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10. Dezember 2017, 12:11

Treppauf – treppab in Downton Abbey (2. Advent)


Hallo Mädels,

als ich klein war, guckte meine Mutter am liebsten „Haus am Eaton Place“ (Originaltital „Upstairs, Downstairs“). Eine wunderbare englische Serie über das Leben der eleganten Familie Bellamy und deren Dienstboten in London zwischen 1903 und 1930.
Ich liebe englische Serien! Denn nur sie sind mit dieser wunderbaren Detailgenauigkeit gedreht mit viel Sinn für historische Zusammenhänge.
Ein bisschen für mich wie Weihnachten, wahrscheinlich weil in jedem britischen Kulturschaffenden etwas von Charles Dickens steckt?
Vor einigen Jahren jubelte die Fernsehgemeinde auf. Nach mehr als dreißig Jahren Abstinenz vom Haus am Eaton Place kam:

Downton Abbey!

Man titulierte es als die „erfolgreiche Rückkehr des britischen Kostümdramas“. Ich hätte es nicht besser schreiben können! Und meine Mutter hätte ebenfalls gejubelt.

Auch hier ein Oben und ein Unten. Ein Treppauf – und ein Treppab.
„Oben“- das ist der britische Adel, der sich edel im Charakter und nobel mit der Geldbörse verhält, wo Loyalität kein reiner Etikettenschwindel ist. Aber immer schön getrennt von den anderen, bitte schön!
„Unten“- das sind die kleinen Leute, die fleißigen, die Arbeiter, die stolz (fast etwas calvinistisch im Denken) sind auf ihr Können. Ein gut organisiertes Rudel an hilfreichen Geistern, die unfassbar geduldig und auch ganz gerne die Fehler derer von Oben auffangen.

Ich sag ja: Es ist immer etwas Charles Dickens.

Ganz wunderbar erzählt. In perfekten Bildern! Dazu herrliche Dialoge. Beide Klassen haben selbstverständlich die selben Probleme. Wer liebt wen, wer hasst wen und warum oder warum nicht? Wer hat hier mehr Stil, mehr Charakter, mehr Stolz? Wer will frei sein? Und warum ist es offenbar niemand?
Gehören eigentlich die von Unten, zu denen da Oben - oder eher anders herum?

Warum fasziniert das Thema der Klassenaufteilung über Generationen hinweg?
Sicher, es ist bezaubernd inszeniert. Die Ausstattung vom Feinsten, die sensationelle Kleidung, pompöse Möbel, betörende Räumlichkeiten. Und diese Darsteller!
Es braucht allerdings ein paar Folgen, bis man herausfindet, wer eigentlich die brillanteste Figur ist. Tendenziell sucht man sie im „Oben“, aber sie ist im „Unten“.

Es ist John Bates.
Der Urtyp des englischen Helden. Nicht überirdisch aber beeindruckend, nicht aufrührerisch sondern geduldig, bescheiden, unantastbar, aufrichtig. Ehrenvoll.
Er ist der Oberster Kammerdiener des Lords.
Gehandicapt durch eine alte Verletzung aus dem Burenkrieg (in dem er seinem Herren das Leben gerettet hat) geht der beeindruckend große Mann stilvoll am Stock. Diese Verletzung gibt ihm was Unzerstörbares und merkwürdigerweise auch was Adeliges. Perfekt gekleidet im schwarzen Livree, die aussieht wie eine Mischung aus Uniform und Dinnerjacket. Kurzum, er hat alles, was ein wahrer Charakter, ein echter Held haben muss.

Erwähnte ich schon Charles Dickens?
Märchen von Edelmut, die Schutzzone für unsere Herzen, Urlaub für traurige Gemüter? Selbstverständlich.

John Bates ist nicht von dieser Welt, daher kann er nur im „Unten“ erscheinen. Der ewige Traum, dass auch der Bauernsohn etwas Königliches in sich trägt, gleichzeitig ist er der Cherubim, der die Tore zum Adelshimmel bewacht.
Noch Gebäck zum Tee?
Ein großer, schweigsamer Mann, dunkles Haar, braune Augen, offenes Gesicht, sensibel, breite Schultern. Stattlich! Das personifizierte Rückgrat. Jemand, der auffällt, wenn er NICHT da ist, der beim Lächeln die Augen zu kleinen freundlichen Schlitzen werden lässt und bei Wut und Zorn einen kalten, klaren Blick behält.
Der das Unrecht erträgt wie jemand, der weiß, dass Unrecht nicht länger anhält, als er es ertragen kann, weil alles wieder gut wird, weil alles gut IST.
Und diese Höflichkeit! Kein Widerspruch, kein böses Wort, immer Lob und Zuspruch!
Märchenwelt.
Soll ich den Mantel rasch aufbürsten, Sir?
Nein, Sir, das macht mir keine Umstände, ich tue das gern.

Der Adel glänzt nur durch sie, durch Bates und seine Kollegen, die alle nicht sind wie Bates, aber fast. Die Oben sind durch die Loyalität eines aufrichtigen Butlers und seinesgleichen an eben diese gefesselt.
Bates ist unangreifbar, unantastbar. Er hält die Welt im Lot. Und das richtige Outfit für die feine Gesellschaft parat.

Wir wollen Bates selber haben! Wir wollen exakt so jemanden für unser Leben finden und festhalten! Wir wollen sein Adel sein.

Aber wollen wir auch so sein wie Bates?
Nein. Niemand ist wie Bates. Er ist der Erzengel, der auf ein kleines Bimmeln hin sofort aufrecht und aufmerksam in der schweren Eichentür erscheint. Er soll zu uns kommen. Helfen, da sein, wissen, was zu tun ist. Immer. Es ist nicht nötig, deswegen selbst heilig zu werden oder lange auf Knien zu beten. Bates ist verfügbar. Jemand, den wir gar nicht für uns gewinnen KÖNNEN, sondern ihn lediglich als Servicedienstleister vertraglich an uns zu binden versuchen. Spiel, Satz und Sieg, Bates.

Charles Dickens hätte seine Freude an ihm.
Wunderbar.

