angelaochel.de
 

 

 

Der Blog


     


22. Januar 2018, 15:58

Das Dschungelcamp

Hallo Mädels,

die Frage hatte sich mir bislang nicht gestellt. Die Frage nach dem Dschungelcamp. Was das ist, und warum man das schaut.
Aber nun muss ich es fragen: Warum guckt man das Dschungelcamp?

Das Fernsehformat mit dem offenbar mental verstorbenen Titel ICH BIN EIN STAR - HOLT MICH HIER RAUS wurde dereinst billig irgendwo geklaut, um einfach nur Geld zu machen. Nur Geld. Nix weiter. Aber da hätte wahrscheinlich jeder Kabelträgerpraktikant mit Hang zu Kettensägenmassakern drauf kommen können.

DSCHUNGELCAMP wie es im tamponös aufgeschäumten Volksmund auch heißt, geht so: Zwölf offenbar grenzdebile, nach Aufmerksamkeit heischende Personen, die in der Regel irgendwann im Fernsehen vermutlich durch Lautstärke aufgefallen sind, leben zwei Wochen lang in einem sogenannten Dschungelcamp.
Wo? Zumindest nicht bei Verstand. Sondern im schönen Australien.
Alles läuft unter ständiger Beobachtung durch Fernsehkameras. Ziel der Teilnehmer ist es, die Gunst der Zuschauer zu gewinnen und so lange wie möglich im Camp zu bleiben.
Das Highlight scheinen die Ekelprüfungen zu sein, die man ab und zu beim Internetlesen als Fotos bestaunen kann. Da werden dann unfassbar widerliche Dinge gegessen oder sich ins Gesicht, das nur noch einer verbauten Landschaft gleicht, schaufeln lassen. In keinem Tierpark findet man Blöderes.
Das ist alles. Ich will es nicht wirklich Konzept nennen, aber es funktioniert.

Knapp 8 (acht!!!) Mio. (Millionen!!!) Menschen haben bislang 11 (elf) Finale degoutant verkostet. Was bedeutet das für unsere Zivilisation? Für Menschen mit einer kulturellen Identität? Nichts. Für die Fernsehmacher bedeutet es schlicht, dass eben 8 Mio. Leute ihr überwältigendes Bedürfnis nach Schadenfreude und Sadismus bei RTL befriedigen. Mit Werbeunterbrechungen versteht sich.

Zweifel an der ethischen wie ästhetischen Brillanz dieser Sendungen stellen sich nie, denn wer das anschaut, dessen Hirn schaltet aus Gründen der geistigen Gesundheit bereits nach einer halben Sekunde 92 Prozent seines Arbeitsplatzes ab. Blindflug. Low Performer im Übermaß.

Oh, Himmel, lass es ARTE regnen im Wald!

Gehirne sind was Tolles. Es wäre sooo schön, wenn jeder sie gebrauchen würde. Aber wer das hier schaut, denkt nicht. Der glotzt nur. Das, was da jetzt bei diesen Leuten vor Ort und an den Empfangsgeräten im Hirn passiert, würde mindestens 10 Schülern das Abitur versauen.
Ekel, gepaart mit Ego-Migräne (zwischen tropischen Pflanzen) sowie hanebüchene Dialoge (die ein Facharzt für Spekulationsdiagnostik als ansehnliche Sprachverfehlung durchgehen lassen würde) machen das Gesendete zu einem Hit. Ein fanatischer Glaube an ein Konzept muss gefühlsfremde Menschen zudem dazu bringen, sich handyaktiv an dieser Sendung zu beteiligen.
Alle Zuschauer und Akteure scheinen in ihrer Schadenfreude irgendwie sozial fehlgeleitet und damit eine merkwürdige Komplizenschaft zu bilden. Aber das Erschreckendste ist, das das Format wirklich, wirklich funktioniert.

Erwähnte ich das schon?
Ja, offenbar beginnt mein Hirn schon mit der Abschaltung…

Geistig komplett unbemannt, fährt das Flaggschiff von RTL durch das Abendprogramm. Obsession besiegt Depression. Aus den Missgeschicken dieser defizitär Begabten das Maximum an Demütigung rausholen. Das haben sie voll drauf.

- Abschaltung vorbereitet -

Nein, ein Sinn dieser Aktionen im Camp ist nicht erkennbar. Es ist eine Herausforderung schon alleine darüber einen Text zu schreiben, denn das alles ist so unfassbar geistlos, dass dieser Text nun einfach…

...endet.



