angelaochel.de
 

 

 

Der Blog


     


04. Dezember 2017, 09:25

Adventsfest der 100.000 Armleuchter 2017

Hallo Mädels,

gewisse Katastrophen ziehen mich magisch an. Eine davon ist: „Das Adventsfest der 100.000 Lichter. Zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte“.
Freunde der Wachsleuchtmittel! Das ist harter Stoff!

Alles, was unter dem Verdacht steht, Kitsch zu sein, wird auf die Adventsfest-Bühne gezerrt. Hellblaue Häuschen, drehende Pferde-Karussells, ein Wald aus Zwerg-Tannen, Schneemänner und Tore mit Schneeapplikationen.
Konsequent werden rieselnde Fernsehflocken in das Bild kopiert, dass man schon Angst bekommt, der Flachbildschirm hätte eine kaputte Bildröhre.
Auftritt Florian Silbereisen.
Der Typ hat mir nichts getan, absolut nichts! Aber ich ich kann es nicht ertragen, ihn eine Showtreppe herunterschlendern zu sehen. Er breitet die Arme aus, lässt schön von Helene grüßen, verrät schmunzelnd, dass er noch kein Geschenk gekauft hat. Dabei erschallt das gerollte R fröhlich durch den antiseptischen Schneematsch.

Im Publikum wird konzertiert ausgerastet. Die ersten Omis müssen ihre Erfrischungstüchlein zu Rate ziehen.

Alles, was die Kunstschnee-Industrie hergibt, ist auf der Bühne versammelt, dazu die kaum in ihrer Niedlichkeit zu ertragenen Kinder mit Flügeln und wohl-gescheiteltem Haupthaar.

Auftritt der betonharten Heiterkeit: Ross Anthony tirilieren im Playback. Er ist der Spaßmacher in der Volksmusikszene. Er hat IMMER gute Laune und mit seiner Weißhaarfrisur sieht er immer aus wie ein Oberarzt aus dem Krankenhaus am Rande der Stadt, der zu viel geröntgt wurde.
Zwischendurch werden kleine Kinder mit Kunstschneebällen abgeworfen.
Hach, allerliebst?

Nein. Es ist furchtbar und ich kann nicht umschalten, denn ich bin paralysiert.
Ihre Auftritte sind fehlerlos, sauber, sympathisch, freundlich und hochprofessionell.
Und es funktioniert offensichtlich.
...nicht bei mir, aber sonst auf jeden Fall.
Offenbar ist das wichtigste an den Stars, die nun alle playbacksingend derart perfekt arrangierte Weihnachtsklassiker zu Gehör bringen, das dramatische In-den-Himmel-Singen“ wenn die Schlagworte: Friede, Freude, Menschheit, Kinder fallen.

Ist das furchtbar. Zwischen den „Acts“ erklärt uns Florian, dass die Welt ein friedlicher Ort ist aber wir trotzdem an jene denken müssen, die nicht bei Ihren Lieben zuhause sein können.
Ich habe spontan Mitleid. Auch wenn die Omis mit den Rentierpullovern nicht aussehen, als haben sie es eilig mit dem Nachhausekommen. Betreutes Freuen.
Glückliche Menschen im Publikum schunkeln zu den Golden Voices of Gospel, Teile der Kellyfamily wurde vorzeitig aus der Haftcreme entlassen…

... und dann das:

Mirielle Mathieu!

Der mit siebzig Jahren eindeutig älteste Spatz von Avignon (mit zugegebener Maßen erstaunlichem Lungenvolumen und schlanken Beinen) singt, was das Zeug hält. Die seit Kindertagen mir bekannte schwarz-glänzende Prinz Eisenherzfrisur sitzt wie ein Helm.
In einem Bühnenbild, das hauptsächlich aus weißem Geglitzer und sich drehenden Kerzenständern besteht, brilliert Mireille festgefügt wie Schillers Glocke und singt deutsche Weihnachtslieder. Diese werden durch ihren (zugegeben zauberhaften) französischen Akzent nicht wirklich schmissiger.

Auftritt Frau Hertel.
Mit der Professionalität im Bereich Dauerglück und Kunstlächeln steht sie dem Gastgeber Silbereisen in nichts nach. Die kleine achso fröhliche Unterhaltung zwischen den beiden Volksmusik-Leistungsträgern wird buchstabengetreu vorgetragen.
Sie können das. Und das Publikum liebt sie dafür.

Echtbilder von Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland werden eingefügt und machen schnell klar, dass es ohne Schnee im mitteleuropäisches Klima ziemlich trostlos wirkt. Aber die Regie hat einfach den rein-kopierten Schneefall aus dem Bühnenbereich im Bild gelassen.

