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Der Blog


     


21. Oktober 2017, 13:40

Samstag ist der klassische Friseurtag


Hallo Mädels,

gerade höre ich im Radio, dass Samstag der typische Friseurtag ist.

Wo bekomme ich jetzt einen Friseur her?


In diesem Sinne
Die Radiohörerin

Redakteur




20. Oktober 2017, 11:11

Haiku und Sex


Hallo Mädels,

ich sag es ganz offen: der Herbst ist einfach nicht meine Zeit.

Ich mag den Sommer.
Aber NUR den Sommer.
Okay, den Frühling mag ich auch. Weil ich mich da auf den Sommer schon freuen kann, aber der Herbst steht direkt vor dem Winter, und den Winter fürchte ich. Seine Kälte und seine Dunkelheit. Und meist ist er nur nass und bäh. Der Herbst ist demnach die Zeit, in der ich mich schon voll vor dem Winter fürchten kann.

Oh, natürlich kann der Herbst schön aussehen. Ja, ich höre Euch schon mahnen!
Aber wie bei Männern, kann etwas schön aussehen, aber man mag es trotzdem NICHT!

Bislang hängen noch viele Blätter am Baum, aber es reicht, um die Heerscharen an Laubbläser- und Laubsaugerfreunden herauszulocken, die sich diabolisch auf jedes Blättchen stürzen.
Vielleicht ist tatsächlich dieses akribische Laubwegmachen ein Grund, warum bei uns die Insekten ins Gras beißen?
Wer weiß.
Also ich würde als Insekt auch aufgeben, meine Insektenkoffer packen und mich davon machen. Hier ist es doch doof, oder? Wenig Blumen aber viel Zierkies, Rosen, die schön aussehen, aber nicht mehr duften, bunter Beton und dann diese Laubbläser! Wahrscheinlich sind Laubblasinstrumente so eine Art Fluglärm im Insektenreich.

Dass mit dem Insektensterben macht mich sehr nachdenklich. Der Mensch macht viele Dinge falsch. Und manche davon macht er nicht mal aus bösem Willen falsch.

Aber merke: gut gemeint ist oft schlimmer als schlecht gemacht.

Wie beim Sex.

Wir Menschen sollten mal unser ästhetisches Gewissen prüfen. Ob manche Dinge wirklich schöner sind. Ob man Hecken immer stutzen muss, Rasen immer mähen. Ob es Unkraut wirklich gibt oder ob es nicht einfach Kraut ist. Ob verkrüppelte Bäume wirklich weg müssen und ob Laub wirklich aufgesaugt gehört. Und ob (von der BUGA unprämierte) Wald- und Wiesenblumen auch einfach mal rumstehen dürfen.
Lebenlassen bedeutet Leben!
Vielleicht würde ich dann den Herbst doch mögen. Etwas.
Nicht gleich so, dass ich vor schriftstellerischer Energie gleich aus der Hose hüpfe, das nicht.
Und ich würde auch nicht gleich ein Haiku schreiben.

Ihr wisst schon.
Haiku.
Das ist japanisch für EUROPÄISCHE ANGEBER SCHMÜCKEN SICH MIT JAPANISCHER TRADITION!

Oh, 'tschuldigung. Das ist wieder meine Herbstgenervtheit…

Wo war ich? Ach ja.
HAIKU.
Nein, das ist nicht die keltische Form von Heike.

Ein Haiku ist eine traditionelle japanische Gedichtform, die heute weltweit verbreitet ist. Das Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform der Welt. Die japanische Dichtung ist nicht silbenzählend, sondern quantisierend.
Ein Haiku nach traditionellem Vorbild besteht aus einem Vers zu drei Wortgruppen à fünf, sieben und fünf japanischen Moren.
Klingt kompliziert, ist aber im Grunde vor allem kurz. Schnell gelesen, aber nett – wenn es gut gemacht ist, ist es wie Sex.

Ich habe dieses kleine Referat immer im Kopf, wenn mir jemand sagt, er schreibe auch. „Aber nur Haikus.“ kommt es dann etwas von oben herab. So, als wäre es gerade schändlich, sein Geld damit verdienen zu wollen, dass man 400 Seiten mit wahnsinnig VIELEN Worten füllt.
„Sorry,“ erwidere ich dann dezent pampig aber süffisant grinsend, „ich gehe immer davon aus, dass man fürs Lesen etwas Zeit mitbringt und nicht die paar Worte im Stehen liest.“ Danach hält der Haikuvergewaltiger meist die Klappe. Wahrscheinlich weil er nachrechnet, wann er das letzte mal Sex hatte...