In diesem Sinne
Die Unfugsvermutung

Redakteur




20. Januar 2018, 10:28

Sexualkunde. Das Ende der Unschuld.

Hallo Mädels,

von wegen Penisneid!
Aber alles von vorne... Also, ähem, von Anfang an:

Es ist immer schön, wenn man mal aus seinem Erfahrungsschatz reden kann. Ich mag es, wenn Mütter mit kleineren Kindern mich um Rat fragen.
Letztens kamen wir Mütter allerdings auf diese eine Erfahrung zu sprechen, die wir zu durchleben gezwungen sind, die wir aber gerne als Streichergebnis betrachten würden.

Richtig.
Sexualkunde.

Da denkt man von sich: Oh, was bin ich für eine supersuper aufgeklärte Mutter! Und dann kommt der eigene Sohn, legt die Sachkundemappe vor und sagt: "Kannste mal abfragen, ich schreibe eine Arbeit."

Ich erinnere mich noch genau, wie das bei uns zuhause ablief. Vor mehr als vier Jahren.
Da stand ich nun. Mit meinem bisschen Lockerheit. Gleich vorne in der Mappe meines Sohnes ein riesiges Schaubild von einem Dödel.

Folgender Dialog entspannte sich (eher unentspannt)

"Das heißt nicht Dödel, das ist das Glied oder der Penis. Hab ich, Du nicht, Mama", werde ich locker in Kenntnis gesetzt. Ich richte mich stocksteif in meinen Sessel auf. Ich spüre spontan den Drang, eine Reise in die Tropen anzutreten, weit, weit weg.
Da ist es nun. Das Ende der Unschuld. Plötzlich bekommen auch die einfachsten Formulierungen diesen bösen Anstrich.

Supersuper aufgeklärte Mutter (Ich): "Dann schieß mal, ne, äh, also dann fang mal, äh, ne, besser noch nicht, äh, sag mal was." Ich wieder. Miss Lockerheit 2000.
Mein Sohn rattert alles runter, was in dem Schaubild angezeigt ist. Ich muss nicht eingreifen --- äh --- also nicht wörtlich und nicht, äh, gar nicht.

Supersuper aufgeklärte Mutter: "Toll. Das kannst du also, sehr schön." Ich will ihm die Mappe schnell wiedergeben. Er nimmt sie, aber statt mich aus der Nummer, äh ne, aus der Verantwortung rauszulassen, blättert er zu einem weiteren Diagramm. Er seufzt schwer. Eierstöcke und so. Mutterpass-Erinnerungen kommen hoch.

Er: "Also bei euch Frauen ist das ganz schön viel und kompliziert. Guck mal, der Gebärmutterhals ist UNTEN!"
Der Bruder kommt herbei und betrachtet nun interessiert das Schaubild und den Ausgang, den er erstvor wenigen Jahren nahm.
Kleiner: "Was'n das?"
"Frauen", winkt sein großer Bruder ab.
Er sagt nun alles Sachkundetaugliches auf, und ich blättere hastig weiter in der Mappe. Ich bemühe mich, die Lernübung zu einem Abschluss zu bringen.
Peinliche Pause.
Supersuper aufgeklärte Mutter: "So, dann sag mir nur noch eins, dann bist du fertig und kannst auf den Bolzplatz gehen." (Ja, und bleibst hoffentlich noch lange ein fröhlicher, kleiner unschuldiger Junge!). "Also was bekommen die Frauen jeden Monat?"
(ich meinte Menstruation)
Er: "Ach das."

Supersuper aufgeklärte Mutter: "Jepp."

Er: "Das mit den Wattedingern?"

Supersuper aufgeklärte Mutter: "Jepp."

Er: "Ach, das hat so einen komischen Namen."

Supersuper aufgeklärte Mutter: "Jepp."

Er: "Ach", er wirft erleichtert seinen süßen Bubenkopf in den Nacken, "jetzt weiß ich, was du meinst: Monsteraktion." Damit ist es erreicht. Das Zeitalter der Aufklärung.




Mythos Frau – das unbekannte Monster.



In diesem Sinne
Frau Leibniz, rationalistische Universalgelehrte der Frühaufklärung

Redakteur




19. Januar 2018, 08:36

Nur kurz dazwischen gegrätscht

Hallo Mädels,

für alle, die ihren Charakter renovieren wollen, hier ein wichtiger Leitfaden (oder Leidfaden?):

"Guten Menschen Gesellschaft zu leisten ist die beste Methode, selbst ein guter Mensch zu werden."

