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27. April 2018, 12:00

Neues Bildmaterial eingetroffen

Hallo Mädels,


schaut bloß nicht in meine Bildergalerie! Hilfe! Das sind ja Fotos, mit denen man kleine Kinder erschrecken kann.
Argh...
Aber trotzdem sieht man, dass es mir Spaß gemacht hat.
In Heppenheim hatte ich den pinken Vogel auf dem Tisch sitzen, den mein Sohnemann mit als Glücksbringer mitgegeben hat...
Lesung in der Bahnhofstrasse und das Foto von der Lesung in Heppenheim (aus der Online-Zeitung "Echo").

Liebe Grüße aus der Nähe

In diesem Sinne

Die, die auf Fotos immer etwas doof aussieht

Redakteur




25. April 2018, 07:32

Lesung in Bahnhofstraße in Mühlheim


Hallo Mädels,

Tag des Buches.
Bei mir ist das fast jeden Tag, ehrlich gesagt, aber am Montag war es fast überall.

Unser umtriebiger Buchladen hatte dazu mit einigen anderen Geschäften in unserer Einkaufsstraße was sehr Schönes geplant.
Kurzlesungen.

Also habe ich mit einem Mikro ausgerüstet in der Einkaufsstraße gelesen aus meinem Roman "Ziemlich beste Mütter".
Schön war es. Ein leises Gewitter grummelte bei sommerlichen Temperaturen. Fröhliche Schauustige. Zwischendurch gab es eine Alarmanlage, die offenbar mitrden wollte und punktgenau zum Schluss fing es an zu regnen.
Eine schöne Aktion.
Gerne wieder!

Als Dank habe ich von Frau Roth aus dem Blumengeschäft eine wunderschöne weiße Rose bekommen. Sie steht nun hier in meinem Zimmer.

In diesem Sinne
Frau Simon

Redakteur




18. April 2018, 18:14

Heppenheim - Lesen macht schlau

Hallo Mädels,

frisch daheim aus Heppenheim.

Jaaaaaa, die neuste Attraktion dieser Stadt ist nämlich nicht mehr ein andauernd im Kreis fahrender Sebastian, sondern Angie, die Autorin, also Hanna. Hanni. Oder...ich erzähl mal von vorne...

Letztes Jahr bekam ich einen Vertrag für eine Lesung in Heppenheim.
Liegt nicht weit von mir entfernt, dauerte nur 45 Minuten mit dem Auto. Allerdings ist meine Agentin gefahren, zum Glück! Ich war viel zu aufgeregt! Und in dem zauberhaften Dschungel voller hübscher roter Fachwerkhäuschen und engen Gässchen hätte ich wahrscheinlich das Auto aus Versehen hochkant geparkt.

Heppenheim ist echt schön, liegt an der Bergstraße am Rande des Odenwaldes und ist sehr malerisch. So hatten wir uns früh aufgemacht, um ein bisschen von dieser süßen Stadt zu erkunden. Das Hotel "Der Goldene Engel" lag promt an der allerschönsten Stelle des Heims aller Heppen, nämlich an dem Marktplatz. Das schon ein Sechser im Lotto!

Als Belohnung für so viel bewiesenes Fahrgefühl (das Navi hatte uns zwar theorethisch richtig gelotst, aber dem Navi war nicht klar, dass uns auf den letzten Metern zum Ziel vier große Poller den Weg versperrten ) bekam meine Agentin erstmal ein dickes Stück Schokoladensahnetorte.
Lecker. Das weiß ich, weil ich sie das ja unmöglich alleine essen konnte...

Während unserer geradezu kontemplativen Konzentrationsübung (wir saßen draußen und redeten ohne Strich, Komma oder Luftholen) beobachteten wir eine sehr, sehr niedliche männliche, bärtige, blauäugige Bedienung eines spanischen Restaurants. Der lächelte so nett zu uns rüber.

"Wir essen heute Abend da!" sagte meine Chefin nur. Klar. Dazu hat man eine Agentin, die sagt, was Sache ist.
Außerdem sollte man so viel blauäugige, bärtige, lächelnde Geschäftstüchtigkeit belohnen, oder?