Das dramatische In-die-Luft-Gesinge wird auch nicht besser, als Herr Silbereisen einen Schottenrock trägt und mit einer „Rockband“ (welche Rockband singt in der ARD Weihnachts-Friedenslieder?) zum Hartchor-Knaller: „Wir sind Brüder und Schwestern“ abhottet.

Was genau rauchen die da hinter der Bühne?

Ross Anthony als Dauerbrenner der Fröhlichkeit kommt wieder durchs Bild gelaufen. Nun ist er an der Reihe mit Fischerman's Friend zu singen und bewirft alles um sich herum mit Styroporblöckchen.

Wem das einfach nicht kitschig genug ist, bekommt zum Ende die volle Dröhnung.
Mireille ist noch nicht mit uns fertig. Sie hat eigenmächtig – und Herr Silbereisen ist fast zu Tränen gerührt – ein Lied, das irgendjemand anderes für die Sendung (man hält sich kaum noch auf den Sitzen!) komponiert hat, ins Französische übersetzt.
Das Lied heißt: „Erweckungsgesang“ und das Publikum zückt die Taschentücher während alle Engelein auf der Bühne ein letztes Mal dramatisch in den Himmel singen.

Halleluja, da ist der Abspann...


In diesem Sinne
Die wenig Erleuchtete

Redakteur




02. Dezember 2017, 14:35

1. Advent

Hallo Mädels,

ist es denn wirklich wieder so weit? Advent? Und dieses Jahr mit einer Woche Abkürzung, weil der 4. Advent schon Heilig Abend ist?

In der Wohnung die ersten Deko-Highlights. Blinkende irgendwas.
Es ist schön zu wissen, dass manche Dinge niemals durch übertrieben guten Geschmack zerstört werden können.

"Dieses Jahr war etwas Besonderes," denke ich unvermittelt, lächle merkwürdig und halte inne...
Tatsächlich, stelle ich erschrocken fest. Ist es. Besonders.
Sagt man das nicht viel zu selten in meinem Alter?

Da ist etwas Neues in meinem Leben. Neu und erschreckend klar.

Sicher, neue Dinge können unheimlich erscheinen, aber sie locken auch den Mut hervor.
Sehe ich also den Tatsachen ruhig ins Auge.

"Die unheimlichste aller Erfindungen ist der Spiegel. Woher nehmen die Menschen nur den Mut, da hineinzuschauen?"
(Brendan Behan)

Schließt die Augen und fühlt euch von dem Menschen umarmt, der euch momentan am wichtigsten ist.

Wünsche einen schönen 1. Advent.


In diesem Sinne
Das Lichtlein



Redakteur




30. November 2017, 10:50

Schatz, du bist nicht dick, du bist untergroß

Hallo Mädels,

es gibt sie wirklich. Diese Momente, in denen wir Frauen unsere herzallerliebsten Ehemänner sehr gerne mal nach Huaca Pieta schicken würden.
Huaca Pieta liegt in Lateinamerika und dort wächst der Cayennepfeffer.

Beispiel gefällig? Okay, wenn mein Schatz mich mit selbsterdachten Kosenamen bedenkt. Am besten noch vor viel Publikum. Aktueller Spitzenreiter in den peinlichen Liebesflüstereien:

„Schnuckie, alter Zossen!“

Wer will das nicht in einer belebten Einkaufsstraße hören?
Ja, die Liste ist lang für viele, viele Reisegründe in die ewigen Eheferiengebiete:

- Nix wegräumen
- Alles besser wissen
- Das beliebte: Altejogginghosetragen bis sie vom Fleisch fällt
Und nicht zu vergessen:
- Das Leereklorollensolangeignorie​renbisdiemuttieingreift

Aaaaaarghhhh.
Aber dann gibt es auch diese wunderbar erhellenden Augenblicke:

Schatz, lass das doch stehen, das ist zu schwer für dich! (wenn man Blumenkübel umräumt)
Schatz, ich koch dir was Schönes.(Sonntags)
Oder
Schatz: Na, wenn dir das Spaß macht? Dann tu es doch! (wenn man eine Aufgabe übernehmen will, die ein bisserl kribbelt)

Ach, was ist doch so ein Ehemann schön, nicht wahr? Die absolute Krönung (und da kann ich so emanzipiert sein wie ich will) ist, wenn er sagt:

„Du bist doch gar nicht dick. Und wenn doch: Mir gefällt es.“

DAS sind diese Momente, an die wir im Standesamt gedacht haben, als wir unser kleines „Ja!“ stammelten. Und es ist dann auch jener, in dem ich die Flugtickets nach Huaca Pieta wieder in der Schublade verschwinden lasse!

