angelaochel.de
 

 

 

Der Blog


     


18. Februar 2018, 15:30

Wenn die Erinnerung dein Feind wird


Hallo Mädels,

heute hat mein Ex Geburtstag. Nicht, dass das irgendeine Bedeutung hat für mich, denn ich habe ihn das letzte mal vor 18 Jahren gesehen, aber ich kann mir das Datum unfassbar schlecht aus dem Kopf schlagen.

Ich bin momentan sowieso der unerwarteten Rückkehr in meine Vergangenheit machtlos ausgeliefert. Warum?
Ich erinnere. Ich erinnere mich.
Und das mit solcher Wucht, wie man sie nicht für möglich hält in einem Gefäß das Hirn heißt.

Manchmal kann man seinem Gehirn beim Denken zusehen. Beispiel: Ich suchte den Namen des Künstlers, der das berühmte Gemälde „Goethe in der Campagna“ fabriziert hatte. Ich suchte also den Namen Johann Heinrich Wilhelm TISCHBEIN. Ich dachte aber immerzu an das Bild von Van Gogh, das der von seinem kleinen Schlafzimmer in Arles gemalt hatte.
Warum? Da war mittig ein Tisch zu sehen.

Gut soweit. Also mein Hirn weiß mehr als mein „ich“. Alles okay.
Es gibt demnach nichts, was in unserem Leben geschieht, was wir nicht abspeichern. Ohne Erinnerung ist eine persönliche Identität nicht möglich. Leider.
Ja, leider. Mich quält Erinnerung. Ich leide am Erinnern.

Mit dem „Gedanken machen“, übertreibe ich es ja gerne. Wie oft sagen gerade Männer zu mir: „Mach dir nicht so viele Gedanken!“ oder „Worüber du dir einen Kopf machst! So ein Blödsinn!“
Ich kann damit nicht aufhören, mir Gedanken zu machen. Ich merke mir auch garantiert immer die falschen Sachen. Wie zum Beispiel den Geburtstag meines Ex, oder was ich Dummes mal hier oder da zu diesem oder jenem gesagt habe. Was ich Hirnrissiges getan oder was ich unverzeihlicherweise unterlassen habe.
Meine Erinnerungen sind gnadenlose Quälgeister. Sie tauchen auf, wann es ihnen passt. Sie täuschen vor, verloren gegangen zu sein, aber dann sind sie da. Quälen, schmerzen, lassen mich ratlos zurück.
Ich leide so sehr, dass meine gesamte Gehirnleistung zurück geht. Ich funktioniere nicht mehr. Ich dreh mich im Kreis.

Warum gibt es Erinnerungen überhaupt? Warum kann nicht gestern auch gestern bleiben?
Ich werde doch deswegen kein schlechterer Mensch, nur weil ich vergessen habe, wie schlecht es mir mal ergangen ist! Warum kommen die Erinnerungen so daher, als wären sie nicht ein Teil von mir, sondern mein ärgster Feind?

Und warum wird nicht nur das reine Geschehen abgespeichert? Das war doch schlimm genug! Der körperliche Schmerz!
Warum kommen dazu Schuldgefühle, Hilflosigkeit, Hass, Trauer, Wut.
Warum lassen mich diese Gedanken nicht in Ruhe, seit die fragliche Situation vorbei ist!

Eine Erinnerung ist eine Wiederbelebung von etwas längst Vergangenem. Ja, Scheiße, denn ich bin leider in der Lage durch mein eidetisches Gedächtnis, mir ziemlich viel ziemlich detailreich wiederzubeleben.
Zum Beispiel das Aussehen von Personen, die mir wichtig sind. Gott sei es gedankt, dass diese Leute gar nicht wissen, wie genau ich sie im Gedächtnis behalte. Ich sehe sie manchmal gar nicht lange an und sie denken vielleicht: „Na, heute hat Angie mich aber nicht richtig angesehen.“ Falsch. Ich weiß was sie anhatten – von oben bis unten -, wie sie gerochen haben, welchen Stift sie benutzten, welches Getränk sie tranken und was sie gesagt haben. Ich taube Nuss kann ihre Stimme so gut im Hirn reproduzieren, dass ich ihnen sogar andere Worte in den Mund legen und sie mit der richtigen „Synchronstimme“ abspielen könnte.
Warum kann ich das? Was für einen Nutzen hat meine Seele davon?
Wissen andere Menschen eigentlich, wie gesund ihre Vergesslichkeit ist?