Dann die Lesung. In dem schönen Gebäude der Sparkassenstiftung im Saal "Stemmler" (was immer das auch bedéutet) habe ich dann ab 20 Uhr gelesen. Das war schön. Gute Akkustik, viel Besuch und die Zeitungen waren informiert. Jetzt kann man unter Hanna Simon tatsächlich auch MEIN Gesicht sehen beim Googlen, denn nun bin ich online sozusagen präsent.
Berühmt! Hurra!
Ok, dass ich Hanna Simon bin, hab ich zwischenzeitlich imemr wieder vergessen und musste zuweilen angestupst werden, aber ich hatte ja eh mein unfassbar professionelles Bank-Präsentations-Gesicht aufgesetzt (in einer Sparkasse durchaus sinnvoll).

Also las ich meine Geschichte von der sympathischen, alleinerziehenden Marie vor, die nette Freundinnen hat und einen süßen Sohn. Das weibliche Publikum, das sogar ein Selfie mit mir machte - machen musste - hat sich offenbar gut amüsiert und war zauberhaft. Es war super.
Ich war schon Wochen vorher aufgeregt gewesen, und dann war es sooooo entspannt und einfach schön.

Als Belohnung gingen wir dann in das von meiner Agentin ausgesuchte Restaurant. Klar.
Grins.
Was für eine Bedienung. Ui. Immer sich plötzlich neben uns materalisierend stand er da und fragte, ob wir noch irgendwelche Wünsche offen hätten.
Äh, ja, aber wir können wohl kaum...lassen wir das...

Ich wählte sehr wortreich und umständlich einen Heppenheimer Wein aus während meine Agentin so ihre Freude daran hatte, fast einen "Sex on the Beach" zu bestellen.
Kicher, quietsch, albern, Mädchen, mussjaauchmalein.
Himmel, wir sind ja noch soooo jung. Leider weiß das unsere Geburtsurkunde nicht.
Mnjam.
Ich meine jetzt das Essen.

Um 23 Uhr war letzte Runde. Wir bestellten schon wieder fast einen Sex on the...ok...der Witz ist jetzt mal komplett durch... Also doch bitte noch einen Weißwein, der sich dank eines knackigen Hipsters mit hochgesteckten Haaren an der Theke AUGENBLICKLICH neben mir materalisierte und für die Chefin ein Babylove.
"Warum heißen die eigentlich immer so doof?" fragte Chefin.
Ich sah irritiert zu, wie der Hipster mir zunickte während sein Kollege sich an dem Polieren eines komplett sauberen Glases abarbeitete und versuchte, Blickkontakt mit meiner Chefin aufzunehmen, die sich über dusselige Cocktail-Namen ausschüttete vor Lachen.
Und ich auch.
Himmel, wie albern, und die beiden an der Theke standen da, grinsten und polierten ihre Gläser...sehr anzüglich, oder?

"Wir sind etwas eingerostet!" sagte meine Chefin später auf unserem Doppelzimmer (wir mussten ja schließlich die lesung noch nachbesprechen und und und) als sie aus der coolen Dusche kam und unter dem flauschigen Handtuch hervor lugte.

"Tja..." machte ich und verdrehte die Augen.

Denn...
...wir hatten auf das zauberhafte Angebot, doch noch etwas zu bleiben, auch wenn gleich geschlossen würde, nicht reagierte...

"Nein," sagte meine Chefin nach einer heilsamen Minute des Nachdenkens, "wir sind verantwortungsbewusst und kopfgesteuert und nicht eingerostet..."

und ich vollendete den Satz: "...Quatsch...wir waren doppelt so alt wie die beiden..."

Und dann kam aus Zimmer 20 nur noch Gelächter!

(nur morgens wurde NOCH mehr gelacht, als ich versucht habe, den uminösen Knopf der super spacigen Dusche zu untersuchen und eiskaltes Wasser aus der Decke auf mich einströmte)

Vorsicht! Lesen macht schlau!!!!


In diesem Sinne
Autorin ist anwesend

Redakteur




11. April 2018, 08:22

Zeitversetzte Zeitverschwendung

Hallo Mädels,

es passiert ja so viel Überflüssiges in unserem hübschen Mitteleuropa und damit in unserem zeitweiligen Leben.
Manche Dinge nennt man Zeitverschwendung.
Männer zum Beispiel sind mitunter die schlimmste. Aber auch Geld.
Aber davon will ich HEUTE gar nicht reden. Diesmal meine ich die Uhrenumstellung, die nun ein paar Wochen zurück liegt, aber immer noch die zeitlosen Gemüter bewegt.
Für viele ist die halbjährliche Zeitumstellung ein Ärgernis. Deshalb soll die EU-Kommission nun die Vor- und Nachteile genau untersuchen.

