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20. Oktober 2017, 11:11

Haiku und Sex


Hallo Mädels,

ich sag es ganz offen: der Herbst ist einfach nicht meine Zeit.

Ich mag den Sommer.
Aber NUR den Sommer.
Okay, den Frühling mag ich auch. Weil ich mich da auf den Sommer schon freuen kann, aber der Herbst steht direkt vor dem Winter, und den Winter fürchte ich. Seine Kälte und seine Dunkelheit. Und meist ist er nur nass und bäh. Der Herbst ist demnach die Zeit, in der ich mich schon voll vor dem Winter fürchten kann.

Oh, natürlich kann der Herbst schön aussehen. Ja, ich höre Euch schon mahnen!
Aber wie bei Männern, kann etwas schön aussehen, aber man mag es trotzdem NICHT!

Bislang hängen noch viele Blätter am Baum, aber es reicht, um die Heerscharen an Laubbläser- und Laubsaugerfreunden herauszulocken, die sich diabolisch auf jedes Blättchen stürzen.
Vielleicht ist tatsächlich dieses akribische Laubwegmachen ein Grund, warum bei uns die Insekten ins Gras beißen?
Wer weiß.
Also ich würde als Insekt auch aufgeben, meine Insektenkoffer packen und mich davon machen. Hier ist es doch doof, oder? Wenig Blumen aber viel Zierkies, Rosen, die schön aussehen, aber nicht mehr duften, bunter Beton und dann diese Laubbläser! Wahrscheinlich sind Laubblasinstrumente so eine Art Fluglärm im Insektenreich.

Dass mit dem Insektensterben macht mich sehr nachdenklich. Der Mensch macht viele Dinge falsch. Und manche davon macht er nicht mal aus bösem Willen falsch.

Aber merke: gut gemeint ist oft schlimmer als schlecht gemacht.

Wie beim Sex.

Wir Menschen sollten mal unser ästhetisches Gewissen prüfen. Ob manche Dinge wirklich schöner sind. Ob man Hecken immer stutzen muss, Rasen immer mähen. Ob es Unkraut wirklich gibt oder ob es nicht einfach Kraut ist. Ob verkrüppelte Bäume wirklich weg müssen und ob Laub wirklich aufgesaugt gehört. Und ob (von der BUGA unprämierte) Wald- und Wiesenblumen auch einfach mal rumstehen dürfen.
Lebenlassen bedeutet Leben!
Vielleicht würde ich dann den Herbst doch mögen. Etwas.
Nicht gleich so, dass ich vor schriftstellerischer Energie gleich aus der Hose hüpfe, das nicht.
Und ich würde auch nicht gleich ein Haiku schreiben.

Ihr wisst schon.
Haiku.
Das ist japanisch für EUROPÄISCHE ANGEBER SCHMÜCKEN SICH MIT JAPANISCHER TRADITION!

Oh, 'tschuldigung. Das ist wieder meine Herbstgenervtheit…

Wo war ich? Ach ja.
HAIKU.
Nein, das ist nicht die keltische Form von Heike.

Ein Haiku ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist. Das Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt. Die japanische Dichtung ist nicht silbenzählend, sondern quantisierend.
Ein Haiku nach traditionellem Vorbild besteht aus einem Vers zu drei Wortgruppen à fünf, sieben und fünf japanischen Moren.
Klingt kompliziert, ist aber im Grunde vor allem kurz. Schnell gelesen, aber nett – wenn es gut gemacht ist, ist es wie Sex.

Ich habe dieses kleine Referat immer im Kopf, wenn mir jemand sagt, er schreibe auch. „Aber nur Haikus.“ kommt es dann etwas von oben herab. So, als wäre es gerade schändlich, sein Geld damit verdienen zu wollen, dass man 400 Seiten mit wahnsinnig VIELEN Worten füllt.
„Sorry,“ erwidere ich dann dezent pampig aber süffisant grinsend, „ich gehe immer davon aus, dass man fürs Lesen etwas Zeit mitbringt und nicht die paar Worte im Stehen liest.“ Danach hält der Haikuvergewaltiger meist die Klappe. Wahrscheinlich weil er nachrechnet, wann er das letzte mal Sex hatte...