Sport. Die Rettung heißt Sport. So viel und so lange bis der ganze Körper brennt und die Fettpölsterchen leise wimmern. Und dann schlafen.
Aber nein. Schlaf und Erinnerungen? Das ist das Duo Infernale. Entweder Erinnerung und kein Schlaf oder im Schlaf alle Erinnerungen auf einmal.

Ich habe vor einigen Jahren ein paar Gespräche mit Menschen geführt, die sich mit so was auskennen und man empfahl mir die Technik des Gedankenstopps.
Ja, ich weiß, es klingt doof und ich hätte mal die Hände davon lassen sollen, denn es IST auch doof.
Es geht so. Man lässt die schlimmen Erinnerungen zu und sorgt dann mit einem äußeren Reiz (z.B. laut „Stopp!“ rufen) dafür, dass man sich selbst aus dem Zustand „erweckt“. Etwas Seltendämlicheres hab ich nun wirklich nie mehr wieder gehört.

….höchstens noch die Sache mit der ozeanischen Selbstentgrenzung….

Also es kam, wie es kommen musste. Ich „erlernte“ die Technik und sie erweckte mich natürlich KEIN BISSCHEN. Stattdessen hab ich an einer Fußgängerampel gestanden, als meine Gedanken mich nicht in Ruhe ließen. Da rief ich laut „Stopp“ (und hab die Fäuste geballt) und alle blieben auf der Straße stehen und guckten mich merkwürdig an.
Super.
Ich bin also momentan nicht nur „Lost in Erinnerung“, ich bin auch noch ein rumlaufender Psychopath. Gut dass ich mir nicht antrainiert habe, laut „Peng!“ zu rufen.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit hat einer meiner Lieblingsschriftsteller Marcel Proust geschrieben. Ich liebe es. Aber mein Leben ist nicht poetisch. Es ist sinnloses Zermartern des Hirns. Welchen Wert soll das haben? Was bringt mir das? Warum gibt es keine Entfernen-Taste dafür?

Ja, mag sein: Könnten wir nicht erinnern, gäbe es keinen Sinn für Vergangenheit. Und wäre alles Gegenwart, hätte wir kein Gefühl für Zukunft.
“Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken”, sagte schon Marc Aurel.
Ist mein Leben also nur eine Qual? Und für wen außerdem als nur für mich? Und ist meine Fähigkeit dieser intensiven Erinnerung nicht die beste Voraussetzung eine brillante Schriftstellerin zu sein?

Was aber, wenn ich lieber vergessen und schweigen würde als erinnern und schreiben?


Bei meinem nächsten Erinnerungsstopp werde ich rufen:
„Hug me!“



In diesem Sinne
Das Reminiszenzchen

Redakteur




13. Februar 2018, 13:28

Fast Nacht


Hallo Mädels,

und da ist er schon wieder! Fastnacht. Der Fasching. Um mich herum Feindesland. Hessen.
Ich habe davon keine Ahnung. Weder von Hessen noch von Karneval.
Ich komme ja, wie Ihr Lieben wisst, aus einem protestantischen Teil Ostwestfalens und kann mit derlei Verkleidungsfreuden nicht viel anfangen. So bin ich natürlich jedes Jahr wieder von Neuem völlig komplett überfordert.

Wir Ostwestfalen kennen Karneval oder Fastnacht GAR NICHT.
Wir sind gezwungen immer albern zu sein. Nur lassen wir das mit der Verkleidung dabei gleich weg.

Hilfe! Alaaf!

Es handelt sich hierbei ganz klar - wie fast alles in unserer zivilen Welt – um Prägung.

Gleich nachdem der moderne Mensch auf die Idee kam, die Menschheit in Mann (als einfach nur der Herrscher über das Ganze) und Frau (als beseelte Hüterin der Kinder und des Feuers und zuständig dafür, dass alles läuft, wie Mann das will) einzuteilen, hat man auch die Sache mit dem Karneval erfunden.
Das eine so sinnfrei wie das andere.

Karneval. Es ist bestimmt lustig. Ganz bestimmt.
Aber nicht bei mir.
Lasst mich einfach dabei raus!

Was also ist das, was Karneval, Fastnacht, Fasnacht, Fasching, Fastelovend, Fasteleer oder dusseliger Weise 5. Jahreszeit genannt wird? Und bei dem es Brauchtum ist, die Zeit vor der sechswöchigen Fastnacht so zu feiern, dass man die sechs Wochen komplett zum Ausnüchtern benötigt, bis man an Ostern die erste Likörpraline wieder vertragen kann?

Ganz ehrlich.
Für mich ist das DAS Streichergebnis des Jahres!

