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Der Blog


     


14. Juli 2018, 15:28

Deutsches Finale – Das Weh des Meisters


Hallo Mädels,

der fußballdeutsche Einmarsch in Russlands Stadien war irgendwie schlecht vorbereitet. Alle Unverantwortlichen riefen so hübsch laut, das wäre eine easy Sache für den haushohen Favoriten.
Das Ergebnis war ...

Ja, danke, mir geht es mittlerweile wieder besser. Nachdem ich mein Mobiliar schwer beschädigte beim Betrachten des dritten und letzten Spiels der Nivea-Bubies.
Himmel, was kann ich beim Fußball-Gucken ausrasten!

Nach meiner fußballfiebrigen Genesung habe ich auf Anraten meines Psychaters tatsächlich die innere Ruhe daran gefunden, die folgenden Fußballspiele ungewohnt entspannt zu gucken.
Nur die Interviews mit dem großen Trauer-Joghurt, dem Wald-Grindel und dem Eloquenzbrunnenvergifter Bierhoff über wer wie wann schuld war, waren noch gewöhnungsbedürftig. Aber man muss nur die Medikamentendosis erhöhen, dann halte ich durch bis zur Bundesliga.
Egal. Jogi hab ich mittlerweile wieder lieb und bin fast froh, dass der bleibt. Ja, der scheint mir tatsächlich jemand zu sein, der was lernt, wenn er was falsch gemacht hat. Anders als die Damen und Damen und Damen und Herren-will-ich-es-nicht-nennen in der Politik.

Ach, Politik.
Die Politik ist mit Abstand das Schlimmste an dem zu frühen Verenden der (von Trikots offenbar zutiefst geschockt und im Mittelfeld daher paralysierten) deutschen Nationalmannschaft. Denn nun bekommt der Zuschauer leider ungefiltert mit, was los ist in unserem offensichtlich von Flüchtlingen totalverwüsteten Deutschland.
Da ist ja so viel los.
Also Straßen und Rente und was war es noch? Ach ja, Flüchtlinge.
Dass Trump mit seiner Dummheit bis zum Präsidentenamt gekommen ist, muss den Seehofer ja irgendwie total vernebelt haben, aber egal, er versucht es bis zum Kanzleramt nun mit offensichtlich ähnlichen Redenschreibern.
Und was war noch?
Ach, es ist ja so viel Tagesschau, wenn man keine WM schauen muss…
Ja, richtig!
Da ist ja auch noch diese muffelige Theresa, die in ihrer Brexit-Wut ja auch kein Maß halten kann. Jetzt will sie aus der EU austreten, um dann doch drinnen zu bleiben, es aber nicht so nennen will. Aber die Engländer gucken ja noch WM, da fällt das denen nicht auf. Die Glücklichen! Dritter Platz wäre ihnen zu gönnen.

Ach, liebster Jogi, was hättest du mir erspart, wenn du mit deinen kleinen Jungs nur etwas mehr geübt hättest!

Egal.
Morgen Frankreich gegen Kroatien. Zwei Länder, die was vom Essen verstehen.
Ich werde soooooo entspannt sein, herrlich…

In diesem Sinn
Die Liga der außergeöhnlichen Gentlewomen

Redakteur




04. Juli 2018, 08:15

Ist diese unselige WM immer noch nicht vorbei?

Liebe Mädels,

die Sprüche zum Trost reißen nicht ab.

"Immerhin müssen wir nicht mehr ins Elfmeterschießen!"
"Wir können jetzt abends mal entspannt grillen!"
"Wir könnten jetzt doch in den Uraub fahren, Schatz!"

Aber dass andere einfach noch weiter spielen im Fernsehen und uns nicht mitmachen lassen.
Zum Heulen.

Na, diese Woche noch...


In diesem Sinne
Die Verlängerung

Redakteur




28. Juni 2018, 08:02

WM - Aus




Scheiße ist noch geprahlt.

