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06. November 2017, 10:08

Vom Backen und anderen Lebenswichtigkeiten

Hallo Mädels,

wenn es Euch noch nicht so recht weihnachtlich um die dekorierten Herzkammern ist, dann wird dieser Text Abhilfe leisten. Er handelt vom Plätzchenbacken.

Es sind genau diese Momente, bei denen ich unweigerlich an meine Mutter denken muss, wie sie damals meine neugierige Anwesenheit beim Backen ertrug und den größtmöglichen Schaden vom Gebackenen fernhalten konnte. Ich hing regelmäßig halb über dem Tisch, um alle Rühraktivitäten genau im Blick zu behalten.
Meine Mutter war stets ruhig und souverän in der orangefarbenen Küche. Ich liebte das an ihr und in mir manifestierte sich daher der sichere Gedanke, Mütter können alles.

Meine Mutter konnte Eigelb vom Eiweiß trennen und gleichzeitig mit einem Fuß die Schranktür, die heute noch so typisch knarrt, zuschubsen. Sie konnte Vanille- und Rumaromafläschchen öffnen, ohne dass die Dinger im hohen Bogen durch die Luft wirbelten. Sie konnte schaumige Cremefüllungen, klebrige Marmeladenplätzchen und sowieso die besten Weihnachtsplätzchen von der ganzen Welt. In S – aber auch in O-Formen. Und geriffelt.

Sie konnte Frankfurter Kranz.

Wenn sie Backpapier abriss, blieb sie in den Schultern locker, sie hatte dabei stets im Blick, wenn die Nachbarn am Küchenfenster vorbeigingen, und wo sie vermutlich gerade herkamen.
Das damals neumodische Backpapier, das lange Zeit bei echten Hausfrauen noch als Tipp hinter vorgehaltener Hand gehandelt wurde, machte ein sattes Ratsch und zeigte eine gerade, perfekte Schnittkante.

Wenn ich das mache, habe ich Streifenpapier.

Sie hatte schöne, weiche, aber ganz starke Hände und konnte selbst solchen Teig mit einer Hand kneten, bei dem heute mein elektrisches Rührgerät streikt. Sie trug dabei ihren Ehering, der durch die begehrte Masse vorwitzig durchblinkte.
Man findet Mütterhände wohl immer schön, sind es doch die Hände der Person, die einen als Baby gewickelt, gepudert, gefüttert und einem diese widerlichen Bauchschmerzen weggestreichelt hatte.

Das Oetkerbackbuch war an den Stellen, wo unsere Lieblingsrezepte standen, leicht gesprenkelt.
Doch erst mit dem handgeschriebenen Backbuch aus Zeiten, die meine Mutter in Hauswirtschaftskursen durchlebte, wurde es wirklich weihnachtlich.
Spritzgebäck. Kokoshaufen, Schwarzweißgebäck.
Alle Hausbewohner kamen bei aufsteigenden, verlockenden Düften zufällig vorbei, auch gerne alle fünf Minuten, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen, wenn es ans Töpfeauslecken ging.
Meine Mutter reichte ohne Widerspruch die Rührschüssel rum und eine etwas angespannte Atmosphäre erfüllte den Raum, wenn jeder Familienangehöriger den anderen im Blick hielt, damit ja nicht einer zu viel herausleckte.

Der Ofen wurde vorgeheizt und surrte vertrauensvoll, wie es Frauen wünschen. Die Spülmaschine surrte gleich eilig hinterher.
Sie räumte alles getreulich auf. Dort, wo eben der Teig ausgerollt und mit Förmchen erstochen wurde und wo es nun aussieht, wie bei Oetkers unterm Sofa, wischte sie elegant rüber, wieder mit dem Blick aus dem Küchenfenster.

Sauberkeit erstrahlte. Gemütlich war es immer.

Dann sagte sie, was für mich das Zeichen war, heute wird nichts mehr gebacken:

"Ich hab Hunger auf was Herzhaftes."

Und machte sich ein Brötchen mit Salami, da biss sie dann rein, während das ganze Haus erfüllt war vom Weihnachtsduft, der süßer nicht sein konnte.


Ich lache immer bei dieser Erinnerung.
Warum?
Ganz klar, ich esse dab meist gerade selbst mein Salamibrötchen zuende.

Schönen November!

In diesem Sinne
Die kleine Mutter

Redakteur




26. Oktober 2017, 07:08

Aufklärender Text über Möpse


Hallo Mädels,

als ich jüngst mal wieder ein Foto über WhattsApp bekam und in so freudige Ausrufe ausbrach wie: Oh....süß...oh...​niiiiieeeedlich!" war mein Gatte extrem amüsiert.
Aber nicht etwa, weil er meine Tierliebe unterstützt. Aber nicht doch. Sein Humor ist manchmal sehr suptil...
Auf den Fotos waren nämlich die kleinen Hunde meiner Schwester zu sehen. Senden tut mir die Fotos meine Nichte.

Und als Gatte frug: "Was ist denn auf den Fotos so Süßes?" sagte ich (die ich gerne mal das Denken weglasse): "Möpse! Total süß!"
Er lachte so schallend, dass er zu keiner Replik fähig war.

Im Nachhinein war mir klar, dass das eindeutig ein Thema ist, was ich sowohl textlich als auch textil einfangen müsste und trollte mich zu meinem Schreibtisch.

Das Thema Mops, Möpse und andere erhebende Liebhabereien finden viele Männer und auch ein paar Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen interessant.
Zunächst aber sei bemerkt, es gibt ganz schön viele Möpse.
Selbst der große, verehrungswürdige Loriot sprach zu seiner Gemeinde: Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.