Was soll das eigentlich?
Man MUSS sich offenbar von Donnerstag bis Dienstag bis zur Besinnungslosigkeit besaufen und man MUSS an Karneval ALLES lustig finden. Als ob das nicht schwierig genug wäre, MUSS man sich auch noch ein lustiges Kostüm zwängen, setzt sich in eine miefige Mehrzweckhalle und tut so, als wäre der vorgetragene Blödsinn, die politischen Witze, Pointen und Lieder das Lustigste seit der Ernennung von Martin Schulz als Messias der SPDler.
Man schunkelt, man lacht, man schmunzelt und grölt gelegentlich irgend einen regionstypischen Karnevalsgruß.

Welchen frustrierten Alltag muss man eigentlich haben, um noch unterhalb der geistigen Nebelschlussleuchte durchzupassen und das als Spaß zu empfinden? Wie wenig Humor kann man haben, um über fünf Minuten abgedroschene Gags der letzten Legislaturperiode zu kichern – und das jedes Jahr aufs neue? Was ist da im Hirn falsch verlötet?
Auch im Fernsehen.
Wo vorher Volksmusik lief, läuft jetzt Volksgereime und Volkstätää.
Statt Helene Fischer steht da einer mit Parücke auf der Bühne (hinter ihm ein Orchester mit besagtem Tätäätätääää) und redet gereimt in einem Dialekt, der auch so schon nicht komisch ist.

Ich mag es nicht.
Aber.
Ich mag Humor.
Und ich mag es, wenn man sich selbst nicht ernst nimmt.
Aber.
Das hier ist FURCHTEINFLÖSSEND!

Bitte macht, dass es morgen alles vorbei ist!


In diesem Sinne
Aschermittwoch

Redakteur




07. Februar 2018, 07:46

Nachtrag zu gestern


Hallo Mädels,

was ich zu gestern noch mal sagen wollte.

"Viel Kälte ist unter den Menschen,
weil wir es nicht wagen,
uns so herzlich zu geben,
wie wir sind."

sagte schon Albert Schweitzer
(1875 - 1965), deutsch-französischer Arzt, Friedensnobelpreis 1952


Und der musste es wissen, der war schlau.


In diesem Sinne
Herzchen

Redakteur




06. Februar 2018, 10:20

Mein Lieber!

Hallo Mädels,

der Wiener Zivilrechtler Professor Johann Schima war ein Mann von ausgeprägtem Pflichtbewusstsein, der es aber stets eilig hatte. So kam es, dass er eines Tages eine Assistentin mit den Worten begrüßte: "Guten Morgen! Leider habe ich keine Zeit Sie zu fragen, wie es Ihnen geht!"

Diese kleine Anekdote finde ich durchaus bedeutsam. Eigentlich sind Begrüßungen doch nichts, nicht wahr? Unnütz! Lästig!
Und wenn wir uns doch durchringen können, uns nach dem Befinden zu erkundigen, wollen wir keine störende Darlegung der psychischen wie physischen Animositäten des so Angesprochenen hören. Wir wollen „Danke gut“ hören.

Mein Beruf bringt es mit sich, originell kommunikativ zu sein. Und ich bin es gerne. Von meinem Vater habe ich mir seine Art der Höflichkeiten angeeignet, was erklärt, warum ich auch als Frau aufstehe, wenn mir jemand die Hand geben möchte. Ich halte das insgesamt für eine gute Idee. Diese Aufmerksamkeit dem gegenüber, der sich die Mühe macht, zur Schau zu stellen, dass er mich begrüßen will und somit mich kennen will.
Auch am Anfang einer WhatsApp-Nachricht! Menschen, die ich gerne mag, zeige ich das mit einer besonderen Anrede. Manchmal schicke ich meiner Freundin schnell ein Emoji. Ohne zu erwarten, dass sie das beantwortet. Sie soll nur spüren, da hat jemand „Hi“ gesagt. Ich bin da!

Ich gehe ja gerne mal joggen. Auch wenn ich zuweilen kaum Luft dabei bekomme, so grüße ich doch alle, die uns auf dieser Strecke begegnen. Leute mit und ohne Hund, Postboten, Landwirte. Alle werden gegrüßt. Ich mag das. Ich mag es, die Leute anzusprechen und zu erleben, wie sie darauf reagieren.
Und wie tun sie es?
Sie sind alle (ja, alle) sehr, sehr freundlich. Geradezu fröhlich, dass man sie ansprach.

