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09. März 2018, 09:28

Die Farbe Blau

Hallo Mädels,

mein ehemaliger Arbeitgeber hat sich nicht unbedingt als Sonnenschein gezeigt. Aber ich hab viel gelernt, vor allem, wie merkwürdig Menschen ticken, wenn sie ein bisschen Macht bekommen – und sei es nur den Schlüssel zum Klo...
Zu den extrem wenigen, erfreulichen Seiten dieses Unternehmen gehören: Ihr, meine Mädels. Jawohl. Aber auch nette und schöne Männer, die ich entweder anstarren oder heiraten durfte, Chefinnen, die Freundinnen wurde und noch eine Reihe handverlesener supernetter Kollegen.

Damals, als ich noch Single war und das Lieblingsmobbingziel meines adipösen Chefs, wurde ich nach Frankfurt zu einer tendenziell nervenaufreibenden Projektarbeit abkommandiert.
Da sich niemand um den Job riss, suchte man ein weiteres Projektmitglied, das man mir zur Seite stellen könnte und fand einen riesigen Mann mit blauen Haaren. Vermutlich hatte mein Chef Angst vor dem und dachte, diese Aktion käme dem Klatschen zweier Fliegen gleich.

Der Mann mit den blauen Haaren schien mir respekteinflößend, etwas rebellisch, punkig. Tätowiert wie ein Maori-Krieger stand er in einem Türrahmen vor mir und sagte: „Ich komm dann mal mit.“
Den Bruchteil einer Sekunde dachte ich, der Türrahmen würde zusammenkrachen, wenn er ihn nicht stützte.

Projektarbeit ist nicht jedermanns Sache. In der Regel beschäftigt sie sich mit Dingen, die zwischen allen anderen, geregelten Abläufen hängt. Das ist schwierig. Denn niemand fühlt sich zuständig und wenig Verständnis kommt einem entgegen. In einer Bank sind alle darauf trainiert, den Tellerrand zu verteidigen, als sei er das letzte Stückchen Brot.
Man bekommt außerdem für diese Arbeit fremde Menschen zugeteilt, muss abschätzen, welche Aufgaben ihnen liegt und dann versuchen ein nur vage sichtbares Ziel zu erreichen. Schwer. Viele Variablen, wenig Leitplanken, die einem vor dem Absturz sichern. Und schnell muss man arbeiten. Und zwar so schnell, dass die Zeit dich nicht einholt.
Mit Neugierde und Freude machten wir uns also auf den Weg mit diesem wundersamen Begleiter. Ich mit Visionen, er mit blauen Haaren.
In der Schnöselhauptstadt Frankfurt dann sofort der erste Erfolg. Wir bestiegen einen Lift und die darin enthaltenen, komplex frisierten Anzugträger machten einen alerten Eindruck. Sie drückten sich an die Rückwand, und wir beide hatten plötzlich einen komfortablen Stehplatz in Fahrtrichtung.
Im Vorzimmer der Sekretärin des Chefprojektleiters machte Mister Blue Hair so viel her, dass die Sekretärinnen auf eine lange Verweildauer verzichtete und wir gleich zum Chef durchgehen durften. Und der war supergruselig. Ich gefror augenblicklich vor Ehrfurcht. Ich bekam die Aufgaben diktiert und Mister Blue Hair einen eigenartig beeindruckten Blick zugeworfen.
„Muss ich mir jetzt etwa so einen bescheuerten Anzug kaufen?“ fragte Mister Blue Hair, als wir das Büro verließen.
Er kaufte. Und was soll ich sagen? Anzug und blaue Haare machen himmelherrgottscheißdiewanda​n schwer was her. Wir hatten fortan die halbe Kantine für uns alleine.

Das Projekt bekamen wir irgendwie hin. Und es hat uns beide irgendwie verändert. Nicht nur privat, nicht nur, dass wir das Leben in Hotels plötzlich unfassbar präzise kannten und ein Frühstücksbuffet nicht genutzt sondern beherrschten, es war mehr.
Ein mehr bis heute. Ohne dass es viel war.
Und das ist gut so.
Männer und Frauen können wirklich gute Freunde sein. Fast mehr als alle anderen Kombinationen.
Nun weiß ich: Menschen mit blauen Haaren haben ein Herz aus Gold. Auch wenn sie nun wieder Naturfarbe tragen.
Mögen seine Haare auch heute, nach all den Jahren, tief in seinem Inneren immer noch blau sein.

Die Welt braucht mehr solcher Menschen!
Alles Gute zum Geburtstag!



In diesem Sinne
Angie, stehend am Hamburger Kai und winkend

Redakteur




28. Februar 2018, 08:59

Wortsinn

Hallo Mädels,

Unwort des Jahres, Trendworte, Lieblingsworte, Fremdworte.
Ach, Sprache ist ja was Schönes!
Hier mal was zum Nachdenken:


Ernährer.

Oder wie ich gerne mal sage: Konsequente Fehleinschätzung.


Lassen wir das...


In diesem Sinne
Wortort




Redakteur




23. Dezember 2017, 14:28

Wünsche zu Weihnachten

Liebste Mädels,

hiermit wünsche ich Euch

FREIE WEIHNACHT UND EINEN GESUNDEN RUTSCH !

