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28. Juli 2017, 10:21

Stau und wie man ihn korrekt verursacht

Hallo Mädels,

Unfälle sind schrecklich. Rettungsgassen werden ja bekanntlich nicht richtig gemacht, weil die Insassen leider ihren Wagen direkt mittig der Fahrbahn platziert haben, weil man so den besten Blick nach vorne hat. Das Martinshorn konnte man leider nicht hören, weil man entweder ein intensives Handygespräch führen musste und/oder das Geschen knipsen, um es auf Facebook stellen zu können oder weil man stereotechnisch Justin Timberland das Hörfeld komplett überlassen hat.

Ein Dummer reicht, um alles lahm zu legen. Diese fraternisierenden Autopopos anzusehen kann auch dem revolutionärsten PS-Verliebten zu Fuß gehen lassen!
Wir haben Stau.
Beliebteste Ursache von zähfließendem Verkehr (früher dachte ich, dass hieße c-fließender Verkehr und demzufolge gäbe es auch a-fließenden und b-fließenden) sind Brummirennen (REWE gegen EDEKA) auf ansteigender Strecke oder aber gerne das blitzschnelle wie sinnfreie Wechseln der Fahrbahn, was den Hintermann zu Bremsungen veranlasst … und den dahinter und den dahinter und den dahinter.

MEINE GÜTE! HABT IHR DENN NIE DEN 7. SINN GESEHEN???

So gibt es das Ich-will-schnell-voran-kommen-Wechseln. Ein wildes Hin und Her. Solche Fahrer trifft man in der Regel nach wenigen Kilometern wieder. Sie sind dann meist völlig erschöpft von ihrer Aktion. Oder sie mussten Pinkeln.
Dann ist da noch das SOFORTIGE Wechseln der Fahrbahn beim ersten ERAHNEN eines Schildes, auf dem stehen KÖNNTE, dass auf dem nächsten Kontinent sich die Fahrbahn von vier auf drei verengt.
Zack.
Alles ist plötzlich auf einer Spur und steht sich einen Wolf, weil man auf diese Weise eine Fahrbahn kilometerlang ungenutzt lässt.
Sehr, sehr clever...

Kurze Zeit nachdem man im Stau steht, kann man dann auch endlich mal in Ruhe das Radio anmachen und nachhören, in welcher Rangordnung sich der Stau befindet, an dem man gerade teilnimmt.
Daumendrücken, dass wir schon 3km haben, den oftmals werden nur Staus von 3km und mehr genannt. Wäre ja ärgerlich, wenn man feststellt, dass man sich ganz ungenannt abmüht. Erster Gang, rollen, warten, Baum ansehen, warten, anhalten, Gang raus...usw.

Meine Söhne kommentierte in unbeirrbarer Diskutier- und Meckerlaune jegliche Automarken, die wir überholten und anhand dieser vorbei surrender Kraftfahrzeuge die blödsten Zierleisten, Farbe, und Verchromungen (= Anteil der verchromten Teile, die einen unmittelbare Rückschluss auf die Anzahl der Zylinder zulässt) erklären dann, was sie später fahren werden und lassen offen, wie sie die gewünschten PS jemals ausfahren wollen. Bauen sie sich dann eine eigene Rennstrecke???

Ich starre schweigend hinaus auf die übrigen Verkehrsteilnehmer, überhöre die Flüche, die mein Gatte auf alle anderen wirft und betrachte insbesondere die informativen Automobil-Rückseiten. Was einen wohl dazu bringen kann, das Heck seines Autos exzessiv zu bekleben?
Sicher, es wäre ganz hübsch, wenn man die Feinstaubplaketten der anderen Fabrikate studieren könnte. Dann könnte man herzlich in Lachen ausbrechen, aber das hier?
Auch der Rückspiegel ist ein Quell unerwartet hässlicher Accessoires, die mich beim Überholen allzu ungläubig in das neben uns liegende Auto starren lässt.

Ich unterschied schließlich nach folgenden Kategorien:

A) Kleber
B) Hänger

Der "Hänger" hängt alles, was er unmittelbar vor der Nase haben will (und was ihm offensichtlich wichtiger ist als die lebenserhaltende Beobachtung des Straßenverkehrs) an den Rückspiegel.
Besonders nachdenklich machen mich diejenigen (meist junge Frauen um die zwanzig) die indianische Traumfänger an den Spiegeln baumeln haben. Tschuldigung, aber schlafen die etwa gelegentlich ein? Oder warum haben sie Angst vor Albträumen???
Der Hänger hat aber auch gerne mal Duftbäume und Bärchen mit Pilotenbrille im frontalen Sichtbereich seiner Fahrgastzelle.

Dann ist da noch der "Kleber". Den wiederum muss man in Untergruppen aufteilen.

A) Werbekleber
B) ABI-Kleber und Kindnamenkleber
C) Proletenpack-Kleber
D) Urlaubsortaufkleber oder Freizeitparkkleber
E) Bundeligavereinzugehörigkeit​skleber

Kategorie A ist klar. Darunter findet man entweder einen Firmennamen und deren Dienstleistungen oder eine simple Internet- oder E-Mail-Adresse vor und wird kaum wahrgenommen. Böse Onkels können übrigens immer noch nicht richtig schreiben...

Kategorie B ist da schon etwas wilder, denn die wichtige Mitteilung, dass jemand (vorzugsweise der Fahrer) sein ABI gemacht hat, scheint mir persönlich ein etwas seltsamer Grund, um sich die gesamte Rückscheibe mit Buchstaben vollzukleistern.
Mit etwas Mühe kann man dann auch das Jahr dieses Großereignis deutscher Bildung entziffern. Bereits die Abiturienten des vergangenen Jahres haben offenbar Schwierigkeiten mit der Haftkraft der Folien, denn zuweilen steht nur noch "AB 2016" oder "A I 2 2", was mir meine gesamte Phantasie abringt, um erkennen zu können, dass es sich bei dem Verkehrsteilnehmer um einen jungen Menschen mit einer abgeschlossenen Schulausbildung mit Fachhochschulreife der letzten fünfzehn Jahre handelt. Nun denn. Wenn es so wichtig ist, das anderen Menschen mitzuteilen, dann mal zu.

