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Der Blog


     


12. Dezember 2017, 11:02

Sturm und Drang

Hallo Mädels,

das war ja eine fürchterliche Nacht! Ein Sturm, der das ganze Haus klappern lässt!
Ich frag mich ja oft, wozu der Sturm überhaupt erfunden wurde?
Muss die Welt mal ordentlich verwuschelt werden?
Ist das der Fön, den mal braucht, um etwas Volumen in den Alltag zu bekommen?

Also ich bin gegen Sturm.
Lass mir dann auch bald T-Shirts drucken lassen.

Aber vorher noch schnell ein Zitat.

"Wenn sich der Wetterhahn nicht dreht, zerbricht ihn der Sturm."

Ich sag es ja.
Braucht kein Mensch.


In diesem Sinne
Das laue Lüftchen

Redakteur




10. Dezember 2017, 12:11

Treppauf – treppab in Downton Abbey (2. Advent)


Hallo Mädels,

als ich klein war, guckte meine Mutter am liebsten „Haus am Eaton Place“ (Originaltital „Upstairs, Downstairs“). Eine wunderbare englische Serie über das Leben der eleganten Familie Bellamy und deren Dienstboten in London zwischen 1903 und 1930.
Ich liebe englische Serien! Denn nur sie sind mit dieser wunderbaren Detailgenauigkeit gedreht mit viel Sinn für historische Zusammenhänge.
Ein bisschen für mich wie Weihnachten, wahrscheinlich weil in jedem britischen Kulturschaffenden etwas von Charles Dickens steckt?
Vor einigen Jahren jubelte die Fernsehgemeinde auf. Nach mehr als dreißig Jahren Abstinenz vom Haus am Eaton Place kam:

Downton Abbey!

Man titulierte es als die „erfolgreiche Rückkehr des britischen Kostümdramas“. Ich hätte es nicht besser schreiben können! Und meine Mutter hätte ebenfalls gejubelt.

Auch hier ein Oben und ein Unten. Ein Treppauf – und ein Treppab.
„Oben“- das ist der britische Adel, der sich edel im Charakter und nobel mit der Geldbörse verhält, wo Loyalität kein reiner Etikettenschwindel ist. Aber immer schön getrennt von den anderen, bitte schön!
„Unten“- das sind die kleinen Leute, die fleißigen, die Arbeiter, die stolz (fast etwas calvinistisch im Denken) sind auf ihr Können. Ein gut organisiertes Rudel an hilfreichen Geistern, die unfassbar geduldig und auch ganz gerne die Fehler derer von Oben auffangen.

Ich sag ja: Es ist immer etwas Charles Dickens.

Ganz wunderbar erzählt. In perfekten Bildern! Dazu herrliche Dialoge. Beide Klassen haben selbstverständlich die selben Probleme. Wer liebt wen, wer hasst wen und warum oder warum nicht? Wer hat hier mehr Stil, mehr Charakter, mehr Stolz? Wer will frei sein? Und warum ist es offenbar niemand?
Gehören eigentlich die von Unten, zu denen da Oben - oder eher anders herum?

Warum fasziniert das Thema der Klassenaufteilung über Generationen hinweg?
Sicher, es ist bezaubernd inszeniert. Die Ausstattung vom Feinsten, die sensationelle Kleidung, pompöse Möbel, betörende Räumlichkeiten. Und diese Darsteller!
Es braucht allerdings ein paar Folgen, bis man herausfindet, wer eigentlich die brillanteste Figur ist. Tendenziell sucht man sie im „Oben“, aber sie ist im „Unten“.

Es ist John Bates.
Der Urtyp des englischen Helden. Nicht überirdisch aber beeindruckend, nicht aufrührerisch sondern geduldig, bescheiden, unantastbar, aufrichtig. Ehrenvoll.
Er ist der Oberster Kammerdiener des Lords.
Gehandicapt durch eine alte Verletzung aus dem Burenkrieg (in dem er seinem Herren das Leben gerettet hat) geht der beeindruckend große Mann stilvoll am Stock. Diese Verletzung gibt ihm was Unzerstörbares und merkwürdigerweise auch was Adeliges. Perfekt gekleidet im schwarzen Livree, die aussieht wie eine Mischung aus Uniform und Dinnerjacket. Kurzum, er hat alles, was ein wahrer Charakter, ein echter Held haben muss.