Ein zeitgeistiges Thema, möge man erst meinen. Nein, es ist ein zeithaftes Thema.
An Sinnlosigkeit kaum zu überbieten stellt sich zumindest mir armen Zeitreisenden die Umstellung von Sommerzeit auf Winterzeit dar.

Winterzeit ist übrigens schon mal ganz falsch, das heißt nämlich Normalzeit.

Also der Sommerzeit hauten wir vor einigen Wochen die Zeiger um die Ohren.
Eine Stunde zurück, bedeutet eine Stunde mehr am Sonntag. Der Tag hatte also wirklich 25 Stunden.
Erklärung hierzu (unvermeidlich, auch in der Kürze der Zeit): Die MESZ, wie man das zwanghaft Unzeitgemäße während der warmen Jahreszeit so hübsch unhandlich abkürzt, ist eine Vorverlegung der Tageszeit-Zählung um eine Stunde vor der Zonenzeit von 15 Grad östlicher Länge. Will sagen, das ist die Sache mit Greenwich, die sich mir noch nicht ganz erschloss.
Hinweis von mir als Zeitzeuge: Das mit der östlichen Länge gefällt dabei besonders. Mein östlicher Gatte mag das gar nicht, wie ich anzüglich dabei grinsen kann.

Warum also das wilde Gefuchtel mit der stündlichen Vorverlegung?
Antwort: Man will damit im Sommer den frühen Sonnenaufgang nutzen und gleichzeitig die Tageslichtdauer am Abend künstlich verlängern.
Was nachgewiesenermaßen eines der dümmsten Ideen seit der Zeitdilatation ist. Und vor allem, wenn man das Licht nutzen will, warum lässt man dann im Winter nicht die falsche Zeit einfach weiterlaufen?

Ach, Kinder, das geht jetzt alles von Eurer Zeit ab!

Schlussfolgerung - das Umstellen auf Sommerzeit ist kompletter Unsinn, da es ungeeignet ist zur Energieeinsparung – zumal es unglaubliche Summen kostet, all die Chronographen nicht nur hin- und her- sondern auch umzustellen.
Deshalb denkt jetzt das EU-Parlament darüber zeitnah nach.

Aber was ist mit unserer inneren Uhr?

Die kann man sogar biologisch nachweisen, ich finde das erfrischend.
Nachweisen! Herrlich. Aber Zeitverschwendung. Jeder Eumel hat im Herbst an dem Sonntag, der der Zeitgleichung folgt, bereits eine Stunde früher Hunger und sagt beim Anblick des vollständig verdunkelten Abendhimmels um 18 Uhr 30: "Huch, das ist aber mal schnell dunkel geworden!"
Aber sicherer ist es schon, wenn – wie hießen die noch gleich? – Chronobiologen sich der Sache noch mal annehmen. Oder?

Also sie fanden heraus: Wenn man die Uhr eine Stunde vordreht, dann fehlt dem Menschen hinterher eine Stunde.
Hervorragend. Das hat echten Zeitwert.

Ich ergötze mich allerdings später einige Zeiteinheiten lang ausgiebig an den im Fernsehen dargebotenen Interviews erschreckter Einkaufsstraßenpassanten, die nach dem Hinhalten des Mikrofonpuschels hektisch zugaben, nicht genau zu wissen, ob man die Uhr vordrehe oder zurückstelle. Manche wussten nicht mal, was das eine oder andere für sie stundentechnisch bedeute.

Kein Problem: In knapp zwei Monaten werden die selben Reporter-Zeitlupen die selben Passanten befragen, was man eigentlich Weihnachten feiere und eben solche sinnfreien Antworten bekommen.

Egal. Wir haben es ja hinter uns mit den Uhren.
Und dem Umstellen.
Und die vom EU-Parlament sollen weiter debattieren, sie haben ja alle Zeit der Welt dafür...


In diesem Sinne
Eure Zeitzünderin

Redakteur




04. April 2018, 09:44

Frisch daheim

Hallo Mädels,

frisch daheim. Lange weg gewesen. Nicht nur physisch sondern auch psychisch. Den Kopf in den Wolken gehabt. Anderes gesehen, anderes gehört.
Sprich: man war einfach mal im Urlaub.
Und dann kommt dieser Punkt der Heimkunft. Dieser ganz knifflige Augenblick.

