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04. April 2018, 09:44

Frisch daheim

Hallo Mädels,

frisch daheim. Lange weg gewesen. Nicht nur physisch sondern auch psychisch. Den Kopf in den Wolken gehabt. Anderes gesehen, anderes gehört.
Sprich: man war einfach mal im Urlaub.
Und dann kommt dieser Punkt der Heimkunft. Dieser ganz knifflige Augenblick.

Ja, man freut sich schon auf zuhause, aber...

...man hat den Schlüssel in der Hand und...

...man stellt sich den Alltag vor. Vertraut, sehr vertraut, zu vertraut...

...und dann denkt man: aber wenn er nicht vertraut ist??? Wenn er anders ist??? Wenn was PASSIERT ist? Was dann?

Ihr kennt das.

Man öffnet die lange verschlossene Haustür und fragt sich: Welche Katastrophen lauern auf dem Anrufbeantworter? Wieviele Pflanzen haben überlebt? Wie sieht es im Kühlschrank aus? Ist da eventuell neues Leben entstanden?

Und dann der Geruch einer unbenutzten Wohnung. Irgendwie ein Hauch von Neu. Nach Teppich, Polstern und auch ein wenig nach Farbe. Ungewohnt.

Man schnüffelt wie ein Hund und denkt plötzlich: Ach deshalb macht das die Hunde nervös - weil sie etwas anderes riechen und nicht sich selbst. Es fehlt ihnen ... sie selber...
Eine ganz neue Seite von Egozentrik!

Also Fenster geöffnet - und Koffer auf. Wir haben ja viel Eigengeruch mitgebracht...

In diesem Sinne
Die Nase


Redakteur




23. März 2018, 09:58

Pronation. Tennislehrer mit abgeschlossenem Physikstudium


Hallo Mädels,

ich liebe es, wenn Sport in elegante Syntax gekleidet wird, wenn die Könige des journalistischen Tastentippens ein sterbenslangweiliges Fußballspiel in eine Verbal-Festivität umgestalten und ich atemlos die Zeilen entlang segele, um bis zur letzten Silbe das nachzuverfolgen, was ich live vor lauter Langeweile nie durchgestanden hätte.
In der Regel sind die Sportausführenden (Fußballer, Trainer, Tennisspieler) allerdings nie in der Lage, das Geschehen in halbwegs sinnstiftende Sätze zu fassen. Siehe diverse Pressekonferenzen.
Dann trat jener Sportaktive auf den Plan, vom dem ich unlängst schon schockiert berichtete. Ihr wisst schon. Der Mann mit der Winkelhalbierenden. Wir erinnern uns.

Es passierte diesmal folgendes: Ich bin beim Tennis, verhaue die Rückhand, verziehe die Vorhand und denke: „Ach, wie schön, dass ich so gesund bin, dass ich noch Sport treiben kann!“ und bin mit meiner latenten Unfähigkeit komplett im Reinen. Mut zur Lücke.

Ich stehe an der Grundlinie. Ich sortiere sorgfältig meine Füße, nehme den Ball in die linke Hand, atme durch, schaue auf das Netz. Ich blicke zum gegenüberliegenden Feld. Da muss der Ball hin. Ich umfasse den Schläger, wie Eva es mir beigebracht hat.
Heute steht jedoch nicht meine Trainerin neben mir sondern ihr Chef. Da muss ich mich anstrengen. Will ihr ja keine Schande machen!
Ich schlage.
Dann Stille in der Halle.
Chef brummt leise, tritt dann neben mich und sieht versonnen auf den Ball, wie er vor dem Netz leise auf und ab hüpft, um dann kraftlos liegen zu bleiben.
„Wenn man ins Netz geschlagen hat, hat man es total versiebt. Besser ist hinten ins Aus.“
Ich nehme einen zweiten Ball und schlage.
Er geht hinten ins Aus.
Trainer schweigt und nimmt seinen Schläger, hält ihn vor sich und dreht ihn. Ich bin mir nicht sicher, was er jetzt damit sagen will, aber ich verharre ehrfürchtig.
Dann spricht er wie folgt: „Um hohe Schlägerkopfgeschwindigkeite​n zu erzielen, solltest du eine gezielte Unterarmdrehungen einsetzen.“

Ja, ehrlich. So was sagt er. Einfach so. Zu mir!

