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02. Dezember 2018, 10:13

Adventsfest der 100.000 Irgendwas

Hallo Mädels,

übergroße Zahlen sollen hier wohl anziehend wirken, da man bei solchen Sendungen schlecht nach dem Motto vorgehen kann: Sex sells.

Die Rede ist von: „Das Adventsfest der 100.000 Lichter. Zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte“.
Wozu feiern wir Eröffnungen von kommerziellen Weihnachtsmärkten?
Wir gehen einfach hin und trinken Glühwein. Bis die Lichter ausgehen. Reicht das nicht? Müssen wir feiern, dass wir feiern wollen?

Der Aufbau der ARD Sendung zur allerallerbesten Sendezeit ist klassisch und hat sich seit der Erfindung der Leuchtmittel in Elchform nicht mehr geändert.
Alles, was unter dem Verdacht steht, Kitsch zu sein, wird aufgefahren. Da bleibt keine Kunstschneeflocke ungefilmt.
Kleine Mädchen mit Engelshaar, süße Häuschen, kleine Mädchen mit Engelshaar, drehende Pferde-Karussells, kleine Mädchen mit Engelshaar, ein Wald aus Zwerg-Kunst-Tannen, kleine Mädchen mit Engelshaar und Schneemänner und Tore mit Schneeapplikationen und kleine Mädchen.
Konsequent werden rieselnde Fernsehflocken in das Bild kopiert, dass man schon Angst bekommt, der Flachbildschirm hätte eine kaputte Bildröhre.

Auftritt Florian Silbereisen.

Es gehört zu der Tragik dieses Mannes, dass er das, was er macht, gut macht. Er ist freundlich, schlank, gut gekleidet, hat einen kleinen Dialekt, ist sympathisch. Er macht absolut alles richtig.

Zur Strafe muss er solche Sendungen moderieren...

Der Typ hat mir nichts getan, absolut nichts! Aber ich ich kann es nicht ertragen, ihn eine Showtreppe herunterschlendern zu sehen. Er breitet die Arme aus, und verspricht uns Weihnachten. Das Komplettpaket.
Im Publikum wird derweil konzertiert ausgerastet. Die ersten Fans müssen in ihre Taschentücher weinen.
Auftritt der betonharten Heiterkeit. Alles, was man süß und kuschelig (und vor allem perfekt künstlich ist) findet, wird etwas singen, was zum Glück allen so bekannt ist, dass man beschunkeln muss (so versprechen es die Untertitel).

Ja. Es ist furchtbar und ich kann nicht umschalten, denn ich bin paralysiert.
Ihre Auftritte sind fehlerlos, sauber, sympathisch, freundlich und hochprofessionell.
Und es funktioniert offensichtlich.

Offenbar ist das wichtigste an den Stars, die nun alle playbacksingend derart perfekt arrangierte Weihnachtsklassiker zu Gehör bringen, dass sie das dramatische In-den-Himmel-Singen“ darbieten. Dazu die Schlagworte: Friede, Freude, Menschheit, Kinder.

Zwischen den „Acts“ erklärt uns Florian, dass die Welt ein friedlicher Ort ist aber wir trotzdem an jene denken müssen, die nicht bei Ihren Lieben zuhause sein können.
Ich habe spontan Mitleid. Auch wenn die Omis mit den Rentierpullovern nicht aussehen, als haben sie es eilig mit dem Nachhausekommen.
Betreutes Freuen.
Glückliche Menschen im Publikum schunkeln zu Teilen der Kellyfamily. Die wurden offenbar vorzeitig aus der Haftcreme entlassen…
Echtbilder von Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland werden eingefügt und machen schnell klar, dass es ohne Schnee im mitteleuropäisches Klima ziemlich trostlos wirkt. Aber die Regie hat einfach den rein-kopierten Schneefall aus dem Bühnenbereich im Bild gelassen.

Das dramatische In-die-Luft-Gesinge wird nicht besser, wenn Herr Silbereisen sich noch so anstrengt und noch so perfekt ist. Denn das ist er.
Er ist gut.
Er macht das brillant. Dass man ihn dafür so hart bestrafen muss...Weihnachten ist nicht gerecht...


