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Der Blog


     


14. August 2017, 07:34

Zeit

Hallo Mädels,

letztens habe ich mich in einer Parfümerie beraten lassen. Ich bin nicht sicher, ob es clever ist, bildschöne Menschen da arbeiten zu lassen. Es hat mich doch irritiert, dass ich im Grunde einen ganzen Arm voll mysteriöser Wunder-Produkte benötige - statt wie die einfach naturschön, naturjung und naturfröhlich zu sein.
Aber sei es drum.
Man bestätigte mir, ich sehe nicht aus wie hundert - sondern nur wie 99.
Das will ich einfach mal so gelten lassen...mit den angepriesenen Produkten und einem unvermeidbaren Tutorial auf YouTube (Hi, ich bin Kimberly, ich zeige euch mal, wie man sich die Augen so zukleistert, dass man aussieht wie generalhysterisch) werde ich mein gefühltes Alter vielleicht auf 80 senken können...


Die Zeit mag Wunden heilen, aber sie ist eine miserable Kosmetikerin.

(Mark Twain)


Auf in das nächste Schuljahr!


In diesem Sinne
Mutter von großen Jungs

Redakteur




16. Juni 2017, 11:04

Göttin (Der Sex-Göttinnen-Potenzial-Test der Zeitschrift ELLE)

Hallo Mädels,

welcher von uns geht es nicht so. Wir sind Göttinnen, ahnten das ja schon immer - und dann kaufen wir uns eine hochwichtige Frauenzeitschrift.
Tatatataaa! Und da wird ein superseriöser Test angeboten mit dem amtlichen Titel: "Welche Liebesgöttin bist du?"

Immer her damit!

Also Kuli geholt und mich auf dem Balkon mit einer Tasse Kaffee verschanzt und erstmal angekreuzt.
Aha. Ja. Hm. Doch eher vielleicht...hm...das auf jeden Fall...

Bloß nicht schon auf die Lösung linsen...

Ist ja schließlich ein Brückentag und den sollte man für die innere Einkehr nutzen. Genau. Persönlichkeitsbildung. Mit Lippenstift- und Nagellackwerbung am Seitenrand.
Es sind ja unfassbar verflixt schwere Fragen, aber ist ja klar, wir sind ja Göttinnen, da muss man alles wissen.

Also...
Partytyp, Shoppingtyp, Urlaubstyp, Sextyp, Karrieretyp.

Wow, was eine Göttin ja so alles können muss. Leidenschaft und Gelassenheit. Aber klar doch. Und alles auf einmal und dazu Traumbody auch mit fast fünfzig. Und Haare wie frisch gefönt.
Wollt Ihr die TOTALE GRAUABDECKUNG?

Neeeeein, die Modebranche ist total human...
Grübel.
Weiter im Test.
A oder doch B? C fällt aus. Oder doch nicht?

So. Nun schnell noch zusammenrechnen.
Komisch, von dem Mathetyp stand da gar nichts. Egal. Mache ich eine Nebenrechnung mit Strichen aus Lippenstift.
So.
Ich bin also der A-Typ. Hurra! Und was steht da als Lösung?
Grübel...

Ergebnis: Ich bin APHRODITE.
Äh...
Toll. Der kleine, schmeichelnde Lösungs/Erklärungs/​Auflösungstext ist vielversprechend. Auch wenn ich Athene (B-Typ) noch besser finde und Shakti (C) noch besser. Aber wer ist Shakti? Ist das nicht die Sängerin mit dem Hüftschwung und dem zehn Jahre jüngeren Ehemann?
Nein.
Äh.
Und was steht da weiter?
Und ganz unten im Aphrodite-Erklärtext heißt es dann leider noch: "Und wenn Sie endlich wissen, was Sie wollen, dann sind Sie auf dem besten Weg..."

Herrje. Wollenwissen und Wege soll ich auch noch können?
Kopf hoch! Ich bin doch schon ganz weit vorne als Frau, wenn ich weiß welches Outfit ich bevorzuge? Nein?

Mist. Irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dieser Test ist Blödsinn...oder bin ich zu kritisch?
Welcher Kritiktyp bin ich eigentlich?
Ups.