Herrje! Herbstgernevtsein ist nicht sozial verträglich…

Also gut. Hier ein Haiku. Aber nicht von mir. Es ist schön. Wie Sex. Und ebenso wenig abendfüllend.


Auf blattlosem Ast
Sitzt allein eine Krähe;
Herbstlicher Abend.

Basho (1643 – 1694) eigentlich Matsuo Munefusa, japanischer Dichter


In diesem Sinne
Die Herbstlaus

Redakteur




19. Oktober 2017, 08:11

Sie haben Ihr Ziel erreicht

Hallo Mädels,

machen Euch Navigationssysteme auch so nervös?
Ich muss die ja immer mit den Zieldaten füttern. Immer. Bis auf "Zuhause" für das es einen extra Knopf gibt, ist mir das immer unangenehm. Und reizt natürlich zu allerlei Schabernack. Wäre doch hübsch überraschend, wenn man statt am Meer in den Bergen landet...

Was Ziele angeht, habe ich mir viel vorgenommen.

Merke: Je mehr man sich vornimmt, desto größer ist die Freude über das Wenige, was man dann letztendlich schafft.
Ganz alte westfälische Weisheit.

Ich hab mir mal eine Weile ganz bescheidene Ziele gesteckt.
Das bringt aber gar nix. Also wie beim Doppelkopf hoch rangehen:
Also neues Ziel: Ich werde spätestens nächstes Jahr direkt in die Kaste der "Reichen und Berühmten" wechseln.
Das mit den "Schönen" überlasse ich anderen.

Meine Krankenkasse ist bereits informiert, das Arbeitsamt hat sich meine Planung interessiert angehört und seine weitere Hilfe direkt und ohne Umschweife und Bürokratie begeistert abgesagt und meint, das wäre dann nicht mehr ihr Bier.
So gesehen, richtig.
Dann werde ich eher ein Fall fürs Finanzamt.
Nun muss ich es nur noch werden.
Drückt mir die Daumen. Und lest eifrig, was ich so zu schreiben im Stande bin.

So. Dann gebe ich jetzt das Ziel ein und warte, bis die Dame so streng murmelt, dass ich mein Ziel erreicht hab.


In diesem Sinne
Die Windrose

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Redakteur




18. Oktober 2017, 08:33

Goldener Oktober

Hallo Mädels,

der Ausdruck "Goldener Oktober" ist doch auch wieder so eine unausgegorene Kachelmannweisheit.
Was ist denn daran golden?
Warm ist es. Ja, und das ist prima, wenn man das Blätterfegen im T-Shirt erledigen kann, ohne Kreuzschmerzen zu bekommen. Und das Laub auch nicht so eklig an den Pflastersteinen pappt. Und es riecht auch nicht so streng wie Moorleiche, abends kurz nach dem Tatort.

Aber da das Fegen vor der eigenen Türe gesetzlich geregelt und ein Muss im Nachzeitalter der Kehrwoche ist, ist da auch nix mit Goldtalern als Belohnung.

Also ich weiß nicht. Wenn mir noch einer was vom goldenen Oktober erzählt, dann bewerfe ich ihn mit Kastanien. Oder so.
In zwei Wochen ist zum Glück November.
Und der ist alles, aber nicht golden.

Da fällt mir ein: Ich hab gestern die ersten Dominosteine dieser Saison geerntet! Bin spät dran, normalerweise esse ich die bereits im September!


"Im Nebel ruhet noch die Welt, noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt, den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt in warmem Golde fließen."

Mörike - als er Fegedienst hatte.


In diesem Sinne
Die Flurwoche

Redakteur




17. Oktober 2017, 09:27

Auf der Bestsellerliste


Hallo Mädels,


schnell mal einen Blick auf die aktuelle Bestsellerliste geworfen...

...und was seh ich da?

Richtig.

Jemand anderes.