Ich habe Schwierigkeiten mit diesem zweideutig eindeutigen Themenkreis, obwohl ich selber mitsamt meinen X-Chromosomen eine Betroffene bin.
Aber ich habe nun mal keine Haustiere.
Um mich diesem griffigen Sachverhalt zu nähern, musste ich erst eine Bestandsaufnahme machen: Da gibt es allerlei Damen mit Mops-Hintergrund. Dolly Parton zum Beispiel. So manche frontal gut ausgestattete Dame trägt, obwohl der Mops ein anerkannter, englischer, reinrassiger Begleiter ist, ihre Doppelmopsfraktion textiloffen mit sich herum, während das dazugehörige Hirn meist Platz in dem Einkaufswagenchip-Seitentäschchen hat.

Ich sage dazu nur: Leinenzwang! Dann geht die lange Leitung in Ordnung.

Natürlich kann auch eine Frau einem guten, freilaufenden Mops etwas abgewinnen. Aber wahrscheinlich gilt da das Interesse eher der umschlingenden oder wenig verdeckenden Textilie als dem Innenleben, dem baren Mops sozusagen. Und ebenso wahrscheinlich ist es eher die Frau, die sich bei der Mops-Sichtung überlegt, ob es sich hierbei um einen Naturmops oder einen Mopshybriden handelt.

Mann und Frau.
Menschen mit unterschiedlichem Mops-Hintergrund.
Aber wir sind vereint in der Tierliebe, nicht wahr?

Eheliches Lachen erntete ich, als ich zu meinem Gatten sagte, ein Mops wäre kein abendfüllendes Thema. Irgendwie überredete er mich, eine beweisführende Versuchsanordnung zu testen und, sagen wir mal, eher wenig zu hinterfragen.
Doch mein Standpunkt bleibt auch am folgenden Morgen derselbe.
Der Mops eignet sich kaum für einen anspruchsvollen, erhebenden Mädelstext. Und als Diskussionsthema zu fortgeschrittener Stunde finden in der Regel nur Männer das Thema erhebend...

Summa summarum sind Möpse gesellig, weich, samtig, zutraulich, bisweilen bissig, verschlafen und können sehr vorwitzig aus ihren Körbchen springen.
Eine gute Mops-Doku habe ich bisher nicht gesehen. Kein Mare-TV mit Mops und ebenfalls keine Mops-Sichtung bei den Wettervorhersagen, selbst wenn von heranziehender, feuchter Wärme mit Hurrikan-Namen Uschi die Rede ist.

Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes kommen seit Beginn der Aufzeichnungen ohne Möpsewarnungen aus.
Wer den Möpsen ihre Namen gibt, weiß niemand.


Im Nachgang will ich sagen, das Thema Möpse eignet sich doch nicht für einen Text.
Ich überlege daher was mit Muschis zu machen. Oder ist das zu katzig?


In diesem Sinne
Die Tierärztin

Redakteur




23. Oktober 2017, 11:06

Krimi mit zweifelhaften Fußnoten

Hallo Mädels,

ein Ehemann ist ein dicklicher Raum voller Wunder. Er liest schnell und verbraucht Unmengen Bücher und das seltsamste dabei ist, er schnipst beim Lesen mit den Füssen.
Machen das Eure Männer auch?
In der Nachbarschaft versicherte man mir, dass Mit-den-Füssen-Schnipsen eine sehr verbreitete Eigenschaft von lesenden Ehegatten sei.
Das westeuropäische wie auch das asiatische Fußschnipsen ist durchaus eine Kunst. Dabei reibt der dicke Zeh (der bei uns früher der große Bockermann hieß – in Asien aber anders) an dem nebenliegenden langen, dünnen Zeh. Das macht dann ein leises Schnips, nicht so laut wie mit den Fingern, aber hier macht die Quantität die Qualität vergessen.

Schnips, schnips, schnips.

Da ich selber selten die Fachrichtung, die mein Mann als Lesestoff im Bett bevorzugt, (Sportzeitungen mit Leistungsberichten und Tabellen über BMW-Motoren) als besonders lesenswert einstufe, kann ich nicht nachvollziehen, ob das Fußschnipsen bedeutet: Oh, hier ist es aber gerade sehr spannend!
Hinzukommt, dass mein Ehemann besonders gerne Krimis liest. Ihr wisst schon, die mit dem vielen Blut!
Ich finde Krimis ekelig. Der Tod ist ja schon traurig genug. Warum dann auch noch drüber lesen? Und dann grausam und bewusst herbei geführte Todesfälle! Da bestellt sich selten einer einen Coffee to Go.
Der Trend scheint dahin zu gehen, dass man dauernd auf exzessive Serienmörder trifft, die als Tagespensum ganze Kleinstädte dahinmetzeln. Man muss filmisch mitgehen in die Pathologie und dort einen Kollegen treffen, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Augäpfel in Scheiben zu schneiden, den kehlkopf zu sezieren, das Hirn nach etwaigen Schädeltrümmern zu durchkneten um dann im Muskelgewebe des Allerwertesten eine geheime Botschaft eintätowiert zu finden. Endlich kommt der schlechtgelaunte Inspektor, der in Scheidung lebt und als moralischen Tiefpunkt zu spät zum töchterlichen Flötenkonzert Der Markt von Gödöllö (eine Komposition von Bela Bartok) kommt. Seine Tochter sitzt auf der Bühne und heult sich die Augen aus und verspielt sich dann prompt bei dem von ihr als Solo vorgetragenen Stück Malkyshay, ein tragisches Indianerlied für Holzblocktrommel und Kuhglocke.
Ganz ehrlich. Das kann man ja gerne in einer Fachzeitung für Proktologie veröffentlichen, aber doch nicht abends im Bett! Und dann noch mit dieser Fußnote.

