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07. Juli 2016, 09:25

Berlin ist auch nichts anderes als Paris, nur nicht so französisch


Hallo Mädels,

damals, 1989, stand der Russe immerzu vor der Tür, und es gab samstags „Bonn direkt“. An bestimmten rheinländischen, gelben Ortseingangsschildern stand Bundeshauptstadt Bonn. Heute steht dort Bundesstadt.
Damals war nämlich Bonn Hauptstadt der BRD. Und diese um knapp 17 Millionen Einwohner ärmer.

1989. West-Berlin. Mit Mauer.
Meine Eltern hatten eine Busreise gebucht. Für sich und mich. Für die Fahrt kaufte mein Vater mir einen Roman und meine Mutter mir einen Reisepass, in dem keinesfalls ein Stempel von Amerika drin sein durfte. Letzteres ließ sich leicht bewerkstelligen, denn ich steige in kein Flugzeug.

Der Reisepass kostetet 60 DM. Ja, Mark. Ich brauchte das Ding nie wieder!

Auf dem Weg zum ersten Grenzposten wurden wir vom Busfahrer genau instruiert, dass wir keinesfalls die Grenzer ärgern sollten.
Einfach Ausweis hinhalten und Klappe halten.
Gott, war das gruselig, wie die durch den Bus gingen und uns alle stumm anstarrten.
Wir fuhren anschließend ohne Halt quer durch die DDR. Die Fahrbahndecke war gerillt und der ganze Bus machte unablässig „Tadamm Tadamm Tadamm...“.
Dann kamen wir in Berlin an. Da wieder Kontrolle, aber die westdeutschen Grenzer hatten irgendwie was anderes zu tun als unsere teuren Reisepässe anzugucken. Sehr enttäuschend.

In Berlin angekommen musste ich feststellen, dass Berlin genauso aussieht wie alle Großstädte. Groß. Das unschöne Wetter tat sein übriges, um unsere Begeisterung im Niedrigsektor zu halten. Wir waren im angenobelten Hotel Schweizer Hof untergebracht, vor dem zu meiner persönlichen Verwirrung die britische Fahne hing. Mein Vater meinte, das sei hier die britisch besetzte Zone.
Die was?
Britisch, besetzt, wegen des Krieges.
Welcher Krieg?
Zu dem Zeitpunkt war ich schultechnisch noch bei den Punischen Kriegen. Und die waren definitiv nicht in Berlin.

Damals war Berlin schon Berlin wie heute. Immer das Beste, immer das Skurrilste, immer am Rande der Verausgabung, wie uns damals die fesche Reisetrulla erklärte, die in unserem Bus das Mikro bekam. Sie wirkte so, wie später mal Hape Kerkeling als Königin Beatrix. Resolut, mit Berliner Schnauze und gab uns das Gefühl, als Nicht-Berliner mal von nüscht ne Ahnung zu haben.

Aber dat jewaltich.

Sie zeigten uns monströse Wohnblocks und edle Altbauten, noble Seen und das Café Kranzler. An der völlig bröseligen Gedächtniskirche machten wir Pause und ich konnte nicht fassen, dass das Ding nicht mal einer renoviert WOLLTE.
Den vorläufigen Höhepunkt in Drive-in-Geschichte markierten die Einschusslöcher am vereinsamten und fast schwarzgefärbten Reichstag ohne Kuppel.

Vorsichtig fragte ich bei meinem Vater nach, ob das auch die Briten gewesen wären.
Er überlegte. Das könnten die Sowjets gewesen sein. Oder Franzosen?
Nein, schritt meine Mutter ein, die Franzosen bestimmt nicht!
Dann die Sowjets, meinte mein Vater und deutete mir an, ich solle wieder der Reise-Trulla zuhören.

Was waren denn nun wieder die Sowjets? Ach, die Russen!
Und standen diese Russen hier nicht mindestens schon mit einem Bein im Wohnzimmer?

Die Dame am Mikro, die offenbar sehr engagierte Zwischenfragen von einem Herren mittleren Alters in Cordjacke beantworten musste, wies uns genervt auf die Kreuze an der Mauer hin. Die Maueropfer. Das war definitiv nicht lustig.