Wie kommt es also, dass die Begrüßungen und Höflichkeiten in unserer Zeit so abnehmen? Warum sagt man nichts mehr? Zeigt nicht, dass man den anderen wahrnimmt.
Hilft, grüßt, lächelt?
Es ist doch offensichtlich, dass die Leute es gerne haben! Ja, brauchen! Fehlt allerorts einfach der Mut? Weil man nicht weiß, ob der Gruß erwidert wird? Hilfe! Dann hätte man ja quasi UMSONST gegrüßt? Ist es das? Angst, etwas nicht ZURÜCKGEZAHLT zu bekommen?

Ich wünschte, mir könnte das einer beantworten.
Gerade letztens ergab es sich, dass ich nicht gegrüßt habe. Ich war kurzzeitig dazu nicht imstande, denn ich umrundete ein kniffliges Schlammloch. Und was geschah? Offenbar hatte meine Begrüßungsorgie all die Samstag hindurch gewirkt, denn man hat MICH gegrüßt.
Und das war wunderbar. Ist das nicht schön? Demnach kann man Grüße pflanzen wie kleine Bäume, die dann zaghaft Früchte tragen.
Das ist schön.

Hello

I've just got to let you know
Cause I wonder where you are and I wonder what you do
Are you somewhere feeling lonely? Or is someone loving you?
Tell me how to win your heart, for I haven't got a clue
But let me start by saying I love you.

(Lionel Richie, 1983)



In diesem Sinn
Hi!

Redakteur




03. Februar 2018, 11:32

Müll. Die Abfallfibel für 2018 - Hirn ist Sondermüll!


Hallo Mädels,

wenn man so einen vollen Mülleimer vor der entrüsteten Nase hat, dann wünscht man sich eine Gebrauchsanweisung, worin einigermaßen verständlich gemacht wird, was man so ökomäßig zu beachten hat und wie man den Müll auch endlich mal los wird.

Früher dachte ich kleine Friedens-Uschi, Müllwegbringen sei Männerarbeit! Aber da sich mein Gatte bei diesem Thema immer sofort an seine hohe Stirn tippt, fürchte ich, er will mir sagen, dass ihn das geistig überfordert.
Also kümmere ich mich auch darum. Wir haben ein kleines Müllhäuschen vor dem Haus und da stehen vier Tonnen drin. Farblich sortiert.
Das ist doch schon mal hochherrschaftlich!
Mir zur Seite steht die ABFALLFIBEL der Stadt Mühlheim am Main . Schön in rot. Mit Puths Gans drauf.
So was Chices!

Mithelfen
Umwelt
Maßnahme
Kompost

Alle Ms stehen verdickt untereinander, weil wir doch M ühlhei M a M M ain sind.
M wie Müll.

Die Fibel kommt auf stattliche 8 Seiten (nicht nummeriert), und in der Mitte ist ein buntes Sammelposter zum Rausnehmen. Vorne auf der Fibel verspricht man uns alle Informationen und Termine zur Müllentsorgung und dazu zwei fraternisierende graue Mülltonne, die ein "Sauberhaftes Mühlheim" ankündigen.

Schlägt man das Fibelchen nun - beseelt von Sauberkeit und Ordnung - auf, prangt dort ein Farbfoto von unserem Bürgermeister. Mancher mag ja meinen, der sei in einer Abfallfibel gut aufgehoben, aber da schüttele ich nur den Kopf und meine: Nanana!
Schließlich informiert er uns in einfachen Worten über unsere guten Bürger-Leistungen im Mülltrennungssektor und damit einhergehenden rückläufigen Entsorgungskosten.
Auch weist er nahezu enthusiastisch auf eine lustige App hin.

„MyMüll.de“

Der Fortschritt in Cyber-Tüten! Ich bin begeistert!
Ich blättere weiter und mein Blick fällt auf „Sammlung von Weihnachtsbäumen“, werde aber gleich enttäuscht. Da ist nicht etwa ein neues Museum in Planung, mit allen Weihnachtsbäumen seit der olle Albert in England mit diesem baumfeindlichen Brauch begann, sondern das ist nur der Hinweis, wie man das ausgenadelte Dekozeug los wird.

„Gans Bio“ – verspricht die kleine Gans-Karikatur von Puth und macht mich sogleich wieder froh.