Herrje! Herbstgernevtsein ist nicht sozial verträglich…

Also gut. Hier ein Haiku. Aber nicht von mir. Es ist schön. Wie Sex. Und ebenso wenig abendfüllend.


Auf blattlosem Ast
Sitzt allein eine Krähe;
Herbstlicher Abend.

Basho (1643 – 1694) eigentlich Matsuo Munefusa, japanischer Dichter


In diesem Sinne
Die Herbstlaus

Redakteur




18. Oktober 2017, 08:33

Goldener Oktober

Hallo Mädels,

der Ausdruck "Goldener Oktober" ist doch auch wieder so eine unausgegorene Kachelmannweisheit.
Was ist denn daran golden?
Warm ist es. Ja, und das ist prima, wenn man das Blätterfegen im T-Shirt erledigen kann, ohne Kreuzschmerzen zu bekommen. Und das Laub auch nicht so eklig an den Pflastersteinen pappt. Und es riecht auch nicht so streng wie Moorleiche, abends kurz nach dem Tatort.

Aber da das Fegen vor der eigenen Türe gesetzlich geregelt und ein Muss im Nachzeitalter der Kehrwoche ist, ist da auch nix mit Goldtalern als Belohnung.

Also ich weiß nicht. Wenn mir noch einer was vom goldenen Oktober erzählt, dann bewerfe ich ihn mit Kastanien. Oder so.
In zwei Wochen ist zum Glück November.
Und der ist alles, aber nicht golden.

Da fällt mir ein: Ich hab gestern die ersten Dominosteine dieser Saison geerntet! Bin spät dran, normalerweise esse ich die bereits im September!


"Im Nebel ruhet noch die Welt, noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt, den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt in warmem Golde fließen."

Mörike - als er Fegedienst hatte.


In diesem Sinne
Die Flurwoche

Redakteur




26. September 2017, 07:34

Ich bin kein Berliner

Hallo Mädels,

Im Frühjahr 1989 sagte man noch West-Berlin.
Heute sagt man ja nur noch Hauptstadt, Berlin oder die mit dem Flughafen.
Damals war es mit Mauer. Meine Mama lebte noch, und meine Eltern hatten eine Busreise gebucht. Ich war 18.
Für die Fahrt kaufte mein Vater mir einen Roman und meine Mutter mir einen Reisepass, in dem keinesfalls ein Stempel von Amerika drin sein durfte. Letzteres ließ sich leicht bewerkstelligen. Der Reisepass kostetet 60 DM. Ja, Mark.

Ich brauchte das Ding nie wieder!

Auf dem Weg zum ersten Grenzposten wurden wir vom Busfahrer genau instruiert, dass wir keinesfalls die Grenzer ärgern sollten. Keinesfalls. Gott, war das gruselig. Dann kamen wir in Berlin an. Da wieder Kontrolle, aber die westdeutschen Grenzer hatten irgendwie was anderes zu tun als unsere teuren Reisepässe anzugucken.
Sehr enttäuschend.

Das unschöne Wetter tat sein übriges, um unsere Begeisterung im Niedrigsektor zu halten. Wir waren im angenobelten Hotel Schweizer Hof untergebracht, vor dem zu meiner persönlichen Verwirrung die britische Fahne hing. Mein Vater meinte, das sei hier die britisch besetzte Zone.
Die was?
Britisch, besetzt, wegen des Krieges.
Welcher Krieg?
Zu dem Zeitpunkt war ich schultechnisch noch bei den Punischen Kriegen. Und die waren definitiv nicht in Berlin. Kann sein, dass wir Alexander dem Großen hatte, aber definitiv nicht Kennedy, die für mich nur eine Gemeinsamkeit hatten, beide waren tot.

Sonst gab es aber alles in diesem West-Berlin , wie uns damals die fesche Reisetrulla erklärte, die in unserem Bus das Mikro bekam. Sie wirkte so, wie später mal Hape Kerkeling als Königin Beatrix. Resolut, mit Berliner Schnauze zum Gruppentarif dirigierte sie den Busfahrer, während sie uns das Gefühl gab, als Nicht-Berliner mal von "nüscht ne Ahnung" zu haben. "Aber dat jewaltich."

