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06. August 2017, 13:53

Mannomann! Männermodels in Minimode zwischen Mühlheims müder Mischbotanik in mediteranem Mineralwasserbecken


Hallo Mädels,

das Y-Chromosom ist ein Geschlechtschromosom und bewirkt die Ausbildung des männlichen Phänotyps. Und Frau steht da total drauf. Ab und zu.
Aber Mann ist nicht gleich Mann.
Also frage ich mich: Was finde ICH richtig, richtig männlich.
Dummerweise ist das eine altersspezifische Frage, denn ich bewege mich in einem demografischen Bereich, in dem Männer nur noch selten aussehen wie Joachim Löw oder Daniel Craig. Sie sehen eher aus wie Zwerg Nase nachts um drei.

Gehen wir frisch ans Thema heran. Was wünscht man sich denn als leicht angereifte Frau?

Ich finde es sehr männlich, wenn Männer eine Weinflasche öffnen können. Oder wenn sie in Autos einsteigen, wenn sie sich die Krawatte zurecht rücken, wenn sie dicht vor mir stehen und dann zu mir lächelnd hinunterblicken.
Männer haben bisweilen ansprechende Schultern, Kinnpartien, Popos und Hände, mit denen sie bei uns Frauen plötzlich Paarungsbereitschaft auslösen können.

Im Film- und Fernsehbereich öffnen die Helden-Männer in der Regel auch ab und zu Weinflaschen, aber eigentlich besteht ihre Hauptaufgabe darin, nach dem Weinöffnen Spitzenprodukte des international schwer umkämpften Handfeuerwaffensektors zu zücken. Oder sie tragen lächerliche Kostüme und fliegen einfach weg. Oder werfen Spinnennetze.
Männer im Fernsehen haben wiegende Gänge, keine Pickel, fahren Motorrad, schlagen um sich, lächeln dabei, reden anschließend knapp aber präzise, sind cool zu verzückten Frauen und sind unfassbar sportlich. Sie zicken nicht, sie sind immer Herr der Lage und vertrauenswürdig, halten ihre Versprechen und selbst, wenn sie genervt sind, wirken sie liebenswert.

VERGISS ES! DAS GIBT ES NICHT IM REALEN LEBEN!

Das VORletzte Mal, dass ich mich nach einem Mann umgedreht habe, ist eine Weile her. Zum einen, weil ich mich nicht gerne umdrehe, zum anderen, will ich attraktive Männer nicht unbedingt auf so olle Hutzelfrau wie mich aufmerksam machen…

Und doch passierte es letztens.
Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und fuhr eine ruhige Straße entlang, die einen Bogen um einen großen Garten macht. In diesem Garten stand ein Pool. Und in diesem Pool...ja, Ihr ahnt richtig: Zwei Männer standen bis zu den Knien darin und einer kam und brachte Bier. Sie trugen allesamt nur spärliche Bademode aber viel Muskelfleisch.
Herz, schweig stille...was unweigerlich um Herzstillstand führen kann...schlecht beim Radfahren übrigens...
Alle drei waren sehr (wenn nicht schon zu) jung. Aber wahrscheinlich sind alle Männer, denen man einen Fahrradfahr-Umdreher widmet, grundsätzlich zu jung.

Was jetzt nicht weiter verwundert, denn wie Ihr wisst, werde ich dieser Tage so alt wie Andre Agassi, Naomi Campbell, Gabriela Sabatinie, Rachel Weisz oder Erik Zabel.
Tja.
Als ich geboren wurde, beendete Muhammad Ali gerade seine Karriere als Profiboxer, die Expo fand in Osaka statt, die Beatles trennten sich, Jimi Hendrix starb in London und über 300.000 Menschen fanden den Tod, als ein Zyklon mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 km/h und meterhohen Flutwellen auf das heutige Bangladesch, traf.
Na, was für ein Superjahr. Und dann komm auch noch ich...
Immerhin wurde 1970 der erste"Tatort" ausgestrahlt und so der Weg zu Börne und Thiel geebnet...ein Lichtblick.

Zurück zu den Badehosenmodels im Pool.

HERRJE!!!!! ICH BIN ALT ABER NICHT BLIND!

Ja, ich habe mich umgedreht. In voller Fahrt.
Diese drei hatten schließlich kaum was an!

WAS?
IST?
DAS?
SIND DAS MÄNNER? HANDELSÜBLICHE M Ä N N E R?

Sie sahen nicht aus wie Männer, die man in deutschen Gärten findet!
Männer in deutschen Gärten tragen kurze Schlabberhosen, Sandalen und blöde Kappen. Sie tragen zu Recht kleine runde, gemütliche Papa-Bäuche vor sich her und sind oftmals auf den unsymmetrisch behaarten Rücken krebsrot vom Rasenmähen oder Zaunstreichen.

