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07. Juni 2019, 12:24

Von außen tiefsinniger als von innen

Hallo Mädels,

man muss schon extrem feißig sein, wenn man als Schriftstellerin den heimischen Bücherschrank mit Selbstgeschriebenem voll stellen will.

Leute, die in meinem Heim herumlungern oder zu einer Stippvisite das Wohnzimmer diametral perforieren, wissen, was zu lesen ich mittlerweile bereit bin.
Goethe, Schiller als angeberische Aufwärmübung, dann Biografien von Byron und Balzac (wegen der Alliteration).
Dazu Proust und Schopenhauer wegen der dekorativen Ausgaben. Rilke jammert sich lyrisch durch mein Lesestudium, Poe und Kafka verbreiten derweil Schrecken und Düsternis, bevor ich meine Leselampe anschalte und mit Mao-Biografie und Dalai Lama versuche, meine asiatische Gelassenheit zu dekorieren.
Dazwischen durchstolpere ich ein wenig durch die peanuts-eske Welt und komme zur Ruhe mit deutschem Jugenstil und verwühle mich sogleich mit dem französischem Enfant terrible Frederic Beigbeder, weil man den Namen nie richtig aussprechen kann.
(Siehe auch: Houellebecq).

Aber auch wenn es tiefsinnig aussieht.
Meine wahre Berufung liegt in Candy Crush...

Ich bin quasi die fleischgewordene Adhäsionskraft der Generation „gebeugt über Handys-Herumlaufender“.
Ich falle auf die dümmste psychologischen Belohnungssysteme rein. Dopamin wird ausgeschüttet, wenn ich kleine, gezeichnete Früchte in Reihen zusammen schließe und sammle, bis ein bunter Regen mir sagt: Jippi! Level geschafft!

Sagen wir es gemeinsam:
Ich bin ein Volltrottel.

Und dann liebe ich auch noch Facebook.
Alle sagen Bäh!
Und ich auch. Aber... Ich schreibe einen Beitrag und dann warte ich, dass den jemand liked.

Erzählt es nicht weiter.
Denn ich bin wohl die einzige auf der Welt, die so lebt. Wahrscheinlich bin ich ganz alleine bei Facebook und ein kleines Büro mit Menschen betreut mich von Amerika aus mit kleinen Fake-Likes...

Alle anderen sind so unendlich vernünftig.
Komisch.


In diesem Sinne
Die einzig Unvernünftige

Redakteur




23. Mai 2019, 11:28

Neuerscheinung 2019

Hallo Mädels,

es ist wieder so weit. Das neue Buch kommt raus!

ZIEMLICH KRANKE MÄNNER

Anna ist Arzthelferin und das mit Leidenschaft. Sie weiß ganz genau, was gesund ist und was nicht. Leider hält sie sich selbst nie an ihre Ratschläge. Ihr nerviger Freund Belá hat gerade die Männergrippe und wird daran aller Voraussicht nach sofort und mit viel Rotz sterben. Anna hat schwer zu tun.
Es folgen: Todesfall in der Familie, Rettungsversuch eines verschuldeten Weinberges, Belá verlässt sie wegen Weinkönigin. Und dann noch: eine neue Freundin mit Hang zu Tattoos, Weinverkostung ohne blassen Schimmer vom Keltern und um Himmelwillen die allerschlimmste Katastrophe: die Liebe!
Manuel. Ein Mann, der ihre sensationellen Ratschläge nicht braucht, nie jammert und sich nie helfen lässt.
Der macht Anna einfach komplett wahnsinnig.

Neuerscheinung im Aufbau Verlag: 24.5.2019 Für 7,99 Euro überall im Handel und natürlich online.


In diesem Sinne
Eure Hanna

Redakteur




19. Mai 2019, 11:20

Madonnengleich vergeigt. ESC 2019


Hallo Mädels,

wenn die Niederlande gewinnt, sind wir ja oft etwas angepisst. In diesem Fall überhaupt nicht. Der Eurovision Song Contest 2019 hat uns wieder bestens unterhalten.