Und mir wünsche ich das auch, klar.
Aber mein eigener Wunsch wird sich wohl nicht so leicht erfüllen lassen, denn mein Wunsch ist groß und kräftig, etwas schwierig und sehr sensibel, leicht beleidigt aber lacht auch mal über meine Scherze.
Ich wäre schon froh, wenn mein großer Wunsch nur einfach bei mir bleibt und mich mag.

Wir werden es sehen, was außerdem passiert.
Eilt ja nicht.
Wünsche dürfen ruhig etwas trödeln bei ihrer Erfüllung.


Und Ihr, liebe Mädels, bleibt mir treu, bitte! Ohne Euch, macht es doch keinen Spaß!

Bis bald.


Eure Angie

PS Und vergesst nicht meine Lesung in Heppenheim! Ich zähle auf Euch!

Redakteur




14. Dezember 2017, 10:44

Männergrippe (Mimimimimimimi)


Hallo Mädels,

aus aktuellem Anlass wird heute Abend ein ZDF-Spezial gesendet:
„Männerschnupfen – Deutschland am Ende?“
Alle nachfolgenden Sendungen entfallen für immer.

Tatsächlich versucht man mittels Immunologen-Zitaten und an der Rotzfahne herbei gezerrten, wissenschaftlichen Erkenntnissen (von denen keine Wissenschaft jemals was gehört hat) zu begründen, warum Männer mehr gequält werden von Erkältungserkrankungen als Frauen. Manche Artikel sprechen sogar von einem soziokulturellem Phänomen, dass Männer mehr erleiden MÜSSEN.

Ich halte das für etwas ganz Großes, das ich hier nicht schriftlich darlegen möchte, aber das mit „B“ anfängt und mit „-ullshit“ aufhört.

Ich habe einen unfassbar stabil gebauten Ehemann, ausgebildet von der NVA. Abends albert er gerne mal mit 10-Kilohanteln herum und ist anerkanntermaßen der große Held seiner heranwachsenden Buben. Ein Mann, der seinen geliebten BMW notfalls aus einer Eiswüste mit den Zähnen herausziehen würde. Er öffnet verkantete Radmuttern an seinen Winterreifen schon mal ohne 17er Ringschlüssel - einfach mit purer Willenskraft.

Aber dann kommt der Schnupfen.
In der Regel ist er der Letzte in der Familie, der sich an der Grippe abarbeitet, die gerne mal aus dem Schulbetrieb als „Hausaufgabe“ mitgebracht wird. Er hilft uns dann nach Kräften mit Ratschlägen wie:
„Wird schon!“- „Zieh dich einfach mal wärmer an!“- „Reiß dich mal zusammen!“ oder auch „So was geht von alleine wieder weg!“

...wenn es ihn selbst betrifft, ist es allerdings anders.
Da gilt die alte Faustregel: ab 36 Grad Körpertemperatur wird aufgerundet.
Komplette Handlungsunfähigkeit, theatralische Triefnase, Niesen mit anschließender Nahtoderfahrung, bedingungslose Bettruhe und mörderische Hungergefühle.

Weib, oh, rette mich! Hilfe!

Eventuell sind die Dinosaurier auch nur ausgestorben, weil die Dino-Damen die Männergrippe verharmlost haben?

Männergrippe! Das T steht für Tapferkeit!

Der richtige Umgang mit Betroffenen will gelernt sein!
ABER…
...wir Frauen und Mütter haben ihn NIE gelernt.
Wir machen es IMMER falsch. Schon seit Generationen, in denen wir selber (als die helfende Hausfrau und letzte Verteidigungslinie) herangezüchtet wurden und auch entsprechend bis heute funktionieren. Unsere Mütter haben unsere Brüder anders erzogen als uns.
Während kranke Männer wie ein kaputtes Haushaltsgerät behandelt und damit sofort geschont und repariert werden, werden kranke Frauen als unnötiger Störfaktor angesehen. Richtig gelesen. Störfaktor. So empfinden es vor allem wir selbst. Wir müssen funktionieren.
Der Mann wird also früh daran gewöhnt, dass sich gekümmert wird, die Frau legt sich mit 40 Grad Fieber erst mal auf die Coach und guckt ob es in einer Viertelstunde wieder geht.

Das ist weder Tapferkeit noch medizinisch zu verstehen.
Das ist Erziehung.
Oder sagen wir zivilisatorische Konditionierung!
Nein! Es hat nichts mit Östrogenen zu tun, wie manche Immunologen und Rotz-Sachverständige meinen, die eine Frau leidensfähiger macht (wegen Geburten blablabla).

Meinem Gatten ist seine Enttäuschung anzusehen, wenn er mich gebeten hat, zu fühlen, wie hoch sein Fieber ist. Ich brauche ihn nur kurz anzufassen und spüre sofort: Kein Fieber.
„Was?“ Er legt sich selber die Hand an die Stirn. Süß, oder?
Okay, am zweiten Tag nervt es gewaltig, aber den einen Tag lasse ich ihm durchgehen!