Dann diverse Beiträge über das Müll ABC.
Ich hab Müll immer mit M buchstabiert, aber man lernt ja nie aus!
Aha. Ich lese und habe sogleich diverse olfaktorische Erlebnisse. Das gehört hierhin und das dorthin.
Und dann auch (ganz wichtig!) Notfallnummer – ich vermute die Notfallnummern sind für die, die am Abfalltermin keinen Müll zur Hand haben und sich flugs informieren, wo es noch welchen gibt.
Müll ist ja so unendlich überwachungsintensiv heutzutage. Da wird bei uns gerne mal geguckt, ob der Deckel noch zugeht, wenn nicht, wird die Tonne NICHT geleert. Nicht, dass das Sinn ergibt, aber dann schaut man schnell mal wieder in die Fibel und sieht das Bild vom Bürgermeister, und dann ist alles wieder gut.

Was es doch alle für Müll gibt! Rest. Altkleider. Bio (ich vermute Neubio?). Altglas. Altpapier. Leichtfraktion. Sperr.
Müll ist eklig, und Müll ist schwierig. Auch mit Fibel.
Ich sehe allerlei gute Ideen, auch eine Verschenk- und Tauschbörse, um Sachen, die noch funktionieren, an Leute, die sie brauchen, abzugeben (Lob!).
Was ich mir allerdings dringend wünsche, wäre der Hinweis, dass man beim Verbringen des Müllgutes in die vorgesehene Tonne (in den ansprechenden Farben: Gelb, Blau, Braun oder Grau) mal den eigenen Kopf vorher von allerlei Gedankenmüll reinigt und
KONZENTRIERT DEN EIGENEN MÜLL IN DIE RICHTIGE TONNE GIBT. (oder zumindest beim Wegschmeißen irgendeine Tonne trifft!)
Und was gaaanz wichtig ist (aber offenbar ein paar schlicht strukturierte Müllfabrikanten komplett überfordert…):

Vor dem Verbringen in die Papiermülltonne leere Kartons KLEIN GEFALTET!!!!!!!!!

Wie blöd muss man eigentlich sein?
Na ja. Da kann ja die Fibel nix für, die kommt erst nächstes Jahr ins Altpapier. Aber schön wären doch vorne drauf neben der Gans von Puth die Worte: KAUFT NICHT SO VIEL MÜLL, DEN IHR DANN DOCH NUR WEGWERFT! SONST HAU ICH EUCH IN DEN RESTMÜLL, IHR DUMMEN KÜHE!!!



Ach, so eine Fibel ist doch was Friedliches, oder?


In diesem Sinne
Das Wertstofftier

Redakteur




02. Februar 2018, 09:28

Zeugnis

Hallo Mädels,

wer kennt das nicht. Dieses merkwürdige unbestimmte Panikgefühl im Bauch, wenn man Zensuren bekommt. In der Arbeit. In der Schule. Beim Sport.

Es ist eine Mischung aus Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, gepaart mit ganz viel Hilflosigkeit. Da ist jemand, der darf über mich urteilen.
Wahrscheinlich ist der Mensch für sowas gar nicht gemacht? Der Mensch, der Homo sapiens, das alte steinzeitliche Steppentier! Was soll der mit Zeugnissen?
Aber aus irgendeinem Grunde ist unsere Zivilisation genauso aufgebaut.
Zensuren machen jemanden bemessbar, berechenbar.
Und wenn wir einander kein Gütesiegel aufstempeln können, geht es nicht, oder wie?

Heute kommen meine Jungs mit Zeugnissen nach Hause.

Und was werde ich tun? Ignorieren? Loben? Tadeln? Sagen, dass ich auch nicht besser war?

ABER....

Wir Eltern wissen es eigentlich viel besser, aber ohne dieses Panik-ABER kommen wir auch nicht aus.

Aber später im Beruf.
Aber wie ist es mit dem Studieren?
Aber was soll aus dem Jungen werden?

Oh, Mist.
Hilflosigkeit aller Orten. Dabei sind meine Jungs alles andere als blöd. Ach, stimmt. Dann einfach mal grinsen.

Hier ein Zitat:
Zeugnisse sind Testate über das Vermögen der Lehrer, die nachweisen, was sie welchem Schüler nicht beizubringen vermochten.
(Christa Schyboll)


In diesem Sinne
Die Fehlstunde

Redakteur




30. Januar 2018, 09:48

Alles Politik, alles Leben, alles Scheiß

Hallo Mädels,

es ist wohl nicht übertrieben, wenn ich sage, im Januar ist nie viel los. Nie. Wir befinden uns in einer kalendarischen Loose-loose-Situation, in der sich eigentlich nur Leute befinden, die ich nicht kennen mag, aber die sich uns medial immerzu aufdrängen.

