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Der Blog


     


24. November 2017, 09:04

Sprache als Sport

Hallo Mädels,


wenn Sport und Sprache zusammen kommen, entsteht für meine schwachen Ohren immer ein heftiger Kurzschluss. Es ist, als wollte die Welt klar stellen:

Körper und Geist gehören nicht zusammen!

Aus gegebenem Anlass überlege ich, warum wir uns so schwer tun mit guter Kommunikation. Ein klares, gutes Wort am rechten Platz ersetzt so manches Pflaster, umgeht einen unerquicklichen Streit, tröstet den Traurigen, hilft einer Gemeinschaft und macht viel Spaß mit uns.
Wir haben unfassbar komplexe Kommunikationsmöglichkeiten! – der eigene Mund mal gar nicht mitgerechnet.
Warum nutzen wir sie nicht – oder wenn wir es aus Versehen doch mal nutzen - warum fallen wir damit so schnell auf die Fresse?

Sprache ist so was Wunderbares! Hach, herrlich…

Gut. Sport auch.

Warum finden diese beiden nicht so recht zusammen?

Mein Steckenpferd ist ja die Paläolinguistik.
Sicher, man kann sich den Tag auch anders versauen (zum Beispiel mit Sondierungsgesprächen oder Videobeweisen), aber es ist so wunderbar, sich vorzustellen, wie Sprache entstand! Die Rekonstruktion der indogermanischen Ursprache birgt so viele kleine Schätze. Herrlich.

Leider kann ich mich nur mit wenigen Menschen darüber erschöpfend austauschen, da meine Gesprächspartner in der Regel nach drei Sekunden darüber einschlafen.

Aber wenn ich diesen humansprachlichen Gedankenansatz mal zur Seite wischen, frage ich mich echt, warum die Menschheit und die Evolution sich DERART Mühe gemacht haben, Sprache zu entwickeln, wenn der Mensch davon nur Gebrauch macht, um sich FALSCH ZU VERSTEHEN.

Ihr seht, es wird kompliziert!
Denkt nur an die unzähligen Fälle, die wir Tag für Tag erleben, wenn das Gesagte und das Gemeinte sowohl beim Sender als auch Empfänger plötzlich gemein wird...
Hilfe!

Am liebsten möchte ich die Hälfte der Menschheit mal in den Arm nehmen und sagen: „Mäuschen, jetzt beschränke dich doch erst mal auf die Worte, die wirklich gesagt wurden! Nur Klares ist Wahres.“

Da lob ich mir den Sport.
Fußball. Klare Regeln, klares Feindbild.
Oder Tennis. Schläger, Ball, Netz, Winkelhalbierende...ach nee, das ging ins Aus.

Hm. Sollten wir das Sprechen etwa wieder aufgeben? Zeigt unsere socialMedia-Welt nicht allzu deutlich, dass wir dem nicht gewachsen sind?

Ich will Sprache! Ich will, ich will, ich will!
Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht gut hören kann. Ich muss die Menschen genau ansehen, wenn sie sprechen, um Teile des Gesagten (falls akustisch nicht verstanden) notfalls zu überbrücken.

Ein Körper lügt weniger als ein Wort.

Einfach mal die Fresse halten, denke ich so oft!
Schon alleine das Abschaffen von Kommentatoren bei Fußball-Länderspielen würde mir persönlich sehr helfen!!! Bis auf den Satz: „Rahn schießt! Tor, Tor, Tor!“ hab ich noch keinen zweiten Satz gehört von diesen Sprachjongleuren, der irgendeinen Sinn ergab!!!
Lassen wir das…

Aber dennoch:
Schatz, wir müssen reden! Immer. Ganz viel.

Tja.
Bleibt eine Frage übrig:

Sport und Sprache - Wie bringen wir das zusammen?

Es ist ein bisschen so wie bei Mann und Frau.
Hübsch, wenn es passt.
Aber besser, wir lassen die Finger davon...





In diesem Sinn
Der taube Sprachschatz

Redakteur




22. November 2017, 08:54

Kluges aus dem Land der Zitate

Hallo Mädels,

irgendwie ist bei diesem Wetter alles mühsam und alles irgendwie ein zäher Kampf, ein Ringen mit den Elementarkräften der Zivilgesellschaft.
Man kämpft mit dem Verständnis für Politiker, man kämpft mit dem eigenen Nachwuchs um den Sinn und Unsinn von Hausaufgaben. Selbst in der Freizeit geht es oft und viel um Gewinnen, ums Siegen.
Ist das genetisch so in uns verankert?
Müssen wir Siegen, weil unser Urtrieb uns einflüstert: Nur wer siegt, bleibt?

Aber welchen Sinn hat Siegen und Gewinnen, wenn wir in unserer heutigen Zeit gar nicht mehr wissen, WANN wir gewonnen haben. WANN wir fertig sind mit dem Kampf. WANN wir sagen können: hey, jetzt geht es mir gut!

Haben wir uns im Siegeswillen verheddert?

Immer mehr von: Mein Haus, mein Auto, mein Urlaub?
Kann nicht sein. Dafür sehe ich zu viele unfrohe Gesichter ganz in meiner Nähe, die reichlich davon haben und nicht glücklich sind.

Jeannette Rankin sagte mal:

"Man kann einen Krieg genauso wenig gewinnen wie ein Erdbeben."


Offenbar kann man auch das Leben nicht einfach gewinnen. Man sollte es dann schon noch wirklich leben.


