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18. September 2017, 08:38

IAA oder BMW mit Duschgriff

Hallo Mädels,

lange habe ich Euch nichts mehr von unserem Freund, dem BMW erzählt.
Er ist weiß, er ist groß, und er ist schweigsam. Aus meiner Sicht ist er ein nützlicher Gegenstand, aus der Sicht meines Gatten ist er ein Familienmitglied.
Mit mir redet dieses Familienmitglied übrigens nicht, nur mit meinem Gatten, der sich selbst für einen BMW-Flüsterer hält und sofort spürt, was sein Liebling braucht.

Und so beschloß mein Herr und Gebieter, unserem Auto was zu gönnen.
Wisst Ihr, was eine Domstrebe ist?
Nein?
Ich sag es mal so: Das ist ein Duschgriff in der Motorhaube. Ja, genau. Klingt merkwürdig. Ist es auch. Mein Gatte erwarb ihn und baute ihn ein.

Soweit so gut. Er kann generell einbauen was er will, meinetwegen auch den FLUXKOMPENSATOR aus "Zurück in die Zukunft", wenn er bitte bloß heil und gesund mit dem Auto nach seinen Fahrten heim kommt.
Die größte Autoblödsinn-Brutstätte nennt sich IAA.

Nach einem IAA Besuch wollte Gatte aus seinem Einbau ein gesellschaftliches Highlight generieren. „Wir werden nun den Raum krümmen!“ kündigt mein Gatte unsere Testfahrt ergriffen an.

„Nochmal zum Mitschreiben,“ beginne ich und merke sogleich, dass ich mich bereits in Talfahrt auf unwiedergutmachbare Blasphemie befinde. Denn ich traue diesem merkwürdigen Einbauteil nicht. „Du hast ein Carbon-Dings vorne in die Motorhaube geschraubt und davon wird dein Auto schneller?“

„Du kannst Fragen stellen!“ Er scheint entrüstet und zieht für die Testfahrt seine Lieblingsjogginghose an. Ich verdrehe die Augen.

„Wenn das so wichtig ist, warum wird das Ding nicht gleich von BMW eingebaut?

Man bedeutet mir von allen Seiten (seine Söhne sind SELBSTVERSTÄNDLICH seiner Meinung!) , ich solle nun den Mund halten. Was ich tue, denn kurz, nachdem der Wagen die Garage verließ, hörten wir:

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Äh, was ist das?“ Breche ich das Schweigegebot.

„Nix, nix!“

Zwei Kilometer in mäßigem Tempo begleitet uns das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Da ist doch was?“ Ich wieder.

„Nix, nix!“

Zwei weitere Kilometer in mäßigem Tempo und immer noch das Tocken.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Meine Ohren summen schon!“ meckere ich.

Weitere Kilometer in mäßigem Tempo. Die Geräuschkulisse bleibt.

Tock Tock Tock Tock Tock Tock

„Hat das was mit dieser neuen Kirchenspeiche zu tun?“ Erkundige ich mich schnippisch.

„Domstrebe, es heißt DOMSTREBE!“

„Sag ich ja. Hat es damit zu tun?“

„Öh.“ Er schaltet. Was immer wieder faszinierend ist, weil wir ja eigentlich einen Automatikwagen haben.

„Das heißt: Ja?“ Ich lasse nicht locker.

„Äh, warte, gleich sind wir auf der Autobahn.“ Und tatsächlich. Wir erreichen die leere Autobahn. Gatte beschleunigt kaum merklich und jubelt schließlich. „Schau! Bei dieser Geschwindigkeit ist das Geräusch weg! Und wie er nun fährt! Wie sich das anfühlt.“

...

Nun ja.
Liebe Mädels, ich will hier mal für Euch ein Resümee ziehen:

a) dieser Duschgriff ist aus Carbon, einem industriell hergestellten Werkstoff aus kohlenstoffhaltigen Ausgangsmaterialien
b) schweineteuer
und
c) das Ding macht Geräusche bei normaler Stadtgeschwindigkeit.

Bitte?

Und NEIN!
Nein, es überzeugt mich nicht, dass das Geräusch irgendwann aufhört.

Wir sind dann mit dem Ding zum örtlichen BMW-Händler gefahren, der uns das Tocken wieder rausbaute. Nun fahren wir mit Duschgriff zum Einkaufen. Hurra (Augenverdreh). Was tut man nicht alles, damit unsere Helden sich gut fühlen...


