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03. April 2014, 08:31

Lisa und der Grill der Reichen und Schönen

Hallo Mädels,

meine Edel-Lisa hat die Grillsaison eröffnet. Ich war selbstverständlich eingeladen, weil ich Lisas Referenzstück bin. An mir wird getestet, wie Pomp auf Sterbliche wirkt.

Ich tue ihr den Gefallen. Es ist unterhaltsam. So zeige ich mich artig beeindruckt davon, wie man eine kleine Grillparty zu einem goldglitzernden Event machen kann.

Das Grillen ist ja eher das Camping unter den Abendessen. Der Hang zu Verwahrlosung und Steinzeittum wird hier als trendige Open-Air-Veranstaltung umdekoriert. Lisa hat einen Caterer engagiert und verwehrt so ihren männlichen Gästen das coole Am-Grill-stehen-und-mit-eine­r-langen-Zange-zeigen-wer-da­s-größte-Würstchen-hat. Selbst ihr Multimillionär-Gatte wirkt etwas angepisst, weil der Caterer-Koch was darf, was er nicht darf.

Der Garten, bei dessen Anblick Ludwig XIV. in Tränen ausgebrochen wäre, ist aufgerüscht in Trendfarben und zugestellt mit allerlei hochwertigen Rattanliegen.

Trend. Ich frage mich, was ein "Trend" ist. Lisa meint, der sei lebenswichtig.

Hallo? Was ist das für eine blondierte Definition?
Atmen macht auch jeder und ist lebenswichtig! Ist Atmen deswegen ein Evolutionstrend?

Lisa sieht mich an, als wollte sie mich fragen, warum ich unbedingt jeden Trend verpeile.
"Ein Trend ist das, was alle wollen", sagt ihr Mann, mit dem ich mich in der Regel nur zanke. Wegen seines frauenfeindlichen Lisa-Gebrauchs. Er hält die schöne Lisa wie einen seltenen Kanarienvogel. Aber solange sie singt, lasse ich sie im Käfig.

Wenn ein Trend nun das ist, was alle machen und wollen, dann wäre ja ein Trend demokratisch?
Ist er das?
Was ist Demokratie?

Demokratie ist, was alle wollen. Oder zumindest die meisten. Ist es gerecht, was die meisten wollen? Die Geschichte zeigt, die meisten wollten mal Krieg oder Juden vergasen.
Das kann doch nicht richtig sein, nach dem zu gehen, was die meisten wollen! Davon ist es doch nicht richtig!

Sicher. Faschismus mit Lisas Gartendekoexplosion zu vergleichen, ist etwas unappetitlich, aber ich komme nicht umhin, darüber nachzudenken, während ich Lisa zusehe, wie sie mit Stöckelschuhen ihren englischen Rasen ruinert.

Die meisten Trends finde ich doof. Finde ich Demokratie auch doof?
Nein.
Aber vielleicht ist die Diktatur eines gesunden Geistes gerechter. Können wir nicht alle zusammen mal Verstand diktieren?

Lisa Fitz hat mal gesagt: "Demokratie ist, wenn drei Füchse und eine Gans abstimmen, was es zum Abendessen gibt.​"

Es gab natürlich Gänsebrust zum Grillen. Und dann kam Lisa und brachte mir Hugo. Ich habe noch nie Hugo gehabt. Ich bin die einzige in Mühlheim, die Hugo nicht gehabt hat.

Jetzt war es soweit. Ich habe es hinter mir.

"Und wie war Hugo?​" fragte mich Lisa, die nicht fassen kann, welche Trends ich alle ignoriere.

Wie er war?

Hugo ist bäh.
Aber Hugo ist sowas von trendig.
Hugo ist doofer Sekt mit blödem Mineralwaser und bescheuertem Süßsirup.

Ich ließ Hugo stehen. Genauso wie Lisas beknackten Mann und überließ ihn der Demokratie der Füchse.