Lösung: Medea mit einem leichten Hauch Nemesis.


In diesem Sinne
Aphrodite

Redakteur




10. Mai 2017, 08:03

Fachblatt für untergewichtige Konstruktionen



Hallo Mädels,

ja, ich gebe es zu: ich lese die Vogue!
Ich lese sie nicht nur! Ich rieche sie.

Eine Vogue riecht nämlich. Nach teuren Parfüms. Ganze Seiten sind einparfümiert, und es ist bezaubernd, dahin zu blättern und dann zu murmeln: „Ja, ich bin arm, aber ich rieche den Reichtum!“

Ich schaue mir jede Werbung an.
Das ist weniger deprimierend, als das jetzt klingt, denn die Klamotten kann man zu 98% sowieso nicht tragen, weil sie so irrwitzig unbequem geschnitten sind, dass man wahrscheinlich im Büro entweder nicht durch die Tür kommt, oder beim Fotokopierer automatisch in das Tonerfach gezogen wird.

Die Vogue ist der Mercedes der Zeitungswelt.
Man versteht nicht wirklich, was darin vorgeht, aber man versteht ja auch einen Mercedes nicht. Man setzt sich einfach und hofft, dass andere es verstehen.

Ganz schlau auch die sauteuren Styls, bei denen man betont schlampig aussieht. Beknackt. Dafür reicht es, einen Rote-Kreuz-Kontainer zu knacken.

Die Men-Models sind nicht mal mit der Mittelschule fertig geworden, manchmal hab ich Angst, dass ich schon beim Betrachten einer Vogue pädophile Strafbestände erfülle.
Würg.

Warum sind wir besessen von Schönheit? Warum sind wir besessen von Reichtum? Warum erklärt mir die Vogue das nicht?



Wenn ich das wüßte nach dieser Lektüre...
...dann hätte die Zeitung schon mal ihren Zweck voll verfehlt.


In diesem Sinne
Frau im Spiegel

Redakteur




30. September 2016, 11:20

Mit Haare, ohne Haare oder nur Haare


Hallo Mädels,

dass Haushaltsgeräte nach dem Ablauf ihrer Garantiezeit punktgenau die Grätsche machen, das scheint schon fast bewiesen.
Das ist schlichtweg zum Haare raufen!
Haare? Ja! Was mich elegant zu einer neuerlichen Entdeckung überleiten lässt:

Was ist mit den Haaren los?
Wissenschaftler, die zurecht keine Preise bislang dafür bekamen, wollen herausgefunden haben, dass selbst das so haarmlos dahaar kommende Haarshampoo auf die selbe Weise funktioniert.
Das haarige Frisur-Problem wird nach einer haarsträubenden Studie zufolge nach Ablauf von 20 Stunden fröhlichen Im-Wind-Flatterns schlagartig fettig.

Zack.

Und schon sieht frau aus, als hätte sie eine Frisur wie Spaghetti in Längsform auf dem Kopp.
Wie ein Kilo Olivenöl von oben.

Das kommt nicht überraschend. Nur unvorteilhaft.

Wie der bedeutende, deutsche Volkspsychologe M. Barth schon vor Jahren postulierte, neigen Frauen zu übertriebenen Körperpflege. Sie duschen und baden, cremen und epilieren, peelen und schminken sich zu allen erdenklichen und unerdenklichen Tages-, Nacht- und Jahreszeiten.
Im Focus auch hier: Die seifenintensive Pflege des Haupthaares.

So unterteilt M. Barth das weibliche Duschen nach reichlicher Überlegung in die Formen:

a) Mit Haare
b) Ohne Haare

OBACHT!
Da Haarshampoo aber jene merkwürdige Anpassung genommen hat und seine Wirkung zum Wohle eines erhöhten Verbrauchs haarig verkürzt, kommt es immer häufiger zur dritten

c) nur Haare

Die Weltöffentlichkeit ist schockiert.

Und ich rufe laut:
Haare aller Länder verknotet Euch!!
Wehrt euch gegen Bürste und Shampoo-Abo!
Um nicht mehr unter dem Fettdiktat zu stehen, sollten sich alle Frauen erheben und eine Woche nicht duschen. Und vor allem: nicht die Haare waschen.