In diesem Sinne
Die Beifahrerin

Redakteur




15. September 2017, 13:08

Zahltag


Hallo Mädels,

heute ist es also so weit. Das Buch ist da!

Sehr aufregend. Zu aufregend. Ich verkrümel mich lieber irgendwohin und halte die Luft an.


In diesem Sinne
Ich

Redakteur




12. September 2017, 11:19

Zitatetag


Hallo Mädels,

drei Tage noch!
Spannend.
Aufregend.

Wir lesen 1.000 Bücher, auf der Suche nach dem Sinn. Eins geht da noch!


In diesem Sinn
Ziemlich beste Angie

Redakteur




10. September 2017, 12:28

Ich bin dann mal da – oder warum Hape Kerkeling so erfolgreich ist

Hallo Mädels,

bisweilen ist man mental derart offshore, dass man Rettung benötigt.

Freundinnen sind in der Regel dafür zuständig. Hat man solche gerade nicht zur Hand oder will man die Hilfe gerne mit ins Bett nehmen, eignet sich dafür eigentlich nur ein Ratgeber im Taschenbuchformat. In Buchläden füllen sie ganze Wände, es gibt eine eigene Bestsellerliste für sie und ganze Verlage arbeiten sich alleine an ihnen ab.

Ratgeber. Sie sehen aus wie harmlose, freundliche, bunte Büchlein, sind oft in einer simplen, gutmütigen Sprache geschrieben (abgesehen von Finanzratgebern, die haben dieses Schnöselige natürlich gratis dabei), die dem Leser das Gefühl geben: Hier spricht ein ganz normaler Mensch zu mir und der hat es geschafft – verdammt, nun muss ich es auch schaffen!

Ratgeber gibt es für alle möglichen aber auch unmöglichen Fragen des Lebens (und danach).
Kochen, Essen, Nichtessen, Tischdecken, Alltags-Deko und natürlich Beziehungen, Beruf, Mode, Aufräumen, Wegräumen, Reisen, Zuhausebleiben und Fliesenlegen.

Es ist nicht bekannt, ob Goethe je vorhatte, einen Ratgeber zu schreiben und wenn ja, ob er Fliesenlegerratgeber ins Auge gefasst hätte. Hätte er, so wäre das noch heute ein Bestseller und deutsche Nasszellen wären für immer goethisch gefliest.

Der erfolgreichste Ratgeber (abgesehen von ICH BIN DANN MAL WEG von Hape Kerkeling) dürfte in Deutschland die Reparaturreihe sein:

JETZT HELFE ICH MIR SELBST

Sie gibt es seit 1962. Ich selber habe diese Bücher live und in Farbe schon in den 70ern bewundert. Damals für einen R4. Wobei mich der zweite Band (Opel Rekord) auch sicher fasziniert hätte!

Deutsche sind ratgeberbesessen. Vielleicht, weil sie immer mitreden wollen, es besser wissen müssen oder weil man sich auch als Doofer im Stillen alles anlesen kann. Und dann geht man mit breiter Brust auf die Straße und kann voll schlau daher reden.

Obwohl wir in einer Wegwerfgesellschaft leben, sind Reparatur-Ratgeber immer gut zu verkaufen. Zum einen, weil ein Gegenstand, der richtig, richtig kaputtrepariert wurde, mit gutem Gewissen dem Alteisen übergeben werden kann, aber auch weil Ratgeber keine Widerworte geben.
Man kann sie wegstellen und sich einreden, man habe THEORETISCH das Wissen parat.

AM ARSCH VORBEI IST AUCH EIN WEG.

Das ist der sehr eingängige Name des letzten Ratgeber, den ich las. Auf Empfehlung meiner Freundin. Es heißt bei uns jetzt das „Arsch“-Buch und wir haben natürlich anschließend eifrig diskutiert über den Inhalt. Also was wir NICHT davon umsetzen wollen.
Also ziemlich viel. Okey, ich hätte mich auch direkt mit meiner Freundin über das Problem, dass ich mir alles zu Herzen nehme, beratschlagen können, aber so hatte es zudem diesen informierten, recherchierten Anstrich.