Apropos nicht lustig: Die Mauer, das muss man sich mal vor Augen halten, hatte zu dem Zeitpunkt (Frühjahr 1989) praktisch ihren Sinn schon hinter sich – es hätte da auch eine rote Ampel gereicht, denn die Sache mit der Grenze war nie wirklich modern gewesen, bald aber war sie dann nur noch ein Bauschuttentsorgungsproblem. Nur das konnte da niemand wissen, ich am wenigsten.
Und ganz ehrlich. Der Schrecken der blöden Mauer wurde mir erst bewusst, als ich es sah. Also ein halbes Jahr, bevor sie sich dahin trollte, wo böse Mauern hingehören.

Unermüdlich versuchte ich aus meinem Vater heraus zu bekommen, WARUM man denn überhaupt ein Volk so begeistert einsperrt.

Die Reiseleiterin hatte mittlerweile den Bus in die Nähe eines „Empörungspodestes“ dirigiert. Praktischerweise in die Nähe eines jenseitigen Brandenburger Tores und eines diesseitigen Kiosk. Das Empörungspodest war jene Treppenkonstruktion, die es dem Westbesucher ermöglichte, durchs Brandenburger Tor auf der anderen Seite (während die oben drauf geschraubte Quadriga uns beharrlich den Popo zeigte) zu blicken. Aber halt nicht tourimäßig sondern als empörter, verantwortungsvoller Bürger.
Der Blick war enttäuschend. Auf der anderen Seite war nichts los. Kein Mensch zu sehen.
Ein Mitreisender machte Witze über Bananen und Devisen, die ich nicht verstand. Mein Vater machte keinerlei Anstalten mir das zu erklären.

So machte ich einige wenige Fotos von der Mauer, aber ich fand das Motiv blöd. Und ich hatte nur einen 36-Film in meiner Kamera, da hieß es, sorgfältig das Motiv auszusuchen. Ich beschaute mir daher die Mauermalerei.
Einen Trabbi habe ich auch gesehen, aber nicht fotografiert. Danach fuhren wir auf den Kuh'damm, den ich beharrlich und völlig falsch als „Kö“ bezeichnete und meine Mutter damit zum Lachen brachte.
Mein Vater traf seinen Chef dort (Berlin bedeutet die Welt und die ist bekanntlich ein Dorf) und ich fand, Berlin sei jetzt auch nichts Besonders.

Als ich heimkam, brachte ich den Film erst nach Weihnachten 1989 zum Fotoladen. Als ich die Mauerfotos abholte, stand das Ding schon nicht mehr.


Heute ist die größte Attraktion in Berlin der Opa.

In diesem Sinne
Die Frau mit dem Ossi vor und hinter der Tür

Redakteur




09. Juni 2016, 09:29

Ab auf eine einsame Insel mit einem ganzen Stadtteil!

Hallo Mädels,

gestern war ich in einer befreundeten Stadt und schaute mich auf einem Neubaugebiet um.
Das fidele Baugebiet liegt auf einer Insel. Im Main. Schön.

Nur hatte ich den Traum von einer Insel anders in Erinnerung. War man da nicht ganz alleine? Okay. Hier zog man wohl auch alleine (sprich: als Single) hin - allerdings zusammen mit einem ganzen Stadtteil voller Singles.
Grün ist eher partiell geplant. Sowas nennt man wahrscheinlich urban. Aber dafür ist der Main hübsch dekorativ belegt. Nach genauer Inspektion meinerseits waren Wohnungen mit echtem Mainblick, hm, gefühlt zwei vorhanden.
Üppig.
Ich empfehle den herziehenden Singles eine Topfpflanze und eine gute Leselampe.

Große Wohngebäude entstehen auf der Hafeninsel in Rekordzeit, um die Nachfrage an Wohnungen in einem finanziell operierenden Einzugsgebiet zu befriedigen.
Der Baudezernent hatte wohl damit einen finalen Versuch gestartet, uralte, verschüttete Erfahrungen mit einem agressiven Schuhkarton zusammen mit einem befreundeten Bauingenieur zu verarbeiten, aber man darf in Zeiten von Wohnungsmangel wahrscheinlich nicht meckern.
Der ausführende Architekt hingegen ist ganz klar - kreativ gesehen - in seiner banalen Phase.