DIESE Männer jedoch sahen aus wie Sportler. Dazu glatt rasiert und, keine Ahnung, sie sahen aus wie nicht echt.
Als ich so radelte, hatte ich folgenden Gedanken im Kopf:

„ …. „

Richtig. Nichts. Absolut nichts habe ich gedacht. Komplett die Löschtaste gedrückt gehalten.
Ich kann nicht mal sagen, ob ich die Männer hübsch fand, ich fand sie in erster Linie glattrasiert und muskulös. Und in zweiter Linie völlig deplatziert.

SOWAS STEHT NICHT IN MÜHLHEIMS GÄRTEN RUM!!!

Genau das hätte ich denken müssen! Ja, das hätte mein Hirn SCHREIEN MÜSSEN! Doch meine Gedanken hielten sich gerade auf dem Hier-geht-es-nach-Nichts-Bahnsteig auf.
Die Herren, vielleicht um die Dreißig, waren sehr damit beschäftigt, das Bier zu trinken und dabei einen möglichst lässigen Eindruck zu machen, was ihnen mühelos gelang. Wahrscheinlich warteten sie auf ihre jungen Damen, die hundertprozentig dem gängigen Schönheitsideal von Spielerfrauen zugerechnet werden durften, aber die waren noch nicht in ihre Bikinis geschlüpft oder unterhielten sich noch im Haus darüber, welcher Smoothie den geringsten Kalorienanteil hatte.

Ich radelte also. Wortlos, trittlos, sicher auch ausdruckslos halb um sie herum. Mund weit auf (ein Wunder, dass ich nicht alle Mücken im Main-Rhein-Gebiet in diesem Moment verspeist habe) und wollte ihnen etwas zurufen.
Sowas wie: Hey, Jungs! Und wo ist mein Bier?
Oder: Ähhhh?

Aber da mein Hirn leer war wie die Magdeburger Halbkugeln, die kein Pferd der Welt auseinander bekam, sagte ich passenderweise zu meinem Gesichtsausdruck

NICHTS.

Als ich endlich an Angies-Hirn-Delete-Programm vorbei war, erholte ich mich etwas und war in der Lage, mich auf dem Fahrrad umzuwenden, ohne einen Verkehrsunfall auszulösen. Der Blick zurück erlaubte mir noch einmal das Gruppenblick ohne Dame.
Nasses, sonnenbeschienenes Muskelfleisch.
Sixpack im Dreiervorteilsangebot.
In dem Moment hob der Größte dieser Topmodells sein Bier an den Mund, hob dabei das Kinn, trank, richtete seine Augen schelmisch seitlich auf mich und - zwinkerte mir zu.

Wohl gemerkt.

Er kotzte nicht - er zwinkerte.
Er sah aus wie Spitzensportler Lewandowski, nicht ganz mein Typ (eher im Bereich GanzundgarnieundnimmermeinTy​p), aber er war vom körperlichen Ausstattungsangebot meiner Altersgruppe weit überlegen. Vom Standpunkt der Naturgesetze aus hätte er mich eigentlich gar nicht wahrnehmen dürfen!

Und da rief ich das, was mir gerade einfiel.
Ich schrie:

„WOW!“ ------ Ja, ich bin ja Schriftstellerin. Da fallen mir immer die besten Texte ein...hust...

Er nahm das geschriene WOW mit einem lächelnden Kopfnicken zur Kenntnis.
Und ich fuhr weiter. Unfallfrei.
Mit einem unfassbar guten Gefühl im Bauch. Wie nach einem Museumsbesuch: Tolle Dinge gesehen, die ich aber nicht mit nach Hause nehmen durfte.


Ein WOW in Mühlheims Gärten. Wer hätte das gedacht.



In diesem Sinne
Die Schrei(b)erin

Redakteur




21. Juni 2017, 08:51

Nachgang zum Kirchgang


Hallo Mädels,

im Nachgang zu meinem letzten Eintrag (Gretchenfrage) lasse ich nun Goethes Kollegen zu Wort kommen, der Ausgewogenheit zuliebe.

"Man sollte es sich zu heiligsten Pflicht machen, dem Kinde nicht zu früh einen Begriff von Gott beibringen zu wollen. Die Forderung muß von innen heraus geschehen, und jede Frage, die man beantwortet, ehe sie aufgeworfen ist, ist verwerflich. Das Kind hat vielleicht seine ganze Lebenszeit daran zu wenden, um jene irrigen Vorstellungen wieder zu verlieren."
(Friedrich Schiller, Dichter 1759-1805)


Gut, dass schon alles gesagt wurde.