Also das, was jede Freundin, die bei Verstand ist, dir sowieso raten wird, stand in diesem Buch noch mal schwarz auf weiß.
Hier ein paar wichtige Stellen:


a) wenn du zu dick bist – kauf deine Klamotten eine Nummer größer.

b) wenn du nicht kochen kannst – lass es und kauf dir eine Küche, die gut aussieht

c) wenn dein Kind in die Pubertät kommt – vereinbare ein Treffen mit ihm danach

d) wenn dein Schrank unordentlich ist – kauf dir einen neuen und neue Klamotten

e) wenn dein Auto kaputt ist – kauf dir ein neues

f) wenn es mit dem Gatten nicht mehr klappt – kauf dir… (da hab ich nicht weiter gelesen)


Ratgeber werden zwar sehr gut verkauft, aber oft nicht (oder nur teilweise) gelesen. Es ist auch nicht allzu sinnvoll, sich danach zu richten, was jemand auf ein paar Seiten zusammengestellt hat - aber dafür geben sie einem dieses wahnsinnig gute Gefühl.
Man hat ein Problem erkannt, es zwar nicht beseitigt, aber ein Buch dafür gekauft.

Gut gemacht.

Und nun schnell damit ins Regal.


In diesem Sinne
Ratnehmerin

Redakteur




07. September 2017, 08:35

Stephen King


Hallo Mädels,

es gruselt ... und ich schaue angstvoll zu Stephen King rüber.
Wieso?
Wieso ist der so erschreckend? Erschreckend erfolgreich?

ES.

Ich bin fast gestorben vor Angst beim Lesen...

Und nun hab ich die Lösung gefunden:

"Ich schreibe so lange, wie der Leser davon überzeugt ist, in den Händen eines erstklassigen Wahnsinnigen zu sein."

(Stephen King, geb. 1947, amerikanischer Schriftsteller)

Ach so.

In diesem Sinne
Die Teilzeit-Irre


Redakteur




03. September 2017, 12:14

Wort, Wort, Wort

Hallo Mädels,

man macht sich falsche Vorstellungen von einem Beruf. Egal von welchem. Vor allem vom Beruf des Schriftstellers. Überhaupt. Beruf. Kommt das nicht von Berufung?
Schreiber?
Ich denke, es hat eher was von Schreien!
Für mich sind Schriftsteller Freigeister. Menschen, die unfassbar schlaue Gedanken denken, und jedes Wort aus ihrer Feder ist eine Weltsensation.
Ich bin es nicht. Und das sage ich mit Überzeugung.
Ich habe in meinem Leben ziemlich viele Bücher gelesen und die meisten sogar verstanden. Ich habe Tagebücher von wer weiß nicht allem gelesen, Biographien und so ein Zeug.
Weltliteratur hat es nur leider an sich, dass sie nur von wenigen gelesen wird. Wie diese Leute an Geld zum Leben kommen, ist mir schleierhaft.

Um mal meine bescheidene Entwicklung kurz zu skizzieren: die Sache lief in etwa so.
Ich wurde geboren (in Bielefeld, ein guter Ort, um geboren zu werden) und lernte lesen und schreiben. Obacht! Ich habe miserabel gelesen und noch miserabler geschrieben.
Ich habe bis zu meinem 15. Lebensjahr KEIN EINZIGES Buch gelesen. Nein, keins.
Warum also fing ich an zu schreiben?
Ich hab mir immerzu Geschichten ausgedacht. Meist handelten sie von mir als Heldin. Mich machten Filme nervös, wenn sie schlecht oder lückenhaft oder sogar unlogisch erzählt wurden. Ich freute mich stets irgendwie darauf, dass der Film bald zu ende war und ich mich zurückziehen konnte, um mir ein besseres Ende, bessere Personen, ja am besten gleich einen besseren Film ausdenken zu können.

Dann, mit 13 Jahren, schrieb ich meinen ersten Roman (insgesamt 25 solcher handgeschriebenen Katastrophen). Kein Zweifel daran, dass die alle großer Mist waren! Aaaaber als ich den letzten Satz des ersten von ihnen aufs Papier gebracht hatte, war die Welt um mich herum eine andere.
Dieses Gefühl hatte ich tatsächlich in meinem Leben nur noch EIN EINZIGES Mal. Und zwar nach meinem anderen „ersten Mal“ (Und das dürfte technisch gesehen ähnlich katastrophale Unzulänglichkeiten gehabt haben).

Dann arbeitete ich in einer Bank. Hier habe ich all jene Menschen getroffen, die ich kennenlernen MUSSTE. Das Leben rief: „Schau her. Guck dir den an. Und diesen hier. Merk dir diese Marotte und jene Gefühle.“
Und ich merkte es mir. Die, die ich über alle Maßen bewunderte, ja, liebte, beschrieb ich in einem kleinen Heft. Wie in einem Skizzenbuch eines Malers.

