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20. November 2017, 10:40

Die Winkelhalbierende oder warum Tennislehrer unheimlich sind

Hallo Mädels,

ich will gleich alle alternativen Fakten auf den Tisch werfen: „Tennislehrer sind hübsch aber blöd.“ Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse halten aber dagegen.
Neue Arbeitsthese: „Tennislehrer sind unheimlich.“

Grundsätzlich gibt es für mich kaum etwas Schöneres, als zuzuhören, wenn jemand versucht, auf Mittelstufenniveau den sprachlichen Taktik-Ästheten zu geben. Also so was Kompliziertes wie Leidenschaft, Heulsusigkeit und absoluten Siegeswillen mit Hang zur Blutgrätsche in Worte zu fassen. Den hochgezüchteten Vollpfosten Synergien, Spiel-Finesse, Antizipieren und Imaginieren zu vermitteln. Fußballlehrer, Skilehrer und eben Tennislehrer machen das so. Herrlich!
Ich selbst habe übrigens eine TENNISLEHRERIN, und da Frauen per se schlauer sind, ist es obsolet zu erklären, dass die mir nie blöd vorkommt. Hübsch ist sie aber trotzdem.
Männliche TENNISLEHRERINNEN sind anders. Bislang habe ich nur Trainer erlebt, die so Sätze sagen wie: „Ey, isch glaub wohl es hackt! Hier wird hin gespielt. Sonst Liegestütze!“ In der Regel finde ich das nicht schlimm sondern kurzweilig, dann warte ich, bis sie sich Teile ihrer Funktions-Sportklamotten entledigen und muskelbepackt weiter pöbeln.

Aber dann wird es plötzlich unheimlich in meinem prä-diagnostizierten Leben:
Nichtsahnend auf einer Besucherbank in einer Tennishalle sitzend, erlebe ich die Trainingsstunde meiner beiden Freundinnen. Hochmotiviert kloppen sie auf einen wehrlosen Filzball ein. Mal Vor- mal Rückhand. Mal Volley, mal angeschnitten und mal mit dem Ausruf: „Blödes Netz!“
Der ihnen zuarbeitende Tennislehrer ist ein Mann mit einer Körpergröße, die einem Basketballspieler in Amerika und einem Sendemast in Südhessen zur Ehre gereichten. Er hat sich irgendwann (Gründe liegen der Redaktion nicht vor) entschlossen, eine Tennisschule zu gründen mit dem klangvollen Namen „Rückgabe“ (des Wohlklangs wegen in der Zunge der Angelsachsen). Also: Hier lehrt der Boss gerade selbst.

Während auf dem Nebencourt der dortige Coach alles daran legt, meinem Vorurteil über Tennislehrer Nahrung zu verschaffen (er hält lautstark Vorträge, dass Männer besser sehen und Frauen besser hören können und erläutert dies irritierenderweise an den Dezibel einer Sportschau-Sendung), richtet der Tennis-Chef auf diesem Platz das Wort an meine Freundinnen, wie folgt: „Achtet mehr auf die Winkelhalbierende!“
Ja. Wohl.
Wirklich wahr.
Winkelhalbierende.
Ich spitze augenblicklich die beschädigten Ohren.
Während er mit weit ausgestreckten Armen die Flügelspannweite einer Lockheed Super Constellation erreicht, deutet er auf das andere Feld und bittet, sich dort einen Gegenspieler vorzustellen. „Okay. Unser Angriff erfolgt immer longline!“
Unsere Blicke folgen einem unsichtbaren Filzball.
„Und nun die Winkelhalbierende vorstellen!“
Stille. Die Stille des Unverstandes. Wir reißen die Augen auf, doch es will uns nichts Halbiertes ins Auge springen.
„Ist doch ganz einfach. Ökonomie der Laufwege. Schaut doch mal.“
Wir schauen. Aber wir sehen nicht.
So geht das eine kleine Weile weiter. Nicht müde werdend und mit unerschütterlich sanfter Stimme (ziemlich unheimlich), den Schläger unter den linken Arm klemmend - um mehr Raum für große Gesten zu haben. Er deutet energisch in das leere Feld mit dem imaginierten Feind und auf eine in geistigen Nebelschwaden leise drohenden Winkelhalbierenden, wiederholt er: „Okay. Das ist im Grunde ganz einfach.“
Wir machen aber keinesfalls den Eindruck von „einfach“. Und schon gar nicht von „okay“.
Seufzend, aber noch sanfter im Timbre referiert er weiter:
„Okay. Wenn wir den Tennisplatz im Match optimal abdecken wollen, dann müssen wir uns einfach die Geometrie des Platzes zunutze machen.“
Nicken.
„Okay (er sagt oft Okay in einer therapeutisch-sedierenden Weise), nehmen wir an, ich schlage eine Vorhand cross. Dann würde mein Gegner in der Vorhandecke folgende Möglichkeiten haben, meinen Ball zu beantworten: Er könnte den Ball longline spielen oder cross nach außen.“
Er zeigt - den Schläger wieder aus der Armbeuge nehmend - in das andere Feld, dann in das eigene. Mal da, dann dort. Sein Profi-Tennisschläger sieht in seiner Hand dabei eher aus wie ein Tischtennisschläger…