Jedes Jahr aufs Neue sind wir absolut geflasht davon, wie sich mehr als zwei Dutzend Nationen keine besseren Lieder ausdenken können, als das, was da auf gigantischer Bühne geboten wird. Man sollte doch meinen, dass eine national ausgewählte Musikdarbietung (von der geschätzte 8 Millionen Musikschaffende genau wissen wie etwas zu erschallen habe, damit es den 180 Sekunden Anforderungen eines völlig übersättigten Publikums genügt), irgendeinen Eindruck beim Publikum hinterlässt.
Nein. Nichts.
Von 26 Darbietungen bleiben kaum 4 im Gedächtnis.

200 Millionen Zuschauer für die Folgendes vorbereitet war:
Eine Moderatorin, die ihre Titten vergessen hatte,während ihre Kollegin sich in Alu gewickelt hatte. Dazu: Tanzende Arzthelfer, Albanien will seine Leute zurück, Tschechien in Schwarzrotgold, der Russe singt sein verregnetes Spiegelbild an, juchzende Segelohren fürs Brexitland, unsere Schwestern (S!sters) des Grauens und dazwischen der Mann am Klavier, der die ganze Sause hier gewinnt.
Der Holländer.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Erwartungen des jährlichen Publikums zu hoch waren, denn wir wissen, dass da kein Welthit bei rum kommt, und derjenige der bereits vorher als Favorit gehandelt wird, siegt immer.
Aber in der Pause war noch Platz für ein weltweite, professionelle Drama!

Madonna - Supersupermegamega-Star Supersupermegamega-Blamage.

Na, das war sicher eine Entlastung für jeden Teilnehmer! Keiner von denen hat schlechter gesungen als dieser singende Games-Of-Thrones-Mopp!
Wenn man Madonna heißt, sollte man vielleicht wissen, dass das Leben böse enden kann.
Schief singen ist nicht schlimm, eigentlich sympathisch, aber nur wenn man zwischendurch auch mal einen Ton trifft, mit dem man das viele Geld verdient?

Es ist seltsam, wie in unserer Welt, in der der reichste Club Deutscher Meister wird, weil die reichsten Leute immer das meiste Geld ans ich reißen und alles gewinnen, weil Reichtum nun einmal Dreistheit bedeutet, gibt es diese vergoldete Megashow voller Verlierer.

Unsere beiden Verlierer, die S!STERS, hatten ein denkbar schlechtes Lied, das einen sich auffällig nahe an NULL liegenden Wiedererkennungswert hatte, und eine Darbietung war nicht vorhanden. Den Misserfolg voll im Blick, würde ich sagen.
Wer so was in den Wettbewerb schickt, hat mit allem abgeschlossen.
Drittletzter. Immerhin sagen wir da. Und 32 ganze Punkte. Mehr als Madonna.


In diesem Sinne
Mariamaria

Redakteur




17. Mai 2019, 13:55

Was ich schon immer sagen wollte


Hallo Mädels,

ich hab bislang keine Folge Games of Thrones gesehen.


Ja, okay, bewerft mich nur mit magischen Kronjuwelen.


In diesem Sinne
Uninformierte



Redakteur




07. Mai 2019, 08:59

Ein Buch lesen ist toll, aber mit nem E-Book geht es schneller.


Hallo Mädels,

mittlerweile sind es weniger als die Hälfte aller Leser, die NUR ein gedrucktes Buch vor die Nase halten. Da war ich erstaunt.
Ich selbe lese auch beides. Meine alten Bücher werfe ich nicht weg, aber neue sind alles E-Books. Des Platzes wegen. Und weil ich es sofort habe und nicht auf den Paketboten warten muss.

Wenn ich angesprochen werde auf meine Bücher, von denen die letzten beiden als E-Book-Only, also nur als E-Book erschienen, höre ich unterschiedliches.

Die jungen Frauen lesen fast nur noch auf dem Handy, aus zeitlichen und auch aus Platzgründen.
Die etwas älteren wollen die Bücher gerne als Papierversion. Interessanterweise aus drei Gründen.

Um es zu verschenken.
Um ein Autogramm hinein zu bekommen.
Und als erst als drittes: es fühlt ich so schön an.

Das Schmökern im beblätterten Schriftgut ist im Leseverhalten der meisten also
ganz wichtig. Dabei ist ein Reader nett anzufassen, aber da wäre noch Verbesserungspotential, will ich nicht abstreiten. Vielleicht ein Pappumschlag? Platz für Selbstgestaltung, etwas in der Art?