Sie zeigten uns monströse Wohnblocks und edle Altbauten, noble Seen und das Café Kranzler. Meine Mama und ich geizten nicht mit dem Wort "scheußlich!".
Den vorläufigen Höhepunkt in Drive-in-Geschichte markierten die Einschusslöcher am vereinsamten und fast schwarzgefärbten Reichstag ohne Kuppel.

Vorsichtig fragte ich bei meinem Vater nach, ob das auch die Briten gewesen wären. Er überlegte kurz. Das könnten die Sowjets gewesen sein. Oder die Amis. Oder die Franzosen?
Nein, schritt meine Mutter ein, die Franzosen bestimmt nicht!
Dann die Sowjets, meinte mein Vater und deutete mir an, ich solle wieder der Reise-Trulla zuhören.
Was waren denn nun wieder die Sowjets? Ach, die Russen!
Vom Russen hatte ich reichlich gehört. Und zwar in der Redewendung:
"Der Russe steht vor der Tür!"
Woher sollte ich wissen, dass der Russe die Tür vom Reichstag meinte.

Die Reiseleiterin am Mikro, die offenbar sehr engagierte Zwischenfragen von einem Herren mittleren Alters in Cordjacke beantworten musste, wies uns genervt auf die
Mauer. Das muss man sich mal vor Augen halten! Das Ding hatte zu dem Zeitpunkt (Frühjahr 1989) praktisch ihren Sinn schon hinter sich – es hätte da auch eine rote Ampel gereicht, denn die Sache mit der Grenze war nie wirklich modern gewesen, bald aber war sie dann nur noch ein Bauschuttentsorgungsproblem.
Nur das konnte da niemand wissen, ich am wenigsten.

Unermüdlich versuchte ich aus meinem Vater heraus zu bekommen, WARUM man denn überhaupt ein Volk so begeistert einsperrt. Ohne zu wissen, dass in diesem eingesperrten Teil des Landes der Mann wohnte, mit dem ich zwei Söhne haben würde.

Die Reiseleiterin hatte mittlerweile den Bus in die Nähe eines „Empörungspodestes“ dirigiert.
Das Empörungspodest war jene Treppenkonstruktion, die es dem Westbesucher ermöglichte, durchs Brandenburger Tor auf der anderen Seite (während die oben drauf geschraubte Quadriga uns beharrlich den Popo zeigte) zu blicken.
Der Blick war enttäuschend. Auf der anderen Seite war nichts los. Kein Mensch zu sehen.

Als ich heimkam, brachte ich den Film erst nach Weihnachten zum Fotoladen. Als ich die Mauerfotos abholte, stand das Ding schon nicht mehr.


Heute ist die größte Attraktion in Ganz-Berlin mein Schwiegervater.


In diesem Sinne
Die Schwiegertochter aus dem Westen

Redakteur




25. September 2017, 08:31

Wahl 2017

Hallo Mädels,

der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen.

Ist das wirklich der schlimmste?

Ich denke es geht doch noch schlechter. Man wählt einen Kampfhund (einen blonden, deutschen Schäferwuffi?), damit der andere wegbeißt und es dir dann besser geht.

Aber was macht man, wenn man zu spät (und sehr erstaunt) feststellt:
Er beißt absolut jeden...auch DICH...

Wahl 2017

In diesem Sinne
Wahlberechtigte

Redakteur




25. September 2017, 08:22

Manchmal

Hallo Mädels,

halb voll oder halb leer.

Ist es gut, dass man genau weiß, wie sehr man sich angestrengt hat - als man nicht erreichte, was man sich wünschte?
Oder ist es doppelt bitter?

Wenn ich das mal wüsste...


In diesem Sinne
Montagsdepression

Redakteur




10. September 2017, 12:28

Ich bin dann mal da – oder warum Hape Kerkeling so erfolgreich ist

Hallo Mädels,

bisweilen ist man mental derart offshore, dass man Rettung benötigt.

Freundinnen sind in der Regel dafür zuständig. Hat man solche gerade nicht zur Hand oder will man die Hilfe gerne mit ins Bett nehmen, eignet sich dafür eigentlich nur ein Ratgeber im Taschenbuchformat. In Buchläden füllen sie ganze Wände, es gibt eine eigene Bestsellerliste für sie und ganze Verlage arbeiten sich alleine an ihnen ab.

