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05. Mai 2014, 09:32

Viel Frau, viel Ehr

Hallo Mädels,

meine Freundin kenne ich schon seit Kindergartenzeiten. Mittlerweile fährt sie statt Puppenwagen einen Kleinwagen.
Letztens war die Batterie aus dem Fernbedienungsschlüssel am Ende. Ihr wisst schon. Das Ding, das so aussieht wie ein Schlüssel, aber nicht so benutzt werden will. Sie sagt, wenn das blöde Ding alle ist, dann kann man ihren Wagen zwar aufschließen, aber nicht die Alarmanlage ausschalten. Dann gibt es immer ein irres Hupkonzert, bis man den Wagen wieder zugeschlossen hat und mit der Fernbedienung geöffnet. Meine Freundin ist sehr praktisch veranlagt.

Meine Freundin ist gerade im Tierfutterfachgeschäft, um ihre Hauskatzen und die Vögel im Garten glücklich zu machen, als die Fernbedienung aufgibt.
Mist, denkt da meine Freundin. Sie öffnet den Kofferraum mit dem langweiligen Normalschlüssel und schon geht es los.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Das kann ihr Auto mit Inbrunst und Ausdauer.
Das Dauerhupkonzert spült die Freßnapffachkraft auf den Parkplatz. Meine Freundin beruhigt den jungen Mann, dass es sich bei ihr nicht um eine Autodiebin sondern um die Autoeignerin handele. Die Hauptstrasse runter sei ihre Werkstatt, da führe sie jetzt hin, brüllt sie den Vogelfreund an.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Es macht natürlich irre Eindruck, wenn man Bielefelds meistgefahrene Straße dauerhupend entlangfährt! Ich vermute, der Verkehr in OWL kommt zum Erliegen, weil alle rechts ran fahren und Platz machen.
Schimanski in Duisburg mit Blaulicht ist nix dagegen.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Mit dieser Soundeinlage erreicht sie die Werkstatt. Alerte Werkstattblaumänner stürmen aus ihren Garagen herbei, um zu sehen, was los ist.
Meine Freundin entsteigt dem Wagen, legt einem knackigen Mechaniker den Fernbedienungsschlüssel in die Hand und schreit: „Eine neue Batterie bitte!​“
Und was tut der?
Klar.
Er ist schließlich ein Mann. Er versucht zu denken. Er denkt: „Die hat keine Ahnung.​“
Meine Freundin seufzt über diese vollendete Hirnlosigkeit und begibt sich in den Wartebereich der Marken-Werkstatt. Dort zieht sie sich in aller Gemütsruhe einen Cappuccino, während sich nebenan in der Werkelei ihr Auto laut wehrt.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Nach wenigen Minuten erscheint der Mechaniker. Er brüllt oberwichtig: „Das Türschloss ist kaputt, daher wird die Alarmanlage nicht ausgeschaltet.​“
Ach, denkt da meine Freundin, erzähl mir mal was Neues.
Zur Strafe schaut sie dem Mann auf den Knackpo und schüttelt den Kopf.
„Neue Batterie bitte!​“ schreit sie zurück. Nebenan:

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

„Nein, nein!​“ brüllt der Blaumann in der Gewissheit, dass er die Ahnung im Schraubstock gefangen hält, „Neues Schloss in der Tür! Müssen die ganze Türverkleidung abmachen! Das wird wohl knapp 6.​000 Euro kosten! Alles neu machen!​“ Ihr Auto sagt dazu:

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Und meine Freundin nippt am Cappuccino. „Nur eine Batterie bitte!​“
Der Mechaniker hampelt noch einen Augenblick vor ihr herum und murmelt Dinge, die dank des frauenfreundlichen Hupens niemand petzen kann. „Frauen haben keine Ahnung von Technik“ dürfte noch das Netteste gewesen sein. Statt sich über den Hosenlatz-Matz aufzuregen, zieht sie sich einen zweiten Cappuccino. Das kann ja dauern, wenn der Mechaniker weiterhin so dusselig ist.
Noch einmal versucht es der Schraubermeister (dessen Oberarme sehr adrett das T-Shirt füllen) mit einem mündlichen Sechs-Mille-Kostenvoranschla­g, aber da sie nicht reagiert, trollt er sich.

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

Die schönsten Geschichten schreibt das Leben!
Denn dann passiert folgendes:

HUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPHUPH­UPHUPHUPHUP

stillestillestillestillestil­lestillestillestillestillest­illestillestillestille

Der Mechaniker erscheint. In der Hand hält er die Fernbedienung. Er kratzt sich verlegen am Kopf und legt den Schlüssel auf den Tisch.
„Das macht dann vier Euro.​“ sagt er leise.


„Aber einen süßen Knackarsch hatte die Hohlbirne“, meinte meine Freundin später.



In diesem Sinne
Die Fahrprüfung

Redakteur




31. Dezember 2013, 12:01

Letztens im Lounge-Bereich der BMW-Niederlassung in Frankfurt

Hallo Mädels,

in der BMW-Niederlassung in Frankfurt gibt es einen Parkbereich für abzuholende Fahrzeuge, einen für Fahrzeuge zum Check-in für die Werkstatt und einen für die Gattin.
Im letzteren steht eine ganze Reihe ansehnlicher Lounge-Möbel, auch für das obere Preissegment ansprechend.
Ich liebe übrigens das Wort Lounge. Es klingt so viel besser als das harte, deutsche Wort WARTEN.