Ich könnte Stunden über ihn nachdenken. Über seine Wirkung, und vor allem über die Notwendigkeit, ihn zu erfinden.


WÜNSCHE EINEN SCHÖNEN ZWEITEN ADVENT!


In diesem Sinne
Carol Christmas (Dieses Wortspiel sollte mir gestattet sein)

Redakteur




17. November 2017, 08:44

Bambi-Verleihung der Hollywood-Selbsthilfegruppe

Hallo Mädels,

wenn Berlin eins NICHT ist, dann Hollywood.
Warum begreifen das die deutschen Fernsehmacher nicht? Ich glaube auch nicht, dass Bambi-Zuschauer an den Fernsehgeräten, die sonst an diesem Sendeplatz Volksmusik und ähnlich Weichgespültes friedvoll entgegennehmen, das verlangen.

Hollywood ist: Skandal und Busen und Kleider und Geschrei und viel, viel Geld.

Berlin ist: Berlin.

Die deutsche Filmszene ist sehr bodenständig und ansehnlich. Das freut den Krimi-Konsument und den Satire-Sachverständigen. Und Sportschau ist immer top.

Warum muss sich das Fernsehen derart überdimensioniert und artfremd inszenieren? Glitzer drüber und fertig? Nein. Es klappt nicht.
Da ist nämlich dieser distanzierte Unmut und ein mitteleurpäisches Mitschämen, wenn einer sich vor der Kamera zu sehr selber feiert oder einfach nur ein dämliches Kleid anhat.

Der Bambi. Wie man in den Wald ruft, schallt es eben NICHT heraus.
Hallo? Halloooo? Ist das wer?
Stille.
Aber wenn das Burda-Bistro eröffnet hat, scheint es nur noch eine Richtung zu geben: mit viel Glamour nach Hollywood. Da holt man sich notfalls einen österreichischen Gouverneur-Darsteller, der bei seiner Rede aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt werden muss; und der dabei derart glatt geliftet ist, dass er in Amerika nicht auffällt, aber in unseren Breitengerade aussieht wie ein Wachspuppe.
Wenn man Glitzer mit Glamour verwechselt, dann ist das anstrengend.

Natürlich hangelt sich von irgendwo wieder Helene Fischer von der Decke herunter und singt ein Lied mit einem üblich eingängigen Einzeiler: „Spürst du es?“
Da will man spontan zurück brüllen: „...aaaarghhhhhh!“

Der Silbereisen kann nie weit sein, wenn die Fischerhelene süß lächelt, und so muss er eingefroren grinsend ihr schlecht gestriptetes Dankessätzchen: "Für deine Liebe danke ich dir und dafür, dass du mein Zuhause bist." entgegennehmen, während sich die ganze Nation für diese beiden Sahnetörtchen-Tauben nur eins wünscht: Lasst sie aus ihrem goldenen Käfig raus, damit sie sich einmal im Leben richtig laut anpupen können!

Übrigens werden die beiden nie einen Bambi für Schauspielerei bekommen. Warum wohl?

Hugh Hackmann.Großafunahmen. Huuuuuuuuuu, wow! Sexy und hexy und huiii!
Oh, was sind die Burdisten alle froh, dass sie einen Hollywoodmenschen einkaufen konnten. Es ist, als würde man einen schönen Baum pflanzen und meinen, das wird schon bei der richtigen Belichtung wie ein WALD aussehen!
Hilfe!
Im klatschenden Publikum die übliche Prominenz. Ein Gewusel aus: Krimistars, Komödienlegenden und Restverwertern, die man gut kennt. Alle freuen sich etwas zu sehr über den Preis der anderen. Aber so ist das in Berlin.
Hier noch eine Fashion-Schönheit, von der man wenigstens den Namen weiß (denn diese Biester werden ja mittlerweile von Frau Klum in Serie gefertigt). Und dort noch ein Sportler.
Löw, klar. Der ist ja so ein Mittelding zwischen Sport, Schauspieler und Komödie mit viel Glamour und Haaren.
Die Klitschkos, die anders als der faltenlose Schwarzenegger wirklich nicht altern.
Heino Ferch. Selbstverständlich.
Da müsste ich jetzt was zu sagen, aber da fällt mir nichts zu ein. Erstens ist JEDER deutschsprachige Film mit Heino Ferch! Und zweitens ist er ja wirklich gut (wahrscheinlich, denn Konkurrenz gibt es ja nicht).
Ach, Gott, und den Gauck haben wir ja auch noch! Alle spitzen die Ohren und fragen sich, wie nennt man eigentlich den ehemaligen Bundespräsidenten? Ex-Präsi?

Berlin ist nicht Hollywood.
Es ist, als wollten Film-Beamte das Bambi-Business wie eine glitzernde Essensausgabe abwickeln. Es will einfach nicht überspringen, dieser vielbeschworene GLAMOUR.
Das liegt aber weniger an der Performance als an dem Fernsehpublikum. Das professionell vorgeschriebene, abendprogrammtaugliche Sich-selbst-Feiern ist für uns ein bisschen wie gelber Schnee: Das gibt es und ist auch natürlich, aber bloß nicht anfassen!

Dann kommt der Horror:
Das Bedanken.
Nichts ist so UNINSPIRIEREND wie die Danksagerei am Mikrofon. Danke an UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, garniert mit Tränchen für Oma, Opa und Frau, die die Kinder hüten muss (arghhhh!).

Am folgenden Tag wird die Bambi-Veranstaltung SELBSTVERSTÄNDLICH einhellig gelobt.
Schnarch.

Während ich wirklich glaube, dass unsere Presse relativ frei ist (so frei und objektiv, wie der Mensch als Teil seiner Umwelt nun mal ist), weiß ich wie unfrei sie ist beim Lobhudeln für eine Bambi-Berieselung des Burda.
Alle Print-Medien finden es geil. Toll. Glamourös! Schön. Tränenreich. Politisch. Umwelt.

Nächstes Jahr nehmt einfach die Bilder von diesem Mal!
Ferch ist immer. Fischer ist immer. Und der Jogi altert ja eh nicht.