Redakteur




15. Juni 2018, 09:40

Endlich wieder WM in der Hose


Hallo Mädels,

„Der Jogi hat so einen süßen Knackarsch.“ sagte die große Blonde zu mir.
Ich dachte, mir fallen die Ohren ab!
Da ich keinen völlig versessenen Eindruck machte auf den Bundeshintern, wurde sofort nachgefragt: „Jetzt mal ehrlich, Angie, den Jogi findest du sicher auch schnuckelig, oder? “
Wie bitte?
Ich halte dann immer mit dem Zeigefinger und Daumen meiner rechten Hand meine Nasenwurzel fest. Das hat kontemplativen Charakter, ich weiß, aber in erster Linie versuche ich die Luftzufuhr soweit zu reduzieren, um nicht laut zu schreien:
Was um Himmelswillen interessiert mich das Gesäß unseres Bundestrainers? Der soll vernünftig Fußballspielen beibringen können!

Dummerweise war die Dame ganz und gar auf den Geschmack gekommen. Sie wollte nicht glauben, dass ich nicht verrückt auf den Anblick der sportlichen rückseitige DFB-Auswahl war. Also blieb das Gesäß des Freiburgers Mittelpunkt des Interesses. Ich schwieg und hoffte, mich alsbald verdrücken zu können, aber ich wurde vehement daran gehindert. Unbedingt sollte ich mich äußern. Ich schwieg bockig. Bis zu dem Punkt, als ein Mann hinzutrat und lachend meinte, seine Frau würde auch total auf den Jogi stehen.
Jogi würde es der Männerwelt schwer machen. Der ist so gepflegt und so. Und man könnte doch als Mann nicht immer so geschniegelt und gecremt durch die Welt laufen – wie ich das denn sähe…
Äh?
Ich dachte: Wachen eigentlich hierzulande die Männer nachts erschrocken auf und schreien: Schatz, findest du den Joachim Löw schöner als mich?
Nein, wohl nicht alle.
Herr Löw wacht wahrscheinlich selbst panisch auf und schreit: „Schatz, hab ich den kleinen Kimmich eingepackt?“

Was ist nur los mit den deutschen Männern?
Aber ich hab oft das Gefühl, dass deutschn Frauen heutzutage nicht mehr aufs Äußere der Männer gucken. Sondern mehr auf innere Werte. Bisschen was im Kopf ist wichtiger als rasierte Brusthaare.

Offenbar hat sich rum gesprochen, dass man in deutschen Schlafzimmern zwar das Licht ausmachen kann, aber nicht den Ton abstellen.

Wie dem auch sei. Ich hatte mich gerade abwenden wollen, da wurde ich gefragt, wen ich mir denn aussuchen würde, wenn ich dürfte. Jetzt echt. AUSSUCHEN haben sie gesagt. Wahrscheinlich meinten sie aus dem Aussuch-Pool: Bierhoff-Köpke-Schneider-Löw. Unsere Anzug-tragende, mobile Quadriga des Hochleistungsfußballs.
„Also mal ehrlich, Angie, wenn du dir jetzt einen aussuchen könntest...“
Himmel!

Lieber Fußballgott, lass bitte, bitte jetzt Vollpfosten vom Himmel regnen! Mit der spitzen Seite nach unten!

Aber zur Info: Ich will immer das Alpha-Tierchen. Aber wenn sich das von mir einfangen lässt, ist es kein Alpha mehr - nur noch Beta. Tja, Pech…


In diesem Sinne
Der Mittelpunkt

Redakteur




12. Juni 2018, 08:31

Niederlage

Hallo Mädels,

wer weiß es nicht und ich aus schmerzlicher Erfahrung, dass man durchhalten muss. Man darf nicht weglaufen, man darf nicht klein beigeben, wenn man etwas will.
Wieso heißt das eigentlich so?
Klein beigeben?
Egal. Nicht ablenken lassen.
In absolut jeder Biografie die ich gelesen habe (ok, vielleicht nicht die von Thomas Bernhard) steht: Wenn du etwas willst, bekommst du es auch.

Also ich will.
Ich will.
Ich will, ich will, ich will, ich will.

Aber der Weg ist weit. Und kurvig. Und oftmals gibt man vorher auf.
Aufgeben?
Geben auf was?
Ich will einfach nicht aufgeben. Ich sitze manchmal am Wegesrand - und will einfach nicht aufgeben.
Nein, nein.
Will ich dann das Ziel ? Ooooder nur nicht aufgeben?