Ich schweige, denn ich habe gerade den Tennis-Knigge nicht zur Hand, wo drin steht, was man darauf erwidern soll. Zum Glück ist der Chef längst Experte im entschlüsseln meines eher geistlosen Gesichtsausdruckes ob meiner Perplexität bezüglich Eröffnungen zum Thema „Optimierung von Angies Aufschlag“.
Er greift sich eine Handvoll Bälle und vollführt zunächst eine Trockenübung. Da der Mann so groß ist wie ein hessischer Sendemast, lege ich meinen Kopf in den Nacken und beobachte seine Bewegung in der Höhe.
Der Riese, der neuerdings einen Bart trägt, der mich spontan an James Brolin aus der Serie HOTEL (1983) denken lässt, steht seitlich zur Grundlinie. Er wirft den gefühlt erbsengroßen Ball mit drei Fingern federleicht vor sich in die staubfreie Luft. Da der Ball nichts anderes zu tun hat, schwebt er einfach. Dann führt der sonst völlig entspannt dastehende Mann eine Schleifenbewegung mit seinem Schläger aus. Dieser entwickelt dabei eine erstaunliche Geschwindigkeit, findet den schwebenden Ball und sendet ihn mit einem Zischen auf die andere Seite des Spielfeldes.
Wo genau ich zuerst hingucken soll, weiß ich nicht. Wahrscheinlich kann sowieso nichts meine Verwirrung mindern.
Chef spricht: „Erst Strecken der Beine, danach die Rotation des Oberkörpers und schließlich Kippen des Handgelenks.“
Ich nicke, denn außer Nicken bleibt mir wahrscheinlich nur die Option „Frustriert die Halle verlassen“, aber ich will ja was lernen.
Brav hole ich tief Luft, positioniere mich und schlage noch mal auf. Immerhin ist er „drin“. In der Hoffnung, es nun besser gemacht zu haben, sehe ich hoch zum Chef.
Er brummt. „Hmhm.“
Ist das gut? Will ich das so genau wissen? Ja doch, ich will ja besser werden!
Zum Glück nickt er. „Das ist ja schon mal ganz gut soweit. Um noch mehr Kraft auszuüben, braucht es die Torsion des Unterarms gegen den Uhrzeigersinn, bevor du den Ball triffst.“

Das! Ja DAS! Genau DAS sind so Momente, wo man sich fragt, wann man eigentlich gestern Abend zu viel getrunken hat, dass das eigene Sprachzentrum seine Arbeit verweigert.

„Ähem, „ räuspere ich mich und verkneife mir: „Was genau soll ich um welche Uhrzeit machen?“ Besser nicht anmerken lassen, dass das Gehirn noch an der Dekodierung dieser denkwürdigen Worte arbeitet. Ich mache schnell ein grübelndes Gesicht und tue so, als habe ich nach genauer Abwägung der Vor- und Nachteile beschlossen, seinem Rat Folge zu leisten.
Durch betont langsames Hervorkramen eines Balls gebe ich Chef Zeit, seiner kryptischen Aussage noch etwas Sinnstiftendes hinzuzufügen. Das tut er dann auch. Nämlich:
„Dass mit dem Rückhandgriff machst du ja schon ganz gut.“
Hurra! Eva sei dank! Ich bin erleichtert, doch auch sofort beunruhigt bei seinem Satz:
„Dieser Griff erleichtert die Pronation.“
Die...was? Die Nation ist erleichtert?
Ach ja? Ist das gut?
Er nimmt seinen Blick vom Feld und schaut zu mir runter. Offensichtlich wird ihm bewusst, dass er es hier mit sehr durchschnittlichem Personal zu tun hat und erklärt milde:
„Wie beim Auf-die-Uhr-Sehen.“
Ich gucke auf meine Uhr, dann auf seine. Meine ist schöner.
Lächelnd wiederholt er das Wort in der Hoffnung, es würde meine Erkenntnis erhöhen.
„Pronation.“
„Ach,“ sag ich lahm. „Pronation.“
Er holt langsam aus, hält den Schläger hinter seinem Rücken wie ein Hackebeil mit der Kante nach vorne und vollführt einen Schlag, der dann erstaunlicherweise doch volle Lotte den Ball treffen würde.
„Pronation,“ sagt er wieder. Wiederholungen sollen ja das Verständnis ersetzen können.
Ich nicke ehrfürchtig und schaue zu, wie er die Bewegung noch einmal ausführt. Er dreht das Handgelenk in letzter Sekunde.
„Um den Tennisball möglichst stark zu beschleunigen und möglichst viel Drall zu erzeugen.“ Wahrscheinlich hat er auch wieder was vom „Bürsten“ gesagt. Er sagt ja so vieles, was bestimmt klug ist, aber bei mir nur Rätsel aufwirft.
„Pronation?“ frage ich.
„Genau.“
Ich seufze. „Nee, is klaaar, Chef.“
Er atmet durch. Nicht enttäuscht, aber sicher mit der tiefen Erkenntnis, dass hier noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist, bevor die Nation die Pronation in ihrem Wesen erkennt.