Erwähnte ich schon Charles Dickens?
Märchen von Edelmut, die Schutzzone für unsere Herzen, Urlaub für traurige Gemüter? Selbstverständlich.

John Bates ist nicht von dieser Welt, daher kann er nur im „Unten“ erscheinen. Der ewige Traum, dass auch der Bauernsohn etwas Königliches in sich trägt, gleichzeitig ist er der Cherubim, der die Tore zum Adelshimmel bewacht.
Noch Gebäck zum Tee?
Ein großer, schweigsamer Mann, dunkles Haar, braune Augen, offenes Gesicht, sensibel, breite Schultern. Stattlich! Das personifizierte Rückgrat. Jemand, der auffällt, wenn er NICHT da ist, der beim Lächeln die Augen zu kleinen freundlichen Schlitzen werden lässt und bei Wut und Zorn einen kalten, klaren Blick behält.
Der das Unrecht erträgt wie jemand, der weiß, dass Unrecht nicht länger anhält, als er es ertragen kann, weil alles wieder gut wird, weil alles gut IST.
Und diese Höflichkeit! Kein Widerspruch, kein böses Wort, immer Lob und Zuspruch!
Märchenwelt.
Soll ich den Mantel rasch aufbürsten, Sir?
Nein, Sir, das macht mir keine Umstände, ich tue das gern.

Der Adel glänzt nur durch sie, durch Bates und seine Kollegen, die alle nicht sind wie Bates, aber fast. Die Oben sind durch die Loyalität eines aufrichtigen Butlers und seinesgleichen an eben diese gefesselt.
Bates ist unangreifbar, unantastbar. Er hält die Welt im Lot. Und das richtige Outfit für die feine Gesellschaft parat.

Wir wollen Bates selber haben! Wir wollen exakt so jemanden für unser Leben finden und festhalten! Wir wollen sein Adel sein.

Aber wollen wir auch so sein wie Bates?
Nein. Niemand ist wie Bates. Er ist der Erzengel, der auf ein kleines Bimmeln hin sofort aufrecht und aufmerksam in der schweren Eichentür erscheint. Er soll zu uns kommen. Helfen, da sein, wissen, was zu tun ist. Immer. Es ist nicht nötig, deswegen selbst heilig zu werden oder lange auf Knien zu beten. Bates ist verfügbar. Jemand, den wir gar nicht für uns gewinnen KÖNNEN, sondern ihn lediglich als Servicedienstleister vertraglich an uns zu binden versuchen. Spiel, Satz und Sieg, Bates.

Charles Dickens hätte seine Freude an ihm.
Wunderbar.

Ich könnte Stunden über ihn nachdenken. Über seine Wirkung, und vor allem über die Notwendigkeit, ihn zu erfinden.


WÜNSCHE EINEN SCHÖNEN ZWEITEN ADVENT!


In diesem Sinne
Carol Christmas (Dieses Wortspiel sollte mir gestattet sein)

Redakteur




07. Dezember 2017, 10:00

Angies großer Weihnachtswunsch

Hallo Mädels,

mir läuft gerade der Dezember davon. Den Nikolaus habe ich auch nur noch im Vorbeilaufen gegrüßt und auch sonst scheint alles wunderbar durcheinander gekommen zu sein.
Egal.
Man kann Stress dazu sagen oder aber auch "Ich-hab-keine-Langeweile".

Letzten Montag kam mein fünftes Buch raus. Clevererweise handelt es von Weihnachten.