Das sagte zumindest (und zu Recht) Miguel de Cervantes, der Schöpfer vom wunderbaren, tapferen, Don Quijote de la Mancha.



In diesem Sinne
Dulcinea del Toboso

Redakteur




19. Januar 2018, 08:21

Vereinssatzung und Feindbild

Hallo Mädels,

das Thema Verein ist gefährlich. Es packt mich mehr. Ich bin infiziert. Ich habe Vereinsfieber.

Ich bin wieder auf dem Weg zu einem Mitglied. Ich hab ein großes, rotes Buch unterm Arm, in dem ich mir alles notiere. Ich habe auch Textmarker und einen neuen Kugelschreiber. Ich schreibe lang und viel. Ich unterstreiche und mache Pfeile. Ich höre zu, während auf dem Papier das Herz des Vereins entsteht.
Ich bin gerne bei den Menschen zuhause. Sie fühlen sich dort sicher, auch wenn ihnen klar ist, dass da ein Eindringling sitzt, der neugierige Fragen stellen will. Sie lassen mich mit einem Lächeln gewähren.
Es gefällt mir überall.
Ich lege mein Notizbuch offen auf den Tisch. Alle erkennen: die interessiert sich wirklich für mich. Und für den Verein. Das mögen alle. Es ist, als würde man ihr Kind loben.
Aber sie sagen nie laut: ich liebe meinen Verein.
Sie sagen nur Kritisches.
Aber noch kritischer gehen sie mit dem Verein um, der nur ein paar Straßen weiter ist.
Das ist der Feind!
Oh verstehe, ich nicke und zwinker fröhlich.

Wenn ich eins schon immer wusste dann: Vereine fördern die Bestrebungen ihrer Mitglieder und stören die der anderen.

Ich sage: Ich kenne Feinde, ich weiß, dass Feinde was ganz Wichtiges sind.

Der Feind hält die Gruppe im Inneren zusammen. Deshalb hat man ja einen. Denn sonst gäbe das alles keinen Sinn, nicht wahr?
Sie schauen mich an und wollen in meinem Gesicht erkennen können, ob ich das verstanden habe, das mit dem Feindbild.
Ich nicke wieder.

Ich Tarzan, du Jane.
Ich Dortmund, du Schalke.

Sie sind erleichtert.
Nachdem sie alle alles über den Feind gesagt haben, spüre ich, wie sehr sie ihren eigenen Verein zu lieben verstehen. Trotz Kritik, die sie eben noch so detailreich anzubringen wussten. Verein verspricht Sicherheit. Und Sicherheit ist die Summe der gehaltenen Versprechen.


Das muss ich nur wissen, dann wird alles gut.



In diesem Sinne
Die mit dem roten Buch

Redakteur




18. Januar 2018, 09:35

Schaufensterbummel

Hallo Mädels,

ich kann ja viel erzählen, aber nicht, wie es ist, sich selbst im Schaufenster zu sehen.
Und ich meine SICH SELBST.
Und nicht die Bücher, die man schrieb.

Klickt mal fix rüber zu meiner BILDERGALERIE.


In diesem Sinne
Ich selbst

Redakteur




17. Januar 2018, 08:56

Wie ich lernte, die Grundlinie zu lieben

Hallo Mädels,


ich habe in meinem Leben eine ganze Menge geliebt. Und irgendwann hofft man den Zeitpunkt gefunden zu haben, wo man nicht mehr liebt. Liebe ist Krieg, und tatsächlich immer tödlich.

Ich liebte bislang zahlreiche Männer. Nicht immer mit beiderseitiger Einwilligung, nicht mal mit beiderseitiger Kenntnis, aber wen stört es.

Sportarten habe ich aber bislang nur eine geliebt.
Fußball.
Ja! Fußball!!! Das bringt mich in Wallung. Das bringt mich fast um den Verstand. Ich brülle bis die Stimme aufgibt, ich zerreiße mir vor Wut über einen verdorbenen Pass die eigene Kleidung, ich lese alles, was der Kicker hergibt um es alles sofort wieder zu vergessen, denn was hilft der Verstand, wenn man doch ein Herz hat, das anderer Meinung ist.

Und dann passiert es.
Ich werde untreu…

Himmel! Angie! Du warst immer so loyal!!!