Ratgeber. Sie sehen aus wie harmlose, freundliche, bunte Büchlein, sind oft in einer simplen, gutmütigen Sprache geschrieben (abgesehen von Finanzratgebern, die haben dieses Schnöselige natürlich gratis dabei), die dem Leser das Gefühl geben: Hier spricht ein ganz normaler Mensch zu mir und der hat es geschafft – verdammt, nun muss ich es auch schaffen!

Ratgeber gibt es für alle möglichen aber auch unmöglichen Fragen des Lebens (und danach).
Kochen, Essen, Nichtessen, Tischdecken, Alltags-Deko und natürlich Beziehungen, Beruf, Mode, Aufräumen, Wegräumen, Reisen, Zuhausebleiben und Fliesenlegen.

Es ist nicht bekannt, ob Goethe je vorhatte, einen Ratgeber zu schreiben und wenn ja, ob er Fliesenlegerratgeber ins Auge gefasst hätte. Hätte er, so wäre das noch heute ein Bestseller und deutsche Nasszellen wären für immer goethisch gefliest.

Der erfolgreichste Ratgeber (abgesehen von ICH BIN DANN MAL WEG von Hape Kerkeling) dürfte in Deutschland die Reparaturreihe sein:

JETZT HELFE ICH MIR SELBST

Sie gibt es seit 1962. Ich selber habe diese Bücher live und in Farbe schon in den 70ern bewundert. Damals für einen R4. Wobei mich der zweite Band (Opel Rekord) auch sicher fasziniert hätte!

Deutsche sind ratgeberbesessen. Vielleicht, weil sie immer mitreden wollen, es besser wissen müssen oder weil man sich auch als Doofer im Stillen alles anlesen kann. Und dann geht man mit breiter Brust auf die Straße und kann voll schlau daher reden.

Obwohl wir in einer Wegwerfgesellschaft leben, sind Reparatur-Ratgeber immer gut zu verkaufen. Zum einen, weil ein Gegenstand, der richtig, richtig kaputtrepariert wurde, mit gutem Gewissen dem Alteisen übergeben werden kann, aber auch weil Ratgeber keine Widerworte geben.
Man kann sie wegstellen und sich einreden, man habe THEORETISCH das Wissen parat.

AM ARSCH VORBEI IST AUCH EIN WEG.

Das ist der sehr eingängige Name des letzten Ratgeber, den ich las. Auf Empfehlung meiner Freundin. Es heißt bei uns jetzt das „Arsch“-Buch und wir haben natürlich anschließend eifrig diskutiert über den Inhalt. Also was wir NICHT davon umsetzen wollen.
Also ziemlich viel. Okey, ich hätte mich auch direkt mit meiner Freundin über das Problem, dass ich mir alles zu Herzen nehme, beratschlagen können, aber so hatte es zudem diesen informierten, recherchierten Anstrich.

Also das, was jede Freundin, die bei Verstand ist, dir sowieso raten wird, stand in diesem Buch noch mal schwarz auf weiß.
Hier ein paar wichtige Stellen:


a) wenn du zu dick bist – kauf deine Klamotten eine Nummer größer.

b) wenn du nicht kochen kannst – lass es und kauf dir eine Küche, die gut aussieht

c) wenn dein Kind in die Pubertät kommt – vereinbare ein Treffen mit ihm danach

d) wenn dein Schrank unordentlich ist – kauf dir einen neuen und neue Klamotten

e) wenn dein Auto kaputt ist – kauf dir ein neues

f) wenn es mit dem Gatten nicht mehr klappt – kauf dir… (da hab ich nicht weiter gelesen)


Ratgeber werden zwar sehr gut verkauft, aber oft nicht (oder nur teilweise) gelesen. Es ist auch nicht allzu sinnvoll, sich danach zu richten, was jemand auf ein paar Seiten zusammengestellt hat - aber dafür geben sie einem dieses wahnsinnig gute Gefühl.
Man hat ein Problem erkannt, es zwar nicht beseitigt, aber ein Buch dafür gekauft.

Gut gemacht.

Und nun schnell damit ins Regal.