In diesem Sinne
Die Protestierende

Redakteur




19. Juni 2017, 10:03

Die Gretchenfrage



Hallo Mädels,

wie immer hilfreich und gut, will ich erst klären, was das ist, die Gretchenfrage.
Es ist die eher unangenehme Frage nach der Gesinnung. Die Forderung absoluter Ehrlichkeit. Der Begriff stammt (wie alles Komplizierte in der deutschen Sprache) vom alten Goethe und natürlich aus dem FAUST. Darin stellt die Figur Gretchen, der Hauptfigur Heinrich Faust die Frage: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“

Würde Gretchen mir ihre Frage stellen, würde ich schreiend weglaufen. Faust hingegen hat das anders geklärt. Er hat Gretchen in den Wahnsinn getrieben.
Faust und ich, wir halten nichts von Religion, doch diese Ablehnung hilft uns nicht wirklich weiter, wir glauben doch beide an Gott.

Religion jedoch ist ein Club, in dem es (wie in allen Clubs) darum geht, sich von anderen abzugrenzen, ja sogar in Wettstreit zu treten. Und damit will Religion, dass nicht alle daran teilnehmen können, ohne sich zu beugen und somit zu verbiegen. Manche sogar können gar nicht teilhaben, egal wie sie sich anstrengen.
Männer haben Religionen gemacht. Da können noch so viele Käsmannfrauen herumlaufen und einen stabilen Eindruck machen. Religion ist eine weitere Form, Frauen zu unterdrücken. Und Schwule und Lesben, Unverheiratete, Geschiedene und was nicht noch alles. Religionen wollen Eliten formen, Auserwählte.

Früher hasste ich Religionen. Heute öden sie mich nur an.

Nun hat mein Ältester Konfirmandenunterricht. Ich durfte bereits zwei entsprechende Elternabende erleben, an denen ich im kleinen Gemeindezentrum im Kirchen-Allzweck-Sälchen, mehrfach das Bedürfnis nach Wegrennen verspürte.
„Hilf mir!“ habe ich leise gefleht und das deutliche Gefühl gehabt, bei meinem Schöpfer eine gewisse überirdische Heiterkeit ausgelöst zu haben. „Hilf mir, ich finde das hier so gruselig!“ Doch nichts geschah.

Ich habe einen fantastischen Sohn, der zwar in der Schule allerlei Kreativität aufbringt, um nicht zu lernen (mit entsprechendem Erfolg), aber er ist fantastisch. Er spürt meine Abneigung. Aber wir halten beide durch.

Gemeindefest. Die winzige Enklave evangelischer Lämmchen im weiten Land der hessischen Katholen richtet ein Fest aus? Ist das die Realsatire des biblische Bildes von: „Im Angesicht meiner Feinde…?“
Es werden Listen für die Planung ausgelegt und es gibt ein klares Belohnungssystem: Konfirmand erledigt Aufgaben, dafür bekommt er einen Strich. Er benötigt eine Mindestanzahl von Strichen und dann kann er konfirmiert werden.
Bitte? Ich beiße fast in den „Konfi-Pass“ meines Sohnes und will laut aufstöhnen: DAS IST NICHT EUER ERNST, ODER?“ - Das ist nicht Religion, das ist heilige Bürokratie!
Mein Sohn ist diese Art der deutschen Erziehung gewohnt, er weiß: er muss auf die Listen.

Das Gemeindefest beginnt mit einem Gottesdienst – und Ihr ahnt es bereits, für den Besuch eines Gottesdienstes bekommt man einen Strich. Ächz…

Ich will es kurz fassen. Das Gotteshaus hat deutliche Züge einer Mehrzweckhalle und wurde ganz klar von einem Mann entworfen, dessen eigentliche Leidenschaft darin besteht, Turnhallen zu konzipieren.
Ich will hier nicht sein. Mein Sohn auch nicht. Wir setzen uns in die vorletzte Reihe.
Das Publikum ist gemischt im Alter, doch im Gesicht tragen sie alle dieses Lammfromme vor sich her, das bedeuten soll: „Ich bin ja so tolerant, ich bin ja so gut, ich bin ja so deutsch. Ich bin Christ.“
Mir fallen einige Männer auf, die eindeutig homosexuell sind, was mich in die Lage versetzt, mich um sie zu sorgen. Solche Menschen stehen mit mir als Frau auf der selben, auf der zweiten Stufe unserer Gesellschaft. Aber ich entspanne mich. Wie immer sind hübsche Schwule umringt von kleinen Omis, die sich verliebt zu ihnen hinaufdrehen.
Alles gut. Niemand ist sicherer in unserer Gesellschaft als Männer, die von rüstigen Omis protektoriert werden!
Dann erscheint ein schüchterner Mann, der aussieht wie Chris de Burgh. Er trägt einen Beerdigungsanzug, und wie ich später erfahre, ist er der Kirchenvorstand. Er hat Sorge. Warum, weiß ich nicht, aber er sorgt sich.
Und da kommt auch schon der junge Pastor. Daneben die Gemeindepädagogin, sein Bodyguard. Die Frau imponiert mir. Ihr ganzer Körper sagt: HIER GEHT ES LANG.