Man muß einmal am Boden sein, um auf ihm stehen zu können.
Ja, sag ich mir! Das ist es.
Es ist keine Niederlage, es ist eine Grundlage. An manchen Tagen ist man der Hund, an anderen die Laterne. Das ist so.

Also aufrappeln, schütteln wie ein Hund und weiter gehen.
Wird schon.
Hauptsache, das Herz ist dabei.

Auch wenn ich ein friedliebender Mensch bin - aus gegebenem Anlass - so wappne ich mich doch im Krieg mit dem Wissen eines Niccoló Machiavelli:

Wenn du stark bist, dann beginne, wo du stark bist.
Wenn nicht, beginne dort,
wo du eine Niederlage am leichtesten verschmerzen kannst.

Heißt es Krieg, weil man was kriegen will?

Also gehe ich weiter auf mein Ziel zu.
Zuweilen spüre ich, dass genau dieses anvisierte, geliebte Ziel mich ab und zu mal ansieht. Ab und zu.
Das gibt genügend Kraft.

Nach Regen kommt Sonnenschein.
Lassen wir es dabei.
Weiter.


In diesem Sinne
Die Kriegerin




Redakteur




17. Dezember 2017, 12:05

Neues vom Sport: Betreutes Joggen

Hallo Mädels,

um die dunkle Jahreszeit durchzustehen, habe ich Hilfe. Eine junge Frau, die ich „das junge Mädel“ nenne, weil sie so gertenschlank, biegsam und fröhlich durch das schwierige Leben einer gestandenen Ehefrau und Mutter gleitet, macht mit mir regelmäßig Waldläufe. Da sie 14 Jahre jünger ist, wirkt es auf die restlichen Waldnutzer schnell mal so wie „betreutes Wohnen“ - bloß mit Laufen.
Warum ich mir ausgerechnet Joggen ausgesucht habe, um den Alterungsprozess aufzuhalten, habe ich mit mir bislang nicht klären können. Wenn ich laufe, sieht es nicht gerade aus wie Urban-Survival-Training einer NVA-Sondereinheit. Ich besitze die Haptik einer Wärmflasche, und werde auch ohne Implantate an bestimmten und unbestimmten Stellen ansehnlich dick.

Wir laufen nicht sonderlich schnell, aber ich werde stetig besser, worüber ich mich aber allerdings nur schriftlich freuen kann.
„Das junge Mädel“ erzählt munter von den Ereignissen ihrer Woche, ich japse ein paar eilige „Oh, gut!“ oder „Find ich auch!“ oder vergleichbar kompakte Zwischenbemerkungen. Zu mehr ist mein Lungenvolumen nicht in der Lage.
Wenn meine junge Begleiterin eine ausführlichere Stellungsnahme von mir wünscht, bremsen wir ab und gehen ein Stück, damit ich ausreichend Luft habe, um reden zu können. Danach aber hopphopp weiter im Galopp.

Ich mag das „junge Mädel“. Sie ist angenehm im Aussehen, angenehm im Charakter. Ja, ich mag sie sehr, auch wenn sie mir so schmerzlich vor Augen führt, was sie ist und ich nicht mehr.
Jung.
Was mein Hirn noch nicht einsehen will - mein Körper lebt es bereits: meine Knie sind alt und vertragen keinen Asphaltboden, nur weichen Waldboden; meine Augen und Ohren haben Mühe, am Morgen die Orientierung zu finden, meine Lunge ist teilweise noch gar nicht wach, wie mir scheint; mein Gesicht ist faltig wie meine Bettdecke, die zuhause noch wohlig die Nachtwärme speichert, und meine Bewegungen sind weit davon entfernt, „geschmeidig“ genannt werden zu können. Bestenfalls „zielorientiert“.