Der Bereich ist ein offenes Areal in Sichtweite zu Luxuslimousinen und einem gigantischen Kaffeevollautomat.
Mein Gatte holt mir einen Latte Macchiato und verspricht, irgendwann wieder zu kommen. Die Jungens schlürfen ihre Heiße Schokolade aus und trippeln hinter ihm her. Ich schaue mich um. Überall wartende Frauen.
Ich greife zu einer der ausliegenden Zeitschriften. Die ist daumendick und glänzend und heißt: Kempinski. Wie das Hotel. Ich schlage sie auf und drin ist: Kempinski. Das Hotel. Shanghai, London, Dubai.
Vielleicht wirkt es schrecklich Upperclass wie ich dieses Hochglanzprinterzeugnis mit einem Bild-Text-Verhältnis von 97 : 3 mangels Lesebrille am ausgestreckten Arm von mir weghalte. Jedenfalls spricht mich diese Dame an. Eine wirkliche Dame. Sie deutet auf die zwei Modellautos und die leer getrunkenen Becher meiner Jungs. Ob sie sich hierzu setzen dürfe. Sie ist Ende 50, hat längeres, edel ergrautes, tolles Haar, ist attraktiv und in exquisite Strickwaren gewandet, die ihr um die zarten Schultern schlackern. Sie spricht deutlich aber leise.
Ich nicke und sammele die Modellautos ein.
Sie stellt ihre großformatige Handtasche ab mit den zwei ineinander geschwungenen Cs. Das ist Chanel. Ich habe von Mode nicht genug Ahnung, um sagen zu können, ob es sich um ein aktuelles Modell handelt bei dieser Tasche. Aber ich kann abschätzen, dass es sich bei diesem raumgreifenden Handtaschenkoffer um einen Gegenwert von anderthalb Riesen handelt.
Ich überlege, ob ich beeindruckt sein soll, oder ob ich es bescheuert finde. Man kann das Geld auch in bar und in einem Portemonnaie spazieren führen.
Aber die Frau hat Stil und ich verzeihe ihr automatisch. So weit kann es mit meiner republikanischen Gesinnung nicht her sein, dass ich nicht doch etwas Begeisterung für Hochadel oder elegant angelegtes Geld verspüre. Vermutlich ist es der neuerliche Einfluss von Lisa, meiner Geldmamsell.

Es dauert nicht lange, und sie verwickelt mich mit ihrer sanften Stimme und viel Sinn für Wortwitz in ein Gespräch über Autodesign. Sie mag BMW. Es würde ihrer etwas biederen Art entsprechen, sagt sie und lacht fast. Es ist ein strahlendes Nichtlachen. Sie liebe die Corvette ihres Lebensgefährten, wenn er nicht zu schnell führe. Der Porsche ihres Ex – sie macht eine Pause und sagt dann mit einer unglaublich charmanten Geste ihrer dünnen Hand: „Unerträglich.​“
Was nun? Der Mann oder der Porsche?
Was ich denn bevorzuge? Außer BMW natürlich?
Was soll ich da sagen? Dass ich mein 14 Jahre altes Fahrrad bevorzuge? So schnell will ich nicht aufgeben. Ich sage daher: Aston Martin sei meiner Meinung das perfekte Autodesign. Noch bevor ich mich innerlich fast wegschmeiße, weil ich das Gesagte aus meinem Munde so ungemein ulkig finde, hebt die Dame ihre Hand: „Aber nein, meine Liebe! In der Schweiz hat jeder Gärtner einen Aston Martin! Sie müssen schon viel Glück haben, wenn Sie von etwas anderem totgefahren werden als von einem AM.​“ Wow, das beeindruckte! Sie hat definitiv Adel in der Stimme. Es ist so charmant, dass ich ihr ihre Arroganz verzeihe. Sie klingt etwas wie Christine Kaufmann nur nicht so nervig und auch nicht mit diesem Kuhblick. Diese Dame hat was.
Aber sie ist nervös. Sie zupft sich unablässig an ihrem Ärmel, als würde ihr BH-Träger sie stören.
Ich denke: Was um Himmels willen kann dich nervös machen?
Ich rede aber über automobiles Design. Maserati gefalle ihr gar nicht. Audi und VW scheint es in ihrer Welt gar nicht zu geben. Wir kommen auf Äsjuwies. Auf SUVs. Sports Utility Vehicles. Sie liebt diese Dinger. Man habe eine grandiose Übersicht. Ich nicke. Ungefähr wie in einem Bus, und so dezent wie ein Panzer.
Bei der Erwähnung von Ferrari murmelt sie was von FIAT und der Glanz in ihren Augen verschwindet.
In Äl-Ä habe sie einen Mercedes stehen. Aber jeder fährt dort Mercedes.
Ich denke: Ich nicht.

Aber BMW, ach, das wäre was! Da fühle sie sich so sicher. Ich nicke und denke, sie hat wahrscheinlich mit Herrn B. gesprochen.
In Starnberg habe lange Jahre Herr Soundso die BMW-Werkstatt geleitet. Und nun? Fort! Schrecklich.
Ich ziehe die Augenbrauen so hoch, dass ich fürchte, gleich einen Krampf im Gesicht zu bekommen.
Herr Sonundso sei nun in Rottach Egern! Was für eine Erleichterung!
Klar, denke ich. Der nächste Schickimicki-Ort mit Seeblick. Ulli Hoeneß lässt grüßen. Liegt am Tegernsee und ist sündhaft teuer. Wir wandern ja gerne eine Woche im Jahr.
Verzeihung: Unsereins, das westfälische Fußvolk macht da Trekking-Touren!
Aber ich kann es nicht lassen und sage: „Ach, der Tegernsee, der Ulli! Wir verbringen da ja immer den Sommer.​“
Die Dame lächelt und spricht von guter Luft.

Mein Gatte kommt. Er strahlt. Ich denke, dass das Gesicht auch als ein M6-Kauf durchgehen würde. Die Dame bewundert meine Söhne. Sie macht es so nett, dass ich ihr nun komplett alles verzeihe.
Mein Jüngster erkennt, dass hier sein Charme gefragt ist, und sagt etwas kryptisch: „Ich wünsche Ihnen Weihnachten.​“
Immerhin.
Ich wünsche der Dame Allzeit Gute Fahrt.