Ich vermute, dass selbst der Reader auf dem Rückzug ist. Wie bei der Kamera, will der Benutzer nur ein Gerät. Handy, Kamera, Reader, Taschenlampe. Eins für alles.
Ich verstehe das. Vergessen wir nicht, was mit der Musik passierte.
Was haben wir alle die Schallplatte geliebt!!!

Ich denke, es ist, weil der Roman gelesen wird und danach in uns ist. Es ist wie ein gutes Getränk (nein, ich bemühe jetzt nicht den sprichwörtlichen „guten Rotwein“).

Das “eBook” hat die Branche revolutioniert und über kurz oder lang verlieren wir den klassischen Buchhändler.

Lichtschwerter, äh, Lichtpunkte vs. Druckerschwärze.
Es kann nur einen geben.

Das E-Book ist einfach zu praktisch. Und praktisch setzt sich durch. Frech kommt auch weiter.
Wenn das Buch im Handy ist, ist es quasi immer dabei, ist sofort verfügbar, verbraucht keinen Platz, hat kein Gewicht, dafür wurde kein Baum getötet, kein Paketbote ausgebeutet, kein Benzin verbraucht.

ABER wurde aber genauso sorgfältig hergestellt wie die Papierversion.

Von jedem Papierbuch gibt es immer auch die E-Book-Variante.
Und bei meinem Buch „Ziemlich beste Mütter“ waren es so viele E-Books, das mein Verlag sagte: Wir satteln um.

In einem RICHTIGEN Buch zu schmökern ist für viele eine sinnliche Erfahrung. Umblättern macht Spaß, sagen sie.
Richtig.
Auf dem eBook-Touchscreen rumzutippen übrigens auch.
Nur das mit dem Autogramm da sollte ich mir für meine nächste Lesung noch was überlegen.

Aber ich sage es noch mal: Ich als Autorin habe die selbe Arbeit und stecke genauso viel Herzblut hinein, wie in eine Printausgabe, vielleicht versöhnt euch das?


In diesem Sinn
Die E-Angie

Redakteur




29. April 2019, 08:23

Mit Roland Kaiser auf der Toilette

Hallo Mädels,

ist es euch eigentlich schon mal aufgefallen?

Im Radio gibt es nur Lieder, die entweder übertrieben heiter sind oder übertrieben jammerig.
Herrje, zuweilen denkt man, der Sänger haucht gerade seinen letzten Atemzug ins wehrlose Mikro. Und alles so verständnisvoll und so tapfer! Ja, heult denn da nie einer?

Wir waren im Urlaub.
Im Restaurant gab es leise Musik. Meist Schlager.
Preislage: BeeGees, Abba, aber auch Herrn Kaiser!

Ich fand das 70er-Gedudel etwas anstrengend.
"Staying alive" passt nun mal auch nicht immer!
Oder?
"Money, money, money" hingegen passt zu einem Spitzen-Dinner schon. Irgendwie.

Und dann ab zur Toilette.
Dort war die selbe Musik, nur etwas lauer, was an der Schallreflektionsfreudigkeit von Nasszellenfliesen liegen mag...
Und da war dann Roland Kaiser.
Frisch aus der ZDF-Hitparade!
Fehlte nur Dieter Thomas Heck, der mir die Klopapierblättchen aufsagte.

Aber wenn man sich etwas konzentriert, kann man auch mit Roland Kaiser und seinem Megahit "Manchmal möchte ich schon mit dir..." die Kloschüssel treffen.

Ach, die guten, alten Schlager! Immerhin waren die allesamt glückliche Lieder.

Heute ist alles nur entsetzliches Jammern.

Ob wir deshalb so pessimistsche Wirtschaftsdaten haben, obwohl es uns eigentlich so gut geht wie nie zuvor?

Und dann dieser moderne Synthiekram, der versprechen, dass man den anderen für immer liebt, obwohl er den Abflug gemacht hat.
Bullshit.
Draufhauen und Krönchen richten, das wäre die richtige Devise. Und dann sich jemand suchen, der einen lieb hat und auch wirklich haben will!

Aber Handgreiflichkeiten wären wahrscheinlich unter der Würde von Roland Kaiser gewesen, der "ein letztes Mal" geliebt werden will und damit klarstellt, dass es ihm bei der Beziehung ja wohl doch nur um Sex gegangen ist.

Cool.
Und ehrlich.

Aber vielleicht nicht auf dem Klo...