Ich bin also mitten drin. Zwischen staubigen LKWs und frisch gesäten Straßenschluchten. Große Plakate preisen den einen oder anderen Wohnblock an. Bunte Pfeile locken, die Miet- oder Verkaufsräume zu besuchen, was ich unterlasse, weil ich ja nur mal gucken will.

Die besagten, ausgewählt schönen Plakate zeigen wirklich prächtige und wahre Raumwunder:

1) weiße Wände und ein kleines, weißes Sofa in einem großzügig leer gelassenen Raum in noch mehr Weiß
2) Mainblick in bestem Sommerwetter
3) Fassaden, die 5 Sekunden originell erscheinen
4) Balkon zum fröhlichen Selfi-machen (im Hintergrund der tiefblaue Main)


Das muss man natürlich zu lesen wissen, denn das bedeutet:
1) in das besagte Raumwunder passte genau EIN Sofa
1a) sonst nix
1b) nein, auch keine Katze, denn dann ist das Sofa nicht mehr weiß
2) Mainblick nur bei zwei Wohnungen
2a) oder mit gigantischem Aufpreis
3) Fassade IST nur 5 Sekunden lang originell
4) Auf den Balkon passt nur eine Person
4a) Main ist nicht garantiert
4b) Nähe zum Main, ob sichtbar oder nicht, bedeutet Hochwassergefahr.

Da ist doch schon viel Schönes bei!!!

Wenn etwas in meinen geliebten Dekozeitschriften angepriesen wird, ist es oft leer und wirkt unbenutzt.

Das hat sich das emotional stark involvierte Planungsbüro sehr zu Herzen genommen, denn der Platz um die Häuser herum ist erstaunlich leer, wenn man jetzt von den zu erwartenden Automassen mal absieht.
Hier und da überrascht ein Baum. Den uralten Hafengarten, der zuvor mal hier spross, hatte es schon zerrissen.
Dafür Cafes und Apotheken.
Interessante Kombination.
Die Menschen, die hier bereits zwischen dem Baulärmenden wohnen, werden diese Einrichtungen schwer zu schätzen wissen. Die haben sich auch schon ihre taschentuchgroßen Balkone begrünt, um sich der vagen Hoffnung hinzugeben, dass Eingesperrtsein doch nicht so schlimm ist.

Wahrscheinlich hätte ich damals als unternehmungslustiger Single, der in Frankfurt arbeitet, so eine Wohnung gerne gehabt.
Sie wirkt so unkompliziert. Und auch wenn man keine Gäste empfangen kann, weil das Sofa im weißen Zimmer schon mit einem Kissen überfrachtet ist, kann man sich helfen! Ja, man kann den Gast entweder in die Apotheke, ins Cafe und/oder anschließend mit ins Bett nehmen.
Das spart Platz!
Für alle, die einen NICHT aus Platzmangel besuchen können, kann man ja ein Selfi auf dem Balkon machen.
Unglücklicherweise ist auf der gegenüberliegenden Seite des Ufers das pompöse Bauversprechen noch nicht hingeschwappt. Dort wohnen leider, leider noch unterbezahlte, undekorative Menschen. Doch da steht (zum Glück!) zur dessen Aufwertung gleich daneben ein fideles Kohlekraftwerk!
Kohle zu Kohle!
Aber die Inselbewohner können ja bei Bedarf auf die andere Seite des Mains schauen, da winken einem alleinerziehende Industrieruinen zu, die jemand zu Recht verlassen hat.
Es gibt ja so viel außerhalb der Plakat-Realität zu entdecken! Toll!

Ich bin jedenfalls gerne wieder nach Hause gefahren, beseelt von dem Wunsch, mir eine neue Dekozeitschrift zu kaufen - gerne was mit Architektur.


In diesem Sinne
Der Querpfosten

Redakteur




31. Mai 2016, 09:08

Bewaffnete Pazifisten gegen eine Gruppe von Einzeltätern

Hallo Mädels,

allgemein wird gesagt, dass Fernsehen die Kinos kaputt macht, was aber falsch sein dürfte. Denn mittlerweile werden Kinofilme schnell als DVD angeboten, und so ist der Kinofilm als solches eine riesige PR-Aktion. Und PR-Aktionen werden selten auf ihre Rentabilität überprüft.