Schnips, schnips, schnips.

Ich schaffe es kaum, einen Thriller durchzuhalten. Sie rauben mir den Schlaf. Abgesehen davon, kann ich den abschließenden Beweisführungen nicht folgen, weil ich die Hälfte der Beweise und Indizien schlichtweg überlesen habe.
Und natürlich tut mir auch die Tochter vom Inspektor leid, weil ihr Papa nun ihren flötistischen Patzer auf seine digitale Kamera (zwar verwackelt und nur von ganz hinten) für immer und ewig dokumentiert hat. Mein Mann muss mir dann hinterher alles erklären.

Schnips, schnips, schnips.

Fußnoten werde ich ab jetzt immer überhören. Ich komme sonst ja zu nix.


In diesem Sinne
Das Alibi

Redakteur




05. Oktober 2017, 08:23

Schule, Eltern und Lehrer. Und Hausaufgaben. Und irgendwas mit doof.

Hallo Mädels,

neulich las ich:
"Angela fand guten Kontakt zu ihren Mitschülern. Sie bemühte sich, ihren Lehrern zuzuhören. Angela beteiligt sich lebhaft am Unterricht. Sie schreibt langsam und lesbar. Sie versucht, selbständig zu arbeiten."

Dieser hochinteressante Text stammt aus dem Jahr 1977. Kenntnis genommen hat eine mit liebgewonnene, weiche Frauenhandschrift, die sich später unter jedem Zeugnis und unter jedem (missglücktem) Diktat finden würde. Die Themenbereiche auf oben angedeutetem handschriftlich verfassten Hinweiszettel umfassten die Bereiche
Sozialverhalten,
Arbeitsverhalten und
Hinweise zu Lernbereichen. Darunter ein hübsches Stempelchen mit Bielefelds Wappen.
Richtig. Das ist ein Auszug aus meinem ersten Zeugnis. Beschämt merke ich, dass schon immer Sozialzeugs wichtig war, nur heißt es jetzt Sozialkompetenz.

Schule ist im Grunde ein faszinierendes Thema und ich nähere mich diesem mit aller gebotenen Demut. Draufhauen ist nicht glückselig machend, aber so richtig den Kopf heben mag ich auch nicht. Früher war es so, beim Abfragen der Hausaufgaben war immer der dran, der den Lehrer zuerst anguckte. Streber fixieren ihre Lehrer übrigens andauernd- auch auf dem Flur!
Daran magst du sie erkennen, Sterblicher!

Viel geändert hat sich nichts.
Der Schüler ist genauso frech und genauso am Arsch wie früher...

Neulich fragte mein Sohn, wie er seine Hausaufgaben machen sollte. Es waren irgendwie ziemlich haarige Aufgaben der 8. Klassem und er sollte die Ergebnisse in einem optisch anspruchsvollen Muster aufschreiben.
Ich erkannte das Muster, aber nicht den Sinn.
Oft steht als Lösungshilfe daneben, man könnte jemandem fragen oder im Internet googeln. Meine Kinder sind wirklich wahre Weltmeister (siehe hier: www) im Googles. Letztens haben sie ein Bratapfelrezept gefunden und meinen Vater verdonnert, das beim nächsten Freigang abzuarbeiten.

Mein Sohn ist immer genervt und seufzt lange, wenn ich was erkläre, weil er meint, ich würde zu weit ausholen (neulich erklärte ich den Ausdruck Fifty-Fifty mit einem Crashkurs Prozentrechnung).
Meist jedoch verstehe ich die Aufgaben gar nicht erst. Vor allem in Deutsch, was mir jetzt aber klar wird, nachdem ich mein eigenes Zeugnis vor Augen habe:

"Angela bemüht sich, einen unbekannten Text zu lesen, zu erfassen und wiederzugeben."
Der krasse Unterschied von 2017 zu 1977 ist: Wenn Schüler heute "bemühen", sind die Lehrer schon weltumfassend dankbar.
1977 jedoch war es eine andere Formulierung für: Seltendämlich.
Was aber so geblieben ist: guter Unterricht benötigt immer noch einen guten Lehrer.

Ich bin mir nicht sicher, welche Partei ich ergreifen soll. Für Lehrer oder gegen Lehrer. Was dazwischen gibt es nicht.

Manchml könnte ich die Lehrer beißen. Aber nicht zu knapp. Manchmal bin ich dankbar, dass sie ihren Job machen.

Einige meiner engsten Familienangehörigen sind Lehrer. Oder gewesen. Sie sind tatsächlich erstaunlich lebenstauglich, nett, klug und witzig.
Es ist schwierig eine Berufsgruppenbeleidigung wortgewaltig zu Papier zu bringen, wenn man offenbar die wenigen Ausnahmen zufällig in der eigenen Familie beherbergt und eine Blutsverwandtschaft definitiv nicht zu leugnen ist.

Ich bin also ratlos.

Aber ab und zu finde ich Schule einfach doof.


In diesem Sinne
Abi 19hundertnochwas

Redakteur




18. September 2017, 08:38

IAA oder BMW mit Duschgriff

Hallo Mädels,

lange habe ich Euch nichts mehr von unserem Freund, dem BMW erzählt.
Er ist weiß, er ist groß, und er ist schweigsam. Aus meiner Sicht ist er ein nützlicher Gegenstand, aus der Sicht meines Gatten ist er ein Familienmitglied.
Mit mir redet dieses Familienmitglied übrigens nicht, nur mit meinem Gatten, der sich selbst für einen BMW-Flüsterer hält und sofort spürt, was sein Liebling braucht.