In diesem Sinne
Hanna Simon

Redakteur




16. Oktober 2017, 11:25

Außerirdischer Friseurtermin


Hallo Mädels,


in Friseurläden plärrt meist irgendein Regionalsender über die haarigen Köpfen hinweg und die jungen Damen, die dort arbeiten sind stets bildschön, spindeldürr und vielleicht 17 Jahre alt.
Ich bin im Urlaub, setze mich unsicher auf den mir barsch zugewiesenen Stuhl und werde stumm beäugt. Durch den Spiegel. Keine andere Berufsgruppe beherrscht es so wie diese, „über Bande zu spielen“. Sie reden mit dem Kunden nicht vis a vis sondern vis a Spiegel (herrje, was heißt Spiegel auf Französisch?).

„Da muss aber ganz schön was gemacht werden!“ sagt die junge Dame und wuschelt mir durch meine langen, straßenköterblonden Haare.

„Ich wollte nur Spitzen schneiden lassen. Ich lasse ja wachsen.“ PENG!!! Ich mache IMMER den selben Fehler. Ich lasse die Haare wachsen und gehe dann zum Friseur, anstatt sie einfach weiter lang wachsen zu lassen. Wie blöd kann man sein???

„Sie müssen es ja wissen. Sind ja Ihre Haare!“ - sagt sie zwar nicht, aber in ihrem Gesicht ist es unfassbar deutlich abzulesen.

„Vielleicht ein bisschen ab?“ frage ich schüchtern, um guten Willen zu zeigen.

Sie nickt gnädig und wickelt mich in einen Umhang, der mir schon von klein auf das Gefühl (beim Gefüttertwerden) gegeben hat, dass ab nun andere das Kommando übernehmen, und ich mit meinen Arme und Hände nichts mehr ausrichten kann.

„Wie wäre es mit einem Long Bob?“ und zeigt mir an, dass sie ein ganzes Stück abschneiden will.

Long ja, aber nicht sooooo! Schrei ich innerlich. Sage aber: „Äh...ich weiß nicht.“ Ziemlich leise und weiß bereits da, dass ich ihr in die Falle gegangen bin.
Ich vermute schon lange, dass Friseurinnen gar keine Menschen sind. Sie sind Aliens von einem Schönheitsplaneten, die aus reiner Menschenliebe auf die Erde gekommen sind weil wir so hässlich sind.
Und aus der Menschenliebe ist nach und nach Verachtung geworden.

Sie dreht sich um und holt ihre Schere, wobei ich einen kurzen Blick auf ihren Po erheische. BINGO! Das ist DER Beweis, dass sie ein Alien sein muss. Solche Pos haben nur Aliens.
Oder Models.
Und jeder weiß, dass Models sowieso Aliens sind!!!

„Und die Ansätze blondieren, nicht wahr?“ sagt ES leise, und ich weiß ES würde keinen Einspruch dulden.

Ich will aber protestieren!!! Ich bin naturblond. Das ist doch gut, und das sollte ich verteidigen.
Während ich den Mund öffne, toupiert sie eine Strähne von meinem Hinterkopf so hoch, dass ich sie im Spiegel sehen kann. Es sieht aus wie ein Warnbake.
Straßenköterblond mit hellblondem Querstreifen.

„Ja.“ sage ich nur und beiße mir auf die Zunge.

Scherengeräusche erfüllen den Raum.
Der Friseur-Alien sagt kein Wort, während sie mir die Haare klippklapp abschneidet. Immerhin kann ich den Regionalsender 1a mithören. Alles über doofe Promis und ihre Erlebnisse. Alle Werbung, auch vom örtlichen Autohaus.
Hm.
Ich denke noch: wie schön wäre es, wenn sie doch ein bisschen mit mir plaudern würde.

Der Friseur damals von meiner Mama, der konnte so wunderbar schnarrend mit meiner Mama reden. Ich stand immer ganz ehrfürchtig dabei. Toll. Er wusste auch immer noch ganz viel vom Gespräch vom letzten Mal.
Diese bildschöne Alienfrau weiß nichts zu sagen.
Wie auch. Ich bin ein Mensch von diesem Planeten...

„Da ist ja ganz schön was runter gekommen.“ sage ich in einem Anflug von Gefechtsbereitschaft und sehe den Haarlocken hinterher, die langsam meinen Umhang herunterrutschen.

