigen.

Ja, er arbeitet hart.
Ja, wenn er nach Hause kommt, dann will er ja nicht gleich selber Haushalt machen.
Ja, er verdient ja das Geld.
Ja, er ist nun mal ein Mann.
Ja, er braucht auch mal Freizeit.

Wir bringen es sogar fertig, uns über Frauen zu ärgern, die ihre Männer dazu bringen, selber zu putzen, auf die Kinder aufzupassen - während die Frauen regelmäßig Sport machen oder zum Friseur gehen

(um letztendlich für wen wieder schön auszusehen nach den struppigen pränatalen Horrorfigurjahren?) ...

- oder überhaupt, die machen einfach ein Mädelswochenende!
Pfui! Wie Pflichtvergessen! Wissen diese Frauen nicht, wie uns Hühner das trifft?

Hilfe, wo ist Alice Schwarzer, wenn ich sie mal brauche!

In unserer Mädels-Runde dauert das Gefühl des Dauerzweitplatzierten nicht lange und uns wird sonnenklar, das ist Quatsch. Klar, ist eine Ehe eine Partnerschaft, klar, da werden Kompromisse geschlossen und klar, gibt es Regeln. Aber Kompromisse auf zwei Seiten und nicht nur auf der Seite der Frau, verdammt!
Der Mann ist nicht der Chef - und das Weib ist ganz sicher nicht der großzügig mit Geld und Freizeit versorgte, unkündbare Angestellte.

Die Frau ist nicht das Problem - sondern sie ist Teil der Lösung.

Und wie käme ich jetzt dazu aufzulisten, was eine Mutter, die zuhause bleibt, zuhause arbeitet oder halbtags oder ganztags woanders arbeitet, zuhause LEISTET, nur um klar zu machen, ihr gehört OHNE WENN UND ABER DIE HÄLFTE DESSEN WAS DER MANN VERDIENT. Und sie hat die Hälfte aller Stimmrechte.
Man kann sie nicht einfach umpflanzen!
DAS WEISS DOCH JEDER!

Und wir wissen selber genug von Physik, dass sich Ordnung nicht selber herstellt, sondern eine unnatürliche, künstliche Form des Daseins ist!

Ernährer.
Warum wird das nie Unwort des Jahres?

Von vielen Hirnrissigkeiten momentan auf dieser Erde, sollten wir als aller erstes dieses Problem lösen, dann stellt sich der Weltfriede ganz von alleine her!


In diesem Sinne
Emma Emanze

Redakteur




20. Februar 2018, 12:04

Und jetzt ein kleines Gebet


Hallo Mädels,

dieses kleine Gebet las ich vor kurzem und es ist so zauberhaft, dass ich es euch nicht vorenthalten kann. Leider weiß ich nicht, wer es schrieb:

Was ist los mit mir?
Ich bat DICH, mein Herz zu beschützen. Und DU tatest es. Denn ich hatte Angst, mich zu verlieben. Ich war auf dem besten Weg dahin. Das Herz, verzagt, einsam, schutzlos, öffnete sich einen Spalt. Nicht sofort. Erst sagt es: Oh, wie gut, dieser Mann ist nichts für mich! Hurra! Ich bin sicher.
Und dann genau das Gegenteil.
Ich konnte nicht an etwas anderes denken.
Mein Herz hatte nur einen Hauch von ihm gesehen und doch reichte das, um ein Wehen zu spüren, ein Wehen, das einen Sturm bedeuten kann.
Ich will nicht. Ich stemme mich dagegen. Kein Sturm! Nie mehr!

Und da bat ich DICH, mein Herz zu versiegeln. Nicht dieses letzte leise Öffnen des Herzens zuzulassen. Nicht das herz fühlen lassen, was es zu fühlen fähig ist. Bitte nicht! Dieses merkwürdige Gefühl, das einen von oben nach unten durchströmt, halb schmerzlich, halb zuckersüß.
Ich bat DICH inständig: bewahre mein Herz davor, oh Herr, nimm es in DEINE Hände und wehre dieses Gefühl ab.

Und Du tatest, wie ich DICH bat.

Und ich bat noch mehr: Nie mehr will ich ihm begegnen. Sorge dafür. Denn bei unserer letzten Begegnung warf er mir einen freundlichen Blick zu. Freundlich, lang, aber nicht zu lang. Lang genug, um Angst zu bekommen, zu kurz für einen anderen Gedanken als Freundlichkeit von seiner Seite.