Ich bin zwar blöd, aber ICH BIN NICHT DICK!!!
...nicht sooo sehr zumindest. Nicht immer.
Im Halbdunkeln geht es.

Ohhhhhh doch, Fräuleinchen! schreit da die Waage.

Frust im Buttercremetortendiagramm.

Ich schnappe mir meine Frauenzeitschrift.
Ich sehe: Schöne Frauen, schöne Frauen, schöne Frauen, Mann, schöne Frauen.
Es ist zum Ausflippen. Ich will auch. Aber dafür dürfte ich

1. nie mehr was essen und
2. brauche ein Komplettlifting – was sag ich, eine ZEITREISE RÜCKWÄRTS !!!

So ein Mist.

Da im Magazin lese ich es neben einer dünnen Frau (maximal 16 (Alter+Gewicht)): „Diäten sind kinderleicht (tolles Wortspiel)! Du entdeckst die richtig ungesunden Kalorienbomben. Häufig ist einem gar nicht klar, wie viele Kalorien manche Speisen überhaupt haben. Wenn du dann die Kalorienbomben reduzierst, wirst du leichter ein gesundes Kaloriendefizit erreichen.“

Da schrei ich aber zurück: „Die musste ich nicht entdecken, die kannte ich schon! Das sind nämlich allesamt meine Lieblingsspeisen. Da schmeckt man was, wenn man zubeißt!“
Ich will essen!
...Aber nicht dabei aussehen wie ein Pferd!

Arrrghhh.
Ich kann doch gar nichts dafür! Ich bin unschuldig! Das Essen rennt quasi hinter mir her. In der Werbung. Selbst in Dekozeitungen kommen mir ununterbrochen Rezepte dazwischen. Mit viel Sahne. Und mit Marmelade. Und Butter. GUTER Butter.

Ich kann es ja mal mit dem neuen Wunderzeug versuchen?
Diätdrinks.
Hat tausend Namen in der Werbung das Zeug.
Irgendwie ist das essbarer Bauschaum, aber es sieht so aus! Ich habe es versucht!!!
Das ist so ein Shake, der mit dem Mixer zu einem Schaumzeugs verrührt wird und mir nach der Einnahme ungefähr FÜNF Minuten ein Sättigungsgefühl bringt.
Selbstverklebung als einzige Rettung! Hilfe!

Dialog des Tages:
Ich: „Schatz? Wo bist du? Sag doch mal was Nettes, bin deprimiert!“
Er: „Klar, alter Zossen, komm ins Bett, du bist so schön weich.“
Aaaarghhhhh!



„Letzter Aufruf für den Flug 4711 nach Huaca Pieta!!!!“



In diesem Sinne
Sondergepäck kostet extra

Redakteur




29. November 2017, 08:20

Trafen sich ein Symbiont und ein Schmarotzer

Hallo Mädels,

ich liebe Sprache! Es geht doch nichts über die erfrischende Konnotation und Denotation unserer deutschen, lateinischen, griechischen, englischen und französischen Lehnworte!

Heutiges hinreißendes Thema: Symbiont und Schmarotzer.

Hach! Herrlich!
Symbiont!
Das klingt doch schon nach Adel, nach Edelmut!
Stimmt ja auch. Ein bisschen. Ein Symbiont ist jemand, mit dem man zusammen lebt und dieses Zusammenleben hat nuuuur Vorteile.
Lass mich mal überlegen, ob ich so eine Lebensgemeinschaft kenne...hm…

(Angie grübelt angestrengt….das dauert ein paar Minuten)

Eine Lebensgemeinschaft, die für beide Seite guuuut ist. Hm.
Gut. Hm. Also schön, dass dieses schöne griechische Wort so gar nicht klingt wie das kleine Wort EHE ist klar.

(„Ehe“ hat ja eher was von: „Ehe ich das tue, erschieße ich mich…“ - aber das führt nun zu weit).

Symbiont ist also geklärt.
Das Wort Schmarotzer hingegen ist was ganz und gar Gemeines. Jemand, der den anderen nur ausnutzt.
Schma-rotzer!
Herrlich. Das klingt nach Pfui und irgendwas aus der Nase.

Diesen gerade so anschaulich-bunt beschriebenen Beiklang nennt man übrigens Konnotation.