In diesem Sinne
Die Frau, die bald das Trendgetränk HANSI erfinden wird

Redakteur




15. Dezember 2013, 16:18

40 Plus. Meine Lebenskrise mit Namen Lisa. Kaffeetrinken.

Hallo Mädels,

meine Lebenskrise bekommt langsam Struktur. Ich werde von Lisa zum Kaffee eingeladen. Mein Sohn soll bei ihr mit jemanden so lange „schön spielen“. Wie das? Mein Sohn kann mit ihrer rosanen Tochter so wenig anfangen wie ich von meinem Lisa-Fatalismus los komme.

Bei Lisa angekommen, wundert es mich vielleicht zehn Sekunden, das ihr zuckerguss-weißes Haus selbstredend Schlosscharakter und Main-Blick hat. Ein Porsche steht davor. Eventuell aus dekorativen Erwägungen.
Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich nicht die einzige bin, die eingeladen wurde. Hatte ich womöglich nicht mitbekommen, dass die Tochter Geburtstag hat? Was schenkt man so einem Kind? Ein Wertpapierdepot?
Als ich erkenne, dass ich nur zur Unterhaltung der anderen herbestellt wurde, bin ich fast beruhigt. Die anderen Damen sind ebenso schön, ebenso reich und ebenso jung wie Lisa. Keine von ihnen scheint beeindruckt von Lisa, von ihren Lebensumständen oder von der Innenarchitektur.
Ich bin demnach der Jubel-Pöbel.
Lisas Neffe ist da. Offensichtlich ist mein Sohn für dessen Unterhaltung eingeplant. Die beiden Jungen gehen (nach Süßigkeiten maulend) in den Westflügel. Wahrscheinlich Richtung X-Box-Dingsbums.

Lisas Haus ist sensationell. Und ich hasse es spontan. Sage das auch. Lisa findet das nett von mir und ist offenbar überglücklich. Daran ist zu erkennen, wie lange sie niemanden mehr vor Ort hatte, der sich von alle dem hat beeindrucken lassen.
Lisa selber ist noch schöner als sonst. Sie trägt ein entzückendes Strickensemble und beistiftspitze, hochhackige Schuhe. Dem Parkett aus seltenem Hartholz und dem wunderbaren Naturstein macht das offenbar nichts aus.
Vom Wohnzimmer her rieche ich bereits die anderen Damen. Es ist ein exquisites Gemisch wie in einer edlen Parfümerie. Es sind Lisa-Klone. Animierte Designerjeans und sprechende, kniehohe Glitzerstiefel. Sie sagen grinsend „Hi!​“ zu mir. Synchron. Sie müssen geklont sein.
Ich bin die Showeinlage. Ganz klar. Ich bin so alt wie die alle zusammen. Ich bin die nachmittägliche Unterschicht-Realty-Show. Bloß live. Sie reden mit mir wie mit einem Verhungernden, obwohl ich doppelt so schwer bin wie sie alle zusammen.
Sie haben glitzernde Handys, die sie nicht aus den Händen legen können, haben ihre Kalorienwerte antizyklisch an den Dax gekoppelt, und riesige Manga-Kajal-Augen. Es ist die armutsfernste Schicht Hessens.
Ich sage was, und sie lachen. Später erfahre ich, dass tun sie, weil Lisa ihnen gesagt hat, ich sei witzig.
Mir wird das Haus gezeigt. Mein Hirn macht solange Pause. Gigantische Küche, viele Zimmer, Wohnbereich, Kamin.
Lisa mag mich.
Wie kann man mit seiner Einschätzung eines Westfalen so sehr daneben liegen?