Mir wird klar: Dieser Mann ist mir unheimlich.
Dabei hat er nicht viel mehr dafür getan, als baumlang in den Himmel zu wachsen. Und in Mathe aufgepasst zu haben...

„Okay. Sehr Ihr das?“ Er nuschelt leicht, was erschreckend beruhigend wirkt.
Wir sehen…….. nichts. Nur eine T-Linie, ein Grundlinie und viele Fragezeichen.
Er zeigt energischer: „Na, da! Die Winkelhalbierende verläuft genau in der Mitte und befindet sich immer, je nach Stellung des Gegners, leicht rechts oder links von der Mitte des Platzes. Also da. Hier.“ Er deutet auf den Boden. Wir schauen versonnen auf den hellgrauen Tennisteppich des Hallenbodens. Des Trainers leise Stimme transportiert unheilvolle Kennerschaft. „Ich sollte mich also nach meinem cross geschlagenen Ball in Richtung Winkelhalbierende bewegen“ Er macht einen gigantischen Schritt.
Meine Freundinnen schauen irritiert dabei zu und bewegen sich automatisch hinter ihm her. Brauchen aber viele kleine Schritte dafür.
„Okay. Also achtet auf die Winkelhalbierenden, dann habt Ihr immer noch eine gute Chance, an einen Ball zu kommen, der entgegen der Laufrichtung gespielt wird.“
Er dreht sich nun wieder ganz zu meinen Freundinnen um. Er lächelt und sucht in ihren Gesichtern nach frischer Erkenntnis.
Diese lächeln höflich zurück. Man sieht, sie wollen ihm nicht das Sportlerherz brechen. Daher verzichten sie darauf, laut auszurufen, was mir gerade in den Sinn kommt: „WAS ZUM HENKER IST EINE WINKELHALBIERENDE? Ist das Mathe hier oder Sport? Hä?“
Stille.
Er liest stumm in ihren Gesichtern, nickt unsicher, atmet hörbar ein, dann stoßweise aus. Die Schultern einen Hauch hängen lassend, sagt er sanft: „Okay. Wir üben dann jetzt besser Aufschläge.“ Sprach's und ging zum Korb mit den Bällen.


Arbeitsthese bewiesen: Tennislehrer sind UNHEIMLICH – wenn sie schlau sind.


In diesem Sinne
Der Angstgegner ist man immer selbst

Redakteur




19. November 2017, 12:24

Zitatetag


Hallo Mädels,


noch mal ein kluges Wort zur bewegungsintensiven Kalorienabarbeitung:

"Annehmbare dialektische Negation des Krieges: Sport."
(Manfred Hinrich)

Kalorien sind Krieg. Immer.


In diesem Sinne
Die, die joggen war...jetzt Sofanotaufnahme

Redakteur




17. November 2017, 08:44

Bambi-Verleihung der Hollywood-Selbsthilfegruppe

Hallo Mädels,

wenn Berlin eins NICHT ist, dann Hollywood.
Warum begreifen das die deutschen Fernsehmacher nicht? Ich glaube auch nicht, dass Bambi-Zuschauer an den Fernsehgeräten, die sonst an diesem Sendeplatz Volksmusik und ähnlich Weichgespültes friedvoll entgegennehmen, das verlangen.

Hollywood ist: Skandal und Busen und Kleider und Geschrei und viel, viel Geld.

Berlin ist: Berlin.

Die deutsche Filmszene ist sehr bodenständig und ansehnlich. Das freut den Krimi-Konsument und den Satire-Sachverständigen. Und Sportschau ist immer top.