Seufz.
Ach, wenn wir alles Symbionten wären, wäre das Leben doch um einiges schöner, nicht wahr?
Zum Beispiel ein Autor und ein Buchladen. Sie können oftmals (besonders in Mühlheim) die besten Symbionten sein. Ist das nicht prima?

Die Denotation, als der engere Sinn des Wortes Symbiont ist ein kleiner Partner, der mit dem Größeren eine Vergesellschaftung anstrebt, die für beide Partner vorteilhaft ist.
Die Konnotation wäre also demnach: Schönes Leben, einfaches Leben, Frieden, Freundschaft, Erfolg…
Schön, oder?

Interessanterweise ist unser Leben voll von Konnotationen. Wir interpretieren viel in jedes gesagte und geschriebene Wort hinein. Dumm nur, wenn wir alle zwar wissen, was das Wort im engeren Sinn bedeutet - uns aber zwei völlig konträre Konnotationen dazu im Köpfchen herum schwirren. Dann kommt es zu Dissonanz. Zu Streit, Unmut, Ärger.

Ich arbeite mich übrigens momentan an der Konnotation eines anderen Wortes ab.
Dem Wort unheimlich.

Es ist negativ besetzt. Wenn ich also damit einen bestimmten Menschen bezeichnet habe, so finden das viele in meiner Umgebung als extrem gemein.
„Hey, der ist doch total nett und lieb und wie kommst du denn darauf?“
Keine Ahnung.
Mir kann auch jemand Nettes unheimlich sein. Ich bin da ja ganz frei von Sinn und Unsinn.

Heimlich oder besser gesagt Heimelig bezeichnet ja etwas, das einem vertraut ist.
Unheimlich ist also etwas, mit dem man so gar nicht gerechnet hat.
Vielleicht jemand, der furchteinflößend aussieht, aber freundlich ist.
Oder jemand, von dem man annimmt, dass er die geistige Tiefe einer Grundlinie hat und in Wahrheit beneidenswert klug ist.
Jemand, der zwei Dinge hat, die ich gerne hätte.

Also schimpft nicht immer mit mir.
Mein Konnotat ist positiv besetzt. Voller Respekt.
Okay?
Wollen wir (wieder) Symbionten sein?



In diesem Sinne
Das kleine Wörterbuch

Redakteur




27. November 2017, 11:43

Keine Angst vor Großem

Hallo Mädels,

manchmal spürt man beim Anblick eines kleinen Hügels: das schaff ich nie.
Und dann gibt es riesige Berge. Die schauen munter zu einem herunter und man denkt: Au ja. Das will ich versuchen.

Meine Tante zitierte gerne Fontane bei solchen Gelegenheiten:

"Nicht die Größe der Aufgabe entscheidet, sondern das Wie, mit dem wir die kleinste zu lösen verstehen."

Also zerlegt man das Große einfach sanft in ganz viele Kleine.

Und wenn mir auch so manches an meiner neuen Aufgabe unheimlich erscheint und das kleine, schwerhörige Herz etwas klopft, so muss ich doch grinsen. Über den Mut in mir, den Siegeswillen und die Neugierde. Als wäre ich noch das kleine Mädchen, das sich entschlossen die Handschuhe zurecht zieht, sich mit breiter Brust ins große Tor stellt und den Elfmeterschützen genau anschaut.

Na, los, mach doch!

Irgendwie scheint etwas an dieser Aufgabe zu sein, dass mich leise anlacht. Mal sehen, ob ich den Mut habe, zurück zu lachen.
Wir werden es sehen, zumindest werde ich davon berichten.


In diesem Sinne
Vorteil Angie

Redakteur




24. November 2017, 09:04

Sprache als Sport

Hallo Mädels,


wenn Sport und Sprache zusammen kommen, entsteht für meine schwachen Ohren immer ein heftiger Kurzschluss. Es ist, als wollte die Welt klar stellen:

Körper und Geist gehören nicht zusammen!

Aus gegebenem Anlass überlege ich, warum wir uns so schwer tun mit guter Kommunikation. Ein klares, gutes Wort am rechten Platz ersetzt so manches Pflaster, umgeht einen unerquicklichen Streit, tröstet den Traurigen, hilft einer Gemeinschaft und macht viel Spaß mit uns.
Wir haben unfassbar komplexe Kommunikationsmöglichkeiten! – der eigene Mund mal gar nicht mitgerechnet.
Warum nutzen wir sie nicht – oder wenn wir es aus Versehen doch mal nutzen - warum fallen wir damit so schnell auf die Fresse?

Sprache ist so was Wunderbares! Hach, herrlich…

Gut. Sport auch.

Warum finden diese beiden nicht so recht zusammen?