Und so beschloß mein Herr und Gebieter, unserem Auto was zu gönnen.
Wisst Ihr, was eine Domstrebe ist?
Nein?
Ich sag es mal so: Das ist ein Duschgriff in der Motorhaube. Ja, genau. Klingt merkwürdig. Ist es auch. Mein Gatte erwarb ihn und baute ihn ein.

Soweit so gut. Er kann generell einbauen was er will, meinetwegen auch den FLUXKOMPENSATOR aus "Zurück in die Zukunft", wenn er bitte bloß heil und gesund mit dem Auto nach seinen Fahrten heim kommt.
Die größte Autoblödsinn-Brutstätte nennt sich IAA.

Nach einem IAA Besuch wollte Gatte aus seinem Einbau ein gesellschaftliches Highlight generieren. „Wir werden nun den Raum krümmen!“ kündigt mein Gatte unsere Testfahrt ergriffen an.

„Nochmal zum Mitschreiben,“ beginne ich und merke sogleich, dass ich mich bereits in Talfahrt auf unwiedergutmachbare Blasphemie befinde. Denn ich traue diesem merkwürdigen Einbauteil nicht. „Du hast ein Carbon-Dings vorne in die Motorhaube geschraubt und davon wird dein Auto schneller?“

„Du kannst Fragen stellen!“ Er scheint entrüstet und zieht für die Testfahrt seine Lieblingsjogginghose an. Ich verdrehe die Augen.

„Wenn das so wichtig ist, warum wird das Ding nicht gleich von BMW eingebaut?

Man bedeutet mir von allen Seiten (seine Söhne sind SELBSTVERSTÄNDLICH seiner Meinung!) , ich solle nun den Mund halten. Was ich tue, denn kurz, nachdem der Wagen die Garage verließ, hörten wir:

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Äh, was ist das?“ Breche ich das Schweigegebot.

„Nix, nix!“

Zwei Kilometer in mäßigem Tempo begleitet uns das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Da ist doch was?“ Ich wieder.

„Nix, nix!“

Zwei weitere Kilometer in mäßigem Tempo und immer noch das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Meine Ohren summen schon!“ meckere ich.

Weitere Kilometer in mäßigem Tempo. Die Geräuschkulisse bleibt.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Hat das was mit dieser neuen Kirchenspeiche zu tun?“ Erkundige ich mich schnippisch.

„Domstrebe, es heißt DOMSTREBE!“

„Sag ich ja. Hat es damit zu tun?“

„Öh.“ Er schaltet. Was immer wieder faszinierend ist, weil wir ja eigentlich einen Automatikwagen haben.

„Das heißt: Ja?“ Ich lasse nicht locker.

„Äh, warte, gleich sind wir auf der Autobahn.“ Und tatsächlich. Wir erreichen die leere Autobahn. Gatte beschleunigt kaum merklich und jubelt schließlich. „Schau! Bei dieser Geschwindigkeit ist das Geräusch weg! Und wie er nun fährt! Wie sich das anfühlt.“

...

Nun ja.
Liebe Mädels, ich will hier mal für Euch ein Resümee ziehen:

a) dieser Duschgriff ist aus Carbon, einem industriell hergestellten Werkstoff aus kohlenstoffhaltigen Ausgangsmaterialien
b) schweineteuer
und
c) das Ding macht Geräusche bei normaler Stadtgeschwindigkeit.

Bitte?

Und NEIN!
Nein, es überzeugt mich nicht, dass das Geräusch irgendwann aufhört.

Wir sind dann mit dem Ding zum örtlichen BMW-Händler gefahren, der uns das Tocken wieder rausbaute. Nun fahren wir mit Duschgriff zum Einkaufen. Hurra (Augenverdreh). Was tut man nicht alles, damit unsere Helden sich gut fühlen...


In diesem Sinne
Die Beifahrerin

Redakteur




16. August 2017, 08:38

Heute hätte meine Mama Geburtstag


Hallo Mama,

vermisse Dich.

Deine Kleine





Redakteur




03. August 2017, 10:17

Hätte ich es doch besser ganz gelassen!

Hallo Mädels,

hätte ich es mal gelassen...

Ich besuche einen alten Freund von mir. Er ist mittlerweile verheiratet. Na, da dachte ich: Das ist doch mal spannend, das sehe ich mir an.
Da stehe ich also: Adrett gekleidet, aber nicht zu sexy (er ist ja verheiratet).
Ich drücke ihm einen Sechserpack Bier und einen fetten Aufkleber seines Lieblingsvereins in den Arm. Nicht eingepackt, denn deswegen haben wir Frauen ja auch männliche Freunde, da kann man sich das Gedöns mal sparen.
Er steht grinsend und etwas verloren in der Tür seines kleinen, weißgetünchten Reihenhauses.
Ein selbstgemachten Türschild (Kind scheint schon in die erste Klasse zu gehen? Keine künstlerische Ader zu erkennen), ein Topf mit Buchsbaum-Grünzeug und einem glupschäugigen Frosch davor, ein Fußabtreter der offensichtlich dem Hausmeister von Hogwarts geklaut wurde und als absoluter Knaller ein lustig-aggressives Klebeschildchen am Briefkasten, das andeutet, man bekäme die Kauleiste umstrukturiert, wenn man hier Werbung oder kostenlose Zeitung einwürfe.