"Luisas großer Weihnachtswunsch: Ein Weihnachtsroman"

Zum Inhalt.
Luisa ist sechs und kennt sich aus mit Weihnachtswünschen, schließlich hat sie selber immer ganz viele. Aber diesmal ist es etwas anderes, denn Daniel, der neue Freund ihrer Mutter und ihr großer Held, wünscht sich etwas ganz Besonderes von Mama: Er will ein Baby von ihr haben. Für Luisa steht fest, dass das der beste Wunsch seit Langem ist, schließlich will sie unbedingt ein Geschwisterchen. Nur ihre Mama ist alles andere als begeistert. Plötzlich hört Luisa sie und Daniel abends immer streiten. Ob es dennoch fröhliche Weihnachten werden?
Luisa hofft fest darauf, denn sie weiß, wenn man sich etwas richtig sehnlich wünscht, geht es auch in Erfüllung …

Es ist kitschig, es ist kuschelig, es ist lustig.
Noch Fragen?
Lachweg.

Fröhliches Glöckchenspiel und muntere Zeit!


In diesem Sinne
Engelchen

Redakteur




04. Dezember 2017, 09:25

Adventsfest der 100.000 Armleuchter 2017

Hallo Mädels,

gewisse Katastrophen ziehen mich magisch an. Eine davon ist: „Das Adventsfest der 100.000 Lichter. Zur Eröffnung der Weihnachtsmärkte“.
Freunde der Wachsleuchtmittel! Das ist harter Stoff!

Alles, was unter dem Verdacht steht, Kitsch zu sein, wird auf die Adventsfest-Bühne gezerrt. Hellblaue Häuschen, drehende Pferde-Karussells, ein Wald aus Zwerg-Tannen, Schneemänner und Tore mit Schneeapplikationen.
Konsequent werden rieselnde Fernsehflocken in das Bild kopiert, dass man schon Angst bekommt, der Flachbildschirm hätte eine kaputte Bildröhre.
Auftritt Florian Silbereisen.
Der Typ hat mir nichts getan, absolut nichts! Aber ich ich kann es nicht ertragen, ihn eine Showtreppe herunterschlendern zu sehen. Er breitet die Arme aus, lässt schön von Helene grüßen, verrät schmunzelnd, dass er noch kein Geschenk gekauft hat. Dabei erschallt das gerollte R fröhlich durch den antiseptischen Schneematsch.

Im Publikum wird konzertiert ausgerastet. Die ersten Omis müssen ihre Erfrischungstüchlein zu Rate ziehen.

Alles, was die Kunstschnee-Industrie hergibt, ist auf der Bühne versammelt, dazu die kaum in ihrer Niedlichkeit zu ertragenen Kinder mit Flügeln und wohl-gescheiteltem Haupthaar.

Auftritt der betonharten Heiterkeit: Ross Anthony tirilieren im Playback. Er ist der Spaßmacher in der Volksmusikszene. Er hat IMMER gute Laune und mit seiner Weißhaarfrisur sieht er immer aus wie ein Oberarzt aus dem Krankenhaus am Rande der Stadt, der zu viel geröntgt wurde.
Zwischendurch werden kleine Kinder mit Kunstschneebällen abgeworfen.
Hach, allerliebst?

Nein. Es ist furchtbar und ich kann nicht umschalten, denn ich bin paralysiert.
Ihre Auftritte sind fehlerlos, sauber, sympathisch, freundlich und hochprofessionell.
Und es funktioniert offensichtlich.
...nicht bei mir, aber sonst auf jeden Fall.
Offenbar ist das wichtigste an den Stars, die nun alle playbacksingend derart perfekt arrangierte Weihnachtsklassiker zu Gehör bringen, das dramatische In-den-Himmel-Singen“ wenn die Schlagworte: Friede, Freude, Menschheit, Kinder fallen.