Mein Steckenpferd ist ja die Paläolinguistik.
Sicher, man kann sich den Tag auch anders versauen (zum Beispiel mit Sondierungsgesprächen oder Videobeweisen), aber es ist so wunderbar, sich vorzustellen, wie Sprache entstand! Die Rekonstruktion der indogermanischen Ursprache birgt so viele kleine Schätze. Herrlich.

Leider kann ich mich nur mit wenigen Menschen darüber erschöpfend austauschen, da meine Gesprächspartner in der Regel nach drei Sekunden darüber einschlafen.

Aber wenn ich diesen humansprachlichen Gedankenansatz mal zur Seite wischen, frage ich mich echt, warum die Menschheit und die Evolution sich DERART Mühe gemacht haben, Sprache zu entwickeln, wenn der Mensch davon nur Gebrauch macht, um sich FALSCH ZU VERSTEHEN.

Ihr seht, es wird kompliziert!
Denkt nur an die unzähligen Fälle, die wir Tag für Tag erleben, wenn das Gesagte und das Gemeinte sowohl beim Sender als auch Empfänger plötzlich gemein wird...
Hilfe!

Am liebsten möchte ich die Hälfte der Menschheit mal in den Arm nehmen und sagen: „Mäuschen, jetzt beschränke dich doch erst mal auf die Worte, die wirklich gesagt wurden! Nur Klares ist Wahres.“

Da lob ich mir den Sport.
Fußball. Klare Regeln, klares Feindbild.
Oder Tennis. Schläger, Ball, Netz, Winkelhalbierende...ach nee, das ging ins Aus.

Hm. Sollten wir das Sprechen etwa wieder aufgeben? Zeigt unsere socialMedia-Welt nicht allzu deutlich, dass wir dem nicht gewachsen sind?

Ich will Sprache! Ich will, ich will, ich will!
Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht gut hören kann. Ich muss die Menschen genau ansehen, wenn sie sprechen, um Teile des Gesagten (falls akustisch nicht verstanden) notfalls zu überbrücken.

Ein Körper lügt weniger als ein Wort.

Einfach mal die Fresse halten, denke ich so oft!
Schon alleine das Abschaffen von Kommentatoren bei Fußball-Länderspielen würde mir persönlich sehr helfen!!! Bis auf den Satz: „Rahn schießt! Tor, Tor, Tor!“ hab ich noch keinen zweiten Satz gehört von diesen Sprachjongleuren, der irgendeinen Sinn ergab!!!
Lassen wir das…

Aber dennoch:
Schatz, wir müssen reden! Immer. Ganz viel.

Tja.
Bleibt eine Frage übrig:

Sport und Sprache - Wie bringen wir das zusammen?

Es ist ein bisschen so wie bei Mann und Frau.
Hübsch, wenn es passt.
Aber besser, wir lassen die Finger davon...





In diesem Sinn
Der taube Sprachschatz

Redakteur




22. November 2017, 08:54

Kluges aus dem Land der Zitate

Hallo Mädels,

irgendwie ist bei diesem Wetter alles mühsam und alles irgendwie ein zäher Kampf, ein Ringen mit den Elementarkräften der Zivilgesellschaft.
Man kämpft mit dem Verständnis für Politiker, man kämpft mit dem eigenen Nachwuchs um den Sinn und Unsinn von Hausaufgaben. Selbst in der Freizeit geht es oft und viel um Gewinnen, ums Siegen.
Ist das genetisch so in uns verankert?
Müssen wir Siegen, weil unser Urtrieb uns einflüstert: Nur wer siegt, bleibt?

Aber welchen Sinn hat Siegen und Gewinnen, wenn wir in unserer heutigen Zeit gar nicht mehr wissen, WANN wir gewonnen haben. WANN wir fertig sind mit dem Kampf. WANN wir sagen können: hey, jetzt geht es mir gut!

Haben wir uns im Siegeswillen verheddert?

Immer mehr von: Mein Haus, mein Auto, mein Urlaub?
Kann nicht sein. Dafür sehe ich zu viele unfrohe Gesichter ganz in meiner Nähe, die reichlich davon haben und nicht glücklich sind.

Jeannette Rankin sagte mal:

"Man kann einen Krieg genauso wenig gewinnen wie ein Erdbeben."


Offenbar kann man auch das Leben nicht einfach gewinnen. Man sollte es dann schon noch wirklich leben.