Vorausschicken möchte ich, dass ich selten ins Kino gehe. Und wenn, dann in Kinderfilme, wobei ich persönlich das Drumherum am meisten schätze. Den Popkornkauf und -verzehr. Das Gehen durch gigantische Kinovorräume und das Betrachten diverser Pappaufsteller zu den Filmen. Gerne mit meinen persönlichen Lieblingen drauf.
Auf den überdimensionierten Treppen dieser Kinomehrfamilienhäuser komme ich mir vor wie auf der Showtreppe von „Musik ist Trumpf“.

Offenbar erschöpft sich Kreativität und Idealismus so mancher Darbietungen im Titel. Die Unübersetzbarkeit der englischen Originaltitel lässt darauf schließen, dass die deutsche Sprache einfach nicht gigantisch genug ist und vor allem, dass der Inhalt der Filme dahin gehend tendiert, dass man sich anschließend fühlt, als habe mir jemand immerzu ins Gehirn geschrien.
Und all das nur für den Frieden. Klaaar.

Die zweite Gruppe der angebotenen cineastischen Hochgenüsse
sind Kinderfilme. Da muss ich nichts aufzählen. Das sind einfach nette kleine Farbknaller, die auch Erwachsene gucken können, ohne dass das eine psychosomatische Fehlfunktion verursacht.

Die dritte Kategorie sind die, die UNBEDINGT in Erinnerung bleiben WOLLEN.

Es sind jene Filme, die nicht wie ein Schokoriegel zum kurzzeitigen Vergnügen konsumiert werden sollen, sondern als Eckpfeiler unsere Allgemeinwissens fungieren sollten. Oh je.

Da sind zum einen 2.Weltkriegsfilme.
Für Amerikaner ein Garant für Preise und Wichtigkeit. Unser Land, das Land des von Guido Knopp persönlich aufgeklärten Staatsbürger, kann über so viel Romantik nur müde lächeln. Wenn wir reingehen in solche Filme dann nur, um zu zeigen, dass wir wissen, was sich gehört oder weil eventuell ein Schauspieler besonders ansehnlich ist.

Bei Filmen mit Heino Ferch benötigt man allerdings keine Argumentationshilfe...denn es ist immer mit Heino Ferch. Ohne ihn handelt es sich de facto gar nicht um einen Film.

Wo ist das Pop Corn?
Knusper...


In diesem Sinne
Die Regieklappe

Redakteur




10. Februar 2016, 11:48

So ein Theater

Hallo Mädels,

Karneval überstanden?

Ich habe andern Orten das große Theater gepflegt. Ich war nämlich im echten Theater. Genauer: in "Macbeth".
Shakespeare geht immer.

Davon erzähle ich euch ein anderes Mal. So viel aber schon heute:

"Sage niemals an der Theaterkasse, daß du nicht gut hörst, denn dann bekommst du einen Platz zugewiesen, wo du auch nichts siehst.​"

Ken Hubbard
(1868 - 1930), auch Kin, eigentlich Frank McKinney, US-amerikanischer Humorist und Karikaturist

In diesem Sinne
Der 1. Akt

Redakteur




18. September 2015, 10:15

Noch mal was vom Urlaub


Hallo Mädels,

da bin ich also wieder. Der Urlaub , wie bereits erwähnt, war schön und lang, und das Nachhausekommen dann auch gleich noch viel, viel merkwürdiger.

Dieses Mal an der Müritz waren wir nicht in dem ehemaligen FDGB-Heim untergebracht, dessen Wände noch leise flüstern von Freundschaft und Solidarität, sondern wir waren in dem imperialistischen Luxusstreben nicht abgeneigten Hotel ECKTANNEN mit Frühstück und Sauna.

Fontane persönlich war schon dort, leider hatte er nichts Gutes zum Lesen dagelassen.

Die Müritz ist schön. Ihr solltet Euch da selber mal ein Bild von machen.
Falls nicht: auf meiner Bildergalerie seht Ihr einige.