Und falle zurück in meine mittlere Unterschicht.


In diesem Sinne
Cindy mit Mahlzeit

Redakteur




28. Dezember 2013, 11:32

Der BMW-Psychologe rät

Hallo Mädels,

die Sache mit unserem neuen BMW ist noch nicht gegessen. Da gibt es noch eine Menge Anmerkungen zu machen. Stellt Euch auf noch mehr Texte zum Thema bajuwarischer Fahrkonzeption ein.
Hier aber erst mal die Sache mit der Fahrzeugausgabe.

Der Gipfel der deutschen Verkäufergilde ist es, ein BMW-Großkundenbetreuer zu sein.
Ein BMW wird nicht verkauft, ein BMW wird in Betreuung gegeben.

Neulich bei der Neuwagenausgabe:
Der Schlüssel, der nirgends passt, gleitet von dem perfekten BMW-Fachmann in die Hände des perfekten BMW-Kunden. Sprich: Mein Gatte bekommt den Schlüsseltorso in die Hand gedrückt. Unsere Söhne stehen dicht daneben und halten, der Situation angemessen, entrückt die Luft an.
Der Großkundenbetreuer, nennen wir ihn Herrn B.​, macht alles richtig. Er lässt den Kunden den ungewohnten Schlüssel erfühlen, betrachtete dabei professionell das entstehende Besitzerstolz-Funkeln in den Augen der umstehenden Männer.

Beeindruckt komme ich etwas näher.
Ich lausche und lerne.

Zu genaueren Einschätzung des Waffenarsenals unseres neuen Raumschiffs nimmt sich Herr B. angenehm viel Zeit: 8-Gang-Sport-Automatik mit Launch Control, Vmax: 250 km/​h (abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: 5,​1 Liter je 100 Kilometer.
Sein lebenspendendes Tagewerk beginnt damit, meinen erfreuten Gatten und die aufgeregten Kinder zum Wagen zu führen. Vorsichtig, mitfühlend, betreuend.

Herr B. erklärt. Herr B. flüstert. Herr B. operiert voll auf der psychologischen Schiene.

Ich gehe mal ins Detail, während Herr B. ins Detail bei der BMW-Handhabung geht:
Herr B. ist jung, aber nicht zu jung, sportlich, aber nicht zu sportlich, er riecht gut, aber sein After Shave ist nicht beherrschend. Er spricht, aber weder laut noch zu viel. Er weiß viel, aber nicht alles. Er nickt bei geistreichen Bemerkungen, aber er lacht nicht laut.
Er trägt seinen Ehering links. Eine amerikanische Sitte, die Internationalität und Moderne verrät. Vielleicht Hochzeitsreise nach Hawaii?
Seine Frau ist Thema. Herr B. macht das extrem geschickt, er personalisiert. Um gerade mir, die einen eher skeptisch-frotzeligen Eindruck macht, voll auf seine Seite zu ziehen, erklärt er, dass seine Frau (nennen wir sie Frau B.​) auch einen BMW fährt. Und wie sie mit diesem oder jenem Gimmik zurecht kommt, ja, sogar einiges als un-er-setz-lich erachtet.
Länge: 4,​62 Meter, Breite: 1,​81 Meter (2,​03 Meter mit Außenspiegeln). Das M-Lenkrad. Automatische Heckklappenbetätigung.
Herr B. macht das hervorragend.
Es wirkt sympathisch, vertraut, aber nicht vertraulich. Er vermittelt mit dieser ernsthaften Anschaulichkeit bayerische, erzkonservative Werte und gleichzeitig damit Fahrdynamik und Jugendlichkeit.
Mit meinem Gatten spricht er sanft.
Herr B. muss hier ja keinen mehr überzeugen. Der Wagen Schrägstrich Raumschiff ist bereits gekauft und bezahlt. Schon gar nicht, muss er meinen Gatten vom Fahrzeug oder dieser Marke überzeugen. Aber Herr B. hat offenbar den Drang und Ehrgeiz uns bis zum letzten Moment zu beweisen, dass wir eine wunderbare Wahl getroffen haben.
Ich schmunzel und nicke ihm anerkennend zu.

Chapeau!​, Herr B.​! Setzen, Einsplus.


In diesem Sinne
Die, die immer dumme Bemerkungen machen muss

Redakteur




23. Dezember 2013, 12:17

Heute: BMW in weiß. Oder: Geräusche im Weltall

Hallo Mädels,

deutlich vor Weihnachten feierte einer schon mal Bescherung. Mein Gatte.

Wenn wir etwas von Ulf Merbold und Sigmund Jähn gelernt haben, dann doch bitte, dass es im Weltall keinerlei Geräusche gibt. Unser erster Astronaut und unser erster Kosmonaut würden allerdings ganz schön staunen, wenn sie wüssten, dass es doch geht.
Das mit den Geräuschen. Nicht nur bei Star Trek und bei Star Wars erleben wir diese unerklärlichen Phänomene. Das Rauschen eines vorbeigleitenden Raumschiffs.

„Hello, this ist your Captain speaking!​“ brülllt mein Gatte so enthusiastisch, dass ich fast in das Handschuhfach springe. Von den hinteren Plätzen brandet tosender Applaus auf. Dann schwebt es aus dem Hangar. Das weiße Raumschiff. Der Jungfernflug. Da, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Im deutschen Straßenverkehr.