In diesem Sinne
Die zufriedene Verliererin

Redakteur




20. November 2017, 10:40

Die Winkelhalbierende oder warum Tennislehrer unheimlich sind

Hallo Mädels,

ich will gleich alle alternativen Fakten auf den Tisch werfen: „Tennislehrer sind hübsch aber blöd.“ Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse halten aber dagegen.
Neue Arbeitsthese: „Tennislehrer sind unheimlich.“

Grundsätzlich gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als zuzuhören, wenn jemand versucht, auf Mittelstufenniveau den sprachlichen Taktik-Ästheten zu geben. Also so was Kompliziertes wie Leidenschaft, Heulsusigkeit und absoluten Siegeswillen mit Hang zur Blutgrätsche in Worte zu fassen. Den hochgezüchteten Vollpfosten Synergien, Spiel-Finesse, Antizipieren und Imaginieren zu vermitteln. Fußballlehrer, Skilehrer und eben Tennislehrer machen das so. Herrlich!
Ich selbst habe übrigens eine TENNISLEHRERIN, und da Frauen per se schlauer sind, ist es obsolet zu erklären, dass die mir nie blöd vorkommt. Hübsch ist sie aber trotzdem.
Männliche TENNISLEHRERINNEN sind anders. Bislang habe ich nur Trainer erlebt, die so Sätze sagen wie: „Ey, isch glaub wohl es hackt! Hier wird hin gespielt. Sonst Liegestütze!“ In der Regel finde ich das nicht schlimm sondern kurzweilig, dann warte ich, bis sie sich Teile ihrer Funktions-Sportklamotten entledigen und muskelbepackt weiter pöbeln.

Aber dann wird es plötzlich unheimlich in meinem prä-diagnostizierten Leben:
Nichtsahnend auf einer Besucherbank in einer Tennishalle sitzend, erlebe ich die Trainingsstunde meiner beiden Freundinnen. Hochmotiviert kloppen sie auf einen wehrlosen Filzball ein. Mal Vor- mal Rückhand. Mal Volley, mal angeschnitten und mal mit dem Ausruf: „Blödes Netz!“
Der ihnen zuarbeitende Tennislehrer ist ein Mann mit einer Körpergröße, die einem Basketballspieler in Amerika und einem Sendemast in Südhessen zur Ehre gereichten. Er hat sich irgendwann (Gründe liegen der Redaktion nicht vor) entschlossen, eine Tennisschule zu gründen mit dem klangvollen Namen „Rückgabe“ (des Wohlklangs wegen in der Zunge der Angelsachsen). Also: Hier lehrt der Boss gerade selbst.

Während auf dem Nebencourt der dortige Coach alles daran legt, meinem Vorurteil über Tennislehrer Nahrung zu verschaffen (er hält lautstark Vorträge, dass Männer besser sehen und Frauen besser hören können und erläutert dies irritierenderweise an den Dezibel einer Sportschau-Sendung), richtet der Tennis-Chef auf diesem Platz das Wort an meine Freundinnen, wie folgt: „Achtet mehr auf die Winkelhalbierende!“
Ja. Wohl.
Wirklich wahr.
Winkelhalbierende.
Ich spitze augenblicklich die beschädigten Ohren.
Während er mit weit ausgestreckten Armen die Flügelspannweite einer Lockheed Super Constellation erreicht, deutet er auf das andere Feld und bittet, sich dort einen Gegenspieler vorzustellen. „Okay. Unser Angriff erfolgt immer longline!“
Unsere Blicke folgen einem unsichtbaren Filzball.
„Und nun die Winkelhalbierende vorstellen!“
Stille. Die Stille des Unverstandes. Wir reißen die Augen auf, doch es will uns nichts Halbiertes ins Auge springen.
„Ist doch ganz einfach. Ökonomie der Laufwege. Schaut doch mal.“
Wir schauen. Aber wir sehen nicht.
So geht das eine kleine Weile weiter. Nicht müde werdend und mit unerschütterlich sanfter Stimme (ziemlich unheimlich), den Schläger unter den linken Arm klemmend - um mehr Raum für große Gesten zu haben. Er deutet energisch in das leere Feld mit dem imaginierten Feind und auf eine in geistigen Nebelschwaden leise drohenden Winkelhalbierenden, wiederholt er: „Okay. Das ist im Grunde ganz einfach.“
Wir machen aber keinesfalls den Eindruck von „einfach“. Und schon gar nicht von „okay“.
Seufzend, aber noch sanfter im Timbre referiert er weiter:
„Okay. Wenn wir den Tennisplatz im Match optimal abdecken wollen, dann müssen wir uns einfach die Geometrie des Platzes zunutze machen.“
Nicken.
„Okay (er sagt oft Okay in einer therapeutisch-sedierenden Weise), nehmen wir an, ich schlage eine Vorhand cross. Dann würde mein Gegner in der Vorhandecke folgende Möglichkeiten haben, meinen Ball zu beantworten: Er könnte den Ball longline spielen oder cross nach außen.“
Er zeigt - den Schläger wieder aus der Armbeuge nehmend - in das andere Feld, dann in das eigene. Mal da, dann dort. Sein Profi-Tennisschläger sieht in seiner Hand dabei eher aus wie ein Tischtennisschläger…

Mir wird klar: Dieser Mann ist mir unheimlich.
Dabei hat er nicht viel mehr dafür getan, als baumlang in den Himmel zu wachsen. Und in Mathe aufgepasst zu haben...