Lisa bittet zu Tisch (Definition Tisch: Es ist etwas im Artus-Bereich).
Die Einrichtung ist sensationell. Offene Küche in Schwarz. Die kommt mir bekannt vor. Ach ja! Ich bekam letztens ein Bild via facebook. Darauf Lisas Mann, der mit dem Hund spielt. Ich betrachtete lediglich den Hintergrund des Fotos: Die Küche. Kühlschrank so groß wie unsere Garage. Mit Eiswürfelauswurf für Wüstenbewohner. Dabei friert Lisa immerzu und isst gar nichts! Ihre Konfektionsgröße verrät deutlich ihre totale Inkompetenz in Ernährungsfragen.
Wohnzimmer in Weiß. So groß wie ein Fußballfeld. Mit Kamin in der Mitte. Ein weißes Sofa, auf dem der Hund liegt. Das Sitzmöbel sieht aus wie für die VIP-Lounge des Londoner Flughafen konzipiert. Auf halbem Wege zwischen Küchentraum und Kaminsaal steht besagter Tisch. Gedeckt. Perfekt gedeckt. Sensationell gedeckt.
Ein Traum in Weiß mit Silber.
Lisas fanatischer Glaube an Innendekoration hat einen Stil gefunden, der keinen Zweifel lässt, dass ein Silberbarren mit einem Federkissen eine Kernschmelze verursachen kann.

Ludwig der XIV. hat dagegen nur armselig herum vegetiert.

Das Thema der jungen Damen ist: Starbucks, Robbie Williams, Justin Timberlake und die Neue von dem Pocher. Welches der Themen gerade dran ist, kann ich nicht eingrenzen, denn sie sagen nur: „Völlig geschmacklos. Aber süß.​“

Über dem Tisch eine Lampe, die wahrscheinlich mit einem Eisbärenfell umwickelt wurde. Ich kann kaum hinsehen. Statt Platzkärtchen gibt es für jede eine silberfarbene Christbaumkugel mit Namen drauf. Die Tafel versinkt in dickem, weißen Porzellan mit Silberzierrat. Perlenketten liegen über dem üppig gerafften Tischtuch, Schleifchen, Fellstückchen, silberfarbene Tannenzapfen in einer riesigen Schale. All das soll darüber hinwegtäuschen, dass es hier eigentlich nichts zu Essen gibt. Nur Kaffee. Der aber in allen denkbaren und undenkbaren Variationen aus dem Kaffeevollautomaten, der so groß ist, dass ich vermute, im Inneren befindet sich eine Kaffee-Plantage.
Ich hasse es und sage das.
Lisa findet: „Daaaaas ist sooooo süüüß von dir!​“

Da steht dann doch (etwas verloren) etwas zu Essen. Petit Fours. Kleine Kuchenkunstwerke. Aus einer feinen Patisserie aus Frankfurt. Lisa hat die kunstvolle Verpackung drum gelassen. Sie geht nicht davon aus, dass jemand das isst.
Ich esse. Zwei Stück.
Alle starren mich neidisch an. Ich starre neidisch zurück, weil die XXS-Damen offensichtlich nie essen müssen.
Lisa hat Mühe, den Kaffee zu servieren, denn sie kann immer nur zwei Heißgetränke-Wünsche auf einmal erfüllen. Als die Letzte (ich) ihren Latte Macchiato bekommt, hat die erste ihren Milchkaffee (low-fat, entkoffeiniert) schon ausgetrunken. Lisa rauscht auf Stöckelschuhen würdevoll hin und her.

Eine Armada an Kerzen macht aus dem grauen Nachmittag eine wuschelige Vorhölle. Die dünnen Damen frieren dennoch. Ich habe mein Hirn einfach ausgeklinkt und betrachte die Tischdeko im einzelnen. Die dicken Gläser, aus denen keiner trinkt, die silbernen Teller, von denen keiner isst. Die Federn und Perlenketten. Die Weihnachtsdeko, obwohl die Engel offensichtlich nur an Kaffee interessiert sind.
Lisa erkennt meine Verwirrung und sagt völlig ohne jegliche Scham: „Hab ich heute morgen gekauft. Süß oder? In dieser Art will ich den Silvestertisch decken. Natürlich ein bisschen mehr, ist ja Silvester.​“ Sie sieht aus wie ein Engel, als sie das sagt.

Lisa macht mich wahnsinnig.
Hoffentlich tritt sie heute Nacht barfuß auf einen Legostein!

Ich bin so 40Plus! Wenn sie mich wieder einlädt, werde ich hingehen!


In diesem Sinn
Das Petit-Fours-Ensemble

Redakteur