In diesem Sinne
Die zufriedene Verliererin

Redakteur




20. November 2017, 10:40

Die Winkelhalbierende oder warum Tennislehrer unheimlich sind

Hallo Mädels,

ich will gleich alle alternativen Fakten auf den Tisch werfen: „Tennislehrer sind hübsch aber blöd.“ Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse halten aber dagegen.
Neue Arbeitsthese: „Tennislehrer sind unheimlich.“

Grundsätzlich gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als zuzuhören, wenn jemand versucht, auf Mittelstufenniveau den sprachlichen Taktik-Ästheten zu geben. Also so was Kompliziertes wie Leidenschaft, Heulsusigkeit und absoluten Siegeswillen mit Hang zur Blutgrätsche in Worte zu fassen. Den hochgezüchteten Vollpfosten Synergien, Spiel-Finesse, Antizipieren und Imaginieren zu vermitteln. Fußballlehrer, Skilehrer und eben Tennislehrer machen das so. Herrlich!
Ich selbst habe übrigens eine TENNISLEHRERIN, und da Frauen per se schlauer sind, ist es obsolet zu erklären, dass die mir nie blöd vorkommt. Hübsch ist sie aber trotzdem.
Männliche TENNISLEHRERINNEN sind anders. Bislang habe ich nur Trainer erlebt, die so Sätze sagen wie: „Ey, isch glaub wohl es hackt! Hier wird hin gespielt. Sonst Liegestütze!“ In der Regel finde ich das nicht schlimm sondern kurzweilig, dann warte ich, bis sie sich Teile ihrer Funktions-Sportklamotten entledigen und muskelbepackt weiter pöbeln.

Aber dann wird es plötzlich unheimlich in meinem prä-diagnostizierten Leben:
Nichtsahnend auf einer Besucherbank in einer Tennishalle sitzend, erlebe ich die Trainingsstunde meiner beiden Freundinnen. Hochmotiviert kloppen sie auf einen wehrlosen Filzball ein. Mal Vor- mal Rückhand. Mal Volley, mal angeschnitten und mal mit dem Ausruf: „Blödes Netz!“
Der ihnen zuarbeitende Tennislehrer ist ein Mann mit einer Körpergröße, die einem Basketballspieler in Amerika und einem Sendemast in Südhessen zur Ehre gereichten. Er hat sich irgendwann (Gründe liegen der Redaktion nicht vor) entschlossen, eine Tennisschule zu gründen mit dem klangvollen Namen „Rückgabe“ (des Wohlklangs wegen in der Zunge der Angelsachsen). Also: Hier lehrt der Boss gerade selbst.

Während auf dem Nebencourt der dortige Coach alles daran legt, meinem Vorurteil über Tennislehrer Nahrung zu verschaffen (er hält lautstark Vorträge, dass Männer besser sehen und Frauen besser hören können und erläutert dies irritierenderweise an den Dezibel einer Sportschau-Sendung), richtet der Tennis-Chef auf diesem Platz das Wort an meine Freundinnen, wie folgt: „Achtet mehr auf die Winkelhalbierende!“
Ja. Wohl.
Wirklich wahr.
Winkelhalbierende.
Ich spitze augenblicklich die beschädigten Ohren.
Während er mit weit ausgestreckten Armen die Flügelspannweite einer Lockheed Super Constellation erreicht, deutet er auf das andere Feld und bittet, sich dort einen Gegenspieler vorzustellen. „Okay. Unser Angriff erfolgt immer longline!“
Unsere Blicke folgen einem unsichtbaren Filzball.
„Und nun die Winkelhalbierende vorstellen!“
Stille. Die Stille des Unverstandes. Wir reißen die Augen auf, doch es will uns nichts Halbiertes ins Auge springen.
„Ist doch ganz einfach. Ökonomie der Laufwege. Schaut doch mal.“
Wir schauen. Aber wir sehen nicht.
So geht das eine kleine Weile weiter. Nicht müde werdend und mit unerschütterlich sanfter Stimme (ziemlich unheimlich), den Schläger unter den linken Arm klemmend - um mehr Raum für große Gesten zu haben. Er deutet energisch in das leere Feld mit dem imaginierten Feind und auf eine in geistigen Nebelschwaden leise drohenden Winkelhalbierenden, wiederholt er: „Okay. Das ist im Grunde ganz einfach.“
Wir machen aber keinesfalls den Eindruck von „einfach“. Und schon gar nicht von „okay“.
Seufzend, aber noch sanfter im Timbre referiert er weiter:
„Okay. Wenn wir den Tennisplatz im Match optimal abdecken wollen, dann müssen wir uns einfach die Geometrie des Platzes zunutze machen.“
Nicken.
„Okay (er sagt oft Okay in einer therapeutisch-sedierenden Weise), nehmen wir an, ich schlage eine Vorhand cross. Dann würde mein Gegner in der Vorhandecke folgende Möglichkeiten haben, meinen Ball zu beantworten: Er könnte den Ball longline spielen oder cross nach außen.“
Er zeigt - den Schläger wieder aus der Armbeuge nehmend - in das andere Feld, dann in das eigene. Mal da, dann dort. Sein Profi-Tennisschläger sieht in seiner Hand dabei eher aus wie ein Tischtennisschläger…

Mir wird klar: Dieser Mann ist mir unheimlich.
Dabei hat er nicht viel mehr dafür getan, als baumlang in den Himmel zu wachsen. Und in Mathe aufgepasst zu haben...