Halleluja, da ist der Abspann...


In diesem Sinne
Frohen 1. Advent

Redakteur




18. November 2018, 12:56

Lüge verhält sich zur Wahrheit, wie Krieg zum Frieden

Hallo Mädels,

heute etwas Ungemütliches.

Unter den erfahrenen Philosophen gilt es allgemein als kleine Neckerei dem grünschnäbeligen Anfänger gegenüber, wenn man diesen bittet, den Frieden zu definieren.

Frieden!
Freedom!
Ziel aller!
Oh, wie gülden dieses Tor!

Frieden ist das Ziel aller ? Philosophen sind Friedensstifter? Mitnichten! Sie sind streitbar und kalt bis tief ins Herz hinein, wenn es um das geht, was uns als Mensch ausmacht.
Es ist der Krieg, der uns definiert.
Und die Lüge.

Nun qieken alle auf! Vor allem jene, die voller Inbrunst und Gutmenschtum sich der Philosophie, als Inbegriff des klugen, pazifistischen Menschseins, zuwenden, um Klarheit zuerlangen.

Aber Philosophen sind nie dort zu finden, wo alles klar und definiert ist. Sie sind da, wo wir als Mensch verschwimmen, verwischen, wo wir halb Tier, als Geist sind.

Und dann steht er nun da, der arme Philosophen-Azubi.
Sag uns, was ist Frieden?

Ja, was ist Frieden?

Oh weh. Er müht sich, er krümmt sich.
Zum Schluss muss er zugeben, Frieden kann man nur erklären, erfahren, beschreiben, erleben im Zusammenhang mit dem Krieg.

Denn merke:
Frieden ist das Fehlen des Krieges.

Was für ein schmerzlicher Tiefschlag!

In der Regel lassen die altgedienten Philosphen den armen Azubi dann erst Mal verschnaufen, bis sie ihm dann mit der Definition von Wahrheit kommen.

Denn mit der verhält es sich fast so wie mit dem Frieden zum Krieg.
Eine Lüge lässt sich viel leichter erklären, als die Wahrheit.

Was ist Wahrheit?
Unsere Wahrheit?
Deine Wahrheit?
Ist nicht vielleicht die Mathematik die einzige Form der Wahrheit?
Wie ist meine Sicht, mein Geühl, meine Erfahrung, mein Leben im Bezug auf diese Situation?
Ist Wahrheit nicht eine Frage der Definition? Benutzerdefiniert sozusagen?
Ist das, was ich da sehe immer das, was alle anderen sehen?

Nein.
Niemals.

Wahrheit ist das Fehlen von Lügen.

Im Grunde lügen wir den ganzen Tag. Schon in dem Moment, wenn wir sagen: Heute ist das Wetter gut.

...wenn wir das einsehen, vielleicht sind wir dann nicht ganz so enttäuscht...


In diesem Sinne
Die Täuschung

Redakteur




16. November 2018, 12:35

Lindenstraße


Hallo Mädels,

der Schock, in den nur die ARD uns so hübsch versetzen kann, ist da:

Die LINDENSTRASSE wird eingestellt.

Meine Mama hat das immer geguckt. Fast von Anfang an. Kannte alle Schauspieler, die meist so mäßig spielten, dass sie woanders niemals Fuß fassten.
Wahrscheinlich dachte meine Mama beim Start der Serie, es ist so eine Art HAUS AM EATON PLACE und endet nach 20 Folgen.
Nix.
das nahm scheinbar kein Ende!
Gefühlt hundert Jahre mussten sich das öffentlich rechtliche Zuschauertier mit den Problemen der dutzend Familien auseinandersetzen.
Und wozu?
Keine Ahnung.

Die Serie mit den unfassbar langweiligen Fotos im Aufmacher und mit einer Streichorchester Wirbel-Musik, die Wagner als zu dramatisch abgelehnt hätte, flaterte regelmäßig in unser Wohnzimmer.