Nach dem Unterricht habe ich mich für einen Fernuni-Lehrgang in theoretischer Tennis-Physik angemeldet.



In diesem Sinne
Angie Edberg



PS: Pronation ist die Einwärtsdrehung der Gliedmaßen. Sie ist damit die Gegenbewegung zur Supination. Sagt Wikipedia.

Redakteur




22. März 2018, 08:52

Göte

Hallo Mädels,

mich traf fast der Total-Schlag, als ich das letztens las:

Göte.
Meine Künstlerseele (ist nicht allzugroß ausgebildet und teilt sich sehr eingezwängt mit der rabaukigen Fußballseele und der sehr extrovertierten Bankerseele meine engen Herzkammern) wollte es erst gar nicht wahr haben.
Gööööte???
Wer zum Henker kann denn so blöd sein? Selbst das automatische Rechtschreibkorrekturprogram​m explodiert sofort, bei dieser Schreibweise!

Gemeint war unser, ich sage es ganz deutlich: UNSER GOETHE! Himmel! Der Mann ist ein Heiligtum! Das ist Gotteslästerung!

Und obwohl der Dichterfürst mir zuweilen schwer auf der Seele liegt, er sich sperrig und schwierig in meinem Kopf quer legt bisweilen, er ist doch alles, was man eigentlich wissen muss, wenn man der schreibenden Zunft angehören will.
Man muss sich mit Goethe befassen, erst dann darf man daran denken, sich Schriftsteller zu nennen.

Ich wallfahrte also nach Leipzig.
In Auerbachs Keller. Also, weil ich Durst hatte. Aber natürlich auch der Kultur wegen.

Es ist richtig. Ich kann mich wirklich überall gepflegt betrinken, aber an manchen Stellen trinkt es sich besonders originell.
So pilgerte ich auf den Spuren der denkerischen Übergröße durch Leipzig.
Hier war er Student. Stdierte gar! Er, der doch alles wußte! Dort musste das Genie also noch etwas betankt werden, aber sein Geist war schon längst reisefertig.

So begab es sich also und ich fand mich wieder im Auerbachs Keller. Dolles Ding. Kennt man natürlich als Frankfurtgeschädigter. Dort soll der junge Goethe (wer sonst) an seinem Ur-Faust herumgedoktert (kleiner intellektueller Wortwitz) haben.

Das oben genannte Kellergewölbe ist die bekannteste und zweitälteste Weinwirkungsstätte der kulturumtriebigen Stadt Leipzig, in die später dann auch Richard Wagner hineingeboren (ind die Stadt nicht in die Kneipe) wurde.
Und noch später mein Gatte.

Seine weltweite Bekanntheit verdankt der Auerbachs Keller, der schon im 16. Jahrhundert zu den beliebtesten Weinlokalen der Stadt gehörte, wie gesagt, durch unseren Johann Wolfgang. Der eloquente Dichterfürst (damals noch Spachfuchs in Ausbildung) weilte während seines Studiums („Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie Durchaus studiert, mit heißem Bemühn“ – man kennt es ja zu Genüge) in Leipzig 1765–1768 oft hier und machte sich groooooße Gedanken. Hier sah er die beiden um 1625 entstandenen Bilder, auf denen der (für seine chaotische Lebensführung bei Schülern verabscheute) Astrologe Faust mit Studenten diskutiert.Und auf dem anderen auf einem Weinfass zur Türe hinaus reitet. Was ich ehrlich gesagt nicht verstand, da mein Weinkonsum sich in Grenzen hielt (Da steh' ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor! Heiße Magister, heiße Doktor gar).