Jede Extraanstrengung, zum Beispiel eine Pfütze oder ein umgewehter Baumstamm, scheint meine Begleitung spaßig zu finden. Biegsam wie ein Teenager springt sie darüber hinweg. Die dafür benötigte Extraenergie steht ihr offenbar reichlich zur Verfügung. Währenddessen redet sie aufmunternd weiter und schafft es mit dieser Unterhaltung, mich bei Laune und in der Spur zu halten.
Ich hingegen muss bei jedem Hindernis erst einmal eine körpereigene Findungskommission beauftragen, die wiederum sondieren muss, wie der zusätzliche Kraft-Bedarf im kommenden Haushalt vorgemerkt werden kann.

Ich bin alt. Und es macht mir zu schaffen, wie so vieles in meinem Leben, das sich nicht organisieren lässt.

Ein toter Baum ist für mich das pure Elend, die kalte Jahreszeit eine dunkle Vorahnung, eine Regenpfütze ein Tränental, das Glas ist immer halbleer, und das Leben dieses moosbewachsenen Waldes kein Kreislauf, sondern ein grüner Untergang.
Ein Fuß vor dem anderen ist meine Marschrichtung. Der Winter schaut grimmig dabei zu.

Ich mag es nicht zu wissen, dass ich in einigen Jahren auf diesen Tag zurückschauen und sagen werde : „Da ging es mir ja noch so richtig gut!“

Wir laufen - sie plaudert, ich kämpfe.
Aber sie bringt mich zum Lachen, sie kann so schön ärgerlich sein mit den Unwegsamkeiten des Lebens. Sie bringt alles sofort auf den Punkt mit ihrer Art etwas zu beschreiben. Ihre Körpersprache ist unfassbar ehrlich, und ihre Sprache klar und schnörkellos. Sie hängt an ihre Aussagesätze stets die Worte „im Prinzip“ an, was zauberhaft ist. Denn offenbar hat sie das Prinzip des Lebens verstanden. Nichts ist mehrdeutig, höchstens mal zweideutig, und dann lachen wir, und meine Lunge freut sich über den Extrasauerstoff.
Sie hält sich an mein Lauftempo, das geringer wird zum Ende der Strecke. Aber da ist endlich der Ausgang aus dem Waldes. Vorbei an einem schönen alten Weiher, die Sonne kommt durch die Wolkendecke, das Grau des Winters flieht kurz vor den sanften Braun- und Dunkelgrüntönen des Herbstes.
Wir traben nur noch und gehen zum Schritttempo über. Nun fragt sie mich nach meiner Meinung. Jetzt kann ich Antworten geben. Weil ich alt bin, hab ich davon mehr als sie. Sie fragt mich offenbar ganz gerne.

Alt sein, heißt also doch etwas zu haben, was kostbar ist. Etwas, das sogar mehr werden kann.

Erfahrung.

Ohne Umschweife verabredet sie sich mit mir zum nächsten Mal.
Immer gibt es ein nächstes Mal.
Das ist schön.


Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,
Kürzt die öde Zeit,
Und er schützt uns durch Vereine,
Vor der Einsamkeit.

(Joachim Ringelnatz)


In diesem Sinne
Das Potenzial


Redakteur




24. November 2017, 09:04

Sprache als Sport

Hallo Mädels,


wenn Sport und Sprache zusammen kommen, entsteht für meine schwachen Ohren immer ein heftiger Kurzschluss. Es ist, als wollte die Welt klar stellen:

Körper und Geist gehören nicht zusammen!

Aus gegebenem Anlass überlege ich, warum wir uns so schwer tun mit guter Kommunikation. Ein klares, gutes Wort am rechten Platz ersetzt so manches Pflaster, umgeht einen unerquicklichen Streit, tröstet den Traurigen, hilft einer Gemeinschaft und macht viel Spaß mit uns.
Wir haben unfassbar komplexe Kommunikationsmöglichkeiten! – der eigene Mund mal gar nicht mitgerechnet.
Warum nutzen wir sie nicht – oder wenn wir es aus Versehen doch mal nutzen - warum fallen wir damit so schnell auf die Fresse?

Sprache ist so was Wunderbares! Hach, herrlich…

Gut. Sport auch.

Warum finden diese beiden nicht so recht zusammen?

Mein Steckenpferd ist ja die Paläolinguistik.
Sicher, man kann sich den Tag auch anders versauen (zum Beispiel mit Sondierungsgesprächen oder Videobeweisen), aber es ist so wunderbar, sich vorzustellen, wie Sprache entstand! Die Rekonstruktion der indogermanischen Ursprache birgt so viele kleine Schätze. Herrlich.