In diesem Sinne
Die Heimkehrerin

Redakteur




19. April 2019, 17:13

Under Cover


Hallo Mädels,

Ihr kennt ja meinen Verlag, der Aufbau Verlag aus Berlin, der hat das Cover noch nicht aber schon den Klappentext fertig für meinen neuen Roman "Ziemlich kranke Männer".

Eigentlich sollte er "Männergrippe" heißen, aber das klang so apothekenpflichtig...

Eine Liebeserklärung an Mühlheimer Arzthelferinnen und Krankenschwestern...und an kranke, deutsche Männer...und einen gesunden Griechen.

Ob sich manche liebe Menschen in meiner Umgebung da wiedererkennen?

Hier also der Klappentext:




Schatz, es ist nichts Ernstes, es ist nur tödlich ...

Anna kennt sich bestens aus mit kränkelnden Männern. Als Medizinische Fachangestellte bekommt sie selbst die härtesten Fälle der „Männergrippe“ in den Griff. Auch privat lässt sie das Thema nicht los, denn Freund Béla zeigt besonders hartnäckige Symptome. Voll von Anna umsorgt, lässt er es sich bei ihr gut gehen. Als Annas Onkel überraschend stirbt, fährt sie zur Beerdigung mit Béla im Gepäck auf dessen Weingut in der Pfalz. Das ist zum Leidwesen aller hoch verschuldet. Die Familie kann das Erbe nicht antreten und es droht die Zwangsversteigerung. Anna kümmert sich um alle und alles. Nur Béla fühlt sich vergessen in dem ganzen Chaos. Er ist empört, natürlich sterbenskrank und entwickelt sich zunehmend zum Klotz am Bein. Anna hat genug von Béla und seiner Männergrippe. Sie versucht hier schließlich ein Weingut zu retten! Zum Glück kann sie sich auf die Unterstützung der Dorfgemeinschaft verlassen, die sie herzlich aufnimmt. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Manuel. So gar nicht wehleidig bringt er Anna völlig aus dem Konzept ...

Das Cover kommt später.
Und der Erscheinungstermin wird auch noch gemeldet.

In diesem Sinne
Der Schreiberling

Redakteur




10. April 2019, 07:40

Vergiss es!

Hallo Mädels,

manchmal schmerzt die Erinnerung. An einen lieben Menschen, der diese Welt zu früh verließ, oder daran, dass man von einem wichtigen Freund einfach fallen gelassen wird, weil man nicht mehr richtig funktioniert.

Der Wunsch nach Vergessen ist mindestens genauso groß wie der Wunsch, das Wissen dieser Welt parat zu haben. Um zum Beispiel in einem albernen Quiz mühelos mal eine Million mitzunehmen.
(Aber das Quiz gäbe es ja nicht, wenn wir nicht allesamt ein gedächtnis wie ein Sieb hätten...)

Unser Hirn ist etwas schwierig. Es tut offenbar selten das, was wir wollen, als sei es eine eigene Persönlichkeit ins uns.

Es gibt aber eine Erklärung. Was absurd klingt, haben Wissenschaftler bewiesen: Wenn wir uns an etwas erinnerten, vergessen wir ähnliche, in dem Zusammenhang störende Erinnerungen.
Unser oberschlaues Gehirn unterdrücke aktiv die konkurrierenden Erinnerungen. Der Vorgang des Erinnerns gestalte so, welche Aspekte unserer Vergangenheit zugänglich bleiben - und welche nicht.

Das Erinnern scheint ein doppelschneidiges Schwert zu sein.

Experten nehmen an, dass es einen hemmenden Kontrollmechanismus gibt, der dafür verantwortlich ist: Er unterdrückt Erinnerungen, die "dazwischenfunken", wenn man sich an etwas Bestimmtes erinnern möchte. Nach und nach führe diese Unterdrückung dann zur Auslöschung der Erinnerung.

Warum nur, kann ich das nicht aktiv herbei führen?
Oder kann ich es? Und will es nur nicht?
Ich verstehe mich selbst nicht.

Aber da scheint es den Wissenschaftlern genau so zu gehen, bin also in guter Gesellschaft.

Äh, worum geht es?


In diesem Sinne
Habesvergessen

Redakteur




06. April 2019, 10:33

Was bist du von Beruf?

Hallo Mädels,

Ihr würdet natürlich nie fragen, denn Ihr habt ja mit mir im Büro gesessen, und wir haben schön zusammen gearbeitet, mittags mal ein Eis gegessen und morgens erstmal Kaffee und nachgefragt, wie es am Wochenende lief...