Vorbei! Da kommt eine andere Sportart und rammt sich tief in mein Herz, stellt ein Netz auf, in das ich mich total verheddere und malt seelenruhig die Grundlinie in roten Sand.
Du wirst jetzt erwachsen, liebe Angie. Du trägst nun Röckchen und zählst die Punkte anders, nein, es gibt keinen Torwart und es wird auch nicht mehr gebrüllt.
Quiet please.
Was war passiert???
Es ist wohl die Art wie ich die Welt wahrnehme, die mir diese Liebe bescherte, denn ich weigere mich, die schönen Kleinigkeiten im Leben zu übersehen, halte Geld zwar für ein schönes Hobby aber im Grunde für Zeitverschwendung, kann mich sogar über anstrengende Gesprächspartner freuen, mag den Widerspruch, und ich mag es, wenn jemand es richtig versteht, verlieren zu können.

Meine neue Liebe heißt TCM.

Was klingt wie das Qualitätssiegel von Tchibo ist jener Club, dem nun mein gesamter sportlicher Ehrgeiz gilt. Na, fast. Aber selbst das ist enorm viel.
Tennis. Und das mir.

„Oh, Himmel, Angie, dich können wir uns gar nicht auf dem Tennisplatz vorstellen!!!“
Nein? Dann gewöhnt euch lieber dran.

Was wir bisher wissen über Tennis: Teuer, ruhig, elegant, schön. Tennisarm. Wimbledon, Gerry Weber Open in Halle Westfalen. Tennis, der Ballsport, Unterkategorie Rückschlagspiel und gehört zu den Netzballspielen (Dinge, die ich in meinem Leben noch nie so genau wissen wollte).

Während ich früher ja gerne auf den entspannenden Aufenthalt in der Sportlerklausel hinarbeitete und das tiefgekühlte Hefeweizen bereits meinen Namen rief, ist da nun eine Apfelschorle. Wie konnte das passieren? Meine Freundin C. Ist schuld. Sie gibt es unumwunden zu. Sie hat nicht locker gelassen, bis ich den Bogen mit der Mitgliedschaft unterschrieben habe.

Aber was genau liebt man an einer Sportart?
Oh, was man an Männern liebt, weiß ich, aber an einer Sportart?
Wahrscheinlich nicht nur die Art, wie man einem Ball eine siegführende Richtung gibt. Es muss mehr sein. Das drum herum. Die Menschen drum herum.

Ich kann mir sensationell schlecht Namen merken, außer den Spitznamen, den ich jemandem gegeben habe.
So traf ich bereits bei der Ausübung dieses königlichen Ballsports auf einen Fernsehkoch, dort auf einen Franzose und auf Robert Downey jr., Egon Krenz, Keanu Reeves, Mister Perfect, Delica, die Nasszelle, die Schöne, den Engel, die Liebe, den Grummelkopf, die Winkelhalbierende und die Weinschorle. Die mit den blauen Augen und auch die mit dem Mörderaufschlag.
Schon die Tatsache, dass ich jemandem einen Spitznamen gebe, heißt, dass ich ihn sehr deutlich wahrnehme.
Sie alle ergeben ein Gewusel, das mir gefällt. Sehr sogar. Ich wäre gerne wichtig für diese Menschen, aber ich bin nicht gerade jemand, auf den man gewartet hat. Ich bin mehr zufällig da. Weil meine Freundin das so wollte. Und weil ich gerne mache, was meine Freunde möchten.

Ich stehe auf dem Feld und halte den Filzball in den Händen. Ich stelle meine Füße sorgfältig an der Grundlinie auf. Auf dem Nebenplatz spielen meine Söhne. Ehrgeizig, aber nicht verbissen. Lachen, loben, wollen nicht aufhören.
Ich denke an Zuhause. Und an mein eigenes Früher. Mein Vater hat gerne Tennis gespielt. Ich mochte seine DUNLOP-Tasche aus gelbem Kunstleder und den schweren Holzschläger. Ich mochte schon als Kind den Geruch von neuen Tennisbällen und wie sich die borstigen Härchen auf der Oberfläche anfühlen.
Im Jetzt: Ich mag das Feld vor mir in südländischem Rot, das Netz, die Ordnung. Langsam mag ich sogar den Rock, den ich trage. Ich und ein Rock!!! Früher undenkbar! Ich brauchte lange Hosen, Handschuhe und eine Matschkuhle, durch die ich rutschen konnte, um vor den Füßen des Gegners zu landen und ihm den großen Ball zu klauen!
Nun geht es aber darum, den Ball NICHT zu behalten. Ja, Rückschlagspiel.