In diesem Sinn
Klopfer

SCHÖNES WOCHENENDE!!!

Redakteur




02. Oktober 2017, 09:03

Wein kann man nur begrenzte Zeit mit Verstand trinken

Hallo Mädels,

wenn man wie ich entschlossen ist, auch MIT Alkohol lustig zu sein, dann muss man für ausreichend Nachschub sorgen. Dazu fahren wir in die Pfalz.
Die Pfalz ist richtig schön, was bislang nur wenigen Informierten klar ist, da ihr Name doch eher klingt wie ein verunglücktes WLAN-Passwort. Die Berühmten unter den Pfälzern sind leider auch nicht allzu so werbetauglich. Zumindest wenn sie den Mund aufmachen oder machten (Helmut Kohl, Theo Zwanziger und Rudolph Scharping)

An der Pfälzer Weinstraße gibt es wenig zu weinen, dafür um so mehr zu probieren.
Es ist Herbst und bei Sonnenschein bunt und geradezu pittoresk.
Auf dem Hof des Weingut Thomas Reinhardt ist schon mächtig was los. Berge an Kürbisse, Kartoffeln und Äpfeln und Birnen locken nicht nur die letzten flugtauglichen Wespen an, auch die Käufer.
Die Chefin des Hauses muss noch einem kochfreudigen Herren ein Kürbisrezept mit auf den Weg geben, dann kommt sie zu uns und schwenkt schon ein Probierglas für mich.
Ich probiere, Gatte muss fahren.

Gatte und ich sind die Sorte niederer Weinfreunde, die einen Wein
aufmachen
einschenken
austrinken.

Wir machen nicht so ein Gedöns, um unser sowieso nicht allzu breit gefächertes Fachwissen anzubringen. Was uns schmeckt, das schmeckt uns eben. Egal wie die Farbe sich im Glas macht, ein öliger Film am Glasrand entsteht und wie viel Grad der Wein haben sollte und nicht hat.

Her damit!
Zum Reden haben wir später noch Zeit. Der Stoff zum Philosophieren ist eh erst in der dritten Flasche enthalten!
Dies ist kein Weinseminar sondern ein Probieren und Amüsieren in schöner Umgebung. Die Sonne kommt raus und ich mit sonnigem Gemüt trinke an einer Theke, die aus zwei alten Weinfässern und einem dicken Brett besteht.

Im Wein liegt Wahrheit.
Wahrscheinlich will sich die Wahrheit auch mal amüsieren. Und stehen kann sie wohl nicht mehr.

Offenbar stört es die Chefin nicht, dass ich mir den Wein nicht siebenmal um meine Zunge spüle und dabei klinge, als wollte ich eine Gebissreinigung vornehmen. Und ich spuck auch nix aus! In meinen Augen wäre das Alkoholmissbrauch!

Wie so oft muss ich ein paar Kommentare anhören, dass ich in den Ohren der hier Ansässigen offenbar Hochdeutsch spreche (lass das keinen Hannoveraner hören), aber nach einigen Proben rede ich schon eindeutig undeutlicher.
Ich arbeite mich gewissenhaft durch alles Halbtrockene, was das Weingut hergibt. Wein gilt als leicht erregbares Nahrungsmittel, daher lasse ich das Schnüffeln beim fünften Gläschen sein und erinnere mich dass 'extra trocken' nicht 'staubig' sondern die französische Form von Halbtrockenheit ist. Hui! Und die Spätlese, lese ich später, jetzt erst mal trinken.
Chefin öffnet den nächsten Wein mit einem Korkenzieher, den ich eher einem britischen Geheimagenten als Sonder-Equipment zugetraut hätte.

O la la!
Langsam mutiere ich sprachlich zum Alptraum aller Logopäden.

Alles was ich gutheiße, landet als Kiste mit 24 Flaschen im Kofferraum meines Gatten, der das als eine Sonderform der Qualitätssicherung ansieht. Er grinst und kauft mir auch einen Korb mit Zierkürbissen, obwohl er weiß, dass die bis zur Weihnachtsdeko in unserer Wohnung überall zu finden sein werden. Mutige Entscheidung finden auch meine Söhne, die Apfelsaft verköstigen.

Was sind den die kleinen Körner in dem Glas? Frage ich und sehe tief hinein.
Weinstein.
Einstein?
Nein, Weinstein. Kaliumtartrat, weil der Wein nicht industriell hergestellt wurde.
Na dann.
Wir reden über die richtige Temperatur.
Chefin meint, wenn man will, kann man Wein bei 6-8-10-12-14-16 oder 18 Grad trinken. Es klingt, als sei ihr das nicht so wichtig, aber lasse den Kunden gerne die Wahl.

Ich kichere bei der Vorstellung, dass ein piefiger Weinkenner mit einem Fieberthermometer in seinem Glas herumrührt, bis er sich endlich erlaubt, einen Schluck zu schlürfen.
Frappieren, Chambrieren, Dekantieren.

Macht man alle! Ich degustiere derweil.
Primäraromen, Sekundäraromen, Tertiäraromen.
Wie war das?
Es gibt 54 Weindüfte.
Wer hat das herausgefunden? Und wie sah seine Leber danach aus?
Ein Hauch von Grapefruit, Walnuss und Leder.
Himmel!
Ich scherze ein wenig mit meinem Müller-Thurgau herum.

Nach so viel Probiersöckchen – Verzeihung – Probiertröpfchen kann ich auch fehlerfrei den Landesnamen aussprechen:
Die PALZ.
So spricht man das nämlich richtig aus.

Gatte hat den Kofferraum voll, zückt das Portemonnaie und wedelt mit meinen Zierkürbissen herum.
Ich atme schon deutlich mehr als der Wein.
Gatte überlegt, ob er für mich die Sackkarre braucht, aber nein, es geht auch so.

Übrigens!!! Auch weißer Wein macht eine rote Nase!



In diesem Sinne
Die Blume

Redakteur




25. Juli 2017, 13:56

Queen Victoria über Männer

Hallo Mädels,

zum gestrigen Erfolgserlebnis (siehe Folgetext)
hier noch ein Zitat von Queen Victoria:


"Die Männer, sind nicht immer was sie scheinen,
allerdings selten was Besseres."