Leider kann ich mich nur mit wenigen Menschen darüber erschöpfend austauschen, da meine Gesprächspartner in der Regel nach drei Sekunden darüber einschlafen.

Aber wenn ich diesen humansprachlichen Gedankenansatz mal zur Seite wischen, frage ich mich echt, warum die Menschheit und die Evolution sich DERART Mühe gemacht haben, Sprache zu entwickeln, wenn der Mensch davon nur Gebrauch macht, um sich FALSCH ZU VERSTEHEN.

Ihr seht, es wird kompliziert!
Denkt nur an die unzähligen Fälle, die wir Tag für Tag erleben, wenn das Gesagte und das Gemeinte sowohl beim Sender als auch Empfänger plötzlich gemein wird...
Hilfe!

Am liebsten möchte ich die Hälfte der Menschheit mal in den Arm nehmen und sagen: „Mäuschen, jetzt beschränke dich doch erst mal auf die Worte, die wirklich gesagt wurden! Nur Klares ist Wahres.“

Da lob ich mir den Sport.
Fußball. Klare Regeln, klares Feindbild.
Oder Tennis. Schläger, Ball, Netz, Winkelhalbierende...ach nee, das ging ins Aus.

Hm. Sollten wir das Sprechen etwa wieder aufgeben? Zeigt unsere socialMedia-Welt nicht allzu deutlich, dass wir dem nicht gewachsen sind?

Ich will Sprache! Ich will, ich will, ich will!
Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht gut hören kann. Ich muss die Menschen genau ansehen, wenn sie sprechen, um Teile des Gesagten (falls akustisch nicht verstanden) notfalls zu überbrücken.

Ein Körper lügt weniger als ein Wort.

Einfach mal die Fresse halten, denke ich so oft!
Schon alleine das Abschaffen von Kommentatoren bei Fußball-Länderspielen würde mir persönlich sehr helfen!!! Bis auf den Satz: „Rahn schießt! Tor, Tor, Tor!“ hab ich noch keinen zweiten Satz gehört von diesen Sprachjongleuren, der irgendeinen Sinn ergab!!!
Lassen wir das…

Aber dennoch:
Schatz, wir müssen reden! Immer. Ganz viel.

Tja.
Bleibt eine Frage übrig:

Sport und Sprache - Wie bringen wir das zusammen?

Es ist ein bisschen so wie bei Mann und Frau.
Hübsch, wenn es passt.
Aber besser, wir lassen die Finger davon...





In diesem Sinn
Der taube Sprachschatz

Redakteur




22. November 2017, 08:54

Kluges aus dem Land der Zitate

Hallo Mädels,

irgendwie ist bei diesem Wetter alles mühsam und alles irgendwie ein zäher Kampf, ein Ringen mit den Elementarkräften der Zivilgesellschaft.
Man kämpft mit dem Verständnis für Politiker, man kämpft mit dem eigenen Nachwuchs um den Sinn und Unsinn von Hausaufgaben. Selbst in der Freizeit geht es oft und viel um Gewinnen, ums Siegen.
Ist das genetisch so in uns verankert?
Müssen wir Siegen, weil unser Urtrieb uns einflüstert: Nur wer siegt, bleibt?

Aber welchen Sinn hat Siegen und Gewinnen, wenn wir in unserer heutigen Zeit gar nicht mehr wissen, WANN wir gewonnen haben. WANN wir fertig sind mit dem Kampf. WANN wir sagen können: hey, jetzt geht es mir gut!

Haben wir uns im Siegeswillen verheddert?

Immer mehr von: Mein Haus, mein Auto, mein Urlaub?
Kann nicht sein. Dafür sehe ich zu viele unfrohe Gesichter ganz in meiner Nähe, die reichlich davon haben und nicht glücklich sind.

Jeannette Rankin sagte mal:

"Man kann einen Krieg genauso wenig gewinnen wie ein Erdbeben."


Offenbar kann man auch das Leben nicht einfach gewinnen. Man sollte es dann schon noch wirklich leben.