„Okay. Seht Ihr das?“ Er nuschelt leicht, was erschreckend beruhigend wirkt.
Wir sehen…….. nichts. Nur eine T-Linie, ein Grundlinie und viele Fragezeichen.
Er zeigt energischer: „Na, da! Die Winkelhalbierende verläuft genau in der Mitte und befindet sich immer, je nach Stellung des Gegners, leicht rechts oder links von der Mitte des Platzes. Also da. Hier.“ Er deutet auf den Boden. Wir schauen versonnen auf den hellgrauen Tennisteppich des Hallenbodens. Des Trainers leise Stimme transportiert unheilvolle Kennerschaft. „Ich sollte mich also nach meinem cross geschlagenen Ball in Richtung Winkelhalbierende bewegen“ Er macht einen gigantischen Schritt.
Meine Freundinnen schauen irritiert dabei zu und bewegen sich automatisch hinter ihm her. Brauchen aber viele kleine Schritte dafür.
„Okay. Also achtet auf die Winkelhalbierenden, dann habt Ihr immer noch eine gute Chance, an einen Ball zu kommen, der entgegen der Laufrichtung gespielt wird.“
Er dreht sich nun wieder ganz zu meinen Freundinnen um. Er lächelt und sucht in ihren Gesichtern nach frischer Erkenntnis.
Diese lächeln höflich zurück. Man sieht, sie wollen ihm nicht das Sportlerherz brechen. Daher verzichten sie darauf, laut auszurufen, was mir gerade in den Sinn kommt: „WAS ZUM HENKER IST EINE WINKELHALBIERENDE? Ist das Mathe hier oder Sport? Hä?“
Stille.
Er liest stumm in ihren Gesichtern, nickt unsicher, atmet hörbar ein, dann stoßweise aus. Die Schultern einen Hauch hängen lassend, sagt er sanft: „Okay. Wir üben dann jetzt besser Aufschläge.“ Sprach's und ging zum Korb mit den Bällen.


Arbeitsthese bewiesen: Tennislehrer sind UNHEIMLICH – wenn sie schlau sind.


In diesem Sinne
Der Angstgegner ist man immer selbst

Redakteur




19. November 2017, 12:24

Zitatetag


Hallo Mädels,


noch mal ein kluges Wort zur bewegungsintensiven Kalorienabarbeitung:

"Annehmbare dialektische Negation des Krieges: Sport."
(Manfred Hinrich)

Kalorien sind Krieg. Immer.


In diesem Sinne
Die, die joggen war...jetzt Sofanotaufnahme

Redakteur




06. Juli 2017, 14:54

Sehr gemischtes Doppel mit und ohne Doppelsinn


Hallo Mädels,

wie bereits berichtet, intensiviere ich gerade meine soziale Kompetenz im Bereich unauffällige Mitgliedschaft in meinem neu erarbeiteten Verein.

Der vereinsseitig angebotene „Doppelspaß“ ist ein sechswöchiges Praktikum für Leute wie mich, die sich mit viel Mut und gutem Willen aber auch einer eher spärlich anmutenden Vereinssportfähigkeit so richtig zum Obst machen wollen.
Großartig.
Ich befinde mich nämlich (trotz Luther) in einer Art katholischem Tennistalentzölibat.

Das heißt: ich will, kann aber nicht so richtig.

Der hessische Vereinsangehörige hingegen lebt zwar im (irrigen aber sehr) festen Glauben, dass man aus Äpfeln Wein machen kann (und das Käse Musik macht), aber von seinem Sport versteht er was.
Ich nicht. Weder von dem einen noch dem anderen.

So beginnt also an einem sonnigen Abend das, was Doppelspaß genannt, technisch gesehen ein gemischtes Doppel ist und letztendlich einen Doppelstress darstellt.
Mein Schläger und ich versammeln uns in Tennisröckchen frisch gewandet am Clubhaus. Auf einem keck gebastelten Blech werden unser aller Namen zusammengestellt. Es ist ein freudiges Hallo aller Orten. Jeder sucht sein Magnetschild auf dem Blech, damit er weiß, mit wem er im Doppel Spaß zu haben zugeordnet wurde.

Nur eine Sache noch: Türkis ist die Farbe, mit der Frösche in der Regel anzeigen, dass sie hochgiftig sind. In meinem Breitensport bedeutet ein Türkises Magnetschild ungefähr das selbe:
Vorsicht! Anfänger.
Ich BIN Türkis…Man kann sich die Freude vorstellen, die mein Partner empfand, als ich ihm zugelost wurde.

Platz 5. Mein Partner sieht aus wie Robert Downey jr und ist ungefähr so locker wie sein filmisches Alter Ego Sherlock Holmes und so clever wie der Iron Man – kurz bevor der Dosenöffner erfunden wurde.
Gegen uns ein Ehepaar, das aus einer hübschen Frau in einem süßen Röckchen, die mir mehrfach versichert, sie sei auch Anfängerin (aber worin Anfängerin? In Mandarin?) und ihrem Mann, der wiederum eine Mischung ist aus einem sportlichen Jean Reno und einem nachdenklichen Egon Krenz, der gerade die DDR abgewickelt hat.
Alles hesselte um mich herum. Gut, dass ich halb taub bin.