Es ist der Wechsel.
Papa hat eine neue Liebe, die andere hat er gerade beim stabil gebauten Mann vom TÜV abgegeben. Hartherzig lässt er die alte Liebe ziehen. Eine neue Zeit bricht heran, so kurz vor Weihnachten: Nicht mehr schwarz, sondern weiß. Nicht mehr Schaltung sondern Automatik. Die neue Liebe hat einfach mehr zu bieten. Nicht nur Jugend.
Wenn man meinem kirkesken Gatten Glauben schenken darf, dann hat er kein neues Auto. Er hat jetzt ein Raumschiff. Star Trek Next Generation BMW.
330td.
Der Innenraum fürwahr ein Cockpit. Es blinkt, es summt. Es ist so viel auf einmal, dass mir angst und bange wird um die Verkehrssicherheit der begleitenden Fahrtüchtigkeit. Es ist überbordend an Bord.

Der Kundenbetreuer (bei BMW verkauft man nicht, bei BMW betreut man!​) hatte uns soeben in einer mehrstündigen Zusammenfassung einen zaghaften Überblick gegeben, was dieses weiße DING alles kann. Es kann alles. Nur nicht auf Sommerzeit umschalten.

Der Neue ist wie erwähnt ein Automatiker. Das Automatikgetriebe ist ja nicht nur einfacher Schnickschnack. So viel ich in Erfahrung bringen konnte, ermöglichen es aufgrund speziell abgestimmter Fahrprogramme der Getriebesteuerung die Kombination von erhöhtem Fahrkomfort mit der Wirtschaftlichkeit durch reduzierten Kraftstoffverbrauch und verringerte Emissionswerte. In der Regel ist es einfach mal ein bisschen leiser.

Leise?
Wie bitte?

Das wäre natürlich völlig am Kundenwunsch vorbei konzipiert. Der betreute BMW-Nutzer (besser: BMW-Passagier) will Motorengeräusche! Es ist ja der Lebens- und Liebesbeweis seines Lieblings! Er braucht dieses aufwallende Wummwuuuuuuuuuuuuuummmmmm.

Dann werde ich Zeuge des ersten Geräusches im All.
Ich staune nur kurz, zu lange bin ich auf dieses Ereignis hin ausgebildet worden durch Eheschließung und Beifahrertum. Ich bin einfach immer und überall das perfekte Publikum. Ich höre zu, und ich staune. Zwar nur kurz, aber vernehmlich.

DYNAMIK UNTERSCHIEDLICH INTERPRETIERT
Bitte?
Wer soll denn den ganzen Unsinn eigentlich interpretieren, wenn man doch sofort SEHEN kann, wie ein Mann es FÜHLT. Adaptives Fahrwerk, TwinPower Turbo Motor (solange es sich nicht um TwinTower handelt, soll es mir recht sein) Efficient Dynamics (wer kennt schon den Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität?​) Auto Start Stop Funktion (was mich mal wahnsinnig macht an einer Ampel), Bremsenergierückgewinnung (klingt wie nach Gold zu schürfen), 8-Gang-Sport-Automatik mit Launch Control (hört sich schwer nach einem super Abendessen an) und Aerodynamik (das muss ja immer sein. Schon seit dem VW Käfer redet man darüber).

Alles ist mir recht, wenn man Gatte nur so grinst. Es ist echt süß. Seine Oberlippe biegt sich dann leicht nach unten. Kaum zu erkennen. Aber das ist der Unterschied zum Normalmodus. Ich bin zufrieden und sortiere meine Beine und meine Handtasche ganz nach dem Raumangebot, das mir auf meiner Seite bleibt.

Dann kommt es!
Mein Gatte flüstert: „Hör mal!​“ Dann drückt er ein unscheinbares Knöpfchen.

Es macht tatsächlich dieses aufwallende Wummwuuuuuuuuuuuuuummmmmm.

Wie das?
Es ist das Knöpfchen zum Austricksen der Automatik.

Sinnvoll?
Im Leben nicht.

Freudvoll?
Aber ganz klar.

Geräusche eines Raumschiffs. Da staunen die herumeiernden Astro- und Kosmonauten aber nicht schlecht.

Ich aber sage nur: „Captain, bringen Sie uns nach Hause.​“

Und er macht: Wummwuuuuuuuuuuuuuummmmmm.


In diesem weihnachtlichen Sinn
Die Raumgleiterin


Für Jungs: 3,​0 Liter, 6 Zylinder, Länge: 4,​62 Meter, Breite: 1,​81 Meter (2,​03 Meter mit Außenspiegeln),
Höhe: 1,​43 Meter, Radstand: 2,​81 Meter, Kofferraumvolumen: 495 – 1.​500 Liter 3,​0-Liter-R6-Diesel; 190 kW/​258 PS, maximales Drehmoment: 560 Newtonmeter bei 1.​500 – 3.​000 U/​min, 0-100 km/​h: 5,​6 s, Vmax: 250 km/​h (abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: 5,​1 Liter je 100 Kilometer,
CO2-Ausstoß: 135 g/​km, Effizienzklasse: A, Testverbrauch: 7,​2 Liter

Redakteur




21. Dezember 2013, 14:14

Rückblick: Vor drei Jahren gab es einen schwarzen BMW.

Hallo Mädels,

drei Jahre ist es nun her. Damals war der neue BMW schwarz.
Nun gibt es einen neuen. In weiß.
Sonst ist alles genau gleich geblieben.

SCHERZ!​!​!​!

Der Rückspiegelblick: Im Büro meines Gatten, in dem traditionell die gefühlsgeladenen Momente im Leben eines Mannes mit den entsprechend involvierten Kollegen besprochen werden, hatte man vor drei Jahren dazu geraten, ein Notfallköfferchen zu packen, wenn das bayerische Werk plötzlich anruft und sagt: Ihr BMW wäre dann jetzt geboren.