„Okay. Seht Ihr das?“ Er nuschelt leicht, was erschreckend beruhigend wirkt.
Wir sehen…….. nichts. Nur eine T-Linie, ein Grundlinie und viele Fragezeichen.
Er zeigt energischer: „Na, da! Die Winkelhalbierende verläuft genau in der Mitte und befindet sich immer, je nach Stellung des Gegners, leicht rechts oder links von der Mitte des Platzes. Also da. Hier.“ Er deutet auf den Boden. Wir schauen versonnen auf den hellgrauen Tennisteppich des Hallenbodens. Des Trainers leise Stimme transportiert unheilvolle Kennerschaft. „Ich sollte mich also nach meinem cross geschlagenen Ball in Richtung Winkelhalbierende bewegen“ Er macht einen gigantischen Schritt.
Meine Freundinnen schauen irritiert dabei zu und bewegen sich automatisch hinter ihm her. Brauchen aber viele kleine Schritte dafür.
„Okay. Also achtet auf die Winkelhalbierenden, dann habt Ihr immer noch eine gute Chance, an einen Ball zu kommen, der entgegen der Laufrichtung gespielt wird.“
Er dreht sich nun wieder ganz zu meinen Freundinnen um. Er lächelt und sucht in ihren Gesichtern nach frischer Erkenntnis.
Diese lächeln höflich zurück. Man sieht, sie wollen ihm nicht das Sportlerherz brechen. Daher verzichten sie darauf, laut auszurufen, was mir gerade in den Sinn kommt: „WAS ZUM HENKER IST EINE WINKELHALBIERENDE? Ist das Mathe hier oder Sport? Hä?“
Stille.
Er liest stumm in ihren Gesichtern, nickt unsicher, atmet hörbar ein, dann stoßweise aus. Die Schultern einen Hauch hängen lassend, sagt er sanft: „Okay. Wir üben dann jetzt besser Aufschläge.“ Sprach's und ging zum Korb mit den Bällen.


Arbeitsthese bewiesen: Tennislehrer sind UNHEIMLICH – wenn sie schlau sind.


In diesem Sinne
Der Angstgegner ist man immer selbst

Redakteur




19. November 2017, 12:24

Zitatetag


Hallo Mädels,


noch mal ein kluges Wort zur bewegungsintensiven Kalorienabarbeitung:

"Annehmbare dialektische Negation des Krieges: Sport."
(Manfred Hinrich)

Kalorien sind Krieg. Immer.


In diesem Sinne
Die, die joggen war...jetzt Sofanotaufnahme

Redakteur




17. November 2017, 08:44

Bambi-Verleihung der Hollywood-Selbsthilfegruppe

Hallo Mädels,

wenn Berlin eins NICHT ist, dann Hollywood.
Warum begreifen das die deutschen Fernsehmacher nicht? Ich glaube auch nicht, dass Bambi-Zuschauer an den Fernsehgeräten, die sonst an diesem Sendeplatz Volksmusik und ähnlich Weichgespültes friedvoll entgegennehmen, das verlangen.

Hollywood ist: Skandal und Busen und Kleider und Geschrei und viel, viel Geld.

Berlin ist: Berlin.

Die deutsche Filmszene ist sehr bodenständig und ansehnlich. Das freut den Krimi-Konsument und den Satire-Sachverständigen. Und Sportschau ist immer top.

Warum muss sich das Fernsehen derart überdimensioniert und artfremd inszenieren? Glitzer drüber und fertig? Nein. Es klappt nicht.
Da ist nämlich dieser distanzierte Unmut und ein mitteleurpäisches Mitschämen, wenn einer sich vor der Kamera zu sehr selber feiert oder einfach nur ein dämliches Kleid anhat.