Alles gut, ruft mein Herz, weich gebettet in DEINEN Händen, ist es sicher. Das letzte Öffnen bleibt aus, es ist sicher, spürt nur die Möglichkeit einer Leidenschaft aber sie ist nicht entfacht, schwelt nur sanft und erlischt sicher bald ganz.
Ich bin sicher in DEINER Hand.

Und doch spüre ich DEINEN Humor, DEIN freundliches Lächeln, wenn DU DEINEN Blick auf mich und mein Herz senkst.
Ich höre, wie DU mich rufst: „Ich sende dir Liebe, und du verkriechst dich. Glaubst du, ich habe es mir nicht gut überlegt, was ich dir sende? Glaubst du, ich schicke dir ein anderes Herz, wenn ich glaubte, du würdest damit nicht zurecht kommen? Verstehe doch, Mensch, es gibt kein Scheitern. Ich sehe alles, und alles ist gut!“

Aber ich stehe vor DIR und bitte Dich zitternd noch immer: Beschütze mein Herz. Ich bin nicht bereit für dieses Gefühl. Ich bin zu alt. Zu zerbrechlich. Bitte, lass mich nicht in ihn verlieben. Bitte.

Und du lachst. Und sendest mir DEINE Liebe. Und doch: es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke und kein Tag, an dem DU mir nicht durch andere von ihm berichtest.
Jeden Tag spüre ich: er ist da.

Aber mein Herz ist in DEINER Hand. Und sicher, vor der Liebe, die du mir schickst.
DU bist mein einziger Schutz vor DEINER Herrlichkeit.

Hilf mir.
Ich will ihn nicht lieben, er ist zu sehr das, was ich mir ersehne.

(Anonym)


In diesem Sinne
Die Verzückte

Redakteur




18. Februar 2018, 15:30

Wenn die Erinnerung dein Feind wird


Hallo Mädels,

heute hat mein Ex Geburtstag. Nicht, dass das irgendeine Bedeutung hat für mich, denn ich habe ihn das letzte mal vor 18 Jahren gesehen, aber ich kann mir das Datum unfassbar schlecht aus dem Kopf schlagen.

Ich bin momentan sowieso der unerwarteten Rückkehr in meine Vergangenheit machtlos ausgeliefert. Warum?
Ich erinnere. Ich erinnere mich.
Und das mit solcher Wucht, wie man sie nicht für möglich hält in einem Gefäß das Hirn heißt.

Manchmal kann man seinem Gehirn beim Denken zusehen. Beispiel: Ich suchte den Namen des Künstlers, der das berühmte Gemälde „Goethe in der Campagna“ fabriziert hatte. Ich suchte also den Namen Johann Heinrich Wilhelm TISCHBEIN. Ich dachte aber immerzu an das Bild von Van Gogh, das der von seinem kleinen Schlafzimmer in Arles gemalt hatte.
Warum? Da war mittig ein Tisch zu sehen.

Gut soweit. Also mein Hirn weiß mehr als mein „ich“. Alles okay.
Es gibt demnach nichts, was in unserem Leben geschieht, was wir nicht abspeichern. Ohne Erinnerung ist eine persönliche Identität nicht möglich. Leider.
Ja, leider. Mich quält Erinnerung. Ich leide am Erinnern.

Mit dem „Gedanken machen“, übertreibe ich es ja gerne. Wie oft sagen gerade Männer zu mir: „Mach dir nicht so viele Gedanken!“ oder „Worüber du dir einen Kopf machst! So ein Blödsinn!“
Ich kann damit nicht aufhören, mir Gedanken zu machen. Ich merke mir auch garantiert immer die falschen Sachen. Wie zum Beispiel den Geburtstag meines Ex, oder was ich Dummes mal hier oder da zu diesem oder jenem gesagt habe. Was ich Hirnrissiges getan oder was ich unverzeihlicherweise unterlassen habe.
Meine Erinnerungen sind gnadenlose Quälgeister. Sie tauchen auf, wann es ihnen passt. Sie täuschen vor, verloren gegangen zu sein, aber dann sind sie da. Quälen, schmerzen, lassen mich ratlos zurück.
Ich leide so sehr, dass meine gesamte Gehirnleistung zurück geht. Ich funktioniere nicht mehr. Ich dreh mich im Kreis.

Warum gibt es Erinnerungen überhaupt? Warum kann nicht gestern auch gestern bleiben?
Ich werde doch deswegen kein schlechterer Mensch, nur weil ich vergessen habe, wie schlecht es mir mal ergangen ist! Warum kommen die Erinnerungen so daher, als wären sie nicht ein Teil von mir, sondern mein ärgster Feind?