In diesem Sinne
Die zufriedene Verliererin

Redakteur




19. November 2017, 12:24

Zitatetag


Hallo Mädels,


noch mal ein kluges Wort zur bewegungsintensiven Kalorienabarbeitung:

"Annehmbare dialektische Negation des Krieges: Sport."
(Manfred Hinrich)

Kalorien sind Krieg. Immer.


In diesem Sinne
Die, die joggen war...jetzt Sofanotaufnahme

Redakteur




06. Juli 2017, 14:54

Sehr gemischtes Doppel mit und ohne Doppelsinn


Hallo Mädels,

wie bereits berichtet, intensiviere ich gerade meine soziale Kompetenz im Bereich unauffällige Mitgliedschaft in meinem neu erarbeiteten Verein.

Der vereinsseitig angebotene „Doppelspaß“ ist ein sechswöchiges Praktikum für Leute wie mich, die sich mit viel Mut und gutem Willen aber auch einer eher spärlich anmutenden Vereinssportfähigkeit so richtig zum Obst machen wollen.
Großartig.
Ich befinde mich nämlich (trotz Luther) in einer Art katholischem Tennistalentzölibat.

Das heißt: ich will, kann aber nicht so richtig.

Der hessische Vereinsangehörige hingegen lebt zwar im (irrigen aber sehr) festen Glauben, dass man aus Äpfeln Wein machen kann (und das Käse Musik macht), aber von seinem Sport versteht er was.
Ich nicht. Weder von dem einen noch dem anderen.

So beginnt also an einem sonnigen Abend das, was Doppelspaß genannt, technisch gesehen ein gemischtes Doppel ist und letztendlich einen Doppelstress darstellt.
Mein Schläger und ich versammeln uns in Tennisröckchen frisch gewandet am Clubhaus. Auf einem keck gebastelten Blech werden unser aller Namen zusammengestellt. Es ist ein freudiges Hallo aller Orten. Jeder sucht sein Magnetschild auf dem Blech, damit er weiß, mit wem er im Doppel Spaß zu haben zugeordnet wurde.

Nur eine Sache noch: Türkis ist die Farbe, mit der Frösche in der Regel anzeigen, dass sie hochgiftig sind. In meinem Breitensport bedeutet ein Türkises Magnetschild ungefähr das selbe:
Vorsicht! Anfänger.
Ich BIN Türkis…Man kann sich die Freude vorstellen, die mein Partner empfand, als ich ihm zugelost wurde.

Platz 5. Mein Partner sieht aus wie Robert Downey jr und ist ungefähr so locker wie sein filmisches Alter Ego Sherlock Holmes und so clever wie der Iron Man – kurz bevor der Dosenöffner erfunden wurde.
Gegen uns ein Ehepaar, das aus einer hübschen Frau in einem süßen Röckchen, die mir mehrfach versichert, sie sei auch Anfängerin (aber worin Anfängerin? In Mandarin?) und ihrem Mann, der wiederum eine Mischung ist aus einem sportlichen Jean Reno und einem nachdenklichen Egon Krenz, der gerade die DDR abgewickelt hat.
Alles hesselte um mich herum. Gut, dass ich halb taub bin.

Iron Man und ich verlieren.
Haushoch.
Was aber sicher nicht am ironischen Mann liegt, denn seine zur ronaldinischen Kunst erhobene Selbstdarstellung bei seinen mördermäßigen Aufschläge ist oscarreif – sondern eher daran, dass ich nur sprachlos dastehe und als der Ball dann doch mal mir vor die Füße plumpst, ich nichts damit anzufangen weiß.
Hilfe! Was mach ich hier?
Nach einem Trillerpfeifen ist Wechsel.

Center Court. Dort spiele ich mit einem jungen Mann im Doppel, der derart gut den Filzball zu schlagen versteht, dass ich es ihm nicht übel nehme, dass er mich immer nur als „Sie da!“ bezeichnet. Trotz seiner pickelfreien Jugend bekomme ich KEINE mütterliche Gefühle. Ich fürchte mich eher zu Tode vor seiner Vorhand (Linkshänder haben was Magisches). Man kann es so beschreiben, dass ich die ganze Sache so befremdlich finde wie die Haager Landkriegsordnung von 1907.
Die Bälle fliegen mir um die Ohren, so dass ich aus reinem Lebenserhaltungstrieb bemüht bin, meinem jungen Partner nicht im Weg zu stehen, während er alles niedermetzelt, was keine Superkräfte besitzt.
Triller.