IIIIIEHHH!

...allerdings werden diese Frauen dann in jener Woche leider nicht zur Arbeit erscheinen können, nicht mehr einkaufen und schon gar nicht abends mal essen gehen können.
Nicht unfrisiert!
Das würde fatale Auswirkungen auf das soziale, das asoziale - und vor allem auf das wirtschaftliche Zusammenleben haben.

Shocking!

Da sieht man es wieder! Dass all die alten Bob Dylan-Songs nach wie vor ihre tiefe haarige Gültigkeit haben:
Shampoo rules the world
(aus einem bislang nicht veröffentlichten und ungeschriebenen Song des lockigen Künstlers)


In diesem Sinne
Misses Fluffig

Redakteur




19. September 2016, 12:54

Mops und Mode


Hallo Mädels,

heute nur Altersweisheiten:
Eine Freundin hat man aus vielen Gründen: Aus Hoffnung, aus Hilflosigkeit, aus Lebensfreude, aus Liebe, aus Versehen oder aus Gütersloh, Mühlheim, Dortmund oder Werther.
Viele Freundinnen hab ich nicht, aber sicher die besten.
Wenn ich mit einer von ihnen kommuniziere, werde ich in der Regel mit Höchstgeschwindigkeit ins Leben katapultiert. Eben noch Manuskripte, dann plötzlich echte Lebenskrisen, defizile Berufskatastrophen, bunte Beziehungsfehlfunktionen und neue Schönheitstipps. Dazwischen höchst erfrischende Lästereien über Menschen, die es verdient haben.
Nebenbei auch noch wortgewaltige Gesprächen und Schockzustände darüber, wie jung man sich fühlen kann, und wie alt man mittlerweile doch ist.

Wenn man gerade keine Freundin hat, die einem berherzt sagt, wie müde und abgehetzt man aussieht, holt man sich Anregungen in kritischen Modemagazinen, die einer Frau von über 40 so hübsch gnadenlos anlügen und verheißen: Du bist eine reife Frau, und du bist toll.

Oh no, da falle ich nicht drauf rein! Ich weiss es besser....aber rede nur weiter, liebe Zeitschrift!

Bis vor wenigen Tagen noch auf dem Balkon liegend blättere ich, beschwingt vom aufsteigenden Pröbchenduft, durch diese Fachliteratur.

Intensiv, versteht sich.
Kritisch.
Emanzipiert.

Die üblichen Verdächtigen unter diesen Zeitschriften sind bunt, sind glänzend, sind perfekt und ihr Nähwert entspricht dem eines quietschsüßen Wellness-Nachtischs ohne Kalorien.

Null.

Und daher sind so willkommen – weil sie nicht belasten.
Die Titelbilder zieren Frauen, die sich in den letzten 15 Jahren nicht ernährt haben. Sie sind makellos und ihre Bekleidung ist nicht tragbar in Farbe, Form und Größe.

Dazu die Schlagzeilen:
164 Accessoire-Highlights
Hollywood macht nicht glücklich
Mit Bier und Burger durch Krisenzeiten
So funktioniert mein Killer Lidstrich
Botox- Ja ich hab's probiert!

Mein Favorit ist allerdings:

Zünden Sie die 7 Stufen der Lust und er wird Ihnen für immer verfallen

Na, das nenne ich doch mal ein Versprechen! Und so beginne ich zu lesen. Nach Sichtung der Überschriften lässt sich da schnell erkennen: Es gibt genau zwei Themengruppen:

a) sie
b) er

Diese Themen spalten sich dann noch einmal in zwei knallharte Untergruppen:

a) Aussehen
b) Sex

Das ist insgesamt derart übersichtlich, daß ich den Reportagen- und Bilderfluß ohne weitere geistige Hürden nehmen kann.

Ich mache mir nichts vor. Der KICKER funktioniert bei Männern ähnlich. Schöne Bilder und das alberne Versprechen: Das kannst du auch.

Egal.
Gleich nach dem Schmökern der Zeitschrift gehe ich ins Bad, schaue in den verdammt ehrlichen Spiegel und zerschneide die Zeitung.