Im Fernsehen langweilt man uns zu Tode mit krisengeschüttelten Staaten. Früher machte mir das noch Angst, wenn im Fernsehen der Nachrichtensprecher mit Verve verkündet, dass ein Staatsbankrott, eine klimatechnische Totalverwüstung oder eine Raketenschlacht mit koreanischen Diktatoren unmittelbar bevorsteht. Wenn Menschen sterben oder bald sterben werden, obwohl das weder sein muss, noch erlaubt ist.
Der desillusioniert wirkende Nachrichtensprecher gibt sich nicht mal mehr den Hauch von Mühe, uns ENGAGIERT in Panik zu versetzen. Selbst die Tagesschau hat uns Fernsehzuschauer aufgegeben. Es ist nichts los, was uns noch berührt. Wir sind unberührbar geworden.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Das ist eine durchaus sinnhafte Überlebensstrategie und in den meisten Fällen tatsächlich eine Erleichterung. Diese evolutionär erarbeitete Gewohnheit ist es, die uns Menschen zu geeigneter Zeit die Fernbedienung schnappen und umschalten lässt, wenn in den Nachrichten zu oft die Worte Donald, Trump, Putin, Korea oder einfach nur Automobilindustrie fallen gelassen werden.

Sind wir nicht schon froh, wenn unsere internationalen Horrorlieblinge mal nicht im Fernsehen erscheinen? Wir erwarten ja kein anständiges Verhalten mehr. Wir erwarten lediglich deren Nichterscheinen.
Wann genau hab ich eigentlich das letzte Mal gelacht?
Hm. Wahrscheinlich nur aus Sarkasmus.
Mit Mühe haben wir ein paar Skandale ins Hirn geredet bekommen, die allerdings nur als solche bezeichnet werden, weil echt überhaupt keiner mehr sich „skandaliert“ fühlt. Sprich, es INTERESSIERT NICHT, ja es ENTTÄUSCHT uns nicht mal mehr!

Wir regen uns nicht auf, wenn man uns vergiften will.
Wir regen uns nicht auf, wenn der Sport, den wir sehen nur ein chemischer Wettstreit geworden ist.
Wir regen uns nicht auf, wenn zwei wild gewordene Riesenbabys über unsere Köpfe hinweg mit Krieg drohen.

Mitleid? Ach, ja doch, hab ich. All jenen sei mein Mitleid ausgedrückt, die sich zu Weihnachten wegen der WM noch schnell einen Flachbildschirm in Größe einer Stadionanzeigentafel zugelegt haben und dann um 20 Uhr den us-präsidialen Haarverwerter lebensgroß anschauen müssen.
Wie schrecklich ist das denn? Das will man doch nicht!
Während wir also im Fernsehen, online oder papierline mit dem Me-too-Grinsen eines zu oft abgelichteten unfotogenen Regierungsversuch belästigt werden, warten wir auf etwas, das unsere Leidenschaft zu entfachen versteht?
Ja! Da war doch was?

Olympia, Doping und Heidi Klum.

Oh, nein.
Was für NICHTMELDUNGEN!
Ach! Und das bereits von mir bearbeitete Dschungelcamp und bald gibt es ja noch den EU - Song Contest.

Und in der Politik?
Haben wir eine Regierung? Nein, wozu auch, geht doch auch so.
Nein. In den Nachrichtensendungen gibt es keine Eilmitteilungen. Die Fußball-Weltmeisterschaft ist einfach noch einen Tacken zu weit weg, um uns täglich mit neuen Schal-Kreationen von Chefstylist Löw zu erfreuen. Also hüpfen wir informell von Messerattacken, die täglich üblichen Elendsfotos und dann wieder zurück zum CDU-SPD-Gezacker. Ab und zu bemüht sich die Tagesschau, mit bebilderten Berichten von Bombenexplosionen der dreckigen Welt ein farbigeres Gesicht zu geben.

Was für ein Scheiß.
Vielleicht – ganz vielleicht sollte man doch mal überlegen, das Leben SELBST zu gestalten. Und wenn es nur das eigene ist...und das der Menschen, die einem wichtig sind.



In diesem Sinne
Ja-Noir

Redakteur




29. Januar 2018, 10:22

Zitatetag

Hallo Mädels,

der Januar ist fast um, und wir fragen uns zu Recht: Hä?
Und dazu ist auch noch Montag.
So einer von den Montagen, die man so gar nicht braucht: Grau, windig, zu viel Wäsche im Wäschekorb.