Und warum wird nicht nur das reine Geschehen abgespeichert? Das war doch schlimm genug! Der körperliche Schmerz!
Warum kommen dazu Schuldgefühle, Hilflosigkeit, Hass, Trauer, Wut.
Warum lassen mich diese Gedanken nicht in Ruhe, seit die fragliche Situation vorbei ist!

Eine Erinnerung ist eine Wiederbelebung von etwas längst Vergangenem. Ja, Scheiße, denn ich bin leider in der Lage durch mein eidetisches Gedächtnis, mir ziemlich viel ziemlich detailreich wiederzubeleben.
Zum Beispiel das Aussehen von Personen, die mir wichtig sind. Gott sei es gedankt, dass diese Leute gar nicht wissen, wie genau ich sie im Gedächtnis behalte. Ich sehe sie manchmal gar nicht lange an und sie denken vielleicht: „Na, heute hat Angie mich aber nicht richtig angesehen.“ Falsch. Ich weiß was sie anhatten – von oben bis unten -, wie sie gerochen haben, welchen Stift sie benutzten, welches Getränk sie tranken und was sie gesagt haben. Ich taube Nuss kann ihre Stimme so gut im Hirn reproduzieren, dass ich ihnen sogar andere Worte in den Mund legen und sie mit der richtigen „Synchronstimme“ abspielen könnte.
Warum kann ich das? Was für einen Nutzen hat meine Seele davon?
Wissen andere Menschen eigentlich, wie gesund ihre Vergesslichkeit ist?

Sport. Die Rettung heißt Sport. So viel und so lange bis der ganze Körper brennt und die Fettpölsterchen leise wimmern. Und dann schlafen.
Aber nein. Schlaf und Erinnerungen? Das ist das Duo Infernale. Entweder Erinnerung und kein Schlaf oder im Schlaf alle Erinnerungen auf einmal.

Ich habe vor einigen Jahren ein paar Gespräche mit Menschen geführt, die sich mit so was auskennen und man empfahl mir die Technik des Gedankenstopps.
Ja, ich weiß, es klingt doof und ich hätte mal die Hände davon lassen sollen, denn es IST auch doof.
Es geht so. Man lässt die schlimmen Erinnerungen zu und sorgt dann mit einem äußeren Reiz (z.B. laut „Stopp!“ rufen) dafür, dass man sich selbst aus dem Zustand „erweckt“. Etwas Seltendämlicheres hab ich nun wirklich nie mehr wieder gehört.

….höchstens noch die Sache mit der ozeanischen Selbstentgrenzung….

Also es kam, wie es kommen musste. Ich „erlernte“ die Technik und sie erweckte mich natürlich KEIN BISSCHEN. Stattdessen hab ich an einer Fußgängerampel gestanden, als meine Gedanken mich nicht in Ruhe ließen. Da rief ich laut „Stopp“ (und hab die Fäuste geballt) und alle blieben auf der Straße stehen und guckten mich merkwürdig an.
Super.
Ich bin also momentan nicht nur „Lost in Erinnerung“, ich bin auch noch ein rumlaufender Psychopath. Gut dass ich mir nicht antrainiert habe, laut „Peng!“ zu rufen.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit hat einer meiner Lieblingsschriftsteller Marcel Proust geschrieben. Ich liebe es. Aber mein Leben ist nicht poetisch. Es ist sinnloses Zermartern des Hirns. Welchen Wert soll das haben? Was bringt mir das? Warum gibt es keine Entfernen-Taste dafür?

Ja, mag sein: Könnten wir nicht erinnern, gäbe es keinen Sinn für Vergangenheit. Und wäre alles Gegenwart, hätte wir kein Gefühl für Zukunft.
“Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken”, sagte schon Marc Aurel.
Ist mein Leben also nur eine Qual? Und für wen außerdem als nur für mich? Und ist meine Fähigkeit dieser intensiven Erinnerung nicht die beste Voraussetzung eine brillante Schriftstellerin zu sein?

Was aber, wenn ich lieber vergessen und schweigen würde als erinnern und schreiben?


Bei meinem nächsten Erinnerungsstopp werde ich rufen:
„Hug me!“



In diesem Sinne
Das Reminiszenzchen

Redakteur




07. Februar 2018, 07:46

Nachtrag zu gestern


Hallo Mädels,

was ich zu gestern noch mal sagen wollte.

"Viel Kälte ist unter den Menschen,
weil wir es nicht wagen,
uns so herzlich zu geben,
wie wir sind."

sagte schon Albert Schweitzer
(1875 - 1965), deutsch-französischer Arzt, Friedensnobelpreis 1952


Und der musste es wissen, der war schlau.