Ja, man freut sich schon auf zuhause, aber...

...man hat den Schlüssel in der Hand und...

...man stellt sich den Alltag vor. Vertraut, sehr vertraut, zu vertraut...

...und dann denkt man: aber wenn er nicht vertraut ist??? Wenn er anders ist??? Wenn was PASSIERT ist? Was dann?

Ihr kennt das.

Man öffnet die lange verschlossene Haustür und fragt sich: Welche Katastrophen lauern auf dem Anrufbeantworter? Wieviele Pflanzen haben überlebt? Wie sieht es im Kühlschrank aus? Ist da eventuell neues Leben entstanden?

Und dann der Geruch einer unbenutzten Wohnung. Irgendwie ein Hauch von Neu. Nach Teppich, Polstern und auch ein wenig nach Farbe. Ungewohnt.

Man schnüffelt wie ein Hund und denkt plötzlich: Ach deshalb macht das die Hunde nervös - weil sie etwas anderes riechen und nicht sich selbst. Es fehlt ihnen ... sie selber...
Eine ganz neue Seite von Egozentrik!

Also Fenster geöffnet - und Koffer auf. Wir haben ja viel Eigengeruch mitgebracht...

In diesem Sinne
Die Nase


Redakteur




23. März 2018, 09:58

Pronation. Tennislehrer mit abgeschlossenem Physikstudium


Hallo Mädels,

ich liebe es, wenn Sport in elegante Syntax gekleidet wird, wenn die Könige des journalistischen Tastentippens ein sterbenslangweiliges Fußballspiel in eine Verbal-Festivität umgestalten und ich atemlos die Zeilen entlang segele, um bis zur letzten Silbe das nachzuverfolgen, was ich live vor lauter Langeweile nie durchgestanden hätte.
In der Regel sind die Sportausführenden (Fußballer, Trainer, Tennisspieler) allerdings nie in der Lage, das Geschehen in halbwegs sinnstiftende Sätze zu fassen. Siehe diverse Pressekonferenzen.
Dann trat jener Sportaktive auf den Plan, vom dem ich unlängst schon schockiert berichtete. Ihr wisst schon. Der Mann mit der Winkelhalbierenden. Wir erinnern uns.

Es passierte diesmal folgendes: Ich bin beim Tennis, verhaue die Rückhand, verziehe die Vorhand und denke: „Ach, wie schön, dass ich so gesund bin, dass ich noch Sport treiben kann!“ und bin mit meiner latenten Unfähigkeit komplett im Reinen. Mut zur Lücke.

Ich stehe an der Grundlinie. Ich sortiere sorgfältig meine Füße, nehme den Ball in die linke Hand, atme durch, schaue auf das Netz. Ich blicke zum gegenüberliegenden Feld. Da muss der Ball hin. Ich umfasse den Schläger, wie Eva es mir beigebracht hat.
Heute steht jedoch nicht meine Trainerin neben mir sondern ihr Chef. Da muss ich mich anstrengen. Will ihr ja keine Schande machen!
Ich schlage.
Dann Stille in der Halle.
Chef brummt leise, tritt dann neben mich und sieht versonnen auf den Ball, wie er vor dem Netz leise auf und ab hüpft, um dann kraftlos liegen zu bleiben.
„Wenn man ins Netz geschlagen hat, hat man es total versiebt. Besser ist hinten ins Aus.“
Ich nehme einen zweiten Ball und schlage.
Er geht hinten ins Aus.
Trainer schweigt und nimmt seinen Schläger, hält ihn vor sich und dreht ihn. Ich bin mir nicht sicher, was er jetzt damit sagen will, aber ich verharre ehrfürchtig.
Dann spricht er wie folgt: „Um hohe Schlägerkopfgeschwindigkeite​n zu erzielen, solltest du eine gezielte Unterarmdrehungen einsetzen.“

Ja, ehrlich. So was sagt er. Einfach so. Zu mir!