Es war allerdings meinem Ost-Gatten in den drei Wochen einfach nicht abzugewöhnen, um punkt acht Uhr aus dem Bett hochzuschrecken und zu rufen: "Schnell, sonst ist gleich nichts mehr da!​" Er meinte das Frühstücksbuffet.
Süß, oder?
"Schatz! Wir sind doch jetzt alle der Westen!​" rief ich,​a ber da war er schon fort. Ich hinterher.
Noch immer beseelt von Fünfjahresplänen und Nachschubengpässen rannte er in den Frühstückssaal, um JEDEN MORGEN dort verschlafenes Personal anzutreffen, das uns interessiert fragte, was wir denn heute so Spannendes vorhätten, dass wir JETZT SCHON frühstückten.
Lachweg.
Unsere Söhne (telefonisch herbeizitiert) setzten sich in der Regel eine halbe Stunde später zu uns an den Tisch und öffneten die Augen erst nach der ersten Tasse Kakao.
Es gab allerlei Leckereien. Ich kann sie gar nicht aufzählen, von manchen exotischen Früchten musste ich die vielen ulkigen Namen dieser Vitaminlieferanten (man kennt an der Müritz mehr als nur Bananen) erfragen und habe sie auch gleich allesamt wieder vergessen. Aber so viel sei festgehalten:
Gatte aß jeden morgen Schwarzbrot mit Blutwurst.
Sohn1 Nutellabrötchen
Sohn2 Johannesbeergeleebrötchen
Tja. Kulinarisch geht anders.
Mir oblag es also, jeden Tag was Neues zu entdecken im Cerialienhimmel. Aber es begann immer mit Rührei mit Speck und endete mit einem Obstsalat.

Wir hatten zwei Dinge von Belang.
1. Fahrräder für 3 Wochen fest gemietet
2. Bis zu dreißig Grad Hitze.
Tja. Gemütlich geht anders.
Ihr könnt euch vorstellen, dass mein Gatte leider keiner Rückicht auf irgendwelche Körpertemperaturen nehmen konnte, wenn es doch galt, die Nutzung der Räder optimal zu verplanen. Puh! Aber wir haben viel gesehen! Vornehmlich Fahrradwege im dichten Wald, aber die Schlaglöcher waren mir immer wieder neu!
Es wurde außerdem geschwommen und geklettert. Ich habe mich aufs Fotografieren beschränkt. Auch ein Sport. Und ich stöberte gerne auf Flohmärkten Altbestände aus gut sortierten Büchereien auf. Schmökernd unter der Sonne genoß ich die Pausen, die mir blieben, während meine Sportler im Müritzsee ihre durchtrainierten Körper kühlten.
Minigolf haben wir auch gespielt. Mit den Worten: "Ich kann alles!​" zeigte ich meinem Gatten, was für ein Minigolfgenie er vor ewigen Zeiten einmal zu ehelichen das Glück gehabt hat. Leider schaffte er am letzten Loch (18) ein Hole-in-one oder Ass, auch "HIO" gegannt. Und das bedeutet auch bei den ochelschen Minigolfmasters das erfolgreiche Spielen einer Bahn mit einem einzigen Schlag, also das "Einlochen" des Abschlags. Und damit hatte er gewonnen.
KACKNOCHMAL!​!​!​!​!​!
Ich habe meinem Gatten kurz (zwei Tage lang) die Mauer an den Hals gewünscht.
So viel zu meinem Sportsgeist.

Und nun bin ich wieder da und versprühe Freude in Hessen (bei kack Wetter).
Auf, auf zu neuen Taten!
Da rufe ich Euch ein fröhliches VIVATVIVATVIVAT zu.

Und demnächst erzähe ich euch, wie ich es überlebt habe, im Berliner Fernsehturm in knapp 220 Metern Höhe und einer Rotationgeschwindigkeit von "In 20 Minuten sind se eenma rum, junge Frau"(die deutlich über meiner Wohlfühlzone liegt), das leckere Essen bei mir zu behalten und noch ein freundliches Gesicht zu machen.​.​.​hihihihi.​.​.

In diesem Sinne
Funktionärin für Frohsinn am Arbeitsplatz

Redakteur




08. September 2015, 12:02

Noch nicht ganz da


Hallo Mädels,

irgendwie bin ich noch nicht ganz da, was aber nach sechs Wochen Abwesenheit vielleicht ganz verständlich ist.

Zumindest bin ich noch in der Findungsphase, wobei allerdings noch nicht ganz geklärt ist, WAS gefunden werden soll.