Der Faust war keineswegs eine Erfindung von Goethe. Das Thema war uralt (nein, deswegen heißt es nicht Ur-Faust).
Die Faustsage kannte der Jung-Goethe daher bereits aus Kindertagen durch das Puppenspiel vom Dr. Faust, das auf Jahrmärkten aufgeführt wurde.

Mit der Szene Auerbachs Keller in Leipzig in Faust I hat er seinem Studentenlokal und der Stadt ein bleibendes literarisches Denkmal gesetzt:
„Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.“
So war das.
Und abertausende Schüler stürzten nach dieser Schreibtischtäterei in tiefe Verzweiflung. Heute gibt es in dem Keller keine großen Gedanken mehr, fürchte ich. Aber lecker was zu essen und dicke Klöße.
„Es möchte kein Hund so länger leben! Drum hab' ich mich der Magie (also eher der Kochkunst) ergeben“
Auch darüber kann man ein Buch schreiben, aber ein Kochbuch? Nein, das hat zum Glück Herr Goethe nicht geschrieben!

Anbei noch ein ORIGINAL Digitalfoto von 1767. Es zeigt den jungen Goethe beim Verfassen des entscheidenden Dialogs des Ur-Faust. (Gustaf Gründgens sieht man nur unscharf im Hintergrund, wie er da Klo sucht...)


In diesem Sinne
Angies Faust


Redakteur




19. März 2018, 11:12

Countdown läuft

Hallo Mädels,

heute Abend geht es also los. Oder nicht? (Ok, dieser Satz ist bewusst etwas kryptisch gehalten - einfach gelassen weiterlesen)...

Hier ein Zitat aus gegebenem Anlass:

Das Wunderbare am Menschen ist,
dass er wohl derselbe bleibt,
aber nie der gleiche.

Wilhelm Raabe

Momentan ist die Zeit der Wahlen. Wo du hinguckst, wird gewählt.
Ach, denkt man, da, da ist ja was los!
Pustekuchen.
Eigentlich sollte es tatsächlich so sein, wenn man die Wahl hat, dass man häufig danach auch eine Veränderung spürt. Ent weder man hat das Alte bestätigt und kann frohen Mutes und erhobenen Hauptes loslegen - oder alles ist neu.
Was ist aber nun los?
Nix ist los.
Die Wahlen, die momentan veranstaltet werden, sind eher mau.
Angela bliebt Angela.
Putin bleibt Putin.
Fehlt es uns an Mut? Haben wir Angst davor, unsere Zukunft anzufangen?

Die Existenzialisten haben vor nicht allzu langer Zeit festgestellt, dass Angst etwas ist, dass uns Menschen zu eigen ist.
Dass wir Angst nicht verdammen sollen. Angst ist gut? Na, sag das mal meinem Bauch. Und meinem Herzen!
Während viele Religionen sagen, wer Angst hat, glaubt nicht genug (pfui!) - sagen die Existenzialisten, nein, Angst gehört zu uns. Wir müssen sie annehmen, das lässt uns reifen, besser werden, Mensch sein.
Her mit der Angst.
Vom Angsthasen zum Angstelefanten?

...ich sag mal so...

Oh, Gott, ich hab sowas von gestrichen die Hose voll... das wird ja eine Superangie werden, wenn das fertig ist!


In diesem Sinne
Angstgegner ist jeder

Redakteur




15. März 2018, 11:44

Hüte dich vor Männern, die lesen

Hallo Mädels,

Ihr wisst, was schlimm ist, nicht wahr? Vorurteile.
Und vor allem, wenn Vorurteile vor unseren Augen zusammen brechen. Oh, da ist das Gezeter aber groß. Vorurteile sind so schön gemütlich. So kuschelig!
Und vor allem lässt sich eine Menge Geld damit verdienen und eine ganze Menge Menschen damit verunsichern (was zum Teil das selbe ist).