In diesem Sinne
Herzchen

Redakteur




06. Februar 2018, 10:20

Mein Lieber!

Hallo Mädels,

der Wiener Zivilrechtler Professor Johann Schima war ein Mann von ausgeprägtem Pflichtbewusstsein, der es aber stets eilig hatte. So kam es, dass er eines Tages eine Assistentin mit den Worten begrüßte: "Guten Morgen! Leider habe ich keine Zeit Sie zu fragen, wie es Ihnen geht!"

Diese kleine Anekdote finde ich durchaus bedeutsam. Eigentlich sind Begrüßungen doch nichts, nicht wahr? Unnütz! Lästig!
Und wenn wir uns doch durchringen können, uns nach dem Befinden zu erkundigen, wollen wir keine störende Darlegung der psychischen wie physischen Animositäten des so Angesprochenen hören. Wir wollen „Danke gut“ hören.

Mein Beruf bringt es mit sich, originell kommunikativ zu sein. Und ich bin es gerne. Von meinem Vater habe ich mir seine Art der Höflichkeiten angeeignet, was erklärt, warum ich auch als Frau aufstehe, wenn mir jemand die Hand geben möchte. Ich halte das insgesamt für eine gute Idee. Diese Aufmerksamkeit dem gegenüber, der sich die Mühe macht, zur Schau zu stellen, dass er mich begrüßen will und somit mich kennen will.
Auch am Anfang einer WhatsApp-Nachricht! Menschen, die ich gerne mag, zeige ich das mit einer besonderen Anrede. Manchmal schicke ich meiner Freundin schnell ein Emoji. Ohne zu erwarten, dass sie das beantwortet. Sie soll nur spüren, da hat jemand „Hi“ gesagt. Ich bin da!

Ich gehe ja gerne mal joggen. Auch wenn ich zuweilen kaum Luft dabei bekomme, so grüße ich doch alle, die uns auf dieser Strecke begegnen. Leute mit und ohne Hund, Postboten, Landwirte. Alle werden gegrüßt. Ich mag das. Ich mag es, die Leute anzusprechen und zu erleben, wie sie darauf reagieren.
Und wie tun sie es?
Sie sind alle (ja, alle) sehr, sehr freundlich. Geradezu fröhlich, dass man sie ansprach.

Wie kommt es also, dass die Begrüßungen und Höflichkeiten in unserer Zeit so abnehmen? Warum sagt man nichts mehr? Zeigt nicht, dass man den anderen wahrnimmt.
Hilft, grüßt, lächelt?
Es ist doch offensichtlich, dass die Leute es gerne haben! Ja, brauchen! Fehlt allerorts einfach der Mut? Weil man nicht weiß, ob der Gruß erwidert wird? Hilfe! Dann hätte man ja quasi UMSONST gegrüßt? Ist es das? Angst, etwas nicht ZURÜCKGEZAHLT zu bekommen?

Ich wünschte, mir könnte das einer beantworten.
Gerade letztens ergab es sich, dass ich nicht gegrüßt habe. Ich war kurzzeitig dazu nicht imstande, denn ich umrundete ein kniffliges Schlammloch. Und was geschah? Offenbar hatte meine Begrüßungsorgie all die Samstag hindurch gewirkt, denn man hat MICH gegrüßt.
Und das war wunderbar. Ist das nicht schön? Demnach kann man Grüße pflanzen wie kleine Bäume, die dann zaghaft Früchte tragen.
Das ist schön.

Hello

I've just got to let you know
Cause I wonder where you are and I wonder what you do
Are you somewhere feeling lonely? Or is someone loving you?
Tell me how to win your heart, for I haven't got a clue
But let me start by saying I love you.

(Lionel Richie, 1983)



In diesem Sinn
Hi!

Redakteur




30. Januar 2018, 09:48

Alles Politik, alles Leben, alles Scheiß

Hallo Mädels,

es ist wohl nicht übertrieben, wenn ich sage, im Januar ist nie viel los. Nie. Wir befinden uns in einer kalendarischen Loose-loose-Situation, in der sich eigentlich nur Leute befinden, die ich nicht kennen mag, aber die sich uns medial immerzu aufdrängen.