Ist das furchtbar. Zwischen den „Acts“ erklärt uns Florian, dass die Welt ein friedlicher Ort ist aber wir trotzdem an jene denken müssen, die nicht bei Ihren Lieben zuhause sein können.
Ich habe spontan Mitleid. Auch wenn die Omis mit den Rentierpullovern nicht aussehen, als haben sie es eilig mit dem Nachhausekommen. Betreutes Freuen.
Glückliche Menschen im Publikum schunkeln zu den Golden Voices of Gospel, Teile der Kellyfamily wurde vorzeitig aus der Haftcreme entlassen…

... und dann das:

Mirielle Mathieu!

Der mit siebzig Jahren eindeutig älteste Spatz von Avignon (mit zugegebener Maßen erstaunlichem Lungenvolumen und schlanken Beinen) singt, was das Zeug hält. Die seit Kindertagen mir bekannte schwarz-glänzende Prinz Eisenherzfrisur sitzt wie ein Helm.
In einem Bühnenbild, das hauptsächlich aus weißem Geglitzer und sich drehenden Kerzenständern besteht, brilliert Mireille festgefügt wie Schillers Glocke und singt deutsche Weihnachtslieder. Diese werden durch ihren (zugegeben zauberhaften) französischen Akzent nicht wirklich schmissiger.

Auftritt Frau Hertel.
Mit der Professionalität im Bereich Dauerglück und Kunstlächeln steht sie dem Gastgeber Silbereisen in nichts nach. Die kleine achso fröhliche Unterhaltung zwischen den beiden Volksmusik-Leistungsträgern wird buchstabengetreu vorgetragen.
Sie können das. Und das Publikum liebt sie dafür.

Echtbilder von Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland werden eingefügt und machen schnell klar, dass es ohne Schnee im mitteleuropäisches Klima ziemlich trostlos wirkt. Aber die Regie hat einfach den rein-kopierten Schneefall aus dem Bühnenbereich im Bild gelassen.

Das dramatische In-die-Luft-Gesinge wird auch nicht besser, als Herr Silbereisen einen Schottenrock trägt und mit einer „Rockband“ (welche Rockband singt in der ARD Weihnachts-Friedenslieder?) zum Hartchor-Knaller: „Wir sind Brüder und Schwestern“ abhottet.

Was genau rauchen die da hinter der Bühne?

Ross Anthony als Dauerbrenner der Fröhlichkeit kommt wieder durchs Bild gelaufen. Nun ist er an der Reihe mit Fischerman's Friend zu singen und bewirft alles um sich herum mit Styroporblöckchen.

Wem das einfach nicht kitschig genug ist, bekommt zum Ende die volle Dröhnung.
Mireille ist noch nicht mit uns fertig. Sie hat eigenmächtig – und Herr Silbereisen ist fast zu Tränen gerührt – ein Lied, das irgendjemand anderes für die Sendung (man hält sich kaum noch auf den Sitzen!) komponiert hat, ins Französische übersetzt.
Das Lied heißt: „Erweckungsgesang“ und das Publikum zückt die Taschentücher während alle Engelein auf der Bühne ein letztes Mal dramatisch in den Himmel singen.

Halleluja, da ist der Abspann...


In diesem Sinne
Die wenig Erleuchtete

Redakteur




02. Dezember 2017, 14:35

1. Advent

Hallo Mädels,

ist es denn wirklich wieder so weit? Advent? Und dieses Jahr mit einer Woche Abkürzung, weil der 4. Advent schon Heilig Abend ist?

In der Wohnung die ersten Deko-Highlights. Blinkende irgendwas.
Es ist schön zu wissen, dass manche Dinge niemals durch übertrieben guten Geschmack zerstört werden können.

"Dieses Jahr war etwas Besonderes," denke ich unvermittelt, lächle merkwürdig und halte inne...
Tatsächlich, stelle ich erschrocken fest. Ist es. Besonders.
Sagt man das nicht viel zu selten in meinem Alter?

Da ist etwas Neues in meinem Leben. Neu und erschreckend klar.

Sicher, neue Dinge können unheimlich erscheinen, aber sie locken auch den Mut hervor.
Sehe ich also den Tatsachen ruhig ins Auge.