Die kleine Mehrzweckspiritualität ist gefüllt, man sitzt bereits auf dem Gang. Nicht nur mit Konfirmanden, die einen Strich ergattern wollen, sondern allerlei Volk ist versammelt. Adrett Schwarzgekleidete fallen mir auf.
Herrje, ist Schwarz das neue gläubig?
Der Gottesdienst startet. Es ist der erste, den ich mir von dem jungen Pastor antue. Ich weiß von ihm nur das, was ich sehe: jung, hilfsbereit, klug, schwul. Ich mache in der Schar der Zuhörer sofort jenen aus, der offenbar sein Partner ist: jung, hilfsbereit, klug, schwul. Es ist ein bisschen wie beim Memory, wenn man ein Pärchen in einem Wust an Karten aufdecken muss.

Typisch Kirche: Musikalische Untermalungen, Lieder, die umständlich und völlig arhythmisch von der Gemeinde mitgenuschelt werden, untalentiertes, abwechselndes Psalmieren aus dem Gesangbuch für Hessen und Nassau.
Wir singen: Gott ist ja so gut zu mir, auch wenn es mir scheiße geht.
Ja doch!!!
Hinter uns wird streberhaft mitgesungen.
Lobet, ja lobet, ja was eigentlich? Gott und die Welt. Halleluja.

Es gibt eigentlich nur ein Wort für diese musikalische Darbietung:
ZUMGOTTERBARMEN! Mir steigen die Tränen vor Fremdschämen in die Augen, aber es ist unfassbar ungerecht von mir zu erwarten, dass in einem Gottesdienst Menschen, die nicht dafür bezahlt werden, so singen und performen können wir Helene Fischer. Um Gottes Willen! Das will ja auch keiner!

Die Predigt.
Mister Jung-hilfsbereit-klug-schwul spricht. Ich weiß von den Elternabenden, dass er eine angenehme Art des Humors vertritt aber diese eigentümliche Idee hat, Konfirmanden sollten den Anschein von religiöser Freiwilligkeit wahren.
Na, meinetwegen. Viel Erfolg dabei.
Hier auf der Naturholzkanzel hat er mehr Glück. Die kleine Gemeinde liegt ihm zu Füßen. Er ist charmant, ermahnend, witzig, biedert sich nicht an, und er ist klug. Ich nicke leise meinem Schöpfer zu und denke: „Und es ward gut.“
Mister Jung-hilfsbereit-klug-schwul bekommt sowas wie seine Bestallungsurkunde und immer wenn er aufgeregt ist, zieht er die Nase hoch und streicht sich durch seine Fönfrisur. Aber ich habe kein Mitleid, denn er wird verehrt, nicht einfach nur geehrt. Er bekommt eine schöne Urkunde, eine Lobeshymne von seinem dekantierten Vorgesetzten und von Chris de Burgh. Der Bürgermeister (der immer eine Rede hält, wenn man ihn lässt) findet ausnahmsweise sehr charmante Worte. Leider lässt es sich nicht verhindern, dass die mobilen musikalischen Untermalungen sich wieder zum Singen aufstellen, aber das, was sie für ihn singen, ist zwar etwas schief, aber es ist, ja, es ist herzerweichend.
Sie lieben ihn, muss ich neidvoll erkennen.
Ich nicht. Muss ich auch nicht, aber ich bin voller Respekt. Ist er nicht genau jene biblische Figur, die immer mit eindeutigen Nachteilen in der Gesellschaft geboren wird und dann in die Wüste geschickt wird, um dann zu triumphieren?
Daniel in der Löwengrube, Jonas im Walfisch, Saulus zum Paulus, Abraham, Moses? Wer läuft da nicht alles gehandicapt durch das Alte Testament, nicht wahr?
Ja, ich bin neidisch. Und muss lächeln.
„Typisch!“, grummel ich schweigend meinen Schöpfer an.

Die Tür war übrigens während des gesamten Gottesdienstes offen. Zum Schluss waberte bereits der Geruch vom Grill herein. Merkwürdigerweise fand ich, dass das passte.

Die Gretchenfrage ist geklärt. Ich lehne Religion weiterhin ab, aber diese Menschen hier nicht. Sie verehren jemanden, den sie eigentlich ablehnen müssten, wenn sie ihre Religion wörtlich nehmen würden.

Und das gibt mir Hoffnung.


In diesem Sinne
Thomas, weiblich und ungläubig

Redakteur




07. März 2017, 07:57

Phänomen deutscher Vorgarten: Primelsklaven und Lorbeerleibeigene



Hallo Mädels,

man sagt den Deutschen gerne und oft nach, sie haben aus ihrer Geschichte nichts gelernt. Gar nichts.
Und das ist schlicht sehr, sehr wahr.