Iron Man und ich verlieren.
Haushoch.
Was aber sicher nicht am ironischen Mann liegt, denn seine zur ronaldinischen Kunst erhobene Selbstdarstellung bei seinen mördermäßigen Aufschläge ist oscarreif – sondern eher daran, dass ich nur sprachlos dastehe und als der Ball dann doch mal mir vor die Füße plumpst, ich nichts damit anzufangen weiß.
Hilfe! Was mach ich hier?
Nach einem Trillerpfeifen ist Wechsel.

Center Court. Dort spiele ich mit einem jungen Mann im Doppel, der derart gut den Filzball zu schlagen versteht, dass ich es ihm nicht übel nehme, dass er mich immer nur als „Sie da!“ bezeichnet. Trotz seiner pickelfreien Jugend bekomme ich KEINE mütterliche Gefühle. Ich fürchte mich eher zu Tode vor seiner Vorhand (Linkshänder haben was Magisches). Man kann es so beschreiben, dass ich die ganze Sache so befremdlich finde wie die Haager Landkriegsordnung von 1907.
Die Bälle fliegen mir um die Ohren, so dass ich aus reinem Lebenserhaltungstrieb bemüht bin, meinem jungen Partner nicht im Weg zu stehen, während er alles niedermetzelt, was keine Superkräfte besitzt.
Triller.

Zur Entspannung kommt dann Stefan. Ein Bär von einem Mann und offensichtlich gerade im 7. Monat schwanger. Eine Mischung aus Bernd Stelter und Puh der Bär.
„Heute erste Mal auf dem Platz“, sagt er, und ich nicke peinlich berührt. Er lacht, zeigt dann auf sich und sagt: „Nein, ICH bin heute das erste Mal auf dem Platz.“
Das überrascht.
Da er riesig ist, kann er die Angaben gleich direkt von oben machen, ohne sich zu strecken und sein „Racket“ (wie wir Wimbledoner ja gerne sagen) sieht in seinen Pranken aus wie ein Tischtennisschläger.
Wir verlieren, aber das ist egal. Verlieren ist nett - wenn es gut gemacht ist.
Triller.

Platz 2. Durch (Erd-)Rotation wieder Robert zugeordnet. Seine Begeisterung hält sich in Grenzen.
Die gegnerische Dame hat einen Mörderaufschlag und ein sehr, sehr schickes Tanktop an, ärgerlich, wenn man nicht genug Pausen hat, um nachzufragen, wo sie das her hat.
Zumindest bemühe ich mich mehr, den Iron Man in seinem Kampf um mehr Gerechtigkeit unter den Filzbällen zu unterstützen.
Geht so.
Als wir zwei Spiele gewinnen, wähnen wir uns schon in einem Lauf – aber dann hab ich Angabe.
Och nö.

Naturgemäß kommt nach dem Doppelspaß das gesellige Beisammensein, ein weiterer Meilenstein in meiner Weiterbildung zum hessischen Entlein. Wir sitzen an einer langen Tafel, essen Pommes, schlürfen kalte Getränke und ich lasse mich artig ausfragen.
Sprachlich stehe ich etwas auf dem Nebengleis als jemand was von Räddä sagt.
Wie?
Bitte?
Ich versteh nicht. Ich habe doch westfälischen Migrationshintergrund!
Der Mann meint damit REDEN. Im Sinne von: sich mitteilen, sich erklären, sprechen über, Stellung nehmen plaudern, sich äußern.
Zu spät. Dass ich des Hessischen nicht mächtig bin, kann auch ein hastiges Soufflieren von belesenem Geiste an meiner Seite nicht verhindern.
Hatte ich doch gerade erst gelernt, dass man Apfelwein nur sauer gespritzt trinkt (süß trinken es nur die Zugereisten, die Nulpen, die Flaschen, die Dussel, die Blöden, die Westfalen) und einen Aschäbäscha hatte ich auch fehlerfrei am Kiosk auftreiben können, aber das war zu viel.
Räddä.
Hä?
Also gut. Reden wir. Und WAS ein echter Hesse zu reden versteht, wird mir als echte Serviceleistung gebührenfrei frei Haus geliefert.
Ein Mann im sportlichen Format: Typ: „Ich pinkel auch im Stehen“ gibt munter Folgendes zu Gehör:

a) er hat seine Ausbildung gehasst
b) er isst gerne Handkäs mit Musik
c) er hilft nicht im Haushalt – aber er bügelt gerne mal alles weg, was weggebügelt werden will.

Aha. Noch Fragen?

Letzteres wird NATÜRLICH mit einem derart dreckigen Lachen versehen, dass jede der anwesenden Damen sicher sein kann, dass es sich hierbei um einen Doppelsinn des Wortes BÜGELN handelt.
Im Sinne von: begatten, bespringen, kopulieren, beschälen, sich paaren oder einfach den Geschlechtsakt vollziehen.

Soviel zum Doppelsinn beim Doppelspaß. Doppelpunkt.



In diesem Sinne
Vorteil Wonder Woman

Redakteur




03. Juli 2017, 09:30

Fußball ist, wenn zwei Mannschaften gegeneinander spielen und Herr Löw gut gefönt ist.

Hallo Mädels,

und Fußball ist, wenn die Mama so herumschimpft, dass die Buben Angst bekommen, die Nachbarn könnten sich beschweren.