Okay. Aber nicht meine. Sondern den KICKER... die Nummer 14 sieht ja soooo schnuckelig aus (und ist 15 Jahre zu jung für mich).

Egal. ich bin eine reife Frau und toll.


In diesem Sinne
Die Zeitungsblätterin

Redakteur




04. Mai 2015, 16:48

Englischer Namenstag


Hallo Mädels,

die Nachricht des Tages ist raus.

Charlotte Elizabeth Diana.

Das sind die Namen eines einzigen Babys. Einer königlichen Windelträgerin.

Meine Söhne haben auch drei Namen, jeder drei. Zusammen sechs.
Wenn ich eine Tochter gehabt hätte, hätte sie dann entsprechend Therese Erna Helga heißen müssen.​.​.​ach, Royals sind ja soooo eingeschränkt mit den Namen. Für Männer gibt es in diesem Berufssegment nur Henry, George oder Edward und bei den Frauen eigentlich nur Mary und Gordy - äh.​.​. Elisabeth.
Aber gut.
Jetzt hat es einen Namen.

Den Rest des Tages können wir nun der zugfreien, bestreikten Woche einen Namen geben.

Scheiße Kacke Mistmistmist würde sich anbieten.


In diesem Sinne
Irma

Redakteur




04. März 2015, 09:14

Nepper, Schlepper, Handyrechnung

Hallo Mädels,

was waren das noch für Zeiten, als Eduard Zimmermann (XY-ungelöst) noch auf uns aufpasste, damit niemand uns beklaute, haute oder kidnappte?

Diese Schutz-Aera ist leider vorbei. Wir müssen selber aufpassen, alles googlen, immer informiert sein.
Und ZACK.​.​.​nun bin ich voll in die Falle getappt. Fing harmlos an. Ich habe, als Jünger der Super-Medien-Welt, natürlich ein Smartphone. Ich liebe es. Es ist schön, es macht schöne Geräusche – und ich bin schön doof. Kurzum ich bin der ideale Smartphone-Nutzer.
Smartphones verfügen nicht nur über eine Telefonfunktion, die witzigerweise kaum ein Schwein nutzt, weil es ja nun WhatsApp gibt. Tooootal schön. WhatsApp ist ein internetbasierter Instant-Messanger für den bequemen Austausch von sinnlosen Textnachrichten, aber auch von albernen Fotos und noch alberneren Filmchen und diesen süßen Emoticons.
Sowas von süß diese Emoticons!​!​! (Kommt von: Emotion plus Icon)
Als Emoticon werden Bildchen bezeichnet, die ein Smiley oder Tierchen oder sonstwas Niedliches nachbilden, um Gefühlszustände auszudrücken.
WIE FÜR MICH ERFUNDEN!

Okay, ich beruhige mich wieder und frage investigativ nach: Was genau haben die Germanen damals eigentlich OHNE gemacht? Ich meine, in einem Leben ohne WhatsApp? Ohne die fantastische Möglichkeit, Cäsar ein Emoticon zu schicken. Eins mit Zunge raus, einem Limes und Hermannsdenkmal?

„Hey, what's up, Caesy? Easy, Junge, wir machen hier den Limes klar und alles supi mit den Legionen! Und was genau will dieser nervige Varus hier? Baut der uns ein Viadukt und führt den neuen Kalender ein? Wir nehmen gerne Fußbodenheizung! Mach mal ruhig, lass uns später weiter chatten, aber jetzt erstmal chillen!​“

Ohne WhatsApp undenkbar. Und so nahm die Geschichte ihren Lauf.

Smartphones können alles! Navigieren, Standort an die NSA verraten, knipsen, filmen, sich abhören lassen, musizieren, mailen, mit Aktien dealen, Temperaturen im Ferienhaus runter regeln, recherchieren, Wetter vorhersagen, spielen (bis der Arzt kommt) und wahrscheinlich kann es auch aufs Klo gehen – ganz sicher aber solche Geräusche machen.
Doch die eifrige Online-Nutzung verursacht erhebliche Kosten, was vielen Kunden erst mit Blick auf die erste Telefonrechnung auffällt.
Jau. Aber sowas von.​.​.​Es waren bei M I R (Trommelwirbel):

100 glatte Euro.