Wie dem auch sei, meine Textbearbeitung ist noch mangelhaft, aber dafür habe ich diese Internetseite etwas aufgeräumt und aufgehübscht.

In der Galerie ist wieder viel hinzu gekommen.

Ich versuche jetzt mal Tee zu finden - hoffentlich finde ich nicht wieder stattdessen Dreckwäsche.​.​.

Das bisschen Haushalt.​.​.​trallalala.​.​.

In diesem Sinne
Die Sucherin

Redakteur




20. April 2015, 07:50

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft


Hallo Mädels,

waren am Wochenende in Berlin, um dem dort ansässigen Opa unsere Präsenz schmackhaft zu machen.
Übernachtet haben wir in einem schicken Hotel am Hauptbahnhof in der 11. Etage. Dort hatten wir Mühe, trotz später Stunde vom Fenster weg und in die Betten hinein zu kommen. Weil offenbar in Berlin andauernd die Polizei mit Blaulicht hin und her fährt. Man überlegt kurz, ob es sich um ein einziges Fahrzeug handelte, das die Straße andauernd rauf und runter fuhr, um den Touristen was zu bieten.

Am folgenden Tag Besuch des Luftwaffenmuseums in Gatow.

Gatow kenne ich ja nur von dem Spiel CLUEDO. Mit dem Heizungsrohr auf der Veranda.

Das echte Gatow gehört zu Berlin. So sagt man zumindest. Nach der ganzen Fahrerei gehört es aber gefühlsmäßig eher zu München.
Gatow liegt am Arsch der Welt.

Also wenn jetzt Berlin die Welt wäre.

Naja, so ein Militärmuseum ist nix für Pazifisten. Zumindest nicht für liberale Bielefeld-Friedens-Trullas wie mich. Aber ein tendenziell sonniger Tag läßt sich prima auf einem ehemaligen Flugfeld nutzen. Auf dem Außengelände waren offenbar alle Fluggeräte geparkt, deren man nach der Wiedervereinigung habhaft werden konnte (außer einem Space Shuttle, sehr zum Bedauern meiner Söhne).

Panzer und Jagdflugzeuge sind nicht so mein Ding. Und dann diese Farbgebung! Camouflage (zu deutsch: Irreführung)! Modisch nicht gerade der Endsieg.

Camouflage war nicht nur eine Band aus den 80ern sondern dieser fleckige Tarnanstrich der Westmächte. Der Warschauer Pakt stand mehr auf Strichtarnmuster (sieht aus, als hätte es Kaffee geregnet).

Die Ausstellung innen barg allerdings wiedermal Probleme in der mütterlichen Wissensvermittlung. So waren da Bundeswehr und NVA gegenübergestellt.
Im Raum, mittig über den Boden gemalt, war eine Grenze gezogen. Links Bundeswehr, deren Uniformen und sonstigen Krempel, rechts NVA.
Es war etwas schwierig zu vermitteln, dass der verehrte Onkel die linke westliche Uniform anhatte, der heldenartige Papa, die auf der rechten. Schlimmer noch, dass sie im ungünstigsten Fall aufeinander getroffen wären und dann sich NICHT NUR um den letzten Knödel auf den großväterlichen Mittagstisch gestritten hätten - sondern um was ganz anderes.

Der Opa hingegen schmunzelte bei meinen Versuchen zu erklären, warum es eine Mauer gab, und machte mit einer eleganten Handbewegung klar, dass er sich da nicht einmischt und ich das Ideologische mal alleine entwirren sollte.

Geschichte ist nichts für Anfänger.


In diesem Sinne
Die Erklärwessi

Redakteur




11. April 2015, 16:21

Brueghel

Hallo Mädels,

frisch aufgeladen mit Kultur komme ich aus Schloss-Neuhaus (Paderborn, katholisch) wieder.

Die Brueghels waren da. Sie dürften der absolute Horror jeder Kreditkartenfirma mit dem Namen gewesen sein. Gesprochen BREUGEL, geschrieben, wie - keine Ahnung, flämisch halt.

Eine flämische Maler-Dynastie mit Hang zum Großformatigen. Gerne Blumen, noch lieber Allegorien. Im Publikum nur Lehrer und andere Besserwisser - ich fiel also nicht auf.