"Mama, du bist sowasvonuncool!" rufen sie.
Nur einmal fanden sie mich lustig, als ich während der WM vor lauter Anspannung meine Finger in meine Hose gekrallt habe und die daraufhin mit einem lakonischen Krrrrr antwortete.
Die Hose war hinüber. Das Spiel hat Deutschland gewonnen (ja, stimmt, sie wurden Weltmeister).

Nun hatten wir wieder mal drei Wochen Fußballtheater. Die tiefgründigen, weil kritischen Zeitungen wetterten, dass das keinen interessieren würde.
Mich schon. Abgesehen davon, weiß ich, dass die meisten Deutschen einer solchen Versuchung nicht widerstehen können. Der Versuchung mit Namen Fußball.
Löw an der Außenlinie.
Löw beim Dirigieren.
Löw beim Siegen.
Und richtig. Die FIFA hat offensichtlich wieder mal den perfekten Geldriecher gehabt. Die Sponsoren haben sich darum geschlagen, Werben und Geldgeben zu dürfen - und die ausgewählten Mannschaften schickten ihr bestes (sprich teuerstes) Personal.
Nur Löw nicht.
Der brachte seine Juniorpartner.
Was viele geärgert haben mochte. Welcher Name im deutschen Kader konnte schon mit Vidal oder Ronaldo mithalten?
Nun ist es doch die beste.
Zum Dank gab es einen Pott, der aussah wie ein Golddödel und dazu einen Händedruck von einem verlebten, dicken Mann, der bei den jungen Spielern in aller Unschuld nur blankes Entsetzen auslöste. In Wahrheit war es der Fußballgott Maradonna.
Möge es den jungen Herren eine Warnung sein - es gibt wirklich ein Leben nach dem Fußballtriumph und das ist hart.

Wir (meine Söhne und ich - mein Gatte schaut erst dann Fußball, wenn in den Ball ein V8-Zylinder-Motor eingebaut wurde) geben während des Spiels den Jungs Spitznamen, um das dusselige Gequassel vom Moderator zu überspielen. Wir glauben, dass der nach Worten bezahlt wird und daher eine monetäre Verpflichtung hat, uns allen Blödsinn aufzuschwatzen, den sein Statistiker ihm aufgeschrieben hat...
Wir brauchen seine Infos nicht. Wir wissen eh schneller, wann Abseits ist, welcher Spieler wo spielt und wann der Schiedsrichter die Geste gemacht hat, er verlange den Videobeweis.

Wager ist die Pizza, Brandt ist der Zweiback, Draxler ist der Egoshooter, Rüdiger ist der Retter, Ter Stegen ist Neuer und Mustafi ist das Legomännchen mit dem aufgeklebten Bart.
Timo Werner ist übrigens Timo Werner.

Meine Jungs brüllen nach Löw, wenn ich mich zu sehr aufrege, denn sie wissen um die beruhigende Wirkung seiner fantastischen Oberarme auf mein Gemüt.

Und dann hat diese Krabbelgruppe aus der LöwKiTA gestern einfach gewonnen. Sie waren nicht die bessere Mannschaft auf dem Platz, aber sie waren die Sturesten. Sie wollten unbedingt gewinnen und ihnen war es egal, dass die anderen eigentlich besser waren.

Und Herr Löw, ach, was sag ich....diese Oberarme...


"Mama! Reg dich ab!"
"Jepp - will ja nicht uncool sein."


In diesem Sinne
Der Videobeweisanforderer

Redakteur




27. Juni 2017, 10:44

Medenspiel mit Frau Poensgen

Hallo Mädels,

ich liebe organisatorische Umständlichkeit mit zeremonösem Schnickschnack hinten dran, oh ja, bin ganz wild darauf, jeden vereinseigenen Blödsinn mitzumachen.

Also biete ich mich als Assistentin bei einem U8-Medenspiel an. Und so darf ich viel unfassbar Wichtiges machen. Wie Zettel halten, Bälle verteilen und das Allerwichtigste: Leute angucken. Noch besser: Eltern, die gerade ihr Lebens-Erweckungserlebnis haben: nämlich das Medenspiel ihrer eigenen Kinder.

Nichts scheint einen Erwachsenen derart grundlegend zu mobilisieren wie der Ehrgeiz, das eigene Kind durch (IRGEND)eine Prüfung zu dirigieren – während die entsprechenden Kinder das mal alles viel entspannter sehen.

Also: Medenspiele. Das ist Tennis.
Warum heißt das eigentlich so, dass man immer denkt, man habe sich verhört?
Antwort: Langlang ist es her, da gab es einen Carl August von der Meden.
Aha.