In diese Kategorie gehört auch der allseits auffindbare "Baby-Kleber".. Ihr wisst schon, der mit "X an Bord".
Leute die offenbar nach dem Einkauf an ihren Kofferraum treten und sich fragen: „Hm. Nach all diesem Einkaufstress hab ich doch glatt vergessen wie mein Kind heißt...ach ja, hier steht es ja! Glück gehabt!“
Kategorie C sind jene Mitmenschen, die sich Werbungen von Phonogeräten hinten drauf klatschen. Meist über eine fast schwarz verdunkelte Scheibe, durch die wirklich NIEMAND mehr den rückwärtigen Verkehr erkennen kann. Wahrscheinlich dient diese Folie (gerne an VW-Fabrikaten) dazu, dem Fahrer den irrigen Glauben zu erhalten, er habe den BMW abgehängt...

Über die Sprüche von der Kategorie D, der ausgesprochenen dämlichen Witzen und beurlaubter Alleinunterhalter (Syltvariationen etc.) auf Deutschlands Straßen kann man ganze Bücher verfassen, so fürchte ich, denn nur selten ist mal ein Aufkleber dabei, den man ertragen kann. Witze über Politik, Witze über das Sponsoring des Vehikels und folgenden: "Wenn Sie das hier lesen können, sind Sie zu nah aufgefahren............"

Dann ist da noch E: In Hessen habe ich bisweilen eine Vielzahl von motorisierten Schalkefans entdecken können. Die Bayernfans sind ebenfalls dezent vorhanden und natürlich auch die Eintrachtanhänger (und klar bei uns auch Kickers Offenbach).

Das ist doch schon traurig genug, muss man sich da noch den Lack ruinieren?

Ich bin sprachlos und reiche Kekse nach hinten durch.
Mein Mann sieht stumpf auf das Auto vor sich und scheint sich eher nicht darüber den Kopf zu zerbrechen, was diese Kleberei soll.

„Schatz, siehst du auch die Aufkleber da?“ frag ich ihn, um ihn aufzumuntern.
Erstaunlicherweise klappt das! Nanau? Eigentlich ist sein Staugroll schlimmer als die Sintflut als Strafe Gottes.
„Ist es dir auch aufgefallen?“ fragt er strahlend. Ich nicke und freu mich.
Ungefähr fünf Sekunden. Dann sagt er:
„Der hat die falsche Typenbezeichnung auf seinem Kofferraum. Alter Angeber, aber das sieht ja jeder, dass das nicht stimmt, was der da dran stehen hat!!!
Hä? will ich machen, aber ich komme nicht dazu. Die fachkundigen Jungs von hinten sind voll im Thema: „Jau! Guck dir das an, Papa! Was soll denn der Käse!? Der V8-Motor von AMG hat doch nie und nimmer die im Typenkürzel >63 AMG< angegebenen 6,3 Liter Hubraum - egal ob in der blöden C-Klasse, in der langweiligen E-Klasse oder im ML!“
Gatte nickt: „Früher waren es 6,2, jetzt sind es 5,5 Liter. Aber es gibt das Teil auch in verschiedenen Leistungsstufen - von 457 bis 571 PS!“ Dann wendet er sich an mich, „Schön, dass dir das auch gleich aufgefallen ist!“ Gatte klopft sanft meinen Oberschenkel.
„Oh. Ja. Und außerdem wollte ich noch sagen: Die wenigsten haben noch ein Länderkennzeichen an ihrem Wagen…“


WARUM VERSTEHE ICH SOVIEL NICHT IN DIESEM LEBEN?


In diesem verwirrten Sinne
Die alte Staustufe

Redakteur




02. November 2016, 11:49

BMW – Streber sind schwer vermittelbar


Hallo Mädels,

alternativlose Zweifel hege ich an der ethischen Brillanz, wenn Familienwagen Geschwindigkeitsrekorde brechen können. Und das mit katholisch klingenden Architekturanleihen.

Wisst Ihr, was eine Domstrebe ist? Das ist ein Duschgriff in der Moterhaube. mein Gatte erwarb ihn und baute ihn ein.
Leider blieb es dabei nicht.

„Wir werden nun den Raum krümmen!“ kündigt mein Gatte unsere Testfahrt ergriffen an.

„Nochmal zum Mitschreiben,“ beginne ich und merke sogleich, dass ich mich bereits in Talfahrt auf unwiedergutmachbare Blasphemie befinde. Denn ich traue diesem merkwürdigen Einbauteil nicht. „Du hast ein Carbon-Dings vorne in die Motorhaube geschraubt und davon wird dein Auto schneller?“

„Du kannst Fragen stellen!“

„Ja. Und hier noch gleich zwei weitere Fragen. Erstens, warum wird das Ding nicht gleich eingebaut, wenn es so wichtig ist? Und Zweitens: Wie viel kostet das?“

Schweigen. Dann wird zähneknirschend etwas von einem Betrag genuschelt, der bis zu 1.030 Euro hätte sein können.

„Bitte?“

Man bedeutet mir von allen Seiten, ich solle nun den Mund halten. Was ich tue, denn kurz, nachdem der Schneepfeil (der Silberpfeil ist ja von der Konkurrenz) die Garage verließ, hörten wir:

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Äh, was ist das?“ Breche ich das Schweigegebot.

„Nix, nix!“

Zwei Kilometer in mäßigem Tempo begleitet uns das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Da ist doch was?“ Ich wieder.

„Nix, nix!“

Zwei weitere Kilometer in mäßigem Tempo und immer noch das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Meine Ohren summen schon!“ meckere ich.

Weitere Kilometer in mäßigem Tempo. Die Geräuschkulisse bleibt.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Hat das was mit dieser neuen Kirchenspeiche zu tun?“ Erkundige ich mich schnippisch.

„Domstrebe, es heißt DOMSTREBE!“

„Sag ich ja. Hat es damit zu tun?“

„Öh.“ Er schaltet. Was immer wieder faszinierend ist, weil wir ja eigentlich einen Automatikwagen haben.

„Das heißt: Ja?“ Ich lasse nicht locker.

„Äh, warte, gleich sind wir auf der Autobahn.“ Und tatsächlich. Wir erreichen die leere Autobahn. Gatte beschleunigt kaum merklich und jubelt schließlich. „Schau! Bei dieser Geschwindigkeit ist das Geräusch weg! Und wie er nun fährt! Wie sich das anfühlt.“

...