Viele Jahre später fand ich einen Agenten (vorher ca. 90 Ablehnungen!), der mich dann zu einem Verlag gebracht hat.
Ist es das schon? Nein, nun kommt der schwerste Teil.
Die wichtigste Erkenntnis für Unterhaltungsromane: „Der Autor schreibt kein Buch selber!“ Er erschafft keine vollständige Geschichten, um sie voll Überzeugung dem Verlag fertig zu servieren! Oh, nein.
Schriftsteller (für Unterhaltungsromane) ist ein simpler Beruf. Mit Chefs und Zielen und Marktanalyse und Regeln. Es ist nicht abwertend gemeint, eher aufwertend. Schriftsteller ist ein guter – aber normaler, solider Beruf. Ein Sachbearbeiter. Ein Sach-Schreibarbeiter. Und wenn er ein guter ist, wird er es zu etwas bringen. Ganz klar.

Das geht so:
Der Sach-Schreibarbeiter wartet, bis ein Projekt zugeteilt wird.
Chef kommt und legt eine kleine Projektbeschreibung vor.
Wohlgemerkt. Der Sach-Schreibarbeiter hat noch kein Wort zu Papier/zum Laptop gebracht. Wenn man von seinen „Bewerbungsunterlagen“ mal absieht. Also jene Schriftstücke, die zu grundsätzlichen Einstufung der Eignung herangezogen wurden. Es kann also los gehen.

Die Idee.
In der Regel scheint das (sicher bin ich mir nicht, habe erst vier Bücher veröffentlicht) erst mal ein Genre zu sein, in das die geprüften Schreibfähigkeiten hineinpassen könnten.
Es folgt die erste Besprechungen des Projekt.
Besprechen geht so:
„Wir hätten gerne was in unserem Angebot mit dem Thema: XY.“
Aha. Sach-Schreibarbeiter wird um die eigene Meinung gefragt. Er legt seine Sicht/Idee dar. Verlag sagt: „Oh, schön! Toll! Prima! ...Wir machen es völlig anders.“
Nachdem er also Thema, Personen und die wichtigsten Handlungsstränge vorgesetzt bekommen hat, schreibt er die ersten zehn Seiten. Dann wird von Seiten des Verlags nachjustiert. Ungefähr so:

„Sehr, sehr schön! Aber...“

Dann schreibt der zuständige Sach-Schreibarbeiter fast alles um. Wenn er gut aufgepasst hat und die richtigen Fragen gestellt hat, wird das Ergebnis abgenickt. Er befindet sich also nun in der richtigen Spur, hat das Ziel anvisiert. Entwickelt das richtige, das fehlende Produkt. Zur Belohnung darf er dann zu ende schreiben. Oftmals wird er begleitet von guten Worten und Wünschen, aber in der Regel ist das eine sehr eigenständige Arbeit.
Erste Abgabe.
Der Sach-Schreibbearbeiter wartet bis ihm die Tränen vor Panik kommen und hört dann endlich, endlich IRGENDWANN:
„Schön, aber...“ und tausend Anmerkungen, die er zwar serviert bekommt, als seien sie ganz lange besprochen, in Wahrheit aber ganz neu sind. (Schließlich entwickelt sich die Idee ja von selbst weiter – und er Verlag hat ja nicht geschlafen in der Zwischenzeit).
Für ihn gilt folgendes:
Tränen trockenen, noch einmal ganz ruhig durchlesen, was da plötzlich gewünscht wird, durchatmen, umschreiben.
Wichtig: Vertrauen.
Vertrauen darauf, dass diese Anweisungen zwar unverständlich, ja, schmerzhaft, fast etwas demütigend und ehrverletzend wirken – aber TROTZDEM Vertrauen haben. Durchhalten. Sich sagen: DIE sehen was anderes als ich. DIE haben mehr Erfahrung.
Durchhalten.
Und zweite Abgabe.
Nun zählt es.

Es klingt furchtbar grausam und wahrscheinlich ist es das auch, aber der Verlag hat ganz klar ein Ziel vor Augen: Verkaufen.
Der Verlag will ein gutes Produkt. Und er hat sich viel Mühe gegeben, herauszufinden, WELCHES Produkt nachgefragt wird. Und danach will er das neue Produkt konzipieren.

Also grausam oder nur geschäftstüchtig?