Da ich schlau sein will, aber nicht kann, hier ein Zitat:

"Die Tatsache, das Wichtige vom Montag am Mittwoch für nichtig zu erklären,
deutet nicht zwangsläufig auf eine sprunghafte Natur,
sondern auf die geniale Fähigkeit schneller Erkenntnis,
die spontan alle Prioritäten verschieben lässt."

(ruhig zweimal lesen, dann klappt es mit dem Verstehen - es ist ja Montag, da dauert das)


In diesem Sinn
Montagsgesicht

Redakteur




22. Januar 2018, 15:58

Das Dschungelcamp

Hallo Mädels,

die Frage hatte sich mir bislang nicht gestellt. Die Frage nach dem Dschungelcamp. Was das ist, und warum man das schaut.
Aber nun muss ich es fragen: Warum guckt man das Dschungelcamp?

Das Fernsehformat mit dem offenbar mental verstorbenen Titel ICH BIN EIN STAR - HOLT MICH HIER RAUS wurde dereinst billig irgendwo geklaut, um einfach nur Geld zu machen. Nur Geld. Nix weiter. Aber da hätte wahrscheinlich jeder Kabelträgerpraktikant mit Hang zu Kettensägenmassakern drauf kommen können.

DSCHUNGELCAMP wie es im tamponös aufgeschäumten Volksmund auch heißt, geht so: Zwölf offenbar grenzdebile, nach Aufmerksamkeit heischende Personen, die in der Regel irgendwann im Fernsehen vermutlich durch Lautstärke aufgefallen sind, leben zwei Wochen lang in einem sogenannten Dschungelcamp.
Wo? Zumindest nicht bei Verstand. Sondern im schönen Australien.
Alles läuft unter ständiger Beobachtung durch Fernsehkameras. Ziel der Teilnehmer ist es, die Gunst der Zuschauer zu gewinnen und so lange wie möglich im Camp zu bleiben.
Das Highlight scheinen die Ekelprüfungen zu sein, die man ab und zu beim Internetlesen als Fotos bestaunen kann. Da werden dann unfassbar widerliche Dinge gegessen oder sich ins Gesicht, das nur noch einer verbauten Landschaft gleicht, schaufeln lassen. In keinem Tierpark findet man Blöderes.
Das ist alles. Ich will es nicht wirklich Konzept nennen, aber es funktioniert.

Knapp 8 (acht!!!) Mio. (Millionen!!!) Menschen haben bislang 11 (elf) Finale degoutant verkostet. Was bedeutet das für unsere Zivilisation? Für Menschen mit einer kulturellen Identität? Nichts. Für die Fernsehmacher bedeutet es schlicht, dass eben 8 Mio. Leute ihr überwältigendes Bedürfnis nach Schadenfreude und Sadismus bei RTL befriedigen. Mit Werbeunterbrechungen versteht sich.

Zweifel an der ethischen wie ästhetischen Brillanz dieser Sendungen stellen sich nie, denn wer das anschaut, dessen Hirn schaltet aus Gründen der geistigen Gesundheit bereits nach einer halben Sekunde 92 Prozent seines Arbeitsplatzes ab. Blindflug. Low Performer im Übermaß.

Oh, Himmel, lass es ARTE regnen im Wald!

Gehirne sind was Tolles. Es wäre sooo schön, wenn jeder sie gebrauchen würde. Aber wer das hier schaut, denkt nicht. Der glotzt nur. Das, was da jetzt bei diesen Leuten vor Ort und an den Empfangsgeräten im Hirn passiert, würde mindestens 10 Schülern das Abitur versauen.
Ekel, gepaart mit Ego-Migräne (zwischen tropischen Pflanzen) sowie hanebüchene Dialoge (die ein Facharzt für Spekulationsdiagnostik als ansehnliche Sprachverfehlung durchgehen lassen würde) machen das Gesendete zu einem Hit. Ein fanatischer Glaube an ein Konzept muss gefühlsfremde Menschen zudem dazu bringen, sich handyaktiv an dieser Sendung zu beteiligen.
Alle Zuschauer und Akteure scheinen in ihrer Schadenfreude irgendwie sozial fehlgeleitet und damit eine merkwürdige Komplizenschaft zu bilden. Aber das Erschreckendste ist, das das Format wirklich, wirklich funktioniert.

Erwähnte ich das schon?
Ja, offenbar beginnt mein Hirn schon mit der Abschaltung…

Geistig komplett unbemannt, fährt das Flaggschiff von RTL durch das Abendprogramm. Obsession besiegt Depression. Aus den Missgeschicken dieser defizitär Begabten das Maximum an Demütigung rausholen. Das haben sie voll drauf.