Da mein geliebter Gatte in der DDR sozialisiert wurde, ist er nicht religiös erzogen – sonst würde er erwarten, dass ich den Pastor rufe.

Könnte ein Bällebad helfen?
So ungefähr.
Selbstverständlich lasse ich ihm das alles durchgehen. Wie auch seinen Söhnen, damit sich die nächste Generation auch an Männergrippe erfreuen kann!
Mein Gatte muss sich allerdings ein paar kleine Sticheleien gefallen lassen (höhöhö – „ein paar“ ist sportlich abgerundet!).
Aber er sieht mich so wunderbar leidend an, weil er ja weiß, dass ich ihm gleich seinen Tee bringen werde und auch ein dick belegtes Käsebrot, wie er es gerne hat mit kleinen Paprikastreifen dazu. Und ich hole ihm auch frischen Ingwer aus dem Biomarkt, keine Frage.

Mimimimimimi.


Mein Mann hat es gut. Er hat ja MICH.



In diesem Sinne
Florence Nightingale

Redakteur




10. Dezember 2017, 12:11

Treppauf – treppab in Downton Abbey (2. Advent)


Hallo Mädels,

als ich klein war, guckte meine Mutter am liebsten „Haus am Eaton Place“ (Originaltital „Upstairs, Downstairs“). Eine wunderbare englische Serie über das Leben der eleganten Familie Bellamy und deren Dienstboten in London zwischen 1903 und 1930.
Ich liebe englische Serien! Denn nur sie sind mit dieser wunderbaren Detailgenauigkeit gedreht mit viel Sinn für historische Zusammenhänge.
Ein bisschen für mich wie Weihnachten, wahrscheinlich weil in jedem britischen Kulturschaffenden etwas von Charles Dickens steckt?
Vor einigen Jahren jubelte die Fernsehgemeinde auf. Nach mehr als dreißig Jahren Abstinenz vom Haus am Eaton Place kam:

Downton Abbey!

Man titulierte es als die „erfolgreiche Rückkehr des britischen Kostümdramas“. Ich hätte es nicht besser schreiben können! Und meine Mutter hätte ebenfalls gejubelt.

Auch hier ein Oben und ein Unten. Ein Treppauf – und ein Treppab.
„Oben“- das ist der britische Adel, der sich edel im Charakter und nobel mit der Geldbörse verhält, wo Loyalität kein reiner Etikettenschwindel ist. Aber immer schön getrennt von den anderen, bitte schön!
„Unten“- das sind die kleinen Leute, die fleißigen, die Arbeiter, die stolz (fast etwas calvinistisch im Denken) sind auf ihr Können. Ein gut organisiertes Rudel an hilfreichen Geistern, die unfassbar geduldig und auch ganz gerne die Fehler derer von Oben auffangen.

Ich sag ja: Es ist immer etwas Charles Dickens.

Ganz wunderbar erzählt. In perfekten Bildern! Dazu herrliche Dialoge. Beide Klassen haben selbstverständlich die selben Probleme. Wer liebt wen, wer hasst wen und warum oder warum nicht? Wer hat hier mehr Stil, mehr Charakter, mehr Stolz? Wer will frei sein? Und warum ist es offenbar niemand?
Gehören eigentlich die von Unten, zu denen da Oben - oder eher anders herum?

Warum fasziniert das Thema der Klassenaufteilung über Generationen hinweg?
Sicher, es ist bezaubernd inszeniert. Die Ausstattung vom Feinsten, die sensationelle Kleidung, pompöse Möbel, betörende Räumlichkeiten. Und diese Darsteller!
Es braucht allerdings ein paar Folgen, bis man herausfindet, wer eigentlich die brillanteste Figur ist. Tendenziell sucht man sie im „Oben“, aber sie ist im „Unten“.

Es ist John Bates.
Der Urtyp des englischen Helden. Nicht überirdisch aber beeindruckend, nicht aufrührerisch sondern geduldig, bescheiden, unantastbar, aufrichtig. Ehrenvoll.
Er ist der Oberster Kammerdiener des Lords.
Gehandicapt durch eine alte Verletzung aus dem Burenkrieg (in dem er seinem Herren das Leben gerettet hat) geht der beeindruckend große Mann stilvoll am Stock. Diese Verletzung gibt ihm was Unzerstörbares und merkwürdigerweise auch was Adeliges. Perfekt gekleidet im schwarzen Livree, die aussieht wie eine Mischung aus Uniform und Dinnerjacket. Kurzum, er hat alles, was ein wahrer Charakter, ein echter Held haben muss.

Erwähnte ich schon Charles Dickens?
Märchen von Edelmut, die Schutzzone für unsere Herzen, Urlaub für traurige Gemüter? Selbstverständlich.