Zur Entspannung kommt dann Stefan. Ein Bär von einem Mann und offensichtlich gerade im 7. Monat schwanger. Eine Mischung aus Bernd Stelter und Puh der Bär.
„Heute erste Mal auf dem Platz“, sagt er, und ich nicke peinlich berührt. Er lacht, zeigt dann auf sich und sagt: „Nein, ICH bin heute das erste Mal auf dem Platz.“
Das überrascht.
Da er riesig ist, kann er die Angaben gleich direkt von oben machen, ohne sich zu strecken und sein „Racket“ (wie wir Wimbledoner ja gerne sagen) sieht in seinen Pranken aus wie ein Tischtennisschläger.
Wir verlieren, aber das ist egal. Verlieren ist nett - wenn es gut gemacht ist.
Triller.

Platz 2. Durch (Erd-)Rotation wieder Robert zugeordnet. Seine Begeisterung hält sich in Grenzen.
Die gegnerische Dame hat einen Mörderaufschlag und ein sehr, sehr schickes Tanktop an, ärgerlich, wenn man nicht genug Pausen hat, um nachzufragen, wo sie das her hat.
Zumindest bemühe ich mich mehr, den Iron Man in seinem Kampf um mehr Gerechtigkeit unter den Filzbällen zu unterstützen.
Geht so.
Als wir zwei Spiele gewinnen, wähnen wir uns schon in einem Lauf – aber dann hab ich Angabe.
Och nö.

Naturgemäß kommt nach dem Doppelspaß das gesellige Beisammensein, ein weiterer Meilenstein in meiner Weiterbildung zum hessischen Entlein. Wir sitzen an einer langen Tafel, essen Pommes, schlürfen kalte Getränke und ich lasse mich artig ausfragen.
Sprachlich stehe ich etwas auf dem Nebengleis als jemand was von Räddä sagt.
Wie?
Bitte?
Ich versteh nicht. Ich habe doch westfälischen Migrationshintergrund!
Der Mann meint damit REDEN. Im Sinne von: sich mitteilen, sich erklären, sprechen über, Stellung nehmen plaudern, sich äußern.
Zu spät. Dass ich des Hessischen nicht mächtig bin, kann auch ein hastiges Soufflieren von belesenem Geiste an meiner Seite nicht verhindern.
Hatte ich doch gerade erst gelernt, dass man Apfelwein nur sauer gespritzt trinkt (süß trinken es nur die Zugereisten, die Nulpen, die Flaschen, die Dussel, die Blöden, die Westfalen) und einen Aschäbäscha hatte ich auch fehlerfrei am Kiosk auftreiben können, aber das war zu viel.
Räddä.
Hä?
Also gut. Reden wir. Und WAS ein echter Hesse zu reden versteht, wird mir als echte Serviceleistung gebührenfrei frei Haus geliefert.
Ein Mann im sportlichen Format: Typ: „Ich pinkel auch im Stehen“ gibt munter Folgendes zu Gehör:

a) er hat seine Ausbildung gehasst
b) er isst gerne Handkäs mit Musik
c) er hilft nicht im Haushalt – aber er bügelt gerne mal alles weg, was weggebügelt werden will.

Aha. Noch Fragen?

Letzteres wird NATÜRLICH mit einem derart dreckigen Lachen versehen, dass jede der anwesenden Damen sicher sein kann, dass es sich hierbei um einen Doppelsinn des Wortes BÜGELN handelt.
Im Sinne von: begatten, bespringen, kopulieren, beschälen, sich paaren oder einfach den Geschlechtsakt vollziehen.

Soviel zum Doppelsinn beim Doppelspaß. Doppelpunkt.



In diesem Sinne
Vorteil Wonder Woman

Redakteur



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"Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen." (T'ien Yi-Heng)