Ihr wisst, was ich meine, stimmt's?
Richtig. Die unheilvolle Geschichte der deutschen Vorgärten.
Hurra! Guido Knopp hätte daraus beinahe mal eine 13teilige Sonderdoku gemacht!

Der Frühling nervt. Und zwar, weil er einfach wegbleibt.

Es ist grau draußen, nass obendrein und nichts mag so recht erblühen. Ein paar Primeln hier und da, bei dessen Anblick man irgendwie erschaudert, weil sie so verfroren wirken. Lediglich die Plastikostereier in den blätterlosen Zweigen täuschen Farbe vor. Man sieht sie allerorts in den Vorgärten baumeln.

Vorgärten sind ein sonderbares Phänomen in unserem Lande.
Woher diese Bürgerpflicht zum Vorgärtnern genau stammen, weiss ich nicht, sie sehen zuweilen aus, als seien sie direkt aus dem Land des Grauens. Oder aus der Zeit des Barock. Oder aus Österreich.
Die Sonderangeboten in den Gartenabteilungen sprießen, sobald die Außentemperatur gegen 10 Grad steigen.

Vorgarten ist nicht gleich Vorgarten.
Es gibt Vorgärten von Mehrfamilienhäuser, denen man ihre unverblümte Kostenarmut und Naturfremde ansieht. Einfach mal Kies draufschütten und hoffen, dass nichts mehr wächst.
Statt Kies kann man übrigens auch Naturfreude mit einer Tonne Rindenmulch vortäuschen. Das Ergebnis ist das gleiche. Nichts wächst mehr.
Dann gibt es das gepflegte Einfamilienhaus mit frontalem Rasen umrandet von immergrünen Büschen. Gerne verziert mit einer begrünten Holzschubkarre, die niemand schob oder der Klassiker der 60er - ein bepflanzter LKW-Reifen. Der Mensch, der das erfand, möge in der Primelhölle schmoren!

Und dann ist da noch das Luxushäuschen mit vorgeschobenen Marmorgöttern, die wiederum vor lauter Langeweile in der Unterwelt Moos ansetzen und etwas ungeduscht aussehen.
Ob Aphrodite wirklich so aussah? Ob Odysseus das gut gefunden hätte? Wäre er zu so etwas je nach Hause gekommen?
Homer und Humus.
Wieder andere Vorgärten sind ein Opfer aus eine Mischung aus pinken Rosensträuchern, an denen noch die Preisschilder baumeln, und unkaputtbaren Lorbeersträuchern die ein zarten Friedhofsflair versprühen.

Der Deutsche Vorgarten ist ein erbarmungsloser Kriegsschauplatz verschiedenster, verfeindeter Biotope im artgerechtem Baumarkt-Design. Hier geht es nicht um darwinsche Artenvielfalt. Was in Deutschland zählt, sind alleine die Sonderangebote des regionalen Gartengroßhandel. Und die haben ja ihre eigene Evolution.

Barocke Gärten, dies sei als Hinweis am Rande beigefügt, sind jene, welche von unnetten Despoten auf üppigem Areal angelegt (wenn die Könige nicht gerade geköpft wurden) und die fein geharkt, mit geschwungenen Kieswegen, an denen Steinweibchen und Betonhelden stehen, gesäumt von gezähmten Büschen in Schwanenform.
Barocke Gärten sind der eingebildete Hinweis an die Nachwelt, der hinauszuschreien versucht: "Ich, der König, kann der Natur meinen Willen aufzwingen."

In Wahrheit hieß das aber: "Ich bin König geworden, weil ich zum Gärtnern zu blöd war."


In diesem Sinne
Das Füllhorn

Redakteur




20. Februar 2017, 10:09

Stell dir vor, du bist Ostwestfale in Hessen und plötzlich ist Karneval

Hallo Mädels,

und da ist er schon wieder! Der Fasching. Ich habe davon keine Ahnung, ich komme ja, wie Ihr Lieben daheim wisst, aus einem protestantischen Teil Ostwestfalens und kann mit derlei Verkleidungsfreuden nicht viel anfangen. So bin ich natürlich jedes Jahr wieder von Neuem völlig überfordert mit der Frage nach dem passenden Asyl.
Ich kapier das einfach nicht. Nein, ich verurteile es auch nciht, wie käme ich denn dazu? Aber ich kapiere es nicht! Gar nicht! Warum plötzlich alberne Sachen anziehen und lustig sein?