John Bates ist nicht von dieser Welt, daher kann er nur im „Unten“ erscheinen. Der ewige Traum, dass auch der Bauernsohn etwas Königliches in sich trägt, gleichzeitig ist er der Cherubim, der die Tore zum Adelshimmel bewacht.
Noch Gebäck zum Tee?
Ein großer, schweigsamer Mann, dunkles Haar, braune Augen, offenes Gesicht, sensibel, breite Schultern. Stattlich! Das personifizierte Rückgrat. Jemand, der auffällt, wenn er NICHT da ist, der beim Lächeln die Augen zu kleinen freundlichen Schlitzen werden lässt und bei Wut und Zorn einen kalten, klaren Blick behält.
Der das Unrecht erträgt wie jemand, der weiß, dass Unrecht nicht länger anhält, als er es ertragen kann, weil alles wieder gut wird, weil alles gut IST.
Und diese Höflichkeit! Kein Widerspruch, kein böses Wort, immer Lob und Zuspruch!
Märchenwelt.
Soll ich den Mantel rasch aufbürsten, Sir?
Nein, Sir, das macht mir keine Umstände, ich tue das gern.

Der Adel glänzt nur durch sie, durch Bates und seine Kollegen, die alle nicht sind wie Bates, aber fast. Die Oben sind durch die Loyalität eines aufrichtigen Butlers und seinesgleichen an eben diese gefesselt.
Bates ist unangreifbar, unantastbar. Er hält die Welt im Lot. Und das richtige Outfit für die feine Gesellschaft parat.

Wir wollen Bates selber haben! Wir wollen exakt so jemanden für unser Leben finden und festhalten! Wir wollen sein Adel sein.

Aber wollen wir auch so sein wie Bates?
Nein. Niemand ist wie Bates. Er ist der Erzengel, der auf ein kleines Bimmeln hin sofort aufrecht und aufmerksam in der schweren Eichentür erscheint. Er soll zu uns kommen. Helfen, da sein, wissen, was zu tun ist. Immer. Es ist nicht nötig, deswegen selbst heilig zu werden oder lange auf Knien zu beten. Bates ist verfügbar. Jemand, den wir gar nicht für uns gewinnen KÖNNEN, sondern ihn lediglich als Servicedienstleister vertraglich an uns zu binden versuchen. Spiel, Satz und Sieg, Bates.

Charles Dickens hätte seine Freude an ihm.
Wunderbar.

Ich könnte Stunden über ihn nachdenken. Über seine Wirkung, und vor allem über die Notwendigkeit, ihn zu erfinden.


WÜNSCHE EINEN SCHÖNEN ZWEITEN ADVENT!


In diesem Sinne
Carol Christmas (Dieses Wortspiel sollte mir gestattet sein)

Redakteur




17. November 2017, 08:44

Bambi-Verleihung der Hollywood-Selbsthilfegruppe

Hallo Mädels,

wenn Berlin eins NICHT ist, dann Hollywood.
Warum begreifen das die deutschen Fernsehmacher nicht? Ich glaube auch nicht, dass Bambi-Zuschauer an den Fernsehgeräten, die sonst an diesem Sendeplatz Volksmusik und ähnlich Weichgespültes friedvoll entgegennehmen, das verlangen.

Hollywood ist: Skandal und Busen und Kleider und Geschrei und viel, viel Geld.

Berlin ist: Berlin.

Die deutsche Filmszene ist sehr bodenständig und ansehnlich. Das freut den Krimi-Konsument und den Satire-Sachverständigen. Und Sportschau ist immer top.

Warum muss sich das Fernsehen derart überdimensioniert und artfremd inszenieren? Glitzer drüber und fertig? Nein. Es klappt nicht.
Da ist nämlich dieser distanzierte Unmut und ein mitteleurpäisches Mitschämen, wenn einer sich vor der Kamera zu sehr selber feiert oder einfach nur ein dämliches Kleid anhat.

Der Bambi. Wie man in den Wald ruft, schallt es eben NICHT heraus.
Hallo? Halloooo? Ist das wer?
Stille.
Aber wenn das Burda-Bistro eröffnet hat, scheint es nur noch eine Richtung zu geben: mit viel Glamour nach Hollywood. Da holt man sich notfalls einen österreichischen Gouverneur-Darsteller, der bei seiner Rede aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt werden muss; und der dabei derart glatt geliftet ist, dass er in Amerika nicht auffällt, aber in unseren Breitengerade aussieht wie ein Wachspuppe.
Wenn man Glitzer mit Glamour verwechselt, dann ist das anstrengend.

Natürlich hangelt sich von irgendwo wieder Helene Fischer von der Decke herunter und singt ein Lied mit einem üblich eingängigen Einzeiler: „Spürst du es?“
Da will man spontan zurück brüllen: „...aaaarghhhhhh!“

Der Silbereisen kann nie weit sein, wenn die Fischerhelene süß lächelt, und so muss er eingefroren grinsend ihr schlecht gestriptetes Dankessätzchen: "Für deine Liebe danke ich dir und dafür, dass du mein Zuhause bist." entgegennehmen, während sich die ganze Nation für diese beiden Sahnetörtchen-Tauben nur eins wünscht: Lasst sie aus ihrem goldenen Käfig raus, damit sie sich einmal im Leben richtig laut anpupen können!

Übrigens werden die beiden nie einen Bambi für Schauspielerei bekommen. Warum wohl?