Herrlich!

Die Bilder, alle alt, alle potentielle Stars des Bildungsfernsehens "Kunst&Krempel", waren bunt, wimmelig und wunderbar.

Sie teilten sich die Motive brüderlich auf:

Blumenbrueghel
Bauernbrueghel
Höllenbrueghel
und ganz überraschend
Neapolitaner

Die Brueghel-Bildchen dürften damals schon nicht mehr bezahlbar gewesen sein. Frech waren sie.
Sie malten auch schon einmal von einander ab und waren gerne mal frivol, aber dennoch mit Freude am Marientum.

Man muss es gesehen haben. Der Kauf des zentnerschweren Begleitbuches zur Ausstellung ließ sich nicht vermeiden.

Fotos vom Outdoorbereich in meiner Bildergalerie!


In diesem Sinne
Angiebrueghel

Redakteur




15. November 2014, 14:15

Der Wut-Bambi 2014


Hallo Mädels,

wenn ich einen Vorsclag machen darf: Der Sonder-Wut-Bambi geht dieses Jahr an

m i c h.

Ich lese gerade in den Onine-Gazetten, wie toll wiedermal die Bambi-Verteilung war.

Ächz.​.​.

Keine Zeitung äußert mal was Kritisches, nämlich dass solche Doku-Soaps in Form von Galaveranstaltungen einfach nur beknackt sind.

Zieht Euch warm an. Das wird mein Thema am Montag!


In diesem Sinne
Klopfer

Redakteur




06. November 2014, 15:21

Sauna - ein Leben im Schnellkochtopf

Hallo Mädels,

wenn ich den erwische, der die Sauna erfunden hat! Na, der kann sich aber warm anziehen!​!​!

Im besagten Urlaub an besagter Müritz lobte sich unser Hotel zurecht seiner angebotenen Zusatzleistungen wie ägyptische Pharaonenmassage und Erlebniskosmetik. Was auch immer das sein mochte. Es gab zudem Hopi&Essenz-Ohrenkerzen (deren Gebrauch ich mir versagte), einen Strauß Rosen aufs Zimmer und eine Küche im Schrank. Zudem gab es den (von mir gefürchteten und vom Gatten geliebten) Gästepass mit Rabattmarken.

Und?
Nix und. War schön.
Ok. Doch "und".
Und Sauna.

Mein Gatte, dem genauso bekannt wie egal ist, dass mein körperliches Selbstverständnis stets gefährdet lebt, schleppte eines Nachmittags (nach bizyklischer Schwerstarbeit) zwei pelzartige Bademäntel an.

Die Sauna würde extra für mich früher eröffnet.
Äh.
Das wäre doch gar nicht nötig.​.​.​äh.​.​.

Um meine Verweildauer im hoteleigenen Wellnessbereich (man stelle sich vor: indische Sonnen, australische Monde, ägyptische Vasen, italienische Fliesenkunstwerke und deutsche Brunnen aus regionalem Baumarkt) hygienisch einwandfrei zu gestalten, riet mir mein Gatte, bereits in unserer Suite zu duschen. Man muss dazu wissen: Wir hatten nicht einfach ein Badezimmer. Wir hatten ein Hallen-Bad. Beim Frisieren produzierte meine Bürste ein Echo. Aber wie nun von „meiner“ Dusche in den Saunabereich kommen?

Etwa NUR mit Bademantel bekleidet? Schrei!

Es war Freitag und eine große Hochzeit war in dem angeschlossenen Prachtsaal angemeldet.
Bitte? Etwa nackig unterm Bademantel an der mutmaßlichen Schwiegermutter (erkennbar am ausladenden, pinken Hut – und Tante Trude aus Berlin, erkennbar an einem unvorstellbar genervten Satzbau) vorbei?

Los, los! Gatte sicherte den Flur, und ich flitze wieselflink zum Fahrstuhl (aber zur Sicherheit hatte ich dann doch was unter dem Bademantel an.​.​.​).

Aber Hochzeitsgäste saunieren nur selten. Liegt wahrscheinlich an den pinken Hüten.

Im leeren Wellnessbereich erwartete mich also der erste Saunagang meines Lebens. Der Kernbereich der Erlebnis-Hitze stellte sich mir als Holzkonstruktion in Tribünengröße dar.