Nun kommen also die lustigen Tage heran, und die Jungs überlegen im Kinderzimmer fieberhaft, ob man sich nicht ein neues Kostüm zulegen soll. Dazu wälzt man allerlei Werbeprospekte, die natürlich mit unendlich vielen Kostümen werben. Man zögert noch. Dann will man die Mama zu Rate ziehen. Warum auch immer, denn ich bin in solchen Dingen völlig schmerzfrei. Natürlich werden derlei lebenswichtige Fragen ausschließlich dann mit der Mutter besprochen, wenn diese komplizierte Kocharbeiten in einer von duftigen Lebensmittelausdünstungen vernebelten Küche hantiert. Sehr unpassend, aber als Mutter muss man sich jederzeit den pädagogischen Anforderungen stellen. Ich versuche das Kunststück fertig zu bringen, mit fünf Kochtöpfen auf vier Herdplatten zu hantieren und dabei meinen Jungs das Gefühl zu geben, ihre Probleme seien mir wichtiger als das Vermeiden von Hausbränden.
„Mama, wir suchen Kostüme.“
Na, meinetwegen. Wichtig ist nur hierbei für einen Erziehungsberechtgten: Klappe halten. Weder zieht hier das Argument, dass es etwas Schmuckes oder gar Bezahlbares sein sollte, noch der sanfte Hinweis, das Liebmütterlein fände es allerliebst, wenn die angestrebte Verkleidung möglichst wenig mit Tod und Verwüstung zu tun hätte.

Geht nicht.
Darth Vader ist da noch das Sympathischste (aber mittlerweile in namenloser Uncoolheit versunken).
Es muss etwas sein, mit Gewehr, Morgenstern, Pfeil und Bogen, Laserpistole, Schlagring oder einer martialischen Rüstung - wie man sie gerne in Mordor oder Games of Thrones trägt.

Ich hasse Karneval!
Kehrt es das Schlimmste in meinen Lämmchen hervor, das ich bislang immer ignorieren wollte.

Für meine Kinder hingegen gilt nur eins: BLOSS NICHT UNCOOL!

In diesem Sinne
OWL, wie es schweigt und lacht

Redakteur




08. Februar 2017, 12:05

Der Biber oder Wenn Diskussionen zu absolut nichts führen außer in die Irre

Hallo Mädels,

Mühlheim am Main (das sind wir!) hat einen Biber. Hier herrscht nämlich kein Mangel an kommentarintensivem Elite-Naturkram.
Und was für ein Biber. Der Verband der Naturdentisten will ihn schon als Maskottchen erwerben.
Ja, wir haben hier in Müllem übrigens auch (Obacht! Vokalspiel!) eine Bieber, das ist aber fast ein ganzer Fluss. Das darf man aber keinesfalls nie nicht verwechseln. Falls da Probleme auftauchen, fragen Sie ihren Duden oder ihren Deutschlehrer.

Von vorne erzählt wegen der Pingeligkeit:
In Mühlheim hat man ein Stück Flüsschen renaturiert, weil man dachte, das sei mal ganz hübsch.
RENATURIERT.
Mühlheim lebt also im Vergleich zu dem Rest von Hessen (Hessen ist ja auch nur ein Landschaftsdetail aus unserer Sicht) in einem niegelnagelneuen Update von Natur.
In Natur 2.0

Haarspalterei, höre ich da?
Na gut.

Der Biber. Der dürfte momentan das zweitgrößte Nagetier in Mühlheim sein, nach dem gerade gegooglet wird.
(Das größte nennt sich übrigens „Bürgermeister“).
Was ergooglen wir uns also?
Die Geschichte des Biber ist eine Geschichte voller Missverständnisse, denn der Biber passiert da, wo irgendwas geschieht. Oder so.
Der Biber war mal katholisch, als er noch ein Fisch war und zur Fastenzeit gerne mal im Kloster mit an den Tisch gebracht wurde, leider selten als Gast eher als Hauptspeise, aber dann hat ihn Luther an die Tür genagelt. Sagt man.

Bevor es weiter geht, hier eine Statistik:

62% der Mühlheimer halten den Biber für ein Tier, von dem sie schon mal gehört haben.
12% der Mühlheimer halten andere Nagetiere für weniger wassertauglich als den Biber.
Und
26% der Mühlheimer gehen arbeiten - und haben für so eine hübsche Statistik wie diese hier gar keine Zeit.

Was auch immer man über den Biber hört, das gehört zu einer ganz besonderen Sorte von Information.
Biber sollen für nahezu biblische Überflutungen verantwortlich sein KÖNNEN. Wahrscheinlich sind sie auch an dem Ausbau der Startbahn West schuld.
Was wahr ist, er fällt Bäume, aber auch das kann man so oder so sehen.
Wir Biberfreunde finden, dass in Mühlheim noch nie so umweltverträglich Bäume gefällt wurden wie heute. Völlig Vegan.
Biberfeinde meinen, das Bäumefällen sollte man doch besser jenen überlassen, die was davon verstehen und dafür dann in die Krankenkasse einzahlen.
Verständlich.