Ich atme durch. Gleich mache ich einen Aufschlag. Richtiger Griff, richtig hoch werfen, ausholen und zuschlagen. Du schaffst das! Fest und präzise.
Ja, genau. Manchmal ist Liebe einfach nur fest und präzise. Und man muss sich nur an Regeln halten und sich sauber auf die gelernte Technik verlassen, dann gewinnt man das Spiel.

Ruhe bitte. Ich will alle Spiele gewinnen, aber nicht alle auf einmal. Gebt mir zwei Jahre Zeit.


In diesem Sinne
Big Point

Redakteur




16. Januar 2018, 12:59

Gute Vorsätze


Hallo Mädels,

ich hab gestern einen deprimierenden Beitrag im Fernsehen geschaut
Über Müll. Besonders Plastikmüll, der ins Ausland verkauft wird.

.
.
.

Daher recycle ich jetzt meine guten Vorsätze vom letzten Jahr und vermeide selbigen mehr.


Ja doch!
Ich schreibe auch weniger Müll, versprochen...


In diesem Sinne
Wünschdirwas

Redakteur




12. Januar 2018, 15:12

Miriam hat ein Foto für dich (Fotowelt Mühlheim)

Hallo Mädels,


leider besitze ich nicht das Talent, mich nicht darum zu kümmern, was ich selber von mir denke. Andere dürfen mich ruhig doof finden, aber ich versuch es tunlichst zu vermeiden, mich selbst doof zu finden.
Jeder andere würde wahrscheinlich zum Friseur gehen, um sich besser zu fühlen. Oder zum Optiker, oder in die Süßigkeitenabteilung von Penny. Ich hingegen gehe zum Fotografen.

Zu diesem Zwecke besuche ich in der Bahnhofstraße 22, das Studio von Herrn Wiesner. Es ist eine andere Welt. Es ist die Fotowelt Mühlheim.
Ich hab mich fein gemacht. Mein bester Blazer, auf dem Kopf frisch gedrehte Locken. Herr Wiesner steht am Tresen und lächelt zur Begrüßung. Er ruft nach Miriam, wie man nach der Feuerwehr ruft.
Miriam kommt herbei geeilt. Miriam ist cool. Sie gibt mir die Hand und ahnt augenblicklich, wie aufgeregt ich bin. Sie weiß, dass ich mich immer etwas davor fürchte, fotografiert zu werden, obwohl die Resultate, die sie mit meinem Gesicht erzielt, überaus erstaunlich sind. Während ich also schrecklich aufgeregt alles hervor sprudle, was mir Mögliches und Unmögliches zu unserem Fototermin einfällt, dirigiert sie mich sanft aber bestimmt ins Nebenzimmer.

Fotografen müssen mehr können, als die bestmögliche Technik ideal zu nutzen. Sie müssen den Menschen erfassen, bevor die Technik ihn zerlegt.
Miriam kann das. Sie sieht in dem Menschen vor sich das Beste. Und genau das fotografiert sie. Aus irgendeinem Grund ist sie in der Lage, alles Unschöne wegzulassen.
Ich rede noch, aber sie hat das Fotogerät schon halb vorm Auge.

„So. Jetzt mal nicht mehr sprechen. Und Schultern nach hinten, und bitte recht freundlich. Nase bitte tendenziell nach hier…“ Sie zeigt mit einer Hand, was sie meint. Genau das sind ihre Lieblingsworte, ich erinnere mich an unseren ersten Termin und versuche ein Lächeln. Es dürfte grauenhaft sein dieses schiefe, verunsicherte Gegrinse, aber Miriam stört das nicht.

„Dreh dich mal. Körper einmal so. Nase tendenziell hierher, Kopf etwas so…“
Miriam könnte auch in Bayreuth die ganz großen Wagneropern dirigieren. Ich komme mir nämlich gerade so vor wie eine Walküre.
Sie plaudert harmlos mit mir, kommt auf mich zu, zupft am Haar, redet weiter. Es ist die richtige Mischung aus resoluten Anweisungen und Lob für mich, mein Gesicht, mein Haar oder sonstwas, was ihr an mir gefällt.
Ich kann eigentlich gar nicht glauben, das ihr IRGENDWAS an mir gefällt, aber ich beginne mich zu entspannen und langsam, ganz langsam fühle ich mich wie ein Top-Model.
Heidi Klum mag am Ende des Tages kein Foto für mich bereit haben.
Aber Miriam.
Ätsch! Das ist viel besser!