Ich vermute letzteres.
Da ich gelernter Banker bin, trifft mich diese Art des Arbeitens bei weitem nicht so tief wie es jetzt klingen mag. Ja, ich bin zuweilen enttäuscht und ja, mir kommen die Tränen und ja, ich fühle mich einsam, wenn der Verlag keinen Pieps zu mir sagt und dann PLÖTZLICH NACH LANGEM SCHWEIGEN ganz viel kommuniziert wird, weil urplötzlich alles ganz schnell gehen muss. Und mir gesagt wird: mach das und das. Und in meinem Kopf schwirrt es und ich denke: Hab ich denn nur Mist geschrieben? Aber für Lob ist kein Platz. Lob lenkt ab. Lob kommt später.
Wirklich? Ich hab ja kein Herz aus Pappe.
Aber verstehen tue ich das. Hinterher.
Also schreibe ich. Es ist wie Malen nach Zahlen. Man kann etwas gut ausmalen, naturgetreu - oder halt richtig, richtig blöd. Man kann den Pinsel sanft führen - oder wie ein Vollidiot. Aber das Bild als solches ist vorgezeichnet.

Zurück zu meinem Projekt:

Meine Figuren sind ganz echt. Nachdem mir das erwünschte „Personal“ (Alleinerziehende mit tollen Freundinnen, Lehrer, dann DER Mann und ein Ex) mitgeteilt wurde, suche ich in meinem Skizzenbuch die „echten“ Menschen dazu. Das macht Spaß. Ich finde sie und setze sie an die richtige Position. Sie bekommen ein wahres Aussehen und wahre Eigenheiten.
Alle wichtigen und vor allem netten Personen in meinen Romanen gibt es also wirklich. In der Regel sage ich den betreffenden Freunden das auch vorher, damit ich abschätzen kann, ob sie das „erlauben“.
Nur die Netten schaffen es in meine Manuskripte.
Doofe Menschen würde ich nie damit ehren, sie zu verewigen.

Der Verlag scheint zufrieden mit meiner Vorgehensweise. „Die sind so echt!“ werde ich gelobt. Mich freut es, auch wenn es wieder zeigt, wie wenig ich Künstler und wie viel Banker ich noch bin. Ich arbeite ab und erschaffe nicht neu.

In meinem neuen Roman, sind es Alexa und Katrin, Herr Boddensen und vor allem Constantin und Jakub, die echt sind.
So echt, dass ich Angst hatte, eine von diesen Personen würde vom Verlag gestrichen. Ich habe eine schlaflose Nacht deshalb verbracht. Es war wie Liebeskummer!

Ist das Manuskript dann fertig, sende ich es an meine Lektorin. Dann herrscht wieder Schweigen.
Dann plötzlich Hektik. „Bitte noch folgende Episode/Höhepunkt einfügen! Es eilt!“
Im letzten Buch stellte mich das vor riesige Probleme, aber man hat ja ein große Schwester, die einen mit exakt EINEM Telefonat (und das noch heiser) all das mitteilt, was ich für die Ausgestaltung einer neuen Person und einem zusätzlichen Handlungsstrang mit einem besonderen Berufsbild wissen muss. Ganze Textbausteine konnte sie mir diktieren! Ich schwieg, hörte zu und notierte mir geschwind ein halbes Dutzend Zettel voll. Und baute es passend ein.
Es klappte. Der Verlag war zufrieden. Fast etwas erstaunt, wie artig und detailwissend ich all das abarbeitete, was man mir auftrug.
Fertig. Manuskript ist angenommen.

Das Projekt ist ausgelaufen, die Ergebnisse werden am 15. präsentiert.
Der Dank an meine große Schwester steht im Protokoll ganz hinten. Gut lesbar.


In diesem Sinne
Hanna und ihre Schwester

Ziemlich beste Mütter, Hanna Simon, Aufbau Verlag, Taschenbuch, E-Book aber auch als Hörbuch bei audible

(siehe auch neue Fotos in der Galerie)

Redakteur




01. September 2017, 08:30

Ziemlich beste Mütter


Hallo Mädels,

Ihr braucht was zum Lachen? Zum Liebhaben? Zum Miteinander-Zeitverbringen? Was Schönes? Was Kuscheliges?

Aber mit Männern geht das nicht so gut?
Hier die Lösung.

Ziemlich beste Mütter.
Jetzt vorbestellen oder ab 15. September im Buchhandel.
Dann ist die Welt wieder in Ordnung.