Ich schweige, denn ich habe gerade den Tennis-Knigge nicht zur Hand, wo drin steht, was man darauf erwidern soll. Zum Glück ist der Chef längst Experte im entschlüsseln meines eher geistlosen Gesichtsausdruckes ob meiner Perplexität bezüglich Eröffnungen zum Thema „Optimierung von Angies Aufschlag“.
Er greift sich eine Handvoll Bälle und vollführt zunächst eine Trockenübung. Da der Mann so groß ist wie ein hessischer Sendemast, lege ich meinen Kopf in den Nacken und beobachte seine Bewegung in der Höhe.
Der Riese, der neuerdings einen Bart trägt, der mich spontan an James Brolin aus der Serie HOTEL (1983) denken lässt, steht seitlich zur Grundlinie. Er wirft den gefühlt erbsengroßen Ball mit drei Fingern federleicht vor sich in die staubfreie Luft. Da der Ball nichts anderes zu tun hat, schwebt er einfach. Dann führt der sonst völlig entspannt dastehende Mann eine Schleifenbewegung mit seinem Schläger aus. Dieser entwickelt dabei eine erstaunliche Geschwindigkeit, findet den schwebenden Ball und sendet ihn mit einem Zischen auf die andere Seite des Spielfeldes.
Wo genau ich zuerst hingucken soll, weiß ich nicht. Wahrscheinlich kann sowieso nichts meine Verwirrung mindern.
Chef spricht: „Erst Strecken der Beine, danach die Rotation des Oberkörpers und schließlich Kippen des Handgelenks.“
Ich nicke, denn außer Nicken bleibt mir wahrscheinlich nur die Option „Frustriert die Halle verlassen“, aber ich will ja was lernen.
Brav hole ich tief Luft, positioniere mich und schlage noch mal auf. Immerhin ist er „drin“. In der Hoffnung, es nun besser gemacht zu haben, sehe ich hoch zum Chef.
Er brummt. „Hmhm.“
Ist das gut? Will ich das so genau wissen? Ja doch, ich will ja besser werden!
Zum Glück nickt er. „Das ist ja schon mal ganz gut soweit. Um noch mehr Kraft auszuüben, braucht es die Torsion des Unterarms gegen den Uhrzeigersinn, bevor du den Ball triffst.“

Das! Ja DAS! Genau DAS sind so Momente, wo man sich fragt, wann man eigentlich gestern Abend zu viel getrunken hat, dass das eigene Sprachzentrum seine Arbeit verweigert.

„Ähem, „ räuspere ich mich und verkneife mir: „Was genau soll ich um welche Uhrzeit machen?“ Besser nicht anmerken lassen, dass das Gehirn noch an der Dekodierung dieser denkwürdigen Worte arbeitet. Ich mache schnell ein grübelndes Gesicht und tue so, als habe ich nach genauer Abwägung der Vor- und Nachteile beschlossen, seinem Rat Folge zu leisten.
Durch betont langsames Hervorkramen eines Balls gebe ich Chef Zeit, seiner kryptischen Aussage noch etwas Sinnstiftendes hinzuzufügen. Das tut er dann auch. Nämlich:
„Dass mit dem Rückhandgriff machst du ja schon ganz gut.“
Hurra! Eva sei dank! Ich bin erleichtert, doch auch sofort beunruhigt bei seinem Satz:
„Dieser Griff erleichtert die Pronation.“
Die...was? Die Nation ist erleichtert?
Ach ja? Ist das gut?
Er nimmt seinen Blick vom Feld und schaut zu mir runter. Offensichtlich wird ihm bewusst, dass er es hier mit sehr durchschnittlichem Personal zu tun hat und erklärt milde:
„Wie beim Auf-die-Uhr-Sehen.“
Ich gucke auf meine Uhr, dann auf seine. Meine ist schöner.
Lächelnd wiederholt er das Wort in der Hoffnung, es würde meine Erkenntnis erhöhen.
„Pronation.“
„Ach,“ sag ich lahm. „Pronation.“
Er holt langsam aus, hält den Schläger hinter seinem Rücken wie ein Hackebeil mit der Kante nach vorne und vollführt einen Schlag, der dann erstaunlicherweise doch volle Lotte den Ball treffen würde.
„Pronation,“ sagt er wieder. Wiederholungen sollen ja das Verständnis ersetzen können.
Ich nicke ehrfürchtig und schaue zu, wie er die Bewegung noch einmal ausführt. Er dreht das Handgelenk in letzter Sekunde.
„Um den Tennisball möglichst stark zu beschleunigen und möglichst viel Drall zu erzeugen.“ Wahrscheinlich hat er auch wieder was vom „Bürsten“ gesagt. Er sagt ja so vieles, was bestimmt klug ist, aber bei mir nur Rätsel aufwirft.
„Pronation?“ frage ich.
„Genau.“
Ich seufze. „Nee, is klaaar, Chef.“
Er atmet durch. Nicht enttäuscht, aber sicher mit der tiefen Erkenntnis, dass hier noch viel Aufklärungsarbeit nötig ist, bevor die Nation die Pronation in ihrem Wesen erkennt.