Also los. Die Mini-RogerFederers sind so klein, dass sie amüsanterweise den ganzen Aufwand ihrer Erzeuger ziemlich anstrengend finden, während Vati und Mutti sich vom Seitenaus die Seele aus dem Leib schreien. Die Kleinen, bei denen ich helfen durfte, waren noch jung, dass sie nicht über das eigentliche Netz spielen sondern über das halbe Feld und über ein mobiles Mininetz, welches zunächst einmal aufgebaut werden muss.
Technik-Vatis an die Front!
Sie stehen wichtig nickend über dem Wust aus Stangen und Knüpfwerk und diskutieren ihre letzten Camping-Erlebnisse. Meine Freundin hingegen kann das kaum mit ansehen und baut das Ding fluks auf. Außerdem hat sie Zettel dabei, die sie kurz überfliegt, um die ganze Organisation in die richtigen Bahnen zu lenken. Respekt! Ich laufe ihr hinterher und lasse mich geduldig und fachkundig herumkommandieren. Schnell sind die kleinen Geschicklichkeitsspiele absolviert, denn es geht nicht nur um Tennis. Es geht um den Spaß.
Den haben die Kids! Allerdings vornehmlich, wenn sie beim Platzwässern durch die Sprinkler laufen dürfen, während hochgestylte Muttis und Vatis sich bei sommerlicher Hitze unter drei Sonnenschirme drängen und jammern, dass ihre Kinder das ja alles eigentlich gar nicht aushalten.
Nein, natürlich nicht!
Die Armen!
Meine Freundin und ich verdrehen synchron die Augen, denn genau jene Gastmuttis, die uns einreden wollen, dass ihre Kids quasi gleich umkippen, treiben die Medenspiele eilig voran, weil ihre Töchter gleich noch zum Training der Garde müssten.
Wie? Ist in Hessen eigentlich immer Karneval?

Eine junge Spielerin verrät mir in einer Trinkpause, dass sie ihren jungen Tennispartner später mal heiraten wird, weil das ihr bester Freund sei.
Armes Kind. Ehe hat doch nichts mit Freundschaft zu tun!

Als wir dann zum eigentlichen Kernstück der Medenspiele kommen, nämlich tatsächlich zum Tennis, geht es vor allem darum, den Ehrgeiz der Eltern in sinnvolle Bahnen zu lenken. Also bitte ich einen nett aussehenden Vati um Hilfe beim Zählen und außerdem eine sympathische Gastmutti. Beide machen einen soliden Eindruck auf mich und so lassen wir zu dritt die Kids mal machen.
Aufschlag!
Wir zählen unauffällig die Punkte (15-30-40-Einstand-Vorteil-Spiel? Fußballtore zählen ist einfacher...), stellen die Bälle bereit, sagen, wer wann und von wo aufschlägt und loben jeden, der den Schläger, sagen wir mal, zielorientiert anwendet.

Ich fürchte, beim Spiel auf dem Nebenplatz ging es eindeutig diskussionsfreudiger zu. Da hörte man allerlei Flüche herüberwehen, giftige Anfeuerungen und wüste Verwünschungen. Besonders gefiel mir der häufig aus dem Publikum erschallende Ausruf:

„Konzentriere dich!“

Himmel! Regt Euch doch mal wieder ab!!!!

Der hessische Vati neben mir (erkennbar an dem Apfelwein in der Hand) schreibt den Punktestand mit dem Fuß in den heiligen roten Sand des Courts, fragt dann aber grinsend nach, ob das stimmen könnte; wir Frauen nicken.
Auch seine Tochter spielt - und es kostet ihn offensichtlich Mühe, nicht jeden Ball einzeln zu verhauen, der es wagt, vom töchterlichen Tennisschläger direkt ins Aus zu hopsen. Aber so ist das wohl, wenn die kleine Prinzessin kurz davor ist, Angelique Kerber zu werden.
Wir Frauen verzeihen dem Vati. Vielleicht auch, weil er so schön den Punktestand aufmalt. Und so herrlich Hessisch babbelt und dabei den heroischen Eindruck eines Alexander des Großen macht – kurz vor der Eroberung eines Tennis-Weltreiches.

Wir sind ja alle mit diesem Panik-Eltern-Gen geboren worden.

Diese Veranstaltung sollte übrigens den Kids lediglich zeigen, wie grundsätzlich ein Medenspiel funktioniert.
Für später. Für Wimbledon. Oder die Gerry Weber Open.

Meine Freundin lächelt geduldig, während sie die Ergebnisse aus dem roten Sand auf das offizielle Formular überträgt, dankt allen kleinen Spielern für ihr Engagement, die umgehend als Belohnung die erneute Inbetriebnahme der Sprinkleranlage fordern - und auch bekommen. Auch Vatis Prinzessin hüpft in der Hitze herum und freut sich ihres Lebens.

Das waren also (kleine) Medenspiele.

Medenspiele sind übrigens Meisterschaften der Landesverbände, die verwirrenderweise Große Meden-Spiele genannt und gemeinsam mit ihrem Gegenstück bei den Damen, OBACHT!: den Großen Poensgen-Spielen, ausgetragen werden.

Poensgen? Ist nicht wahr, oder? Wo haben die nur diese geilen Namen her?


In diesem Sinne
Frau B. Borg

Redakteur




09. Juni 2017, 08:04

Wochenende


Hallo Mädels,

heute ist Zitatetag:


"Ich mag zwar noch nicht am Ziel sein, aber ich bin auf jeden Fall schon näher dran als gestern."


Wie man unschwer erkennen kann, habe ich das da oben von einer Sport-Motivations-Seite. Na, hoffentlich hilft es Euch. Wenn nicht, oder Ihr habt noch einen Augenblick, bis Euch der volle Ehrgeiz packt und ihr spontan einen Marathon lauft, dann schaut mal auf:

=> meine Bildergalerie! (Da gibt es nämlich neue Fotos)


Schönes Wochenende!
... oder wie wir Leistungs-Sportler sagen: Schönes Wochenende.