Diese Kollegen, die sich als Geburtshelfer fühlen dürfen, hatten alle Details zuvor mit meinem Gatten abgeklopft. Man darf da ja bei der Bestellung des neuen Bankwagens keine Experimentierfreudigkeit beweisen. Da sind die Leistungstabellen der entsprechenden Bereifung streng zu prüfen, da muss nicht zuletzt der Motor garantieren, dass man notfalls ganze Panzerdivisionen aus dem Graben ziehen kann.

Also los nach Frankfurt zum Abholen. Schon während der Vorbeifahrt am Schaufenster erblickte man das neue Gefährt. Unbeschreiblicher Jubel brandete auf. Danach eine kleine, sehr emotional geladene Abschiedsszene in der Tiefgarage der BMW-Niederlassung. Man ließ den Senior stehen und wandte sich der Jugend zu. Der Neue stand oben in einem extra hierfür hergerichteten Raum mit Tor. Vorsichtig näherte man sich ihm und umrundete ihn ehrfürchtig.

Mach Fotos, Mama! wurde ich angewiesen. Skeptisch kramte ich sowohl Fotoapparat als auch Kamera hervor. Anschließend verballerte ich treu und sinnlos Speicherplatz. Fotos von links. Von rechts. Tür auf, Tür zu. Doppelauspuff. Tankklappe. Dazu nicht einfach vier runde Reifen. Nein! Winterreifen V-Index (bis zu wahnsinnigen 240 km/​h). Schwarze Polster. Schwarzer Innenraum. Natürlich Sportsitze. Sonderschaltknüppel der M-Serie.

Meine Männer tanzten fachmännisch singend mit dem Verkäufer um den neuen Schwarzen herum. Kofferraum auf. Licht an. Motorhaube auf und die Gattin herbei wedelnd: Schau, es ist ein 3-Liter-Reihensechszylinder! Der stolze Besitzer schien Tränen in den Augen zu haben.
Als sein Stammhalter geboren wurde, hatte er nicht halb so viel Aufsehen darum gemacht. Vielleicht, weil Sohnemann damals nicht den Ausstattungshöhepunkt Geschwindigkeitsregelung mit Bremsfunktion aufwies (bis heute können wir an unseren Söhnen keine Bremsfunktion feststellen).

Dann wurde der Papierkram erledigt und wieder um das Auto geschlichen, ob es sich in den letzten Minuten eventuell verändert hätte.
Endlich setzten wir uns hinein, nachdem die Kinder ihre BMW-Kindersitze montiert bekamen. Ein sichtlich gerührter Autoverkäufer öffnete uns das Tor und wir glitten hinaus. Ah, der BMW in Freiheit! Ergriffene Stille im Innenraum und man lauschte dem Geräusch des kraftvollen Motors. (Jaja, 3-Liter-Reihensechszylinder-­Blabla).

Regen bringt Segen.
Und Scheibenwischer.
Links, rechts. Links, rechts. Und da strahlten sie alle drei!
Schau, Mama, die Scheibenwischer! jubelte man mir zu. Jetzt sollte man glauben, dass das nicht so unglaublich sensationell wäre, wenn zwei Scheibenwischer fehlerfrei ihre Arbeit verrichten. Aber da die Scheibenwischer ALLEINE gewusst haben, dass sie wischiwaschi machen sollten, war es einfach GRANDIOS bis zum tränenreichen Seufzen. Der BMW hat Regensensoren!

Ich tätschelte das Bein meines Gatten, der via Lenkrad das Radio enorm laut aufdrehen, die Temperatur regeln und wahrscheinlich auch einen neuen Bürgermeister wählen konnte.
Und da sag einer, Handy am Steuer wäre gefährlich. Bei BMW sind die ganzen Lenkräder gefährlich!

Dann waren wir in der heimischen Tiefgarage angekommen.
Und was soll ich sagen?
Blink.
Schau!
Ja. Ich hab es gesehen, Liebster. Das Auto merkt selber, wann es dunkel wird. Hurra. Und was genau soll da die Erleichterung sein?

Ich hab aber nichts gesagt, sondern tat, als hätte ich das Wunder der Automatischen Fahrtlichtsteuerung gerade für mich entdeckt. Das Bi-Xenon-Licht wies uns sicher den Weg nach Hause

Und nun? Jetzt haben wir einen neuen.
UND DER IST NOCH VIIIIIEEEL BESSER.
Hat denn in Bayern keiner Mitleid mit mir?

Nein. Ich werde berichten.

In diesem Sinne
Der Fahrzeugkonfigurator

Redakteur




13. November 2013, 17:41

My lovely Ruler of the ROMAN Empire WEIDENFELLER

Hallo Mädels,

mein Gatte denkt, ich weiß alles. Alles.
Nicht im Sinne von alles Alles – weit gefehlt. Eher im Sinne von alles, was er gerade denkt. So ein Allgemeinwissen wäre wünschenswert, denkt so mancher unter Euch Mädels, aber ich bin mir da nicht sicher. Wenn ich wirklich wüsste, was mein Mann alles denkt, dann wüsste ich so einiges, was ich lieber nicht wissen wollte.

Ich wüsste dann, dass seit 1986 BMW auf Basis der 3er-Reihe das Modell BMW M3 anbietet. Muss ich das wissen? Ich weiß nicht mal, wie der entsprechende Auspuff dann aussehen müsste. Mir ist klar, mein Gatte weiß das und findet das auch wissenswert. Ich hätte dann außerdem in meinem Hirn Arbeitsspeicherplatz belegt mit den Dateien, dass es sich bei einem M3 um ein Fahrzeug handelt, welches von einer BMW-Tochterfirma entwickelt und anfangs auch produziert wurde. Und zwar unter dem prägnanten Namen E30 und auch E36 M3. Muss ich das wirklich wissen?