Herrlich!



In diesem Sinne
Die Diäthaltende

Redakteur




24. Juli 2017, 11:13

Männer - eine Beleidigung

Hallo Mädels,

es gibt zwei Kulturkonstanten in unserem Leben als Frau: 1. wir werden immerzu von Männern verarscht; 2. wir wissen das, aber die Männer wissen nicht, dass wir es wissen.

Es beginnt ganz harmlos, wenn sie uns heiraten. Dann tun sie so, als wollten sie das Leben mit uns verbringen, das Leben mit uns teilen.

In Wahrheit leben sie ihr eigenes Leben.
Ihr ganz, ganz eigenes Leben.
Wir Frauen (und später die vom Mann eigens gemachten Kinder) leben nur zufällig in ihrer unmittelbaren Umgebung, mehr nicht.

Erst merkt Frau es nicht so. Aber in der Rückschau ist es doch alles sofort ziemlich klar.
Männer erschöpfen sich voll damit, ihr Leben zu leben, wir Frauen räumen hinter ihnen auf, bereiten alles vor, damit die Männer bei voller Fahrt voraus nicht ins Trudeln geraten (durch leere Klorollen, volle Spülmaschinen, dreckige Unterhosen etc etc etc).
Wenn dann die Kinder kommen, sind Männer ganz entzückt, zeigen überall herum, was sie Dolles gezeugt haben (hoho! Was für ein Mann!) und dann gehen sie arbeiten und das Weib sitzt daheim oder vertrödelt die Zeit an der Fleischtheke. Vergessen sind ihre hervorragende Ausbildung, ihr soziales Können, ihr großer Mut, ihr alles.

Was zählt, ist nur noch: Bereite deinem Mann ein schönes, oder zumindest sauberes, glattes Leben.

Klingt jetzt ziemlich verzweifelt, ich weiß, aber in Wahrheit nehme ich es mehr und mehr mit Gelassenheit. Weiß ich doch immerhin, dass ich beides kann: Leben und Arbeit.
Er kann nur Er-sein. Und das nur mit meiner Hilfe.

Hab ich jetzt alle Männer ordentlich beleidigt?
Nein, wartet, da ist noch einer:

Bisweilen mache ich mir den Spaß auf Instagram das Leben der Promis zu betrachten. Was für ein Spaß.
Was hätte ich in meiner Jugend dafür gegeben, so viele News über meine Lieblinge zu erfahren, dachte ich anfangs!
Man weiß, was sie tun, an was sie gerade arbeiten, wie sie gerade aussehen. Toll, dachte ich. Anfangs.
Mittlerweile weiß ich:

TOO MUCH INFORMATION!

Nein, eigentlich will ich das alles nicht wissen. Und lasse es mitterweile.

Meine Lieblinge nämlich – zumindest die männlichen, heterosexuellen – sind genau so wie der eigene Gatte. Da ist kein Unterschied.
Nix.
Vielleicht mehr Geld, mehr Ruhm. Aber was genau ist das schon im Angesicht des Lebens, das wir alle besitzen?
Die Frau, die mutmaßlich diese Fotos dazu generiert, mit kleinen Herzchen verziert und mit Texten versieht, sieht man nicht. Freiwillig verkaufen diese Frauen (meist Hyperschöne, denn wer Geld und Ruhm besitzt, hat den Anspruch von allem nur das Beste zu besitzen – und da Frauen alle in ihrer Grundfunktion gleich sind, nehmen wir hier was Bildschönes) ihre Gatten bestbelichtet an die gaffende Menge.

Irgendwann war einer dieser Lieblinge, der mir wirklich den Tag ein wenig versüßt hatte durch Spaß und vor allem durch herzhaft vitales Aussehen (jawohl, auch ich guck auf Sixpacks), Vater geworden.

Vater?
Ist das nicht etwas, das jeder werden kann? Auch Arme, auch Untrainierte?
„Wie erdverbunden!“ Schrie da die begeisterte Menge, „Er ist einer von uns!“

Was für ein Kerl!
Offenbar hat das artige Frauchen noch kurz bis vor der Entbindung im trüben Schatten der Handyrückseite ausgeharrt und den Gatten in bestem Licht am Strand (mit freiem Oberkörper), an der Hotelbar (mit freiem Oberkörper), im Sportboot (mit freiem Oberkörper), beim nachdenklichen In-den-Sonnenuntergang-schauen (mit freiem Oberkörper) und beim Sport (mit freiem Oberkörper UND Sonnenbrille) geknipst, während sie sich hochschwanger dem Entbindungstermin (in einer der besten Schweizer Krankenhäuser, es sei ihr gegönnt!) entgegenwölbte.
Ich war sprachlos.

Nach Durchsicht der letzten Videos war tatsächlich keine Spur von der Frau zu sehen.
Einen Abend vor der Entbindung nur ein Bild von ihm (bekleidet!) merkwürdig nachdenklich. Als ob ER bald großes leisten müsse.

Aber...aber...aber, dachte ich stotternd, er ist doch mein Liebling! Er ist doch nicht so wie alle anderen Männer!
Nix.
Auch der schönste, männliche Körper beinhaltet bloß einen durchschnittlichen Kerl!

Fotos von ihm mit Baby auf dem Arm. Eine halbe Million „Abonnenten“ und davon knapp 60.000 „gefällt mir“ kündeten davon, dass wir diesen Augenblick teilten.
Aber wo war die Frau?
Kein Wort, ob sie es gut überstanden hat?
Ich googlete nach der Frau. Ein Model. Zum Niederknien schön. Sind Models plötzlich lichtscheu geworden?

Also gut. Sie will vielleicht nicht.

Und dann kam der Knaller. Nach einigen perfekten Babyfotos erschien auf seinem Account wieder er. Gutgelaunt, ärgerlicherweise bekleidet. Und was tat er? Windeln? Wäsche waschen? Frühstück ans Bett bringen? Frau in Gold aufwiegen, weil sie das Kind unter Schmerzen geboren hat (oder unter Vollnarkose, auch egal) ???
Nix. Beim Feiern mit Freunden.