Miriam ändert den Hintergrund. Ihr Chef steht daneben und genießt offenbar das kreative Gewurschtel. Miriam ist ein bisserl streng mit ihm, aber das wirkt professionell. Und er ist zufrieden, das sieht man.
Miriam klettert auf einen Hocker, der fast so groß ist wie sie selber. Ihr Chef reicht ihr kompliziert aussehende Technik. Sie besprechen irgendwas, was ich nicht verstehe, aber irgendwie sehr beeindruckend finde.
Miriam turnt derweil auf einem anderen Hocker herum. Sie nutzt den Raum aus, geht weit nach hinten, dann wieder ganz nah. Den Faden verliert sie nicht dabei.

„So. Jetzt versuchen wir es mal so. Die Nase tendenziell mehr nach da...“ Sie zeigt, ich mache.
„Noch mal Schultern nach hinten. Und Nase tendenziell nach hier…“
Es dauert eine ganze Weile. Dieses Licht, anderes Licht. Dieser Hintergrund, anderer Hintergrund. Mit Jacke, ohne Jacke, Haare wuschelig, Haare weg.
Wie viel Fotografien KANN man von einem Gesicht wie meinem überhaupt machen? Miriam kann.

„Noch mal tendenziell die Nase...“
Jawohl!
„Und noch etwas mehr Körperspannung!“
Jawohl.
Ich werde müde, obwohl es so aufregend ist. Ich soll den Popo zusammenquetschen und energiegeladen hinsetzen.

„Noch Schulter zurück und tendenziell…“

Kleinlaut merke ich an, dass ich müde werde. Miriam und der Chef geben alles, damit ich mich nochmal richtig ins Zeug lege.
„Ok!“ sagt Miriam endlich, endlich und ich sacke erschöpft in mich zusammen.

„Guck mal, das hier, und das hier.“ Sie zeigt mir auf dem kleinen Display ihres Arbeitsgerätes eine Auswahl der Fotos. Um es sehen zu können, hole ich meine Lesebrille raus, die ich natürlich aus Gründen des besseren Aussehens die ganze Zeit unter Verschluss gehalten habe. Ich setze die Brille auf und schaue auf die Bilder. Sie sind wirklich sehr gut, und wir lachen. Die Anspannung fällt von mir ab.

Genau in dem Moment sagt Miriam:
„Schau mich mal an!“
Und tatsächlich schaue ich über den Rand meiner Brille auf Miriam. Ich höre das Klicken ihres Apparates.
Im selben Augenblick sagt der Chef: „Und das Foto stellen wir ins Schaufenster!“


Und da steht es nun.

Bahnhofstraße 22, Mühlheim am Main.

Herkommen, hingucken, reingehen.
Sehenswert.


In diesem Sinne
Mit Brille


www.fotowelt-mh.de

Redakteur




09. Januar 2018, 13:57

"Miele, Miele!", sprach die Tante, die alle Gatten kannte

Hallo Mädels,

wir müssen reden, Schatz!
Oh oh.
Und zwar über Spülmaschinen.
Oh oh.
Das kann den Tod einer Ehe bedeuten.

Eine Spülmaschine ist eine Erfindung von Männern für Männer.
Mein Gatte ist ein absoluter Haushaltsverweigerer, was ihn nicht eine Sekunde davon abhält, alles, aber auch wirklich ALLES besser zu wissen im Haushalt. Er räumt nichts weg, aber er ist großzügig mit Sprüchen über meinen bedenklichen Mangel an Sauberkeit und Ordnungssinn.
Und auch klar: bei den Kindern natürlich erst recht, da muss er ja seine erzieherische Autoritätskarte voll ausspielen.

Mein Gatte kocht allerdings sonntags für uns. Das muss man sagen, das ist fein und lecker.
Dass danach die Küche aussieht, als habe ein ausgewachsener Pottwal nach Krill gesucht (und nicht gefunden), steht in einem ganz anderen Kochbuch.

Der Geschirrspüler. Das Wunder der Aquaristik, wie man meinen könnte und eines der wenigen Dinge, die neben Herd und Kühlschrank WIRKLICH nützlich sind. Ein Thermomix wird längst der Bedeutungslosigkeit anheim gefallen sein, während eine Spülmaschine immer noch Master of Kitchen sein wird. So sehen das auch 70% der deutschen Haushalte, denn sie besitzen eine.
Es waren die mir sehr sympathischen Gütersloher, die das Ding zwar nicht erfunden, aber 1929 die ersten elektrischen Geschirrspülmaschinen Europas gebaut haben.
Ohne Geschirrspüler wäre Ehe gar nicht möglich.