Hugh Hackmann.Großafunahmen. Huuuuuuuuuu, wow! Sexy und hexy und huiii!
Oh, was sind die Burdisten alle froh, dass sie einen Hollywoodmenschen einkaufen konnten. Es ist, als würde man einen schönen Baum pflanzen und meinen, das wird schon bei der richtigen Belichtung wie ein WALD aussehen!
Hilfe!
Im klatschenden Publikum die übliche Prominenz. Ein Gewusel aus: Krimistars, Komödienlegenden und Restverwertern, die man gut kennt. Alle freuen sich etwas zu sehr über den Preis der anderen. Aber so ist das in Berlin.
Hier noch eine Fashion-Schönheit, von der man wenigstens den Namen weiß (denn diese Biester werden ja mittlerweile von Frau Klum in Serie gefertigt). Und dort noch ein Sportler.
Löw, klar. Der ist ja so ein Mittelding zwischen Sport, Schauspieler und Komödie mit viel Glamour und Haaren.
Die Klitschkos, die anders als der faltenlose Schwarzenegger wirklich nicht altern.
Heino Ferch. Selbstverständlich.
Da müsste ich jetzt was zu sagen, aber da fällt mir nichts zu ein. Erstens ist JEDER deutschsprachige Film mit Heino Ferch! Und zweitens ist er ja wirklich gut (wahrscheinlich, denn Konkurrenz gibt es ja nicht).
Ach, Gott, und den Gauck haben wir ja auch noch! Alle spitzen die Ohren und fragen sich, wie nennt man eigentlich den ehemaligen Bundespräsidenten? Ex-Präsi?

Berlin ist nicht Hollywood.
Es ist, als wollten Film-Beamte das Bambi-Business wie eine glitzernde Essensausgabe abwickeln. Es will einfach nicht überspringen, dieser vielbeschworene GLAMOUR.
Das liegt aber weniger an der Performance als an dem Fernsehpublikum. Das professionell vorgeschriebene, abendprogrammtaugliche Sich-selbst-Feiern ist für uns ein bisschen wie gelber Schnee: Das gibt es und ist auch natürlich, aber bloß nicht anfassen!

Dann kommt der Horror:
Das Bedanken.
Nichts ist so UNINSPIRIEREND wie die Danksagerei am Mikrofon. Danke an UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, garniert mit Tränchen für Oma, Opa und Frau, die die Kinder hüten muss (arghhhh!).

Am folgenden Tag wird die Bambi-Veranstaltung SELBSTVERSTÄNDLICH einhellig gelobt.
Schnarch.

Während ich wirklich glaube, dass unsere Presse relativ frei ist (so frei und objektiv, wie der Mensch als Teil seiner Umwelt nun mal ist), weiß ich wie unfrei sie ist beim Lobhudeln für eine Bambi-Berieselung des Burda.
Alle Print-Medien finden es geil. Toll. Glamourös! Schön. Tränenreich. Politisch. Umwelt.

Nächstes Jahr nehmt einfach die Bilder von diesem Mal!
Ferch ist immer. Fischer ist immer. Und der Jogi altert ja eh nicht.



In diesem Sinn
Klopfer

SCHÖNES WOCHENENDE!!!

Redakteur




02. Oktober 2017, 09:03

Wein kann man nur begrenzte Zeit mit Verstand trinken

Hallo Mädels,

wenn man wie ich entschlossen ist, auch MIT Alkohol lustig zu sein, dann muss man für ausreichend Nachschub sorgen. Dazu fahren wir in die Pfalz.
Die Pfalz ist richtig schön, was bislang nur wenigen Informierten klar ist, da ihr Name doch eher klingt wie ein verunglücktes WLAN-Passwort. Die Berühmten unter den Pfälzern sind leider auch nicht allzu so werbetauglich. Zumindest wenn sie den Mund aufmachen oder machten (Helmut Kohl, Theo Zwanziger und Rudolph Scharping)

An der Pfälzer Weinstraße gibt es wenig zu weinen, dafür um so mehr zu probieren.
Es ist Herbst und bei Sonnenschein bunt und geradezu pittoresk.
Auf dem Hof des Weingut Thomas Reinhardt ist schon mächtig was los. Berge an Kürbisse, Kartoffeln und Äpfeln und Birnen locken nicht nur die letzten flugtauglichen Wespen an, auch die Käufer.
Die Chefin des Hauses muss noch einem kochfreudigen Herren ein Kürbisrezept mit auf den Weg geben, dann kommt sie zu uns und schwenkt schon ein Probierglas für mich.
Ich probiere, Gatte muss fahren.

Gatte und ich sind die Sorte niederer Weinfreunde, die einen Wein
aufmachen
einschenken
austrinken.

Wir machen nicht so ein Gedöns, um unser sowieso nicht allzu breit gefächertes Fachwissen anzubringen. Was uns schmeckt, das schmeckt uns eben. Egal wie die Farbe sich im Glas macht, ein öliger Film am Glasrand entsteht und wie viel Grad der Wein haben sollte und nicht hat.