Aber oft werde ich nach meinem Beruf gefragt, und ich weiß nicht so recht zu antworten.

Gelernter Banker?
Mutter?
Hausfrau?
Schriftstellerin?

Was ist am unkompliziertesten? Wo bekommt man die wenigsten Rückfragen? Was macht Eindruck?

Trotz allem unsympathischen Schabernack, den die Finanzwelt anstellt, sage ich (feige und) reflexartig das Erste.

Gelernter Banker (und dabei gucke ich immer so hilflos,a ls hätte ich Angst, mein gegenüber fragt gleich Buchungssätze ab:
"Fuhrpark an Kasse")

Ich sollte mich mal langsam daran gewöhnen, doch eher das Aktuelle zu sagen:

Schriftstellerin und Mutter
(in aufsteigender Reihenfolge)

Habe gestern die Abrechnung meines Verlags bekommen. Mehr als ein halbes Dutzend Seiten und immerhin so viel wie ein Halbtagskraft bekommt. Ich sollte mir klar werden, was ich bin.

Oder ich sage einfach:
Ich bin Weltbürger (damit ist man ja auch voll ausgelastet).
Oder: Umweltsünder (Vollzeitjob!).

Warum ist das so schwer zu sagen, was man tut? Will man möglichst nützlich erscheinen?
Und warum ist man eigentlich doch nur das, was andere in einem sehen?


Fragen über Fragen.

In diesem Sinne
Steuerzahlerin

Redakteur




05. April 2019, 09:42

Du bist nicht mehr in meinem Leben

Hallo Mädels,

ich arbeite gerne und bin dann durchaus sehr zufrieden.
Das siebte Manuskript ist fertig, das achte reift im Kopf still und leise vor sich hin.
Was Rechenkunst für eine Schriftstellerin bedeutet.
Mein unsteter Geist sehnt sich nach Langeweile.

Aber ich spüre auch das Herz, das jemanden sehr vermisst, aber da kann man nichts dran tun, sondern nur dieses Gefühl, kostbar wie es ist, auffangen. Aushalten.

Wenn ich zwischendurch mein Tage- und Tischwerk zur Seite lege, werfe ich einen langen, langen Blick auf meinen Schreibtisch. Und seufze.
Er seufzt zurück!
Das höre ich deutlich.
Ich fürchte, er ist unzufrieden mit mir, denn mein Schreibtisch ist zu Höherem geboren, ganz klar. Wie gut könnte ich mir streitbare Nobelpreisträgerinnen oder junge Umweltaktivistinnen an ihm vorstellen, engagiert, im Begriff Weltliteratur zu schreiben oder gleich (ohne Umwege über den störrischen Geist der Menschheit) die Welt retten!

Mein Tisch ist ein starker Charakter. Geboren als Biedermeierkommode wurde er während einer anonymen aber ambitionierten Bastelarbeit zu einem Damenschreibtisch umgewandelt. Er hat eine wunderbar geräumige Schublade, in der abends nach eloquenter Schaffenszeit der Laptop zur Ruhe kommen sollte. Doch eine Anhäufung hochgradig unzusammenhängender und zusammengewürfelter Utensilien verhindert das. Und das Bild von ihm, es darf nicht zerdrückt werden, die Zeit zerdrückt das Bild in meinem Kopf eh von ihm. Also Nichtstun!
So steht moderne HighTech neben der Gründerzeitlampe meiner Tante, einem Sammelsurium an Stiften in einem Irisch-Coffee-Becher meiner anderen Tante und einem künstlerisch-orginellen Untersetzer meiner Großtante.

Darüber hängen Fotos auf einer Pinnwand - von wem?

Natürlich.

Meiner Mama.

Sie steht geduldig neben mir, die ich meinen ersten Schultag habe und eine berüschte Schultüte umklammere. Meine Mama trägt einen engen 70erjahre Rock und sieht hochoffiziell aus. Ich trage Dirndl (so verbaut man Karrieren!). Neben uns ein Blumentopf aus Plastik in barockem Design. Was genau ist das für ein seltsames Foto? Meine Mama erträgt die Bildkomposition mit Fassung.

Ich vermisse so viel im Leben.


In diesem Sinne
Misserin

Redakteur



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