"Die unheimlichste aller Erfindungen ist der Spiegel. Woher nehmen die Menschen nur den Mut, da hineinzuschauen?"
(Brendan Behan)

Schließt die Augen und fühlt euch von dem Menschen umarmt, der euch momentan am wichtigsten ist.

Wünsche einen schönen 1. Advent.


In diesem Sinne
Das Lichtlein



Redakteur




30. November 2017, 10:50

Schatz, du bist nicht dick, du bist untergroß

Hallo Mädels,

es gibt sie wirklich. Diese Momente, in denen wir Frauen unsere herzallerliebsten Ehemänner sehr gerne mal nach Huaca Pieta schicken würden.
Huaca Pieta liegt in Lateinamerika und dort wächst der Cayennepfeffer.

Beispiel gefällig? Okay, wenn mein Schatz mich mit selbsterdachten Kosenamen bedenkt. Am besten noch vor viel Publikum. Aktueller Spitzenreiter in den peinlichen Liebesflüstereien:

„Schnuckie, alter Zossen!“

Wer will das nicht in einer belebten Einkaufsstraße hören?
Ja, die Liste ist lang für viele, viele Reisegründe in die ewigen Eheferiengebiete:

- Nix wegräumen
- Alles besser wissen
- Das beliebte: Altejogginghosetragen bis sie vom Fleisch fällt
Und nicht zu vergessen:
- Das Leereklorollensolangeignorie​renbisdiemuttieingreift

Aaaaaarghhhh.
Aber dann gibt es auch diese wunderbar erhellenden Augenblicke:

Schatz, lass das doch stehen, das ist zu schwer für dich! (wenn man Blumenkübel umräumt)
Schatz, ich koch dir was Schönes.(Sonntags)
Oder
Schatz: Na, wenn dir das Spaß macht? Dann tu es doch! (wenn man eine Aufgabe übernehmen will, die ein bisserl kribbelt)

Ach, was ist doch so ein Ehemann schön, nicht wahr? Die absolute Krönung (und da kann ich so emanzipiert sein wie ich will) ist, wenn er sagt:

„Du bist doch gar nicht dick. Und wenn doch: Mir gefällt es.“

DAS sind diese Momente, an die wir im Standesamt gedacht haben, als wir unser kleines „Ja!“ stammelten. Und es ist dann auch jener, in dem ich die Flugtickets nach Huaca Pieta wieder in der Schublade verschwinden lasse!

Ich bin zwar blöd, aber ICH BIN NICHT DICK!!!
...nicht sooo sehr zumindest. Nicht immer.
Im Halbdunkeln geht es.

Ohhhhhh doch, Fräuleinchen! schreit da die Waage.

Frust im Buttercremetortendiagramm.

Ich schnappe mir meine Frauenzeitschrift.
Ich sehe: Schöne Frauen, schöne Frauen, schöne Frauen, Mann, schöne Frauen.
Es ist zum Ausflippen. Ich will auch. Aber dafür dürfte ich

1. nie mehr was essen und
2. brauche ein Komplettlifting – was sag ich, eine ZEITREISE RÜCKWÄRTS !!!

So ein Mist.

Da im Magazin lese ich es neben einer dünnen Frau (maximal 16 (Alter+Gewicht)): „Diäten sind kinderleicht (tolles Wortspiel)! Du entdeckst die richtig ungesunden Kalorienbomben. Häufig ist einem gar nicht klar, wie viele Kalorien manche Speisen überhaupt haben. Wenn du dann die Kalorienbomben reduzierst, wirst du leichter ein gesundes Kaloriendefizit erreichen.“

Da schrei ich aber zurück: „Die musste ich nicht entdecken, die kannte ich schon! Das sind nämlich allesamt meine Lieblingsspeisen. Da schmeckt man was, wenn man zubeißt!“
Ich will essen!
...Aber nicht dabei aussehen wie ein Pferd!