Nach dem Unterricht habe ich mich für einen Fernuni-Lehrgang in theoretischer Tennis-Physik angemeldet.



In diesem Sinne
Angie Edberg



PS: Pronation ist die Einwärtsdrehung der Gliedmaßen. Sie ist damit die Gegenbewegung zur Supination. Sagt Wikipedia.

Redakteur




22. März 2018, 08:52

Göte

Hallo Mädels,

mich traf fast der Total-Schlag, als ich das letztens las:

Göte.
Meine Künstlerseele (ist nicht allzugroß ausgebildet und teilt sich sehr eingezwängt mit der rabaukigen Fußballseele und der sehr extrovertierten Bankerseele meine engen Herzkammern) wollte es erst gar nicht wahr haben.
Gööööte???
Wer zum Henker kann denn so blöd sein? Selbst das automatische Rechtschreibkorrekturprogram​m explodiert sofort, bei dieser Schreibweise!

Gemeint war unser, ich sage es ganz deutlich: UNSER GOETHE! Himmel! Der Mann ist ein Heiligtum! Das ist Gotteslästerung!

Und obwohl der Dichterfürst mir zuweilen schwer auf der Seele liegt, er sich sperrig und schwierig in meinem Kopf quer legt bisweilen, er ist doch alles, was man eigentlich wissen muss, wenn man der schreibenden Zunft angehören will.
Man muss sich mit Goethe befassen, erst dann darf man daran denken, sich Schriftsteller zu nennen.

Ich wallfahrte also nach Leipzig.
In Auerbachs Keller. Also, weil ich Durst hatte. Aber natürlich auch der Kultur wegen.

Es ist richtig. Ich kann mich wirklich überall gepflegt betrinken, aber an manchen Stellen trinkt es sich besonders originell.
So pilgerte ich auf den Spuren der denkerischen Übergröße durch Leipzig.
Hier war er Student. Stdierte gar! Er, der doch alles wußte! Dort musste das Genie also noch etwas betankt werden, aber sein Geist war schon längst reisefertig.

So begab es sich also und ich fand mich wieder im Auerbachs Keller. Dolles Ding. Kennt man natürlich als Frankfurtgeschädigter. Dort soll der junge Goethe (wer sonst) an seinem Ur-Faust herumgedoktert (kleiner intellektueller Wortwitz) haben.

Das oben genannte Kellergewölbe ist die bekannteste und zweitälteste Weinwirkungsstätte der kulturumtriebigen Stadt Leipzig, in die später dann auch Richard Wagner hineingeboren (ind die Stadt nicht in die Kneipe) wurde.
Und noch später mein Gatte.

Seine weltweite Bekanntheit verdankt der Auerbachs Keller, der schon im 16. Jahrhundert zu den beliebtesten Weinlokalen der Stadt gehörte, wie gesagt, durch unseren Johann Wolfgang. Der eloquente Dichterfürst (damals noch Spachfuchs in Ausbildung) weilte während seines Studiums („Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie Durchaus studiert, mit heißem Bemühn“ – man kennt es ja zu Genüge) in Leipzig 1765–1768 oft hier und machte sich groooooße Gedanken. Hier sah er die beiden um 1625 entstandenen Bilder, auf denen der (für seine chaotische Lebensführung bei Schülern verabscheute) Astrologe Faust mit Studenten diskutiert.Und auf dem anderen auf einem Weinfass zur Türe hinaus reitet. Was ich ehrlich gesagt nicht verstand, da mein Weinkonsum sich in Grenzen hielt (Da steh' ich nun, ich armer Tor,
Und bin so klug als wie zuvor! Heiße Magister, heiße Doktor gar).