- Abschaltung vorbereitet -

Nein, ein Sinn dieser Aktionen im Camp ist nicht erkennbar. Es ist eine Herausforderung schon alleine darüber einen Text zu schreiben, denn das alles ist so unfassbar geistlos, dass dieser Text nun einfach…

...endet.



In diesem Sinne
Die Unfugsvermutung

Redakteur




20. Januar 2018, 10:28

Sexualkunde. Das Ende der Unschuld.

Hallo Mädels,

von wegen Penisneid!
Aber alles von vorne... Also, ähem, von Anfang an:

Es ist immer schön, wenn man mal aus seinem Erfahrungsschatz reden kann. Ich mag es, wenn Mütter mit kleineren Kindern mich um Rat fragen.
Letztens kamen wir Mütter allerdings auf diese eine Erfahrung zu sprechen, die wir zu durchleben gezwungen sind, die wir aber gerne als Streichergebnis betrachten würden.

Richtig.
Sexualkunde.

Da denkt man von sich: Oh, was bin ich für eine supersuper aufgeklärte Mutter! Und dann kommt der eigene Sohn, legt die Sachkundemappe vor und sagt: "Kannste mal abfragen, ich schreibe eine Arbeit."

Ich erinnere mich noch genau, wie das bei uns zuhause ablief. Vor mehr als vier Jahren.
Da stand ich nun. Mit meinem bisschen Lockerheit. Gleich vorne in der Mappe meines Sohnes ein riesiges Schaubild von einem Dödel.

Folgender Dialog entspannte sich (eher unentspannt)

"Das heißt nicht Dödel, das ist das Glied oder der Penis. Hab ich, Du nicht, Mama", werde ich locker in Kenntnis gesetzt. Ich richte mich stocksteif in meinen Sessel auf. Ich spüre spontan den Drang, eine Reise in die Tropen anzutreten, weit, weit weg.
Da ist es nun. Das Ende der Unschuld. Plötzlich bekommen auch die einfachsten Formulierungen diesen bösen Anstrich.

Supersuper aufgeklärte Mutter (Ich): "Dann schieß mal, ne, äh, also dann fang mal, äh, ne, besser noch nicht, äh, sag mal was." Ich wieder. Miss Lockerheit 2000.
Mein Sohn rattert alles runter, was in dem Schaubild angezeigt ist. Ich muss nicht eingreifen --- äh --- also nicht wörtlich und nicht, äh, gar nicht.

Supersuper aufgeklärte Mutter: "Toll. Das kannst du also, sehr schön." Ich will ihm die Mappe schnell wiedergeben. Er nimmt sie, aber statt mich aus der Nummer, äh ne, aus der Verantwortung rauszulassen, blättert er zu einem weiteren Diagramm. Er seufzt schwer. Eierstöcke und so. Mutterpass-Erinnerungen kommen hoch.

Er: "Also bei euch Frauen ist das ganz schön viel und kompliziert. Guck mal, der Gebärmutterhals ist UNTEN!"
Der Bruder kommt herbei und betrachtet nun interessiert das Schaubild und den Ausgang, den er erstvor wenigen Jahren nahm.
Kleiner: "Was'n das?"
"Frauen", winkt sein großer Bruder ab.
Er sagt nun alles Sachkundetaugliches auf, und ich blättere hastig weiter in der Mappe. Ich bemühe mich, die Lernübung zu einem Abschluss zu bringen.
Peinliche Pause.
Supersuper aufgeklärte Mutter: "So, dann sag mir nur noch eins, dann bist du fertig und kannst auf den Bolzplatz gehen." (Ja, und bleibst hoffentlich noch lange ein fröhlicher, kleiner unschuldiger Junge!). "Also was bekommen die Frauen jeden Monat?"
(ich meinte Menstruation)
Er: "Ach das."

Supersuper aufgeklärte Mutter: "Jepp."

Er: "Das mit den Wattedingern?"

Supersuper aufgeklärte Mutter: "Jepp."

Er: "Ach, das hat so einen komischen Namen."

Supersuper aufgeklärte Mutter: "Jepp."

Er: "Ach", er wirft erleichtert seinen süßen Bubenkopf in den Nacken, "jetzt weiß ich, was du meinst: Monsteraktion." Damit ist es erreicht. Das Zeitalter der Aufklärung.




Mythos Frau – das unbekannte Monster.



In diesem Sinne
Frau Leibniz, rationalistische Universalgelehrte der Frühaufklärung

Redakteur



Seite 1 von 67