Arrrghhh.
Ich kann doch gar nichts dafür! Ich bin unschuldig! Das Essen rennt quasi hinter mir her. In der Werbung. Selbst in Dekozeitungen kommen mir ununterbrochen Rezepte dazwischen. Mit viel Sahne. Und mit Marmelade. Und Butter. GUTER Butter.

Ich kann es ja mal mit dem neuen Wunderzeug versuchen?
Diätdrinks.
Hat tausend Namen in der Werbung das Zeug.
Irgendwie ist das essbarer Bauschaum, aber es sieht so aus! Ich habe es versucht!!!
Das ist so ein Shake, der mit dem Mixer zu einem Schaumzeugs verrührt wird und mir nach der Einnahme ungefähr FÜNF Minuten ein Sättigungsgefühl bringt.
Selbstverklebung als einzige Rettung! Hilfe!

Dialog des Tages:
Ich: „Schatz? Wo bist du? Sag doch mal was Nettes, bin deprimiert!“
Er: „Klar, alter Zossen, komm ins Bett, du bist so schön weich.“
Aaaarghhhhh!



„Letzter Aufruf für den Flug 4711 nach Huaca Pieta!!!!“



In diesem Sinne
Sondergepäck kostet extra

Redakteur




29. November 2017, 08:20

Trafen sich ein Symbiont und ein Schmarotzer

Hallo Mädels,

ich liebe Sprache! Es geht doch nichts über die erfrischende Konnotation und Denotation unserer deutschen, lateinischen, griechischen, englischen und französischen Lehnworte!

Heutiges hinreißendes Thema: Symbiont und Schmarotzer.

Hach! Herrlich!
Symbiont!
Das klingt doch schon nach Adel, nach Edelmut!
Stimmt ja auch. Ein bisschen. Ein Symbiont ist jemand, mit dem man zusammen lebt und dieses Zusammenleben hat nuuuur Vorteile.
Lass mich mal überlegen, ob ich so eine Lebensgemeinschaft kenne...hm…

(Angie grübelt angestrengt….das dauert ein paar Minuten)

Eine Lebensgemeinschaft, die für beide Seite guuuut ist. Hm.
Gut. Hm. Also schön, dass dieses schöne griechische Wort so gar nicht klingt wie das kleine Wort EHE ist klar.

(„Ehe“ hat ja eher was von: „Ehe ich das tue, erschieße ich mich…“ - aber das führt nun zu weit).

Symbiont ist also geklärt.
Das Wort Schmarotzer hingegen ist was ganz und gar Gemeines. Jemand, der den anderen nur ausnutzt.
Schma-rotzer!
Herrlich. Das klingt nach Pfui und irgendwas aus der Nase.

Diesen gerade so anschaulich-bunt beschriebenen Beiklang nennt man übrigens Konnotation.

Seufz.
Ach, wenn wir alles Symbionten wären, wäre das Leben doch um einiges schöner, nicht wahr?
Zum Beispiel ein Autor und ein Buchladen. Sie können oftmals (besonders in Mühlheim) die besten Symbionten sein. Ist das nicht prima?

Die Denotation, als der engere Sinn des Wortes Symbiont ist ein kleiner Partner, der mit dem Größeren eine Vergesellschaftung anstrebt, die für beide Partner vorteilhaft ist.
Die Konnotation wäre also demnach: Schönes Leben, einfaches Leben, Frieden, Freundschaft, Erfolg…
Schön, oder?

Interessanterweise ist unser Leben voll von Konnotationen. Wir interpretieren viel in jedes gesagte und geschriebene Wort hinein. Dumm nur, wenn wir alle zwar wissen, was das Wort im engeren Sinn bedeutet - uns aber zwei völlig konträre Konnotationen dazu im Köpfchen herum schwirren. Dann kommt es zu Dissonanz. Zu Streit, Unmut, Ärger.

Ich arbeite mich übrigens momentan an der Konnotation eines anderen Wortes ab.
Dem Wort unheimlich.