Warum muss sich das Fernsehen derart überdimensioniert und artfremd inszenieren? Glitzer drüber und fertig? Nein. Es klappt nicht.
Da ist nämlich dieser distanzierte Unmut und ein mitteleurpäisches Mitschämen, wenn einer sich vor der Kamera zu sehr selber feiert oder einfach nur ein dämliches Kleid anhat.

Der Bambi. Wie man in den Wald ruft, schallt es eben NICHT heraus.
Hallo? Halloooo? Ist das wer?
Stille.
Aber wenn das Burda-Bistro eröffnet hat, scheint es nur noch eine Richtung zu geben: mit viel Glamour nach Hollywood. Da holt man sich notfalls einen österreichischen Gouverneur-Darsteller, der bei seiner Rede aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt werden muss; und der dabei derart glatt geliftet ist, dass er in Amerika nicht auffällt, aber in unseren Breitengerade aussieht wie ein Wachspuppe.
Wenn man Glitzer mit Glamour verwechselt, dann ist das anstrengend.

Natürlich hangelt sich von irgendwo wieder Helene Fischer von der Decke herunter und singt ein Lied mit einem üblich eingängigen Einzeiler: „Spürst du es?“
Da will man spontan zurück brüllen: „...aaaarghhhhhh!“

Der Silbereisen kann nie weit sein, wenn die Fischerhelene süß lächelt, und so muss er eingefroren grinsend ihr schlecht gestriptetes Dankessätzchen: "Für deine Liebe danke ich dir und dafür, dass du mein Zuhause bist." entgegennehmen, während sich die ganze Nation für diese beiden Sahnetörtchen-Tauben nur eins wünscht: Lasst sie aus ihrem goldenen Käfig raus, damit sie sich einmal im Leben richtig laut anpupen können!

Übrigens werden die beiden nie einen Bambi für Schauspielerei bekommen. Warum wohl?

Hugh Hackmann.Großafunahmen. Huuuuuuuuuu, wow! Sexy und hexy und huiii!
Oh, was sind die Burdisten alle froh, dass sie einen Hollywoodmenschen einkaufen konnten. Es ist, als würde man einen schönen Baum pflanzen und meinen, das wird schon bei der richtigen Belichtung wie ein WALD aussehen!
Hilfe!
Im klatschenden Publikum die übliche Prominenz. Ein Gewusel aus: Krimistars, Komödienlegenden und Restverwertern, die man gut kennt. Alle freuen sich etwas zu sehr über den Preis der anderen. Aber so ist das in Berlin.
Hier noch eine Fashion-Schönheit, von der man wenigstens den Namen weiß (denn diese Biester werden ja mittlerweile von Frau Klum in Serie gefertigt). Und dort noch ein Sportler.
Löw, klar. Der ist ja so ein Mittelding zwischen Sport, Schauspieler und Komödie mit viel Glamour und Haaren.
Die Klitschkos, die anders als der faltenlose Schwarzenegger wirklich nicht altern.
Heino Ferch. Selbstverständlich.
Da müsste ich jetzt was zu sagen, aber da fällt mir nichts zu ein. Erstens ist JEDER deutschsprachige Film mit Heino Ferch! Und zweitens ist er ja wirklich gut (wahrscheinlich, denn Konkurrenz gibt es ja nicht).
Ach, Gott, und den Gauck haben wir ja auch noch! Alle spitzen die Ohren und fragen sich, wie nennt man eigentlich den ehemaligen Bundespräsidenten? Ex-Präsi?

Berlin ist nicht Hollywood.
Es ist, als wollten Film-Beamte das Bambi-Business wie eine glitzernde Essensausgabe abwickeln. Es will einfach nicht überspringen, dieser vielbeschworene GLAMOUR.
Das liegt aber weniger an der Performance als an dem Fernsehpublikum. Das professionell vorgeschriebene, abendprogrammtaugliche Sich-selbst-Feiern ist für uns ein bisschen wie gelber Schnee: Das gibt es und ist auch natürlich, aber bloß nicht anfassen!

Dann kommt der Horror:
Das Bedanken.
Nichts ist so UNINSPIRIEREND wie die Danksagerei am Mikrofon. Danke an UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, UNBEKANNTE NAMEN, garniert mit Tränchen für Oma, Opa und Frau, die die Kinder hüten muss (arghhhh!).