Der Faust war keineswegs eine Erfindung von Goethe. Das Thema war uralt (nein, deswegen heißt es nicht Ur-Faust).
Die Faustsage kannte der Jung-Goethe daher bereits aus Kindertagen durch das Puppenspiel vom Dr. Faust, das auf Jahrmärkten aufgeführt wurde.

Mit der Szene Auerbachs Keller in Leipzig in Faust I hat er seinem Studentenlokal und der Stadt ein bleibendes literarisches Denkmal gesetzt:
„Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein klein Paris und bildet seine Leute.“
So war das.
Und abertausende Schüler stürzten nach dieser Schreibtischtäterei in tiefe Verzweiflung. Heute gibt es in dem Keller keine großen Gedanken mehr, fürchte ich. Aber lecker was zu essen und dicke Klöße.
„Es möchte kein Hund so länger leben! Drum hab' ich mich der Magie (also eher der Kochkunst) ergeben“
Auch darüber kann man ein Buch schreiben, aber ein Kochbuch? Nein, das hat zum Glück Herr Goethe nicht geschrieben!

Anbei noch ein ORIGINAL Digitalfoto von 1767. Es zeigt den jungen Goethe beim Verfassen des entscheidenden Dialogs des Ur-Faust. (Gustaf Gründgens sieht man nur unscharf im Hintergrund, wie er da Klo sucht...)


In diesem Sinne
Angies Faust


Redakteur




19. März 2018, 11:12

Countdown läuft

Hallo Mädels,

heute Abend geht es also los. Oder nicht? (Ok, dieser Satz ist bewusst etwas kryptisch gehalten - einfach gelassen weiterlesen)...

Hier ein Zitat aus gegebenem Anlass:

Das Wunderbare am Menschen ist,
dass er wohl derselbe bleibt,
aber nie der gleiche.

Wilhelm Raabe

Momentan ist die Zeit der Wahlen. Wo du hinguckst, wird gewählt.
Ach, denkt man, da, da ist ja was los!
Pustekuchen.
Eigentlich sollte es tatsächlich so sein, wenn man die Wahl hat, dass man häufig danach auch eine Veränderung spürt. Ent weder man hat das Alte bestätigt und kann frohen Mutes und erhobenen Hauptes loslegen - oder alles ist neu.
Was ist aber nun los?
Nix ist los.
Die Wahlen, die momentan veranstaltet werden, sind eher mau.
Angela bliebt Angela.
Putin bleibt Putin.
Fehlt es uns an Mut? Haben wir Angst davor, unsere Zukunft anzufangen?

Die Existenzialisten haben vor nicht allzu langer Zeit festgestellt, dass Angst etwas ist, dass uns Menschen zu eigen ist.
Dass wir Angst nicht verdammen sollen. Angst ist gut? Na, sag das mal meinem Bauch. Und meinem Herzen!
Während viele Religionen sagen, wer Angst hat, glaubt nicht genug (pfui!) - sagen die Existenzialisten, nein, Angst gehört zu uns. Wir müssen sie annehmen, das lässt uns reifen, besser werden, Mensch sein.
Her mit der Angst.
Vom Angsthasen zum Angstelefanten?

...ich sag mal so...

Oh, Gott, ich hab sowas von gestrichen die Hose voll... das wird ja eine Superangie werden, wenn das fertig ist!


In diesem Sinne
Angstgegner ist jeder

Redakteur




15. März 2018, 11:44

Hüte dich vor Männern, die lesen

Hallo Mädels,

Ihr wisst, was schlimm ist, nicht wahr? Vorurteile.
Und vor allem, wenn Vorurteile vor unseren Augen zusammen brechen. Oh, da ist das Gezeter aber groß. Vorurteile sind so schön gemütlich. So kuschelig!
Und vor allem lässt sich eine Menge Geld damit verdienen und eine ganze Menge Menschen damit verunsichern (was zum Teil das selbe ist).

Im Zeitschriftenfachhandel erwerben wir gerne die Fachzeitschriften im Bereich Sport. Direkt neben dieser Bildungslektüre liegen auch von mir präferierte Hinweishefte über Landhausdeko-Must-Haves aber darum soll es heute nicht gehen:

Heute geht es um DAS Schnöselheft für den großen Mann von Welt.
Der Name des Magazins heißt zu deutsch "Männergesundheit". Was für ein Knaller!
Okay, in englisch klingen ja die ulkigesten Namen besser:
Hier auch, nämlich:

Men's Health.