Da der Biber also bislang noch nicht im Personennahverkehr gesehen wurde, gehen informierte Kreise davon aus, dass er sich illegal im Wasser fortbewegt, was wiederum nur die Schuld der Renaturierung sein kann.

Wie schade, Natur ist doch lästiger, als allgemein angenommen.

Man erwägt übrigens, dass die Auswirkungen von zu viel Mülheimer Natur bald in entsprechend EU-geförderten Broschüren in ausreichend alarmierenden Farben geschildert wird.
Wo kämen wir denn da hin, wenn die blöde Natur einfach macht, was sie will?
Es kann also zu erhöhtem Aufkommen an Naturempörung der engagierten Bürger kommen.
Falls man zwischen Empörung und Bäumezählen etwas Zeit hat, kann man aber auch dem naturbelassenen Silberreihern, den Kormoranen, etwaigen Schlümpfen und tiefem Pollenflug hinterher pöbeln. Die Fällen zwar keine Bäume, aber die benutzen den Luftraum und kacken alles voll. Fast alles.


Ich liebe solche Diskussionen.


In diesem Sinn
Ein anderes Säugetier

Redakteur




15. Dezember 2016, 08:49

Weltstars der entfesselten Weihnachtsdeko

Hallo Mädels,

dass Deutschland in der Krise steckt, sehe ich deutlich an der fehlenden Illumination. Kaum einer hat elektronische Blinbling-Geräte in Fenster oder Vorgarten zur Schau gestellt.
Vor einigen Jahren noch, konnte man nachts hier im Rhein-Main-Gebiet kaum schlafen. Zum einen, weil es nachts heller war als am Tage...

Rot-gelb-grün-blau-Intervalle.
Blink.

Zum anderen, weil es so laut wurde, wenn die Flugzeuge versehentlich bei uns im Hof landeten und die Fluggäste vergeblich was verzollen wollten.

Plötzlich ist Weihnachten doch nicht so schlimm, das Einkaufen zwar stressig, aber man ist ja selber schuld, wenn man nicht alles gleich erledigt.
Vereinzelte Böller krachen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Unauffällig und unvermeckert erledigen wir unser Alltagsgeschäft.

Draußen kein Wetter. Keine Sonne, kein Schnee, kein Ort, um sich länger als einmal Müllwegbringen aufzuhalten.

Nur die Viren sind munter. Mehrfach warf es uns darnieder. Aber solange es Hörbücher gibt und Tee und eine Mutter, die einen im Fünfminutentakt nach unseren Befindlichkeiten erkundigt, geht es.

Der Spruch des Tages: "Mama, ganz ehrlich, ich wäre jetzt auch lieber in der Schule als hier rumzuliegen!"

Noch etwas Kekse zum Tee?


In diesem Sinne
Nachtschwester Angie

Redakteur




01. Dezember 2016, 08:12

Bilder einer Ausstellung

Hallo Mädels,

Ihr erinnt Euch, dass ich es bisweilen für eine brillante Idee halte, mich fotografieren zu lassen?

Die Sache mit dem einen richtig, richtig chicen Blazer, den ich besitze?

Auf dem Kopf das Resultat eines Lockenstabnahkampfes?

Aufgeregt?

Und nur durch die Domteursfähigkeiten der Fotografin Miriam zu beruhigen?

Genau diese Fotos könnt Ihr nun in der Bildergalerie bestaunen.
Na, dann mal los!

In diesem Sinne
Ein Topfmodel

Redakteur




15. November 2016, 12:11

Lesung in der Lichternacht


Hallo Mädels,

schön war es in der Lichternacht auf der Bahnhofstraße.
Stocki und seine fliegendes Bücherkommando hatte wieder mal alles Bestens im Griff. Und es war einfach ein großer Spaß und Erfolg, unter einem klaren Sternenhimmel für die Mühlheimer zu lesen.
Kalt war es.
Zum Glück gab es eine Decke und später noch einen leckeren Glühwein!

Schaut mal in die Bildergalerie.

In diesem Sinne
Die Erleuchtete

Redakteur




10. November 2016, 09:22

Mit Miriam in die Fotowelt

Hallo Mädels,

ich halte es ab und zu für eine brillante Idee, mich fotografieren zu lassen. Zu diesem Zwecke betrat ich die FOTOWELT MÜHLHEIM, bepackt mit dem einen richtig chicen Blazer, den ich besitze. Auf dem Kopf das Resultat eines Lockenstabnahkampfes.
Aufgeregt bin ich. Und etwas verschreckt, komme mir bereits beim Betreten des Areals durchschaut vor, sprudelte nur so die Worte hervor.