Am folgenden Tag wird die Bambi-Veranstaltung SELBSTVERSTÄNDLICH einhellig gelobt.
Schnarch.

Während ich wirklich glaube, dass unsere Presse relativ frei ist (so frei und objektiv, wie der Mensch als Teil seiner Umwelt nun mal ist), weiß ich wie unfrei sie ist beim Lobhudeln für eine Bambi-Berieselung des Burda.
Alle Print-Medien finden es geil. Toll. Glamourös! Schön. Tränenreich. Politisch. Umwelt.

Nächstes Jahr nehmt einfach die Bilder von diesem Mal!
Ferch ist immer. Fischer ist immer. Und der Jogi altert ja eh nicht.



In diesem Sinn
Klopfer

SCHÖNES WOCHENENDE!!!

Redakteur




16. November 2017, 11:54

Warm oder lieber bequem


Hallo Mädels,

es soll ja nun die gemütliche Jahreszeit kommen, aber mir ist es zu kalt, da will die Bequemlichkeit irgendwie nicht so recht in die Puschen kommen...

Bequem.

Ein schönes Wort für eine schöne Sache. Fast elegant.
Aber Obacht:

"Es ist bequem, aber nicht gut, das Bequeme für das Gute zu halten."

(Ernst Ferstl)


In diesem Sinne
Die, die sie sich wieder hinlegt

Redakteur




14. November 2017, 09:55

Never change a winning Nutella

Hallo Mädels,

wer von uns erinnert sich nicht an die 80er Jahre als CocaCola plötzlich seine eigene Renaissance feiern wollten und seine Rezeptur veränderte ? Und wir alle da standen und uns fragten:

Äh?

Irgendwie war es uns so, als wäre diese Rezeptur bereits seit dem Mesolithikum in Höhlenwände gemeißelt.
Damals hatte der Sirup-Gigant einen kleinen, nervigen Terrier am Hosenbein, der da seelenruhig vor sich hin pinkelte. Dieser Terrier hieß Pepsi und verkaufte wie die CocaColaCompany einen süßen, braunen Getränkesud, der mit Wasser aufgeschäumt so gar nicht den Durst löschte - aber suuuuuuper angesagt war.
Bei uns Kindern zum Beispiel.
Zu Geburtstagen gab es ab und zu (wenn unsere Eltern dran dachten) eine Flasche des hippen Gesöffs - und man war stolz wie bolle, seinen Gästen DAS anbieten zu können. Meist versuchte man dabei, einen ganz souveränen Eindruck zu machen. Gerade so, als würde man JEDEN Tag quasi darin baden. Tat man selbstredend nicht. Und die jungen Gäste in der Regel auch nicht. Klar. Aber die taten auch so.

Ob das Zeug wirklich gut schmeckte?
Es schmeckte zumindest nicht schlecht.
Aber in erster Linie war es eine Art Eventtrinken. Man trank echte Cola. Von Coke. Nicht etwa die verpönte AfriCola (die viel coolere Werbespots hatte. Ich sehe da immer die vereisten Nonnen vor mir…). Nein, man war ein Brauseopfer.

In den 80ern änderte CocaCola das Rezept plötzlich. Und nicht etwa, weil die Amerikaner nun endgültig zu der Erkenntnis-Folklore kamen, dass sie was an der allgemeinen Ernährungslage schrauben sollten.

My goodness! No! Gesundheit wird in Amerika traditionell an den Dow Jones gekoppelt.

Die Coke musste einfach unbedingt SÜSSER werden. Wie Pepsi.
Es war damals in allen Medien.
Diverse coole Werbespots halfen mit, diesen belanglosen Kampf auch ordentlich anzuheizen. Ein Kampf, der dem Verbraucher gar nichts brachte, denn natürlich müssen Werbekosten beim Verkauf wieder rein kommen. Und die Rezeptur wurde nicht gesünder.
Den daumendicken Gesundheitstod dürfen die Verbraucher bitte selber zahlen.
Und die tun das, die Trottel-Lummen im Zuckerhimmel.

Nun haben wir 2017.
Und Nutella ist das neue Coke.

Nutella hat eigentlich keine echte Konkurrenz. Ältere kaufen vielleicht die abgeschwächte Variante von dem Kampf-Veganer Attila Hildmann. Oder Nusspli. Mag sein. Aber die Masse, die zählt, kauft das Ferrero-Produkt.