Im Zeitschriftenfachhandel erwerben wir gerne die Fachzeitschriften im Bereich Sport. Direkt neben dieser Bildungslektüre liegen auch von mir präferierte Hinweishefte über Landhausdeko-Must-Haves aber darum soll es heute nicht gehen:

Heute geht es um DAS Schnöselheft für den großen Mann von Welt.
Der Name des Magazins heißt zu deutsch "Männergesundheit". Was für ein Knaller!
Okay, in englisch klingen ja die ulkigesten Namen besser:
Hier auch, nämlich:

Men's Health.

Man wählte sicher aus guten Gründen den außerdeutschen Namen, um Verwechslungen mit der Apotheken-Umschau zu vermeiden.

Große Überschriften buhlen mit Schlagzeile wie:
Leckere Grillbeilagen und ...?
Holla!
Das ist doch mal ein Versprechen!
Mit Konsum dieses Magazins wird nämlich diese Woche Mann zum Frauenflüsterer.
Oder wahlweise zum Eremit, Eunuch, zur kommunikationsarme Wurst. Wie auch immer, ich musste das Ding erstmal durchblättern, auch wenn man das nicht darf.
Aber, ey, wenn eine Frau meines biblischen Alters das durchblättert, wird niemand glauben, oh die hätte sich das Dinge bestimmt beinahe gekauft! ... oder?

Zurück zum volltönenden Inhalt: Nie wieder Stress mit Frauen.

Nach einem dreiminütigen Lachanfall konnte ich dann wieder meine Lesebrille auf der Nase balancieren und dachte resigniert:

Mann kann nicht KEINEN Stress mit Frauen haben.
Das ist nicht möglich. Das ist einfach nicht in dieser Realität vorgesehen!
Okay.
Frauen können auch nicht KEINEN Stress mit Männern haben.
Warum?
Ganz einfach: KEINE Ahnung.
Eins steht fest:
Wäre das möglich, hätten wir Weltfrieden.

Ich schmökerte weiter in den wegweisenden Männergsundheits-Sparten: Fitness, Health, Food, Love (man beachte, Liebe kommt nach dem Essen), Style, Tech, Life, Community. Unter dem gestrengen Blick eines Regaleinräumers versuchte ich meine Amüsement etwas weniger expressiv zur Schau zu stellen.
Aber das war schwer. Sehr schwer.
Ganz ehrlich, bis zu diesem Blättererlebnis dachte ich wirklich, nur Frauenzeitschriften wären leicht bekloppt.

Aber es wurde noch mehr im Männerlesezirkel angeboten. ich sah staunend das Sortiment duch. Alles natürlich hochwichtig für den Mann von heute.
So musste ich höchst alarmiert und erstaunt feststellen, dass ohne Stress, also ohne Frau die maskuline Leserschaft auch nicht auszukommen wünscht. Es wurde versprochen, dem Käufer dieser Zeitung beizubringen, wie man eine Frau erst mal anspricht. Was denn nun? Ansprechen oder keinen Stress?

Ich gebe zu, ich bin mir nicht ganz sicher, wie der Mann gestrickt ist, der sich so eine Zeitung kauft. Ist er ein Hetero oder nicht? Ist er der Typ: Duschen-und-ab-zur-Arbeit.
Oder der 10-Stunden-im-Bad-alle-Pflegemittel-der-Nivea-Man-Jogi-Löw-Schönheitsserie-über-den-Kopf-giessen?
Ist der Mann, der das kauft im Kopf ganz gesund? Single? Familienvater? Sportler? Denker? Modeinteressiert? Von dieser Welt?

Mein Gatte kam mal mit diesem Hochglanzmagazin an. Er trug es zwischen Zeigefinger und Daumen, was insgesamt wenig entspannt aussah. Er beteuerte jedem, der in traf, dass er die Zeitung geschenkt bekommen hätte, da in Frankfurt sie aus Werbegründen verteilt worden wäre. Und da auf dem Titelbild Bond-Darling-Darsteller Daniel Craig platziert worden war, müsste er das Teil nach Hause zu seiner Gattin schleppen.
Offenbar hält sich mein Mann nicht für die Zielgruppe dieser Zeitschrift. Aber mich!
Merkwürdig. Ob er keinen Stress mit Frauen hat?

Lachhaft.


Ich kenne seine Frau.