Wegen Datenvolumen. Sprich, weil ich mal was Nettes geschrieben habe oder so. Aber, aber, aber, äh, was genau hab ich falsch gemacht? Nichts. Zumindest nicht viel. Ich habe kommuniziert wie mit dem alten, unfähigen Handy. Und damit war es passiert.​.​.

Das geht so: Das Datenvolumen steigt stetig, ohne dass man jetzt das Gefühl hat, man macht was Teures. Da wird kein roter Teppich ausgelegt, da quellen nicht etwa Diamanten oder Markenjeans aus dem samtweichen Touchscreen.
Es ist das übereifrige Smartphone, das an meiner Stelle den teuren Unsinn macht.
Will sagen, ich hab mal komplett den Überblick über Surfdauer und Datenmenge verloren. Obwohl ich aktiv nur EINE einzige App in Benutzung hatte, haben sich mehrere Apps und andere lustige, eloquente Software auf meinem Smartphone selbständig aktualisiert. Und zwar auf die teure Variante. Über den falschen Handytarif.​.​. Mein so unschuldig anmutendes, smartes Gerät verbindet sich nämlich leidenschaftlich gerne und vollautomatisch mit dem Internet, sucht nach verfügbaren Aktualisierungen und lädt diese herunter. Egal, ob das mein Tarif erlaubt.
Und WhatsApp tat sein übriges. Es ist so verführerisch, mit anderen zu schwätzen, als seien sie gerade im Raum.

Heul.

Und die doofe Rechnung wird einem auch noch ganz OHNE Emoticons geschickt. Ein mitfühlendes Gesichtchen wäre da vielleicht tröstlich gewesen!
Nun hat mein Gatte mir für zuhause WLAN auf mein Smartphone gedröselt, und ergriff das geliebte Social-Media-High-Cost-Endge­rät (das ich vorübergehend in eine Eisenkiste geknallt hatte, damit es Einzelhaft hatte - ohne Verbindung mit anderen!​). Gatte war trotz Kostenexplosion (das darf man so bezeichnen(!​)) erstaunlich gelassen. Er reichte mir das Smartphone (es hatte was von damals, als er mir meinen frisch gewickelten Sohn im Kreißsaal in den Arm legte) und sagte: „So, jetzt darfste.​“

Ich sag mal so.
Ich sitze jetzt hier, schreibe diesen gesellschaftskritischen, hochbrisanten Text (über meine eigene Doofheit) mit meinem süßen Smartphone und verursache jetzt KEINE Kosten. Letzten Monat hingegen, habe ich DASSELBE gemacht, aber

100 Euro – ja echt - 100 Euro – ja, 100 Euro – wirklich 100 Euro – ohne Scheiß: 100 Euro

dafür gezahlt. Erstmal.


Mal ehrlich:
Smartphones können offenbar Geld scheißen, oder? Nur leider in die falsche Richtung.

In diesem Sinne
What's up, Angie?

Redakteur




19. November 2014, 08:47

Thema heute: Hilfe! Ich hab ein Proben-Problem


Hallo Mädels,

was den Menschen wirklich vom Affen unterscheidet, sind die Probepackungen in den Frauenzeitschriften.

Wenn ich meine Modezeitung frisch aus dem Briefkasten fische und auffächere, fällt mir erstmal ein Kilo Werbung auf die Füße. Nach deren Entsorgung bleibt der daumendicke Haut-Couture-Führer hügelig wie Rom. Das liegt an den Parfümpröbchen, den Shampoo-Give-Aways, den Hautverjüngungsextrakten und Schminkversuchen.
Alles bio-resistent in Alutütchen verpackt.

Die Entnahme dieser kleinen Freuden aus der Zeitung ist eine Kunst.
Reißt man sie zu schwungvoll heraus, ist bereits im Winter die Sommermode komplett weg.
Es gibt auch Seiten, die vollends in Parfüm getaucht wurden. Beim Blättern duftet es in der Nase. Ein altes Hausrezept von Coco Chanel besagt wahrscheinlich, dass man zur Verbesserung des Raumklimas nur eine VOGUE aufgeschlagen zwei Wochen rumliegen lassen muss.