Auch bei uns zuhause schwören meine Jungs, dass sie diese braune Pampe von jeder anderen sofort unterscheiden können. Auch an der Farbe.
Aha.
Nun, das ist interessant, wenn man bedenkt, dass eins meiner Kinder eine Rot-Grün-Sehschwäche hat und zudem gerne mal ein Nutellaglas beim pädagogisch und ökologisch wertvollen Altglas recyclen in den braunen oder grünen Sammelkubus steckt.

Schon klar. Unternehmen sind um den Beschluss aufgebaut, Geld zu machen. Und das ist definitiv ein Konzept, das einem das Leben mit Gold galvanisiert. Offenbar kann man damit auch gut schlafen.
Also macht Ferrero einfach den Deckel auf, tut weniger Teures (gut war der Inhalt nie) hinein, und wir Blödis kaufen das ungesunde Produkt nun schön weiter. Toll.

Schuld sind wir. Die Käufer, die Eltern, die besser aufpassen müssen. So, wie beim Waffenkauf. Och Mööönsch! Der Hersteller einer Wohnzimmer-Flak ist ja nicht schuld, wenn andere die ausgerechnet zum Hirnwegballern benutzen. Oder?
Aaaaaaarghhhh.
Ich könnte in die Auslegeware beißen, wenn so argumentiert wird, und es sich sogar fast logisch anhört.
Zweifel an der ethischen Brillanz ist da angebracht!

Woher soll das (im Bereich Verantwortungshaushalt eher spärlich möblierte) Ferrero wissen, dass ausgerechnet Kinder (ach, die essen das???) geradezu süchtig nach dem braunen Zucker-Kakao-Fett-Komprimat werden, was zu allem Überfluss absolut ÜBERALL zu haben ist.
Selbst bei ALDI, das nicht gerade für Markenartikel bekannt ist.

Irgendwie scheint braune Pampe, egal ob im Kaufregal oder Bundestag, egal wie viel, egal wann, egal wer sie herstellt, immer zwei Dinge zu tun:

a) Sie macht hyperaktiv
und
b) ist ungesund fürs Oberstübchen (das Denken verlangsamt sich)

Ob das Zufall ist?

Mein heimischer Nutellaexperte meinte nur zu mir: „Mama, guck mal, das Zeug ist plötzlich heller. Sieht jetzt noch mehr aus wie…“

Sprach's und fraß.



In diesem Sinne
Nahrungsmittelergänzungsfach​frau

Redakteur




13. November 2017, 11:44

Wissenswertes im Herbst


Hallo Mädels,

darauf habt Ihr gewartet, ich weiß. Hier das ultimative Zitat für diese feuchtunfröhliche Kälte draußen:

"Kalte Füße sind lästig, besonders die eigenen."

Wilhelm Busch hat es gesagt und mit was? Richtig. Mit Recht.


In diesem Sinne
Das Espenlaub

Redakteur




07. November 2017, 15:14

November


Hallo Mädels,

um uns die Laune nicht zu sehr zu verhageln, stellen wir nun den MP3Player mit der Musik von Guns n' Roses ab.
November Rain ist aber auch zuuu deprimierend...

Lasst und Kerzlein anzünden, Tee kochen und Kekse knabbern!

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!


Na, geht doch!

In diesem Sinne
Gedichtleserin

Redakteur




06. November 2017, 10:08

Vom Backen und anderen Lebenswichtigkeiten

Hallo Mädels,

wenn es Euch noch nicht so recht weihnachtlich um die dekorierten Herzkammern ist, dann wird dieser Text Abhilfe leisten. Er handelt vom Plätzchenbacken.

Es sind genau diese Momente, bei denen ich unweigerlich an meine Mutter denken muss, wie sie damals meine neugierige Anwesenheit beim Backen ertrug und den größtmöglichen Schaden vom Gebackenen fernhalten konnte. Ich hing regelmäßig halb über dem Tisch, um alle Rühraktivitäten genau im Blick zu behalten.
Meine Mutter war stets ruhig und souverän in der orangefarbenen Küche. Ich liebte das an ihr und in mir manifestierte sich daher der sichere Gedanke, Mütter können alles.