In diesem Sinne
Das Wochenende

Redakteur




08. Juni 2017, 08:41

Tenez! (Teil II - Das Schleifchenturnier)

Hallo Mädels,

praktisch ist es, wenn man für irgendwas begabte Kinder hat, die dann auf die Idee kommen, einem Verein beitreten zu wollen. Und wenn man dann SELBER auch in diesen Verein eintritt, hat man den „Ihre-Kinder-sind-für-diesen-Sport-geeignet“-Bonus, und es kommt auf die eigene Eignung überhaupt nicht mehr an.

TCM.
Was klingt wie das Qualitätssiegel von Tchibo, ist jener Club, dem nun unser gesamter sportlicher Ehrgeiz gilt.
Aufschlag Angie.
Während ich bei meinen Rundumschlägen lediglich auf den entspannenden Aufenthalt in der Sportlerklausel hinarbeite und die tiefgekühlte Apfelschorle bereits meinen Namen rufen höre, sind meine Jungs voll bei der Sache. Sie schmettern sich die Filzbällchen nur so um die Ohren.

Bis...

Ich verlege mich darauf, eine völlig unbewaffnete Steffi Graf zu mimen, als meine Freundin Christiane uns ein Schleifchenturnier schmackhaft macht.
Schleifchen-was?
Schleifchenturnier, Angie, das ist lustig.
Lustig? Turnier?
Erstmal zur begrifflichen Seite: Das ist ein Turnier, bei dem mittels Auslosung gemischte Doppel ermittelt werden, die dann je einmal zusammen spielen. Meist werden mit Sonderregeln dafür gesorgt, dass alle eine gute Chance haben mal ein Spiel zu gewinnen. Es geht hauptsächlich um das Miteinander. Statt Pokale bekommt man ein imaginäres Schleifchen. Wer die meisten hat, hat das Turnier gewonnen.

Und was soll ich da?
Christiane findet mich, glaube ich, ganz süß, wenn ich so verzweifelt versuche, mich gegen so ziemlich alles zu wehren, dann trägt sie mich in die Liste ein.
Es ist so: Ich bin kein Prüfungsmensch. Ich versemmel so ziemlich alles, wenn es termingerecht abgefragt wird. Aber für Christiane würde ich wahrscheinlich sogar Karaoke singen - was für mich den Gipfel der Peinlichkeit darstellt.
Also stehen wir brav auf der Liste. Gatte nickt dazu und erklärt sich bereit, einen Kuchen als Spende für das gesellige Beisammensein beizusteuern und will sogar zugucken.
Och, nö. Lass mal.

Ich bin aufgeregt. Meine Kinder hingegen sagen nur so Dinge wie: „Au ja!“ oder „Wann geht es endlich los?“
Es ist regnerisch, aber Petrus ist offenbar alter Grand Slamer. Genau zur richtigen Zeit wird es freundlich. Auf dem Vereinsgelände tummelt sich allerlei sportliches Volk aller Altersklassen. Ich muss mich bei einem Herren anmelden. Und meine Kinder. Glücklicherweise haben wir magnetische Namensschilder. So aufgeregt, wie ich bin, würde das heute nix mit dem Buchstabieren.
„Ah, neue Gesichter!“ strahlt man uns an. Ich will entgegnen, dass ich mein Gesicht schon 46 Jahre herumtrage, halte mich aber bedeckt.
Wir ziehen Spielkarten, womit wir unseren Partner und sogleich auch unsere Gegner ermitteln.

Beim ersten Spiel ziehe ich meinen ältesten Sohn als Partner! Hurra! Sogleich versuche ich mich hinter ihm zu verstecken. Die Sonderregeln peile ich mal so gar nicht, aber die gegnerische Dame, die eine Mördervorhand hat, zählt für uns mit.

Hilfe! Wir spielen auf dem Centre Court. Was schwer nach Wimbledon und Boris Becker klingt, ist der optisch exponierteste Platz von allen acht Plätzen. Super. Das ist DER Ort, wo man sein will, wenn man etwas NICHT so gut kann. Der sportliche Supergau für mich.
Wir spielen. Es macht super Spaß. Auch wenn mein Gatte nun am Rande sitzt und wenn er mich fotografiert ruft: „Zieh mal deinen Bauch ein, ich knipse dich!“
Immerhin hat er Kuchen für das Buffet gebacken. Mehrere Damen werden mich später aufgeregt fragen, ob mein Gatte nicht auch in den Verein eintreten möchte.

Bloß nicht! Roger Federer für Kassenpatienten!

Es werden neue Partner zugelost. Ich bekomme meinen zweiten Sohn. Prima! Und nicht mehr auf dem Centre Court! Es wird immer besser!
Anschließend wird mir ein enorm agiler Senior zugeteilt, von dem ich neben „Ruhebewahren“ und „Zwingendere Bälle“ lerne, wie man es schafft, mit einem einzigen Schläger ein Doppel zu bestreiten, ohne sich vor lauter Lachen ins Seitengrün zu werfen
Seeeehr witzig.
Zum Schluss wird mir noch die südöstliche Variante von Jakub Blasczykowski als Partner zugelost, der es ebenso wie ich mit viel Humor trägt, dass das gegnerische Seniorenpaar uns in Grund und Boden spielt.

Anschließend geselliges Beisammensein mit Wurst, Kuchen und Erdbeeren. Dazu Hugo, Bier und Weißwein. So macht Sport glücklich!
Meine Söhne sind happy, dummerweise nicht halb so erschöpft wie ich und fragen daher alle naselang: „Und wann ist das nächste Turnier?“ (abwechselnd mit der Frage, ob sie noch ein Eis haben können).