Mein Gatte meint, ich muss. Wenn ein Auto vorbeirauscht, sagt er: „Wie findet du das?​“ Und ich sage dann: „Den M3?​“
Er dann: „Natürlich.​“
Ich bin froh, dass er nicht ahnt, dass ich weder den M3 erkannte, noch diesen visuell wie markenspezifisch einzuordnen wüsste. Ich habe es einfach aus der Tonlage geschlossen. Wenn er so ein bestimmtes Timbre in seiner Rede führt, dann muss es sich entweder um eine Frau mit Körbchengröße Doppel-D gehandelt haben oder um einen von diesen gefürchteten M3.
Und für meinen Mann wie auch für meine Ehe hoffe ich, es war ein M3.

Mein Gatte beginnt also gerne mal einen Satz mitten im Sinnzusammenhang. Und mir obliegt es dann, wieselflink vom Sinnbeginn hinterher zu flitzen, um meinen Ehemann kurz vor Sinn-Ende eingeholt zu haben.

„Das gibt es doch gar nicht!​“ Da läuft also was schief, denke ich. Das erschließt sich problemlos aus der Wortwahl. Doch schon bei der anschließenden Frage: „Jetzt mal ehrlich! Wie findest du das?​“ Muss ich passen.
Herausgerissen aus meinen üblichen hausfraulichen Tätigkeiten: Rumsitzen, Lesen oder Unsere-Kinder-zu-einer-Stütz­e-der-Gesellschaft-ausbilden­, muss ich erschließen, WAS es offenbar gibt, aber nicht geben SOLLTE und wie verwerflich ich das jetzt en detail finden MUSS. Um dann, untermauert mit Artikeln aus der SZ, der Apotheken-Umschau oder Statistiken aus dem Bundesbildungsministerium meiner Zustimmung, dass es das eigentlich nicht geben darf, Ausdruck zu verleihen.

Vor uns bog ein Verkehrsteilnehmer ab. OHNE zu Blinken.
OHNE!
„Das gibt es doch nicht!​“ ruft mein Gatte.
Und wie wir Ehefrauen so sind, haben wir Statistiken parat, die wir zielführend zuvor gefälscht haben, um unseren Männern genau das Gefühl zu geben, das sie zur Überwindung dieser kritischen Lebensphase brauchen. Dass nämlich immer mehr Menschen auf die visuelle Bekanntmachung ihrer angestrebten Richtungsänderungen verzichten. Weil es sie nämlich einen Dreck schert, ob das hinter ihnen einer gerne wissen würde.
Natürlich ist Nichtblinken gefährlich. Und vor allem in meinem Fall anstrengend. Ich schließe die Augen und bemühe mich um Kontemplation, verpasse prompt einen M3 mit Soundso-Felgen (oder eine Frau mit gigantischer Oberweite) und nicke.
Aber etwas in mir beginnt zu brodeln. Es war dieses eine DAS-GIBT-ES-DOCH-GAR-NICHT zu viel.
Es bricht aus mir heraus. Tief aus meinem Inneren, die Rebellin in Blümchenbluse und Hausfrauenlagerkoller mutiert zu einem schrecklichen Ungeheuer! Dann, ja dann ist das Unheil nicht mehr aufzuhalten und mein wehrloser Gatte wird schutzlos der Achse des Bösen hingeworfen, als ich zutiefst ungerecht ausrufe: „Das gibt es doch gar nicht!​“
Erschrocken, zurecht, schaut mich mein Gatte an. Verängstigt zieht er die Kinder an sich und sieht in meinem Augen ein gefährliches Flimmern.
„Mama? Äh? Was gibt es nicht?​“ fiebst mein Jüngster. Alle weichen noch ein Stück zurück.
„Nur 20 Prozent!​“ brülle ich.
Fragende Gesichter.
„Ja,​“ ereifere ich mich, „nur 20 Prozent Chancen hat Roman Weidenfeller, begnadeter Torwart der Borussia aus Dortmund und nun auch von Zeus Löw in den DFB-Olymp erhoben! Lausige 20 Prozent!​“ Meine Geste ist ausufernd, mein Blick medusengleich.
Immer noch fragende Gesichter.
Da spreche ich es aus. Die Statistik, die ich immer parat hatte, aber die mein Gatte nie, nie, nie hören wollte, weil er ja immer nur von BMW redet.
So richte ich das Wort an die verängstigte Zuhörerschar: „41 Bundesliga-Spielzeiten zwischen 1963 und 2004 wurden analysiert. Von den 3619 gegebenen Strafstößen verwandelten die Schützen 2687! Das sind 74 Prozent. Weitere 252 Versuche waren Fehlschüsse, sie gingen an den Pfosten, an die Latte oder verfehlten das Tor ganz und gar. Lediglich 680 Mal von 3619 Strafstößen konnte von einem Torwart gehalten werden! Das gibt es doch gar nicht!​“
Ich atme durch.
„Und das kann es doch gar nicht geben!​“, rufe ich empört aus. „Er hat also statistisch gesehen nur eine lausige 20 Prozent-Chance! Der arme Roman Weidenfeller!​“
Ich erwarte Zustimmung, Heulen, Zähneknirschen.
Nichts.