Wenn alle Seite durchgelesen und betrachtet wurden, beginnt die Phase des Proben-Probierens.
Wenn Mario Barths „Freundin“ etwas anspruchsvoller wäre und die COSMOPOLITAN abonnierte, hätte der Guinnessrekord-Witzeerzähler längst im Olympiastadion berichtet, wie Frauen Alutütchen mit Shampööchen unter der Dusche zwecks Probe handhaben.

Ungefähr so:
Das zu testende Erzeugnis trägt diesen Monat einen unfassbar bombastisches Namen: „Fructis Prachtauffüller“.

Na, da kann keine Frau eines Bauunternehmers widerstehen. Ich auch nicht. Es handelt sich hierbei um ein Shampoo, das so riecht, wie sich ein Blinder die Farbe Himbeerrot selber vortanzt. Zudem erzeugt es eine Reaktion im Haar, wie wir es von industriellem Blitzbeton für Großprojekte her kennen.

Um es vorweg zu nehmen:
Das Zeug ist sen-sa-tio-nell!
Ich war in Sekunden so komplex frisiert wie Cassius Clay, nachdem er mit dem Namen Muhammad zum größten Amerikaner aller Zeiten wurde.

Aber bis es dazu kam, passierte Folgendes:

Ich lege Duschgel- und Shampoo-Probe zurecht.
Ich betrete die Duschkabine und benetze mich und mein Haupthaar nach der Methode Wanninger (also vorschriftsmäßig von oben nach unten) mit Wasser.
Greife zum Shampoopröbchen, das sich in der aus besagtem alulastigen Plastikzeug bestehenden Tüte befindet.
Suche Anreißstelle (die Kerbe in einer der Ecken).
Finde sie.
Aaaaahhhhh!
Und nun geht ein unsagbares Gezerre und Gefingere und Gerangel los.
Anschließend Gefluche.
Tüte ist weiterhin makellos verschlossen.
Grrrrrrrr!

Mit glitschigen Fingern wird das nichts!

Verlasse Duschkabine.
Suche Schere.
Finde nur Nagelschere, die den typischen Schlangenschnitt hinbekommt.
Rutsche fast aus.
Betrete erneut Duschkabine.
Quetsche und Walke die Probeflüssigkeit aus Recycleminiverpackung.

PLATSCH.

Rosa Probeflüssigkeit landet in Duschwanne.
Erneutes Fluchen.
Mit den Fingern mühsames Zusammenwischen der Probeflüssigkeit.
Uff.​.​.​Nun endlich im Haar.


Ich sage Euch: Die Geschichte des Haarewaschens ist eine Geschichte voller Missverständnisse.​.​.


In diesem Sinne
Die Probebohrung

Redakteur




15. September 2014, 09:11

Der Trend-Trend

Hallo Mädels,

früher dachte ich, große Entscheidungen werden in großen Großraumbüros von großen Männern in großgemusterten Anzügen und großartigen Schlips getroffen.
Eigentlich denke ich das immer noch.

Für viele Leute IST ein Modetrend eine große Entscheidung. Zumindest wenn ich der VOGUE und der GLAMOUR glauben darf. Zwei Zeitschriften, die mich monatlich darüber belehren, wie unsagbar falsch ich angezogen bin. Das bin ich gewohnt. Bereits in der Schule, wo ich die Klamotten (und durchaus geliebten Sachen) meiner Schwester auftrug, sagte man mir, dass ich modisch ziemlich daneben lag.

Das Lesen von Modezeitungen gibt mir also ein Stück Jugend zurück.

Damals hatte ich nun mal nichts anderes anzuziehen. Heute wäre das theoretisch anders, aber beim Durchblättern der Hochglanz-Medien bin ich von zwei Erkenntnissen beseelt.
1. Das ist super fotografiert!
2. Das kann aber keiner tragen!