Her damit!
Zum Reden haben wir später noch Zeit. Der Stoff zum Philosophieren ist eh erst in der dritten Flasche enthalten!
Dies ist kein Weinseminar sondern ein Probieren und Amüsieren in schöner Umgebung. Die Sonne kommt raus und ich mit sonnigem Gemüt trinke an einer Theke, die aus zwei alten Weinfässern und einem dicken Brett besteht.

Im Wein liegt Wahrheit.
Wahrscheinlich will sich die Wahrheit auch mal amüsieren. Und stehen kann sie wohl nicht mehr.

Offenbar stört es die Chefin nicht, dass ich mir den Wein nicht siebenmal um meine Zunge spüle und dabei klinge, als wollte ich eine Gebissreinigung vornehmen. Und ich spuck auch nix aus! In meinen Augen wäre das Alkoholmissbrauch!

Wie so oft muss ich ein paar Kommentare anhören, dass ich in den Ohren der hier Ansässigen offenbar Hochdeutsch spreche (lass das keinen Hannoveraner hören), aber nach einigen Proben rede ich schon eindeutig undeutlicher.
Ich arbeite mich gewissenhaft durch alles Halbtrockene, was das Weingut hergibt. Wein gilt als leicht erregbares Nahrungsmittel, daher lasse ich das Schnüffeln beim fünften Gläschen sein und erinnere mich dass 'extra trocken' nicht 'staubig' sondern die französische Form von Halbtrockenheit ist. Hui! Und die Spätlese, lese ich später, jetzt erst mal trinken.
Chefin öffnet den nächsten Wein mit einem Korkenzieher, den ich eher einem britischen Geheimagenten als Sonder-Equipment zugetraut hätte.

O la la!
Langsam mutiere ich sprachlich zum Alptraum aller Logopäden.

Alles was ich gutheiße, landet als Kiste mit 24 Flaschen im Kofferraum meines Gatten, der das als eine Sonderform der Qualitätssicherung ansieht. Er grinst und kauft mir auch einen Korb mit Zierkürbissen, obwohl er weiß, dass die bis zur Weihnachtsdeko in unserer Wohnung überall zu finden sein werden. Mutige Entscheidung finden auch meine Söhne, die Apfelsaft verköstigen.

Was sind den die kleinen Körner in dem Glas? Frage ich und sehe tief hinein.
Weinstein.
Einstein?
Nein, Weinstein. Kaliumtartrat, weil der Wein nicht industriell hergestellt wurde.
Na dann.
Wir reden über die richtige Temperatur.
Chefin meint, wenn man will, kann man Wein bei 6-8-10-12-14-16 oder 18 Grad trinken. Es klingt, als sei ihr das nicht so wichtig, aber lasse den Kunden gerne die Wahl.

Ich kichere bei der Vorstellung, dass ein piefiger Weinkenner mit einem Fieberthermometer in seinem Glas herumrührt, bis er sich endlich erlaubt, einen Schluck zu schlürfen.
Frappieren, Chambrieren, Dekantieren.

Macht man alle! Ich degustiere derweil.
Primäraromen, Sekundäraromen, Tertiäraromen.
Wie war das?
Es gibt 54 Weindüfte.
Wer hat das herausgefunden? Und wie sah seine Leber danach aus?
Ein Hauch von Grapefruit, Walnuss und Leder.
Himmel!
Ich scherze ein wenig mit meinem Müller-Thurgau herum.

Nach so viel Probiersöckchen – Verzeihung – Probiertröpfchen kann ich auch fehlerfrei den Landesnamen aussprechen:
Die PALZ.
So spricht man das nämlich richtig aus.

Gatte hat den Kofferraum voll, zückt das Portemonnaie und wedelt mit meinen Zierkürbissen herum.
Ich atme schon deutlich mehr als der Wein.
Gatte überlegt, ob er für mich die Sackkarre braucht, aber nein, es geht auch so.

Übrigens!!! Auch weißer Wein macht eine rote Nase!



In diesem Sinne
Die Blume

Redakteur




25. Juli 2017, 13:56

Queen Victoria über Männer

Hallo Mädels,

zum gestrigen Erfolgserlebnis (siehe Folgetext)
hier noch ein Zitat von Queen Victoria:


"Die Männer, sind nicht immer was sie scheinen,
allerdings selten was Besseres."


Herrlich!



In diesem Sinne
Die Diäthaltende

Redakteur




24. Juli 2017, 11:13

Männer - eine Beleidigung

Hallo Mädels,

es gibt zwei Kulturkonstanten in unserem Leben als Frau: 1. wir werden immerzu von Männern verarscht; 2. wir wissen das, aber die Männer wissen nicht, dass wir es wissen.

Es beginnt ganz harmlos, wenn sie uns heiraten. Dann tun sie so, als wollten sie das Leben mit uns verbringen, das Leben mit uns teilen.

In Wahrheit leben sie ihr eigenes Leben.
Ihr ganz, ganz eigenes Leben.
Wir Frauen (und später die vom Mann eigens gemachten Kinder) leben nur zufällig in ihrer unmittelbaren Umgebung, mehr nicht.