In diesem Sinne
Ratnehmerin

Redakteur




31. August 2017, 10:14

Marilyn Manson

Hallo Mädels,


1. Radiowecker geht an.

2. Marilyn Manson brüllt mir "Tainted Love" ins Hirn.

3. Wach.



Ein Tag wie eine ToDo-Liste eines Tiefkühlers.
Alles also wie immer.



In diesem Sinne
Nicht gut drauf

Redakteur




30. August 2017, 09:19

Tutorial statt Freundin


Hallo Mädels,

wer hat nicht in seinem Leben schon mal jemanden fragen müssen, der was davon versteht? Richtig. Mama nach Rezepten, Papa nach dem richtigen Werkzeug bei Rohrbrüchen, den Ehemann bei akutem Hirnausfall, die Kinder nach Musiktipps.

Mittlerweile geht der Trend aber dahin, keine echten Menschen zu befragen, sondern den Computer. Das, was man da als Antwort findet, nennt man dann Tutorial. Natürlich englisch, denn in dem Moment, in dem man nichts mehr versteht, sollte man sich unbedingt an jemanden wenden, der einen englischen Namen hat.

Läuft.

Ein Tutorial. Das ist eine filmische Gebrauchsanweisung. Auch da gibt es gute und schlechte. Und auch zu jedem Thema. Reifenwechsel, Aufschlag beim Tennis oder Herzverpflanzungen. Es gibt ALLES.
Natürlich fragt man am liebsten DANN ein Tutorial, wenn man ein bisschen verschämt ist und sich denkt: das frag ich besser keine Freundin sondern den Computer. Weil das ist SUPERPEINLICH. Und da frag ich lieber jemanden, der mich überhaupt nicht kennt und dem ich auch garantiert hyper-egal bin.
Zum Beispiel bei Frisurentipps, Diätfragen oder Schminkunsicherheiten.

Letzteres liebe ich. Die könnte ich den ganzen Tag angucken.
BILDSCHÖNE MAKELLOSE WEIBER um die 16 Jahre schminken sich bis der Arzt kommt. Und sehen hinterher aus wie Sofia Loren in ihren besten Zeiten (auch wenn sie vor eher so aussahen wie Jennifer Aniston oder Pumuckel).

Auf der Suche nach einem amüsanten Tutorial fand ich plötzlich eins, das mich fast umgehauen hätte.

Thema: UNERFÜLLTE LIEBE.

Wow. Dafür gibt es ein Tutorial? Ich meine, nicht geliebt zu werden, das bekommt doch jede locker alleine hin, oder? Oder muss man das lernen? Aber nicht diese hübschen Weiber oder? Da dreht doch jeder Mann sofort durch?

Aha. Nach kurzer Einsichtnahme verstand ich, es ging nicht darum, eine unerfüllte Liebe herzustellen, sondern sie wieder los zu werden. Sprich: den Typen doch noch zu überzeugen, dass das Leben ohne einen selber möglich, aber herzerweichend sinnlos ist. Aha. Na, das versprach doch lustig zu werden. Klicklick. Los geht es nach der Werbung. Überspringen in 3, 2, 1 Sekunden. Klick.

Meine Herren!
Das hochdepressive Etwas, das da plötzlich vor der Linse sitzt, macht einen ziemlich erschütternden Eindruck.
Dieses: ich versteh euch doch alle.
Dieses: Ja, Ihr leidet – aber NICHT SO WIE ICH.

Vielleicht bin ich zu alt für so was, aber ich find es hinreißend. Das sind noch so Mädels, die glauben, jeder Schuss muss ein Treffer sein. Wie süß!
In meinem Alter denkt man ja eher: besser eine unerfüllte Liebe - als gar keine.

Zumindest meint das Mädel mit Namen Janette standfest, dass es 10 Strategien gibt, um damit klar zu kommen, dass der Herzallerliebste entweder deine Fresse nicht sehen kann oder nicht mal deinen Namen weiß.

Herrlich. Vielleicht sollte man damit anfangen, sich ihm vorzustellen: „Guten Tag, mein Name ist Janette, ich verbringe meinen Tag damit, in eine Handykamera dummes Zeug zu labern und Tausende klicken mich an!“

Hm. Nein, sie schlägt irgendwie was anderes vor.