Nun ja.
Liebe Mädels, ich will hier mal für Euch ein Resümee ziehen:

a) dieser Duschgriff ist aus Carbon, einem industriell hergestellten Werkstoff aus kohlenstoffhaltigen Ausgangsmaterialien
b) schweineteuer
und
c) das Ding macht Geräusche bei normaler Stadtgeschwindigkeit.

Bitte?

Und NEIN!
Nein, es überzeugt mich nicht, dass das Geräusch irgendwann aufhört. Und warum?

BEI SCHALLGESCHWINDIGKEIT HÖRT MAN JA AUCH NICHT MEHR SEINEN EIGENEN PUPS!


In diesem Sinne
Eure Denise Karbon aus Südtirol

Redakteur




04. Mai 2016, 09:41

Der Deutsche Krimi, das german Overacting, und es ist immer Heino Ferch


Hallo Mädels,

wie Ihr wisst, hasse ich den deutschen Krimi, sofern es sich NICHT um

a) Tatort Münster
b) Tatort Weimar
oder
c) den Mainzelmännchen-Minikrimi

handelt.


Ich mag das sogenannte german Overacting nicht.
Dieses Drama, wo es gar nicht hingehört. Dieses Streberhafte: Schau mal, ich kann Gefühle so klar darstellen, dass es selbst der blindeste unter den Diplomzuschauern (der sich gerade ein gutes Glas Rotwein (ächz) aus dem Kühlschrank holt) mit dem linken, dicken Zeh erspüren kann!

Manchmal habe ich das Gefühl, in deutschen Schauspielschulen wird ein Kurs angeboten, in dem die Teilnehmer Kaffeetassen in einem Küchenschrank durch reine Selbstsuggestion darzustellen erlernen.

Egal jetzt. Vorspann.

Berlin.
- Es ist immer Berlin!

Also es ist Berlin und da taucht wer auf?
Richtig: Heino Ferch.
- Es ist immer Heino Ferch!
(Haben wir eigentlich nur diesen einen Schauspieler?)


Also nochmal auf Anfang.

Krimi. Berlin. Heino Ferch.
Unbegabte aber sehr stark instruierende Dialoge, die dem Zuschauer möglichst einfach darlegen, was Sache ist.
Das geht so:

a) Hier ein handlungsrelevanter Toter (gezeigt wird: unappetitliche Erschießung)
b) Das Unrecht (kenntlich gemacht durch: Dramamusik).
und
c) Da schiebt sich ein bekanntes Gesicht ins Bild, um das begangene Unrecht zu tilgen!

Es kommt zur Heino-Ferch-Totale.


Berliner Wohnung (Kenntlich gemacht durch: Fahrrad im Wohnzimmer).
Heino Ferch entschließt sich, das Rätsel um den oben beschriebenen Mord zu lösen.

Schnitt. Berliner Vorortvilla.
Es kommt zum Äußersten, es kommt zum Dialog.


„Hallo.“ Ein Unbekannter.

„Hallo.“ Heino Ferch.

„Du kommst, um das Rätsel zu entschlüsseln, das niemand entschlüsseln kann?

„Ja, ich entschlüssle alles. Auch Mordrätsel. Aber leider kann niemand dieses Rätsel entschlüsseln. Trotzdem ist es meine Mission.“

„Das wird schwierig.“

„Ja, das weiß ich, daher schaue ich so ernst. Ich bin außerdem sehr betrübt.“

„Warum bist du betrübt. Etwa, weil das Rätsel unlösbar ist?“

„Nein, weil man glaubt, ich sei der Mörder. Und es geht um meine Ehre.“

„Verstehe. Wenn du das Rätsel löst, ist deine Ehre wieder hergestellt.“

„Ja. Die Lösung bringt Ehre.“

„Verstanden. Lösung und Ehre sind dir wichtig. Du schaust außerdem so ernst wegen dieses unlösbaren Rätsels.“

„Ich bin ein bekannter Ernstgucker und ein begnadeter Rätsellöser. Und gut ist, der Zuschauer ahnt noch nicht, wie das Rätsel zu lösen ist.“

„Aha. Dann will ich kurz erklären, dass ich des Rätsels Lösung weiß, aber sie nicht sage.“

„Warum sagst du mir nicht die Lösung dieses unlösbaren Räsels, die mir Ehre bringen würde?“

„Weil ich der Böse bin. Und weil der Krimi dann zuende wäre.“

„Dann frage ich dich jetzt nach der Lösung.“

„Ich bin aber der Böse und habe kein Interesse daran, dass du das Rätsel löst.“

„Aber ich bin der Held.“

„Ach so.“

„Sag mir also die Lösung.“

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

„Na gut.“


Dann weitere Dialoge, die Silbe für Silbe erklären:

a) Heino Ferch ist der Tolle (hier hilft auch, dass er eine original Schimanski-Jacke trägt)
b) Heino Ferch hat die Hauptrolle inne (leicht zu erahnen, er ist IMMER im Bild)
und
c) er muss einen Mörder suchen (er fragt andauernd danach, wer der Mörder ist).

Ganz wichtig im deutschen Krimi: Die Guten sind später doch die Bösen und der unfassbar sprachunbegabte Böse ist nach kurzer Diskussion (siehe oben) zur Kooperation bereit. Warum er das ist, ist ein Geheimnis, das der Drehbuchautor voraussichtlich mit ins Grab nehmen wird.

Die gezeigten Automobile sind aufsteigend nach der Unwichtigkeit ihres Erscheinens:

a) Audi
b) Mercedes
c) BMW

Ich vermute der Verkehrsminister, der Familienminister und der Minister für Wirtschaft und Finanzen haben hier eine ausgewogene Bildgebung veranlasst.


Heino Ferch ist weiterhin andauernd im Bild.

Obacht!!! Nicht dass jemand auf den Gedanken kommt, ich mag den Mann nicht. Im Gegenteil. Er hat einen ansprechenden, nicht zu schmalen Körperbau, eine schiefe Nase und wenig Haare. Also ganz nach meinem Geschmack.
Alles gut.
Tja...

Nur ein bisschen viel Heino Ferch in allen deutschen Produkten, fürchte ich.


Ich hab schon Angst, eine Kinderschokolade zu öffnen – es könnte ja Heino Ferch rauspurzeln...