„Na, ja. In Ihrem Alter trägt man die Haare ja besser kürzer.“ sagt sie kurz und wendet sich dann an Mandy oder Wendy oder Irgendwas-dy um ihr zu sagen, dass sie bitte was anrühren muss.
Eine Stunde später habe ich gleichmäßig blondiertes Haar. Schulterlang. Offenbar altersgerecht. Als sie es mir fönt, strahlt sie in den Spiegel und sieht mein muffeliges Gesicht.
„Das sieht doch richtig gut aus, oder?“ fragt sie. Offenbar kommt ihre Menschenliebe wieder zum Vorschein. Vielleicht erinnert sie sich wieder an ihren Auftrag, hier auf der Erde, die hässlichen Menschen etwas aufzumuntern.
Ich schmolle altersgerecht.
Sie überlegt kurz.
„Ein bisschen wie Léa Seydoux“, sagte sie fröhlich und spricht den Namen des französischen Bondgirls aus SPECTOR fehlerfrei aus.
„Oh!“ rufe ich aus. Zum einen, weil das ein tolles Kompliment ist, zum anderen aus Überraschung darüber, wie ihr dieser dicke Fehler unterlaufen konnte!!!
Sie MUSS ein Alien sein.
Friseurinnen reden doch betriebsbedingt so, als könnten die nicht mal fehlerfrei eine Waschanleitung vorlesen!
Ha! Das ist nur Tarnung!
Aber jetzt hat sie sich verraten!
Ha!

Und ich sage: „Finden Sie????“ und strahle sie an.

Mist. Wieder in die Falle gegangen…


In diesem Sinne
Haar-Bombe

Redakteur




07. Oktober 2017, 16:17

Noch eine Buchmesse


Hallo Mädels,

zu gerne würde ich hier mal einen Blog über Männer schreiben.
Was alles so ganz hübsch ist an ihnen. Und dann auch noch einige aufzählen, weil sie meine persönlichen Helden, Musen und Sparringspartner sind.

Aber ich schreibe jetzt doch besser etwas über den Wert des Buches:

„Der Wert des Buches richtet sich vor allem nach bestimmten Eigenschaften. In Leder gebundene Bücher können beispielsweise beim Abziehen von Rasierklingen unbezahlbare Dienste leisten. Dünne Broschüren dagegen eignen sich vortrefflich dazu, wackelnden Tischchen das Gleichgewicht wiederzugeben. Ein Lexikon ist hervorragend geeignet, einen Einbrecher gefechtsunfähig zu machen.“

Mark Twain


HERRLICH! Und nun lest weiter.

In diesem Sinne
Bücherin

Redakteur




06. Oktober 2017, 10:18

Bestseller und Nobelpreis

Hallo Mädels,

gestern musste ich einsehen, dass es dieses Jahr wieder nichts mit dem Nobelpreis geworden ist. Hat wieder jemand anderes bekommen.
Mist!
Und auf er Bestsellerliste? Noch nicht.

Aber das kann ja noch klappen!
Los!

Soll ich Euch den Weg zu Eurem nächsten Buchladen aufschreiben?

Ein Baby und zwei Opas
Schief gewickelt, Opa!
Ein Weihnachtsmann fürs Leben
Ziemlich beste Mütter

Ich bin sicher, Ihr bekommt eine Tüte gratis dazu!

Schönes Lesewochenende!

In diesem Sinne
Bestleserin

Redakteur




05. Oktober 2017, 08:23

Schule, Eltern und Lehrer. Und Hausaufgaben. Und irgendwas mit doof.

Hallo Mädels,

neulich las ich:
"Angela fand guten Kontakt zu ihren Mitschülern. Sie bemühte sich, ihren Lehrern zuzuhören. Angela beteiligt sich lebhaft am Unterricht. Sie schreibt langsam und lesbar. Sie versucht, selbständig zu arbeiten."

Dieser hochinteressante Text stammt aus dem Jahr 1977. Kenntnis genommen hat eine mit liebgewonnene, weiche Frauenhandschrift, die sich später unter jedem Zeugnis und unter jedem (missglücktem) Diktat finden würde. Die Themenbereiche auf oben angedeutetem handschriftlich verfassten Hinweiszettel umfassten die Bereiche
Sozialverhalten,
Arbeitsverhalten und
Hinweise zu Lernbereichen. Darunter ein hübsches Stempelchen mit Bielefelds Wappen.
Richtig. Das ist ein Auszug aus meinem ersten Zeugnis. Beschämt merke ich, dass schon immer Sozialzeugs wichtig war, nur heißt es jetzt Sozialkompetenz.