Hätte ich das mit dem Besuch doch besser gelassen...

Das lahme Bimbam der Türschelle hallt noch nach, da ertönt Hausschlappengetrappel, weil sein Weib auf uns zustürmt.
Hi.
Hi.
Er ist alt geworden. Auch etwas dick. Daneben eine blonde Ex-Schönheit, die mit strenger Miene und einem zerwuschelten Kräuterstrunk in der Hand andeutet, dass ich eigentlich zu früh bin. Mein Freund ist also doch noch ein verantwortungsvoller, berufstätiger Sesselpuper geworden.
Selbstredend scheinen beide nicht zu wissen, was man mit einem Sixpack Bier anfängt und was das für ein Verein ist, von dem ich den riesigen Aufkleber dabei hab.
Ich darf reinkommen, wenn ich verspreche augenblicklich mein Schuhwerk loszuwerden.
Ich sehe mich um, während ich in Filzpantoffel schlüpfe, die man mir hinhält. Er hat restlos all seine schönen, jungenhaften Hobbys abgelegt, um etwas zu tun, was seiner Altersklasse entspricht, Golf spielen zum Beispiel oder Rosen züchten. Oder Kreisverbandvorsitzender der örtlichen Igelpflege zu werden.

Kein Fußballstar? Kein Astronaut? Nicht mal Lokführer als Aushilfe?

Bin ich auch so geworden, frage ich mich, innerlich kreischend?
Wo ich meine Kinder gelassen hätte. Äh, die sind schon so groß, die sind zuhause geblieben. Spielen Nintendo oder so was.

...hätte ich das doch nur nie gesagt. Mir wird ein gefühlt dreistündiger Vortrag gehalten, wie schlecht das sei.
Ach ja? Und hier sitzen und sich angucken, was aus einem fröhlichen Bengel geworden ist, ist besser???

Mein Freund von damals kann offensichtlich plötzlich richtig gut kochen, sie haben eine riesige Küche (die aber erstaunlich unbenutzt aussieht) und eine einsame Kochinsel, dazu alle gesunden Säfte parat, die man als perfekter Gastgeber haben sollte. Sie trinken das Bier nicht mehr aus der Flasche, sie trinken überhaupt kein Bier mehr – wegen der Figur und essen keine Erdnüsse sondern nur noch Makadamianüsse. Aber nur wenige, weil sie ja morgen wieder Marathon laufen müssen oder Segeln. Oder den Rasen mähen.

Die Ausrüstung zu ihren zahlreichen Freizeitaktivitäten muss ich an den Fotos ablesen, die da hängen und den Rest gleich an der Garderobe bewundern. Funktionskleidung, Steigeisen, Reitgerte, Pulsmesser und Isotonischer Drink in Aluflasche.
Mein Freund zeigt mir dann SEIN Haus, das er selbstredend quasi alleine gebaut hat. SIE redet von ihrem Haus, ER von seinem. Es klingt, als haben sie zwei.

Alle meine Freunde scheinen Häuser zu haben oder just gerade zu bauen.
Die, die es nicht getan haben, werden es aber bald tun, zumindest sind sie alle da weggezogen, wo wir uns früher als Freunde trafen, wo Löcher in den Wänden lustig waren und kaputte Stühle noch Charme hatten. Wo man auf Küchenhockern im Garten saß und mit den Füßen im Unkraut wuschelte.

Als vintage echt alt und von Oma war.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, warum mir mein Freund auch den Keller zeigt. Auch die tolle Heizung, die eigentlich nur aussieht wie ein Kühlschrank ohne Tür. Ach. Sie haben eine Sauna, sogar eine Andeutung von einem Sportraum, sogar ein Weinregal, oben noch zwei Kinderzimmer (für ein Kind?) und einen ausgebauten Dachboden.
Draußen haben sie einen chinesischen Entspannungsgarten, darin Teiche, die mir lebensgefährlich tief erscheinen und von viel Arbeit künden. Sie haben Kiesauffahrten zu ihren Doppel- oder Trippelgaragen, die langweilig und gefegt aussehen, aber eine lustige Entstehungsgeschichte haben, die ich mir gerne anhören würde. Die mir aber keiner erzählt, weil man sich dabei ja dreckig gemacht hatte.
Und sie haben den sogenannten „Vertikalschotter“. Also diese Gitter-Kästen mit den dicken Steinen drin. Was, im Himmel, reitet die Leute, sich so einen Mist als Gartenbegrenzung hinzustellen? Es sieht aus wie aus alten Wehrmachtsbeständen, während man Berlin verteidigte…
Erfolglos übrigens.

Die Frau von meinem Freund ist übrigens eine völlig andere als damals. Sie sieht der „Alten“ allerdings so ähnlich, dass ich zweimal von einer Geschichte von damals anfange, die ich besser nicht erzählen sollte...
Man darf einfach nicht davon reden, wie man früher glücklich war, wie man gefeiert hat, wie man Urlaub machte zusammen oder gemeinsam unglücklich verliebt war? Darf man die Ex erwähnen? Darf man seinen eigenen Ex erwähnen? Wird der Ex vielleicht von ihnen erwähnt?

Meine Freunde steht nicht mehr auf Fußball sondern total auf Niedrigenergie-Häuser. Er ist nicht mehr wiederzuerkennen, total ordentlich, hat viele Kochbücher und Tütensuppen in den Regalen, Kissen auf dem Sofa und Tischdecken auf dem Tisch. Er benutzt Fußmatten, hat Schuhspanner in seinen Schuhen, auf dem Klo findet man Raumsprayflaschen und aus Hotels geklaute Seifen.