Eigentlich hat Marie Constantin immer für bindungsunfähig gehalten. Auch deswegen hat sie sich vor der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes Florian von ihm getrennt. Als er ihr aber nach 6 Jahren und 24 Quartalsbeziehung eröffnet, dass die Winter-Freundin bleiben wird und sie verlobt sind, ist Marie entsetzt. Hals über Kopf zieht sie von München nach Berlin. Aber auch hier ist das Leben nicht leichter: Zwar hat sie tausend Kilometer zwischen sich und ihren Ex gebracht, aber der taucht trotzdem zu allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten wieder auf. Im Schlepptau: seine Verlobte. Und als wäre das nicht genug, findet sich Marie an Florians erstem Schultag inmitten von perfekt gestylten, überehrgeizigen Super-Mamis wieder, die ihr Kind zum Beruf gemacht haben und vor lauter Nachwuchs das Leben nicht mehr sehen. Ein Glück, dass sie Alexa, Katrin und Olivia kennenlernt. Die sind nämlich genauso dauer-zu-spät und immer-in-Eile wie sie und haben noch anderes im Kopf, außer den lieben Kleinen eine vollwertig-vegane-bio-Ernährung oder den besten Mandarin-Anfängerkurs zu bieten. Bei Alexa ist zwischen Kind, Vollzeitjob und dem jüngeren Lovern eigentlich immer Land unter. Katrin wünscht sich nichts sehnlicher als ein zweites Kind, nur dass ihr Mann da ganz anderer Meinung ist. Außerdem sind sich alle vier klar: Marie braucht dringend einen neuen Mann. Und Olivia weiß auch schon wen.



Merken!

In diesem Sinne
Hanna Simon

Redakteur




31. August 2017, 10:14

Marilyn Manson

Hallo Mädels,


1. Radiowecker geht an.

2. Marilyn Manson brüllt mir "Tainted Love" ins Hirn.

3. Wach.



Ein Tag wie eine ToDo-Liste eines Tiefkühlers.
Alles also wie immer.



In diesem Sinne
Nicht gut drauf

Redakteur




30. August 2017, 09:19

Tutorial statt Freundin


Hallo Mädels,

wer hat nicht in seinem Leben schon mal jemanden fragen müssen, der was davon versteht? Richtig. Mama nach Rezepten, Papa nach dem richtigen Werkzeug bei Rohrbrüchen, den Ehemann bei akutem Hirnausfall, die Kinder nach Musiktipps.

Mittlerweile geht der Trend aber dahin, keine echten Menschen zu befragen, sondern den Computer. Das, was man da als Antwort findet, nennt man dann Tutorial. Natürlich englisch, denn in dem Moment, in dem man nichts mehr versteht, sollte man sich unbedingt an jemanden wenden, der einen englischen Namen hat.

Läuft.

Ein Tutorial. Das ist eine filmische Gebrauchsanweisung. Auch da gibt es gute und schlechte. Und auch zu jedem Thema. Reifenwechsel, Aufschlag beim Tennis oder Herzverpflanzungen. Es gibt ALLES.
Natürlich fragt man am liebsten DANN ein Tutorial, wenn man ein bisschen verschämt ist und sich denkt: das frag ich besser keine Freundin sondern den Computer. Weil das ist SUPERPEINLICH. Und da frag ich lieber jemanden, der mich überhaupt nicht kennt und dem ich auch garantiert hyper-egal bin.
Zum Beispiel bei Frisurentipps, Diätfragen oder Schminkunsicherheiten.

Letzteres liebe ich. Die könnte ich den ganzen Tag angucken.
BILDSCHÖNE MAKELLOSE WEIBER um die 16 Jahre schminken sich bis der Arzt kommt. Und sehen hinterher aus wie Sofia Loren in ihren besten Zeiten (auch wenn sie vor eher so aussahen wie Jennifer Aniston oder Pumuckel).

Auf der Suche nach einem amüsanten Tutorial fand ich plötzlich eins, das mich fast umgehauen hätte.

Thema: UNERFÜLLTE LIEBE.

Wow. Dafür gibt es ein Tutorial? Ich meine, nicht geliebt zu werden, das bekommt doch jede locker alleine hin, oder? Oder muss man das lernen? Aber nicht diese hübschen Weiber oder? Da dreht doch jeder Mann sofort durch?