Damit es für Euch übersichtlicher wird, will ich die zehn Strategien mal schnell zusammenfassen:

DAS SIND JANETTES 10 STRATEGIEN FÜR DEN ARSCH.

Blablabla...

Moment. Stopp! Da ist eine Strategie, die will ich mal durchgehen lassen.

Die geht so: den Typen anrufen und ihn anbrüllen.

Oha! Die entbehrte nicht einer gewissen mädchenhaften Logik. Vor allem, wenn der Typ Janett nicht kennt. Das wäre durchaus zielführend. Danach wird er ihren Namen nie mehr vergessen, oder? Aber warum sollte sie ihn dafür anbrüllen?
Das Tutorial dauert übrigens 17 hochintensive Minuten und Janette sitzt dabei in einem Abendkleid an einem (vermutlich elterlichen) Seerosenweiher in einem großzügigen Garten und scheint mit goldenen Löffeln im Arsch geboren zu sein, so dass zu befürchten sein wird, dass sie mehr erfüllte Liebe erleben muss in ihrem Leben (weil ihr Bankkonto das eben deutlich hergibt) als sie sich vorstellen sollte.
Und zwar von Männern, von denen sie sich später wünschen wird, die hätten nichts, aber auch gar nichts erwidert.

Seid Ihr neugierig geworden?

Hier meine persönlichen Highlights in diesem Unerfüllte-Liebe-Managen-Fern-Coaching

Platz 3 der ewigen: dämlichsten Ratschläge-Liste:
Frag dich, was du tun kannst, damit es noch mehr wehtut

(Da denke ich doch spontan: grandiose Idee, Janette! Auf was willst du hinweisen? Handfeuerwaffen, Schlaftabletten, offener Balkon in der 7. Etage?)

Platz 2 der dämlichsten Ratschläge:
Sieh in den Spiegel und erkenne dich in ihm

(Hier frage ich mich: Damenbart? Dauerkarte für die erste Bundesliga?)

Die Pole-Position, also Platz 1 der ewigen: dämlichsten Ratschläge-Liste (mit Sternchen!)
Hoffe auf bessere Zeiten

(Ah! Das geht ja immer! Eigentlich nur noch erreicht von: Die Zeit heilt alle Wunden.)

Und wie das doch sofort hilft, nicht wahr? Quasi ist man nach diesem Ratschlag sofort geheilt! …. aber….In der Regel bekommt nicht der Typ, sondern die Freundin, die das ratschlägt, gleich mal die Fresse poliert...)

HERRLICH!

Ich weiß da auch keinen wirklich guten Rat. In der Regel finde ich es bezaubernd, wenn ein Mädchen mir von ihrem Liebeskummer berichtet. Es ist so unschuldig und süß. Und man denkt plötzlich an die eigene Zeit zurück, da man so was durchmachte...trotz allem war man so voller Zukunft, nicht wahr?

Ich kann da leider nie etwas Schlaues raten, ehrlich gesagt.
Aber ich nerve immerhin nicht mit Tutorials, die immer beginnen mit: „Hi, ich bin die XY. Ich freu mich riiiiiieeeesig, dass Ihr meinen Kanal abonniert habt. Hey, und hier ist mein Thema für heute…) Dabei wirft man in der Regel seine langen, makellosen Haare mehrfach nach links und rechts…

OMG!

(muss man auch andauernd rufen...)

Schade eigentlich, dass Janette verschweigt, dass es auch ganz reizvoll sein kann, jemanden unerfüllt zu lieben…..seufz...
Man stellt sich diesen Prachtkerl zu schön vor, ja, er sei perfekt, riecht nicht streng. Ist nicht voll gekleckert mit Bratensoße, meckert nie, ist zuvorkommend und unsterblich in mich verliebt, findet mich nie zu dick, zu müde, zu unsexy, nicht hässlich oder albern, liest mir alle Wünsche von den Augen ab, und jedes Gespräch mit ihm ist wunderbar. Dazu ist er super im Bett, und das Leben an seiner Seite ist eine einzige, zauberhafte, rosafarbene Problemlösungsstrategie, die immer aufgeht.

Ach, was ist unerfüllte Liebe doch schön!