Meine Mutter konnte Eigelb vom Eiweiß trennen und gleichzeitig mit einem Fuß die Schranktür, die heute noch so typisch knarrt, zuschubsen. Sie konnte Vanille- und Rumaromafläschchen öffnen, ohne dass die Dinger im hohen Bogen durch die Luft wirbelten. Sie konnte schaumige Cremefüllungen, klebrige Marmeladenplätzchen und sowieso die besten Weihnachtsplätzchen von der ganzen Welt. In S – aber auch in O-Formen. Und geriffelt.

Sie konnte Frankfurter Kranz.

Wenn sie Backpapier abriss, blieb sie in den Schultern locker, sie hatte dabei stets im Blick, wenn die Nachbarn am Küchenfenster vorbeigingen, und wo sie vermutlich gerade herkamen.
Das damals neumodische Backpapier, das lange Zeit bei echten Hausfrauen noch als Tipp hinter vorgehaltener Hand gehandelt wurde, machte ein sattes Ratsch und zeigte eine gerade, perfekte Schnittkante.

Wenn ich das mache, habe ich Streifenpapier.

Sie hatte schöne, weiche, aber ganz starke Hände und konnte selbst solchen Teig mit einer Hand kneten, bei dem heute mein elektrisches Rührgerät streikt. Sie trug dabei ihren Ehering, der durch die begehrte Masse vorwitzig durchblinkte.
Man findet Mütterhände wohl immer schön, sind es doch die Hände der Person, die einen als Baby gewickelt, gepudert, gefüttert und einem diese widerlichen Bauchschmerzen weggestreichelt hatte.

Das Oetkerbackbuch war an den Stellen, wo unsere Lieblingsrezepte standen, leicht gesprenkelt.
Doch erst mit dem handgeschriebenen Backbuch aus Zeiten, die meine Mutter in Hauswirtschaftskursen durchlebte, wurde es wirklich weihnachtlich.
Spritzgebäck. Kokoshaufen, Schwarzweißgebäck.
Alle Hausbewohner kamen bei aufsteigenden, verlockenden Düften zufällig vorbei, auch gerne alle fünf Minuten, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen, wenn es ans Töpfeauslecken ging.
Meine Mutter reichte ohne Widerspruch die Rührschüssel rum und eine etwas angespannte Atmosphäre erfüllte den Raum, wenn jeder Familienangehöriger den anderen im Blick hielt, damit ja nicht einer zu viel herausleckte.

Der Ofen wurde vorgeheizt und surrte vertrauensvoll, wie es Frauen wünschen. Die Spülmaschine surrte gleich eilig hinterher.
Sie räumte alles getreulich auf. Dort, wo eben der Teig ausgerollt und mit Förmchen erstochen wurde und wo es nun aussieht, wie bei Oetkers unterm Sofa, wischte sie elegant rüber, wieder mit dem Blick aus dem Küchenfenster.

Sauberkeit erstrahlte. Gemütlich war es immer.

Dann sagte sie, was für mich das Zeichen war, heute wird nichts mehr gebacken:

"Ich hab Hunger auf was Herzhaftes."

Und machte sich ein Brötchen mit Salami, da biss sie dann rein, während das ganze Haus erfüllt war vom Weihnachtsduft, der süßer nicht sein konnte.


Ich lache immer bei dieser Erinnerung.
Warum?
Ganz klar, ich esse dab meist gerade selbst mein Salamibrötchen zuende.

Schönen November!

In diesem Sinne
Die kleine Mutter

Redakteur




02. November 2017, 13:40

Halbhelden (Schon wieder was über Männer)

Hallo Mädels,

hilft alles nix. Heute haben wir wieder das Thema Männer.

Als verheiratete Frau hat meine Meinung ein gewisses Gewicht. Ich kann mit Erfahrungen, Einsichten, Aussichten, Ansichten und anatomischen Kenntnissen aufwarten.
Mein eigener Mann steht natürlich außerhalb jeglicher Diskussion. Ich bin selber Schuld. Meckern hilft da jetzt auch nicht weiter.

Es gibt viele Mannsbilder in den verschiedenen Hochglanzmagazinen, die eine kurzweilige Diskussion meinen Mädels und mir wert sind. Besonders hübsch, wenn sie im Tennisdress uns über den Weg laufen.
Wir Mädels analysieren da gerne und vergleichen auch mit Persönlichkeiten aus Sport, Fernsehen und Film.

Wer sieht also wirklich, wirklich gut aus?
Nun, was ist eigentlich gutes Aussehen?
Und was bringt das?