So. Und nun, Mädels, im Ernst.
Ist das wieder Verarschung? Ja.
Ist es.
Es sagt: Ich, der Mann in meiner Herrlichkeit, gehe feiern, weil ich ja so viel geleistet habe. Und später gehe ich noch an den Computer und dann gehe ich arbeiten.
Und du, Weib?
Spülmaschine, Waschmaschine, Staubsauger und nachts das Baby stillen. Du weißt ja, wie es geht. Du machst das schon. Die Sache mit meinem Leben. Ich verlass mich auf dich!
Bis später dann, wenn du irgendwann wieder am Leben teilnimmst, Weib, sehen wir uns vielleicht wieder (aber immer hübsch auf deine Figur achten, gell? Wir Männer mögen den Babybauch nicht, wenn nichts mehr drin ist von uns!!!).

Küsschen für das Baby!



In diesem Sinne
Die Furie

Redakteur




23. Mai 2017, 10:00

Barbie

Hallo Mädels,

meine Söhne kamen letztens zu mir und wollten wissen, was das für eine schockierende Sendung sei. Dieses GNTM.

Was???? Ich war außer mir! Das wollt Ihr sehen? Aber nur unter meiner Aufsicht.
Und dann haben wir es gesehen.
Germany's next Topmodel. By Heidi Perfektes Dauergrinsen Klum.
Meine Jungs sind fast die Augen übergegangen - und gleichzeitig haben sie sich fremdgeschämt bis in den Boden. Mädchen sind ihnen ein Rätsel. Nun noch mehr.

So ist das.
Erziehungsmethode a la Barbie.
Nicht echt, aber ideal.

Eine Barbie.
Eine Barbie ist eine ca. 30cm hohe, mehr oder weniger stocksteife Gliederpuppe mit schockierend eingefrorenem Lächeln und gigantischem Busen. Meist hat Barbie langes Haar und soll eine Frau in ihren faltenfreien Jahren darstellen.
Manche Barbies haben Arme, die in einem seltsam rechten Winkel vorstehen und immer so aussehen, als haben sie gerade mit einem Karateschlag Ken enthauptet.

GNTM.
100 Models wollen Topmodel werden und lassen sich dafür demütigen. Das Format wird weltweit an alle Fernsehstationen verkauft und ist ein Hit.

Es soll immer viel Diskussionen um den pädagogischen Wert dieser Puppe gegeben haben, vor deren Erfindung sicher auch Frankenstein zurückgeschreckt wäre.
Und nicht weniger Diskussionen zu GNTM.

Aber warum sich über sowas aufregen?
Mal wegen des Busens, dann wegen der wenig emanzipierten Schuhsucht und Kleidergier des ewig jungen Supermodels.
Obwohl ich meine Barbie nach guten 25 Jahren eher abstoßend finde, verstehe ich diese Diskussion nicht. Barbie wird doch eh nur so emanzipiert oder hausmütterlich sein, wie das Mädchen, das mit ihr herumhantiert, sie spielen möchte. Und dass die Mädels irgendwann Barbie werden möchten, ja und? Ist das irgendwie erstaunlich?
Irgendwas ist ja immer falsch. Banker zu sein ist auch nicht abendfüllender...

Schreiendes Pink, unerträglich hohe Schuhe, Handtaschen, die der englischen Queen würdig wären und an den rechtwinkligen Armen baumeln. Dazu rosa Kutschen, unsportliche Autos, klappbare Wohnwagen, ein gruseliges Schloss und Kleider, die sich verwandeln, Lieder spielen oder einfach nur quietsch eng sind.

Barbie IST das Plastikfleisch gewordene GNTM.

Meine Barbie, die keinen Namen hatte (während die Barbies meiner Spielkameradin Jessica, Desiree oder Mona hießen) konnte ausschließlich ihre doofen Reiterstiefel anziehen. In Stöckelschuhe kam sie nicht rein, daher hatte sie auch keinen Ken, vermute ich.
Natürlich hatte meine Spielkameradin eine ganze Fußballmannschaft Kens. Dunkle, helle, rothaarige und blonde. Ken sah in seinen glänzenden Anzügen über seinem Heldenkörper immer aus wie ein gepolsterter Depp. Daher verstehe ich sowieso nicht, warum man Barbie als unemanzipiertes Spielzeug bezeichnet.
Sie war einfach nur stupide geworden in einer Welt langweiliger Männer.
Anziehen und ausziehen. Mehr ar nicht. Und wird auch nie sein.

Nun ist viel zeit vergangen...

Wenn man zu alt wird für die Barbie schuat man als GNTM.
Aha.
Aber was macht man, wenn man zu alt ist für den Kram? Man guckt ihn trotzdem, weil man sich halb wegschreien kann bei den Kommentaren meiner Söhne:
"Braucht man nicht Busen als Model?" - "Warum sieht die ungeschminkt so blöd aus?" - "Warum trägt die nicht richtige Klamotten?"


Na, wir Mädels sind da ja weiter, wir waren ja schon vorher mit der Barbie darauf vorbereitet.


In diesem Sinne
Die Streberbarbie

Redakteur




15. Mai 2017, 11:13

Eurovision Song Contest - Vorletzter ist besser als gar nicht gewonnen


Hallo Mädels,

da war ja schon sehr viel Waterloo für uns dabei.

Ups… Ist Deutschland nun so unbeliebt oder sind die unsere Beiträge einfach nur so blöd?
Resultat der letzten drei Jahre: Letzter, Letzter, Vorletzter.
Immerhin, das sieht doch aus, als würde es besser werden, oder nicht?
Die deutschen Vertreter beim Eurovision Song Contest, der mal viel schmissiger: Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß, bekommen in den letzten Jahren einfach keine Punkte. Beziehungsweise nur sechs Punkte.