In diesem Sinn
Men's Destruction

Redakteur




12. März 2018, 10:01

Vor großen Aufgaben

Hallo Mädels,

große Aufgaben, große Wünsche.
Durchatmen.
Ja, das Gefühl, dass einem der Arsch auf Grundeis geht, muss man aushalten können.
Wird schon.
Klar. Das wird alles. Irgendwie.
Denn was sagte schon Dietrich Bonhoeffer?

"Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen."

Das gilt für große Aufgaben genauso wie für die große Liebe.


In diesem Sinne
Ich, klein, hilflos, grinsend



Redakteur




09. März 2018, 09:28

Die Farbe Blau

Hallo Mädels,

mein ehemaliger Arbeitgeber hat sich nicht unbedingt als Sonnenschein gezeigt. Aber ich hab viel gelernt, vor allem, wie merkwürdig Menschen ticken, wenn sie ein bisschen Macht bekommen – und sei es nur den Schlüssel zum Klo...
Zu den extrem wenigen, erfreulichen Seiten dieses Unternehmen gehören: Ihr, meine Mädels. Jawohl. Aber auch nette und schöne Männer, die ich entweder anstarren oder heiraten durfte, Chefinnen, die Freundinnen wurde und noch eine Reihe handverlesener supernetter Kollegen.

Damals, als ich noch Single war und das Lieblingsmobbingziel meines adipösen Chefs, wurde ich nach Frankfurt zu einer tendenziell nervenaufreibenden Projektarbeit abkommandiert.
Da sich niemand um den Job riss, suchte man ein weiteres Projektmitglied, das man mir zur Seite stellen könnte und fand einen riesigen Mann mit blauen Haaren. Vermutlich hatte mein Chef Angst vor dem und dachte, diese Aktion käme dem Klatschen zweier Fliegen gleich.

Der Mann mit den blauen Haaren schien mir respekteinflößend, etwas rebellisch, punkig. Tätowiert wie ein Maori-Krieger stand er in einem Türrahmen vor mir und sagte: „Ich komm dann mal mit.“
Den Bruchteil einer Sekunde dachte ich, der Türrahmen würde zusammenkrachen, wenn er ihn nicht stützte.

Projektarbeit ist nicht jedermanns Sache. In der Regel beschäftigt sie sich mit Dingen, die zwischen allen anderen, geregelten Abläufen hängt. Das ist schwierig. Denn niemand fühlt sich zuständig und wenig Verständnis kommt einem entgegen. In einer Bank sind alle darauf trainiert, den Tellerrand zu verteidigen, als sei er das letzte Stückchen Brot.
Man bekommt außerdem für diese Arbeit fremde Menschen zugeteilt, muss abschätzen, welche Aufgaben ihnen liegt und dann versuchen ein nur vage sichtbares Ziel zu erreichen. Schwer. Viele Variablen, wenig Leitplanken, die einem vor dem Absturz sichern. Und schnell muss man arbeiten. Und zwar so schnell, dass die Zeit dich nicht einholt.
Mit Neugierde und Freude machten wir uns also auf den Weg mit diesem wundersamen Begleiter. Ich mit Visionen, er mit blauen Haaren.
In der Schnöselhauptstadt Frankfurt dann sofort der erste Erfolg. Wir bestiegen einen Lift und die darin enthaltenen, komplex frisierten Anzugträger machten einen alerten Eindruck. Sie drückten sich an die Rückwand, und wir beide hatten plötzlich einen komfortablen Stehplatz in Fahrtrichtung.
Im Vorzimmer der Sekretärin des Chefprojektleiters machte Mister Blue Hair so viel her, dass die Sekretärinnen auf eine lange Verweildauer verzichtete und wir gleich zum Chef durchgehen durften. Und der war supergruselig. Ich gefror augenblicklich vor Ehrfurcht. Ich bekam die Aufgaben diktiert und Mister Blue Hair einen eigenartig beeindruckten Blick zugeworfen.
„Muss ich mir jetzt etwa so einen bescheuerten Anzug kaufen?“ fragte Mister Blue Hair, als wir das Büro verließen.
Er kaufte. Und was soll ich sagen? Anzug und blaue Haare machen himmelherrgottscheißdiewanda​n schwer was her. Wir hatten fortan die halbe Kantine für uns alleine.