Mein Gatte sagt lediglich: „Schatz, manchmal kann ich dir gedanklich nicht ganz folgen.​“



In diesem Sinne
The new ROMAN Emperor

Redakteur




11. Oktober 2013, 07:57

Die Überlegenheit eines BMW

Hallo Mädels,

was soll man schon machen als Beifahrer.
Wir jagen über von Baustellen (auf denen keiner arbeitet) beengte Autobahnen. Links und rechts vorsichtige Herbstfärbung. Ab und zu unterbricht ein leiser Gong die sich ständig wiederholenden Billighits aus dem Radio.
Bei einem weiteren Gong seufze ich. Mein Gatte verkündet pflichtschuldig, dass wir mit dem Sprit noch ganz sicher bis zur gewünschten Tankstelle (man kann leider nicht jede Tankstelle nehmen, offenbar verträgt ein bayerischer Motor nur bestimmte Erzeugnisse, sonst bekommt er Sodbrennen) schafften.
Pflichtschuldig deshalb, weil er meint, er müsse was sagen zu dem Gong und dem großen Symbol auf seinem Info-Board, das eine Tanksäule anzeigt.
Viel lieber als über solche Kleinigkeiten doziert mein Gatte über BMW-Zierleisten, BMW-Sonderlackierungen und BMW-Auspuff-Verchromung (Dinge, die einen unmittelbaren Rückschluss auf die Anzahl der Zylinder des gesichteten BMWs zulässt). Mein Gatte hat die seltene Fähigkeiten, ein forsches Tempo zu fahren und gleichzeitig einem BMW auf der Gegenspur (mit ebenfalls sportlicher Geschwindigkeit) auf die Ausstattung zu schauen und dies in die korrekte Typenbezeichnung umzusetzen.
Ich kann das nicht. Nicht etwa, weil das eine völlig sinnlose Fähigkeit ist, sondern mein Gehirn weigert sich, das zu können. Für mich sieht ein BMW aus wie jeder andere Audi. Aber wer sagt das schon laut, man will ja keine Scheidung provozieren. Aber ob nun 5er oder 7er oder Grantiger Turismo oder XY357 ungelöst.

Mein Gatte teilt mir mit, dass er einen neuen Gefährten wünscht.
Nein, er will sich nicht von MIR trennen. Puh! Sondern er will einen neuen Bayern.
Ich darf die Farbe auswählen.
Statt was von Emanzipation zu faseln, sage ich WEISS.
Und stelle mit vor hinten einen Aufkleber anzubringen, auf dem steht: Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt.
Oder: Lassen Sie mich durch, ich bin ICH.

Zwischendurch erwähnt Gatte, dass ein BMW Dingsbumser mit Sportpaket auf der anderen Seite der Mittelleitplanke in Lichtgeschwindigkeit vorbei gezischt ist.
Jetzt wachen die Jungs hinten auf, denn ihr Vater ereifert sich über Linksfahrer (worüber er sich natürlich nur ereifern kann, weil ER links fahren will), kurz unterbrochen von dem Hinweis, das das eben bei dem BMW M1 mit MP3-Player eine Sonderlackierung war.
Ich bin zu erschöpft, um zu erwidern, dass mir seine verlagert-konzentrierte Fahrweise etwas Besorgung in die Augen treibt.
Da gongt es schon wieder, weil der Tank nun wirklich echt, total leer ist. Einer der Jungs erwähnt das übergroße Tanksäulensymbol.

Es wird dunkler draußen und die leuchtende Tanksäule im Inneren immer heller.
Obwohl ich mich mit Bemerkungen über die Notwendigkeit der Aufnahme von eu-genormter, brennbarer Flüssigkeit zurückhalte, wird mein Gatte etwas reizbar.

Er mag es nicht, wenn ich nichts sage. Aber WENN ich was sage, ist es auch falsch.

Endlich kommt ein Autobahn-Tankstellen-Hinweis­schild mit einer akzeptablen Marke. Gut so. Das leuchtende Info-Schild im Inneren zeigt seit einigen Minuten die Distanz, die der BMW voraussichtlich mit seinem Tankinhalt schaffen würde, nicht mehr mit einer Null sondern nur noch mit drei kleinen Minuszeichen an.

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Die Ausfahrt zur Tankstelle ist leicht ansteigend.
Ohoh.
Ich schließe die Augen, das Auto bockt leicht, die Jungs hinten schreien, und ich schlage die Hände vors Gesicht.
Was ist passiert?
Nichts.
Es kommt nur Gelächter. Mein Gatte hat bewusst leicht auf die Bremse getreten, um mich zu ärgern.
Oder mir die Überlegenheit von Dieselkraftstoffen zu demonstrieren. Und die Jungs finden das super.
Der BMW rollert gemütlich zur Zapfsäule.
Nach dem Tankvorgang zeigt mein Gatte stolz die Tankrechnung. Er hat 60,​8 Liter getankt. Weil ich nicht verstehe, was daran so toll sein soll, referiert er, dass der Hersteller das Fassungsvermögen seines Bayern mit 61 Litern angegeben habe.
Die Jungs finden das zum Piepen und überlegen, ob wir es das nächste Mal noch knapper schaffen könnten?

Ich schmolle.

Ich hab mir fest vorgenommen, eines Nachts in die Garage zu schleichen ein Audi-Symbol auf das neue Gefährt zu kleben.


In diesem Sinne
Der Co-Pilot ohne Text

Redakteur




21. September 2013, 11:45

IAA 2013: Blue, das neue Grün als Zeichen der bayerischen Überlegenheit

Hallo Mädels,

natürlich waren wir auf der IAA. Natürlich ist das waaaaaahnsinnig interessant. Natürlich ist es was ganz anderes, ob man sich BMWs anguckt, die in einer Messehalle statt in einem soliden Autohaus rumlungern!
Aber jaaaaa.
Okey. Sagen wir es ganz deutlich. Ich bin eine Zumutung für meinen geschätzten Gatten. Und das tut mir aufrichtig leid. Hat der Mann nicht genug Scherereien?

Letztens. Es geht um den geschätzten Touring meines noch viel mehr geschätzten Gatten.

Mein Gatte ist momentan mit seiner bayerischen Ingenieurskunst recht zufrieden, auch wenn seine Dauersorge um seinen süddeutschen Gefährten weiterhin starke Nerven erfordert.

Und dann kam ich! In der Absicht, ein fachliches Gespräch zu führen rief ich ihn in seinem Büro an, inmitten seiner Kollegen, die ihm das Gefühl von automobiler Stabilität geben, und sagte: Du Schatz! Ich fürchte, das Licht ist kaputt.