In diesem Sinn
Ich-werde-auch-mal-ein Drehbuch-schreiben

Redakteur




11. November 2014, 08:10

BMW – Streber sind schwer vermittelbar

Hallo Mädels,

alternativlose Zweifel hege ich an der ethischen Brillanz, wenn Familienwagen Geschwindigkeitsrekorde brechen können. Und das mit katholisch klingenden Architekturanleihen.

Ihr erinnert Euch an die Domstrebe von gestern? Der Duschgriff in der Motorhaube unseres bayerischen Präzisionsfahrgerätes?

„Wir werden nun den Raum krümmen!​“ kündigt mein Gatte unsere Testfahrt ergriffen an.

„Nochmal zum Mitschreiben,​“ beginne ich und merke sogleich, dass ich mich bereits in Talfahrt auf unwiedergutmachbare Blasphemie befinde. Denn ich traue diesem merkwürdigen Einbauteil nicht. „Du hast ein Carbon-Dings vorne in die Motorhaube geschraubt und davon wird dein Auto schneller?​“

„Du kannst Fragen stellen!​“

„Ja. Und hier noch gleich zwei weitere Fragen. Erstens, warum wird das Ding nicht gleich eingebaut, wenn es so wichtig ist? Und Zweitens: Wie viel kostet das?​“

Schweigen. Dann wird ein Betrag genuschelt, der bis zu 1.​030 Euro hätte sein können.

„Bitte?​“

Man bedeutet mir von allen Seiten, ich solle nun den Mund halten. Was ich tue, denn kurz, nachdem der Schneepfeil (der Silberpfeil ist ja von der Konkurrenz) die Garage verließ, hörten wir:

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Äh, was ist das?​“ Breche ich das Schweigegebot.

„Nix, nix!​“

Zwei Kilometer in mäßigem Tempo begleitet uns das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Da ist doch was?​“ Ich wieder.

„Nix, nix!​“

Zwei weitere Kilometer in mäßigem Tempo und immer noch das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Meine Ohren summen schon!​“ meckere ich.

Weitere Kilometer in mäßigem Tempo. Die Geräuschkulisse bleibt.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Hat das was mit dieser neuen Kirchenspeiche zu tun?​“ Erkundige ich mich schnippisch.

„Domstrebe, es heißt DOMSTREBE!​“

„Sag ich ja. Hat es damit zu tun?​“

„Öh.​“ Er schaltet. Was immer wieder faszinierend ist, weil wir ja eigentlich einen Automatikwagen haben.

„Das heißt: Ja?​“ Ich lasse nicht locker.

„Äh, warte, gleich sind wir auf der Autobahn.​“ Und tatsächlich. Wir erreichen die leere Autobahn. Gatte beschleunigt kaum merklich und jubelt schließlich. „Schau! Bei dieser Geschwindigkeit ist das Geräusch weg! Und wie er nun fährt! Wie sich das anfühlt.​“



.​.​.




Nun ja.
Liebe Mädels, ich will hier mal für Euch ein Resümee ziehen:

a) dieser Duschgriff ist aus Carbon, einem industriell hergestellten Werkstoff aus kohlenstoffhaltigen Ausgangsmaterialien
b) schweineteuer
und
c) das Ding macht Geräusche bei normaler Stadtgeschwindigkeit.

Bitte?

Und NEIN!
Nein, es überzeugt mich nicht, dass das Geräusch irgendwann aufhört. Und warum?

FRAGT EINSTEIN: BEI LICHTGESCHWINDIGKEIT HÖRT MAN JA AUCH NICHT MEHR SEINEN EIGENEN PUPS!



In diesem Sinne
Eure Denise Karbon aus Südtirol

Redakteur




10. November 2014, 10:06

BMW – Dom zu Bayer


Hallo Mädels,

wir müssen reden. Über Glauben.

Fangen wir mal ganz einfach an. Meine Mutter hatte ein schönes Hobby. Baustile. Sie kannte sich aus mit Sakral-Architektur, Kunstgeschichte und Heiligenfiguren. Auf diversen Reisen angeeignetes und angewandtes Wissen. Oft stand sie da, breitete die Arme aus und flüsterte beeindruckt: „Mein Gott, ist das scheußlich!​“

Was genau hätte sie über DOMSTREBEN referiert?
Sie hätte wahrscheinlich Folgendes gesagt: „In der Gotik baute man Kathedralen, die trotz ihrer Größe eine überirdische Leichtigkeit ausstrahlten. Baumeister ließen außen an der Kathedrale Bögen anbringen, um die gewaltige Last des Gewölbes von den Mauern zu lenken. Großartige Statik!​“
Und sie konnte sich sehr über Statik auslassen! Hollaholla! Anfangs dachte ich, es gäbe einen Herren mit Namen Statik, den sie ähnlich wunderbar fand wie Gilbert Bécaud, einem französischen Chansonnier (wegen seines Temperaments auch „Monsieur 100.​000 Volt“ genannt) mit einer weiß gepunkteten Krawatte zum blauen Anzug.

Ein Missverständnis.

„Lieber Gatte, da ist ein großes Paket für dich angekommen!​“
„Das ist die Domstrebe!​“ Er, begeistert.
„Wie schön, du interessierst dich also für Architektur?​“ Ich, hoffnungsvoll.
„Aber nein! Ich muss jetzt dringend in die Garage!​“ sprach er, nahm das Paket und die Jungs und wollte aus der Wohnung stürzen.
„Halt, halt. Will diese Kirchenspeiche sehen.​“ Ich, uninformiert.
„Mama, das ist eine DOMSTREBE!​“ Jüngster, verständnislos.

Das besagte Teil, das man auch Federbeinbrücke nennen darf, wenn man überhaupt darüber reden will, schien mir ein elegantes Stück Leichtmetall, sanft gebogen und am Ende zum Verschrauben zu sein. Nichts Digitales, nichts Elektronisches, nicht Motorisiertes.

Was zum Henker wollte mein Gatte damit?

„Ist für den BMW!​“ speiste mich mein Sohn ab und drängelte. Sie verschwanden.

Domstrebe klingt so elegant, so himmelstürmend. Sicher sieht der BMW damit gut aus, dachte ich und widmete mich anderen Dingen.

Das Telefon klingelte. Es kam direkt aus dem Inneren unseres BMW.
„Komm schnell in die Garage! Die Domstrebe ist so toll!​“ Und ähnlicher Unsinn riefen sie mir durchs Telekommunikationsgerät zu.