Meine MUtter war dann nicht mehr ansprechbar. Wi egebannt verfolgte sie die Folgen, von denen ich keine Ahnung hatte, denn ich habe das nie gessehen.

Und nun ist Schluss.

Hoffentlich heißt das nicht, dass ich das alles jetzt doch noch gucken muss.
Nachsitzen?
Himmel!

Es gibt garantiert dazu einen ARD-Brennpunkt und Selbsthilfegruppen!

In diesem Sinne
Die Eichenallee

Redakteur




09. September 2018, 08:22

Lesebrille

Hallo Mädels,

am Tag der Erkenntnis wusste ich plötzlich: zum Lesen bräuchte ich entweder einen längeren Arm oder eine Lesebrille!
Denn ich kann die Buchstaben kaum noch baräugig erkennen.

Diese Wahrheit birgt natürlich katastrophales Frustpotenzial, denn es sagt nichts anderes als:
Du bist alt.

Altsein will niemand, aber jung sterben auch nicht. Ich will mich also fügen und noch älter werden.
Daher erwarb ich im Fachhandel eine Lesehilfe.

Und da kamen die Buchstaben wieder allesamt zum Vorschein!
Welch Wiedersehensfreude!

Und es ward augenblicklich das Lesen wieder eine Freude!
Halleluja, meine müden Augen dankten es mir sogleich. Sie vermittelten nun wieder sinnstiftende Sätze und hielten einem abendlichen Lesevergnügen länger stand.

Und dann kam das Unvermeidliche...

Das Gesuche nach der Brille.

Wo ist sie bloß?
Hier? Oder hier? Im Sessel? In der Schublade? In der Handtasche?

Gleich nachdem die kluge Brille gewahr wurde, welche Abhängigkeit ich zu ihr aufgebaut hatte, ließ sie es mich spüren und verschwand wortlos.
Mal dahin, mal dorthin.
Mit Vergnügen wurde sie Zeuge wie ich jämmerlich hinter ihr her rief.

"Das ist wie bei den Männern!" sagte meine Freundin, als sie mich mal bei meinem etwas absonderlichen Such-Ritual beobachtete. "Besorge dir schnell eine zweite Brille!"

Gesagt, getan.
Und hat es genützt?
Aber jaaaaa!

Nun suche ich jeden Tag hinter zwei Brillen her...


In diesem Sinne
Die Aushilfsssehhilfe

Redakteur




31. August 2018, 10:12

Freitag


Hallo Mädels,

damit das ein für alle Mal geklärt ist:

"Die größten Schwierigkeiten liegen da,

wo wir sie suchen."

Wenn wir so ins Wochenende starten, kann nichts mehr schief gehen.


In diesem Sinne
Frau Freytag

Redakteur




31. Juli 2018, 13:25

Von der Liste der Lieblingstätigkeiten gestrichen


Hallo Mädels,

heute schon den Bio-Müll rausgebracht?
In das Müllhäuschen mit 1000 Grad Hitze?
Wo die Fliegen ohnmächtig um die braune Tonne herum liegen?

Ich schon. Und so sage ich Euch aus den Tiefen meines Erfahrungsschatzes:

LASS ES!!!!


In diesem Sinne
Biologisch ablesbar

Redakteur




17. Juli 2018, 11:06

Bevor du mir sagst, ich soll still sein


Hallo Mädels,

oft rede ich. Oft ist es auch ganz unterhaltsam, wenn ich rede. Aber oft rede ich, weil man das von mir erwartet. Und dann gibt es sehr vornehme Menschen, die sagen: "Halt den Mund, du vorlautes Kind, wer so viel redet, hat nicht viel im Kopf."

Na ja.
Ich sag mal so:

Nicht immer sind die Stillen auch die Weisen. Es gibt verschlossene Truhen, die leer sind.