Ich ahne da bereits, dass ich am folgenden Tag beim Aufstehen original meine eigene Omma darstellen werde.

Sicher sind meine Jungs einen entschiedenen Schritt näher an den Weltranglistenplatz 1 gekommen und voller Elan für diesen Weißen Sport, bei dem man am Ende des Tages übrigens eher hellrot wird.
Im Gesicht von der Anstrengung (und Sonne) und an den Füßen vom roten Sand, der übrigens aus recycelten Ziegelmehl besteht. Was es nicht alles gibt...


Also dann halten wir es ab jetzt wie der große Philosoph unter den Tennisdenkern Boris Bobbele Becker:

„Solange ich nicht verliere, kann der andere nicht gewinnen.“


In diesem Sinne
First Service

Redakteur




06. Juni 2017, 15:56

Tenez!

Hallo Mädels,

BTG. So hieß der erste Verein, in den ich eingetreten wurde. Meine Mama wollte das so. „Du musst mal ein bisschen Sport machen! Nicht immer Zuhause hocken!“
Zack, drin war ich in der Bielefelder Turn-Gemeinschaft. Es wurde allerdings nur selten geturnt, im Sommer war Leichtathletik und hinterher wollten die älteren Mädchen Volleyball. Und Volleyball war meiner Mutter auch recht. Hauptsache kein Fußball. Das war ihr total suspekt.
Warum das alles BTG hieß, auch wenn wir nur wenig geturnt haben, weiß ich nicht. Der Bielefelder nimmt es wohl mit dem Sport nicht so genau.
Was auch die Fußball-Ergebnisse der Arminia erklären würde...
Der Hesse ist da ja anders. Dem ist der Vereinskram quasi mit dem Schunkeln in die Wiege gelegt worden.

Ich bin jetzt nach reiflicher Überlegung (33 Jahr später) in den TCM eingetreten worden. Christiane war so nett, an die Stelle meiner Mama zu treten. Sie meinte: „Du musst mal ein bisschen Sport machen. Nicht immer Zuhause hocken!“
Zack, drin war ich.
Ich bin aber erst im Schnuppermodus, darf aber alles mitmachen.

Also, auf auf zum Sport, den Heinrich der VIII liebte und den er genau zu jenem Zeitpunkt ausübte, als seine zweite Frau geköpft wurde. Das MUSS ja Spaß machen!
Der Verein scheint mir übrigens die artgerechte Haltung von hessischen Menschen zu sein, denn seine wahre Sozialform ist doch das menschliche Mit-und Gegeneinander. Und da ist dieser Verein perfekt.

Schnell lerne ich als Schnupperer das, was ein Vereinsmitglied als erstes lernen muss:
Abgrenzung.

So erntete ich viel Kopfschütteln, als ich den "feindlichen" TCD zunächst mit dem "unserem" TCM verwechselte. Aber jetzt hab ich es begriffen. TCM sind wir. Dann kommt lange Zeit nix - und dann TCD u.ä.
So ist es richtig. Im letzten Buchstaben liegt der Unterschied.

Als Uniformierung gilt es bei den Damen als guter Ton, ein Röckchen zu tragen. Fantastisch! Ich sehe damit ungefähr so aus, als würde man unserer Biotonne eine Schärpe umlegen, aber ich bin zum Äußersten bereit, mich für meine neue Zugehörigkeit ordentlich ins Zeug zu legen.
Wer Hobbyklüngel will und nicht als parteiloser Nordic Walker enden will, muss Flagge zeigen. Und so zeige ich die vom TCM.
Also los.

Was muss ich tun?
Erstmal die Grundausstattung:
Ich lerne also
a) Magnetschilder auf eine Art Millimeterpapier aufzukleben.
b) Plätze abzuziehen,
c) Linien zu fegen und
d) Griff, Schafft, Kopf und Saiten sowie die coolen Dämpfer zu unterscheiden.
e) Ich hab einen Schlüssel für das Tor und
f) war schon einmal in der Umkleide und hab mich direkt Vis-a-vis vor dem Defibrillator umgezogen und fühlte mich danach herzerfrischt. So. Und nun die Hauptsache:
g) Stunden nehmen.

Zum Glück ist Eva unfassbar geduldig, sie schimpft nicht mal, wenn ich nach einer Viertelstunde Rückhandtraining komplett wieder vergessen habe, wie die Vorhand geht.

Aber was mir altem Fuchs sofort auffällt: Für den Aufschlag oder nur einen simplen Return ist das Feld mit 8,23 x 11,89 völlig zu kurz. Das Netz hängt grundsätzlich zu hoch, und mein Schläger macht viel zu häufig ein sattes „Döng“, wenn ich mit dem Rahmen zuschlage.
Und noch was: T-Linie ist kein Mobilfunkanbieter und die Grundlinie ist kein Fachbegriff aus der Architektur. Wenn die Sonne scheint, sind mehr Spieler aufm Platz als Marienkäfern auf der Butterblume. Soviel habe ich bereits seit meiner Beitrittserklärung im April begriffen.

„Ach, Sie haben schon mal gespielt?“
„Früher war ich Torwart.“
„...ähem, wir verzichten allerdings seit längerer Zeit im Tennis auf den Torwart...“
„Oha.“


Das nächste Mal gibt es Turnierberichterstattung.


In diesem Sinne
Die Tee-Linie

PS: Tenez heißt so viel wie Ball halten.

Redakteur



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