„Und?​“ frage ich und stand mittlerweile vor unserem Bayern. Der sah aus wie immer. Ich schritt langsam drum herum.
Es hatten sich bereits männliche Nachbarn eingefunden und bestaunten atemlos diese ominöse Domstrebe.

Aber wo war diese Strebe vom Dom?

Einen Augenblick wartete ich, in der Hoffnung, dass einer der anwesenden Männer oder Jungs mir den entscheidenden Hinweis gab. Nichts. Statt dessen vernahm ich Dinge wie:

- Torsionsfestigkeit der Karosserie erhöhen
- Verzugserscheinungen der Spur vermindern
- das Fahrverhalten bei Kurvenfahrt direkter

Bitte?

„Schatz!​“ mischte ich mich nun in das Fachmurmeln ein. „Nun sag mal, wo ist denn diese achsotolle Kirchenstütze jetzt? Ich sehe gar nichts.​“
Es wurde still in unserer Großraumgarage. Die anwesenden Männer schüttelten erschüttert über so viel Unwissenheit den Kopf. Gatte sah mich an, als hätte ich nicht alle Zylinder beisammen.
Und öffnete die Motorhaube.

„Da.​“ Er zeigte hinein. Und dann mit der Stimme eines Killers: „Aus der BMW Performance Produktlinie die Domstrebe Carbon.​“

Mein gigantisches Erstaunen darüber, dass dieses merkwürdige Teil IN DAS AUTO gebastelt wurde, überspielend, blickte ich auf diesen designten Handtuchhalter hinab, der nun in der Motorhaube ein unsichtbares Dasein fristen muss.

„Ach.​“ Und da fiel es mir wieder ein: Glaube ist das Vertrauen auf Unsichtbares.


In diesem Sinne
Misses L.​O.​W. Performance

Redakteur




07. November 2014, 11:44

Streik und Straßenverkehr

Hallo Mädels,

aufgrund des Bahnstreiks ist mein Gatte mit dem Rad die 3000 Kilometer vom Homeland nach Frankfurt gefahren.

Daher muss ich zusammen mit unserem begabten Verkehrsminister (wie heißt der noch gleich: Mister Maut?​) auf die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung bestehen.

Das heißt:

An die Radfahrer:

KEIN Telefonieren mit eigenem oder Fremd-Handy
KEIN Essen von gekauftem oder mitgebrachtem Fast- oder Slowfood
KEINE Gespräche mit Mitreisenden
KEIN Fahren auf der Gegenfahrbahn
LICHT an


An die Autofahrer:

KEIN Telefonieren mit eigenem oder Fremd-Handy
KEIN Essen von gekauftem oder mitgebrachtem Fast- oder Slowfood
KEINE Gespräche mit Mitreisenden
KEIN Fahren auf der Gegenfahrbahn
LICHT an (aber nur außen)

zudem:
KEINE vom Rad- oder Autofahren ablenkende Streitgespräche mit Beifahrern (Kindern, Ehefrauen, Kollegen, Haustiere)
KEIN Kartenlesen
KEIN Kartenspielen

ACHTEN Sie bitte auf radfahrene Banker!


Ich melde mich, wenn mein Gatte die Straßen wieder verlassen hat und wohlbehalten das Homeland erreichte.​.​.


In diesem Sinne
Die Luftpumpe

Redakteur




05. Mai 2014, 09:32

Viel Frau, viel Ehr

Hallo Mädels,

meine Freundin kenne ich schon seit Kindergartenzeiten. Mittlerweile fährt sie statt Puppenwagen einen Kleinwagen.
Letztens war die Batterie aus dem Fernbedienungsschlüssel am Ende. Ihr wisst schon. Das Ding, das so aussieht wie ein Schlüssel, aber nicht so benutzt werden will. Sie sagt, wenn das blöde Ding alle ist, dann kann man ihren Wagen zwar aufschließen, aber nicht die Alarmanlage ausschalten. Dann gibt es immer ein irres Hupkonzert, bis man den Wagen wieder zugeschlossen hat und mit der Fernbedienung geöffnet. Meine Freundin ist sehr praktisch veranlagt.

Meine Freundin ist gerade im Tierfutterfachgeschäft, um ihre Hauskatzen und die Vögel im Garten glücklich zu machen, als die Fernbedienung aufgibt.
Mist, denkt da meine Freundin. Sie öffnet den Kofferraum mit dem langweiligen Normalschlüssel und schon geht es los.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Das kann ihr Auto mit Inbrunst und Ausdauer.
Das Dauerhupkonzert spült die Freßnapffachkraft auf den Parkplatz. Meine Freundin beruhigt den jungen Mann, dass es sich bei ihr nicht um eine Autodiebin sondern um die Autoeignerin handele. Die Hauptstrasse runter sei ihre Werkstatt, da führe sie jetzt hin, brüllt sie den Vogelfreund an.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Es macht natürlich irre Eindruck, wenn man Bielefelds meistgefahrene Straße dauerhupend entlangfährt! Ich vermute, der Verkehr in OWL kommt zum Erliegen, weil alle rechts ran fahren und Platz machen.
Schimanski in Duisburg mit Blaulicht ist nix dagegen.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Mit dieser Soundeinlage erreicht sie die Werkstatt. Alerte Werkstattblaumänner stürmen aus ihren Garagen herbei, um zu sehen, was los ist.
Meine Freundin entsteigt dem Wagen, legt einem knackigen Mechaniker den Fernbedienungsschlüssel in die Hand und schreit: „Eine neue Batterie bitte!​“
Und was tut der?
Klar.
Er ist schließlich ein Mann. Er versucht zu denken. Er denkt: „Die hat keine Ahnung.​“
Meine Freundin seufzt über diese vollendete Hirnlosigkeit und begibt sich in den Wartebereich der Marken-Werkstatt. Dort zieht sie sich in aller Gemütsruhe einen Cappuccino, während sich nebenan in der Werkelei ihr Auto laut wehrt.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Nach wenigen Minuten erscheint der Mechaniker. Er brüllt oberwichtig: „Das Türschloss ist kaputt, daher wird die Alarmanlage nicht ausgeschaltet.​“
Ach, denkt da meine Freundin, erzähl mir mal was Neues.
Zur Strafe schaut sie dem Mann auf den Knackpo und schüttelt den Kopf.
„Neue Batterie bitte!​“ schreit sie zurück. Nebenan:

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

„Nein, nein!​“ brüllt der Blaumann in der Gewissheit, dass er die Ahnung im Schraubstock gefangen hält, „Neues Schloss in der Tür! Müssen die ganze Türverkleidung abmachen! Das wird wohl knapp 6.​000 Euro kosten! Alles neu machen!​“ Ihr Auto sagt dazu:

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Und meine Freundin nippt am Cappuccino. „Nur eine Batterie bitte!​“
Der Mechaniker hampelt noch einen Augenblick vor ihr herum und murmelt Dinge, die dank des frauenfreundlichen Hupens niemand petzen kann. „Frauen haben keine Ahnung von Technik“ dürfte noch das Netteste gewesen sein. Statt sich über den Hosenlatz-Matz aufzuregen, zieht sie sich einen zweiten Cappuccino. Das kann ja dauern, wenn der Mechaniker weiterhin so dusselig ist.
Noch einmal versucht es der Schraubermeister (dessen Oberarme sehr adrett das T-Shirt füllen) mit einem mündlichen Sechs-Mille-Kostenvoranschla­g, aber da sie nicht reagiert, trollt er sich.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben!
Denn dann passiert folgendes:

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

stillestillestillestillestil­lestillestillestillestillest­illestillestillestille

Der Mechaniker erscheint. In der Hand hält er die Fernbedienung. Er kratzt sich verlegen am Kopf und legt den Schlüssel auf den Tisch.
„Das macht dann vier Euro.​“ sagt er leise.


„Aber einen süßen Knackarsch hatte die Hohlbirne“, meinte meine Freundin später.



In diesem Sinne
Die Fahrprüfung

Redakteur




31. Dezember 2013, 12:01

Letztens im Lounge-Bereich der BMW-Niederlassung in Frankfurt

Hallo Mädels,

in der BMW-Niederlassung in Frankfurt gibt es einen Parkbereich für abzuholende Fahrzeuge, einen für Fahrzeuge zum Check-in für die Werkstatt und einen für die Gattin.
Im letzteren steht eine ganze Reihe ansehnlicher Lounge-Möbel, auch für das obere Preissegment ansprechend.
Ich liebe übrigens das Wort Lounge. Es klingt so viel besser als das harte, deutsche Wort WARTEN.

Der Bereich ist ein offenes Areal in Sichtweite zu Luxuslimousinen und einem gigantischen Kaffeevollautomat.
Mein Gatte holt mir einen Latte Macchiato und verspricht, irgendwann wieder zu kommen. Die Jungens schlürfen ihre Heiße Schokolade aus und trippeln hinter ihm her. Ich schaue mich um. Überall wartende Frauen.
Ich greife zu einer der ausliegenden Zeitschriften. Die ist daumendick und glänzend und heißt: Kempinski. Wie das Hotel. Ich schlage sie auf und drin ist: Kempinski. Das Hotel. Shanghai, London, Dubai.
Vielleicht wirkt es schrecklich Upperclass wie ich dieses Hochglanzprinterzeugnis mit einem Bild-Text-Verhältnis von 97 : 3 mangels Lesebrille am ausgestreckten Arm von mir weghalte. Jedenfalls spricht mich diese Dame an. Eine wirkliche Dame. Sie deutet auf die zwei Modellautos und die leer getrunkenen Becher meiner Jungs. Ob sie sich hierzu setzen dürfe. Sie ist Ende 50, hat längeres, edel ergrautes, tolles Haar, ist attraktiv und in exquisite Strickwaren gewandet, die ihr um die zarten Schultern schlackern. Sie spricht deutlich aber leise.
Ich nicke und sammele die Modellautos ein.
Sie stellt ihre großformatige Handtasche ab mit den zwei ineinander geschwungenen Cs. Das ist Chanel. Ich habe von Mode nicht genug Ahnung, um sagen zu können, ob es sich um ein aktuelles Modell handelt bei dieser Tasche. Aber ich kann abschätzen, dass es sich bei diesem raumgreifenden Handtaschenkoffer um einen Gegenwert von anderthalb Riesen handelt.
Ich überlege, ob ich beeindruckt sein soll, oder ob ich es bescheuert finde. Man kann das Geld auch in bar und in einem Portemonnaie spazieren führen.
Aber die Frau hat Stil und ich verzeihe ihr automatisch. So weit kann es mit meiner republikanischen Gesinnung nicht her sein, dass ich nicht doch etwas Begeisterung für Hochadel oder elegant angelegtes Geld verspüre. Vermutlich ist es der neuerliche Einfluss von Lisa, meiner Geldmamsell.

Es dauert nicht lange, und sie verwickelt mich mit ihrer sanften Stimme und viel Sinn für Wortwitz in ein Gespräch über Autodesign. Sie mag BMW. Es würde ihrer etwas biederen Art entsprechen, sagt sie und lacht fast. Es ist ein strahlendes Nichtlachen. Sie liebe die Corvette ihres Lebensgefährten, wenn er nicht zu schnell führe. Der Porsche ihres Ex – sie macht eine Pause und sagt dann mit einer unglaublich charmanten Geste ihrer dünnen Hand: „Unerträglich.​“
Was nun? Der Mann oder der Porsche?
Was ich denn bevorzuge? Außer BMW natürlich?
Was soll ich da sagen? Dass ich mein 14 Jahre altes Fahrrad bevorzuge? So schnell will ich nicht aufgeben. Ich sage daher: Aston Martin sei meiner Meinung das perfekte Autodesign. Noch bevor ich mich innerlich fast wegschmeiße, weil ich das Gesagte aus meinem Munde so ungemein ulkig finde, hebt die Dame ihre Hand: „Aber nein, meine Liebe! In der Schweiz hat jeder Gärtner einen Aston Martin! Sie müssen schon viel Glück haben, wenn Sie von etwas anderem totgefahren werden als von einem AM.​“ Wow, das beeindruckte! Sie hat definitiv Adel in der Stimme. Es ist so charmant, dass ich ihr ihre Arroganz verzeihe. Sie klingt etwas wie Christine Kaufmann nur nicht so nervig und auch nicht mit diesem Kuhblick. Diese Dame hat was.
Aber sie ist nervös. Sie zupft sich unablässig an ihrem Ärmel, als würde ihr BH-Träger sie stören.
Ich denke: Was um Himmels willen kann dich nervös machen?
Ich rede aber über automobiles Design. Maserati gefalle ihr gar nicht. Audi und VW scheint es in ihrer Welt gar nicht zu geben. Wir kommen auf Äsjuwies. Auf SUVs. Sports Utility Vehicles. Sie liebt diese Dinger. Man habe eine grandiose Übersicht. Ich nicke. Ungefähr wie in einem Bus, und so dezent wie ein Panzer.
Bei der Erwähnung von Ferrari murmelt sie was von FIAT und der Glanz in ihren Augen verschwindet.
In Äl-Ä habe sie einen Mercedes stehen. Aber jeder fährt dort Mercedes.
Ich denke: Ich nicht.