Schule ist im Grunde ein faszinierendes Thema und ich nähere mich diesem mit aller gebotenen Demut. Draufhauen ist nicht glückselig machend, aber so richtig den Kopf heben mag ich auch nicht. Früher war es so, beim Abfragen der Hausaufgaben war immer der dran, der den Lehrer zuerst anguckte. Streber fixieren ihre Lehrer übrigens andauernd- auch auf dem Flur!
Daran magst du sie erkennen, Sterblicher!

Viel geändert hat sich nichts.
Der Schüler ist genauso frech und genauso am Arsch wie früher...

Neulich fragte mein Sohn, wie er seine Hausaufgaben machen sollte. Es waren irgendwie ziemlich haarige Aufgaben der 8. Klassem und er sollte die Ergebnisse in einem optisch anspruchsvollen Muster aufschreiben.
Ich erkannte das Muster, aber nicht den Sinn.
Oft steht als Lösungshilfe daneben, man könnte jemandem fragen oder im Internet googeln. Meine Kinder sind wirklich wahre Weltmeister (siehe hier: www) im Googles. Letztens haben sie ein Bratapfelrezept gefunden und meinen Vater verdonnert, das beim nächsten Freigang abzuarbeiten.

Mein Sohn ist immer genervt und seufzt lange, wenn ich was erkläre, weil er meint, ich würde zu weit ausholen (neulich erklärte ich den Ausdruck Fifty-Fifty mit einem Crashkurs Prozentrechnung).
Meist jedoch verstehe ich die Aufgaben gar nicht erst. Vor allem in Deutsch, was mir jetzt aber klar wird, nachdem ich mein eigenes Zeugnis vor Augen habe:

"Angela bemüht sich, einen unbekannten Text zu lesen, zu erfassen und wiederzugeben."
Der krasse Unterschied von 2017 zu 1977 ist: Wenn Schüler heute "bemühen", sind die Lehrer schon weltumfassend dankbar.
1977 jedoch war es eine andere Formulierung für: Seltendämlich.
Was aber so geblieben ist: guter Unterricht benötigt immer noch einen guten Lehrer.

Ich bin mir nicht sicher, welche Partei ich ergreifen soll. Für Lehrer oder gegen Lehrer. Was dazwischen gibt es nicht.

Manchml könnte ich die Lehrer beißen. Aber nicht zu knapp. Manchmal bin ich dankbar, dass sie ihren Job machen.

Einige meiner engsten Familienangehörigen sind Lehrer. Oder gewesen. Sie sind tatsächlich erstaunlich lebenstauglich, nett, klug und witzig.
Es ist schwierig eine Berufsgruppenbeleidigung wortgewaltig zu Papier zu bringen, wenn man offenbar die wenigen Ausnahmen zufällig in der eigenen Familie beherbergt und eine Blutsverwandtschaft definitiv nicht zu leugnen ist.

Ich bin also ratlos.

Aber ab und zu finde ich Schule einfach doof.


In diesem Sinne
Abi 19hundertnochwas

Redakteur




02. Oktober 2017, 09:03

Wein kann man nur begrenzte Zeit mit Verstand trinken

Hallo Mädels,

wenn man wie ich entschlossen ist, auch MIT Alkohol lustig zu sein, dann muss man für ausreichend Nachschub sorgen. Dazu fahren wir in die Pfalz.
Die Pfalz ist richtig schön, was bislang nur wenigen Informierten klar ist, da ihr Name doch eher klingt wie ein verunglücktes WLAN-Passwort. Die Berühmten unter den Pfälzern sind leider auch nicht allzu so werbetauglich. Zumindest wenn sie den Mund aufmachen oder machten (Helmut Kohl, Theo Zwanziger und Rudolph Scharping)

An der Pfälzer Weinstraße gibt es wenig zu weinen, dafür um so mehr zu probieren.
Es ist Herbst und bei Sonnenschein bunt und geradezu pittoresk.
Auf dem Hof des Weingut Thomas Reinhardt ist schon mächtig was los. Berge an Kürbisse, Kartoffeln und Äpfeln und Birnen locken nicht nur die letzten flugtauglichen Wespen an, auch die Käufer.
Die Chefin des Hauses muss noch einem kochfreudigen Herren ein Kürbisrezept mit auf den Weg geben, dann kommt sie zu uns und schwenkt schon ein Probierglas für mich.
Ich probiere, Gatte muss fahren.

Gatte und ich sind die Sorte niederer Weinfreunde, die einen Wein
aufmachen
einschenken
austrinken.