Das männliche Aussehen ist ein Terrain, auf dem die Frauen sich nur zu gerne verirren. Entgegen aller landläufigen Brigitte-Diät-Meinungen ist gutes Aussehen kein Produkt der richtigen DNA-Anordnungen. Jeder Mann kann gut aussehen.
Es empfiehlt sich daher in unserer kleinen medien-forcierten Diskussionsrunde, erst jene Mannsbilder zu besprechen, die von der Natur reichlich mit geraden Nasen, schönen Lippen, überzeugenden Augenfarben, wohlproportionierten Körpern und ansprechender Deo-Auswahl gesegnet sind. Diese überschaubare Elite hat es am schwersten, denn niemand ist dem Volltrottelstatus näher, als ein Mann, der schön ist und nichts draus macht. Der einen Mund zum Küssen besitzt aber nicht wirklich zum Sprechen nutzt. Der seinen Kopf als Unterlage für eine schicke Frisur versteht und nicht als Behältnis für einen abendfüllenden Gesprächsthemenvorrat.
Leicht haben es jene Männer, die aus einem unvorteilhaften Nichts an Äußerlichkeit das gewisse Etwas zu schaffen verstehen. Denen liegen wir Mädels zwar nicht zu Füssen aber vor den Handys herum und warten auf Rückruf.


Übrigens: Eitelkeit ist ein degeneriertes Zeichen für geistige Kleinkunst.

Also gut. Was haben wir da vor uns?
Unrasiertheit bedeutet einen grünen Daumen und damit eine Befähigung zur Gartenarbeit.
Starke Oberarme stehen für den optimalen Schutz der Familie im öffentlichen Leben.
Schöne Augen versprechen einen romantischen Abend mit vielen klugen Worten vor der Entdeckung der Eruptionsgeschichte.
Ein angenehme Stimme ist ein Zeichen für Leidenschaft.
Gepflegtes Äußeres lässt den hoffnungsvollen Schluss zu, dass dieser Mann in der Lage ist, eine Spülmaschine unaufgefordert zu bestücken und Klopapier selbsttätig nachzufüllen.

Frauen genügt weit weniger, um sie zu allerlei Zweisamkeit mit Sex, Spülmaschine, Kindern und gemeinsamer Steuerklasse überzeugen zu lassen, als es solche komplizierten hormonell verstrickten Gedanken vermuten lassen.
Frauen mögen Männer. Grundsätzlich.
Auch wenn das in der Welt der Medien gerne mal anders dargestellt wird.
Frauen brauchen keine Siegertypen. Siegertypen sind was für die Formel1-Garage, aber nicht für unser Wohnzimmer und schon gar nicht für unser Bett. Dort geht es ja kaum darum, wer am schnellsten fertig ist, oder?
Toll, wenn bei Siegertypen der Serotoninspiegel höher ist, aber was bringt mir das, wenn ich einen Tee gekocht haben will? Wenn meine Füße kalt sind oder die Handwerker mir gerade die Dusche zu Klump gehauen haben und ich Trost brauche?

Frauen mögen Helden, klar, wenn sie Hilfe brauchen, aber genauso lieben sie erfolgsverwöhnte Fußballschönheitskönige, die bei einer Niederlage Rotz und Wasser heulen. Das ist süß. Was fürs Herz.
Frauen mögen Männer, weil sie Schnupfen haben und ihre Welt ohne dargereichtem Nasenspray zusammenstürzt.
Wer braucht einen ganzen Helden zuhause, wenn die Hälfte reicht? Überqualifizierung führt nur zu Frustration auf beiden Seiten.
Halbhelden sind viel besser für die ganze Liebe.

Aber, bitte, liebe Männer, wie wäre es, wenn Ihr an UNS auch mal gescheite Anforderungen stellt?
Ihr habt doch wohl den Arsch auf, wenn Ihr meint, von uns könnte IHR alles fordern, weil ich selber so toll seid?
Hallo? Geht es noch?

So. Und nun seid lieb und bringt Euren Kaffeebecher selbst in die Küche, die Unterhose selbst in den Wäschekorb und nein, ich gucke heute keinen dämlichen Actionfilm mit dir, wir gucken WAS ICH WILL.

Und morgen zeigen wir Euch, wie man eine leere Klopapierrolle entsorgt und für Nachschub sorgt.
Toll, macht Ihr das!