Das Projekt bekamen wir irgendwie hin. Und es hat uns beide irgendwie verändert. Nicht nur privat, nicht nur, dass wir das Leben in Hotels plötzlich unfassbar präzise kannten und ein Frühstücksbuffet nicht genutzt sondern beherrschten, es war mehr.
Ein mehr bis heute. Ohne dass es viel war.
Und das ist gut so.
Männer und Frauen können wirklich gute Freunde sein. Fast mehr als alle anderen Kombinationen.
Nun weiß ich: Menschen mit blauen Haaren haben ein Herz aus Gold. Auch wenn sie nun wieder Naturfarbe tragen.
Mögen seine Haare auch heute, nach all den Jahren, tief in seinem Inneren immer noch blau sein.

Die Welt braucht mehr solcher Menschen!
Alles Gute zum Geburtstag!



In diesem Sinne
Angie, stehend am Hamburger Kai und winkend

Redakteur




06. März 2018, 11:54

Krieg oder Krieg


Hallo Mädels,

der Mensch ist ein gar merkwürdiges Wesen. Das wissen wir.

Offiziell ist er im Frieden, privat allerdings immer fleißig im Manöver. Er beendet Friedensgespräche tonusmäßig mit „bis zum nächsten Mal“.

Wenn der Mensch nicht beständig seine Grenzen und anderen die Knochen brechen würde, säße er noch auf Affenbrotbäumen und wäre beim Shoppen für einen Löwen nur ein McMensch-Menü to go.
Die Menschheit hat mittags die Atombombe erfunden und abends gezündet. Mann und Frau führen Krieg, wobei ihnen das Töten weniger Schwierigkeiten bereitet, als das Erfinden einer plausiblen Kriegserklärung.

Mal führt der Mensch Krieg wegen Hunger, mal wegen Luxusgütern, mal wegen der Grundstückspreise. Spanier bekriegen sich wegen der Erbfolge, Engländer, weil sie Schotten doof finden und Russen, weil sie keine Insel sind. Weshalb Deutsche so ausgiebig Krieg führten, wissen nur die Österreicher. Und die Amerikaner machen das, weil ihre schicken Uniformen gelüftet werden müssen.
Der ewige Dauerbrenner an Kriegsgründen ist und bleibt die Religion (also Macht).
Irgendwann, irgendwo wird immer ein Krieg mit „Selber doof!“ begonnen.

Um sich nicht die Blöße geben wegen dieser ausgefuchsten Idiotie und um den Daheimgebliebenen was zu tun zu geben, hat man das Thema Sicherheit erfunden.
Sicherheit im Straßenverkehr, Sicherheit im Netz, Sicherheit im Haushalt. Alles wird gesichert, abgesichert, versichert und zugesichert.

Nachdem ich diesen Gedanken gelangweilt in meinem Hirn vor und zurück geschoben habe, ging ich an einer gar hübschen, mir wohlgefälligen Reihenhausfront entlang. Giebelchen, Vorgarten mit Tulpen, Getschilpe vom Mandelbäumchen.
Und da war sie: Die Sicherheit des Mülleimers.
Eine Horde bunter Reststofftonnen warteten artig umgrünt in einem Käfig verschlossen auf die emsige Hausfrau. Die Abfallbehältnisse sind wie gefährliche Raubkatzen eingepfercht, als könnte die freilaufende Biotonne einen Vorbeigehenden anspringen, um ihm die handgeknüpfte Wolljacke zu entreißen. In Wohnblocks wird das Müllrausbringen von Sondereinheiten erledigt! Da sind die riesigen Mülleimer mit Karten, Schlüsseln oder Nummernschlössern gesichert. So ist es nicht selten, dass statt mit dem Müllbeutel zu rascheln plötzlich digitale Pieptöne von sich gegeben werden.
Müll muss gesichert werden. Sonst stellt noch jemand was dazu. Müll ist teuer, hat also einen Wert. Vor allem sein Nichtvorhandensein ist begehrt.

Man kommt erstaunlich schnell auf den Gedanken, dass der Mensch sich zum Müll ebenso undurchsichtig verhält wie zum Frieden.
Wegschließen und immer so tun, als ob er nicht da ist. Und zuweilen stinkt er einem, der Frieden. Dann muss man was dagegen tun.

Der Mensch ist offenbar jemand, der sich die Forderungen an den Krieg nie abkaufen lässt. Schon gar nicht vom Müllmann.