Ich setze mich in die Sofalandschaft und lehne einen Smoothie ab und frage nach dem Bier, weil ich denke, das trinkt sonst eh niemand. Fast ein bisschen erschöpft.
Betont entspannt sitzen wir drei uns fast gegenüber und gehen im Geiste panisch die Themen durch, die dem anderen vielleicht nicht peinlich sind, aber wir sind so verunsichert, dass wir nur noch grübeln und schweigen.
Und noch mehr schweigen.
Wann sagt endlich einer was?
Hilfe!

Dann sagt SIE: Ach, Angie du schreibst ja jetzt, hat ER mir erzählt. Und wie ist das so? Ich habe leider noch keins deiner Bücher gelesen. Ich lese ja so was nicht, nur Krimis.
(Ich hasse es, wenn das einer sagt. Zum einen, weil ich es echt schade finde (so locker bin ich nun nicht, dass es mir egal wäre) und zum anderen, weil es immer so klingt, als hätte ich jemanden zum Lesen gezwungen).
Ich nicke, gute Laune vortäuschend und frage dann nach ihrem Beruf und ihrer reich bebilderten Freizeit.

Hätte ich es mal besser nicht getan!

Mein Freund plus sein blondes Gesichtswunder haben natürlich ausgesucht tolle Jobs: Eine Mischung aus: Banker, Anwälte. Architekten, Abteilungsleiter, Immobilienmakler, Börsenmakler, Immobilienmagnat, Politiker, Veranstaltungsplaner, Ärzte, Werbetexter, Schauspieler, Regisseure, Könige.
Nun erzählt der Freund ausgiebig von den Vorteilen seines Job (macht dabei aber ein erschreckend unglückliches Gesicht), die Frau an seiner Seite (bei der jede Gesichtserkennungstechnik augenblicklich sich selbst in die Geschlossene einweisen würde) erzählt anschließend unaufgefordert von ihrem Halbtagsjob (wegen des Kindes, das nirgends zu sehen ist) und dann direkt vom letzten Urlaub.

Bloß keine Schweigepause aufkommen lassen!
Vielleicht kommt dann der Garten dran oder die Einbauküche.
Photos guckt man sich glücklicherweise nicht mehr an, denn Handys machen Digitalphotos, die auf den kleinen Bildschirmen so gar nicht das wahre Flair der Sonnenuntergänge und Wasserfällen wiedergeben.

Als ich aus meinem langen Albtraum schließlich nach Hause komme, stelle ich fest, dass sich mein Freund völlig geändert hat.
Ich mich auch? Echt?
Ich stelle mich vor den Spiegel. Tatsächlich. Ich bin auch alt.
Aber immerhin hat mein Freund mit mir alle sechs Dosen ausgetrunken. Hicks. Da finde ich meine Falten doch eher lustig.


Was wohl seine Frau morgen früh sagt, wenn sie sieht, dass wir dem Frosch vor der Tür ein Hitlerbärtchen angemalt haben und mein Kumpel Fangesänge absingend in den Buchsbaumtopf gepinkelt hat?


In diesem Sinne
Die alte Freundin

Redakteur




30. Juni 2017, 08:50

Zeugnisablegen in Hessen (heute gibt es Schulzeugnisse)

Hallo Mädels,

heute werden meine Kinder mit einer öffentlichen Urkunde nach Hause kommen. Auf diesem Zettel befinden sich die ein Jahr mit riesigen Aufwand erarbeiteten, wortkargen Beurteilungen des mündlichen wie schriftlichen Leistungsstandes.

Richtig. Es gibt Schulzeugnisse in Hessen.

Zeugnis kommt offensichtlich von Zeugen, denn es ist alter Brauch, dass gerade die Erzeuger der eignen Brut sich nicht nur am erstauntesten sondern auch plötzlich als die engagiertesten Zeugnisbetrachter zeigen.

Oh, wie ich das hasse!

Es ist ja nun nicht so, dass ich als Mutter völlig überrascht bin von den Noten. Ich habe mich ein Jahr mit meinem Kind durch diese Klasse geschleppt. Wir haben zusammen gejammert, gezetert, aber auch überlegt, was man lernen kann, wie man lernen kann und wie man eine mittelschwere Katastrophe im Zensurenbereich als das sehen muss, was es ist: Eine blöde Zahl auf einem geduldigen Papier.
Ich habe gebangt, gezittert, mich geärgert, ermahnt und gelobt. Will sagen, ich habe alles gegeben, ohne allzu uncool rüber zu kommen und meinem Kind nicht komplett die Luft und den Platz für eigene Fehler zu nehmen.

Was genau soll ich auch anderes tun? Dem Kind alle Freizeit nehmen? Oder mich gar mit in den Unterricht setzen und ihm immer ins Ohr zischeln: Nun melde dich! Sag was! Tu was!

Zum Glück ist das nicht möglich - da ist nicht nur das Kind erleichtert!

Zeugnis.
Nach Abzug aller hochfliegenden Erwartungen und einer rigiden Anpassungen der mütterlichen Träume an die sohnige Wirklichkeit bin ich letztendlich zufrieden.
Ja. Doch.
Ich sehe mein Kind ja auch etwas anders, als es auf dem DIN A 4 Bogen Papier mit dem Wappen und den Schnörkeln beschrieben wird. Ich weiß um seine Witzigkeit und Schlagfertigkeit, bewundere seinen Humor, sein Lachen, seine Sportlichkeit. Und wenn auch seine Kenntnis über die hunderttausend Fahrzeugtypen dieser Welt ihn in keinem Schulfach der Welt weiterbringen – ich weiß, dass er das kann! Und er kann auch alle Werbespot der Welt nachsprechen, kennt eine erstaunliche Anzahl cooler YouTuber mit Namen und kann herrlich seinen Deutschlehrer nachmachen (was nicht bedeutet, dass er dem Unterrichtsinhalt dabei viel Bedeutung beimisst).