Wir machen nicht so ein Gedöns, um unser sowieso nicht allzu breit gefächertes Fachwissen anzubringen. Was uns schmeckt, das schmeckt uns eben. Egal wie die Farbe sich im Glas macht, ein öliger Film am Glasrand entsteht und wie viel Grad der Wein haben sollte und nicht hat.

Her damit!
Zum Reden haben wir später noch Zeit. Der Stoff zum Philosophieren ist eh erst in der dritten Flasche enthalten!
Dies ist kein Weinseminar sondern ein Probieren und Amüsieren in schöner Umgebung. Die Sonne kommt raus und ich mit sonnigem Gemüt trinke an einer Theke, die aus zwei alten Weinfässern und einem dicken Brett besteht.

Im Wein liegt Wahrheit.
Wahrscheinlich will sich die Wahrheit auch mal amüsieren. Und stehen kann sie wohl nicht mehr.

Offenbar stört es die Chefin nicht, dass ich mir den Wein nicht siebenmal um meine Zunge spüle und dabei klinge, als wollte ich eine Gebissreinigung vornehmen. Und ich spuck auch nix aus! In meinen Augen wäre das Alkoholmissbrauch!

Wie so oft muss ich ein paar Kommentare anhören, dass ich in den Ohren der hier Ansässigen offenbar Hochdeutsch spreche (lass das keinen Hannoveraner hören), aber nach einigen Proben rede ich schon eindeutig undeutlicher.
Ich arbeite mich gewissenhaft durch alles Halbtrockene, was das Weingut hergibt. Wein gilt als leicht erregbares Nahrungsmittel, daher lasse ich das Schnüffeln beim fünften Gläschen sein und erinnere mich dass 'extra trocken' nicht 'staubig' sondern die französische Form von Halbtrockenheit ist. Hui! Und die Spätlese, lese ich später, jetzt erst mal trinken.
Chefin öffnet den nächsten Wein mit einem Korkenzieher, den ich eher einem britischen Geheimagenten als Sonder-Equipment zugetraut hätte.

O la la!
Langsam mutiere ich sprachlich zum Alptraum aller Logopäden.

Alles was ich gutheiße, landet als Kiste mit 24 Flaschen im Kofferraum meines Gatten, der das als eine Sonderform der Qualitätssicherung ansieht. Er grinst und kauft mir auch einen Korb mit Zierkürbissen, obwohl er weiß, dass die bis zur Weihnachtsdeko in unserer Wohnung überall zu finden sein werden. Mutige Entscheidung finden auch meine Söhne, die Apfelsaft verköstigen.

Was sind den die kleinen Körner in dem Glas? Frage ich und sehe tief hinein.
Weinstein.
Einstein?
Nein, Weinstein. Kaliumtartrat, weil der Wein nicht industriell hergestellt wurde.
Na dann.
Wir reden über die richtige Temperatur.
Chefin meint, wenn man will, kann man Wein bei 6-8-10-12-14-16 oder 18 Grad trinken. Es klingt, als sei ihr das nicht so wichtig, aber lasse den Kunden gerne die Wahl.

Ich kichere bei der Vorstellung, dass ein piefiger Weinkenner mit einem Fieberthermometer in seinem Glas herumrührt, bis er sich endlich erlaubt, einen Schluck zu schlürfen.
Frappieren, Chambrieren, Dekantieren.

Macht man alle! Ich degustiere derweil.
Primäraromen, Sekundäraromen, Tertiäraromen.
Wie war das?
Es gibt 54 Weindüfte.
Wer hat das herausgefunden? Und wie sah seine Leber danach aus?
Ein Hauch von Grapefruit, Walnuss und Leder.
Himmel!
Ich scherze ein wenig mit meinem Müller-Thurgau herum.

Nach so viel Probiersöckchen – Verzeihung – Probiertröpfchen kann ich auch fehlerfrei den Landesnamen aussprechen:
Die PALZ.
So spricht man das nämlich richtig aus.

Gatte hat den Kofferraum voll, zückt das Portemonnaie und wedelt mit meinen Zierkürbissen herum.
Ich atme schon deutlich mehr als der Wein.
Gatte überlegt, ob er für mich die Sackkarre braucht, aber nein, es geht auch so.

Übrigens!!! Auch weißer Wein macht eine rote Nase!



In diesem Sinne
Die Blume

Redakteur



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