Erst merkt Frau es nicht so. Aber in der Rückschau ist es doch alles sofort ziemlich klar.
Männer erschöpfen sich voll damit, ihr Leben zu leben, wir Frauen räumen hinter ihnen auf, bereiten alles vor, damit die Männer bei voller Fahrt voraus nicht ins Trudeln geraten (durch leere Klorollen, volle Spülmaschinen, dreckige Unterhosen etc etc etc).
Wenn dann die Kinder kommen, sind Männer ganz entzückt, zeigen überall herum, was sie Dolles gezeugt haben (hoho! Was für ein Mann!) und dann gehen sie arbeiten und das Weib sitzt daheim oder vertrödelt die Zeit an der Fleischtheke. Vergessen sind ihre hervorragende Ausbildung, ihr soziales Können, ihr großer Mut, ihr alles.

Was zählt, ist nur noch: Bereite deinem Mann ein schönes, oder zumindest sauberes, glattes Leben.

Klingt jetzt ziemlich verzweifelt, ich weiß, aber in Wahrheit nehme ich es mehr und mehr mit Gelassenheit. Weiß ich doch immerhin, dass ich beides kann: Leben und Arbeit.
Er kann nur Er-sein. Und das nur mit meiner Hilfe.

Hab ich jetzt alle Männer ordentlich beleidigt?
Nein, wartet, da ist noch einer:

Bisweilen mache ich mir den Spaß auf Instagram das Leben der Promis zu betrachten. Was für ein Spaß.
Was hätte ich in meiner Jugend dafür gegeben, so viele News über meine Lieblinge zu erfahren, dachte ich anfangs!
Man weiß, was sie tun, an was sie gerade arbeiten, wie sie gerade aussehen. Toll, dachte ich. Anfangs.
Mittlerweile weiß ich:

TOO MUCH INFORMATION!

Nein, eigentlich will ich das alles nicht wissen. Und lasse es mitterweile.

Meine Lieblinge nämlich – zumindest die männlichen, heterosexuellen – sind genau so wie der eigene Gatte. Da ist kein Unterschied.
Nix.
Vielleicht mehr Geld, mehr Ruhm. Aber was genau ist das schon im Angesicht des Lebens, das wir alle besitzen?
Die Frau, die mutmaßlich diese Fotos dazu generiert, mit kleinen Herzchen verziert und mit Texten versieht, sieht man nicht. Freiwillig verkaufen diese Frauen (meist Hyperschöne, denn wer Geld und Ruhm besitzt, hat den Anspruch von allem nur das Beste zu besitzen – und da Frauen alle in ihrer Grundfunktion gleich sind, nehmen wir hier was Bildschönes) ihre Gatten bestbelichtet an die gaffende Menge.

Irgendwann war einer dieser Lieblinge, der mir wirklich den Tag ein wenig versüßt hatte durch Spaß und vor allem durch herzhaft vitales Aussehen (jawohl, auch ich guck auf Sixpacks), Vater geworden.

Vater?
Ist das nicht etwas, das jeder werden kann? Auch Arme, auch Untrainierte?
„Wie erdverbunden!“ Schrie da die begeisterte Menge, „Er ist einer von uns!“

Was für ein Kerl!
Offenbar hat das artige Frauchen noch kurz bis vor der Entbindung im trüben Schatten der Handyrückseite ausgeharrt und den Gatten in bestem Licht am Strand (mit freiem Oberkörper), an der Hotelbar (mit freiem Oberkörper), im Sportboot (mit freiem Oberkörper), beim nachdenklichen In-den-Sonnenuntergang-schauen (mit freiem Oberkörper) und beim Sport (mit freiem Oberkörper UND Sonnenbrille) geknipst, während sie sich hochschwanger dem Entbindungstermin (in einer der besten Schweizer Krankenhäuser, es sei ihr gegönnt!) entgegenwölbte.
Ich war sprachlos.

Nach Durchsicht der letzten Videos war tatsächlich keine Spur von der Frau zu sehen.
Einen Abend vor der Entbindung nur ein Bild von ihm (bekleidet!) merkwürdig nachdenklich. Als ob ER bald großes leisten müsse.

Aber...aber...aber, dachte ich stotternd, er ist doch mein Liebling! Er ist doch nicht so wie alle anderen Männer!
Nix.
Auch der schönste, männliche Körper beinhaltet bloß einen durchschnittlichen Kerl!

Fotos von ihm mit Baby auf dem Arm. Eine halbe Million „Abonnenten“ und davon knapp 60.000 „gefällt mir“ kündeten davon, dass wir diesen Augenblick teilten.
Aber wo war die Frau?
Kein Wort, ob sie es gut überstanden hat?
Ich googlete nach der Frau. Ein Model. Zum Niederknien schön. Sind Models plötzlich lichtscheu geworden?

Also gut. Sie will vielleicht nicht.

Und dann kam der Knaller. Nach einigen perfekten Babyfotos erschien auf seinem Account wieder er. Gutgelaunt, ärgerlicherweise bekleidet. Und was tat er? Windeln? Wäsche waschen? Frühstück ans Bett bringen? Frau in Gold aufwiegen, weil sie das Kind unter Schmerzen geboren hat (oder unter Vollnarkose, auch egal) ???
Nix. Beim Feiern mit Freunden.