Aha. Nach kurzer Einsichtnahme verstand ich, es ging nicht darum, eine unerfüllte Liebe herzustellen, sondern sie wieder los zu werden. Sprich: den Typen doch noch zu überzeugen, dass das Leben ohne einen selber möglich, aber herzerweichend sinnlos ist. Aha. Na, das versprach doch lustig zu werden. Klicklick. Los geht es nach der Werbung. Überspringen in 3, 2, 1 Sekunden. Klick.

Meine Herren!
Das hochdepressive Etwas, das da plötzlich vor der Linse sitzt, macht einen ziemlich erschütternden Eindruck.
Dieses: ich versteh euch doch alle.
Dieses: Ja, Ihr leidet – aber NICHT SO WIE ICH.

Vielleicht bin ich zu alt für so was, aber ich find es hinreißend. Das sind noch so Mädels, die glauben, jeder Schuss muss ein Treffer sein. Wie süß!
In meinem Alter denkt man ja eher: besser eine unerfüllte Liebe - als gar keine.

Zumindest meint das Mädel mit Namen Janette standfest, dass es 10 Strategien gibt, um damit klar zu kommen, dass der Herzallerliebste entweder deine Fresse nicht sehen kann oder nicht mal deinen Namen weiß.

Herrlich. Vielleicht sollte man damit anfangen, sich ihm vorzustellen: „Guten Tag, mein Name ist Janette, ich verbringe meinen Tag damit, in eine Handykamera dummes Zeug zu labern und Tausende klicken mich an!“

Hm. Nein, sie schlägt irgendwie was anderes vor.

Damit es für Euch übersichtlicher wird, will ich die zehn Strategien mal schnell zusammenfassen:

DAS SIND JANETTES 10 STRATEGIEN FÜR DEN ARSCH.

Blablabla...

Moment. Stopp! Da ist eine Strategie, die will ich mal durchgehen lassen.

Die geht so: den Typen anrufen und ihn anbrüllen.

Oha! Die entbehrte nicht einer gewissen mädchenhaften Logik. Vor allem, wenn der Typ Janett nicht kennt. Das wäre durchaus zielführend. Danach wird er ihren Namen nie mehr vergessen, oder? Aber warum sollte sie ihn dafür anbrüllen?
Das Tutorial dauert übrigens 17 hochintensive Minuten und Janette sitzt dabei in einem Abendkleid an einem (vermutlich elterlichen) Seerosenweiher in einem großzügigen Garten und scheint mit goldenen Löffeln im Arsch geboren zu sein, so dass zu befürchten sein wird, dass sie mehr erfüllte Liebe erleben muss in ihrem Leben (weil ihr Bankkonto das eben deutlich hergibt) als sie sich vorstellen sollte.
Und zwar von Männern, von denen sie sich später wünschen wird, die hätten nichts, aber auch gar nichts erwidert.

Seid Ihr neugierig geworden?

Hier meine persönlichen Highlights in diesem Unerfüllte-Liebe-Managen-Fern-Coaching

Platz 3 der ewigen: dämlichsten Ratschläge-Liste:
Frag dich, was du tun kannst, damit es noch mehr wehtut

(Da denke ich doch spontan: grandiose Idee, Janette! Auf was willst du hinweisen? Handfeuerwaffen, Schlaftabletten, offener Balkon in der 7. Etage?)

Platz 2 der dämlichsten Ratschläge:
Sieh in den Spiegel und erkenne dich in ihm

(Hier frage ich mich: Damenbart? Dauerkarte für die erste Bundesliga?)

Die Pole-Position, also Platz 1 der ewigen: dämlichsten Ratschläge-Liste (mit Sternchen!)
Hoffe auf bessere Zeiten

(Ah! Das geht ja immer! Eigentlich nur noch erreicht von: Die Zeit heilt alle Wunden.)

Und wie das doch sofort hilft, nicht wahr? Quasi ist man nach diesem Ratschlag sofort geheilt! …. aber….In der Regel bekommt nicht der Typ, sondern die Freundin, die das ratschlägt, gleich mal die Fresse poliert...)

HERRLICH!

Ich weiß da auch keinen wirklich guten Rat. In der Regel finde ich es bezaubernd, wenn ein Mädchen mir von ihrem Liebeskummer berichtet. Es ist so unschuldig und süß. Und man denkt plötzlich an die eigene Zeit zurück, da man so was durchmachte...trotz allem war man so voller Zukunft, nicht wahr?