Im Fernsehen langweilt man uns zu Tode mit krisengeschüttelten Staaten. Früher machte mir das noch Angst, wenn im Fernsehen der Nachrichtensprecher mit Verve verkündet, dass ein Staatsbankrott, eine klimatechnische Totalverwüstung oder eine Raketenschlacht mit koreanischen Diktatoren unmittelbar bevorsteht. Wenn Menschen sterben oder bald sterben werden, obwohl das weder sein muss, noch erlaubt ist.
Der desillusioniert wirkende Nachrichtensprecher gibt sich nicht mal mehr den Hauch von Mühe, uns ENGAGIERT in Panik zu versetzen. Selbst die Tagesschau hat uns Fernsehzuschauer aufgegeben. Es ist nichts los, was uns noch berührt. Wir sind unberührbar geworden.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das ist eine durchaus sinnhafte Überlebensstrategie und in den meisten Fällen tatsächlich eine Erleichterung. Diese evolutionär erarbeitete Gewohnheit ist es, die uns Menschen zu geeigneter Zeit die Fernbedienung schnappen und umschalten lässt, wenn in den Nachrichten zu oft die Worte Donald, Trump, Putin, Korea oder einfach nur Automobilindustrie fallen gelassen werden.

Sind wir nicht schon froh, wenn unsere internationalen Horrorlieblinge mal nicht im Fernsehen erscheinen? Wir erwarten ja kein anständiges Verhalten mehr. Wir erwarten lediglich deren Nichterscheinen.
Wann genau hab ich eigentlich das letzte Mal gelacht?
Hm. Wahrscheinlich nur aus Sarkasmus.
Mit Mühe haben wir ein paar Skandale ins Hirn geredet bekommen, die allerdings nur als solche bezeichnet werden, weil echt überhaupt keiner mehr sich „skandaliert“ fühlt. Sprich, es INTERESSIERT NICHT, ja es ENTTÄUSCHT uns nicht mal mehr!

Wir regen uns nicht auf, wenn man uns vergiften will.
Wir regen uns nicht auf, wenn der Sport, den wir sehen nur ein chemischer Wettstreit geworden ist.
Wir regen uns nicht auf, wenn zwei wild gewordene Riesenbabys über unsere Köpfe hinweg mit Krieg drohen.

Mitleid? Ach, ja doch, hab ich. All jenen sei mein Mitleid ausgedrückt, die sich zu Weihnachten wegen der WM noch schnell einen Flachbildschirm in Größe einer Stadionanzeigentafel zugelegt haben und dann um 20 Uhr den us-präsidialen Haarverwerter lebensgroß anschauen müssen.
Wie schrecklich ist das denn? Das will man doch nicht!
Während wir also im Fernsehen, online oder papierline mit dem Me-too-Grinsen eines zu oft abgelichteten unfotogenen Regierungsversuch belästigt werden, warten wir auf etwas, das unsere Leidenschaft zu entfachen versteht?
Ja! Da war doch was?

Olympia, Doping und Heidi Klum.

Oh, nein.
Was für NICHTMELDUNGEN!
Ach! Und das bereits von mir bearbeitete Dschungelcamp und bald gibt es ja noch den EU - Song Contest.

Und in der Politik?
Haben wir eine Regierung? Nein, wozu auch, geht doch auch so.
Nein. In den Nachrichtensendungen gibt es keine Eilmitteilungen. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist einfach noch einen Tacken zu weit weg, um uns täglich mit neuen Schal-Kreationen von Chefstylist Löw zu erfreuen. Also hüpfen wir informell von Messerattacken, die täglich üblichen Elendsfotos und dann wieder zurück zum CDU-SPD-Gezacker. Ab und zu bemüht sich die Tagesschau, mit bebilderten Berichten von Bombenexplosionen der dreckigen Welt ein farbigeres Gesicht zu geben.

Was für ein Scheiß.
Vielleicht – ganz vielleicht sollte man doch mal überlegen, das Leben SELBST zu gestalten. Und wenn es nur das eigene ist...und das der Menschen, die einem wichtig sind.



In diesem Sinne
Ja-Noir

Redakteur




29. Januar 2018, 10:22

Zitatetag

Hallo Mädels,

der Januar ist fast um, und wir fragen uns zu Recht: Hä?
Und dazu ist auch noch Montag.
So einer von den Montagen, die man so gar nicht braucht: Grau, windig, zu viel Wäsche im Wäschekorb.

Da ich schlau sein will, aber nicht kann, hier ein Zitat:

"Die Tatsache, das Wichtige vom Montag am Mittwoch für nichtig zu erklären,
deutet nicht zwangsläufig auf eine sprunghafte Natur,
sondern auf die geniale Fähigkeit schneller Erkenntnis,
die spontan alle Prioritäten verschieben lässt."

(ruhig zweimal lesen, dann klappt es mit dem Verstehen - es ist ja Montag, da dauert das)


In diesem Sinn
Montagsgesicht

Redakteur



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