„Du sitzt am besten unten.​“ Gatte war die Fürsorge selbst.
Ich schwöre, es war das erste Mal in meinem Leben, in dem ich das Tragen einer Burka in Erwägung zog. Was guckst du?
War aber keiner da zum Gucken. Ich starrte auf eine Sanduhr und lauschte den Beschwörungen meines Gatten.
Ich sollte die Wärme zulassen und in meinen Körper hineinhorchen.
Horch. Horch.

Problem war nur, dass ich das nicht gewohnt bin. Mein Körper kennt das Ganzkörpererlebnis von großer Hitze gepaart mit übermenschlicher, barbusiger Schamoffensive nicht. Will sagen: Erstmal hab ich gefroren. Bei über 85 Grad Hitze.
Mein Gatte tropfte bereits, während ich mich schweigend aufs Atmen konzentrierte und auf die Sanduhr starrte.

„Aufguss machen wir dann später“, mein Gatte, der Planer.

Aha. Mein Enthusiasmus war einfach noch nicht auf Betriebstemperatur. So lauschte ich den philosophischen Betrachtungen meines Gatten über finnische Schwitzbuden. Er erkundigte sich nach jedem Satz besorgt, wie es mir denn ginge.

„Äh, es wird mir dann doch jetzt ein bisserl warm.​“ Immerhin, langsam schien mein Körper das Konzept der Ganzkörper-Garung zu verstehen. Ich war dann offenbar servierbereit und mein Gatte lotste mich aus dem begehbaren Backofen hinaus.
Mit den Worten: „Da kann jetzt etwas kalt werden“, parkte er mich unter einem Massagestrahl mit einer netten, arktischen Raumtemperatur.

Schrei!

Danach Ruheraum. In meinen dicken Bademantel gehüllt, pflanzte mich mein Gatte auf eine daumendick mit Decken belegte Liege und erkundigte mich nach meinem Kreislauf.

Dem gehe es gut – wo immer auch sein mochte, dachte ich, lächelte aber nur freundlich.

Die Kernkompetenz, die ein Saunist haben muss, schien mir Warten zu sein. Entschleunigung nennt man das wohl im Wellnessland.
Und das kann ich! Warten!
Ich bin schließlich eine Mutter! Ich bin derart temporär fremdbestimmt, dass Rumsitzen mein Leistungskurs sein dürfte. Warten bei Ärzten, Warten beim Abholvorgang, Warten auf den Auftritt des Filius bei Theatervorführungen, Warten auf Vokabeln, Warten auf Hausaufgaben und auf das Einsetzen von Wirkungen diverser „Jetzt-aber-ins-Bett-mein-Sc­hatz“-Hinweisen.

Gatte quatschte indes ungestoppt weiter. Fragte medizinische Basiswerte ab und erläuterte die Gesamtidee von bewusster Überhitzung eines mitteleuropäischen Lebewesens auf knapp hundert Grad.

„Du musst nur auf Deinen Körper hören!​“ Er wieder.

„Wie denn, wenn du die ganze Zeit redest?​“ Ich wieder.

Es folgte der 2. Saunagang mit vergleichbaren Temperaturschwankungen.
Beim dritten Saunagang dann der Ruf nach einem Aufguss.
Haha! Nun schlug meine Stunde. Es gab nämlich verschiedene Duftkonzepte. Diese waren: Tanne, Fichte, Wald und Meeresbrise. Da mir das allzu männlich schien, wählte ich den Duft „Pfirsich“.

„Oh, neeee.​“ Gatte wieder.

„Oh, doch!​“ Ich wieder. Es zischte, es nebelte, und da war er, der naturbelassene Pfirsichtraum!

Als ich nach dem Saunieren in den Spiegel blickte, musste ich allerdings mit Entsetzen feststellen, dass ich aussah wie ein Paintball-Massacker in Burgunderfarbe. Mein Kopf war roter als jedes SED-Parteibuch!

„Na und!​“ meinte Gatte liebevoll und strubbelte mir das Haar. „Dafür riechen wir jetzt wie eine ganze Pfirsichplantage!​“


In diesem Sinne
Der Schnellkochtopf

Redakteur



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