In diesem Sinne
Heldin in Strumpfhosen

Redakteur




01. November 2017, 08:26

Luther, Süßes oder was auf die Fresse


Hallo Mädels,

es mag auch an der Dunkelheit liegen, dass ich enorm schlechte Laune in mir versammeln kann. Aber in Wahrheit geht mir Halloween in einem Maße auf die Nerven, wie ich es nicht beschreiben kann.

Das ist be-scheu-ert!!!

Ich gebe zu, dass ich Halloween ebenfalls und fälschlicherweise als „Mist aus Amerika“ bezeichne.Traditionell wird in deutschen Nachrichtensendungen auch ein heiterer Teil eingeflochten. So wird jedes Jahr: Nikolaus, Weihnachten, Sternensingen, Valentinstag, Pfingsten, Ostern, am 31. Oktober die Reformation aufgegriffen und daraus ein sterbenslangweiliger Beitrag entworfen, der lehrreich sein soll aber nur nervtötend ist. Denn auf so was steht ja der deutsche Nachrichtenkonsument.
Halloween, erfahren wir auch dieses Jahr, stammt ja nun aus Irland und nicht aus Amerika (nur die verstehen es besser, es zu kommerzialisieren). Halloween bedeutet eigentlich „All Hallow Eve“ und ist übersetzt das völlig langweilige „Allerheiligen“. Also ein Gedenktag, der die unüberschaubare Anzahl an Heiligen der Katholischen Kirche quasi als Sammelbestellung an einem Tag abarbeitet.
Gut. Dann macht das mal.

Fertig. Beitrag zu Ende.
Nein?
Nein.
Es geht erst richtig los.

Dieses Mal kam nämlich auch noch der sehr umtriebige Junker Jörg (was für ein entzückendes Pseudonym!!!) also Herr Luther dazu, der vor 500 Jahren dem Katholischen Irrsinn eine religiöse Light-Irrsinn-Version nahe bringen wollte und zu diesem Zwecke 95 Hinweise an einen Küster gab, der diese (wahrscheinlich weil er keinen Bock hatte, den Kram durchzuarbeiten) mehr oder weniger ungelesen an die Pforte nagelte - wie alle Schriftstücke. Fotokopierer gab es noch nicht.

Und dann ging es los.
Tumult!
„Wie? Wir sind alle gleich?“

Das ging interessanterweise mal komplett nach hinten los, denn Luther wollte nur die Katholische Kirche reformieren, statt dessen hat er sie geteilt.
Egal. Der religiöse Irrsinn, der jeder Wissenschaft widerspricht und erwiesenermaßen den christlichen Menschen nicht oder nur teilweise zu einem besseren gemacht hat, ist nun in den Köpfen!

Und wie der Mensch nun mal ist - statt nachzudenken, gibt es Krieg.
Halleluja.

Aber wir waren ja bei dem blöden Halloween.

Nachdem ich nun fast ein Jahr lang jeden Tag angeluthert wurde durch die Presseabteilungen dieser Welt, bin ich fast dankbar, als der eigentliche Tag dann endlich da war - und damit ein Ende abzusehen.

ABER ...
... dann ist da ja auch noch Halloween.

WAS. FÜR. EIN. MIST.

Mit der selben Thesen-Anschlags-Fabulier-Energie erklärt der Nachrichtensprecher den Zuschauern in aller epischen Breite dieses dämliche Halloween, das offensichtlich aus zwei Dingen besteht.

Kürbisse
Süßigkeiten

Warum soll ich das wissen wollen?

Und NEIN. Ich hatte KEINE Süßigkeiten parat. Und NEIN, die Eltern, die vor meiner Tür und hinter ihren (als Tod verkleideten) Kindern standen, waren total sauer deshalb. Man hat mir Saures androht.
Hallo? Habt ihr einen gewaltigen Dachschaden? Wollte ich ausrufen. Statt dessen habe ich gesunde Apfelringe in die dargebotene Tüte geworfen.
Geht es noch? Den Kindern beibringen, dass sie an Türen klingeln sollen, um mit Drohungen Süßigkeiten zu erbetteln, ja, regelrecht erpressen?

DAS ist BESCHEUERT!

Früher hatten wir wenigstens noch Martinssingen. Da hat man gesungen! Zwar nicht schön, aber man hat was als GEGENLEISTUNG angeboten.



UND WIR IN HESSEN HABEN AN ALLERHEILIGEN KEINEN FEIERTAG!



In diesem Sinne
Das Fegefeuer

Redakteur



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