In diesem Sinne
Die solide Ehefrau

Redakteur




28. August 2017, 09:47

Langweiliger Text über Freundschaft

Hallo Mädels,

mich beschäftigt momentan das Thema Freundschaften. Ich frage mich, ob ich in der Lage bin, in meinem Alter (in dem Autos schon ein historisches Kennzeichen haben) noch eine neue Freundschaft einzugehen.
Bekanntschaften, ja, gerne, aber eine neue Freundschaft?

Richtig, ich fühle mich alt. Nicht immer, aber immer öfter. Und so denke ich manchmal, ich bin so eingefahren, so unflexibel, so vorhersehbar, es könnte mich niemand mehr als Freund erwählen.

Schon antike Philosophen wie Marcus Tullius Cicero, ein römischer Staatsmann von der Sorte, die immerzu was unfassbar Schlaues sagten, was dann schnell einer aufschrieb (in gutem Latein natürlich) und nun als Zitat verwendet werden kann, hatte sich mit der Freundschaft auseinandergesetzt. Er fragte sich, was ein Freund ist und meinte, es müsste ein anderes Ich sein.

Ein was? Ich? In anders? Ist es dann noch ICH?
Hätte ich doch mal im Lateinunterricht besser aufgepasst...

Also gut. Ein anderes Ich. Aber wo finde ich noch jemanden, der so bekloppt ist wie ich (abgesehen von meinen Freunden natürlich, die ich schon hab). Bei Penny, Rewe oder Schrottplatz?

Und weiter meinte der große Römer: „Freundschaft ist die Übereinstimmung in allen göttlichen und menschlichen Dingen, vereint in Wohlwollen und Liebe.“

Himmel! Ich dachte befreundet ist man einfach, und das mit dem Reden macht man dann beim Kaffee. Noch Kekse dazu?

Wohlwollen? Ist das so was wie liebhaben?

Weiter im Text. So legte ich mich schwer ins Zeug und schrieb einen laaaaaaaangen Text darüber.
Über Freundschaft, Gefühle, Interessen, Sympathie, Gleiches und Unterschiedliches, Ehrlichkeit und Vertrauen.
...schnarch...
Und dann las ich all das noch mal sehr ambitioniert durch, rief laut HA!, zerknüllte den Mist und warf ihn vom Balkon, wo er vom Wind erfasst wurde und weit weg segelte. Später erzählte mir eine mir bekannte Brieftaube, eine befreundete Wühlmaus habe daraus ein Nest für den Winter gebaut.
So langweilig war der Text. Da kann man schon mal den Winter drüber einschlafen.

Und mal ehrlich.
Hat Cicero nicht bereits alles gesagt? Der Mann muss sein Leben sehr eloquent (und in fließendem Latein!) geführt haben. Ob der jemals die Zeit hatte, die Sportschau zu gucken?

Eine andere Ich-Angie-AG?
Wo finde ich es jetzt noch, wenn ich es nicht schon gefunden habe?

...ich glaub ich bin so deprimiert, ich ruf jetzt erstmal meine Freundin an und sag ihr, sie soll mich aufmuntern. Das schafft sie in der Regel mit wenigen Worten.
Oder sie lacht.
Dann lach ich mit.


In diesem Sinne
Freundin von irgendwem, der wie ich ist - nur anders.

Redakteur




25. August 2017, 07:41

Elternabend. Der Tragödie zweiter Teil

Hallo Mädels,

Elternabende wären eine sichere und naturidentische Verhütung, wenn man VOR dem Geschlechtsakt an einem solchen umständlichen Abend teilnehmen müsste - man würde ES sich doch überlegen...und die Lust würde sich verpeifen.

Obwohl ich Anhänger des klassischen Schulsystems bin, aber nicht aus Überzeugung sondern aus schierer Not heraus, denn die Gesellschaft funktioniert nun mal nicht mit Freiwilligkeit, so hat mich dieses Zitat doch arg beeindruckt:

"Schule ist jenes Exil, in dem der Erwachsene das Kind solange hält, bis es imstande ist, in der Erwachsenenwelt zu leben, ohne zu stören."

Maria Montessori


In diesem Sinne
Die mit dem Abi aus dem letzten Jahrhundert

Redakteur



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