In diesem Sinne
Kriegsgöttin auf Urlaub

Redakteur




03. März 2018, 08:55

Zu viel Stolz und zu viel Vorurteil

Hallo Mädels,

ich lese gerne schwierige Kost. Vermutlich ein Tick, den ich mir aneignete, weil ich in der Schule nie eine Deutschlektüre las und daher in den Deutscharbeiten über eine 4+ nie wirklich hinauskam. Meinem Lehrer war nur allzu klar, dass die liebe Angie zwar mit aller Eloquenz VORAN stürmte, aber nie wusste WOHIN. Wie auch - mir ist erst heute klar, warum Effie Briest so viel Kummer mit ihrer Familie hatte und warum mir das hätte eine Lehre sein sollen.

Leute, die in meinem Heim herumlungern oder zu einer Stippvisite das Wohnzimmer diametral perforieren, wissen, was zu lesen ich mittlerweile bereit bin.
Geheimrat Goethe, den wilden Schiller als angeberische Aufwärmübung, dann Biografien von Byron und Balzac (wegen der Alliteration). Dazu Proust und Schopenhauer wegen der dekorativen Ausgaben. Rilke jammert sich lyrisch durch mein Lesestudium, Poe und Kafka verbreiten derweil Schrecken und Düsternis, bevor ich meine Leselampe anschalte und mit Mao-Biografie und Dalai Lama versuche, meine asiatische Gelassenheit zu dekorieren.
Dazwischen durchstolpere ich eine peanuts-eske Welt und komme zur Ruhe mit deutschem Jugenstil und verwühle mich sogleich mit dem französischem Enfant Terrible Frederic Beigbeder ( und weil man den Namen nie richtig aussprechen kann, auch: Houellebecq).

Ich liebe einen Mann. Thomas Mann. Er ist für mich das Herzstück meiner selbst. Er liebte Männer, so wie ich, er wurde enttäuscht und dadurch erfolgreich, er war ein Versager und doch haben alle ihn lächelnd angesehen und gedacht: Der macht das toll.

Letzteres ist übrigens sicher deprimierender als zu sagen: Du bist ein Versager.

Wenn der Kummer kommt, nehme ich mir ein Buch.
Momentan schaffe ich bis zu drei Bücher an einem Tag.
Für den Zauberberg allerdings brauchte ich dann doch zwei Tage.
Tod in Venedig, Verstand und Gefühl, Ulysses, Blechtrommel, diverse Brechts.

Momentan hole ich schwer auf im Bereich Allgemeinwissen.

Und zwischen durch Jane Austen fürs Herz und die Hoffnung.
Für etwas Stolz und gegen Vorurteil.

Ich liebe es, wenn ich mir schwere literarische Kost selbst vorlege. Es wirkt immer so, als würden ich von mir selbst denken, ich wäre gebildet.

Ich bin von außen tiefsinniger als von innen.

Denn was mein Hirn wirklich liebt, sind neben Unerreichbarem einfach so simple Sachen wie Handyspiele.
Ich bin quasi die fleischgewordene Adhäsionskraft der Generation „gebeugt über Handys-Herumlaufender“. Ich falle auf die dümmste psychologischen Belohnungssysteme rein. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn ich kleine Candy-Stücke in die richtige Reihenfolge schiebe.

Ich bin ein Volltrottel.
Aber immerhin mit viel Drama.

Zum Glück kaufe ich nie ein Online-Spiel, ich beziehe nur Unmengen Strom und fülle meine WLAN-Verbindung voll aus.
Und schon wird mein Hirn geflutet mit Dopamin-Tsunamis und ich singe „Jippijajajippijippijäh!“.


Wo ist bloß mein Hirn geblieben?
Und wo ist Mister Darcy? Kommt er doch zum Tee?


In diesem Sinne
Alt gewordene Elizabeth Bennet

Redakteur




28. Februar 2018, 08:59

Wortsinn

Hallo Mädels,

Unwort des Jahres, Trendworte, Lieblingsworte, Fremdworte.
Ach, Sprache ist ja was Schönes!
Hier mal was zum Nachdenken:


Ernährer.

Oder wie ich gerne mal sage: Konsequente Fehleinschätzung.


Lassen wir das...


In diesem Sinne
Wortort




Redakteur



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