Aber BMW, ach, das wäre was! Da fühle sie sich so sicher. Ich nicke und denke, sie hat wahrscheinlich mit Herrn B. gesprochen.
In Starnberg habe lange Jahre Herr Soundso die BMW-Werkstatt geleitet. Und nun? Fort! Schrecklich.
Ich ziehe die Augenbrauen so hoch, dass ich fürchte, gleich einen Krampf im Gesicht zu bekommen.
Herr Sonundso sei nun in Rottach Egern! Was für eine Erleichterung!
Klar, denke ich. Der nächste Schickimicki-Ort mit Seeblick. Ulli Hoeneß lässt grüßen. Liegt am Tegernsee und ist sündhaft teuer. Wir wandern ja gerne eine Woche im Jahr.
Verzeihung: Unsereins, das westfälische Fußvolk macht da Trekking-Touren!
Aber ich kann es nicht lassen und sage: „Ach, der Tegernsee, der Ulli! Wir verbringen da ja immer den Sommer.​“
Die Dame lächelt und spricht von guter Luft.

Mein Gatte kommt. Er strahlt. Ich denke, dass das Gesicht auch als ein M6-Kauf durchgehen würde. Die Dame bewundert meine Söhne. Sie macht es so nett, dass ich ihr nun komplett alles verzeihe.
Mein Jüngster erkennt, dass hier sein Charme gefragt ist, und sagt etwas kryptisch: „Ich wünsche Ihnen Weihnachten.​“
Immerhin.
Ich wünsche der Dame Allzeit Gute Fahrt.

Und falle zurück in meine mittlere Unterschicht.


In diesem Sinne
Cindy mit Mahlzeit

Redakteur




28. Dezember 2013, 11:32

Der BMW-Psychologe rät

Hallo Mädels,

die Sache mit unserem neuen BMW ist noch nicht gegessen. Da gibt es noch eine Menge Anmerkungen zu machen. Stellt Euch auf noch mehr Texte zum Thema bajuwarischer Fahrkonzeption ein.
Hier aber erst mal die Sache mit der Fahrzeugausgabe.

Der Gipfel der deutschen Verkäufergilde ist es, ein BMW-Großkundenbetreuer zu sein.
Ein BMW wird nicht verkauft, ein BMW wird in Betreuung gegeben.

Neulich bei der Neuwagenausgabe:
Der Schlüssel, der nirgends passt, gleitet von dem perfekten BMW-Fachmann in die Hände des perfekten BMW-Kunden. Sprich: Mein Gatte bekommt den Schlüsseltorso in die Hand gedrückt. Unsere Söhne stehen dicht daneben und halten, der Situation angemessen, entrückt die Luft an.
Der Großkundenbetreuer, nennen wir ihn Herrn B.​, macht alles richtig. Er lässt den Kunden den ungewohnten Schlüssel erfühlen, betrachtete dabei professionell das entstehende Besitzerstolz-Funkeln in den Augen der umstehenden Männer.

Beeindruckt komme ich etwas näher.
Ich lausche und lerne.

Zu genaueren Einschätzung des Waffenarsenals unseres neuen Raumschiffs nimmt sich Herr B. angenehm viel Zeit: 8-Gang-Sport-Automatik mit Launch Control, Vmax: 250 km/​h (abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: 5,​1 Liter je 100 Kilometer.
Sein lebenspendendes Tagewerk beginnt damit, meinen erfreuten Gatten und die aufgeregten Kinder zum Wagen zu führen. Vorsichtig, mitfühlend, betreuend.

Herr B. erklärt. Herr B. flüstert. Herr B. operiert voll auf der psychologischen Schiene.

Ich gehe mal ins Detail, während Herr B. ins Detail bei der BMW-Handhabung geht:
Herr B. ist jung, aber nicht zu jung, sportlich, aber nicht zu sportlich, er riecht gut, aber sein After Shave ist nicht beherrschend. Er spricht, aber weder laut noch zu viel. Er weiß viel, aber nicht alles. Er nickt bei geistreichen Bemerkungen, aber er lacht nicht laut.
Er trägt seinen Ehering links. Eine amerikanische Sitte, die Internationalität und Moderne verrät. Vielleicht Hochzeitsreise nach Hawaii?
Seine Frau ist Thema. Herr B. macht das extrem geschickt, er personalisiert. Um gerade mir, die einen eher skeptisch-frotzeligen Eindruck macht, voll auf seine Seite zu ziehen, erklärt er, dass seine Frau (nennen wir sie Frau B.​) auch einen BMW fährt. Und wie sie mit diesem oder jenem Gimmik zurecht kommt, ja, sogar einiges als un-er-setz-lich erachtet.
Länge: 4,​62 Meter, Breite: 1,​81 Meter (2,​03 Meter mit Außenspiegeln). Das M-Lenkrad. Automatische Heckklappenbetätigung.
Herr B. macht das hervorragend.
Es wirkt sympathisch, vertraut, aber nicht vertraulich. Er vermittelt mit dieser ernsthaften Anschaulichkeit bayerische, erzkonservative Werte und gleichzeitig damit Fahrdynamik und Jugendlichkeit.
Mit meinem Gatten spricht er sanft.
Herr B. muss hier ja keinen mehr überzeugen. Der Wagen Schrägstrich Raumschiff ist bereits gekauft und bezahlt. Schon gar nicht, muss er meinen Gatten vom Fahrzeug oder dieser Marke überzeugen. Aber Herr B. hat offenbar den Drang und Ehrgeiz uns bis zum letzten Moment zu beweisen, dass wir eine wunderbare Wahl getroffen haben.
Ich schmunzel und nicke ihm anerkennend zu.