-Good Evening, Stockholm!!!!!!
-London and Vienna calling!!!!!!!
-Jerusalem Shalom!!!!!!!!! Bienvenue, Paris!!!!!! Benvenuto, Roma!!!!!!!
-You do a fantastic job tonight. Thank you for the lovely show!!!!!!!!!
-Thank you!!!!!!! May I have your votes?


-Here are the results of our Jury: (alle außer Deutschland) Twelve points.


Hat man den Geschmack nicht getroffen? Mit der Sängerin schon, sie sah zumindest nicht gerade zum Fürchten aus. Sehr niedlich. Aber das Lied? Zu „Normal“?
Viele sprechen von ungerecht.
Das ist das falsche Wort.
Es ist ja eher verwirrend. Nicht transparent würde man in einer Bank sagen.
Die verschiedenen Jurys und deren Zusammensetzungen sind merkwürdig. Wohingegen die Zahlenvergabe zwar Kult ist, aber etwas ungerecht, da von 26 Teilnehmern nur 10 Punkte bekommen. Etwas wie bei der Formel 1. Aber da sieht man wirklich den Zieleinlauf. Da zeichnet sich ziemlich früh ab, was das Ergebnis wird.
Beim ESC-Voting ist das doch eher ein Schock.

„Hoffentlich werden wir mal wieder Vorletzter“, witzelte man vorher. Nun ist Germany Vorletzter, aber ist auch nicht recht…
Lachweg.
Und die gut erzogene Lavina bedankt sich für die tolle Erfahrung. Na ja. Das war ja schon mal sehr artig.

Egal ob Promis wie Cindy & Bert und die No Angels antraten, alle mussten da mal durch.
Der ESC ist nicht die Bundesliga, und unsere Sänger sind nicht der FC Bayern, der aus jedem Mist noch ein Tor von Lewandowski macht… Okay, der würde ja auch für Polen starten.
Und um im Bild zu bleiben: Christiano Ronaldo ist ja auch Portugiese…

Zum Glück war Peter Urban zur Stelle und hat mich mit seiner unfassbar angenehmen Stimme durch den Abend gerettet und zuweilen auch etwas ratlos vor den Interpreten und ihrer Aussage gestanden.

Jodeln, Gorillas, Pferdeköpfe.
Barfuß in Deutschland.
Ein Flitzer.
Und kein Russland.

Alles dabei, was also fehlte dem deutschen Beitrag?

Als Vertreterin eines Big-Five-Landes musste sich unsere Levina nicht in einem der zwei Halbfinale für die Endrunde qualifizieren. Für das Finale gesetzt waren außerdem Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien. Die Big Five tragen die finanzielle Hauptlast des Wettbewerbs.
Auch das Gastgeberland Ukraine durfte den Vorjahrestitel ohne Qualifikation direkt im Finale verteidigen.
Man rätselt schon, ob es mit dieser Big-Five-Regelung zu tun hat. Ist es, weil Deutschland grundsätzlich auf andere Länder und andere Menschen so wirkt, als bräuchten sie keine Hilfe, keine Punkte, kein Mitgefühl? Der ESC ist eine unfassbar emotional-verworrene Sache. An Musik kann es nicht immer liegen. Manche Lieder klingen unfassbar ähnlich landen aber auf ganz unterschiedlichen Rängen.
Das ist es auch nicht.
Und was die Wettbüros angeht, die scheinen Trends zu bemerken, liegen aber wie immer auch gerne mal daneben wie bei US-Wahlen.

Der Sieger 2017 heißt Portugal.
Salvador Sobral sang den Song "Amar pelos dois" bezaubernd und tatsächlich war es gut gemacht, wahrscheinlich wirklich besser als alle anderen, aber ich habe immerzu Audrey Hepburn oder Barbra Streisand auf der Bühne erwartet. Es war 60er-Jahre, es war amerikanisches Musical, es war Schnulze at it's best.
Es klang wie schon mal gehört, von damals. Aus der Guten Alten Zeit, wo ja gerne mal herkommt und uns ein gutes Gefühl macht und ein „Will-Haben“ erzeugt…

Oder plötzlicher Sekundenschlaf.

Der ESC ist was Besonderes. Vielleicht WEIL Deutschland so selten gewinnt.



In diesem Sinne
Waterloo

Redakteur




23. November 2016, 11:42

Hansi, tweet mich!

Hallo Mädels,

es dürfte eine der ganz großen Herausforderungen sein, mit mir verheiratet zu sein.

Ich kann nämlich ohne Punkt und Komma von Hansi Flick schwärmen. Mein Gatte hingegen hält meinen Hansi eher für einen Anhänger der Waschlappenfraktion. Also lässt er mich schwafeln, bis ich mich abgeregt habe und redet dann von wichtigen Dingen. Von sich, von seinem BMW oder von raumgreifenden weiblichen Oberweiten (letzteres nur, um das Thema Eifersucht auf die Agenda zu bringen).

Meine Söhne verdrehen die Augen und starren in ein mediales Tablett, das sie mir abgeschwatzt haben, damit ich mein Handy wieder alleine nutzen kann.
„Guck mal, gleich beantwortet Hansi auf Twitter ein paar Fragen.“
„Äh?“ Ich habe es nicht so mit den neuen Medien.
„Da, guck. HäschtäckFRAGHANSI.“
„Äh?“ Ich bin zwar bei Twitter angemeldet, aber sorry, ich habe die Nutzung bis heute nur rudimentär drauf. Jemandem eine gezielte Frage zu stellen, kann ich gar nicht.
„Los, frag ihn was!“
Auf dem Bildschirm poppt eine Bild von Hansi vor einem Computer auf.
„Ich bin bereit!“ schreibt #fraghansi.
Ich bin völlig paralysiert. Die Vorstellung, Hansi könnte eine Frage von mir auch nur wahrnehmen, macht mich weichbirnig.
Meine Jungs stehen nun links und rechts von mir und lesen vor, was andere Twitterer fragen und was geantwortet wird. Lauter neutrale Fragen zur nächsten WM .
„Nun frag was, Mama. Du findet ihn doch so toll.“
„Äh?“ Was soll ich Super-Hansi fragen? Ob er weiß, dass mein Gatte ihn doof findet? Ob er weiß dass ich ihn gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz toll finde? Ob er mein Weltmeister sein will? ----------------

Mir fällt absolut nix ein.