Meine Freundin sagt immer: Alles wird gut. Nur die Ruhe. Hauptsache versetzt!

Und dann kommt der Gatte.
-Warum hätte es hier nicht eine Note besser sein können, warum hier nicht auch und dort?
-Hallo? Guck doch hin, Mann, unten drunter steht dick und fett: Versetzt! Was will man mehr? Und nicht mal knapp sondern ganz sauber. Na, wenn es jetzt auch kein Zeugnis ist, was man sich rahmen will, was soll da noch kommen? Dieses Zeugnis interessiert – bitte alle Lehrer mal weghören gerade – KEINE SAU mehr.
Falsch. Es interessiert den Chef der Sippe. Den Vater. Oh oh. Mal schnell die Ohren anlegen. Jetzt kommt eine Grundsatzrede zum Arbeitsmarkt und zu Ausbildung und Wissensvorsprung.
Da donnert der Herr der real existierenden, solzialistischen Supernoten durch die heimatliche Bildungsferne: -Und wer ist Schuld? Du, Weib!
Sein Gezeter nimmt schnell biblische Ausmaße an. Vor allem die Sache mit der Schuld der Frau.
Und dann der Kernsatz jeder Ehe:

WAS MACHST DU EIGENTLICH DEN GANZEN TAG?

Weibliche Augenverdrehungen folgen. Man muss als Mutter nicht nur Milde mit den pubertierenden Kindern walten lassen, sondern auch mit dem ergrauten Ehegatten, denn sonst würden die Frauen dieser Welt das Ehegattensplitting mal ganz unerwartet, ganz frisch und vor allem sehr körperlich neu interpretieren.

-Bitte, Schatz? Wie war das?
-Ja, guck doch mal. Hier und hier! Da musst du dem Jungen mehr helfen! Du verhätschelst ihn ja den ganzen Tag!
-Äh, was denn nun? Mehr helfen oder nicht verhätscheln? Was ist das denn für eine Zielangabe? Jedes Navigationssystem würde jetzt platzen!
- Mach es richtig! Sag dem Jungen, wo es lang geht!
-Bitte? Ich? Dem Jungen, der neben dir steht, das Pubertier? Der Junge, den ich als Mutter gerade mit aller Vorsicht zu vermitteln suche, dass
a) Erwachsene eben keine leistungsorientierten Kotzbrocken,
b) die Welt kein grausamer, ignoranter Ort,
c) nicht alles uncool ist,
d) Lehrer und Schule nicht das ganze Leben sind
e) und dass man Mama und Papa nicht in die Klappsmühle und bitte auch nicht auf den Mond senden sollte!
f) es Wissen in der Schule gibt, das vermittelt wird und wirklich, wirklich im Leben auch mal gebraucht wird?

Deeskalation ist jetzt wichtig. Dem Gatten bloß nicht das Gefühl geben, er habe mit diesem katastrophalen Blödsinn die eigene Partnerin gerade bis ins Mark erschüttert, sondern eher nur ganz leicht an der glänzenden Oberfläche gekratzt.
Einfach Weiterlächeln.
Als könnte man diesem starrsinnigen Irrsinn auch nur einen Gedanken schenken, dass Kinder zu einem festgesetzten Zeitpunkt fest gesetzte Leistungen in Perfektion abverlangen! Und gleichzeitig sei es völlig normal, dass wir Erwachsene von ihnen zusätzlich ERWARTEN, dass sie
a) Bestnoten haben
b) uns lieb haben,
c) unsere Fehler ignorieren,
d) uns bewundern, obwohl wir nichts wissen und nichts können.

Ach, und die Kinder sollen nebenbei auch noch toll aussehen, schlank, gesund sein und einen festen Charakter haben, tierlieb und technikbegeistert und einfach unsere süßen Kinder sein.

GEHT ES NOCH????

Luftholen. Runterkommen.
-Selbstverständlich Schatz. Das ist meine Schuld. Entschuldige. Für das nächste Zeugnis strenge ich mich besser an. Und nun sind Ferien, ja?

Da freut sich der Erzeuger des Zeugnisinhabers. Und nickt wohlwollend, während Mutti das Zeugnis ablegt, wo es nie wieder einer ansehen wird.



Na, dann sehen wir uns in einem Jahr wieder an diesem Punkt. Schöne Ferien auch.


In diesem Sinne
Die Zeugen Angies

Redakteur




23. Juni 2017, 07:45

Als Opel noch cool war

Hallo Mädels,

es gab eine Zeit, da war Opel noch cool. Mein Vater saß selbstverständlich am Lenkrad, das so dünn war wie eine Knackwurst. Das Auto war groß, bequem, stabil, einfach zum Cruisen, als man das Wort noch gar nicht kannte.

Richtig. Wir sind in den 80ern.

Kurz gesagt, wir sitzen jetzt in einem Gefährt, das nicht erkennen läßt, dass ein Opel mal aus der Mode kommen wird, weil es zu popelig sein würde.
Opel Rekord. Hellblau. Meien Mutter nannte es "schlüpferfarben", weil das man jemand zu ihr gesagt hatte und sie sich darüber aufregen konnte.
Wir gehörten der gehobenen Mittelschicht an. Familie mit drei und mehr Kinder.
Wir waren "und mehr".