Man wählte sicher aus guten Gründen den außerdeutschen Namen, um Verwechslungen mit der Apotheken-Umschau zu vermeiden.

Große Überschriften buhlen mit Schlagzeile wie:
Leckere Grillbeilagen und ...?
Holla!
Das ist doch mal ein Versprechen!
Mit Konsum dieses Magazins wird nämlich diese Woche Mann zum Frauenflüsterer.
Oder wahlweise zum Eremit, Eunuch, zur kommunikationsarme Wurst. Wie auch immer, ich musste das Ding erstmal durchblättern, auch wenn man das nicht darf.
Aber, ey, wenn eine Frau meines biblischen Alters das durchblättert, wird niemand glauben, oh die hätte sich das Dinge bestimmt beinahe gekauft! ... oder?

Zurück zum volltönenden Inhalt: Nie wieder Stress mit Frauen.

Nach einem dreiminütigen Lachanfall konnte ich dann wieder meine Lesebrille auf der Nase balancieren und dachte resigniert:

Mann kann nicht KEINEN Stress mit Frauen haben.
Das ist nicht möglich. Das ist einfach nicht in dieser Realität vorgesehen!
Okay.
Frauen können auch nicht KEINEN Stress mit Männern haben.
Warum?
Ganz einfach: KEINE Ahnung.
Eins steht fest:
Wäre das möglich, hätten wir Weltfrieden.

Ich schmökerte weiter in den wegweisenden Männergsundheits-Sparten: Fitness, Health, Food, Love (man beachte, Liebe kommt nach dem Essen), Style, Tech, Life, Community. Unter dem gestrengen Blick eines Regaleinräumers versuchte ich meine Amüsement etwas weniger expressiv zur Schau zu stellen.
Aber das war schwer. Sehr schwer.
Ganz ehrlich, bis zu diesem Blättererlebnis dachte ich wirklich, nur Frauenzeitschriften wären leicht bekloppt.

Aber es wurde noch mehr im Männerlesezirkel angeboten. ich sah staunend das Sortiment duch. Alles natürlich hochwichtig für den Mann von heute.
So musste ich höchst alarmiert und erstaunt feststellen, dass ohne Stress, also ohne Frau die maskuline Leserschaft auch nicht auszukommen wünscht. Es wurde versprochen, dem Käufer dieser Zeitung beizubringen, wie man eine Frau erst mal anspricht. Was denn nun? Ansprechen oder keinen Stress?

Ich gebe zu, ich bin mir nicht ganz sicher, wie der Mann gestrickt ist, der sich so eine Zeitung kauft. Ist er ein Hetero oder nicht? Ist er der Typ: Duschen-und-ab-zur-Arbeit.
Oder der 10-Stunden-im-Bad-alle-Pflegemittel-der-Nivea-Man-Jogi-Löw-Schönheitsserie-über-den-Kopf-giessen?
Ist der Mann, der das kauft im Kopf ganz gesund? Single? Familienvater? Sportler? Denker? Modeinteressiert? Von dieser Welt?

Mein Gatte kam mal mit diesem Hochglanzmagazin an. Er trug es zwischen Zeigefinger und Daumen, was insgesamt wenig entspannt aussah. Er beteuerte jedem, der in traf, dass er die Zeitung geschenkt bekommen hätte, da in Frankfurt sie aus Werbegründen verteilt worden wäre. Und da auf dem Titelbild Bond-Darling-Darsteller Daniel Craig platziert worden war, müsste er das Teil nach Hause zu seiner Gattin schleppen.
Offenbar hält sich mein Mann nicht für die Zielgruppe dieser Zeitschrift. Aber mich!
Merkwürdig. Ob er keinen Stress mit Frauen hat?

Lachhaft.


Ich kenne seine Frau.


In diesem Sinn
Men's Destruction

Redakteur




12. März 2018, 10:01

Vor großen Aufgaben

Hallo Mädels,

große Aufgaben, große Wünsche.
Durchatmen.
Ja, das Gefühl, dass einem der Arsch auf Grundeis geht, muss man aushalten können.
Wird schon.
Klar. Das wird alles. Irgendwie.
Denn was sagte schon Dietrich Bonhoeffer?

"Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen."

Das gilt für große Aufgaben genauso wie für die große Liebe.


In diesem Sinne
Ich, klein, hilflos, grinsend



Redakteur



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