„Ich mache mal Mittagessen für euch.“ Ich fliehe. Meine Jungs lachen sich kaputt und lesen weiter laut die Twittergespräche vor.
„Boah, ist das langweilig! Mama, das ist langweilig! Schreib du mal was, dass das hie rauf Twitter wieder lustiger wird!“
Mag sein, aber es ist „langweilig mit Hansi“.
„Jetzt frag was, Mama!“
„Okay.“ Ich komme aus der Küche gerannt und bin ganz durcheinander, setze mich und stelle meine Frage an #fraghansi.

Zack, verschickt.

„Ich glaub ja nicht, dass der das echt beantwortet, der hat sicher so seine Leute dafür“, gibt mein Ältester zu Bedenken. Ich kann stolz sein, dass er den Internetkram so durchschaut.

Äh. Aber jetzt grad will ich das nicht hören.

Zack. Hansi antwortet.

Aber...hm...

?
Er antwortet....dass er jetzt die Fragestunde beendet, und es ihm viel Spaß gemacht hat, mit uns zu twittern.


War ja klar.



In diesem Sinne
Langsamer Tweety

Redakteur




18. November 2016, 08:15

Deutschland kann nicht richtig feiern, Bambi-Business 2016

Hallo Mädels,

dass man in Deutschland zum Lachen in den Keller geht, ist ein alter Hut und stimmt auch gar nicht. Man geht dazu in die Garage.

In Deutschland hat man ganz klar ein Feier-Problem. Niemand kann sich ein bisschen feiern lassen, ohne gleich als Angeber abgetan zu werden. Erfolg macht unsexy. Meine Güte, wie mich das ankotzt. Wenn einer so stolz auf sich ist, dann lasst ihn doch machen, man muss ja nicht hingucken.

Anders ist es bei den öffentlichen Selbstbeweihräucherungsveran​staltungen. Das wollen alle sehen, da geht jeder hin und klatscht die anderen an, um oder weg. Da soll gefeiert werden! Aber Hallo!
Nur leider ist das auch doof.
Dort werden nämlich immer nur die selben gefeiert. Das macht es nicht schlimmer, finde ich. Nur sterbenslangweilig.

Bambi 2016.
Und wirklich. Da gehe ich die Liste schnell mal durch: Schweinsteiger, Helene Fischer, Bundesjogi, Mario Adorf. Und der Routine-Glamour kommt von Robbie Williams.
Es sind immer die selben.
Ja, mag sein, dass es auch im Unterhaltungssektor so was wie „Leistungsträger“ gibt. Im Burda-Bistro zumindest gab es Fastfood im Minutentakt. Da geht man immer den sicheren Weg, wenn man Helene Fischer serviert, abgerundet mit Fußballstars. Dann findet man auch den ein oder anderen wirklich guten Schauspieler und gibt ihm einen Lebenswerkbambi. Noch was für die Seele? Ja, klar. Ein bisschen westlich-religiös sollte es auch sein, wenn man zuvor wahnsinnig integriert daherkommt.
Ja, der Islam gehört zum Bambi, aber das sagen wir nur, wenn wir gleichzeitig noch den Papst ins Bild schieben können.
Wie korrekt. Wie öde. Wie unfassbar stumpf dem Volksgeschmack entgegen laufend. Darf man denn nicht einfach mal Bülent Ceylan abknutschen wollen, weil er einfach ein geiler Typ ist und wirklich witzig? Muss man dann gleich wieder die Integrationskeule schwingen?

Frisch nach dem Motto: „Wenn wir für den da keine Kategorie haben, dann machen wir eine!“, ging es weiter im Programm.
Da Sport schon besetzt war durch die Neu-Steffigraf, Frau Kerber, die ich ohne Röckchen gar nicht erkannt habe, gab es ein Ehrenpreis für Herrn Schweinsteiger und einen Integrationspreis für Herrn Löw.
Wann genau wird es einfach einen Löw-Preis geben? Für einen Lebenspulli oder eine Frisurenintegration oder einfach für Unterhaltung am Spielfeldrand oder einfach weil er so alles ist, was man gerne auch wäre: Reich, berühmt, verheiratet und single, bodenständig und weltreisend? Und vor allem ERFOLGREICH IM JOB?

Nur Mut, ihr Bambi-Verteiler, Euch fällt da sicher noch was ein!

So ist es also im Bambi-Business.

Alle auf der Bühne dürften Millionäre sein und vor allem das haben, was ich ihnen echt neide: Erfolg.
ICH WILL AUCH!
Bücher, die verfilmt werden!
ICH WILL AUCH!
Kleider, in die ich nie reinpassen würde.
ICH WILL AUCH!
Einen Job haben, der ganz, ganz doll Spaß macht und für den man gelobt wird!
ICH WILL AUCH!

Hm. Schmoll.

Aber da scheint mir doch der ein oder andere auf der Bühne zu stehen, der denkt: Oh ich freu mich echt, aber hoffentlich bekomme ich nicht morgen in der Presse zu lesen, dass ich mich

a) nicht genug gefreut habe
b) zu viel gefreut habe
c) es nicht verdient habe
d) ich ein Riesenangeber bin

Der Neid gehört zu Deutschland.




Ach, wisst Ihr, was? Gebt doch die Bambis alle mir.

In diesem Sinne
Das schlanke Reh

Redakteur




04. Oktober 2016, 08:48

Hellere Sicht mit Jürgen


Hallo Mädels,

ich bin voller Vorteile. Nun ist es raus.
Objektiv betrachtet, mag ich etwas, das gut gemacht ist, clever, intelligent, rührend, liebenswert.
Objektiv betrachtet mag ich etwas NICHT, wenn es schlecht gemacht ist, schlecht gedacht, mit gemeiner Absicht.