Der Bambi. Wie man in den Wald ruft, schallt es eben NICHT heraus.
Hallo? Halloooo? Ist das wer?
Stille.
Aber wenn das Burda-Bistro eröffnet hat, scheint es nur noch eine Richtung zu geben: mit viel Glamour nach Hollywood. Da holt man sich notfalls einen österreichischen Gouverneur-Darsteller, der bei seiner Rede aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt werden muss; und der dabei derart glatt geliftet ist, dass er in Amerika nicht auffällt, aber in unseren Breitengerade aussieht wie ein Wachspuppe.
Wenn man Glitzer mit Glamour verwechselt, dann ist das anstrengend.

Natürlich hangelt sich von irgendwo wieder Helene Fischer von der Decke herunter und singt ein Lied mit einem üblich eingängigen Einzeiler: „Spürst du es?“
Da will man spontan zurück brüllen: „...aaaarghhhhhh!“

Der Silbereisen kann nie weit sein, wenn die Fischerhelene süß lächelt, und so muss er eingefroren grinsend ihr schlecht gestriptetes Dankessätzchen: "Für deine Liebe danke ich dir und dafür, dass du mein Zuhause bist." entgegennehmen, während sich die ganze Nation für diese beiden Sahnetörtchen-Tauben nur eins wünscht: Lasst sie aus ihrem goldenen Käfig raus, damit sie sich einmal im Leben richtig laut anpupen können!

Übrigens werden die beiden nie einen Bambi für Schauspielerei bekommen. Warum wohl?

Hugh Hackmann.Großafunahmen. Huuuuuuuuuu, wow! Sexy und hexy und huiii!
Oh, was sind die Burdisten alle froh, dass sie einen Hollywoodmenschen einkaufen konnten. Es ist, als würde man einen schönen Baum pflanzen und meinen, das wird schon bei der richtigen Belichtung wie ein WALD aussehen!
Hilfe!
Im klatschenden Publikum die übliche Prominenz. Ein Gewusel aus: Krimistars, Komödienlegenden und Restverwertern, die man gut kennt. Alle freuen sich etwas zu sehr über den Preis der anderen. Aber so ist das in Berlin.
Hier noch eine Fashion-Schönheit, von der man wenigstens den Namen weiß (denn diese Biester werden ja mittlerweile von Frau Klum in Serie gefertigt). Und dort noch ein Sportler.
Löw, klar. Der ist ja so ein Mittelding zwischen Sport, Schauspieler und Komödie mit viel Glamour und Haaren.
Die Klitschkos, die anders als der faltenlose Schwarzenegger wirklich nicht altern.
Heino Ferch. Selbstverständlich.
Da müsste ich jetzt was zu sagen, aber da fällt mir nichts zu ein. Erstens ist JEDER deutschsprachige Film mit Heino Ferch! Und zweitens ist er ja wirklich gut (wahrscheinlich, denn Konkurrenz gibt es ja nicht).
Ach, Gott, und den Gauck haben wir ja auch noch! Alle spitzen die Ohren und fragen sich, wie nennt man eigentlich den ehemaligen Bundespräsidenten? Ex-Präsi?

Berlin ist nicht Hollywood.
Es ist, als wollten Film-Beamte das Bambi-Business wie eine glitzernde Essensausgabe abwickeln. Es will einfach nicht überspringen, dieser vielbeschworene GLAMOUR.
Das liegt aber weniger an der Performance als an dem Fernsehpublikum. Das professionell vorgeschriebene, abendprogrammtaugliche Sich-selbst-Feiern ist für uns ein bisschen wie gelber Schnee: Das gibt es und ist auch natürlich, aber bloß nicht anfassen!

Dann kommt der Horror:
Das Bedanken.
Nichts ist so UNINSPIRIEREND wie die Danksagerei am Mikrofon. Danke an UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, garniert mit Tränchen für Oma, Opa und Frau, die die Kinder hüten muss (arghhhh!).

Am folgenden Tag wird die Bambi-Veranstaltung SELBSTVERSTÄNDLICH einhellig gelobt.
Schnarch.

Während ich wirklich glaube, dass unsere Presse relativ frei ist (so frei und objektiv, wie der Mensch als Teil seiner Umwelt nun mal ist), weiß ich wie unfrei sie ist beim Lobhudeln für eine Bambi-Berieselung des Burda.
Alle Print-Medien finden es geil. Toll. Glamourös! Schön. Tränenreich. Politisch. Umwelt.

Nächstes Jahr nehmt einfach die Bilder von diesem Mal!
Ferch ist immer. Fischer ist immer. Und der Jogi altert ja eh nicht.



In diesem Sinn
Klopfer

SCHÖNES WOCHENENDE!!!

Redakteur



<< Zurück Seite 3 von 66