Wie funktioniert überhaupt ein Geschirrspüler?
Fragt man einen Gütersloher, dann antwortet der: „Gemäß dem sinnerschen Kreis wird durch das Zusammenwirken der Faktoren Zeit, mechanische Energie, Temperatur und Chemie das Spülgut gereinigt.“

Fragt man eine Hausfrau, sagt die: „Aufmachen, Dreckgeschirr reinstellen, weg ist es. Später dann mal anmachen und ausräumen.“

Mein Gatte hingegen, sieht diese Erfindung viel differenzierter.
Er stellt sein Geschirr erst gar nicht in die Nähe des Gerätes und bemerkt aber später erfreut dass irgendwann das Geschirr sauber in den Schränken wiederzufinden ist. Faszinierend.
Er notiert sich: Dass seine bloße physische Anwesenheit das bewirkt haben müssen.

Aber vielleicht würde mein weiblicher Charme diese konsequente Fehlanalyse noch verzeihen, wäre das nicht eine Marotte, die mich fast zur Weißglut bringt.

Neben seiner Marotte, eine bereits eingeräumte Spülmaschine als „NICHT VOLL GENUG“ zu bezeichnen, dann alles umzuräumen (um dann hinterher mir ein überzähliges Teil in die Hand zu drücken mit den Worten: „Das musst du so spülen!“) kommt es noch zu Folgendem:
Gatte glaubt ernsthaft, dass alle Sachen vorgespült werden müssen.
Was das denn für ein Wasserplemperei wäre, bitteschön, frage ich entrüstet, als ich im kücheneigenen Waschbecken klebrige Schalen und verschmierte Schüsseln, soßentriefende Teller und kakaohaltige Becher mit kalten, siffigen Wasser in ihnen vorfinde.
Gatte würde das vorspülen, ich könnte das nasse, schmierige, kalte Zeugs dann später ja in die Spülmaschine räumen.
…. Es erübrigt sich von selbst zu erwähnen, mit wie viel „Iiieeehhh“ und „Würg“ und „Yiirgh“ das verbunden ist, wenn das fettige Dreckwasser einem dann von den Händen tropft, während man den Mist einräumt.

Ich versuche es mit Sachlichkeit: „Gatte! Das ist Wasserverschwendung!“
Oh, nein, nicht mit Gatte! Der zwar selten eine Gebrauchsanweisung liest, aber gerne mal Werbeprospekte auswendig lernt und mir seelenruhig mitteilt, dass die Maschine so viel spart, dass diese paar Tropfen die Sache nicht weniger effektiv machen!

Und so referiert er: „Laut einer internationalen Studie wird zum Abwaschen eines Maßgedecks beim händischen Abwaschen im Durchschnitt 49 Liter Wasser benötigt!“
Dann hebt er den Zeigefinger: „Mit einer ostwestfälischen Geschirrspülmaschine weniger als 10 Liter Wasser!“
...ich hasse diese haushaltsscheuen Streber-Sachsen… grolle ich innerlich...
Es kommt noch mehr. Gatte referiert von rotierenden Düsen, Wasserstrahl und Volumenstrom, von Tensiden und noch mehr Kram.
Währenddessen sehe ich auf das verschmutzte „vorgespülte“ Zeug im Waschbecken.
„Und wer macht dass jetzt weg?“
„Du natürlich.“
Aber klar…. Ich habe ja Zeit.

Nein, Männer und Frauenhaushalte passen einfach nicht zusammen…


In diesem Sinne
Die Ionentauscherin

Redakteur




04. Januar 2018, 12:16

Der virulente Januar-Blues


Hallo Mädels,

der Januar ist der blödeste Monat von allen. Er ist grau, er ist kalt, er ist nass, der nächste Grillabend ist unendlich weit weg, und richtig hell wird es auch nie mehr.
Da bleibt einer beurlaubten Kunstschaffenden nicht viel mehr übrig, als eloquent die pubertierende Kinder hinaus an die frische aber ansonsten wenig positiv besetzte Luft zu bringen, am besten Richtung Supermarkt mit ausreichendem Chips und Autozeitschriften-Vorrat, in der Hoffnung, die Pubertiere bleiben anschließend in ihren zugewiesenen Arealen (die in der Zwischenzeit von einem SWAT Team gestürmt wurden und das alle Stinkesocken und ähnlich hoch toxische Textilien entfernte).
Mir selbst bleiben trübsinnig langweilige Spaziergänge durch matschbraun-popelgrüne Landschaften, um dort meine Gedanken zu vertrödeln.