Wir Kinder saßen hinten auf einer komplett ebenen Bank ohne Gurte, meine Mutter auf dem Beifahrersitz üb erden ein Lammfell gewürgt war. das erste Auto mit Radio. Der Beifahrer hatte genug Beinfreiheit, um auch eine Handtasche in Koffergröße abzustelenn und einem Handschuhfach, in das die Handschuhe aller Nationaltorhüter Europas seit Toni Schumacher gepasst hätten.

Meine Mutter hatte eine Shell-Straßenkarte auf den Knien. Keinen patentgefalteten Rotz aus dem Hause Falk! Eine ehrliche Karte, die aufgefaltet ihre ganze Pracht feilbot und dem Fahrer die Sicht nach vorne und hinten komplett abriegelte.

Sie sagte gelegentlich so Sachen wie: "Wo sind wir jetzt überhaupt?" oder "Mussten wir nicht hier rum?"
Dass heutige Navigationssysteme eine meist weibliche, mütterliche Stimme haben, hat ganz klar was damit zu tun, dass früher die Mütter das Leiten und Lenken übernommen hatten.

Gespräche über die verkehrstechnische Standortfrage waren für mich als Kind eher verwirrend. Auf die an meine Mutter gerichtete Frage meines Vaters, ob wir uns noch auf Kurs befänden, gab sie eher gedankenversunken zur Antwort, dass Willy Brandt ein Schwerenöter wäre oder ob Sue Ellen nicht unglaublich frech zu Miss Elly in der letzten Folge DALLAS gewesen war.
Ich kannte Willy Brandt nicht. Schon gar nicht privat. Und von Dallas kannte ich nur die Vorspannmusik. Blechbläser.

Mein Vater gab sich also mit einem Hinweisschild auf der Autobahn zufrieden, und meine Mutter wollte etwas Frischluft haben. Dazu musste man kurbeln.
"Obacht!" riefen wir Kinder von hinten, "dass bloß nicht die Karte davonfliegt!"
Da lächelte meine Mutter schelmisch.
"Die halte ich schon fest!" Und sie nahm die Karte, hielt sie aus dem kleinen Spalt hinaus in den Fahrtwind (der Opel bewegte sich auf der Autobahn in einer nicht unerheblichen Geschwindigkeit).

Und da war es schon passiert.

Es machte ein sattes Geräusch. Es klang ungefähr wie: FLUPP!
Und dann war sie fort. Die rote Karte mit der Muschel drauf.
Meine Mutter wurde hektisch. Sie schaute nach hinten und war ganz erschrocken von dem Unsinn, den sie da gerade gemacht hatte. Eine Karte weggeworfen! Die war doch noch gut!

"Wolfgang! Die Karte ist weg!" rief sie panisch. Und mein Vater, der das sicher mitbekommen hatte, sagte daraufhin so etwas wie: "Jo."
Er sagte nicht JA, er sagte JO. Vielleicht fügte er noch an: "Die ist jetzt weg. Da freut sich der Mann hinter uns."
Seine Wortwahl lässt auch heute, einige Jahrzehnte später, erkennen, dass ihn das nicht erstaunt hatte.

Offen bleibt für mich jedoch die Frage:
Warum sagen heutige Navigationssysteme, wenn ich sie anbrülle, weil ich mich trotz ihres verbalen Beistandes verfahren habe und das veflixte Ding aus dem Fenster werfen würde, wenn ich nicht fahren müsste (und es nicht eingebaut wäre), einfach mal: "Jo."

Das würde vieles vereinfachen.
Und wäre auch irgendwie beruhigend.

In diesem Sinne
Sie-haben-Ihr-Ziel-erreicht

Redakteur




04. Mai 2017, 07:46

Grinsen wir Gott in Frankreich

Hallo Mädels,

Kochen ist notwendig und Kochen macht sogar Spaß.
Wenn die Franzosen nicht gerade wählen müssen, kochen sie. Weil sie das Leben eigentlich lieben. Und auch mal gerne lächeln, wenn sie satt sind.

Leider habe ich zuhause mittags nur ein sehr spezielles Publikum mit einem sehr eingeschränkten Nahrungsbedarf zu bewirten. Während der Zweitgeborene alles isst, isst der Erstgeborene aufgrund einer damals unerfahrenen Mutter, die beim Breigeben panisch (Mein Sohn verhungert mir noch, wenn es den halben Liter Hippbrei nicht sofort verspachtelt!!!) dem Kleinkind eine unerfreuliche Stressmentalität anerzogen hat, nur: soßenlose Nudeln, Kaiserschmarrn, Pfannkuchen und SCHNITZEL (davon dann aber Kiloweise).

Und nun kommt der Knaller. Das Kind, das sich selbst auf Nullkommaeins-Diät gesetzt hat, weil es einfach nichts essen MAG, außer oben genannten Auswahlprodukten hat nun eine feste Klammer.

Eine feste Klammer!
Ihr wisst schon. Womit das Kind aussieht wie der Terminator persönlich.
Nun kann das Kind gar nichts mehr essen. PANIK!
Breiwese versuche ich Äpfel und ähnliches in ihn hinein zu schaufeln.
Wer auch immer mir nun sagt, das Lächeln, das das Kind mir später schenken wird, ist das wert, bei dem greift morgen die Zahnbürste ins Leere!!!

Oh, leidgeprüfte Mama...Klammern sind auch nur erfunden worden, um uns zum Wahnsinn zu treiben!

In diesem Sinne
Klammeraffe

Redakteur



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