Chapeau!​, Herr B.​! Setzen, Einsplus.


In diesem Sinne
Die, die immer dumme Bemerkungen machen muss

Redakteur




23. Dezember 2013, 12:17

Heute: BMW in weiß. Oder: Geräusche im Weltall

Hallo Mädels,

deutlich vor Weihnachten feierte einer schon mal Bescherung. Mein Gatte.

Wenn wir etwas von Ulf Merbold und Sigmund Jähn gelernt haben, dann doch bitte, dass es im Weltall keinerlei Geräusche gibt. Unser erster Astronaut und unser erster Kosmonaut würden allerdings ganz schön staunen, wenn sie wüssten, dass es doch geht.
Das mit den Geräuschen. Nicht nur bei Star Trek und bei Star Wars erleben wir diese unerklärlichen Phänomene. Das Rauschen eines vorbeigleitenden Raumschiffs.

„Hello, this ist your Captain speaking!​“ brülllt mein Gatte so enthusiastisch, dass ich fast in das Handschuhfach springe. Von den hinteren Plätzen brandet tosender Applaus auf. Dann schwebt es aus dem Hangar. Das weiße Raumschiff. Der Jungfernflug. Da, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Im deutschen Straßenverkehr.

Es ist der Wechsel.
Papa hat eine neue Liebe, die andere hat er gerade beim stabil gebauten Mann vom TÜV abgegeben. Hartherzig lässt er die alte Liebe ziehen. Eine neue Zeit bricht heran, so kurz vor Weihnachten: Nicht mehr schwarz, sondern weiß. Nicht mehr Schaltung sondern Automatik. Die neue Liebe hat einfach mehr zu bieten. Nicht nur Jugend.
Wenn man meinem kirkesken Gatten Glauben schenken darf, dann hat er kein neues Auto. Er hat jetzt ein Raumschiff. Star Trek Next Generation BMW.
330td.
Der Innenraum fürwahr ein Cockpit. Es blinkt, es summt. Es ist so viel auf einmal, dass mir angst und bange wird um die Verkehrssicherheit der begleitenden Fahrtüchtigkeit. Es ist überbordend an Bord.

Der Kundenbetreuer (bei BMW verkauft man nicht, bei BMW betreut man!​) hatte uns soeben in einer mehrstündigen Zusammenfassung einen zaghaften Überblick gegeben, was dieses weiße DING alles kann. Es kann alles. Nur nicht auf Sommerzeit umschalten.

Der Neue ist wie erwähnt ein Automatiker. Das Automatikgetriebe ist ja nicht nur einfacher Schnickschnack. So viel ich in Erfahrung bringen konnte, ermöglichen es aufgrund speziell abgestimmter Fahrprogramme der Getriebesteuerung die Kombination von erhöhtem Fahrkomfort mit der Wirtschaftlichkeit durch reduzierten Kraftstoffverbrauch und verringerte Emissionswerte. In der Regel ist es einfach mal ein bisschen leiser.

Leise?
Wie bitte?

Das wäre natürlich völlig am Kundenwunsch vorbei konzipiert. Der betreute BMW-Nutzer (besser: BMW-Passagier) will Motorengeräusche! Es ist ja der Lebens- und Liebesbeweis seines Lieblings! Er braucht dieses aufwallende Wummwuuuuuuuuuuuuuummmmmm.

Dann werde ich Zeuge des ersten Geräusches im All.
Ich staune nur kurz, zu lange bin ich auf dieses Ereignis hin ausgebildet worden durch Eheschließung und Beifahrertum. Ich bin einfach immer und überall das perfekte Publikum. Ich höre zu, und ich staune. Zwar nur kurz, aber vernehmlich.

DYNAMIK UNTERSCHIEDLICH INTERPRETIERT
Bitte?
Wer soll denn den ganzen Unsinn eigentlich interpretieren, wenn man doch sofort SEHEN kann, wie ein Mann es FÜHLT. Adaptives Fahrwerk, TwinPower Turbo Motor (solange es sich nicht um TwinTower handelt, soll es mir recht sein) Efficient Dynamics (wer kennt schon den Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität?​) Auto Start Stop Funktion (was mich mal wahnsinnig macht an einer Ampel), Bremsenergierückgewinnung (klingt wie nach Gold zu schürfen), 8-Gang-Sport-Automatik mit Launch Control (hört sich schwer nach einem super Abendessen an) und Aerodynamik (das muss ja immer sein. Schon seit dem VW Käfer redet man darüber).

Alles ist mir recht, wenn man Gatte nur so grinst. Es ist echt süß. Seine Oberlippe biegt sich dann leicht nach unten. Kaum zu erkennen. Aber das ist der Unterschied zum Normalmodus. Ich bin zufrieden und sortiere meine Beine und meine Handtasche ganz nach dem Raumangebot, das mir auf meiner Seite bleibt.

Dann kommt es!
Mein Gatte flüstert: „Hör mal!​“ Dann drückt er ein unscheinbares Knöpfchen.

Es macht tatsächlich dieses aufwallende Wummwuuuuuuuuuuuuuummmmmm.

Wie das?
Es ist das Knöpfchen zum Austricksen der Automatik.

Sinnvoll?
Im Leben nicht.

Freudvoll?
Aber ganz klar.

Geräusche eines Raumschiffs. Da staunen die herumeiernden Astro- und Kosmonauten aber nicht schlecht.

Ich aber sage nur: „Captain, bringen Sie uns nach Hause.​“

Und er macht: Wummwuuuuuuuuuuuuuummmmmm.


In diesem weihnachtlichen Sinn
Die Raumgleiterin


Für Jungs: 3,​0 Liter, 6 Zylinder, Länge: 4,​62 Meter, Breite: 1,​81 Meter (2,​03 Meter mit Außenspiegeln),
Höhe: 1,​43 Meter, Radstand: 2,​81 Meter, Kofferraumvolumen: 495 – 1.​500 Liter 3,​0-Liter-R6-Diesel; 190 kW/​258 PS, maximales Drehmoment: 560 Newtonmeter bei 1.​500 – 3.​000 U/​min, 0-100 km/​h: 5,​6 s, Vmax: 250 km/​h (abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: 5,​1 Liter je 100 Kilometer,
CO2-Ausstoß: 135 g/​km, Effizienzklasse: A, Testverbrauch: 7,​2 Liter

Redakteur



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