In diesem Sinne
Schatzsucherin

Redakteur




29. Mai 2018, 12:00

In Erinnerung an meinen Lateinlehrer

Liebe Mädels,

die lateinische Sprache ist für mich vor allem dann von unschätzbarem Wert, wenn ich etwas sagen will, dass auf Deutsch zu anstrengend klingt.
Oder mich zur Besserung mahnt.



Dum vitant stulti vitia in contraria currunt.



In diesem Sinne
Eine Dummheit


Redakteur




15. Mai 2018, 10:16

Fleiß ist die letzte Zuflucht des Versagers

Hallo Mädels,

mit dieser prächtigen Überschrift will ich euch heute gleich mal aus der Komfortzone locken. Klappt es?

Es stehen bald wieder Zeugnisse an. Aus diesem Anlass heraus diskutiere ich mit meinem Sohn über den Sinn von fleißigem Lernen.
Diese Diskussionen sind in der Regel lang. Und laut. Lang und laut. In der Regel bestimmt die lautstärke auch die Länge, denn ich gebe dann irgendwann auf.
Leise. Heiser.

Und dann beruhige ich mich irgendwann und frage mich ernsthaft: WAS DISKUTIERE ICH HIER EIGENTLICH???
Diskutiere ich eher über

Fleiß

oder über das

Lernen

?

Wenn man diese Frage zweimal schüttelt, gibt man auch seinen Sinn nicht sofort verloren.
Fleiß und Lernen gehören zusammen?

Etwa nicht?

Immer wenn ich nicht mehr weiter weiß, google ich. Das Internet als modernes Orakel. Irgendeine Antwort wird es schon geben - und die muss ich dann nur mit viel Herz interpretieren, bis was Brauchbares rauskommt...

Wenn man Zitate über Fleiß sucht, dann findet man ganz viele, ganz ernste und fast alle von Goethe.
Da denke ich mir ärgerlich: "Na, der olle Fleißfürst hat gut reden! Der Typ hat immerzu was Geschrieben und es war alles im sehr gescheit!
War unser Johann Wolfgang eigentlich fleißig oder lernte der bloß leicht? Die Klugen können immer so daherreden von Fleiß. Das ist ja so einfach!

Ich war nie fleißig. Und werde es wohl auch nie sein. Das einzige, was mir hilft, ist Struktur und ein guter Plan. Beides hat nichts mit Fleiß zu tun.
In meiner Sicht ist im Grunde auch nicht das Gegenteil von Fleiß Faulheit.
Eher Konzeptlosigkeit.


Und so stehe ich hier. So faul wie nie zuvor.
Und ende hier.
Ich muss nämlich noch ein bisschen Nichts tun. Aber mit Plan.


In diesem Sinne
Der Faltplan

Redakteur




11. Mai 2018, 10:07

Läuft

Hallo Mädels,

manchmal, wenn man einen Lauf hat, merkt man das gar nicht. Wenn alles glatt geht, dann kommt es einem eher so vor, als habe man keine Zeit. Und ist etwas in Eile.
So geht es mir gerade.

Sitze am neuen Mansukript. Bald wieder eine Lesung. Dazu das Herz voller schöner Flausen und im Sinn nur Unsinn. Schreiben und Fühlen. Gut eingeteilt, gut geplant, für gut befunden.
Ja, es läuft.
Aber genießen kann ich es nicht richtig.
Warum nur so umständlich, Angie?

Gestern Abend auf dem Balkon, ich brauchte Rat und sah den Flugzeugen zu, wie sie der sicheren Landung entgegenströmten, las ich ein wenig Robert Gernhardt.
Gernhardt ist immer eine gute Idee, denn bei ihm weiß ich, dass er mir den Kopf zurecht rückt, wenn er allzu


verrückt, verzückt, verzickt


ist.


Folgendes Gedicht:


Vor zehn jahren waren wir
alle zehn jahr jünger.
In zehn Jahren sind wir vielleicht
allesamt schon Dünger.

Darum, Freunde, pflückt den Tag,
feiert seine Süße.
Dem, der euch entgegenritt
tretet auf die Füße.


So ist es.
Es läuft.


In diesem Sinne
Die Schreibende

Redakteur



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