Es ist negativ besetzt. Wenn ich also damit einen bestimmten Menschen bezeichnet habe, so finden das viele in meiner Umgebung als extrem gemein.
„Hey, der ist doch total nett und lieb und wie kommst du denn darauf?“
Keine Ahnung.
Mir kann auch jemand Nettes unheimlich sein. Ich bin da ja ganz frei von Sinn und Unsinn.

Heimlich oder besser gesagt Heimelig bezeichnet ja etwas, das einem vertraut ist.
Unheimlich ist also etwas, mit dem man so gar nicht gerechnet hat.
Vielleicht jemand, der furchteinflößend aussieht, aber freundlich ist.
Oder jemand, von dem man annimmt, dass er die geistige Tiefe einer Grundlinie hat und in Wahrheit beneidenswert klug ist.
Jemand, der zwei Dinge hat, die ich gerne hätte.

Also schimpft nicht immer mit mir.
Mein Konnotat ist positiv besetzt. Voller Respekt.
Okay?
Wollen wir (wieder) Symbionten sein?



In diesem Sinne
Das kleine Wörterbuch

Redakteur




27. November 2017, 11:43

Keine Angst vor Großem

Hallo Mädels,

manchmal spürt man beim Anblick eines kleinen Hügels: das schaff ich nie.
Und dann gibt es riesige Berge. Die schauen munter zu einem herunter und man denkt: Au ja. Das will ich versuchen.

Meine Tante zitierte gerne Fontane bei solchen Gelegenheiten:

"Nicht die Größe der Aufgabe entscheidet, sondern das Wie, mit dem wir die kleinste zu lösen verstehen."

Also zerlegt man das Große einfach sanft in ganz viele Kleine.

Und wenn mir auch so manches an meiner neuen Aufgabe unheimlich erscheint und das kleine, schwerhörige Herz etwas klopft, so muss ich doch grinsen. Über den Mut in mir, den Siegeswillen und die Neugierde. Als wäre ich noch das kleine Mädchen, das sich entschlossen die Handschuhe zurecht zieht, sich mit breiter Brust ins große Tor stellt und den Elfmeterschützen genau anschaut.

Na, los, mach doch!

Irgendwie scheint etwas an dieser Aufgabe zu sein, dass mich leise anlacht. Mal sehen, ob ich den Mut habe, zurück zu lachen.
Wir werden es sehen, zumindest werde ich davon berichten.


In diesem Sinne
Vorteil Angie

Redakteur




24. November 2017, 09:04

Sprache als Sport

Hallo Mädels,


wenn Sport und Sprache zusammen kommen, entsteht für meine schwachen Ohren immer ein heftiger Kurzschluss. Es ist, als wollte die Welt klar stellen:

Körper und Geist gehören nicht zusammen!

Aus gegebenem Anlass überlege ich, warum wir uns so schwer tun mit guter Kommunikation. Ein klares, gutes Wort am rechten Platz ersetzt so manches Pflaster, umgeht einen unerquicklichen Streit, tröstet den Traurigen, hilft einer Gemeinschaft und macht viel Spaß mit uns.
Wir haben unfassbar komplexe Kommunikationsmöglichkeiten! – der eigene Mund mal gar nicht mitgerechnet.
Warum nutzen wir sie nicht – oder wenn wir es aus Versehen doch mal nutzen - warum fallen wir damit so schnell auf die Fresse?

Sprache ist so was Wunderbares! Hach, herrlich…

Gut. Sport auch.

Warum finden diese beiden nicht so recht zusammen?

Mein Steckenpferd ist ja die Paläolinguistik.
Sicher, man kann sich den Tag auch anders versauen (zum Beispiel mit Sondierungsgesprächen oder Videobeweisen), aber es ist so wunderbar, sich vorzustellen, wie Sprache entstand! Die Rekonstruktion der indogermanischen Ursprache birgt so viele kleine Schätze. Herrlich.

Leider kann ich mich nur mit wenigen Menschen darüber erschöpfend austauschen, da meine Gesprächspartner in der Regel nach drei Sekunden darüber einschlafen.