Wie geistig unbemannt muss man sein, um Haut Couture ernsthaft anziehen zu wollen? Selbst sogenannte „Basics“ scheinen mir eher „sauer“ als „basisch“ (kleiner Chemikerscherz).
In dem einen, nach Parfümproben duftenden Druckerzeugnis steht, dass Blumen Trend sind und „üppig“. In der zweiten Zeitung steht, man muss „leger“ sein und mit Fransen behangen. Sogar auf zwei aufeinander folgenden Seiten derselben Zeitung wird sich widersprochen. Verwirrend.

Trends sind der Evolution geschuldet. Früher wurde jeden Tag gejagt. Heute braucht man nicht zu jagen, daher generiert der Einzelhandel künstliche Jagdtrophäen, um uns das Gefühl zu geben, wir haben etwas Lebenswichtiges erlegt. Und wenn es nur die Herbstjacke mit Blumen und mit oder ohne Fransen, leger oder üppig ist.
Mode macht also schön. Man muss nur dem Trend folgen und ist de facto schön. Klappt nicht im Auge des Betrachters, aber im Hirn des Käufers.

„Nicht jede Frau kann ein Schwan sein.​“ Sagte schon Truman Capote (der Schöpfer der Schönheitsbibel „Frühstück bei Tiffany“), den ich zu lesen mir gerade gönne, ohne dass das ein Büchertrend ist.
Eine Schönheit, so Mister Capote, ist niemals eine Frau, die von der Natur und der Welt kümmerlich bedacht wurde. Gott schenkt ihr Aussehen und einen Helfer (Vater oder Ehemann) mit einem dicken Bankkonto.
Nur das macht sie schön.
Und nur das befähigt sie, den Trendkurs zu halten.

Wir fassen zusammen: Geld stinkt nicht und macht schön.

Eine genaue Schätzung der jährlichen Instandhaltungskosten der weiblichen Schönheit wäre möglich, würde aber nur zu Neiddebatten führen.
Dann doch lieber die Modezeitungen aufblättern und denken: „Wow, das kann nun wirklich niemand tragen, ohne über die eigenen Füße zu stolpern, aber es ist ein großartiges, geschlechtloses Symbol grenzenloser Sexualität!​“

In diesem Sinne
Madame Lagerfeld

Redakteur




27. März 2014, 08:15

Prinzip Luxus

Hallo Mädels,

langsam verstehe ich, was Luxus ist.
Ich weiss noch, wie mein Lateinlehrer uns freudig erregt mitteilte, wie gebräuchliche Worte im Ursprung gemeint waren.
Luxus bedeutete damals, bei den alten Lateinern (die ja wohl die blödsinnige Verschwendung erfunden haben dürften):

Liederlichkeit.

Na, das trifft es eventuell noch heute. Es ist Verschwendung. Das Phänomen einer Besitzerkultur, die über das normale und vor allem sinnvolle Maß weit, weit hinausgeht.

Wenn ich mir meine süße kleine Reichenschlampe Lisa (Ihr erinnert Euch?​) anschaue, wie sie mit sterling-silbernem Dekoklimbim herumhantiert, um einen Kuchentisch "ein bisschen zu pimpen" und dabei ein Vermögenswert von mehreren tausend Euro über einer edlen, aber indiskutablen Tischdecke verstreut, dann denke ich, dass Luxus im Grunde immer nur das selbe ist.

Verknappung.
Der Mensch hat wahrscheinlich seit der Steinzeit nur eine Sache wirklich verstanden, und diese Erkenntnis gleich für immer im Hirn festgeschraubt. Dinge, die selten sind, immer aufheben und mitnehmen. Feuersteine, Mamutzähne, Ozelotfelle. Mitnehmen, kann man tauschen, ist immer zu gebrauchen.
Wenn wenig, dann wichtig.

Luxus bedient keine Liederlichkeit. Luxus bedient den Steinzeitmenschen. Guck hier das ist selten. Fang es dir!

Wenn ich es so betrachte, bin ich gleich rasend gut gelaunt, wenn ich bei Luxus-Lisa in der italienischen Designer-Sofalandschaft Platz genommen habe und mir anhöre, dass ihr Mann sich eine Rolex gekauft hat. Potthäßlich.

Und während er mich stolz mit dem Teil am Arm anstrahlt, denke ich unweigerlich:

Ugga! Ugga!

In diesem Sinne
Madame

Redakteur



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