Welches Licht?

Na, das Licht. Vorne.

Beim BMW?​?​?​?

Typisch Mann. Hat irgendjemand sonst noch vorne Licht? Den Kühlschrank konnte ich ja wohl kaum gemeint haben. Ich blieb, so weit es mir möglich war, sachlich. Wie gesagt, soweit es mir möglich war. Die Schlussfolgerung allerdings, dass das Licht des BMWs eine eklatante Fehlfunktion aufwies, entsprang alleine meinen experimentellen Beobachtungen. Ich hatte diese empirischen Ergebnisse leider bis dahin von keinem Fachmann gegenchecken lassen, sondern hatte direkt meinen obersten BMW-Boss, sprich meinen Gatten, mit meiner zugegeben unausgegorenen Beobachtung konfrontiert.

Gatte holte tief Luft: Also ganz ruhig. Das Licht? Kaputt?

Ja. Ich habe hinter einem anderen Auto geparkt und festgestellt dass bei deinem BMW andauernd das Licht an ist, obwohl es ausgeschaltet ist. Und wenn ich an den Schaltern herumdrehe, dann wird es noch schlimmer.

Wie kann es noch schlimmer werden?

Schwächer.

Schwächer? Oh, Gott! (tiefes Luftholen und leise Rufe aus seinem Büro, die offensichtlicher beruhigender Natur waren) Ich rufe dich gleich wieder an! (Gatte legte auf.​)

Wahrscheinlich ein Schwächeanfall. Oder reichtem ihm die Kollegen schon ein Sauerstoffzelt? Konsultierte er eventuell eine Notfall-Büroberatung für Automobilfreunde? Würden die ihn stabilisieren können?

Ich hatte die ganze Lichterscheinung schon fast wieder vergessen, als mein liebster Schatz schließlich zurückrief. Erst freute ich mich unbändig über seine telefonische Aufmerksamkeit, doch ich merkte schnell, dass es nicht um mich ging. Seine Stimme war eine Spur unentspannt. Und offenbar hatte er sich eine Liste an Fragen zurecht gelegt, die er nun an mir abarbeitete, wobei die Fragen insgesamt etwas uncharmant waren, wie ich fand. Die Fragen in chronologischer Reihenfolge:

A Welches Licht?

B Ob ich wüßte, was Licht ist?

C Wie ich darauf käme?

D Ob ich noch ganz bei Trost sei?

E Ob ich irgendwo gegen gefahren sei?

F Ob ich mir eventuell heftig den Kopf gestoßen habe und plötzlich Farben sehe.

Ich bemühte mich, die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen und charmant (sprich: alle unterschwelligen Unterstellungen ignorierend) zu beantworten und versuchte noch einmal mit mehr Worten zu beschreiben, wie ich auf diese geniale Schlussfolgerung gekommen war, dass das Licht am BMW kaputt wäre.

Und zwar parke ich des morgens hinter einem dunkelblauen Opel. An diesem Tag sah ich im Lack des Bochumer Kofferraums, dass die Scheinwerfer meines ehelichen, fahrbaren Untersatzes glimmten, obwohl der Lichtschalter auf AUS stand. Wenn ich es aber anmachte, war im Lackspiegelbild deutlich weniger Licht zu sehen.

Mein Gatte schwieg nach dieser Beschreibung. Man muss wissen: Mein Gatte schweigt wie ein Ehemann nun einmal schweigt. Es ist ein bisschen leiser als das Schweigen eines anderen Menschen. Es klingt fast ein bisschen vorwurfsvoll.
Er seufzte schließlich. Daran erkannte ich zumindest schon mal, dass die Telefonleitung zum Ehe-Meister noch stand.

Und das wars? fragte er.

Ich interpretierte das prompt falsch und triumphierte: Siehst du, Schatz, ich hab recht, oder?

Pause. Er pausiert ein bisschen mehr als bei anderen Pausen.

Die Antwort: Du bekommst Fahrverbot, wenn du mir nochmal so einen Schrecken einjagst.
Der BMW hat Tagfahrlicht, du Knalltüte!

Äh? (machte ich und versuchte mich zu schämen). Das mit dem Schämen funktionierte aber nicht. Denn als Ehefrau schämt man sich einfach ein bisschen weniger als andere Frauen. Mein eingebauter, ökologischer Trotz war voll erwacht: Der BMW hat immer das Licht an?

Ja, das erhöht die Fahrsicherheit.​(referierte er, cool)

Das erhöht die Fahrsicherheit, weil das Licht ein bisschen glimmt? Im Frühling? Bei Tageslicht? (fragte ich trotzig)

Lenk nicht ab, du Paniknudel.​(Hörte ich da Lachen im Büro?

Nun erhob ich mich zum Gegenschlag: Entschuldige mal, es ist wohl jetzt die richtige Zeit für eine Empörung. Ich denke, dein lustiger BMW soll so toll Energie sparen. Aber immer das Licht anhaben, scheint mir da kontraproduktiv. Heißt das nicht Blue Efficiency?

Er, beeindruckt von meiner Unkenntnnis: Gott, nein! Das ist was ganz anderes! Das ist von Mercedes. Bei UNS heißt das Efficiant Dynamics!

Ich: Oh, Verzeihung! Das ist natürlich was ganz anderes! Also: Immer BEI UNS das Licht anhaben, finde ich weder blue noch dynamic noch sonderlich efficant VON UNS!

Er, entkräftet von meinen Diskussionserfolgen: Ich leg jetzt auf. Ich muss schließlich noch arbeiten. Und du fasst zuhause nix mehr an. Keine Lichtschalter zumindest.

Ich, kleinlaut, aber grinsend: Alles klar, Chef! Bis heute abend!


In diesem Sinne
Die Freude beim Fahren

Redakteur



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