Aber wenn ich diesen humansprachlichen Gedankenansatz mal zur Seite wischen, frage ich mich echt, warum die Menschheit und die Evolution sich DERART Mühe gemacht haben, Sprache zu entwickeln, wenn der Mensch davon nur Gebrauch macht, um sich FALSCH ZU VERSTEHEN.

Ihr seht, es wird kompliziert!
Denkt nur an die unzähligen Fälle, die wir Tag für Tag erleben, wenn das Gesagte und das Gemeinte sowohl beim Sender als auch Empfänger plötzlich gemein wird...
Hilfe!

Am liebsten möchte ich die Hälfte der Menschheit mal in den Arm nehmen und sagen: „Mäuschen, jetzt beschränke dich doch erst mal auf die Worte, die wirklich gesagt wurden! Nur Klares ist Wahres.“

Da lob ich mir den Sport.
Fußball. Klare Regeln, klares Feindbild.
Oder Tennis. Schläger, Ball, Netz, Winkelhalbierende...ach nee, das ging ins Aus.

Hm. Sollten wir das Sprechen etwa wieder aufgeben? Zeigt unsere socialMedia-Welt nicht allzu deutlich, dass wir dem nicht gewachsen sind?

Ich will Sprache! Ich will, ich will, ich will!
Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht gut hören kann. Ich muss die Menschen genau ansehen, wenn sie sprechen, um Teile des Gesagten (falls akustisch nicht verstanden) notfalls zu überbrücken.

Ein Körper lügt weniger als ein Wort.

Einfach mal die Fresse halten, denke ich so oft!
Schon alleine das Abschaffen von Kommentatoren bei Fußball-Länderspielen würde mir persönlich sehr helfen!!! Bis auf den Satz: „Rahn schießt! Tor, Tor, Tor!“ hab ich noch keinen zweiten Satz gehört von diesen Sprachjongleuren, der irgendeinen Sinn ergab!!!
Lassen wir das…

Aber dennoch:
Schatz, wir müssen reden! Immer. Ganz viel.

Tja.
Bleibt eine Frage übrig:

Sport und Sprache - Wie bringen wir das zusammen?

Es ist ein bisschen so wie bei Mann und Frau.
Hübsch, wenn es passt.
Aber besser, wir lassen die Finger davon...





In diesem Sinn
Der taube Sprachschatz

Redakteur




22. November 2017, 08:54

Kluges aus dem Land der Zitate

Hallo Mädels,

irgendwie ist bei diesem Wetter alles mühsam und alles irgendwie ein zäher Kampf, ein Ringen mit den Elementarkräften der Zivilgesellschaft.
Man kämpft mit dem Verständnis für Politiker, man kämpft mit dem eigenen Nachwuchs um den Sinn und Unsinn von Hausaufgaben. Selbst in der Freizeit geht es oft und viel um Gewinnen, ums Siegen.
Ist das genetisch so in uns verankert?
Müssen wir Siegen, weil unser Urtrieb uns einflüstert: Nur wer siegt, bleibt?

Aber welchen Sinn hat Siegen und Gewinnen, wenn wir in unserer heutigen Zeit gar nicht mehr wissen, WANN wir gewonnen haben. WANN wir fertig sind mit dem Kampf. WANN wir sagen können: hey, jetzt geht es mir gut!

Haben wir uns im Siegeswillen verheddert?

Immer mehr von: Mein Haus, mein Auto, mein Urlaub?
Kann nicht sein. Dafür sehe ich zu viele unfrohe Gesichter ganz in meiner Nähe, die reichlich davon haben und nicht glücklich sind.

Jeannette Rankin sagte mal:

"Man kann einen Krieg genauso wenig gewinnen wie ein Erdbeben."


Offenbar kann man auch das Leben nicht einfach gewinnen. Man sollte es dann schon noch wirklich leben.


In diesem Sinne
Die zufriedene Verliererin

Redakteur



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