Ich kann da leider nie etwas Schlaues raten, ehrlich gesagt.
Aber ich nerve immerhin nicht mit Tutorials, die immer beginnen mit: „Hi, ich bin die XY. Ich freu mich riiiiiieeeesig, dass Ihr meinen Kanal abonniert habt. Hey, und hier ist mein Thema für heute…) Dabei wirft man in der Regel seine langen, makellosen Haare mehrfach nach links und rechts…

OMG!

(muss man auch andauernd rufen...)

Schade eigentlich, dass Janette verschweigt, dass es auch ganz reizvoll sein kann, jemanden unerfüllt zu lieben…..seufz...
Man stellt sich diesen Prachtkerl zu schön vor, ja, er sei perfekt, riecht nicht streng. Ist nicht voll gekleckert mit Bratensoße, meckert nie, ist zuvorkommend und unsterblich in mich verliebt, findet mich nie zu dick, zu müde, zu unsexy, nicht hässlich oder albern, liest mir alle Wünsche von den Augen ab, und jedes Gespräch mit ihm ist wunderbar. Dazu ist er super im Bett, und das Leben an seiner Seite ist eine einzige, zauberhafte, rosafarbene Problemlösungsstrategie, die immer aufgeht.

Ach, was ist unerfüllte Liebe doch schön!


In diesem Sinne
Die solide Ehefrau

Redakteur




28. August 2017, 09:47

Langweiliger Text über Freundschaft

Hallo Mädels,

mich beschäftigt momentan das Thema Freundschaften. Ich frage mich, ob ich in der Lage bin, in meinem Alter (in dem Autos schon ein historisches Kennzeichen haben) noch eine neue Freundschaft einzugehen.
Bekanntschaften, ja, gerne, aber eine neue Freundschaft?

Richtig, ich fühle mich alt. Nicht immer, aber immer öfter. Und so denke ich manchmal, ich bin so eingefahren, so unflexibel, so vorhersehbar, es könnte mich niemand mehr als Freund erwählen.

Schon antike Philosophen wie Marcus Tullius Cicero, ein römischer Staatsmann von der Sorte, die immerzu was unfassbar Schlaues sagten, was dann schnell einer aufschrieb (in gutem Latein natürlich) und nun als Zitat verwendet werden kann, hatte sich mit der Freundschaft auseinandergesetzt. Er fragte sich, was ein Freund ist und meinte, es müsste ein anderes Ich sein.

Ein was? Ich? In anders? Ist es dann noch ICH?
Hätte ich doch mal im Lateinunterricht besser aufgepasst...

Also gut. Ein anderes Ich. Aber wo finde ich noch jemanden, der so bekloppt ist wie ich (abgesehen von meinen Freunden natürlich, die ich schon hab). Bei Penny, Rewe oder Schrottplatz?

Und weiter meinte der große Römer: „Freundschaft ist die Übereinstimmung in allen göttlichen und menschlichen Dingen, vereint in Wohlwollen und Liebe.“

Himmel! Ich dachte befreundet ist man einfach, und das mit dem Reden macht man dann beim Kaffee. Noch Kekse dazu?

Wohlwollen? Ist das so was wie liebhaben?

Weiter im Text. So legte ich mich schwer ins Zeug und schrieb einen laaaaaaaangen Text darüber.
Über Freundschaft, Gefühle, Interessen, Sympathie, Gleiches und Unterschiedliches, Ehrlichkeit und Vertrauen.
...schnarch...
Und dann las ich all das noch mal sehr ambitioniert durch, rief laut HA!, zerknüllte den Mist und warf ihn vom Balkon, wo er vom Wind erfasst wurde und weit weg segelte. Später erzählte mir eine mir bekannte Brieftaube, eine befreundete Wühlmaus habe daraus ein Nest für den Winter gebaut.
So langweilig war der Text. Da kann man schon mal den Winter drüber einschlafen.

Und mal ehrlich.
Hat Cicero nicht bereits alles gesagt? Der Mann muss sein Leben sehr eloquent (und in fließendem Latein!) geführt haben. Ob der jemals die Zeit hatte, die Sportschau zu gucken?

Eine andere Ich-Angie-AG?
Wo finde ich es jetzt noch, wenn ich es nicht schon gefunden habe?

...ich glaub ich bin so deprimiert, ich ruf jetzt erstmal meine Freundin an und sag ihr, sie soll mich aufmuntern. Das schafft sie in der Regel mit wenigen Worten.
Oder sie lacht.
Dann lach ich mit.


In diesem Sinne
Freundin von irgendwem, der wie ich ist - nur anders.

Redakteur



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