Warum bin ich nur immer so kompliziert? Ich frage mich, warum es nicht ohne Drama gehen kann bei mir?

Während ich mit Tannenzapfen Zielschießen veranstalte, verzweifel ich etwas an mir selbst. Nein, der Januar ist kein Monat, in dem ich mich leicht von mir ablenken kann!
Lichtblicke sind da die Joggingeinheiten mit meiner jungen Personal Trainerin. Anstrengend aber immerhin hat man anderthalb Stunden was zu tun.

Zurück daheim sitzt mein Ältester etwas heiser neben mir und blättert in einem BMW-Prospekt (M2), was bedeutet, es geht ihm besser. Er hat auch schon nach so lustigen Dingen gegooglet wie „Verbrennungen Dritten Grades“, weil einer seiner drei Helden daran laboriert.

Wie viel Helden hatte ich eigentlich in seinem Alter?
Grübel. Also da waren...
Toni Schumacher. Und Toni Schumacher. Und Toni Schumacher.
Ah. Auch drei.

Seit letzter Woche haben wir Husten im Haus. Es ist wie Mäuse im Keller. Man wird es nur los, wenn man die ganz harte Tour fährt. Bloß nicht weich werden! Mit Gift.
Und für das Kind: Tee trinken! Hustensaft trinken! Nicht jammern! Kalt duschen.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich es früher eigentlich ganz schön fand, krank zu sein. Ihr wisst schon: man kommt von der Schule, wirft den Tornister weg und sieht ziemlich trübe aus. Auf dem Schulhof hat man weder seine Runden laufend hinter sich gebracht, noch mit dem Klassenkotzbrocken herzhaft gerauft.
Die Mama sieht mich nur kurz an und sagt: "Willst Du was essen oder lieber gleich ins Bett?" Dann schleicht man hinauf in sein Zimmer, findet es unangenehm kalt im Schlafanzug und die Bettdecke kommt einem eisig vor, dann liegt man da, bemitleidet sich selbst und wartet auf Rettung.
Meine Mama war die perfekte Ärztin, ich sage bewusst Ärztin, denn sie war mehr als eine Krankenschwester. Sie hatte diese resolute Zuversicht, dass man den grippalen Infekt überleben würde.

Meine Mama stellte bei ihren Visiten in meinem Zimmer folgende Fragen: "Wie fühlt es sich an. Drückt es, hier oder hier? Hast Du Schmerzen, und wo?"
Man jammerte unverständliche Antworten, entrüstet darüber, dass man das wissen sollte und bot ein Bild des perfekten Leidens.
Mama ließ das nicht gelten: "Micker hier nicht rum!"
Mickern war ein typisch pommerscher Ausdruck und hieß so viel wie Jammern.
Quasi als Strafe fürs Jammern bekam man ein Zäpfchen dort reingerammt, wo man sich nicht richtig wehren konnte. Aua! Nach einer Weile begann das Medikament zu wirken, man war wieder deutlich besser gelaunt und ließ sich nun ganz gerne unterhalten.

Darauf war die Familie natürlich nicht wirklich vorbereitet, aber mit viel Leid im Blick, schaffte ich es, dass Brettspiele hervor gezerrt wurden oder mein Vater eine Tüte Lakritz in hohem Bogen durchs Kinderzimmer warf und meinte: "Gut für den Hals!"
So oder so ähnlich wird es uns allen gegangen sein.
Irgendwann gewann die feste Überzeugung die Oberhand, dass man jetzt wirklich genug krank war und man zog wieder los.

Gesund-werden war also eher ein kurzweiliger Unterhaltungswert.

Meinem Ältesten scheint es genauso zu ergehen.
Gut so.

Ich bin nicht besser. Aber immerhin nehme ich klaglos alle Medikamente.
Selbstverständlich ohne die Nebenwirkungen durchzulesen!
Himmel! Ich bin der schlimmste Packungsbeilagen-Nebenwirkungen-Hypochonder! Ich glaub mir selber IMMER, dass ich wirklich ALLE Nebenwirkungen habe.
Auf einmal!
Innerhalb von Sekunden!
Noch VOR der Einnahme des Präparates!


NIE diese Zettel lesen!!!

Ich bin daher wohl (fast) immer aus Unwissenheit gesund.


In diesem Sinne
Die wandelnde Wärmflasche

Redakteur



Seite 1 von 66