So. Und nun, Mädels, im Ernst.
Ist das wieder Verarschung? Ja.
Ist es.
Es sagt: Ich, der Mann in meiner Herrlichkeit, gehe feiern, weil ich ja so viel geleistet habe. Und später gehe ich noch an den Computer und dann gehe ich arbeiten.
Und du, Weib?
Spülmaschine, Waschmaschine, Staubsauger und nachts das Baby stillen. Du weißt ja, wie es geht. Du machst das schon. Die Sache mit meinem Leben. Ich verlass mich auf dich!
Bis später dann, wenn du irgendwann wieder am Leben teilnimmst, Weib, sehen wir uns vielleicht wieder (aber immer hübsch auf deine Figur achten, gell? Wir Männer mögen den Babybauch nicht, wenn nichts mehr drin ist von uns!!!).

Küsschen für das Baby!



In diesem Sinne
Die Furie

Redakteur




23. Mai 2017, 10:00

Barbie

Hallo Mädels,

meine Söhne kamen letztens zu mir und wollten wissen, was das für eine schockierende Sendung sei. Dieses GNTM.

Was???? Ich war außer mir! Das wollt Ihr sehen? Aber nur unter meiner Aufsicht.
Und dann haben wir es gesehen.
Germany's next Topmodel. By Heidi Perfektes Dauergrinsen Klum.
Meine Jungs sind fast die Augen übergegangen - und gleichzeitig haben sie sich fremdgeschämt bis in den Boden. Mädchen sind ihnen ein Rätsel. Nun noch mehr.

So ist das.
Erziehungsmethode a la Barbie.
Nicht echt, aber ideal.

Eine Barbie.
Eine Barbie ist eine ca. 30cm hohe, mehr oder weniger stocksteife Gliederpuppe mit schockierend eingefrorenem Lächeln und gigantischem Busen. Meist hat Barbie langes Haar und soll eine Frau in ihren faltenfreien Jahren darstellen.
Manche Barbies haben Arme, die in einem seltsam rechten Winkel vorstehen und immer so aussehen, als haben sie gerade mit einem Karateschlag Ken enthauptet.

GNTM.
100 Models wollen Topmodel werden und lassen sich dafür demütigen. Das Format wird weltweit an alle Fernsehstationen verkauft und ist ein Hit.

Es soll immer viel Diskussionen um den pädagogischen Wert dieser Puppe gegeben haben, vor deren Erfindung sicher auch Frankenstein zurückgeschreckt wäre.
Und nicht weniger Diskussionen zu GNTM.

Aber warum sich über sowas aufregen?
Mal wegen des Busens, dann wegen der wenig emanzipierten Schuhsucht und Kleidergier des ewig jungen Supermodels.
Obwohl ich meine Barbie nach guten 25 Jahren eher abstoßend finde, verstehe ich diese Diskussion nicht. Barbie wird doch eh nur so emanzipiert oder hausmütterlich sein, wie das Mädchen, das mit ihr herumhantiert, sie spielen möchte. Und dass die Mädels irgendwann Barbie werden möchten, ja und? Ist das irgendwie erstaunlich?
Irgendwas ist ja immer falsch. Banker zu sein ist auch nicht abendfüllender...

Schreiendes Pink, unerträglich hohe Schuhe, Handtaschen, die der englischen Queen würdig wären und an den rechtwinkligen Armen baumeln. Dazu rosa Kutschen, unsportliche Autos, klappbare Wohnwagen, ein gruseliges Schloss und Kleider, die sich verwandeln, Lieder spielen oder einfach nur quietsch eng sind.

Barbie IST das Plastikfleisch gewordene GNTM.

Meine Barbie, die keinen Namen hatte (während die Barbies meiner Spielkameradin Jessica, Desiree oder Mona hießen) konnte ausschließlich ihre doofen Reiterstiefel anziehen. In Stöckelschuhe kam sie nicht rein, daher hatte sie auch keinen Ken, vermute ich.
Natürlich hatte meine Spielkameradin eine ganze Fußballmannschaft Kens. Dunkle, helle, rothaarige und blonde. Ken sah in seinen glänzenden Anzügen über seinem Heldenkörper immer aus wie ein gepolsterter Depp. Daher verstehe ich sowieso nicht, warum man Barbie als unemanzipiertes Spielzeug bezeichnet.
Sie war einfach nur stupide geworden in einer Welt langweiliger Männer.
Anziehen und ausziehen. Mehr ar nicht. Und wird auch nie sein.

Nun ist viel zeit vergangen...

Wenn man zu alt wird für die Barbie schuat man als GNTM.
Aha.
Aber was macht man, wenn man zu alt ist für den Kram? Man guckt ihn trotzdem, weil man sich halb wegschreien kann bei den Kommentaren meiner Söhne:
"Braucht man nicht Busen als Model?" - "Warum sieht die ungeschminkt so blöd aus?" - "Warum trägt die nicht richtige Klamotten?"


Na, wir Mädels sind da ja weiter, wir waren ja schon vorher mit der Barbie darauf vorbereitet.


In diesem Sinne
Die Streberbarbie

Redakteur



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"Man trinkt Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen." (T'ien Yi-Heng)