Miriam begrüßt mich. Miriam ist cool. Miriam trägt Teddy. Miriam lässt mich reden und reden und reden und nickt. Und ich rede weiter, zerre mein Handy hervor, auf dem ich allerlei Ideen für Porträts abgespeichert habe und ihr zeigen will. Das Handy und Miriam lassen mich weiter reden und warten ab, bis ich mich ein wenig beruhigt habe.

- So. Und jetzt nochmal von vorne.

Dann geht es los. Was anziehen? Das? Nein das. Gut. Bitte hierhin stellen, nochmal Haare kontrollieren, hier noch mal die Haare weg, da noch mal Fussel weg.

- Schultern nach hinten, und bitte recht freundlich. Nase bitte tendenziell nach hier…

Bitte? Okay. Ach. Also gut.

Die Kunst ist nicht nur, richtig zu fotografieren, die Kunst ist es, den Zufotografierenden einzufangen. Im Ganzen. Miriam fängt. Bei ihr sieht es nicht aus, als wollte sie mich beim Fotografieren erschießen, es sieht ungefährlich aus. Wie macht sie das? Sonst erstarre ich immer, wenn einer „draufhält“.

- Körper einmal so. Nase tendenziell hierher, Kopf etwas so…

Miriam könnte auch in Bayreuth dirigieren.
Ich tue, wie mir geheißen.
Lob.
Lob ist das Wichtigste. Der Zufotografierende muss sich vorkommen wie ein Filmstar. Mindestens wie Doris Day.

„Hi! Ich bin Beverly Boyer und ich verkaufe Happy Seife!“

Miriam lobt mich weiter.
Ich merke, dass ich das gar nicht glauben kann. Ich habe das Kinn eines Nussknackers und die Augen einer Blindschleiche. Immerhin sind meine Haare schön. Sagt Miriam.
Wir machen eine Umstylingpause. Was man hier alles lernt. Der Hintergrund wird gewechselt, da muss der Chef her, der gutwillig brummelnd alles macht, was Miriam ihm aufträgt. Sie ist ein bisserl streng mit ihm, aber das wirkt professionell. Die weiß, was sie will, denke ich.
Nun werden meine Haare noch mal umgestylt. Mehr Volumen mit einem simplen, aber nahezu genialen Trick. Ich staune und entspanne mich etwas mehr.

Miriam klettert auf Hocker, die fast so groß sind wie sie selber. Klettert auf andere Hocker, die kleiner aber gefährlicher sind. Schiebt anschließend Hocker beiseite, tanzt um einen Staubsauger herum, raschelt mit einem Vorhang. Sie geht so weit zurück, dass der Raum fast endet, kommt wieder ganz nah, und bittet erneut

- die Nase tendenziell mehr nach da...

Miriam liebt Krimis. Miriam redet so nett, dass ich das letzte bisschen Aufregung vergessen habe.

- noch mal Schultern nach hinten. Und Nase tendenziell nach hier…

Licht an, Licht aus. Neues Licht, anderes Licht.
Ich ziehe mich um. Haare festklemmen, Haare aufwuscheln, Haare wegstreichen.
Wie viel Fotografien muss man von mir machen, um ein paar gute Aufnahmen zu bekommen? Wie viel Fotografien KANN man von mir machen?
Miriam kann.

Ich muss mich auf Stühle setzten. Beim einen sehe ich aus wie Liza Minnelli kurz bevor sie „Cabaret!“ schmettert (und bevor sie eine Whiskeyflasche in die Finger bekommt).

Ich fühl mich wohl.

- noch mal tendenziell die Nase...
Jawohl!
- und dann noch mal auf diesen Stuhl...
Jawohl.

Und dann kommt es! Während Miriam es gerade geschafft hat, mir zu suggerieren, ich sähe mindestens so zart und hübsch aus wie Bondgirl Léa Seydoux, kommt der rote Stuhl.
Oh nö!
Der rote Stuhl ist nur für Mini-Popos konzipiert.
Ups, schreit meine hintere Körpermitte. Immerhin hält der Stuhl die Massen zusammen.

Miriam hat Mitgefühl, aber als Zufotografierende muss man Disziplin zeigen. Also Popo zusammenquetschen und energiegeladen hingesetzt.

- noch Schulter zurück und tendenziell…

...aber klar doch, mach ich...

Ich weiß nicht, wie viele Fotos gemacht wurden. Aber es waren sehr, sehr viele. Und jetzt werden sie retuschiert. Mindestens 10 Jahre jünger bitte und die Zähne weiß und die Haare noch volumiger. Und überhaupt, könnte ich nicht doch eher aussehen wie Léa Seydoux?

Ich bin sicher, auf den Fotos werde ich tatsächlich so glücklich aussehen, wie ich mich fühlte.


In diesem Sinne
Die mit der tendenziellen Nase

Redakteur



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