Subjektiv betrachtet, mag ich demnach - niemand wundert es: Jürgen Klopp. Keine Ahnung, was dieser Typ dafür getan hat, aber es ist so. Er ist der ehemalige Trainer von Dortmund, der am Spielfeldrand wutverzerrte Mienen zeigen konnte, dass man dachte, der beißt gleich jemanden den Kopf ab (die Zähne hat er ja dafür).
Ich fragte mich nie: "Aber, aber! Wie kann man denn nur so böse werden! Ist doch nur ein Spiel!“ Statt dessen fragte ich mich: „Ob das so ein Geräusch macht, wie wenn man in ein Knackwürstchen beißt, wenn er gleich den Kopf vernascht?“

Wahrscheinlich ist es das Teddybärige an ihm. Und Erfolg, der bekanntlich sexy macht. Eigentlich ist Herr Klopp aus meinem Bewusstsein herausgerutscht. Andere haben seinen Platz eingenommen und mit denen muss ich mich subjektiv oder objektiv herumschlagen.
Aber der Herr Klopp und sein findiger PR-Berater haben sich für einen hyperpräsenten Werbepartner entschieden.
Ja, es ist Opel.
Aber WIE das Auto aussieht, weiß ich nicht. Herr Klopp ist im Bild, da wird alles andere ausgeblendet. Ich grinse und denke an Knackwürstchen und Teddybären, aber nicht an Autos.
Und dann kommt der Slogan.

HELLERE SICHT.

Herrje!!!! Freunde, der schlechten Deutscharbeiten!!!
Das doch nun nicht! Welcher verblödete Werbetexter ist denn auf diese Schnapsidee gekommen? Sicht kann doch nicht hell sein! Sicht ist gut oder eben nicht. Und wenn es hell draußen ist, ist oft die Sicht besser. Aber das kann man doch nicht zusammen matschen!
Manchmal glaube ich, dass eine schallende Ohrfeige des vor Termindruck fast wahnsinnigen Chefwerber der Grund für einen solch hirnverbrannten Slogan sein muss.

Worte sind allerdings nur Worte.
Es stimmt, dass so manches Wort schmerzlicher ist als ein Schwert, mehr Unheil anrichten kann als eine Ohrfeige. Aber es sind dennoch nur Worte. Der Mensch alleine ist des Wortes mächtig und so beginnt die Schöpfungsgeschichte in drei Weltreligionen mit dem Wort.

Und Hamlet mischt natürlich auch mit: „Worte, Worte Worte.“

Worte muss man nehmen, wie sie kommen. Als Informationsträger ersten und zweiten Grades. Der direkte Sinn und der indirekte Sinn.

Es gibt Worte, die haben ihre Zeit längst gehabt, andere haben sie gerade. Es gibt Worte, sie sollte man möglichst nie benutzen (oder zumindest nicht während einer Ordensverleihung im Schloss Bellevue).
Immer lohnt es sich, in den Sinnkeller eines Wortes hinabzusteigen. Wo kommt es her, was hat es bedeutet, was bedeutet es jetzt. Man wühlt ein wenig in alten Sinnkartons, verscheucht alte Sinnkellerratten und freut sich an dem uralten Sinn.

Und dann gibt es Worte, die sind derart mit etwas Grausigem verbunden, dass sie für immer kaputt gemacht wurden.
VÖLKISCH.
Das halbtote Wort wird gerade wiederbelebt. Von bestimmten Leuten, die sehr wohl das Wort führen können aber leider den Sinn nicht. Den Sinn von menschlich und Gleichberechtigung scheint jenen Menschen irgendwie extrem abhold.

Völkisch. Was zum Henker soll das überhaupt sein?
Volk ist sowieso ein Wort, das gerade komplett aus dem Sprachgebrauch rutscht. Es hat was mit der deutschen Vergangenheit zu tun aber auch damit, dass man erkannt hat, das Volk nicht einfach eine Erweiterung von Familie ist. In einem Volk sind sich die Volksteilnehmer weder alle bekannt, noch alle verwandt noch mögen sie sich alle immerzu.
Man sagt jetzt Nation, was ich ganz clever finde, denn die Nationalität (ausgewiesen durch allerlei hübsche Ausweispapiere) ist da die Grundidee. Amtliche Zugehörigkeit ist es, ob man eine Nation bildet. Weder Geburtsort noch Haarfarbe sind entscheidend.

„Ein Volk ist die Masse derer, die dauerhaft an einem Fleck Erde zusammen leben.“

Erde wird gerne benutzt im Zusammenhang mit Volk. Nur, was ist mit Leuten, die dauerhaft an der Grenze wohnen? Zu Polen oder zu Holland. Die müssten doch auch mit uns ein Volk bilden, denn von Grenze hat das Völkische nichts gesagt - nur von Erde.
Interessant dabei: In den ersten fünfhundert Seiten der Bibel ist der Held der Geschichten ein Volk, das lustig hin und her rennt und allerlei Schabernack anstellt. Ich stellte sie mir immer wie ein Comicvolk vor, das einem geschäftigen Vogelschwarm gleicht, die selben Richtungswechsel vollzieht und dabei interessant kräht.

Wir sind das Volk.
Das war mal ein guter Spruch. Ich bin da immer noch ein bisschen stolz auf die Leute, die sich das getraut haben. Toll.
Aber völkisch? Was will man damit?

Letztens hat ein junger Brite in meiner Gegenwart versucht zu erklären, wie er den Küchenabfluss für seine deutsche Frau reparierte. Als Endsieg und Endlösung war das Ding hinterher heile. Er hatte nicht die leiseste Ahnung, was er da für Worte benutzte. Der Endsieg hätte sein Mutterland platt gemacht, die Endlösung die Erde um ein wundervolles, historisch einmaliges Volk ärmer. Aber er sagte das so lieb und so voller Begeisterung, dass ich grinste und schwieg, statt zu ermahnen. Er durfte das sagen, fand ich. Weil ich ihn nett fand.

Meine Güte. Also gut. Dann hat Jürgen Klopp halt HELLERE SICHT.
Worte sind halt nur Worte. Aber der Sinn von Jürgen Klopp ist eben Jürgen Klopp.



In diesem Sinne
VEB Angie

Redakteur



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